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Trump bezeichnet Kommunismus als „größte Bedrohung“ seit Gründung der USA

In einer Grundsatzrede auf dem Treffen der konservativen Interessenvertretung „Faith and Freedom Coalition“ bezeichnete US-Präsident Donald Trump den Aufstieg des Kommunismus in Amerika als die größte Gefahr für die Nation. 

„Dies ist meiner Meinung nach die größte Bedrohung für unser Land seit seiner Gründung vor 250 Jahren“, sagte Trump am Freitag, 26. Juni, in Washington, D.C. Als Hauptredner der Konferenz sprach er sich für Religionsfreiheit aus.

Der US-Präsident warnte die Zuhörer vor der heimtückischen Natur des Kommunismus und dessen Plan, die Religionsfreiheit zu zerstören.

„Sobald sie offen wie Kommunisten handeln, werden sie eure Kirchen in diesem Land schließen. Genau das versuchen sie“, sagte Trump. „Sie werden eure Leute töten, und darum geht es ihnen. Sie wollen die Religion abschaffen, denn ihre Ideologie funktioniert nicht, wenn es eine starke Religion gibt.“

Die Wahlen in New York

Seine Aufmerksamkeit wurde durch die jüngsten Wahlen geweckt, bei denen am 23. Juni drei Kandidaten der Demokraten ihre Vorwahlen für das US-Repräsentantenhaus dank der Unterstützung von Zohran Mamdani, dem Bürgermeister von New York City, gewonnen hatten.

„Und wie Sie bei den kürzlich in New York City gewählten Kommunisten gesehen haben, sind sie Kommunisten, keine Sozialdemokraten“, sagte Trump. „Sie wollen die traditionelle amerikanische Lebensweise vollständig zerstören.“

Er verglich den Aufstieg der kommunistischen Ideologie mit dem schleichenden Einsickern von Ideen, die für Uninformierte zwar verlockend klingen, aber in einer Katastrophe für die Gesellschaft enden.

„Der Kommunismus lässt sich sehr leicht verkaufen“, sagte Trump. „Er zerstört alles, aber er ist sehr leicht zu vermitteln.“

Er warnte, dass die Folgen des Kommunismus weitreichend und verheerend seien.

„Ihr werdet in Elend leben. Es wird kein Essen, keine Wohnungen, kein Militär und keine Ordnung geben, gar nichts“, sagte Trump. „Ihr werdet in jeder Hinsicht wie Bewohner eines Entwicklungslandes sein. Und alle werden leiden oder sterben.“

Die Bemühungen um eine kommunistische Herrschaft hätten in der Vergangenheit, beispielsweise in der Sowjetunion und im Ostblock, in Kambodscha und Äthiopien, sowie in der Gegenwart, etwa in China, Kuba, Nordkorea, Vietnam und Laos, Tod und Leid für Milliarden Menschen verursacht. Dabei unterdrücken die kommunistischen Regime ihre Bürger.

„So etwas geschieht schon seit Jahrtausenden“, sagte Trump. „Es geschieht nur unter verschiedenen Namen.“

Trump: „Wir wollen Religionsfreiheit“

Er machte diese Bemerkungen bei seiner ersten Rückkehr in den International Ballroom des Washington Hilton, seit ein Attentat auf den Präsidenten während des Abendessens eines Presseballs am 25. April vereitelt worden war.

Die „Faith and Freedom Coalition“ bringt Politiker, religiöse Führer und Gläubige zu einer dreitägigen Konferenz in der Hauptstadt des Landes zusammen. Die Organisation, die im Jahr 2009 gegründet wurde, verfügt mittlerweile über Hunderttausende Anhänger sowie mehrere hundert lokale Ortsverbände. Sie unterstützt in Wahlkampagnen Kandidaten, die mit ihren konservativen und christlichen Werten übereinstimmen. 

Kurz nach seiner Rede vor der Konferenz erhielt der Präsident im Weißen Haus einen 223-seitigen Entwurf eines Berichts der Kommission für Religionsfreiheit.

„Während wir uns darauf vorbereiten, nächste Woche den 250. Jahrestag unserer Gründung zu feiern, ist es nur angemessen, dass wir uns für die Stärkung dieses Grundrechts und vor allem für die Sicherung der Freiheit für kommende Generationen einsetzen“, sagte Trump während der Zeremonie im Oval Office. „Wir wollen Religionsfreiheit.“

Eine Warnung vor den UN

Es ist nicht das erste Mal, dass Trump in einer Rede den Kommunismus und den Sozialismus scharf kritisiert. Seit Beginn seiner ersten Amtszeit warnt er immer wieder vor deren globalem Einfluss.

So warnte er beispielsweise bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen im Jahr 2019 die Staats- und Regierungschefs der Welt vor dem „Gespenst des Sozialismus“ und bezeichnete ihn als eine der größten Herausforderungen für die Nationen.

In seiner Rede sagte er, dass Sozialismus und Kommunismus im vergangenen Jahrhundert 100 Millionen Menschenleben gefordert hätten. Er verurteilte die „brutale Unterdrückung“ der Menschen in Kuba, Nicaragua und Venezuela.

Trump hat die Demokraten wiederholt dafür kritisiert, dass sie in den Vereinigten Staaten einen „radikalen Sozialismus“ propagieren würden. Er verurteilte Vorschläge wie offene Grenzen und den Green New Deal als extrem.

„Das rosige Bild widerspricht der Geschichte“

Laut einer Studie des Umfrageinstituts Pew Research Center aus dem Jahr 2019 leben fast 85 Prozent der Weltbevölkerung in Ländern, in denen die Religionsfreiheit stark oder sehr stark eingeschränkt ist. Das von der Kommunistischen Partei regierte China, weist eine der höchsten Einschränkungen der Religionsfreiheit auf.

Der Historiker und Autor des neuen Buches „Founder’s Fire: From 1776 to the Age of Trump“ (etwa: Das Feuer der Gründerväter: Von 1776 bis ins Zeitalter von Trump), Arthur Herman, stimmte zu, dass der Aufstieg des Kommunismus eine Bedrohung für die Nation darstellt.

„Das Erstarken des Sozialismus und sozialistischer Gesinnung, insbesondere unter jungen Menschen in den Vereinigten Staaten, bedroht die amerikanische Wirtschaft, ihr Wachstum und ihre globale Stellung“, sagte Herman der Epoch Times.

Er merkte an, dass 65 Millionen Chinesen durch Mao Zedongs Bestrebungen, ein neues „sozialistisches“ China zu errichten, ums Leben gekommen seien, und 25 bis 30 Millionen Menschen in der ehemaligen Sowjetunion unter einem kommunistischen System ums Leben gekommen seien.

„Das rosige Bild, das die jüngere Generation von Lehrern und ideologisch geprägten Mentoren vom Kommunismus erhalten hat, widerspricht der Geschichte“, sagte Herman. „Es widerspricht auch dem, was im Kern die amerikanische Erfahrung und den amerikanischen Exzeptionalismus ausmacht.“

Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Trump Calls Communism ‘Most Serious Threat’ Since Nation’s Founding“. (deutsche Bearbeitung: yz)

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Social-Media-Verbot: Australien verdoppelt Geldstrafe für Verstöße der Konzerne

Gut sechs Monate nach der Einführung des weltweit ersten Social-Media-Verbots für Kinder und Jugendliche will Australien Verstöße der Konzerne mit höheren Geldstrafen ahnden.
Wie die Regierung mitteilte, wird die Höchststrafe für systematische Verstöße auf 99 Millionen australische Dollar (59,9 Millionen Euro) verdoppelt. Die Internet-Aufsichtsbehörde soll zudem umfassendere Befugnisse erhalten.
Sie gehe möglichen Verstößen durch Facebook, Instagram, Snapchat, Tiktok und Youtube „aktiv“ nach, erklärte die Regierung.

Minderjährige umgehen die Sperren

Australien war mit seinem im Dezember in Kraft getretenen Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige weltweiter Vorreiter. Seitdem erließen mehrere weitere Länder ähnliche Vorschriften, auch in Deutschland wird über das Thema diskutiert.
Eine am Donnerstag im Fachmagazin „British Medical Journal“ veröffentlichte Studie kam jedoch zu dem Ergebnis, dass das Verbot bisher kaum Auswirkungen auf das Nutzungsverhalten australischer Teenager hatte.
Minderjährige umgehen demnach die per Gesetz erlassenen Beschränkungen, indem sie beispielsweise Fake-Accounts erstellen oder Konten nutzen, die auf ältere Personen registriert sind.
„Es ist klar, dass die großen Tech-Konzerne nicht genug tun, um das Gesetz einzuhalten“, konstatierte nun Premierminister Anthony Albanese.
Es seien „immer noch zu viele Kinder“ in den Onlinenetzwerken aktiv. Mit der Neuregelung verdeutliche die Regierung, „wie ernst wir jede Nichteinhaltung durch die Social-Media-Unternehmen nehmen“.

Regierung will „nicht klein beigeben“

Kommunikationsministerin Anika Wells ergänzte, die Plattform-Betreiber hätten bisher „Tricks direkt aus dem Taktikhandbuch der Tech-Giganten“ angewendet und „nur das absolute Minimum“ getan.
Die Tech-Konzerne gehörten aber „zu den reichsten und mächtigsten Unternehmen der Welt, und wir meinen es ernst damit, sie zur Verantwortung zu ziehen“. Die Regierung werde „nicht klein beigeben“.
Die australische Aufsichtsbehörde kann die Unternehmen künftig zu Nachweisen darüber verpflichten, welche Maßnahmen sie ergreifen, um zu verhindern, dass Unter-16-Jährige ein Konto eröffnen.
Zur Überprüfung der Angaben kann sie zudem Informationen und Unterlagen anfordern – von den Betreibern selbst, aber auch von Dritten wie den Anbietern für die Altersüberprüfung oder den App-Store-Betreibern. (afp/red)
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THW in Venezuela eingetroffen – Washington stellt 150 Millionen Dollar Hilfsgelder zur Verfügung

Einen Tag nach dem verheerenden Doppel-Erdbeben in Venezuela sind Helfer aus Deutschland in dem südamerikanischen Land eingetroffen.
Das 48-köpfige Team einer auf Erdbeben-Einsätze spezialisierten Bergungseinheit des Technischen Hilfswerks sei „heute Nacht“ (Ortszeit) am Flughafen Caracas eingetroffen, teilte THW- Präsidentin Sabine Lackner mit. Die Einsatzkräfte würden nun gemeinsam mit internationalen Partnern beginnen, die Lage zu erkunden.
Zu den ersten Prioritäten gehörten demnach die Abstimmung der Einsatzstellen und Einsatzoptionen sowie die Prüfung logistischer Rahmenbedingungen – „damit wir so schnell wie möglich mit der Suche nach Vermissten beginnen können“.
Die Zahl der Toten ist auf 1.430 gestiegen. Mehr als 3.200 Menschen seien verletzt worden, teilte der Präsident der Nationalversammlung, Jorge Rodríguez, mit. 50.000 Menschen gelten als vermisst.

THW: Ein „Wettlauf gegen die Zeit“

Im Einsatzland starte nun „ein Wettlauf gegen die Zeit“, sagte die THW-Präsidentin. Das Team werde in zwei Schichten arbeiten. So sei es möglich, rund um die Uhr nach Vermissten zu suchen.
Mit dabei sind laut THW auch vier Suchhunde-Teams. Ziel ist es demnach, Überlebende in den Trümmern aufzuspüren.

Evakuierte Bewohner des Gebäudes „Misión Vivienda OPP 54 ‚Carlos Escarra‘“ schliefen am Paseo Los Ilustres, da ihr Haus strukturelle Schäden davongetragen hat.

Foto: Edilzon Gamez/Getty Images

Der internationale Flughafen Simón Bolívar in Venezuela wurde am Samstag teilweise wieder eröffnet. Eine der Start- und Landebahnen sei wieder in Betrieb, sagte ein hochrangiger US-Regierungsvertreter Journalisten.
Demnach landeten auf dem Flughafen US-Militärtransportflugzeuge mit Hilfsgütern. Später sollten zudem mobile Krankenhäuser eintreffen.

