Der deutsche Börsen-Leitindex hat erstmals die Marke der 26.000 Punkte geknackt. - Foto: Andreas Arnold/dpa
In Kürze:
Der DAX hat erstmals die Marke von 26.000 Punkten überschritten, trotz einer weiterhin schwachen deutschen Konjunktur.
Starke Unternehmenszahlen, Exportzuwächse und Hoffnungen auf geopolitische Entspannung stützen die Kurse.
Steigende Zinsen, Niedrigwasser, geopolitische Unsicherheit und die schwache Industrie beeinflussen die Entwicklung des DAX.
Am vergangenen Montag überschritt der deutsche Leitindex DAX erstmals in seiner Geschichte die Marke von 26.000 Punkten. Zwei Handelstage später folgte mit rund 26.403 Punkten zum Handelsbeginn die nächste Bestmarke. Zum Börsenschluss am Mittwoch fiel der DAX auf rund 26.144 Punkte. Am Freitag lag er bei etwa 26.300 Punkten.
Der DAX und die Entwicklung der deutschen Volkswirtschaft sind nicht unmittelbar gleichzusetzen. Der Aktienindex bildet die Entwicklung der im DAX enthaltenen Unternehmen und die Erwartungen der Anleger hinsichtlich ihrer künftigen Gewinne ab. Diese werden unter anderem von Zinsentscheidungen, geopolitischen Risiken und der Entwicklung der Industrie beeinflusst.
DAX-Rekord bei steigenden Zinsen und Inflation
Die jüngste Rally wurde unter anderem von der Hoffnung auf eine diplomatische Entspannung im Konflikt zwischen den USA und dem Iran begleitet. US-Präsident Donald Trump hatte Anfang der Woche einen geplanten Großangriff auf den Iran ausgesetzt und Verhandlungen angekündigt. Zudem legten DAX-Unternehmen wie Fresenius und Siemens Energy starke Halbjahreszahlen vor. Beide Aktien stiegen nach der Veröffentlichung der Zahlen.
Im internationalen Vergleich entwickelte sich der DAX weniger stark: Während einzelne asiatische Indizes wie der südkoreanische KOSPI oder der japanische NIKKEI in diesem Jahr zeitweise Zuwächse im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich verzeichneten, bewegte sich der deutsche Leitindex seit Jahresbeginn moderater.
Die Entwicklung des DAX steht auch im Zusammenhang mit dem geldpolitischen Umfeld: Die Europäische Zentralbank hat ihre Leitzinsen nach fast einjähriger Pause im Juni erstmals seit knapp drei Jahren wieder angehoben, um 25 Basispunkte auf einen Einlagesatz von 2,25 Prozent. Nach Darstellung der Notenbank war die Entscheidung eine Reaktion auf neu aufgeflammten Inflationsdruck, den die EZB selbst mit dem Energiepreisschock infolge des Nahost-Kriegs begründet. Die Inflationsrate im Euroraum lag im Juni laut Eurostat bei rund 2,9 Prozent und damit über dem mittelfristigen Zwei-Prozent-Ziel der Notenbank.
Steigende Zinsen verteuern normalerweise die Finanzierung von Unternehmen und schmälern rechnerisch den Gegenwartswert künftiger Gewinne, was Aktienbewertungen tendenziell belastet. Der Anstieg des DAX lässt sich unter anderem mit unternehmensspezifischen Sondereffekten erklären.
Die Entwicklung von Börse und Realwirtschaft
Das ifo Institut, dessen Geschäftsklimaindex als Frühwarnsystem für die deutsche Konjunktur gilt, meldete für Juli einen Anstieg auf 86,6 Punkte nach 85,6 im Juni. Das war der dritte Zuwachs in Folge seit dem Tiefpunkt von 84,5 im April. Bei Betrachtung der wirtschaftlichen Teilbereiche zeigt sich ein unterschiedliches Bild: Der gesamte Anstieg speiste sich aus verbesserten Erwartungen der befragten Unternehmen, während die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage im Vergleich zum Vormonat sogar leicht nachgab. Optimismus über die Zukunft bei gleichzeitig schwächerer Einschätzung der Gegenwart ist ein Muster, das sich in der deutschen Konjunkturgeschichte wiederholt und sowohl vor tatsächlichen Trendwenden als auch vor Rückschlägen auftrat.
Mit Blick auf die Realwirtschaft zeigt sich folgendes Bild: Die Produktion im Produzierenden Gewerbe stieg im Juni 2026 nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamts saison- und kalenderbereinigt um 0,2 Prozent gegenüber dem Vormonat, im Dreimonatsvergleich lag sie 0,7 Prozent über dem Niveau der drei Vormonate.
Das Bundeswirtschaftsministerium wertete dies als Zeichen dafür, dass sich die Industrieproduktion „ungeachtet der außenwirtschaftlichen Belastungen im vergangenen Quartal als recht widerstandsfähig erwiesen“ habe. Das Ministerium nannte als Erklärung eine „relative Verbesserung der Wettbewerbsposition bei den energieintensiven Industrien in Deutschland im Vergleich zu den asiatischen Konkurrenten“.
Die Entwicklung der deutschen Industrie steht dabei auch im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Folgen des Kriegs im Nahen Osten. Die relative Wettbewerbsposition der energieintensiven Industrien in Deutschland gegenüber asiatischen Konkurrenten kann sich dabei verbessern, wenn diese stärker von den Auswirkungen des Konflikts betroffen sind.
Exportrekord im Schatten der Straße von Hormus
Eine wichtige Zahl dieser Woche stammt aus der Außenhandelsstatistik: Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamts wurden im Juni 2026 kalender- und saisonbereinigt Waren im Wert von 139,3 Milliarden Euro aus Deutschland exportiert, 0,9 Prozent mehr als im Mai und 6,6 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Das ist der höchste je in einem Monat gemessene Wert seit Beginn der saisonbereinigten Erhebung und liegt über dem bisherigen Rekord vom September 2022. Für das erste Halbjahr 2026 meldet die Behörde insgesamt ein Exportwachstum von 3,7 Prozent auf 816,6 Milliarden Euro, bei einem gleichzeitig überproportionalen Importzuwachs von 4,4 Prozent auf 711,6 Milliarden Euro. Der Außenhandelsüberschuss schrumpfte dadurch im Juni auf 15,4 Milliarden Euro, nach 19,3 Milliarden Euro im Mai.
Der Rekord steht im Zusammenhang mit der Entwicklung des internationalen Handels. Der Schiffsverkehr durch die für den globalen Öltransport zentrale Straße von Hormus war infolge des Kriegs zwischen den USA und dem Iran zeitweise nahezu zum Erliegen gekommen. Der ING-Analyst Carsten Brzeski formulierte im Juli die Vermutung, einige deutsche Branchen und Unternehmen hätten „vom Krieg im Nahen Osten profitiert“, weil asiatische Wettbewerber von der Sperrung stärker betroffen gewesen seien als europäische Exporteure. Diese Einschätzung stammt von einem einzelnen Marktbeobachter und ist keine amtlich bestätigte Analyse. Hinzu kommt, dass die Zahlen nominal ausgewiesen werden und damit die im Juni erneut gestiegenen Importpreise für Energie und Vorleistungsgüter nicht herausrechnen; ein Teil des Anstiegs könnte daher auf höhere Preise und nicht auf größere Liefermengen zurückzuführen sein.
Zwischen Börsenrekord und Niedrigwasser
Während der DAX neue Rekorde erreicht, steht die Industrie vor einem weiteren Problem: dem historischen Niedrigwasser auf dem Rhein. Das Bundeswirtschaftsministerium bezeichnete die niedrigen Pegelstände als „Herausforderung für die regionale Rohstoff- und Materialversorgung von Industrieunternehmen“ und schloss bei anhaltend geringen Transportkapazitäten „temporäre Einschränkungen bei der Produktionstätigkeit von betroffenen Unternehmen“ nicht aus.
