In Kürze:
- Im Känozoikum gab es arktische Geparden und Elefanten mit Hauer-artigen Stoßzähnen, die spätestens 11.700 Jahre vor heute ausstarben.
- Spanische Wissenschaftler fanden heraus, dass die Elefanten der Gattung Deinotherium verschwanden, weil sie zu langsam neue Arten hervorbrachten.
- Parallel entdeckten US-amerikanische Forscher, dass der amerikanische Gepard eher ein Puma war und aufgrund zu geringer genetischer Vielfalt die Eiszeit nicht überlebte.
Vor rund 66 Millionen Jahren begann auf der Erde ein neues Zeitalter. Mit dem Asteroideneinschlag, der zum Aussterben der Dinosaurier führte, und der kontinentalen Teilung, wie wir sie heute kennen, war nicht nur eine Lücke in der Tierwelt geschaffen, sondern auch die Natur umgestaltet worden.
Diese Bedingungen boten die Möglichkeit zur Entwicklung neuer Arten, die im Vergleich zu unseren heutigen Tieren fantasievoll anmuten. Denn im Känozoikum, übersetzt dem „Zeitalter der ungewöhnlichen Tiere“, lebten arktische Geparden, die eher Pumas waren, und Elefanten mit Hauer-artigen, nach unten gebogenen Stoßzähnen, wie wir sie heute von Walrössern kennen.
Zwei voneinander unabhängige Studien haben nun herausgefunden, dass beide Tierarten – Miracinonyx trumani und Deinotherium – aufgrund unterschiedlicher Verluste der Vielfalt von unserem Planeten verschwanden.
Zu wenig Tiere für Hauerelefanten
Vor etwa einer Million Jahre verschwanden in Afrika die letzten Urzeit-Elefanten der Gattung Deinotherium, auch Hauerelefanten genannt. Lange Zeit glaubten Forscher, dass der moderne Mensch mit seiner Jagd wesentlich zum Aussterben der Tiere beitrug. Neue Erkenntnisse deuten jedoch auf eine andere Ursache hin: es entstanden zu wenig neue Arten.
Der Ursprung dieses Problems ist laut dem Paläobiologen Juan López Cantalapiedra vom Nationalmuseum für Naturwissenschaften in Madrid und seinen Kollegen um sieben Millionen Jahre vor heute zu finden. Zu dieser Zeit, begann das Klima in Afrika trockener zu werden. Dies führte zu Veränderungen der Landschaften und Vegetationstypen, die wiederum zur Neugestaltung der Huftiere führten.
Anfänglich nahmen sowohl die Entstehung neuer Arten als auch das Aussterben anderer Arten zu. Dann, vor rund 3,6 Millionen Jahren, kam die Entstehung neuer Arten jedoch zum Stillstand, während die Aussterberate weiter anstieg und sich zu Beginn des Pleistozäns vor 2,58 Millionen Jahren noch beschleunigte.
„Wir haben festgestellt, dass größere Arten entgegen der bisherigen Annahme nicht schneller ausstarben als kleinere. Tatsächlich waren ihre Aussterberaten sogar etwas niedriger. Der entscheidende Punkt ist jedoch, dass Großpflanzenfresser [Tiere über eine Tonne Gewicht] viel langsamer neue Arten hervorbrachten“, erklärt Cantalapiedra.
Letztlich starben die Großpflanzenfresser also aus, weil nicht genügend neue Arten entstanden, um die verschwundenen zu ersetzen.
Zu wenig Gene der arktischen Geparden
Auch im eiszeitlichen Nordamerika kam es am Ende des Pleistozäns zum Aussterben zahlreicher Arten, unter anderem der Großkatze Miracinonyx trumani. Die wegen ihrer schlanken Körper und langen Vorderbeinen auch als „Amerikanische Geparden“ bezeichneten Tiere waren in Wirklichkeit jedoch Verwandte des Pumas.
Eine aktuelle Studie von Molly Cassatt-Johnstone von der University of California, Santa Cruz, und ihren Kollegen kam zu dem Entschluss, dass die Großkatze wegen ihrer Gepard-ähnlichen Statur sowohl ihre Beute an Land verfolgen konnte als auch mit ihren kräftigen Vorderbeinen Lachse und Co. fischen konnte. Außerdem war ihre innere Uhr, der zirkadiane Rhythmus, ideal auf arktische Sommer und Winter angepasst. Was seinen Lebensraum um über 20 Grad Richtung Norden bis ins heutige Alaska ausweitete.

Künstlerische Darstellung eines „amerikanischen Geparden“, der vor 12.000 Jahren ausstarb.
Trotz der guten Anpassung an seinen Lebensraum starb der „amerikanische Gepard“ aus. Doch woran lag es? Auch auf diese Frage haben die Forscher eine Antwort gefunden. Das Zünglein an der Waage sei demnach eine zu geringe genetische Vielfalt gewesen. So erbrachten Genanalysen an fossilen Überresten keine Anzeichen von Inzucht oder starken Populationsengpässen, wohl aber wenig Varianz in der DNA.
„Der Rückgang verlief langsam, nicht plötzlich, und genau das könnte der Grund dafür gewesen sein, dass die Art sich nicht anpassen konnte, als sich das Klima [zu Beginn des Holozäns] veränderte“, so Cassatt-Johnstone.