USA gibt 150 Millionen Dollar Hilfsgelder frei

Auch liege nun das Marineschiff „USS Fort Lauderdale“ vor der venezolanischen Küste – was weitere Rettungsflüge rund um die besonders schlimm betroffene Küstenstadt La Guaira ermöglichen würde.
Die US-Helfer seien somit „in der Lage, Menschen bei Bedarf mit Hubschraubern zu den medizinischen Einrichtungen auf diesem Schiff zu fliegen und es für die Führung, Kontrolle und Logistik sowie für den Lufttransport zu nutzen“.
Die USA gaben bereits Hilfsgelder in Höhe von rund 150 Millionen Dollar (rund 132 Millionen Euro) frei. In den kommenden Tagen erwarte er die Ankündigung eines „weiteren Hilfspakets in neunstelliger Höhe“.

27. Juni 2026: Eingestürzte Gebäude in Catia La Mar im Bundesstaat La Guaira. Es wird von wachsender Wut über den Mangel an offizieller Hilfe zur raschen Rettung von Überlebenden berichtet.

Foto: Federico Parra/AFP via Getty Images

Star- und Landebahn aufgerissen

Laut dem Beamten ist eine der Start- und Landebahnen des internationalen Flughafens durch die Beben „vollständig aufgerissen und unbenutzbar“. Das US-Militär werde auch „bei der Koordination der Flüge im Kontrollturm helfen“. Der Flughafen ist ihm zufolge angesichts der vielen internationalen Akteure und Hilfsorganisationen „sehr überlastet“.
Die Vereinten Nationen schätzen, dass fast sieben Millionen Menschen von den verheerenden Beben betroffen sein könnten. Dies sei nach der Auswertung verfügbarer Daten festgestellt worden, erklärte die Internationale Organisation für Migration. Allein in Caracas umfassen die Schätzungen zwei Millionen Menschen.

Kritik an Regierung wächst

Angehörige und Freiwillige berichten von erheblichen Verzögerungen bei der staatlichen Hilfe. In zahlreichen betroffenen Vierteln versuchen Anwohner nach eigenen Angaben weiterhin mit bloßen Händen oder einfachen Werkzeugen, Verschüttete zu retten, da schwere Bergungsmaschinen fehlen.
Auch in der Hauptstadt Caracas nimmt die Kritik an der Regierung zu. Während eines Besuchs der geschäftsführenden Präsidentin Delcy Rodriguez in einem zerstörten Stadtviertel protestierten zahlreiche Anwohner lautstark gegen das aus ihrer Sicht unzureichende Krisenmanagement.

Spenden, die im Sammelzentrum der Universidad Central de Venezuela eingegangen sind.

Foto: Edilzon Gamez/Getty Images

Die Regierung unterstrich hingegen ihre Erfolge: Rund 60 Prozent der Stromversorgung hätten in den besonders betroffenen Gebieten mittlerweile wiederhergestellt werden können.
Innenminister Diosdado Cabello kündigte unterdessen an, den Zugang zur besonders schwer betroffenen Region La Guaira vorübergehend einzuschränken. Damit wolle man erreichen, dass Rettungseinsätze nicht zu behindert werden, sowie epidemiologische Vorsichtsmaßnahmen einhalten. (afp/dts/red)
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Abkommen Israel-Libanon-USA – Hisbollah hält Vereinbarung für „null und nichtig“

Israel, der Libanon und die USA haben in Washington ein Rahmenabkommen unterzeichnet, das den Weg zu einem israelisch-libanesischen Friedensabkommen ebnen soll.
Die Hisbollah lehnt das Abkommen vehement ab. Hisbollah–Chef Naim Kassem bezeichnete die Vereinbarung am Samstag als „schweren Fehler“. In der Nacht zuvor hatten Anhänger der pro-iranischen Miliz in Beirut gegen das Rahmenabkommen protestiert, das unter anderem die Entwaffnung der Hisbollah vorsieht.

Hisbollah betrachtet das Abkommen für „null und nichtig“

Hisbollah-Chef Kassem erklärte, seine Organisation betrachte das Rahmenabkommen als „null und nichtig“. Die Vereinbarung sei „demütigend“ und „beschämend“ und bedeute „eine Aufgabe der Souveränität“. Der Regierung in Beirut warf Kassem vor, Israels „Besatzung“ damit zu „legitimieren“.
Der Hisbollah-Abgeordnete Hassan Fadlallah hatte zuvor mit Gewalt gedroht. Libanons Regierung könne das Abkommen nur umsetzen, wenn sie sich mit Unterstützung der USA auf einen „Bürgerkrieg“ einlasse, warnte er.

Anhänger der Hisbollah blockieren die alte Flughafenstraße in den südlichen Vororten von Beirut mit brennenden Reifen, um gegen das am 27. Juni 2026 zwischen den USA, Israel und dem Libanon unterzeichnete trilaterale Abkommen zu protestieren.

Foto: Ibrahim Amro/AFP via Getty Images

Die libanesische Botschafterin in den USA, Nada Hamadeh Moawad, nannte das Abkommen einen „ersten Schritt“ zur Wiederherstellung von Libanons Souveränität und territorialer Integrität. Israels Botschafter Yechiel Leiter sagte, mit dem Abkommen seien „der Iran draußen, die Hisbollah draußen“ – und der Weg zum Frieden offen.
Der Libanon bekräftigt in dem Abkommen seine Verpflichtung, das staatliche Gewaltmonopol wiederherzustellen. Bewaffnete nichtstaatliche Gruppen sollen demnach im Land keine militärische oder sicherheitspolitische Rolle und keine bewaffneten Fähigkeiten mehr haben.

„Dauerhafter Frieden“

Zu den zentralen Vereinbarungen des 14 Punkte umfassenden Textes gehört: Israel und der Libanon bekräftigen mit Unterstützung der USA „ihr gemeinsames Ziel, einen dauerhaften Frieden und Sicherheit zu erreichen“.
Die Nachbarländer, die sich formell seit 1948 im Kriegszustand befinden, „erklären ihre Absicht, den Konflikt endgültig zu beenden, die ihm zugrunde liegenden Ursachen anzugehen und damit jeden Kriegszustand zwischen ihnen formell zu beenden“.

„Verifizierte Entwaffnung“

Dazu sieht das Rahmenabkommen vor, „irreversible Fortschritte“ bei der Lösung aller Streitpunkte zwischen Israel und dem Libanon zu erzielen. Dies soll durch direkte bilaterale Gespräche erreicht werden, die von den USA vermittelt und unterstützt werden.
Die libanesische Armee soll nach einer „verifizierten Entwaffnung nichtstaatlicher bewaffneter Gruppen und der Beseitigung der damit verbundenen Infrastruktur“ – gemeint ist insbesondere die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz – die Souveränität „über das gesamte libanesische Staatsgebiet wiederherstellen“.
Dies werde es der israelischen Armee ermöglichen, sich „schrittweise aus dem libanesischen Staatsgebiet zurückzuziehen“. Die dafür erforderlichen Schritte sowie Überprüfungsmechanismen sollen noch festgelegt werden.

Testgebiete

Die libanesische Armee soll schrittweise die „vollständige und effektive Sicherheitsverantwortung“ in sogenannten Testgebieten im Libanon übernehmen, aus denen die israelische Armee sich dann „schrittweise und verifiziert“ zurückzieht.
Auf zwei solche Testgebiete haben sich beide Seiten bereits verständigt, weitere Gebiete sollen gemeinsam festgelegt werden. Die libanesische Armee soll die Sicherheitsverantwortung für die Gebiete übernehmen, sobald die Entwaffnung nichtstaatlicher bewaffneter Gruppen abgeschlossen und überprüft ist.
In den Gebieten unter libanesischer Kontrolle sollen dem Abkommen zufolge „international unterstützte Wiederaufbaubemühungen“ beginnen. Libanesische Zivilisten sollen „sicher“ dorthin zurückkehren können. Die USA wollen „eng mit beiden Ländern zusammenzuarbeiten, um diesen Prozess zu verifizieren und zu unterstützen“.

Arbeitsgruppen

Die libanesische Regierung bekräftigt in dem Abkommen ihre Absicht, ihre Souveränität über das libanesische Staatsgebiet vollständig wiederherzustellen. Konkret wird auf das „Gewaltmonopol des Staates“ und erneut auf die Entwaffnung nichtstaatlicher Gruppen verwiesen.
Solche Gruppen sollen im ganzen Land künftig keine Rolle mehr in Militär- und Sicherheitsfragen spielen und über „keinerlei bewaffnete Fähigkeiten“ verfügen. Um dies zu erreichen, bittet der Libanon um die Unterstützung internationaler und insbesondere arabischer Partner – unter Führung der USA.
Israel und der Libanon sollen zudem Arbeitsgruppen einsetzen, um ein umfassendes Friedens- und Sicherheitsabkommen auszuarbeiten. Sie sollen zudem umgehend ergänzende Formate für „laufende direkte Kontakte“ einrichten, die von den USA unterstützt werden.

„Keine territorialen Bestrebungen“

Israel versichert in dem Abkommen, seine Militäreinsätze im Libanon seien „ausschließlich“ eine Folge der Angriffe nichtstaatlicher bewaffneter Gruppen im Libanon, insbesondere der Hisbollah, sowie der von ihnen ausgehenden Bedrohung und ihrer „feindlichen Absichten“.
Die „Beseitigung dieser Bedrohung“, insbesondere durch die Entwaffnung der Gruppen und weitere Sicherheitsvereinbarungen zwischen beiden Ländern, werde zukünftig auch die „Notwendigkeit“ für Militäreinsätze oder eine Präsenz israelischer Soldaten im Libanon beseitigen. Die israelische Regierung erklärt, „dass sie im Libanon keine territorialen Bestrebungen hat“. (afp/red)
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Erneut Waldbrand in der Gohrischheide – Ortschaften derzeit nicht bedroht

Fast genau ein Jahr nach einem verheerenden Waldbrand in der Gohrischheide an der Landesgrenze von Sachsen zu Brandenburg ist dort erneut ein Feuer ausgebrochen.
Der Brand breitete sich sehr schnell aus, wie Zeithains Bürgermeister Mirko Pollmer (parteilos) sagte. Das Gebiet im Landkreis Meißen ist munitionsbelastet, was Löscharbeiten erschwert. Ortschaften seien aktuell nicht bedroht.

Mehr als 19 Hektar betroffen

Die betroffene Fläche sei von zunächst drei auf inzwischen mehr als 19 Hektar angewachsen. Die Temperaturen haben am späten Nachmittag einer Erkundungsdrohne derart zugesetzt, dass sie zunächst nicht mehr fliegen konnte, sagte Pollmer. Deswegen sei es schwierig, genauere Angaben zum Ausmaß zu machen.
Rund 100 Einsatzkräfte aus Sachsen und Brandenburg seien im Einsatz. Es werde zudem ständig nachalarmiert. Außerdem sei ein gepanzertes Löschfahrzeug auf dem Weg in die Gohrischheide. Ob auch Löschhubschrauber eingesetzt werden können, sei noch nicht klar, sagte Pollmer.

Direkte Brandbekämpfung derzeit nicht möglich

Die Feuerwehr kann das Feuer wegen der Munitionsbelastung derzeit nicht direkt bekämpfen. „Eine aktive Brandbekämpfung durch unsere Kameraden ist erneut nicht möglich aufgrund der Munitionsbelastung“, sagte Pollmer.
Die Einsatzkräfte stünden stattdessen an munitionsfreien Wegen und beobachteten die Ausbreitung des Feuers.
Der Brand war nach Angaben Pollmers gegen 15:00 Uhr auf der belasteten Fläche im Bereich des ehemaligen Flugfeldes und nördlich der früheren Bunkeranlage ausgebrochen. Dort habe es bereits 2022 einen größeren Brand gegeben.Das Feuer breite sich schnell aus.
Die Gohrischheide gilt wegen der dort im Boden liegenden Altmunition als besonders schwierig für Löscharbeiten. (Archivbild)

Die Gohrischheide gilt wegen der dort im Boden liegenden Altmunition als besonders schwierig für Löscharbeiten. (Archivbild)

Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Altmunition erschwert Löscharbeiten

Die Gohrischheide gilt wegen der dort im Boden liegenden Altmunition als besonders schwierig für Löscharbeiten. Teile des Naturschutzgebietes auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz können von Feuerwehrkräften wegen der Explosionsgefahr nicht betreten werden.
Ein Feuer brennt bei einem Wald- und Vegetationsbrand in der Gohrischheide im Landkreis Meißen.