Ein anhaltend hoher Exportüberschuss kann kurzfristig Beschäftigung in exportorientierten Branchen sichern. Eine sich aufhellende Erwartungshaltung der Unternehmen kann sich mittelfristig in höheren Investitionen niederschlagen, sofern sie sich verstetigt. Für Anleger mit breit gestreuten Portfolios bedeutet der Rekordstand einen Buchgewinn.
DAX-Rekord und Konjunktur
Das Niedrigwasser am Rhein bleibt ein wetterabhängiges Risiko für die Produktion. Die Konzentration des DAX auf einzelne Schwergewichte bedeutet, dass Kursbewegungen bei Technologie- oder Energiewerten den Gesamtindex überproportional beeinflussen können. Die Entwicklung an der Straße von Hormus sowie die geldpolitischen Entscheidungen der EZB können ebenfalls Einfluss auf die Aktienmärkte haben. Die nächsten Zinsentscheide fallen am 10. September und 29. Oktober 2026.
Die Entwicklung der ifo-Erwartungskomponente sowie die Belastbarkeit des Exportrekords vom Juni hängen unter anderem von der weiteren Entwicklung der deutschen Wirtschaft, der internationalen Handelsbedingungen und der geopolitischen Lage ab. Der DAX bildet die Entwicklung der im Index enthaltenen Unternehmen und nicht die gesamte deutsche Volkswirtschaft ab.
Bei einer künstlichen Befruchtung in Italien wurden die Namen der beteiligten Frauen verwechselt. - Foto: Archiv
Aus Versehen ist einer Frau in Italien bei einer künstlichen Befruchtung der falsche Embryo eingesetzt worden. Zu dem Fehler kam es im vergangenen Monat in einem Krankenhaus in Mailand, wo zwei Paare darauf warteten, dass den beiden Frauen nach der Befruchtung im Labor eine befruchtete Eizelle übertragen wird. Nach einem Bericht der Tageszeitung „La Repubblica“ (Samstag) wurde dann jedoch der Frau, die als erste an der Reihe war, versehentlich ein Embryo des zweiten Paares eingesetzt. Offenbar waren die Namen der beiden Frauen verwechselt worden.
In der Klinik – dem renommierten San-Raffaele-Krankenhaus der norditalienischen Großstadt – sind auf Anweisung der Gesundheitsbehörden alle solchen Eingriffe nun vorübergehend gestoppt. Sie sollen erst nach einer gründlichen Überprüfung, wie es zu dem Irrtum kommen konnte, wieder aufgenommen werden.
Bericht: Fehler fiel schon nach acht Minuten auf
Der Fehler geschah am Vormittag des 23. Juli: Zwei Paare, die auf natürlichem Weg keine Kinder bekommen konnten, hatten nacheinander Termine in der Klinik. Nach einem ersten Untersuchungsbericht, aus dem „La Repubblica“ zitiert, wurde kurz nach 11 Uhr der ersten Frau wie geplant ein Embryo implantiert – allerdings nicht ihr eigener, sondern der Embryo des anderen Paares. Dem Bericht zufolge fiel der Fehler bereits nach acht Minuten auf, weil eine der beiden beteiligten Biologinnen nochmals den Namen kontrollierte.
Zusammen mit dem Paar sei dann beschlossen worden, den versehentlich implantierten Embryo abzusaugen, heißt es darin weiter. Der eigene Embryo des Paares, der ja nicht verwendet worden war, wurde wieder konserviert. Im Durchschnitt nistet sich ein Embryo nach einer solchen Transplantation in etwa 30 bis 40 Prozent der Fälle tatsächlich in der Gebärmutter ein. In Italien versuchen jedes Jahr mehr als 80.000 Paare, durch künstliche Befruchtung ein Kind zu bekommen.
Anderes Paar bekam zweiten eigenen Embryo
Dem anderen Paar, von dem der eingesetzte Embryo stammte, wurde noch am selben Tag ein zweiter Embryo übertragen, der auch tatsächlich von diesen beiden stammte. Die Ärzte berichteten ihnen von dem Fehler zunächst nichts. Begründet wurde dies damit, dass man „emotionalen und psychischen Stress in den Tagen, in denen die Einnistung des Embryos stattfinden könnte“, vermeiden wollte. Inzwischen wurde auch dieses Paar informiert. (dpa/red)
Der Antrag auf einen neuen Personalausweis soll demnächst weitgehend online möglich sein. (Symbolbild) - Foto: Marijan Murat/dpa
Auf dem Personalausweis könnte die Adresse künftig entfallen. Wie die „Rheinische Post“ am Samstag berichtete, arbeitet das Bundesinnenministerium an einer neuen Generation des Dokuments – mit größerem Foto und weiteren Sicherheitsmerkmalen. Dabei werde „auch über das Datenfeld Anschrift, den bei Umzügen aufzubringenden Änderungsaufkleber und diesbezügliche Maßnahmen zur Bürokratieentlastung und Digitalisierung nachgedacht“, zitierte die Zeitung einen Ministeriumssprecher.
Die Konzeption soll den Angaben zufolge bis Ende 2027 dauern. Viele Alltagsvorgänge liefen bereits digital ab. „Ein aufgedrucktes Datenfeld Anschrift beziehungsweise ein Änderungsaufkleber sind hierfür nicht erforderlich“, erklärte der Sprecher demnach weiter. Für Fälle, in denen der Ausweis bislang als Adressnachweis diene, seien barrierearme und unkomplizierte digitale Lösungen vorgesehen.
Im Gespräch sind laut Bericht außerdem zusätzliche Sicherheitsmerkmale, eine verbesserte kryptografische Absicherung und die Integration eines Data-Matrix-Codes. Damit soll sich die Identität leichter feststellen lassen.
Auch der Petitionsausschuss des Bundestags unterstützt Überlegungen, bei einer neuen Generation von Personalausweisen auf den Aufdruck der Wohnanschrift zu verzichten. Der Ausschuss beschloss Anfang Mai eine entsprechende Beschlussempfehlung, nachdem dies in einer Petition gefordert worden war. (afp/red)
Bodo Ramelow (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow (Linke) hat angesichts des Friedensprozesses zwischen der Türkei und der kurdischen PKK weitgehende Amnestieregelungen für kurdische Aktivistinnen und Aktivisten in Deutschland gefordert. Der „Rheinischen Post“ vom Samstag sagte Ramelow: „Das nun dem Parlament in Ankara vorgelegte Rahmengesetz zum Friedensprozess öffnet Wege zum Frieden und ist eine Reaktion auf die freiwillige Auflösung der kurdischen PKK im vergangenen Jahr.“
Der Linken-Politiker betonte: „Die deutsche Bundesregierung sollte diesen Weg diplomatisch unterstützen und muss nun zudem, so wie es die Türkei vorhat, auch in Deutschland weitgehende und schnelle Amnestieregelungen für kurdische Aktivistinnen und Aktivisten umsetzen.“ Aus Sicht Ramelows wäre das „eine konkrete Unterstützung für Frieden in der Region und für die Wahrung der kurdischen Rechte und Interessen“.
Hintergrund ist, dass die türkische Regierungspartei AKP im Bemühen um Frieden mit der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) einen Gesetzentwurf im Parlament eingereicht hat. Damit sollen rechtliche Rahmenbedingungen etwa für eine Freilassung verurteilter PKK-Mitglieder geschaffen werden.
„Ich begrüße, dass die türkische Regierung offenbar zu konkreten Schritten zu einem Frieden mit Kurdinnen und Kurden in der Türkei bereit ist“, sagte Ramelow. „Es unterstreicht noch einmal die Entschlossenheit der kurdischen Bevölkerung in der Türkei für einen demokratischen Wandel und ein endgültiges Ende der kriegerischen Vergangenheit.“
Gemäß dem Text des Gesetzentwurfs im türkischen Parlament soll ein Mechanismus eingerichtet werden, der PKK-Kämpfern den Weg zurück ins zivile Leben in der Türkei ebnet – vorausgesetzt, dass die Organisation „praktisch nicht mehr existiert und alle in ihrem Besitz befindlichen Waffen und Munition abgegeben hat“.
Der Gesetzentwurf enthält allerdings keine Angaben dazu, was mit PKK-Gründer Abdullah Öcalan geschehen soll, der seit 27 Jahren auf einer Gefängnisinsel inhaftiert ist. Nach einem Aufruf Öcalans am 27. Februar 2025 hatte die PKK ihre Auflösung bekannt gegeben und ihren jahrzehntelangen bewaffneten Kampf gegen den türkischen Staat beendet. In einem symbolischen Akt wurden auch Waffen verbrannt.
Auf türkischer Seite gab es bisher allerdings nur wenige Fortschritte. Die Ausarbeitung eines rechtlichen Rahmens für den Friedensprozess im Parlament gilt daher als ein wichtiger gesetzgeberischer Schritt.
Bei den Kämpfen zwischen der PKK und der türkischen Armee waren seit 1984 mindestens 50.000 Menschen getötet worden. (afp/red)
Thorsten Frei. (Archivbild) - Foto: Michael Kappeler/dpa
Unionsfraktionschef Thorsten Frei (CDU) hält die Voraussetzungen für ein Verbotsverfahren gegen die AfD derzeit nicht für gegeben. Gleichzeitig betont er, dass ein solches Verfahren grundsätzlich möglich sei, wenn die verfassungsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt würden. Auch beim Umgang mit der AfD in den Ländern fordert Frei eine einheitliche Linie der CDU.
„Ich schließe ein Verbotsverfahren gegen die AfD nicht kategorisch aus. Unsere Verfassung sieht Parteienverbote ausdrücklich vor“, sagte Frei der Funke-Mediengruppe. Ein konkretes Szenario, in dem er derzeit für ein Verbotsverfahren wäre, könne er sich allerdings nicht vorstellen.
Das bislang vom Verfassungsschutz zusammengetragene Material reiche aus seiner Sicht nicht für ein aussichtsreiches Verbotsverfahren aus. Dafür müsse eine Partei aktiv-kämpferisch gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung vorgehen oder diese beseitigen wollen.
Frei warnte zugleich davor, einzelne Aussagen isoliert zu betrachten. Es reiche nicht aus, verfassungsfeindliche Äußerungen einzelner AfD-Politiker zu untersuchen. Die entsprechenden Positionen müssten vielmehr prägend für die Gesamtpartei sein. Bei der AfD sei dies aus seiner Sicht derzeit schwer nachzuweisen, da entsprechende Positionen nicht im Parteiprogramm festgeschrieben seien.
Vizekanzler und SPD-Chef Lars Klingbeil hatte zuletzt eine ernsthafte Prüfung eines möglichen AfD-Verbotsverfahrens gefordert. In einem Beitrag für die „Zeit“ sprach er sich dafür aus, zu untersuchen, ob die Voraussetzungen für ein Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht erfüllt seien.
Frei steht einem solchen Schritt skeptisch gegenüber. Ein jahrelanges Verbotsverfahren könne der AfD seiner Einschätzung nach sogar politisch nutzen und sie in eine Märtyrerrolle bringen. Zudem warnte er davor, dass Parteien, die deutlich weniger Zuspruch erhielten als die AfD, durch eine solche Forderung den Eindruck erwecken könnten, einen politischen Konkurrenten auf diesem Weg ausschalten zu wollen.
Trotz seiner Ablehnung eines derzeitigen Verbotsverfahrens sieht Frei die Entwicklung der AfD kritisch. Die Partei radikalisiere sich seiner Einschätzung nach zunehmend nach rechts.
Während sich rechte Parteien in Ländern wie Italien und Frankreich seiner Darstellung zufolge in den vergangenen Jahren eher zur politischen Mitte bewegt hätten, gehe die AfD in die entgegengesetzte Richtung. Diese Entwicklung sei vermutlich noch nicht abgeschlossen, sagte Frei.
Kein Spielraum für Kooperation mit der AfD
Auch bei der Frage einer möglichen Regierungsbeteiligung der AfD nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sieht Frei keinen Spielraum für unterschiedliche Entscheidungen der CDU-Landesverbände.
„Das Kooperationsverbot mit der AfD ist ein Grundsatzbeschluss in der CDU“, sagte der Unionsfraktionschef. Es könne deshalb nicht je nach Bundesland unterschiedlich beantwortet werden.
Normalerweise halte sich die Bundespartei aus der Regierungsbildung in den Ländern heraus. Bei einer grundsätzlichen Frage wie dem Umgang mit der AfD sei jedoch die gesamte CDU betroffen, betonte Frei.
Frei wies zudem Spekulationen zurück, wonach Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz nach möglichen schlechten Ergebnissen bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin im September unter Druck geraten und abgelöst werden könnte.
„Friedrich Merz ist der gewählte Bundeskanzler, er wird für die gesamte Wahlperiode im Amt bleiben“, sagte Frei. Die Autorität des Kanzlers sei intakt.
Gleichzeitig räumte der Unionsfraktionschef ein, dass die Landtagswahlen Auswirkungen auf die Arbeit der Bundesregierung haben dürften. Für die geplanten Reformen brauche es starke Regierungsparteien und starke Parteivorsitzende.
Kritik an Merz‘ Personalentscheidungen
Auch die jüngsten Personalentscheidungen von Merz in Regierung und Partei bewertete Frei nicht uneingeschränkt positiv. Der Personalwechsel sei „nicht so gelaufen, wie man es sich gewünscht hätte“, sagte er.
Merz habe in kurzer Zeit zahlreiche Entscheidungen treffen müssen, aus denen sich weitere personelle Konsequenzen ergeben hätten. Dadurch sei nach außen der Eindruck entstanden, dass eine klare politische Linie fehle. (afp/dpa/red)
Der Nutzfahrzeughersteller Daimler Truck hat auch im zweiten Quartal unter dem Strich einen Rückschlag hinnehmen müssen, schöpft aber Zuversicht für den Rest des Jahres. Der Gewinn brach im zweiten Quartal um 48 Prozent ein. Im Vergleich zum Vorjahresquartal sank das Konzernergebnis von 245 Millionen Euro auf 128 Millionen Euro, wie der Dax-Konzern aus Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart mitteilte.
Vor allem deutlich anziehende Geschäfte in den USA sowie die Anerkennung von US-Wertschöpfungsanteilen und damit einhergehende Verbesserungen bei den Zöllen machen den Schwaben Hoffnung. Der Hersteller von Lkw und Bussen rechnet mit einem beschleunigten Ergebniswachstum in der zweiten Jahreshälfte und hatte erst kürzlich seine Prognose erhöht.
„Die starke Geschäftsentwicklung bei Trucks North America, die Aussicht auf höhere Absatzzahlen und die geringere erwartete Zollbelastung im weiteren Jahresverlauf bestärken uns darin, unsere Prognose für das Gesamtjahr anzuheben“, sagte Daimler-Truck-Chefin Karin Rådström laut Mitteilung.
„Die Nachfrage in den USA hat sich seit Anfang des Jahres stark erholt und durch unsere Kundenstruktur profitieren wir besonders davon“, sagte Finanzvorständin Eva Scherer der Deutschen Presse-Agentur. Mit Blick auf die zweite Jahreshälfte sagte Scherer, dass das Produktionsprogramm des Konzerns so gut wie ausgebucht sei. Der Auftragseingang des Konzerns legte im zweiten Quartal – getrieben durch die Bestellungen in Nordamerika – um 27 Prozent zu.
Im zweiten Quartal hatten sich aber weiterhin Zölle belastend auf die Profitabilität ausgewirkt, hieß es laut Mitteilung. Der Umsatz stieg zwar um fünf Prozent auf rund 12,3 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis (Ebit) jedoch fiel um neun Prozent auf 360 Millionen Euro. Im Industriegeschäft – also ohne Finanzdienstleistungen gerechnet – fiel der Rückgang beim Ebit mit 20 Prozent noch deutlicher aus.
Daimler Truck hatte im zweiten Quartal wieder mehr Fahrzeuge verkauft. Die Verkäufe legten im Vergleich zum Vorjahresquartal um acht Prozent zu, auf insgesamt 86.707 Lastwagen und Busse.