2025: Wald- und Vegetationsbrand in der Gohrischheide im Landkreis Meißen.

Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Vor einem Jahr größter Waldbrand seit Jahrzehnten

Erst vor einem Jahr hatte sich in der Gohrischheide ein verheerender Waldbrand entwickelt. Er war am 1. Juli 2025 ausgebrochen. Erst knapp zwei Wochen später gab die Feuerwehr Entwarnung.
Die Forstverwaltung stufte das Feuer als größten Waldbrand der vergangenen Jahrzehnte in Sachsen ein. Rund 2.400 Hektar und damit mehr als drei Viertel des Naturschutzgebietes waren betroffen. Ermittlungen ergaben, dass das Feuer durch Selbstentzündung von Munition im Boden entstanden war.
Zeithains Bürgermeister Pollmer sagte, die Situation der wiederholten Waldbrände in der Gohrischheide sei „sehr unbefriedigend“. Wie in den Vorjahren könne die Feuerwehr nicht aktiv an das Feuer ran, „weil wir keine geschützte Technik haben“.
Nach dem Großfeuer im vorigen Jahr war erneut politisch diskutiert worden, ob das Gebiet von der Munition befreit werden kann. Eine vollständige Räumung sei aus Kostengründen unmöglich, hieß es. Die Räumung eines Hektars kostet demnach etwa eine Million Euro. (dpa/red)
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Völlers Botschaft vor Paraguay: „Da geht es um alles“

Wer am Morgen mit einer Kaffeetasse in der Hand im flotten Schritt und einem Lächeln im Gesicht zur Arbeit kommt, der kann keine größeren Sorgen haben. Oder doch?
Rudi Völler ist bei seinem Auftritt vor dem ersten K.o.-Spiel der Fußball-Nationalmannschaft gegen Paraguay erneut in die Rolle des WM-Mutmachers und Verteidigers von Bundestrainer Julian Nagelsmann geschlüpft.
„Der Glaube ist da, dass wir am Montag alles herausholen, dass wir absolut ans Limit gehen, was ja auch selbstverständlich ist, ein richtig gutes Spiel machen und natürlich in die nächste Runde einziehen wollen“, sagte der DFB-Sportdirektor im Teamquartier in Winston-Salem.

Rudi Völler, Sportdirektor des DFB, während einer Pressekonferenz am 27. Juni 2026 in Winston-Salem, North Carolina.

Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images

Ecuador-Rückschlag abhaken

Die Nachwirkungen des 1:2-Rückschlags zum Abschluss der Gruppenphase gegen Ecuador wollte Völler relativieren. Die öffentliche Debatte um den absoluten Siegeswillen der DFB-Elf sei angesichts des vorab gesicherten ersten Gruppenplatzes müßig.
Der ganze Fokus ist nun auf Paraguay als nächstem Gegner im ersten Alles-oder-Nichts-Spiel ausgerichtet.
„Es wird jetzt natürlich am Montag ganz anders sein. Da geht es um ein K.o.-Spiel. Da geht es um alles, um eine Runde weiterzukommen oder nach Hause zu fahren. Das wissen die Spieler“, sagte Völler.

Rettigs erstaunliches „Messer“-Zitat

Deutlich drastischer und ziemlich offenherzig hatte zuvor DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig die Lage im DFB-Quartier kommentiert.
„Wir wissen, dass wir nun das Messer am Hals haben in den K.o.-Spielen“, sagte der 63-Jährige bei „MagentaTV“. Klartext, den Völler in dieser Deutlichkeit nicht mitging. Für ihn steht das Prinzip Hoffnung im Vordergrund.
Nagelsmann hat die Vorbereitung jedenfalls modifiziert. Viel steht auch für ihn persönlich am Montag in Foxborough auf dem Spiel. Keine Entspannung. Kein Tag am Pool für Kai Havertz und Co.
Stattdessen bei schwül-heißem Südstaaten-Wetter eine Trainingsschicht am Nachmittag, wenn die Hitze besonders drückend ist auf dem mit schwarz-rot-goldenen Banderolen hermetisch abgeschlossenen Platz im Spry Stadium.
Sogar beim Spielersatztraining der Reservisten am Vortag sei die notwendige Mentalität schon wieder zu spüren gewesen, berichtete Völler in seiner Funktion als erster Optimismus-Beauftragter. „Das war außergewöhnlich gut. Die Jungs ziehen toll mit, super mit“, sagte der 66-Jährige.
„Jetzt geht die WM richtig los“, verkündete Völler. Nagelsmann hat also keine Zeit zu verlieren. Mehrfach beschrieb Völler die bisherigen Turnierentscheidungen des Bundestrainers als gut und richtig. Auch die gegen Ecuador vorgenommen Einwechslungen. Zusammenstehen müsse man jetzt. Die Kritik von außen akzeptieren, nicht überbewerten.

Ein Blick ins Stadion während des Spiels der Gruppe E der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 zwischen Ecuador und Deutschland im New York New Jersey Stadium am 25. Juni 2026 in East Rutherford, New Jersey.

Foto: Al Bello/Getty Images

Kimmich fordert: „Dinge ansprechen“

Stellvertretend kommentierte Kapitän Joshua Kimmich: „Wir müssen die Dinge ansprechen, die wir nicht gut gemacht haben. Das wird der Trainer auch sicherlich tun. Und dann müssen wir unsere Schlüsse daraus ziehen.“
Bei einem Aus gegen Paraguay wäre der Gruppensieg kein Plus-Argument mehr. Wie 2018 und 2022 wäre Deutschland nicht mehr dabei, wenn die letzten 16 Teams den Titel ausspielen.
Aber allein dieser Gedanke darf in den Köpfen keinen Raum einnehmen. Paraguay kam nur als Gruppendritter hinter den USA und Australien weiter. Es ist keine Fußball-Großmacht wie Frankreich, die im Achtelfinale der Kontrahent werden könnte.
Bei Paraguay werden auch bei Völler Erinnerungen wach. 2002 waren die Südamerikaner auch der erste deutsche K.o-Gegner. Im Jeju World Cup Stadium von Seogwipo in Südkorea erzielte Oliver Neuville in der 88. Minute den erlösenden Siegtreffer im WM-Achtelfinale. Ein klassischer Arbeitssieg. „Da könnte ich diesmal auch sehr gut mit leben, auf jeden Fall“, sagte Völler.
Völler stellte eine klare Forderung an die Offensivabteilung mit Havertz und den in Zauber-Kurzarbeit steckenden Wirblern Jamal Musiala und Florian Wirtz. „Um die ganz großen Ziele zu erreichen, müssen diese Spieler liefern. Sie wissen auch, dass noch Luft nach oben ist“, sagte Völler.

Oliver Baumann während einer Trainingseinheit am 26. Juni 2026 in Winston-Salem, North Carolina.

Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images

Physis als Knackpunkt

Eine weitere Völler-Forderung: Weniger Ballverluste im Mittelfeld. Diese Schwachstelle hätten die Gegner erkannt. Und in Paraguay wartet ein Team, das sich genau darauf ausrichten wird. Da muss man gegenhalten können.
Wird die Physis wieder zum DFB-Problem? „Fußball muss gewürzt werden mit Leidenschaft, Intensität und Emotionalität. Wenn es für dich einfach nur Kicken ist, dann wirst du nicht weit kommen“, warnte Jürgen Klopp als MagentaTV-Experte vor einem frühen Scheitern.
Nagelsmann sieht keine generelle schnelle Abhilfe, was die Robustheit angeht. Er nannte aber einen Ausweg.
„Körperlichkeit ist schwer zu trainieren, weil die Spieler eine gewisse Konstitution haben. Da muss man den Ball in der einen oder anderen Situation früher wegspielen, um einem direkten Zweikampf aus dem Weg zu gehen“, forderte der Bundestrainer. (dpa/red)
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Wegen Böschungsbrand: Bahnverkehr am Stuttgarter Hauptbahnhof eingestellt

Wegen eines Böschungsbrands nahe dem Stuttgarter Hauptbahnhof ist der Bahnverkehr eingestellt worden.
Das teilte ein Sprecher der Bundespolizei mit. Betroffen von der Sperrung sind sowohl S-Bahn als auch Nah- und Fernverkehr, wie ein Sprecher der Deutschen Bahn sagte. Der Fernverkehr wird demnach großteils über Esslingen am Neckar umgeleitet.

Feuerwehr fuhr mit Zug zur Brandstelle

Wie die Bahn am Mittag auf X mitteilte, wurde der S-Bahn-Verkehr in der Innenstadt zeitweise gestoppt. Die Löscharbeiten des Böschungsbrands dauerten am Nachmittag an.
Zwischen dem Stuttgarter Hauptbahnhof und Stuttgart-Vaihingen sowie zwischen Bad Cannstatt / Feuerbach und dem Stuttgarter Hauptbahnhof ist laut der Bahn weiterhin kein S-Bahn-Verkehr möglich. Außerhalb dieser Abschnitte wird demnach versucht, einen eingeschränkten Betrieb aufzubauen.
Laut dem Bundespolizeisprecher war eine starke Rauchentwicklung zu sehen. Die Feuerwehr Stuttgart teilte auf X mit, dass die Brandstelle schwer zu erreichen gewesen sei.
Die Deutsche Bahn stellte deshalb einen Zug zur Verfügung, damit die Einsatzkräfte zu dem etwa 10 Quadratmeter großen Böschungsbrand gelangen konnten, wie ein Bahnsprecher sagte.

Gleissperrungen wegen Vegetationsbrand bereits am Vortag

Bereits am Freitag hatte ein Kurzschluss an einer Oberleitung den Bahnverkehr am Stuttgarter Hauptbahnhof zeitweise schwer beeinträchtigt.
Zwischenzeitlich waren 12 von 16 Gleisen des Kopfbahnhofs gesperrt, auf S-Bahn-Linien gab es massive Störungen. Auslöser war laut Feuerwehr ein Vegetationsbrand im Gleisvorfeld, den Bahnmitarbeiter gelöscht hatten. Die Bundespolizei ermittelt zur Brandursache. (dpa/red)
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THW in Caracas eingetroffen – Washington gibt 150 Millionen Dollar Hilfsgelder frei

Einen Tag nach dem verheerenden Doppel-Erdbeben in Venezuela sind Helfer aus Deutschland in dem südamerikanischen Land eingetroffen.
Das 48-köpfige Team einer auf Erdbeben-Einsätze spezialisierten Bergungseinheit des Technischen Hilfswerks (THW) sei „heute Nacht“ (Ortszeit) am Flughafen Caracas eingetroffen, teilte THW- Präsidentin Sabine Lackner mit.
Die Einsatzkräfte würden nun gemeinsam mit internationalen Partnern beginnen, die Lage zu erkunden.
Zu den ersten Prioritäten gehörten demnach die Abstimmung der Einsatzstellen und Einsatzoptionen sowie die Prüfung logistischer Rahmenbedingungen – „damit wir so schnell wie möglich mit der Suche nach Vermissten beginnen können“.

THW: Ein „Wettlauf gegen die Zeit“

Das verheerende Doppel-Beben hatte sich am Mittwoch im Abstand von nur 39 Sekunden westlich der Hauptstadt Caracas ereignet. Die beiden
Erdstöße hatten eine Stärke von 7,2 und 7,5, es gab zudem dutzende Nachbeben. Zahlreiche Gebäude stürzten ein oder wurden schwer beschädigt. Die venezolanischen Behörden gaben die Zahl der Toten zuletzt mit mindestens 920 an. 50.000 Menschen gelten als vermisst.
Im Einsatzland starte nun „ein Wettlauf gegen die Zeit“, sagte die THW-Präsidentin. Das Team werde in zwei Schichten arbeiten. So sei es möglich, rund um die Uhr nach Vermissten zu suchen.
Mit dabei sind laut THW auch vier Suchhunde-Teams. Ziel ist es demnach, Überlebende in den Trümmern aufzuspüren.

Evakuierte Bewohner des Gebäudes „Misión Vivienda OPP 54 ‚Carlos Escarra‘“ schliefen am Paseo Los Ilustres, da ihr Haus strukturelle Schäden davongetragen hat.