Daimler Truck will bis 2030 rund 5.000 Stellen streichen. (Archivbild)
Foto: Bernd Weißbrod/dpa
Finanzvorständin: Zweites Quartal stellt Wendepunkt dar
„Das zweite Quartal stellt wirklich einen Wendepunkt dar, deshalb haben wir auch unsere Prognose erhöht“, sagte Scherer. Aber die positiven Effekte seien noch nicht im zweiten Quartal reflektiert. „Ab dem dritten Quartal werden sich die Verbesserungen in den Zahlen zeigen“, sagte Scherer.
Am Donnerstagabend hatte Daimler Truck angekündigt, in den USA ein neues Werk bauen zu wollen. Der Bau soll Ende dieses Jahres starten, die Produktion 2029. Genauere Angaben zur Investitionssumme oder der Kapazität der Produktionsstätte machten die Vorstände nicht. Mehrere potenzielle Standorte würden derzeit geprüft, hieß es laut Mitteilung. Das neue Werk solle das größte des Konzerns in den USA werden, sagte Scherer. Bislang sei dieses in Cleveland im Bundesstaat North Carolina.
Gewinneinbrüche und ein Sparprogramm
Beim Nutzfahrzeughersteller lief es zuletzt nicht rund. 2025 sank der Gewinn um 34 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf zwei Milliarden Euro. Im ersten Quartal dieses Jahres brach der Gewinn sogar um satte 80 Prozent ein.
Um wettbewerbsfähiger zu werden, hatte Daimler Truck bereits im vergangenen Jahr das Sparprogramm „Cost Down Europe“ aufgelegt. Bis 2030 sollen damit die laufenden Kosten auf dem Heimatkontinent um mehr als eine Milliarde Euro sinken. In Deutschland sollen deshalb ungefähr 5.000 Stellen wegfallen. Betroffen ist insbesondere die Lkw-Marke Mercedes-Benz. Aber auch in Nordamerika soll gespart werden.
Nach etwa 100 Millionen Euro im vergangenen Jahr will Daimler Truck in diesem Jahr weitere 150 Millionen Euro einsparen, womit der Konzern etwa eineinhalb Jahre nach Start des Programms ein Viertel des anvisierten Sparziels erreicht hätte. „Wir liegen da gut im Plan“, sagte Scherer. (dpa/red)
Die Ukraine will möglichst schnell Mitglied der EU werden. (Archivbild) - Foto: Monika Skolimowska/dpa
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat bei seinem ersten Besuch seit Beginn des Ukraine-Kriegs in Serbien seinen Amtskollegen Aleksandar Vucic getroffen. Nach seiner Ankunft in Belgrad am Freitagabend traf Selenskyj den serbischen Staatschef zu einem Abendessen. Vucic erklärte anschließend, er sei überzeugt, der Besuch werde zur Entwicklung der Beziehungen und zur stärkeren Zusammenarbeit beider Länder beitragen. Serbien ist traditionell eng mit Russland verbunden.
Gespräche über Wirtschaft und Sicherheit
Offizielle Gespräche der beiden Präsidenten sind für Samstag im Präsidentenpalast geplant. Anschließend wollten sie nach Angaben des serbischen Präsidialamts vor die Presse treten. Selenskyj kündigte zudem Gespräche mit Regierungschef Djuro Macut an.
Themen seien eine Ausweitung der wirtschaftlichen Beziehungen, die Beziehungen zur EU und „Sicherheitsfragen“, erklärte Selenskyj im Onlinedienst X. Vucic hatte bereits zuvor gesagt, es solle auch um die Zusammenarbeit im Energiebereich gehen.
Der Besuch ist politisch heikel: Serbien gilt als eines der Moskau am nächsten stehenden Länder Europas und ist stark von russischen Gaslieferungen abhängig. Den wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine verhängten westlichen Sanktionen gegen Russland hat sich Belgrad nicht angeschlossen.
Vucic stellte vor Selenskyjs Besuch klar, dass sich daran vorerst nichts ändern werde. Serbien habe seine Haltung „vor viereinhalb, fast fünf Jahren“ festgelegt und seitdem nicht geändert. „Das wird bis auf Weiteres so bleiben“, sagte der Präsident.
Ein wichtiger Verbindungspunkt zwischen Belgrad und Kiew ist allerdings die Kosovo-Frage. Die Ukraine erkennt die 2008 erklärte Unabhängigkeit der früheren serbischen Provinz Kosovo nicht an. Vucic hat diese Haltung Kiews in der Vergangenheit wiederholt gelobt.
Ein hochrangiger ukrainischer Regierungsvertreter hatte AFP vor der Reise gesagt, Kiew wolle „die Serben von der Seite Russlands wegziehen“. Selenskyjs Besuch sei für Moskau „ein Schlag ins Gesicht“.
Als besonders heikel gelten mögliche Waffenlieferungen. Der russische Auslandsgeheimdienst SVR hatte serbischen Rüstungsunternehmen im Mai 2025 vorgeworfen, trotz der offiziellen Neutralität Belgrads über Drittstaaten Munition an die Ukraine zu verkaufen. Vucic kündigte daraufhin an, verdächtige Lieferverträge zu stoppen. Später erklärte er, Serbien habe sämtliche Ausfuhren von Waffen, Munition und militärischer Ausrüstung eingestellt.
Zugleich unterhält Belgrad weiterhin Kontakte zu Kiew. Vucic nahm im Juni 2025 an einem regionalen Gipfel in Odessa teil und reiste im Juli erneut nach Kiew. Serbien unterstützte die Ukraine zudem mit ziviler Hilfe, ohne sich einer gemeinsamen politischen Unterstützungserklärung anzuschließen.
Offiziell strebt Serbien einen Beitritt zur EU an. Die engen Beziehungen zu Moskau und die Weigerung, sich den Sanktionen gegen Russland anzuschließen, belasten jedoch das Verhältnis zu Brüssel. (afp/red)
Wenn Ärzte nur kurz Symptome abhaken, geht das Gesamtbild des Patienten verloren. - Foto: monkeybusinessimages/ iStock
Herr S., ein 38-jähriger Patient, suchte mich wegen wiederkehrender Atemnot, Brustenge und Kurzatmigkeit auf. Er wirkte angespannt, aber bemüht, die Situation sachlich zu schildern.
Als er seine Unterlagen auf den Tisch legte, zeigte sich, dass er in den vergangenen Monaten mehrfach beim Hausarzt, einmal beim Lungenfacharzt und sogar in der Notaufnahme gewesen war.
Verschiedene Ärzte – die gleiche Fehldiagnose
Sein Hausarzt hatte ihm nach einem kurzen Gespräch ein „mildes Belastungsasthma“ diagnostiziert. Die Diagnose war in einem Termin gefallen, der laut Patienten keine fünf Minuten gedauert hatte und mit einem Rezept für ein Asthmaspray endete.
Der Pneumologe hatte später im Rahmen der Untersuchung der Lungenfunktion ein Spirometrie-Ergebnis gesehen, das zwar grenzwertig, aber nicht eindeutig war. Aufgrund der Vorbefunde übernahm er die Diagnose allergisches Asthma, ohne weiter nachzufragen.
Doch während ich mit Herrn S. sprach, zeigte sich, dass die Beschwerden nicht zu einem allergischen Asthma passten.
In seinen Unterlagen fand ich einen Lungenfunktionstest, der unauffällig war. Ein Allergietest ohne Befund. Ein Thorax-Röntgen, das normal war. Die körperlichen Befunde passten ebenfalls nicht zur Diagnose.
In meinem Gespräch mit Herrn S. stellte sich heraus, dass die Atemnot häufig in Situationen auftrat, die emotional belastend waren: vor Präsentationen im Job, nach Konflikten mit seiner Partnerin, manchmal auch nachts nach intensiven Grübeleien.
Er erwähnte nebenbei, dass er seit Monaten die Doppelbelastung aus Vollzeitjob und Pflege seines Vaters trug, der nach einem Schlaganfall Unterstützung brauchte.