Foto: Edilzon Gamez/Getty Images

Der internationale Flughafen Simón Bolívar in Venezuela wurde am Samstag teilweise wieder eröffnet. Eine der Start- und Landebahnen sei wieder in Betrieb, sagte ein hochrangiger US-Regierungsvertreter Journalisten.
Demnach landeten auf dem Flughafen US-Militärtransportflugzeuge mit Hilfsgütern. Später sollten zudem mobile Krankenhäuser eintreffen.

USA gibt 150 Millionen Dollar Hilfsgelder frei

Auch liege nun das Marineschiff „USS Fort Lauderdale“ vor der venezolanischen Küste – was weitere Rettungsflüge rund um die besonders schlimm betroffene Küstenstadt La Guaira ermöglichen würde.
Die US-Helfer seien somit „in der Lage, Menschen bei Bedarf mit Hubschraubern zu den medizinischen Einrichtungen auf diesem Schiff zu fliegen und es für die Führung, Kontrolle und Logistik sowie für den Lufttransport zu nutzen“.
Die USA gaben bereits Hilfsgelder in Höhe von rund 150 Millionen Dollar (rund 132 Millionen Euro) frei. In den kommenden Tagen erwarte er die Ankündigung eines „weiteren Hilfspakets in neunstelliger Höhe“.

27. Juni 2026: Eingestürzte Gebäude in Catia La Mar im Bundesstaat La Guaira. Es wird von wachsender Wut über den Mangel an offizieller Hilfe zur raschen Rettung von Überlebenden berichtet.

Foto: Federico Parra/AFP via Getty Images

Star- und Landebahn aufgerissen

Laut dem Beamten ist eine der Start- und Landebahnen durch die Beben „vollständig aufgerissen und unbenutzbar“. Das US-Militär werde auch „bei der Koordination der Flüge im Kontrollturm helfen“. Der Flughafen ist ihm zufolge angesichts der vielen internationalen Akteure und Hilfsorganisationen „sehr überlastet“.
Die Vereinten Nationen schätzen, dass fast sieben Millionen Menschen von den verheerenden Beben betroffen sein könnten.
Dies sei nach der Auswertung verfügbarer Daten festgestellt worden, erklärte die Internationale Organisation für Migration (IOM) am Samstag. Allein in Caracas umfassen die Schätzungen zwei Millionen Menschen. (afp/red)
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Die Quelle des Denkens: Wer denkt wirklich unsere Gedanken?

Die zeitgenössische Kultur fordert uns immer wieder dazu auf, „auf unsere Gefühle zu hören“. Wenn du wütend bist, drücke es aus, wenn du traurig bist, schaffe Raum für dieses Gefühl, und wenn sich etwas „richtig anfühlt“, ist das vielleicht ein Zeichen, danach zu handeln.
Fernsehsendungen bestärken die Botschaft, dass „Gefühle ein innerer Kompass“ seien und der Weg zu einem authentischen Leben über deren Befolgung führe. Auch Karriereberatung beinhaltet oft den Rat, „seinem Herzen zu folgen“.
Aber nicht nur Gefühle spielen eine wichtige Rolle in unserem Leben, Gedanken tun dies auch. Wir leben in einer Zeit, in der Ideen als Währung gehandelt werden – Tweets, Podcastanalysen und geistreiche Gedanken ergießen sich in einem endlosen Strom durch unsere digitalen Feeds. Die Gesellschaft ermutigt uns, „laut zu denken“, Erkenntnisse mühelos und präzise formulieren zu können und ständig persönliche und kollektive Meinungen vorzubringen.

Auf der Suche nach der Quelle

Doch inwieweit gehören diese Gedanken und Gefühle wirklich zu uns? In einem seiner Vorträge berief sich der kanadische Psychologe Dr. Jordan Peterson auf den berühmten Schweizer Psychiater Carl Gustav Jung (1875–1961), der gesagt habe: „Menschen haben keine Ideen – Ideen haben Menschen.“
Laut Peterson stammen mehr als 90 Prozent dessen, was wir denken, nicht von uns. Es kommt von unseren Eltern, Lehrern, Freunden und der Kultur, die wir über die Jahre aufgesogen haben. Wenn wir sprechen oder denken, sind das oft nicht „wir“. Vielmehr ist es die Stimme eines anderen, die durch uns spricht.
„Darüber sollte man wirklich einmal nachdenken. Denn dann möchte man beobachten, welche Gedanken einem durch den Kopf gehen, und herausfinden, woher sie stammen. Denn es ist sehr wahrscheinlich, dass sie einen genauso kontrollieren, wie eine Marionette vom Puppenspieler gesteuert wird“, so der klinische Psychologe und Autor weiter.
Wenn Gedanken wirklich unsere eigenen sind, warum tauchen sie dann oft unkontrollierbar, ungebeten und manchmal sogar gegen unseren Willen auf? Und warum ist es so schwer, sie zum Schweigen zu bringen, wenn wir es wollen?

„Default Mode Network“

Hier bietet die Wissenschaft eine Antwort. In den frühen 2000er-Jahren beobachteten Forscher der Washington University in St. Louis mittels funktioneller Magnetresonanztomografie ein markantes Phänomen. Selbst wenn wir nicht mit einer bestimmten Aufgabe beschäftigt sind, bleiben bestimmte Hirnregionen durchgehend aktiv.
Der US-amerikanische Neurologe Marcus E. Raichle, Hauptautor der Studie und einer der Begründer der Forschung zum sogenannten Default Mode Network, zeigte gemeinsam mit anderen Forschern, dass dieses Netzwerk eng mit drei wiederkehrenden geistigen Prozessen verbunden ist: dem spontanen Fluss von Gedanken und Assoziationen, selbstbezogenem Denken sowie dem Abruf autobiografischer Erinnerungen. Zahlreiche Studien haben diesen Zusammenhang seither bestätigt.

Selbst wenn wir keiner bestimmten Aufgabe nachgehen, bleiben bestimmte Hirnregionen konstant aktiv.

Foto: Jacob Wackerhausen/iStock

Es beflügelt also unsere Gedanken über die Vergangenheit oder die Zukunft und lässt unseren Geist frei zwischen verschiedenen Ideen schweifen. Doch es beantwortet nicht die grundlegende Frage: Woher kommen diese Gedanken eigentlich?
Das „Default Mode Network“ zaubert Gedanken nicht aus dem Nichts. Es orchestriert, verbindet und fügt lediglich Materialien zusammen. Diese stammen aus den Tiefen unserer Psyche und den Erfahrungen, die wir im Laufe unseres Lebens angesammelt haben.

Wie wir externe Stimmen verinnerlichen

In seinem Buch „Denken und Sprechen“ sprach der russische Entwicklungspsychologe Lew Wygotski (1896–1934) über unsere innere Stimme. Diese werde nicht aus dem Nichts geboren, erklärte Wygotski. Vielmehr werde sie aus externen Stimmen kultiviert. Und diese hörten wir schon seit unserer Kindheit.
Anfangs benutzt das Kind Sprache, um mit anderen – Eltern, Betreuern und Freunden – zu kommunizieren. Im Alter von etwa drei bis sieben Jahren beginnen Kinder, beim Spielen oder Problemlösen laut zu sich selbst zu sprechen. Wygotski nannte dies „egozentrische Rede“ – eine Sprache, die nicht mehr allein an andere gerichtet ist, sondern auch dazu dient, das Selbst zu leiten. Zum Beispiel: „Jetzt nehme ich diesen Klotz und dann baue ich einen Turm.“
Mit der Zeit verstummt diese egozentrische Rede und kehrt sich nach innen. Kinder müssen sie nicht mehr artikulieren – stattdessen „sprechen sie nach innen“. So wird die innere Stimme, die wir als Denken erkennen, geboren.
Wygotski betonte jedoch, dass diese interne Sprache eine markante Form hat. Sie ist abgekürzt, verdichtet und voller Auslassungen. Die Stimme denkt nicht den ganzen Satz: „Ich muss den Bleistift vom Tisch nehmen, um zu schreiben.“ Stattdessen sagt die interne Rede nur: „Bleistift … schreiben.“
Der entscheidende Punkt ist, dass Sprache an sich keine persönliche Erfindung ist. Kinder erschaffen nicht ihre eigenen Wörter oder Satzstrukturen. Sie lernen diese durch die Interaktion mit anderen. Selbst wenn sie laut zu sich selbst sprechen, recyceln Kinder Sprachmuster, die sie in ihrem Umfeld gehört haben. Die Wörter, die Sätze und sogar die Gewohnheit, Handlungen laut zu kommentieren, sind alle in früheren sozialen Kontexten verwurzelt. Mit anderen Worten: Die Stimme in unserem Kopf ist in erster Linie eine externe Stimme, die man verinnerlicht hat.¹
Neben diesem Prozess verinnerlichen wir auch die „Stimme“ unserer sozialen und moralischen Erwartungen. Der österreichische Psychoanalytiker Sigmund Freud beschrieb dies als das „Über-Ich“ – den Teil der Persönlichkeit, der sich in der Kindheit durch Identifikation mit elterlicher Autorität und später mit Erziehern und anderen Vorbildern entwickelt. Es ist daher nicht überraschend, dass Menschen die Stimme in ihrem Kopf manchmal als die ihrer Eltern wahrnehmen oder die von anderen bedeutenden Autoritätspersonen ihrer Vergangenheit erleben.²
Doch obwohl die innere Stimme „uns zu gehören“ scheint und in unserem Bewusstsein wirkt, haben wir keine vollständige Kontrolle darüber. Die Psychoanalyse zeigte, dass ein wesentlicher Teil der mentalen Aktivitäten außerhalb unseres Bewusstseins stattfindet. Sigmund Freud (1856–1936) formulierte dies in seinem berühmten Satz:
„Das Ich ist nicht Herr im eigenen Haus.“³
Das heißt, unser Bewusstsein hat keine vollständige Souveränität. Es gibt psychische Kräfte wie jene, die aus dem Unbewussten entstehen, die unsere Gedanken ohne bewusste Steuerung prägen.
Unsere innere Stimme wird durch äußere Stimmen geprägt, die wir bereits in unserer Kindheit hören. Foto: Svetlana Mishchenko/iStock

Unsere innere Stimme wird durch äußere Stimmen geprägt, die wir bereits in unserer Kindheit hören.

Foto: Svetlana Mishchenko/iStock

Haben wir einen freien Willen?

Die Tatsache, dass wir nicht jeden einzelnen Gedanken „wählen“, hat Forscher dazu veranlasst, die Natur des freien Willens und die Autonomie des Denkens infrage zu stellen.
Der US-amerikanische Psychologe Daniel Wegner zum Beispiel erklärte, dass das Gefühl des bewussten Willens oft eine Illusion sei. Das Gehirn generiere Gedanken und Handlungen durch unbewusste Prozesse, und erst im Nachhinein erlebten wir das subjektive Gefühl, sie gewollt zu haben, als hätten wir diese Gedanken selbst initiiert. Diese Ansicht deckt sich mit der bereits erwähnten Freud’schen Erkenntnis, dass unbewusste Anteile in uns durch uns „sprechen“ und „denken“.
Wegner stützte sich jedoch nicht auf das Freud’sche Modell. Stattdessen untermauerte er seine Behauptungen mit einer Reihe von Experimenten und empirischen Belegen aus mehreren Fachbereichen. Ein klassisches Experiment, das dieses Thema beleuchtete, wurde in den 1930er- bis 1950er-Jahren von dem kanadischen Neurochirurgen Wilder Penfield durchgeführt.
Während einer Gehirnoperation an Epilepsiepatienten bei vollem Bewusstsein unter nur lokaler Betäubung stimulierte er sanft verschiedene Bereiche des Kortex (Hirnrinde) und fragte die Patienten, was sie dabei empfanden. Als er den motorischen Kortex stimulierte, bewegten sich die Hände, Beine oder das Gesicht des Patienten, manchmal sogar in komplexen koordinierten Bewegungen, die vollkommen willentlich aussahen.
Dennoch berichteten die Patienten, dass die Handlungen nicht von ihnen ausgegangen seien. Sie sagten sinngemäß: „Sie haben meine Hand bewegt; das wollte ich nicht tun.“ Das Experiment enthüllte, dass Bewegungen, sogar komplexe Bewegungen, ausgelöst werden können, ohne dass das Subjekt sie als „freiwillig“ erlebt.
Mit anderen Worten: Das Gefühl des „Willens“ ist möglicherweise eine nachträgliche Hinzufügung – etwas, das erst hinzugefügt wird, nachdem das Gehirn die Handlung bereits eingeleitet hat, und nicht die Ursache dafür.