Mit jeder Minute, die ich zuhörte, kamen weitere entscheidende Details hinzu: ein seit Jahren bestehender, nie behandelter Angstzustand, eine familiäre Dauerbelastung, ein Arbeitsplatzkonflikt, der ihn täglich unter Druck setzte.
Fehldiagnosen wie im Fall von Herrn S. sind kein Einzelfall und wissenschaftlich gut dokumentiert.
Eine Studie, die von kanadischen Forschern über einen Zeitraum von fünf Jahren durchgeführt wurde, ergab, dass rund ein Drittel aller Asthma-Diagnosen bei einer standardisierten erneuten Abklärung nicht bestätigt werden konnten, weil sie zuvor ohne objektive Tests gestellt wurden.
Ein Teil der falsch diagnostizierten Patienten litt in Wahrheit unter Stressreaktionen, Hyperventilation oder psychosomatischen Beschwerden.
Die moderne Forschung zeigt, dass Stress körperliche Symptome erzeugen kann, die so überzeugend wirken, dass sie als organische Erkrankungen fehlinterpretiert werden, besonders dann, wenn die psychosoziale Anamnese fehlt.
Eine in der Fachzeitschrift „Nature Reviews“ veröffentlichte Arbeit belegt, dass Stress Atemnot, Brustenge, Herzrasen und Schwindel auslösen kann — Symptome, die, wenn man sich nicht die Zeit für ein umfassendes Gespräch mit dem Patienten nimmt, schnell in Richtung Asthma, Herzkrankheit oder Panikstörung gedeutet werden.
Genau das geschah bei Herrn S. Seine Atembeschwerden waren in Wahrheit nicht bronchial, sondern emotional. Nicht allergisch, sondern psychosozial. Nicht organisch, sondern systemisch.
Die vermeintliche Asthma-Diagnose war in Wahrheit ein ausgeprägtes Hyperventilationssyndrom, ausgelöst durch chronischen Stress, Schlafmangel und emotionale Überlastung.
Doch für diese Diagnose brauchte es genügend Zeit, um sich ein ganzheitliches Bild zu machen — Zeit, die im modernen System oft fehlt.
Zeitmangel ist ein systemischer Risikofaktor
Zeit ist in der modernen Medizin zu einer knappen Ressource geworden. Konsultationen dauern oft nur wenige Minuten, obwohl die Komplexität der Patienten steigt. Die Kombination aus Ärztemangel und niedrigen gesetzlichen Kassentarifen in Deutschland trägt dazu bei, dass Ärzte oft eine zu große Zahl an Patienten pro Tag behandeln müssen, um für ausführliche Gespräche Zeit zu finden.
Eine Erhebung im Auftrag des Bundesministeriums aus dem Jahr 2022 bestätigt, dass die durchschnittliche Behandlungszeit beim Hausarzt pro Besuch zehn Minuten beträgt, in 48 Prozent der Fälle fünf bis 10 Minuten.
Die Forschung zeigt klar, dass diese Verkürzung nicht nur die Gesprächsqualität mindert, sondern die diagnostische Präzision beeinflusst. Eine systematische Übersichtsarbeit, die im Jahr 2017 erschien, bestätigt, dass Zeitdruck und unvollständige Anamnesen zentrale Ursachen für Fehldiagnosen sind.
Unter Zeitdruck und Belastung greifen Ärzte häufiger zu heuristischen, vereinfachten Entscheidungswegen, wie eine im Fachjournal Medical Education veröffentlichte Studie zeigt. Das bedeutet: Nicht nur wichtige Patienteninformationen fehlen — auch die Denkprozesse verändern sich aufgrund des Zeitdrucks.
Wenn das Gesamtbild verloren geht
Fehldiagnosen sind nur die erste Stufe. Die zweite ist noch gefährlicher: Fehltherapie.
Die experimentelle Studie von Tsiga und Kollegen zeigt, dass Ärzte unter Zeitdruck häufiger zu Standardtherapien greifen, statt individuell zu behandeln.
Ein weiterer moderner Faktor ist die fragmentierte Versorgung. Fragmentierte Versorgung kann dazu führen, dass Informationen verloren gehen, Untersuchungen doppelt durchgeführt werden oder Behandlungen nicht optimal aufeinander abgestimmt sind. Eine Studie aus dem Jahr 2014 zeigt, dass auch Fehldiagnosen häufig passieren, wenn mehrere Ärzte beteiligt sind, sich jeder mit einzelnen fachspezifischen Symptomen beschäftigt, aber ein Überblick über die Gesamtgeschichte fehlt.
Warum Zeit in der Ganzheitlichen Medizin ein diagnostisches Werkzeug ist
Zeitmangel ist längst kein Randproblem mehr, sondern ein struktureller Schaden, der sich immer mehr im Gesundheitswesen abbildet.
Diagnostik braucht jedoch Zeit – Zeit zum Zuhören, Zeit zum Nachfragen, Zeit zum Verstehen.
In der Ganzheitlichen Medizin wird Zeit nicht als Luxus angesehen, sondern als ein diagnostisches Werkzeug. Aus ganzheitlicher Sicht betrachtet, sind psychosoziale Faktoren, die man erst nach einem längeren, vertrauten Gespräch einschätzen kann, keine Nebensache, sondern zentrale Bausteine der Gesundheit.
In meiner Praxis sehe ich immer wieder, dass echte Heilung dann beginnt, wenn der Arzt die Geschichte hinter den Symptomen versteht. Denn daraus ergibt sich der präzise Rahmen, in dem eine richtige Diagnose gestellt werden kann, die die Grundlage für eine erfolgreiche Therapie ist.
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
„Rente mit 63“: Unionsfraktionschef Frei offen für Härtefall- und Übergangslösungen
Unionsfraktionschef Thorsten Frei zeigt sich bei der geplanten Abschaffung der Rente mit 63 offen für eine Härtefall- und Übergangsregelung. Zugleich verteidigt er die Empfehlungen der Rentenkommission und spricht von einer möglichen Jahrhundertreform.
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Foto: STR/AP/dpa
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Der russische Präsident Wladimir Putin bei einer Zeremonie im Kreml in Moskau am 23. Juni 2026. Dabei zeichnete er das Präsidentenregiment des Föderalen Schutzdienstes mit dem Schukow-Orden aus. - Foto: Gavriil Grigorov/POOL/AFP via Getty Images
Die russische Botschaft in Berlin hat jegliche Verantwortung für den Fund einer mit einem Sprengsatz bestückten Drohne am Flughafen Leipzig/Halle zurückgewiesen. In einer am Freitag veröffentlichten Stellungnahme bezeichnete die diplomatische Vertretung den Vorfall als „fingierte Provokation“ und warnte vor einer neuen Welle antirussischer Stimmung in Deutschland.
Die Botschaft erklärte, es gebe keine Belege für einen russischen Hintergrund des Vorfalls. Mutmaßungen über einen Anschlagsversuch Moskaus dienten aus ihrer Sicht vor allem den Interessen der Ukraine und Teilen der europäischen Politik. Damit solle die weitere finanzielle und politische Unterstützung für Kiew gerechtfertigt werden, hieß es in der Erklärung.
Die Drohne war in der Nacht zum Mittwoch im Sicherheitsbereich des Frachtbetriebs am Flughafen Leipzig/Halle entdeckt worden. Ein Mitarbeiter des Flughafens hatte das Fluggerät bemerkt und zum Absturz gebracht. An der Drohne befand sich ein Sprengsatz mit einem nicht intakten Zünder, der anschließend von Spezialisten der Bundespolizei entschärft wurde.
In unmittelbarer Nähe befanden sich mehrere ukrainische Frachtflugzeuge. Der Flughafen Leipzig/Halle ist ein wichtiger Umschlagplatz für Fracht und wird auch für militärische Hilfslieferungen an die Ukraine genutzt.
Kurz nach der Entdeckung der Drohne musste zudem ein Flugzeug wegen der vorübergehenden Sperrung des Flughafens durchstarten. Dabei kollidierte die Maschine mit einem unbekannten kleineren Flugobjekt. Es wird geprüft, ob es sich dabei ebenfalls um eine Drohne gehandelt haben könnte.