200 Millisekunden „Veto-Recht“

Das berühmte Experiment des US-Neurowissenschaftlers Benjamin Libet in den 1980er-Jahren wies auf ein ähnliches Ergebnis hin.⁴ Er bat die Teilnehmer, einen Finger zu einem Zeitpunkt ihrer Wahl zu bewegen und den genauen Moment zu notieren, in dem sie die „Absicht“ verspürten, zu handeln.
Messungen der Hirnströme zeigten, dass das Gehirn etwa eine halbe Sekunde vor dem Bewusstsein des eigenen Handlungswillens mit der Vorbereitung der Handlung begann. Mit anderen Worten: Das subjektive Gefühl „Ich habe mich gerade entschieden“ kam erst, nachdem der neuronale Prozess bereits begonnen hatte.

Das Gehirn erzeugt Gedanken und Handlungen durch unbewusste Prozesse, und erst im Nachhinein erleben wir das subjektive Gefühl, sie gewollt zu haben.

Foto: gorodenkoff/iStock

Dennoch wies Libet den freien Willen nicht zurück. Er stellte fest, dass, obwohl das Gehirn beginnt, die Handlung vor dem Entstehen des bewussten Gewahrseins vorzubereiten, das Bewusstsein jedoch immer noch etwa 200 Millisekunden vor dem Eintreten der Bewegung erscheint, was ein kurzes Zeitfenster schafft, in dem die Handlung noch gestoppt werden kann. Er nannte dies das „Veto-Recht“.
Auch wenn wir nicht jeden Gedanken oder jede Handlung bewusst einleiten, behalten wir dennoch die Fähigkeit, zu verhindern, dass sie ausgeführt werden. Er schrieb:
„Die Existenz einer Veto-Möglichkeit steht außer Zweifel.“
Libet merkte auch an, dass viele Teilnehmer berichteten, einen Drang zum Handeln zu verspüren, sich aber dazu entschlossen, ihn zu unterdrücken.
Aus philosophischer Sicht legt dies nahe, dass unsere Verantwortung möglicherweise nicht bei der Entstehung der Gedanken selbst beginnt. Sie beginnt eher bei unserer Fähigkeit, innezuhalten, zu regulieren und zu wählen: Welchen Gedanken erlauben wir, zu Handlungen zu werden? Diese Idee stimmt mit vielen moralischen und religiösen Traditionen überein, die einen größeren Wert auf Selbstbeherrschung als auf die Kontrolle der Gedanken selbst legen.

Gott, die Musen und der Teufel

Manchmal können die Stimme oder die Gedanken in unserem Kopf so intensiv werden, dass sie uns völlig fremd erscheinen. In der Psychopathologie sind Phänomene wie Stimmenhören, sogenannte auditive Halluzinationen, oder Gedankeneingebung, also die Erfahrung, dass Gedanken scheinbar von einer äußeren Kraft „eingeflößt“ werden, gut dokumentiert.
Diese Phänomene treten besonders im Zusammenhang mit Schizophrenie auf. Aber die Idee, dass unsere Gedanken oder unsere innere Stimme aus einer externen Quelle stammen könnten, ist nicht auf Krankheitsbilder beschränkt. Sie findet sich in der Philosophie, der klassischen Literatur und den religiösen Schriften immer wieder. Generationen von Denkern haben sich damit auseinandergesetzt. Wohnen Vernunft, Inspiration und Intuition dem Individuum inne? Oder werden sie uns von externen Kräften – Gott, Musen oder anderen Entitäten – gegeben?
Eine der bekanntesten diesbezüglichen Überlieferungen stammt von dem griechischen Philosophen Sokrates (469–399 v. Chr.).
Wie Platon in seinen Dialogen beschrieb, behauptete Sokrates, dass er sein Leben lang von einer inneren Stimme begleitet wurde. Er nannte sie Daimonion. Diese Stimme erschien immer als Warnung und hielt ihn davon ab, bestimmte Handlungen auszuführen. Jedoch befahl sie ihm niemals, etwas Bestimmtes zu tun.
Platon berichtete auch von der berühmten Verteidigungsrede des Sokrates vor Gericht:
„Hiervon ist nun die Ursache, was ihr mich oft und vielfältig sagen gehört habt, daß mir etwas Göttliches und Daimonisches widerfährt, was auch Meletos in seiner Anklage auf Spott gezogen hat. Mir aber ist dieses von meiner Kindheit an geschehen: eine Stimme nämlich, welche jedesmal, wenn sie sich hören läßt, mir von etwas abredet, was ich tun will, – zugeredet aber hat sie mir nie. Das ist es, was sich mir widersetzt, daß ich nicht soll Staatsgeschäfte betreiben. Und sehr mit Recht scheint es mir sich dem zu widersetzen: Denn wißt nur, ihr Athener, wenn ich schon vor langer Zeit unternommen hätte Staatsgeschäfte zu betreiben, so wäre ich auch schon längst umgekommen und hätte weder euch etwas genutzt noch auch mir selbst.“

Wir hören eine innere Stimme, die uns leitet oder warnt, ob wir sie nun als Wirken der moralischen Vernunft oder als Verkörperung einer göttlichen Macht verstehen.

Foto: Panasevich/istock

Über die Generationen hinweg wurden verschiedene Interpretationen von Sokrates’ Daimonion vorgeschlagen. Platonische Philosophen sahen darin einen göttlichen Schutzgeist. Frühe christliche Schriftsteller interpretierten es als Schutzengel⁵ und zu anderen Zeiten umgekehrt als täuschenden Dämon. Andere legten nahe, es sei nichts weiter als eine poetische Beschreibung seines Gewissens oder einer tiefen moralischen Intuition. Platon selbst ließ es für Interpretationen offen.
Sicher jedoch ist, dass die Erfahrung real ist. Wir hören eine innere Stimme, die uns leitet oder warnt, ob wir sie nun als das Wirken moralischer Vernunft oder als die Verkörperung einer göttlichen Kraft verstehen.
Sokrates selbst wählte die transzendente Interpretation: Seine Stimme war nicht allein die seine, sondern ein Ausdruck göttlicher Präsenz in ihm. Schon in der Antike glaubte man, dass Dichter und Künstler keine vollständige Kontrolle über ihre Ideen besäßen. Stattdessen würden sie von Musen oder göttlichen Entitäten geleitet.
Homers „Odyssee“ etwa beginnt mit einer direkten Anrufung der Muse. Sie wird gebeten, die Geschichte durch den Dichter zu erzählen.⁶ In Platons Dialog „Ion“ entwickelt Sokrates diese Idee weiter.⁷ Der Dichter ist demnach ein Glied in einer Kette göttlicher Inspiration. Die Muse „berührt“ die Seele des Dichters, der Dichter ist erfüllt von Aufregung und singt. Somit gibt er die Botschaft an das Publikum weiter.
Mit anderen Worten: Das Gedicht und die Idee sind nicht wirklich die des Dichters. Sie sind Ausdruck einer göttlichen Kraft, die durch ihn wirkt. Eine ähnliche Idee taucht in der biblischen Tradition auf. Die Propheten begannen ihre Prophezeiungen wiederholt mit „Und das Wort des Herrn kam zu mir und sprach …“
Die Propheten formulierten ihre Ideen nicht aus eigener Kraft. Sie hörten das Wort Gottes manchmal als eine tatsächliche Stimme, wie etwa Moses am brennenden Dornbusch. Manchmal erschien es als Vision und manchmal als eine subtile innere Erfahrung, wie der Prophet Elia es beschrieb.
Jahrhunderte später untersuchte der russische Romanautor Fjodor Dostojewski diese Idee in einem düsteren Kontext. In dem Roman „Die Brüder Karamasow“ porträtierte der Autor ein langes Gespräch zwischen Iwan Karamasow, dem gequälten Intellektuellen, und dem Teufel.⁸ Es ist unklar, ob dies ein echter Dämon, eine Halluzination oder das Spiegelbild einer psychischen Erkrankung ist.

August 2024, Bad Homburg: Eine Statue des russischen Schriftstellers Fjodor Michailowitsch Dostojewski vom Künstler Nikolai Karlychanow in einem öffentlichen Park.

Foto: travelview/iStock

Der Teufel offenbart sich als Iwans Doppelgänger, der mit der Stimme seiner Zweifel, seiner Verzweiflung und seines Spotts spricht, als hätte die innere Stimme eine eigene Form angenommen. Iwan ruft aus: „Du bist meine Halluzination. Du bist die Verkörperung meines Ich, übrigens nur eines Teiles meines Ich […] meiner Gedanken und Gefühle, aber nur der niedrigsten und dümmsten. Von diesem Gesichtspunkte aus könntest du mich sogar interessieren, wenn ich nur Zeit hätte, mich mit dir abzugeben […].“
Doch dann nimmt der Austausch eine dunklere Wendung. Der Teufel, die innere Stimme, erzählt Iwan Details, die Iwan selbst nicht bewusst wusste. Iwan ist erschüttert und äußert, dass dies nicht von ihm kommen könne. Der Teufel antwortet mit einer scharfen psychologischen Einsicht: Manchmal könne er ihm als „Ich“ mit seiner inneren Stimme in seinem Traum originelle Dinge erzählen, die er nie gewusst habe, und doch sei der Teufel niemand anderes als er selbst in seinem Traum.
In dem Roman „Die Dämonen“ entwickelt Dostojewski eine ähnliche Idee in symbolischen Begriffen: Revolutionäre und gottlose Ideen werden als „Dämonen“ beschrieben, die in die Seelen junger Menschen eindringen und von ihnen Besitz ergreifen.
Aus seiner Perspektive sind kollektive Ideologien fast wie fremde Entitäten – dunkle spirituelle Kräfte, die die Gestalt von Ideen annehmen und in das menschliche Bewusstsein einziehen.

Den Pfeil herausziehen

In einem Vortrag von Eckhart Tolle, einem populären deutschen spirituellen Lehrer und Autor von Selbsthilfebüchern, fragte ihn eine Frau, wie es sein könne, dass sie Gedanken und Emotionen wie Eifersucht, Wettbewerbsdenken und Angst erlebe, die sich nicht wirklich wie ihre eigenen anfühlten. Sie fragte sich, woher diese wohl kämen und ob sie ein unvermeidlicher Teil des Lebens selbst seien.
Tolle antwortete mit einer buddhistischen Geschichte: Ein Mann wurde mit einem vergifteten Pfeil angeschossen. Doch anstatt diesen vom Arzt herausziehen zu lassen, wollte der Mann erst noch herausfinden, wer ihn geschossen hatte und warum und was für ein Pfeil das war. Die Botschaft des Buddhas sei jedoch gewesen, dass es das Wichtigste sei, den Pfeil herauszuziehen, nicht, seine Ursprünge zu untersuchen.
Der Buddhismus betont in der Tat die Vergänglichkeit von Gedanken und die Tatsache, dass sie kein festes „Selbst“ haben. Die meditative Praxis lehrt Menschen, Gedanken zu beobachten, wie sie erscheinen und verschwinden, genau auf die Weise, wie sie kamen, ohne sich mit ihnen zu identifizieren und ohne sich von ihnen „vergiften“ zu lassen.
In diesem Sinne bietet der Buddhismus eine dritte Sichtweise: Gedanken sind weder intern noch extern. Sie entstehen und vergehen, ohne einem dauerhaften Selbst zu gehören. Tolle bot auch eine modernere, metaphysische Erklärung an und erklärte der Frau, dass viele ihrer Gedanken nicht wirklich ihre seien. Sie entsprängen dem kollektiven Bewusstsein oder energetischen Wesenheiten. Wenn jene mit etwas im Menschen in Resonanz träten, verbänden sie sich damit und verstärkten es. So könne sich aus einer kleinen Verärgerung schnell großer Zorn entwickeln.
Die meditative Praxis lehrt, Gedanken so zu beobachten, wie sie kommen und gehen, ohne sich mit ihnen zu identifizieren. Foto: valio84sl/iStock

Die meditative Praxis lehrt, Gedanken zu beobachten, wie sie kommen und gehen, ohne sich mit ihnen zu identifizieren.

Foto: valio84sl/iStock

Laut Tolle ist das, was wir als „unseren Geist“ erleben, tatsächlich etwas viel Breiteres. Es existiere außerhalb von uns und beeinflusse uns dennoch. Viele Gedanken sind nicht persönlich, und die damit verbundenen Emotionen sind es auch nicht, obwohl wir sie als solche erleben.
Tolle sprach auch von kollektiven Gedankenformen, die ganze Völker in Besitz genommen hätten, und brachte die Beispiele des sowjetischen Kommunismus und des Maoismus in China. Millionen Menschen hätten in gleichen Mustern gedacht. In der heutigen Kultur würden kollektive Gedanken durch Medien verbreitet und zu fast unanfechtbaren Grundannahmen. Wenn man sich dessen nicht bewusst sei, könne das verheerend sein.
Am Ende wissen wir vielleicht nie, „wessen“ Gedanken in uns wohnen. Sind es unsere, die anderer, die des Unbewussten oder die des kollektiven Geistes? Aber wenn wir in der Lage sind, innezuhalten, zu beobachten und uns selbst zu fragen, woher diese Stimme, die ich jetzt in meinem Kopf höre, kommt, zeigen wir bereits ein Maß an Freiheit von diesen Gedanken.
Vielleicht liegt unsere Freiheit nicht in der absoluten Kontrolle über unsere Gedanken, sondern genau in der Fähigkeit, sie zu erkennen, zu wählen, ob man sich ihnen anschließt oder nicht, und Raum für die Stille zu schaffen, die eintritt, wenn wir aufhören, ihnen nachzujagen.
Quellen und Literatur:
[1] Vygotsky, „Thinking and Speech“, 1934, Chapter 7
[2] Freud, „Lecture XXXI The Dissection of the Psychical Personality“, New Introductory Lectures On Psycho-Analysis, 1933
[3] Freud, „Eine Schwierigkeit der Psychoanalyse“, 2009
[4] Libet, „Haben wir einen freien Willen?“, Journal of Consciousness Studies, 1999
[5] Plutarch, „De Genio Socrates“, Moralia
[6] Homer, „Odyssee“, Topos Text
[7] Platon, „Ion“, Topos Text
[8] Dostojewski, „Die Brüder Karamasow“, Projekt Gutenberg, 2009
Dieser Artikel wurde ursprünglich von „Epoch Magazine Israel“ veröffentlicht und erschien auch auf theepochtimes.com unter dem Titel „Who Is Really Thinking Our Thoughts?“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Sommerhit: Maiskolben aus der Heißluftfritteuse – lecker, schnell und einfach zubereitet!

Und um es kurz zu machen: Maiskolben aus der Heißluftfritteuse haben mich absolut begeistert. Diese Zubereitungsmethode ist sehr zeitsparend und das Ergebnis ist überraschend gut. Man muss nicht warten, bis der Topf mit Wasser kocht oder der Grill vorgeheizt ist, denn das Ergebnis aus der Heißluftfritteuse – oder Airfryer – vereint das Beste aus beiden Welten: zartknusprige Körner, dazu leicht gebräunte Stellen und dezent angebrannte Ränder. Von allen Zubereitungsmethoden für Maiskolben ist die Heißluftfritteuse mein neuer Favorit.

Doch was macht sie so besonders?

Maiskolben aus der Heißluftfritteuse lassen sich kinderleicht und blitzschnell zubereiten. Da Maiskolben in der Heißluftfritteuse so schnell gar sind, empfiehlt es sich, sie als letztes Gericht Ihres Abendessens anzurichten. Ich lasse sie gern garen, während ich die restlichen Speisen auf den Tisch stelle und anrichte. So sind die Maiskolben noch dampfend heiß, wenn das Essen beginnt.
Und das Beste ist: Sie passen eigentlich zu jedem Abendessen. Ob pur serviert oder mit ausgelassener Butter und einer Prise Salz bestreut – Maiskolben sind eine klassische Sommerbeilage, die sich vielseitig kombinieren lässt. Man kann die Körner auch vom Kolben trennen und für Salate, Pasta oder andere Beilagen verwenden.

Frisch gekauft und gekonnt ausgewählt

Wenn ich Maiskolben kaufe, achte ich darauf, dass sie sich für ihre Größe schwer anfühlen. Das bedeutet in der Regel, dass die Körner saftig und frisch sind. Kolben mit blassen, trockenen oder lose daliegenden Hüllblättern sollte man meiden.
Fühlt sich die Spitze des Maiskolbens weich an oder hat er gar matschige Stellen, lasse ich ihn liegen. Ideal ist es, wenn man im Hochsommer direkt beim Bauern einkaufen kann. Frisch geernteter Mais ist deutlich süßer.
Hier ist das Rezept für vier Portionen:
Vorbereitungszeit: 5 Minuten
Garzeit: 6 bis 8 Minuten
Zutaten: 
4 Maiskolben ​
1 bis 2 Esslöffel ungesalzene Butter
1 Teelöffel Olivenöl
1 Teelöffel grobes Meersalz (oder etwas weniger Tafelsalz), plus etwas Salz zum Servieren
Butter schmilzt auf einem heißen Maiskolben dahin. Foto: phasinphoto/iStock

Nicht nur Butter schmilzt auf einem heißen Maiskolben dahin.

Foto: phasinphoto/iStock

Zubereitung:
  • Zerteilen Sie die Butter in vier gleich große Stücke und lassen Sie sie auf Zimmertemperatur abkühlen, während Sie den Mais vorbereiten.
  • Heizen Sie die Heißluftfritteuse auf 200 °C vor.
  • Halbieren Sie die Maiskolben gegebenenfalls, wenn sie nicht im Ganzen in die Fritteuse passen.
  • Reiben Sie die Maiskörner rundherum mit dem Olivenöl ein und bestreuen Sie sie mit jeweils einem Viertel des Meersalzes.
  • Legen Sie die Kolben ohne Überlappung in die Fritteuse.
  • Nach der Hälfte der Garzeit (3 bis 4 Minuten) wenden Sie die Kolben.
  • Garen Sie die Maiskolben, bis die Körner zart und die Ränder leicht gebräunt sind.
  • Anschließend herausnehmen, rundherum mit Butter einreiben und nach Belieben noch mit etwas Salz bestreuen.
Rezeptnotiz:
Die Reste können bis zu vier Tage im Kühlschrank in einem luftdichten Behälter aufbewahrt werden.
Und nun: Gutes Gelingen und guten Appetit!
Maiskolben in der Grill-Version. Foto: Shaiith/iStock

Maiskolben in der Grillversion.

Foto: Shaiith/iStock

Dieser Artikel erschien auf theepochtimes.com unter dem Titel „Corn on the Cob Is the Best Thing to Cook in the Air Fryer This Summer“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Temperaturrekord in Deutschland: 41,5 Grad gemessen

Den zweiten Tag in Folge hat der Deutsche Wetterdienst nach vorläufigen Angaben einen Temperaturrekord in Deutschland registriert.
Der vorläufige Höchstwert von 41,5 Grad wurde um 16:20 Uhr in Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt gemessen, wie der Wetterdienst auf Anfrage mitteilte.
Gestern war mit 41,3 Grad in Saarbrücken bereits ein neuer Rekordwert gemessen worden.
Auch die Messstation im Saarbrücker Stadtteil Burbach wies dem Sprecher zufolge am Samstag mit 41,4 Grad erneut einen höheren Wert aus. Zuvor waren zudem im rheinland-pfälzischen Andernach und in Genthin in Sachsen-Anhalt sehr hohe Temperaturen von 41,1 Grad gemessen worden.

Die Daten sind erst vorläufig

Nicht ausgeschlossen ist, dass die Temperaturen am Samstag noch weiter steigen. Der Rekord am Freitag war gegen 17:00 Uhr gemessen worden.
Die Daten sind noch vorläufig. Insbesondere bei möglichen neuen Temperaturrekorden würden die Messstationen stets kontrolliert, sagte der DWD-Sprecher. Die offizielle Bestätigung, ob tatsächlich ein neuer Temperaturrekord vorliegt, dürfte daher erst nach dem Wochenende vorliegen.
Frühere Berechnungsmodelle des DWD hatten bereits für heute die Möglichkeit ergeben, dass sogar die 42 Grad geknackt werden könnten. Der Schwerpunkt der Hitzewelle verschiebt sich derzeit mehr und mehr nach Osten.(afp/red)
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Temperaturrekord in Deutschland: 41,5 Grad gemessen

Den zweiten Tag in Folge hat der Deutsche Wetterdienst nach vorläufigen Angaben einen Temperaturrekord in Deutschland registriert.
Der vorläufige Höchstwert von 41,5 Grad wurde um 16:20 Uhr in Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt gemessen, wie der Wetterdienst auf Anfrage mitteilte.
Gestern war mit 41,3 Grad in Saarbrücken bereits ein neuer Rekordwert gemessen worden.
Auch die Messstation im Saarbrücker Stadtteil Burbach wies dem Sprecher zufolge am Samstag mit 41,4 Grad erneut einen höheren Wert aus. Zuvor waren zudem im rheinland-pfälzischen Andernach und in Genthin in Sachsen-Anhalt sehr hohe Temperaturen von 41,1 Grad gemessen worden.

Die Daten sind erst vorläufig

Nicht ausgeschlossen ist, dass die Temperaturen am Samstag noch weiter steigen. Der Rekord am Freitag war gegen 17:00 Uhr gemessen worden.
Die Daten sind noch vorläufig. Insbesondere bei möglichen neuen Temperaturrekorden würden die Messstationen stets kontrolliert, sagte der DWD-Sprecher. Die offizielle Bestätigung, ob tatsächlich ein neuer Temperaturrekord vorliegt, dürfte daher erst nach dem Wochenende vorliegen.
Frühere Berechnungsmodelle des DWD hatten bereits für heute die Möglichkeit ergeben, dass sogar die 42 Grad geknackt werden könnten. Der Schwerpunkt der Hitzewelle verschiebt sich derzeit mehr und mehr nach Osten.

Auch Dänemark verzeichnet einen neuen Rekord

Auch in Dänemark ist am Samstag mit 37,0 Grad ein neuer Temperaturrekorden verzeichnet worden. Er sei in Odum nördlich der Stadt Aarhus gemessen worden, teilte das Dänische Meteorologische Institut (DMI) im Onlinedienst X mit.
Die bisherige Rekordtemperatur seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1874 war demnach im August 1975 mit 36,4 Grad erreicht worden.

Tschechien ist ebenfalls warm

An einer Wetterstation in Doksany nördlich von Prag wurden 40,6 Grad Celsius gemessen, wie der nationale Wetterdienst mitteilte. Die Temperaturen stiegen aber noch weiter an. „Daher ist dies womöglich noch nicht der Endwert“, fügte die Behörde hinzu.
Die bisherige Höchstmarke in Tschechien liegt bei 40,4 Grad Celsius. Der Wert wurde 2012 in Dobrichovice südwestlich der Hauptstadt gemessen. Der am Samstag gemessene Wert von mehr als 40 Grad Celsius ist dem Wetterdienst zufolge für den Monat Juni ein Novum.
(afp/red)
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Erdbeben in Venezuela: Baby nach 32 Stunden lebend aus Trümmern gerettet

Auf einem Video aus der besonders schlimm betroffenen Küstenstadt La Guaira ist zu sehen, wie Rettungskräfte den Säugling am Freitagabend bei Scheinwerferlicht und unter dem Applaus ihrer Kollegen aus einem Trümmerberg befreiten.
Die Einsatzkräfte bildeten eine Menschenkette, um das in eine Decke gewickelte Baby von dem Schutthaufen herunterzureichen. Sie machten es dann vorsichtig mit Feuchttüchern sauber.
Nach Angaben des Internetnutzers, der das Video in den Onlinenetzwerken veröffentlichte, hatte das erst 18 Tage alte Baby 32 Stunden unter den Trümmern festgesteckt und war bei seiner Rettung unverletzt. Die Mutter des Säuglings wurde eine Stunde später gerettet.
Die zwei Beben hatten sich am Mittwoch im Abstand von nur 39 Sekunden westlich der Hauptstadt Caracas ereignet. Die Erdstöße hatten eine Stärke von 7,2 und 7,5, es gab zudem dutzende Nachbeben. Zahlreiche Gebäude stürzten ein. Die venezolanischen Behörden gaben die Zahl der Toten zuletzt mit mindestens 920 an.
La Guaira wurde besonders schwer zerstört. Wie die venezolanische Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez in der Nacht zum Samstag ankündigte, werden 14.000 Soldaten und Polizisten in den gleichnamigen Bundesstaat entsandt, um dort für Sicherheit zu sorgen. (afp/red)
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Bahnverkehr am Stuttgarter Hauptbahnhof eingestellt