Polizisten suchen am Leipziger Flughafen nach einer zweiten Drohne.
Foto: Sebastian Willnow/dpa
Bundesanwaltschaft ermittelt
Die Bundesanwaltschaft hat Ermittlungen wegen des Verdachts des versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und des gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr aufgenommen. Die Ermittler prüfen dabei auch die Hintergründe und mögliche Verantwortliche.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bezeichnete den Vorfall als „neues Bedrohungsszenario“. Nach einem Besuch am Flughafen erklärte er, dass möglicherweise auch „fremde Mächte“ beteiligt sein könnten. Einen konkreten Staat nannte der Minister nicht.
In politischen und sicherheitspolitischen Kreisen richten sich Vermutungen teilweise gegen Russland. Beweise für eine russische Beteiligung liegen bislang jedoch nicht vor.
Die russische Botschaft kritisierte die entsprechenden Spekulationen scharf. Sie sprach von einer gegen Russland gerichteten Provokation und erklärte, die größte Gefahr für Deutschland bestehe nicht in angeblichen russischen „Hybridangriffen“, sondern in Politikern, die Szenarien für einen möglichen Krieg mit Russland entwickelten.
Die Botschaft warf europäischen Politikern zudem vor, den Vorfall nutzen zu wollen, um die weitere Unterstützung der Ukraine zu rechtfertigen. Gleichzeitig kritisierte sie, dass trotz der öffentlichen Spekulationen über eine mögliche russische Beteiligung bislang keine Beweise vorgelegt worden seien.
Die russische Stellungnahme stellt damit eine klare Zurückweisung möglicher Vorwürfe dar. Ob die Drohne tatsächlich im Zusammenhang mit Russland, der Ukraine oder einem anderen Akteur steht, ist derzeit Gegenstand der laufenden Ermittlungen. (afp/dpa/red)
Ein Sicherheitsbeamter weist am 6. Juli 2025 Passagiere am internationalen Flughafen Peking ein. - Foto: Wang Zhao/AFP via Getty Images
In Kürze:
Chinas erweiterteRegelungen für die Ein- und Ausreise sollen am 15. September in Kraft treten.
Die Vorschriften erschweren chinesischen Staatsbürgern die Ausreise und Ausländern die Einreise.
Analysten sehen darin einen politischenRückschritt für die Liberalisierung in China.
In China treten am 15. September neue Ausreise- und Einreiseregelungen in Kraft.
Diese liefern erweiterte Befugnisse für die Behörden, um chinesische Bürger an der Ausreise zu hindern. Dies geschieht durch geheim gehaltene Ausreiseverbote oder Beschränkungen im Zusammenhang mit der nationalen Sicherheit.
Zudem sehen die neuen Vorschriften strengere Strafen für Ausländer vor, die einreisen wollen und dabei falsche Angaben machen. Auch machen sie es einfacher, Personen auf schwarze Listen zu setzen und sie damit ganz an der Einreise zu hindern.
Die Regelungen wurden am Freitag, 31. Juli, durch das Regime in Form von 19 Artikel umfassenden Verwaltungsvorschriften bekannt gemacht. Sie sollen ein Ausreise- und Einreisegesetz von 2012 ergänzen, das seit Juli 2013 in Kraft ist. Damit wird Pekings Kontrolle über die Mobilität der Bürger verschärft.
Ausreiseverbot für Schlüsselfiguren der Tech-Branche
Gemäß geltendem Gesetz können die chinesischen Behörden bereits bestimmte Personen an der Ausreise hindern. Dazu zählen Tatverdächtige, Angeklagte in laufenden Gerichtsverfahren sowie Personen, deren Ausreise als Bedrohung für die nationale Sicherheit angesehen wird oder die geeignet sind, nationalen Schaden zu verursachen.
Die neuen Regelungen gehen noch weiter. Eine der wichtigsten Änderungen ist, dass das Handelsministerium, das eigentlich nicht für die Grenzkontrolle zuständig ist, chinesischen Staatsbürgern die Ausreise verbieten darf, wenn sie gegen Technologieexportbestimmungen verstoßen und dadurch die industrielle oder technologische Sicherheit Chinas gefährden könnten.
Das bekannteste Beispiel dafür ist die gescheiterte Übernahme des KI-Start-ups Manus durch den US-Tech-Konzern Meta. Im März wurden Manus’ CEO und Chefentwickler von den chinesischen Behörden zu einem Treffen nach Peking vorgeladen. Beide Männer lebten in Singapur, wohin Manus seinen Hauptsitz rund neun Monate zuvor aus China verlegt hatte. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Manus in der Abschlussphase der Übernahme durch Meta.
In Peking wurden die beiden Führungskräfte von Funktionären der staatlichen Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission zu mutmaßlichen Verstößen gegen die Meldepflichten für Auslandsinvestitionen befragt. Später wurde ihnen mitgeteilt, dass sie China nicht verlassen dürften. Der Deal im Wert von rund 2 Milliarden US-Dollar (rund 1,7 Milliarden Euro) platzte schließlich offiziell im Juni nach einer Intervention Pekings.
Dies geschah vier Monate vor dem Inkrafttreten der neuen Ausreiseregelungen.
Den neuen Bestimmungen zufolge können chinesische Behörden ihren Bürgern auch allein durch den Verweis auf Risiken am Reiseziel von einer Reise „abraten“. Die Verordnung definiert jedoch nicht, was genau unter einer solchen Abmahnung zu verstehen ist oder welche Maßnahmen ergriffen werden könnten, wenn eine Person darauf besteht, auszureisen.
Gegen chinesische Staatsbürger, die nach ihrer Rückkehr aus dem Ausland angeblich an „kriminellen Aktivitäten“, welche die „nationale Sicherheit oder die Interessen Chinas gefährden“, beteiligt waren, kann außerdem ein Ausreiseverbot von sechs Monaten bis drei Jahren verhängt werden. Die Entscheidungsbefugnis liegt bei den lokalen Behörden, in deren Zuständigkeitsbereich die Person ihren Wohnsitz hat.
Die regierende Kommunistische Partei Chinas (KPCh) betrachtet Dissidenten im Ausland und deren Aktivitäten als Bedrohung für die nationale Sicherheit. Ein chinesischer Student im Ausland, der an einer Protestaktion gegen das Regime teilnimmt; ein Journalist, der eine politisch heikle Persönlichkeit interviewt; oder ein Ausländer mit chinesischen Wurzeln, der sich in einer vom chinesischen Regime missbilligten Organisation engagiert, könnte etwa unter die Bestimmung der „im Ausland begangenen illegalen Aktivitäten“ fallen.
Chinesische Auslandsvertretungen können Informationen über Äußerungen und Aktivitäten im Ausland sammeln und den lokalen Behörden in China zur Einleitung verwaltungsrechtlicher oder strafrechtlicher Schritte vorlegen. Daher sind chinesische Dissidenten bei ihrer Rückkehr nach China erheblichen Sicherheitsrisiken ausgesetzt.
Alte Praxis gesetzlich verankert
Eine besonders bemerkenswerte Regelung erlaubt es den Behörden, Informationen über die Existenz eines Ausreiseverbots sowie dessen Gründe, Rechtsgrundlage und mögliche Rechtsmittel in Fällen, die die nationale Sicherheit oder strafrechtliche Ermittlungen betreffen, zurückzuhalten. Daher erfahren manche Reisende erst bei ihrer Ankunft am Flughafen von dem Ausreiseverbot.
Obgleich diese Vorgehensweisen seit Jahren üblich sind, schaffen die neuen Vorschriften erstmals eine ausdrückliche gesetzliche Grundlage dafür.
Im Jahr 2016 wurde Wang Zhiwen, ein Falun-Gong-Praktizierender und Einwohner Pekings, kurz vor der Einreise nach Hongkong von chinesischen Zollbeamten gestoppt.