Wegen eines Böschungsbrands nahe dem Stuttgarter Hauptbahnhof ist der Bahnverkehr eingestellt worden. Das teilte ein Sprecher der Bundespolizei mit. Betroffen von der Sperrung sind sowohl S-Bahn als auch Nah- und Fernverkehr, wie ein Sprecher der Deutschen Bahn sagte. Der Fernverkehr wird demnach großteils über Esslingen am Neckar umgeleitet.
Wie die Bahn am Mittag auf X mitteilte, wurde der S-Bahn-Verkehr in der Innenstadt zeitweise gestoppt. Die Löscharbeiten des Böschungsbrands dauerten am Nachmittag an. Zwischen dem Stuttgarter Hauptbahnhof und Stuttgart-Vaihingen sowie zwischen Bad Cannstatt / Feuerbach und dem Stuttgarter Hauptbahnhof ist laut der Bahn weiterhin kein S-Bahn-Verkehr möglich. Außerhalb dieser Abschnitte wird demnach versucht, einen eingeschränkten Betrieb aufzubauen.
Laut dem Bundespolizeisprecher war eine starke Rauchentwicklung zu sehen. Die Feuerwehr Stuttgart teilte auf X mit, dass die Brandstelle schwer zu erreichen gewesen sei. Die Deutsche Bahn stellte deshalb einen Zug zur Verfügung, damit die Einsatzkräfte zu dem etwa 10 Quadratmeter großen Böschungsbrand gelangen konnten, wie ein Bahnsprecher sagte.

Gleissperrungen wegen Vegetationsbrand bereits am Vortag

Bereits am Freitag hatte ein Kurzschluss an einer Oberleitung den Bahnverkehr am Stuttgarter Hauptbahnhof zeitweise schwer beeinträchtigt. Zwischenzeitlich waren 12 von 16 Gleisen des Kopfbahnhofs gesperrt, auf S-Bahn-Linien gab es massive Störungen. Auslöser war laut Feuerwehr ein Vegetationsbrand im Gleisvorfeld, den Bahnmitarbeiter gelöscht hatten. Die Bundespolizei ermittelt zur Brandursache. (dpa/red)
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Hitze bleibt — teils heftige Unwetter erwartet

Nahezu ganz Deutschland schwitzt am Wochenende bei Temperaturen um 40 Grad – Abkühlung versprechen die Meteorologen erst zum Start in die neue Woche. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwartete im Tagesverlauf Temperaturen von bis zu 41 Grad an. Lokal seien auch 42 Grad nicht ausgeschlossen. Die Deutsche Bahn und weitere Eisenbahnunternehmen raten wegen der Hitze von nicht dringend notwendigen Reisen im Fern- und Regionalverkehr ab.
Noch vor 12 Uhr am Mittag berichtete eine DWD-Sprecherin bereits von hohen Werten. Um 11.45 Uhr seien es bereits 36,0 Grad im niedersächsischen Faßberg oder auch 36,3 Grad in Röllbach in Unterfranken gewesen, sagte sie der dpa.
Die Deutsche Bahn und weitere Eisenbahnunternehmen rieten wegen der Hitze am Wochenende von nicht dringend notwendigen Reisen im Fern- und Regionalverkehr ab. „Die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland ist an diesem Wochenende stark von der Rekord-Hitze betroffen. Auch der Schienenverkehr leidet unter den Extrem-Temperaturen“, heißt es in der online veröffentlichten Bahn-Mitteilung. Das Bahnunternehmen National Express, das Regionalzüge in Nordrhein-Westfalen betreibt, wollte wegen der Hitze am Samstagnachmittag den Betrieb für sechs Stunden einstellen.

Verbreitete Gewittergefahr in der Nacht auf Sonntag

Etwas kühler sollte es den Angaben zufolge nur im äußersten Norden des Landes sein. Am Nachmittag und Abend werden in Nordseenähe und von den westlichen Mittelgebirgen bis in den Nordosten hinein kräftige Gewitter erwartet. Auch Unwetter mit heftigem Starkregen, Hagel und Sturmböen seien nicht auszuschließen, warnt der DWD.
Am späteren Abend und in der Nacht steigt dann im Norden und Nordwesten des Landes die Unwettergefahr durch verbreitete Gewitter. Die Temperaturen bringen bei Werten zwischen 26 und 17 Grad in der Nacht zum Sonntag nur wenig Abkühlung. Lediglich in einigen Senken- und Muldenlagen wird es noch kühler.

Waldbrandgefahr in Teilen des Landes sehr hoch

Auch am Sonntag erwartet die Menschen von Franken bis nach Brandenburg wieder hohe Temperaturen: 39 bis 41 Grad, in der Lausitz bis 42 Grad, melden die Meteorologen. Im Rest des Landes fallen die Temperaturen auf Höchstwerte zwischen 32 und 38 Grad. Erneut besteht im Tagesverlauf die Gefahr schwerer Gewitter mit schweren Sturmböen, heftigem Starkregen und großkörnigem Hagel. Richtung Osten und Südosten ist es demnach länger sonnig und trocken.
Anhaltende Trockenheit lässt auch die Waldbrandgefahr in Teilen Deutschlands steigen. Vor allem in Brandenburg, in Teilen Mecklenburg-Vorpommerns sowie in Sachsen und Sachsen-Anhalt steht auf dem Waldbrand-Gefahrenindex mit Blick auf Sonntag die höchste Warnstufe. Zum Start in die neue Woche soll das Risiko für Waldbrände deutschlandweit wieder sinken.

Regen bringt zum Wochenstart Abkühlung

In der folgenden Nacht soll es vor allem über der Mitte Deutschlands hinweg bis in den Osten und im Süden ungemütlich werden. Der DWD warnt dort vor schweren Unwettern mit Sturmböen, Starkregen und teils anhaltendem kräftigem Regen. Tiefstwerte zwischen 23 und 17 Grad werden erwartet.
Zum Start in die neue Woche bringen vereinzelte Schauer im Nordwesten sowie Regen und teils kräftige Gewitter im Rest des Landes eine spürbare Abkühlung. Mit 25 bis 29 Grad sei zu rechnen, lokal im Osten und Südosten auch bis 31 Grad. An der Küste ist es erneut etwas kühler. (dpa/red)
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Ehepaar und kleine Tochter in Rom mit Machete getötet

Eheleute und ihre kleine Tochter sind in ihrer Wohnung in Rom mit einer Machete umgebracht worden. Nur der älteste Sohn der Familie aus Bangladesch habe sich schwer verletzt retten können, berichtete die italienische Zeitung „La Repubblica“. Er werde in einem Krankenhaus behandelt, sei aber nicht in Lebensgefahr.
Aufgrund seiner Angaben fahnde die Polizei mit einem Großaufgebot nach einem Verdächtigen, bei dem es sich um einen Bekannten der Familie handeln soll, wie die Nachrichtenagentur Ansa meldete.
Das Motiv der Bluttat war zunächst unklar. Der Täter könne von der ermordeten Frau besessen gewesen sein oder die Tat habe etwas mit dem 20-jährigen Sohn zu tun, schrieb die Zeitung. Nachbarn der Wohnung im Stadtteil Pineta Sacchetti im Nordwesten Roms hätten von einem lautstarken Streit kurz vor dem Angriff mit der Machete berichtet. (dpa/red)
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Vor AfD-Parteitag: Polizei warnt vor gewaltbereiten Linksextremisten


In Kürze:

  • Anonymer „Indymedia“-Aufruf kündigt massive Proteste gegen den AfD-Parteitag in Erfurt an.
  • Darin werden Blockaden und Dachbesetzungen für Thüringen sowie für den 6. September ein Sturm auf den Magdeburger Landtag nach der Wahl angekündigt.
  • Die Polizei rechnet mit mehr als 50.000 Gegendemonstranten.
  • Thüringens Innenminister betont, dass Blockaden nicht von der Versammlungsfreiheit gedeckt seien.

 

Im Vorfeld des Bundesparteitags der AfD am Wochenende des 4. und 5. Juli in Erfurt steigt offenbar die Bereitschaft extremistischer und gewaltbereiter Kräfte zur Eskalation. Auf der Plattform „Indymedia“ erschien jüngst ein Aufruf, in dem für diesen Tag die „größte Mobilisierung in der Geschichte der antifaschistischen Bewegung“ angekündigt wurde. Zudem wurde für den Fall einer absoluten Mehrheit der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September eine Erstürmung des Landtags angedroht.

Militante Proteste gegen AfD-Parteitag: Verstärkung aus dem Ausland angekündigt

Inwiefern der Aufruf authentisch ist und es tatsächlich derartige Ambitionen in der linksextremen Szene gibt, ist unklar.

In dem Beitrag von „Berliner“ unter der Überschrift „Tag X in Erfurt naht“ vom Dienstag, 23. Juni, gibt sich der Autor sicher, dass es gelingen werde, „erstmals ein Zusammentreffen der AfD komplett zu verhindern“. Weiter heißt es in dem Text, man habe die Proteste gegen das G7-Treffen in Genf Anfang des Monats zum Erfahrungsaustausch genutzt.

Antifa-Aktivisten aus Italien, Frankreich und der Schweiz hätten zugesagt, zum Protest des AfD-Parteitags nach Deutschland zu kommen. Dort wollten sie die deutschen Gruppen „mit ihrer Erfahrung in europäischen Kämpfen unterstützen“. Der Autor des Beitrages ersucht darum, auf Ankündigungen vor Ort und in eigenen Kommunikationskanälen zu achten. So wolle man der Polizei „nicht die Option bieten, sich auf Überraschungsaktionen unsererseits vorzubereiten“.

G20 und „Rigaer 94“ als Modelle für die linke Szene

Gänzlich im Unklaren über die eigenen Vorhaben lässt man diese dann aber doch nicht. So kündigt der Beitrag jetzt den strategischen Ansatz an, Hausdächer von Gebäuden entlang der Anfahrtsroute zu besetzen. Immerhin habe die Vergangenheit gezeigt, dass es den Einsatzkräften stets gelungen sei, Proteste auf der Straße zu unterbinden.

Daher wolle man sich auf Strategien besinnen, „die wir von G20 bis R94 bereits erprobt haben“. Im Umfeld des G20-Gipfels in Hamburg 2017 ist es den Einsatzkräften nur eingeschränkt gelungen, Eskalationen früh zu unterbinden, sobald sich die militanten Aktivisten auf Gebäude begeben hatten.

Beim linksradikal besetzten Haus „Rigaer Straße 94“ (R94) in Berlin wurden bei Polizeieinsätzen wiederholt Beamte von den Dächern aus mit Steinen oder Pyrotechnik beworfen und verletzt. 

Sturm auf Landtag als militante Drohkulisse

In dem anonymen Beitrag auf „Indymedia“ heißt es außerdem: „Nach Erfurt ist vor Magdeburg.“ Der 6. September, der Tag der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, wird als der „Tag der voraussichtlichen faschistischen Machtübernahme in Deutschland“ bezeichnet. An diesem werde man „mit einer großen Schar von Antifas aus ganz Deutschland den Magdeburger Landtag stürmen“.

Ungewiss ist, ob es sich bei der Ankündigung um mehr als eine militante Drohkulisse handelt. Spätestens mit diesem Aufruf ist damit zu rechnen, dass die Einsatzkräfte damit beginnen werden, sich auf ein solches Szenario vorzubereiten. 

Bis heute gab es in der deutschen Nachkriegsgeschichte auch keinen Fall, in dem ein Sturm eines überregionalen Parlaments gelungen wäre. Es kam auf kommunaler Ebene mehrfach zu Provokationen, etwa in Dortmund. Dort hatten sich Rechtsextreme nach der Kommunalwahl 2014 und Linksextreme nach der Bundestagswahl 2025 kurzfristig widerrechtlich Zutritt zum Rathaus verschafft. Die Einsatzkräfte konnten die Situation jedoch schnell unter Kontrolle bekommen.