Falun Gong, auch Falun Dafa genannt, ist eine spirituelle Praxis, die auf den Prinzipien Wahrhaftigkeit, Güte und Nachsicht basiert. 1999 startete die KPCh aus Furcht, die Popularität von Falun Gong könnte ihre Macht bedrohen, eine brutale Kampagne zur Ausrottung der Meditationsbewegung. Seitdem wurden viele Praktizierende in China willkürlich inhaftiert, zu Zwangsarbeit gezwungen, gefoltert und getötet.
Ende 1999 wurde Wang wegen seines Glaubens an Falun Gong in Peking zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Ende 2014 wurde er freigelassen. Mit der Hilfe seiner in den USA lebenden Tochter gelang es ihm, einen gültigen chinesischen Pass und ein US-Visum zu erhalten.
Als Wang Anfang 2016 mit seiner Tochter China verlassen wollte, wurde er am Flughafen von den Behörden aufgehalten. Die Beamten beschlagnahmten seinen Pass und schnitten eine Ecke ab, womit er ungültig wurde. Wang erhielt keine Erklärung, warum er nicht ausreisen durfte.
Alle Firmen und Einzelpersonen, die Vermittlungsdienste für die Ein- und Ausreise anbieten, beispielsweise in Form von Beratungen zu Einreisebestimmungen, Unterstützung bei Visumanträgen und Abwicklung von Verfahren, müssen sich nun bei den regionalen Einwanderungsbehörden registrieren.
Ihnen ist es außerdem nun untersagt, Amtsträgern, Militärangehörigen sowie bestimmten anderen Personen dabei zu helfen, eine ausländische Staatsbürgerschaft, eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung im Ausland oder andere Einwanderungsdokumente zu erlangen. Agenturen sind verpflichtet, entsprechende Klienten den zuständigen Aufsichtsbehörden und anderen relevanten Stellen zu melden.
Ausländischen Unternehmen und Organisationen ist es untersagt, diese Dienstleistungen in China anzubieten.
Wachsende Besorgnis über eingeschränkte Mobilität
Chinas neuen Ausreiseregelungen haben in den sozialen Medien für Gegenreaktionen und Besorgnis unter den Chinesen gesorgt.
Der in den USA lebende bekannte China-Kommentator und YouTuber David Tsai, auch bekannt als Cai Shenkun (蔡慎坤), schrieb auf X, dass die neuen Regeln signalisieren, dass „Chinas Tür zur Außenwelt sich langsam schließt“.
„Die Besorgnis und Skepsis der Öffentlichkeit gegenüber der neuen Regelung sind nicht unbegründet. Viele machen sich nicht nur Sorgen darüber, ob sie heute noch ausreisen können, sondern auch darüber, dass sie nicht wissen, an welchem Tag sie aufgrund ihrer Identität, ihres Berufs, ihres Unternehmens oder ihrer Branche plötzlich zu denjenigen gehören könnten, die nicht mehr ausreisen dürfen“, so Tsai.
Der in China lebende Schriftsteller und Politkommentator Li Chengpeng schrieb auf X, Peking versuche somit, nicht nur Kapital und Technologie im Land zu halten. „Und jetzt haben sie auch die Bewegungsfreiheit der Menschen stark eingeschränkt. Wer nicht ausreisen kann, kann im Grunde nichts mehr – weder mit Geld noch mit Menschen – und sitzt im Inland fest“, schrieb Li.
Henry Gao, Juraprofessor an der Yong Pung How School of Law an der Singapore Management University, kommentierte am Tag der Ankündigung auf X Chinas neue Regelungen: „Diese Vorschriften stellen einen weiteren wichtigen Schritt dar, um das Recht auf Ausreise aus China in ein nach dem Ermessen des Staates gewährtes Privileg umzuwandeln – eine deutliche Abkehr von der relativen Liberalisierung, die in den 1990er-Jahren begann.“
Er rät den Chinesen: „Reist aus, solange ihr noch könnt – genauer gesagt, bevor die Vorschriften in 45 Tagen in Kraft treten.“
Strengere Maßnahmen gegen Ausländer
Gemäß den neuen Regelungen kann Ausländer, die bei der Beantragung eines chinesischen Visums oder bei der Einreise an der Grenze falsche Dokumente einreichen oder falsche Angaben machen, die Einreise nach China für ein bis fünf Jahre untersagt werden.
Ausländern, die auf Chinas schwarze Liste gesetzt werden, kann von den Einwanderungs- und Visabehörden ebenfalls die Einreise verweigert werden.
Spaniens linke Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez hat nun ihrerseits Grenzkontrollen zu Italien angeordnet. Italien hatte zuvor ein Ultimatum Spaniens zurückgewiesen, die wegen der Ceuta-Krise angeordneten Grenzkontrollen zu beenden. (Archivbild) - Foto: Manu Fernandez/AP/dpa
Spanien reagiert mit eigenen Grenzkontrollen auf Italiens Weigerung, die wegen der Ceuta-Migrationskrise eingeführten Kontrollen aufzuheben. Ab Samstag 0.00 Uhr würden Reisende aus Italien zunächst bis zum 7. September stichprobenartig an Häfen und Flughäfen kontrolliert, zitierte der staatliche spanische TV-Sender RTVE aus einem am Abend veröffentlichten Dekret der Regierung in Madrid.
Überprüft werden sollten dabei die Identität und Staatsangehörigkeit von Reisenden sowie, im Falle von Drittstaatsangehörigen, deren Visum oder Aufenthaltserlaubnis. Als Grund wurde der „anhaltende Druck irregulärer Migration“ genannt, dem Italien ausgesetzt sei.
Die Regierung in Madrid reagierte damit auf die Zurückweisung ihres Ultimatums. Sie hatte Italien aufgefordert, die wegen der Ankunft von zeitweise 72.000 Migranten in Spaniens Nordafrika-Exklave Ceuta eingeführten Grenzkontrollen bis Sonntag aufzuheben.
Die EU-Innenminister beraten in einer Videokonferenz über Konsequenzen.
Foto: Iván Zambrano / Europa Press/EUROPA PRESS/dpa
Italien wies spanisches Ultimatum zurück
Meloni stellte klar, dass sie sich keinem Ultimatum beugen werde. „Italien akzeptiert keine Ultimaten oder Vorgaben aus dem Ausland, was die nationale Sicherheit und die Grenzkontrolle betrifft“, hieß es in einer Erklärung ihres Büros, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Italien werde seine Kontrollen zumindest bis zum 15. August und in jedem Fall so lange aufrechterhalten, bis „Sicherheits- und Terrorismusrisiken für Italien vollständig ausgeschlossen sind.“
Spanien spricht von „Torpedo gegen Einheit Europas“
Die Grenzkontrollen sind nach spanischer Auffassung unfair, den Interessen der EU zuwiderlaufend und diskriminierend gegenüber der eigenen Bevölkerung. Spaniens Außenminister José Manuel Albares bezeichnet Italiens Vorgehen als „ein Torpedo unterhalb der Wasserlinie der europäischen Einheit“.
Italien hat keine Landgrenze mit Spanien. Die nach Ceuta eingedrungenen Migranten sind inzwischen fast alle nach Marokko zurückgekehrt. Es gibt seither auch keine Hinweise, dass Migranten in Ceuta überhaupt die Absicht hätten, nach Italien weiterzureisen. Die restlichen Migranten befinden sich in der nordafrikanischen Exklave zudem weder im Schengen-Raum noch auf europäischem Festland.
Migranten vor dem CETI-Aufnahmezentrum in Ceuta am 1. August 2026. Bei der jüngsten Migrationswelle aus Marokko starben mindestens 67 Menschen. Die meisten der rund 60.000 Migranten kehrten nach Marokko zurück.