Der versuchte sogenannte Sturm auf den Reichstag, der spontan von Teilnehmern während einer Demonstration gegen die Corona-Politik im August 2020 geprobt worden sein soll, scheiterte schon auf den Treppen des Gebäudes.

Mehr Gegendemonstranten als zum AfD-Parteitag 2024 erwartet

Die Polizei scheint die Ankündigung auf „Indymedia“ ernst zu nehmen.

So rechnet Thüringen mit bis zu 50.000 Gegendemonstranten. Eine solche Teilnehmerzahl würde noch über der Größenordnung der Proteste gegen den AfD-Parteitag 2024 in Essen liegen.

Von den meisten Demonstrationen und Veranstaltungen gehe kein Eskalationsrisiko aus. Hinter ihnen stehen mehrere Parteien, zivilgesellschaftliche Organisationen, Kirchen oder Gewerkschaften. In Erfurt seien an dem Wochenende 31 Versammlungen mit aktuell rund 24.000 Teilnehmern angemeldet worden, sagte Oberbürgermeister Andreas Horn (CDU). Dabei gehe es aber nicht nur um Gegendemonstrationen zu dem AfD-Parteitag. Zudem seien für Freitag und Samstag zwei große Konzerte geplant. Damit stehe der Landeshauptstadt ein Wochenende bevor, das „so noch nie stattgefunden hat“.

Warnung vor „Horrorszenarien“

Landespolizeipräsident Thomas Quittenbaum ging davon aus, dass zu den angemeldeten 24.000 Versammlungsteilnehmern eine weitere Zahl „von ähnlicher Größe“ zu erwarten sei. Die Erfahrung zeige, dass „ein gewisser Prozentsatz“ auch Gewaltbereitschaft zeigen werde. „Für Gewalt ist in dieser Stadt kein Platz“, warnte der Polizeichef. „Darauf haben wir uns vorbereitet.“

Ein Bündnis „Widersetzen“, das auch von Linken-Bundestagsabgeordneten unterstützt wird, ruft dazu auf, durch Blockaden den Parteitag zu verhindern. Genaue Zahlen zu Teilnehmern und möglichen gewaltbereiten Demonstranten wollte Quittenbaum nicht nennen.

In einem Gespräch mit dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ betonte Maier, Verhinderungsblockaden seien „nicht von der Versammlungsfreiheit gedeckt“. Mit Blick auf den AfD-Parteitag kündigte der Minister an, die Einsatzkräfte würden „das Versammlungsrecht durchsetzen“.

Innenminister Maier kritisierte über soziale Medien verbreitete „Horrorszenarien“, dass „bürgerkriegsähnliche Zustände“ zu erwarten seien.
(Mit Material von afp)
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Röwekamp setzt Frist für mögliche Rückkehr der Wehrpflicht

Der CDU-Verteidigungspolitiker Thomas Röwekamp hat bis Mitte 2027 eine Entscheidung gefordert, ob sich durch den neuen freiwilligen Wehrdienst die Rekrutierungsziele der Bundeswehr erreichen lassen.
Er habe daran „unverändert erhebliche Zweifel“, sagte der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag der Nachrichtenagentur AFP. Wenn der freiwillige Wehrdienst nicht ausreiche, „dann werden wir zur Wehrpflicht zurückkehren müssen“. Darüber müsse „bis zum 31. Juli nächsten Jahres“ entschieden werden.

Bundeswehr-Bilanz

Die Bundeswehr hatte am Mittwoch eine erste Bilanz für den am 1. Januar gestarteten neuen Wehrdienst vorgelegt. Demnach wurden fast 300.000 Fragebögen an den ersten betroffenen Jahrgang verschickt, in denen das Interesse für die Bundeswehr bekundet werden konnte. 530 Angeschriebene verpflichteten sich dabei für einen freiwilligen Wehrdienst im laufenden Jahr.
„Es ist auf jeden Fall angezeigt, dass wir jetzt erstmal ein Jahr, einen vollen Jahrgang abwarten“, sagte Röwekamp zu den Zahlen. „Erst dann wird man ein Gesamtbild zeichnen können. Im ersten Halbjahr nächsten Jahres müssen wir aber nochmal sehr grundlegend über die Frage reden, ob wir mit der Freiwilligkeit die sehr ambitionierten Aufwuchsnotwendigkeiten bei der aktiven Truppe und den Reservistinnen und Reservisten erreichen.“
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) will über den neuen Wehrdienst die Nato-Vorgabe erreichen, bis 2035 im Krisen- oder Kriegsfall 460.000 Soldaten bereitzustellen. Dazu soll die Zahl der aktiven Soldatinnen und Soldaten von derzeit rund 185.000 auf mindestens 260.000 steigen. Die Zahl der Reservisten soll von 60.000 auf 200.000 erhöht werden.
Er halte es „für machbar“, über den freiwilligen Wehrdienst „am Ende das Aufwuchsziel für die Reservistinnen und Reservisten zu erreichen“, sagte Röwekamp. „Meine große Sorge ist der Aufwuchs bei den Zeit- und Berufssoldaten – weil das diejenigen sind, die den Kampfjet fliegen, das Schiff navigieren, den Panzer fahren, die Patriot-Abwehrstellung bedienen.“
Hier müsse „im Prinzip jedes Jahr das Ziel von 10.000 zusätzlichen Soldatinnen und Soldaten“ erreicht werden.

Wehrpflicht bleibt als Option

Das Gesetz zum neuen Wehrdienst sieht zwar keine Rückkehr zu der seit 2011 ausgesetzten allgemeinen Wehrpflicht vor. Es öffnet aber die Tür zu einer sogenannten Bedarfswehrpflicht für den Fall, dass angestrebte Personalstärken über das Freiwilligen-Modell nicht erreicht werden. Nötig dafür wäre ein neuer Bundestagsbeschluss.
Bei der Bedarfswehrpflicht würde nur ein Teil der wehrdienstfähigen jungen Männer verpflichtet. „Wir müssen nicht einen ganzen Jahrgang von 350.000 Männern einziehen“, sagte Röwekamp dazu. „Die Erfahrung zeigt, dass von den Wehrdienstleistenden letztlich ein Viertel bereit ist, Zeit- oder Berufssoldat zu werden, nachdem sie die Truppe kennengelernt haben.“
Mit Blick auf Schülerproteste gegen den Wehrdienst äußerte Röwekamp gleichzeitig Verständnis, dass es bei jungen Menschen „eine Verunsicherung“ gebe.
„Wir haben seit dem Aussetzen der Wehrpflicht im Jahr 2011 mit der jungen Generation gar nicht mehr über die Fragen von Krieg und Frieden und Verteidigungsnotwendigkeit geredet“, sagte er. „Und deswegen treffen wir sie damit relativ unvorbereitet.“
Er werbe „deshalb sehr dafür, dass wir mit dieser Generation reden und nicht nur über sie reden“, sagte der CDU-Politiker. Ziel müsse es sein, junge Menschen zu überzeugen, „dass das nicht irgendein Parteiprogramm ist, sondern wegen der Bedrohung durch Russland eine militärische Notwendigkeit“. (afp/red)
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Porsche holt Cayenne-Produktion von Bratislava nach Leipzig

Porsche will die Produktion des wichtigen SUV-Modells Cayenne offenbar mit allen drei Antriebsvarianten von Bratislava nach Leipzig verlagern. Das berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ unter Berufung auf Arbeitnehmerkreise. Der Sportwagenhersteller wolle so die Auslastung des Werks in Sachsen langfristig absichern.
Voraussetzung sei allerdings, dass die Arbeitnehmerseite sich auf eine spürbare Absenkung der Löhne einlasse, weil die Entgelthöhen in der Slowakei deutlich unter dem Niveau der deutschen Porsche-Mitarbeiter lägen.
Dass Porsche-Chef Leiters die gesamte Produktion des Cayenne trotzdem aus der Slowakei abziehen wolle, gründe auf den Überkapazitäten in Deutschland. Porsche habe das Problem, dass weder das Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen, in dem die Sportwagen vom Band laufen, noch die SUV-Fabrik in Leipzig ansatzweise ausgelastet sei.

Verhandlungen über Löhne laufen

Das Unternehmen selbst wollte sich auf Anfrage der FAZ nicht zu dem Plan äußern. Ein Sprecher bestätigte aber laufende Verhandlungen mit der Arbeitnehmerseite. Auch der Gesamtbetriebsrat bestätigte die Gespräche.
„Allerdings sind noch einige Themen offen, über die es zu diskutieren gilt“, ließ der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats Ibrahim Aslan mitteilen. „Im Sinne der Belegschaft und des Unternehmens ist es unser Anliegen, zügig voranzukommen. Wann und wie das der Fall sein wird, hängt von den nächsten Wochen ab.“
Klar sei aber, dass vor allem das Werk in Leipzig eine Durststrecke überstehen müsse. Bis die neuen Modelle kämen, dauere es noch, und die Verlagerung der Cayenne-Produktion sei ebenfalls keine kurzfristige Lösung.

Weitere Stellenstreichungen geplant

Nachdem Porsche in den vergangenen Monaten bereits die Verträge von mehreren 100 Zeitarbeitern nicht verlängert habe, wolle das Unternehmen bis August 200 Arbeitsplätze mit freiwilligen Aufhebungsverträgen und Abfindungsangeboten abbauen. Zudem sollten bis zu 400 Mitarbeiter mit einer sogenannten „Drehscheibe“ zeitweise nach Wolfsburg abgeordnet werden.
Die Maßnahmen seien alle Teil einer umfassenden Neuausrichtung, die Leiters in allen Einzelheiten auf einem Kapitalmarkttag im Oktober vorstellen wolle.
Der Porsche-Chef wolle die Zahl der verschiedenen Modellvarianten reduzieren, die Entwicklung des Herstellers umbauen und Synergien mit der Muttergesellschaft VW nutzen. Vor allem aber plane er einen weiteren Stellenabbau.
Am Stammsitz in Zuffenhausen und im Entwicklungszentrum in Weissach stehen nach Informationen der FAZ aus Unternehmenskreisen Stellen in niedriger vierstelliger Höhe zur Disposition. (dts/red)
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80 Jahre Vespa: Rom feiert Kultroller mit Parade

Mit einer großen Vespa-Parade ist in Rom der 80. Geburtstag des italienischen Kult-Motorrollers gefeiert worden. Bei hochsommerlichen Temperaturen fuhren zahlreiche Fans aus aller Welt auf ihren Vespas durch die italienische Hauptstadt. Die Route führte unter anderem am Kolosseum und den Kaiserforen vorbei. Zu der Parade wurden Zehntausende Teilnehmer erwartet.
Die mehrtägigen Feierlichkeiten zum Jubiläum der Vespa hatten bereits am Donnerstag begonnen. Im Norden Roms war dafür ein Vespa Village eingerichtet worden, in dem sich Fans und Mitglieder von Vespa-Clubs aus aller Welt trafen. Dort fanden Ausstellungen und Treffen der Teilnehmer statt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt

1946 rollten im Stammwerk des Herstellers Piaggio im toskanischen Pontedera die ersten Modelle vom Band. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Vespa als günstiges Fortbewegungsmittel für die breite Masse entwickelt. Sie entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem Kultfahrzeug. Seit Produktionsbeginn wurden laut Piaggio fast 20 Millionen Exemplare verkauft.
Angemeldet für die Parade waren mehr als 60 Vespa-Clubs aus aller Welt. Auch deutsche „vespisti“ – so nennen sich Vespa-Liebhaber – sollten dabei sein. Etwa 600 bis 800 offiziell angemeldete Fans aus Deutschland hatten zuvor ihre Teilnahme bestätigt, auch zahlreiche Fans ohne Vespa wollten nach Rom reisen.

Audrey Hepburn flitzte auf der Vespa durch Rom

Für Italien gilt die Vespa als Nationalsymbol. Im Ausland ist der Zweirad-Roller auch sehr beliebt. Für viele gilt er als Inbegriff italienischen Lebensgefühls. Zur internationalen Bekanntheit verholfen hat auch das Kino: Im Film „Ein Herz und eine Krone“ flitzten Audrey Hepburn und Gregory Peck 1953 auf der Vespa durch Rom. Auch in anderen Produktionen kam die Vespa später vor. (dpa/red)