Foto: Henry Nicholls/AFP via Getty Images
Kritiker werfen Meloni innenpolitisch motivierte Symbolpolitik vor
Kritiker der Regierung in Rom werteten die italienischen Grenzkontrollen als vor allem innenpolitisch motivierte Symbolpolitik. Melonis Regierungskoalition war 2022 mit dem Versprechen an die Macht gekommen, die irreguläre Migration zu verringern. Derzeit steht die Meloni-Regierung zudem unter erheblichem Druck durch die neu gegründete Partei „Futuro Nazionale“ des Ex-Armeegenerals Roberto Vannacci. Seine Haltung gegenüber irregulärer Migration findet bei einem nicht unerheblichen Teil der Wählerschaft der Regierungsparteien Anklang. (dpa/red)
Spaniens linke Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez hat nun ihrerseits Grenzkontrollen zu Italien angeordnet. Italien hatte zuvor ein Ultimatum Spaniens zurückgewiesen, die wegen der Ceuta-Krise angeordneten Grenzkontrollen zu beenden. (Archivbild) - Foto: Manu Fernandez/AP/dpa
Spanien reagiert mit eigenen Grenzkontrollen auf Italiens Weigerung, die wegen der Ceuta-Migrationskrise eingeführten Kontrollen aufzuheben. Ab Samstag 0.00 Uhr würden Reisende aus Italien zunächst bis zum 7. September stichprobenartig an Häfen und Flughäfen kontrolliert, zitierte der staatliche spanische TV-Sender RTVE aus einem am Abend veröffentlichten Dekret der Regierung in Madrid.
Überprüft werden sollten dabei die Identität und Staatsangehörigkeit von Reisenden sowie, im Falle von Drittstaatsangehörigen, deren Visum oder Aufenthaltserlaubnis. Als Grund wurde der „anhaltende Druck irregulärer Migration“ genannt, dem Italien ausgesetzt sei.
Die Regierung in Madrid reagierte damit auf die Zurückweisung ihres Ultimatums. Sie hatte Italien aufgefordert, die wegen der Ankunft von zeitweise 72.000 Migranten in Spaniens Nordafrika-Exklave Ceuta eingeführten Grenzkontrollen bis Sonntag aufzuheben.
Die EU-Innenminister beraten in einer Videokonferenz über Konsequenzen.
Foto: Iván Zambrano / Europa Press/EUROPA PRESS/dpa
Italien wies spanisches Ultimatum zurück
Meloni stellte klar, dass sie sich keinem Ultimatum beugen werde. „Italien akzeptiert keine Ultimaten oder Vorgaben aus dem Ausland, was die nationale Sicherheit und die Grenzkontrolle betrifft“, hieß es in einer Erklärung ihres Büros, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Italien werde seine Kontrollen zumindest bis zum 15. August und in jedem Fall so lange aufrechterhalten, bis „Sicherheits- und Terrorismusrisiken für Italien vollständig ausgeschlossen sind.“
Spanien spricht von „Torpedo gegen Einheit Europas“
Die Grenzkontrollen sind nach spanischer Auffassung unfair, den Interessen der EU zuwiderlaufend und diskriminierend gegenüber der eigenen Bevölkerung. Spaniens Außenminister José Manuel Albares bezeichnet Italiens Vorgehen als „ein Torpedo unterhalb der Wasserlinie der europäischen Einheit“.
Italien hat keine Landgrenze mit Spanien. Die nach Ceuta eingedrungenen Migranten sind inzwischen fast alle nach Marokko zurückgekehrt. Es gibt seither auch keine Hinweise, dass Migranten in Ceuta überhaupt die Absicht hätten, nach Italien weiterzureisen. Die restlichen Migranten befinden sich in der nordafrikanischen Exklave zudem weder im Schengen-Raum noch auf europäischem Festland.
Migranten vor dem CETI-Aufnahmezentrum in Ceuta am 1. August 2026. Bei der jüngsten Migrationswelle aus Marokko starben mindestens 67 Menschen. Die meisten der rund 60.000 Migranten kehrten nach Marokko zurück.
Foto: Henry Nicholls/AFP via Getty Images
Kritiker werfen Meloni innenpolitisch motivierte Symbolpolitik vor
Kritiker der Regierung in Rom werteten die italienischen Grenzkontrollen als vor allem innenpolitisch motivierte Symbolpolitik. Melonis Regierungskoalition war 2022 mit dem Versprechen an die Macht gekommen, die irreguläre Migration zu verringern. Derzeit steht die Meloni-Regierung zudem unter erheblichem Druck durch die neu gegründete Partei „Futuro Nazionale“ des Ex-Armeegenerals Roberto Vannacci. Seine Haltung gegenüber irregulärer Migration findet bei einem nicht unerheblichen Teil der Wählerschaft der Regierungsparteien Anklang. (dpa/red)
Wegen des Niedrigwassers können Transportschiffe weniger laden - Foto: Christoph Reichwein/dpa
HEUTE6:15 Uhr
22-Jähriger in Berlin-Kreuzberg angeschossen
Ein 22-Jähriger ist am Freitagabend in Berlin-Kreuzberg durch mehrere Schüsse verletzt worden. Die Polizei sperrte den Tatort ab, der oder die Täter sind auf der Flucht. Im Graefekiez hatte es zuletzt mehrere Schussvorfälle gegeben.
Wollen Sie hierzu mehr erfahren?
HEUTE6:05 Uhr
Keine Einsparungen durch Einschnitte bei behinderten Kindern
Die geplante Reform der Kinder- und Jugendhilfe wird laut Ministerium zunächst keine Einsparungen bei Schulbegleitungen bringen. In den ersten acht Jahren sollen lediglich Kostensteigerungen gebremst werden. Die Grünen kritisieren fehlende Investitionen in inklusive Angebote und Personal.
Wollen Sie hierzu mehr erfahren?
HEUTE6:00 Uhr
BUND kritisiert Umgang mit Niedrigwasser scharf
Der BUND kritisiert die Pläne von Verkehrsminister Steffen Bilger zum Umgang mit Niedrigwasser scharf. Flüsse dürften nicht weiter für die Schifffahrt ausgebaut werden. Stattdessen müsse die Bahn Engpässe auffangen und der Klimaschutz vorankommen.
Extrem-Niedrigwasser: Könnte eine Aufhebung des Sonntagsfahrverbots für Lkw helfen, Lieferketten aufrechtzuerhalten? Der Vorschlag des Bundesverkehrsministers sorgt für Diskussionen.
Einkommensteuer (Archiv) - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Die Steuerreform der Bundesregierung soll in zwei Stufen umgesetzt werden. Das berichtet die „Bild“ unter Berufung auf einen Referentenentwurf des Bundesfinanzministeriums.
Für das Jahr 2027 werden Mindereinnahmen bei der Einkommensteuer von rund drei Milliarden Euro erwartet. Für 2028 werden die Mindereinnahmen mit insgesamt 6,99 Milliarden Euro angegeben. Aus dem Finanzministerium hieß es, die Entlastungen würden „im Jahr 2028 verglichen mit dem Jahr 2026 insgesamt etwa zehn Milliarden Euro betragen“.
Die Steuerreform werde in zwei Stufen umgesetzt. Daher seien die Entlastungen, die bereits im Jahr 2027 wirken werden, von rund drei Milliarden Euro und die Entlastungen, die im Jahr 2028 zusätzlich hinzukommen werden, von sieben Milliarden Euro „zusammen zu berücksichtigen“.
In dem Referentenentwurf wird mit einer Anhebung des Grundfreibetrags um 216 Euro zum 1. Januar 2027 gerechnet, einer Anhebung des Kinderfreibetrags um 300 Euro sowie einer Anhebung des Kindergelds um acht Euro je Kind und Monat. Gleichzeitig soll die sogenannte Reichensteuer von 45 Prozent ab einem Bruttoeinkommen von 250.000 Euro greifen und die „2. Reichensteuer“ von 47 Prozent ab 280.000 Euro. Für 2028 ist unter anderem ein Anstieg des Grundfreibetrags um weitere 336 Euro sowie ein Anstieg des Kindergeldes um weitere fünf Euro vorgesehen.
Zuvor hatte es in Koalitionskreisen geheißen, allein der Abbau der „kalten Progression“ mache 2027 eine Entlastung von rund sieben bis acht Milliarden Euro nötig. Ab 2028 hatten Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil eine Entlastung in Höhe von „insgesamt ca. 10 Milliarden Euro pro Jahr“ angekündigt. (dts/red)
Polizei in der Berliner Graefestraße am 07.08.2026 - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Erneut war der Graefekiez in Berlin betroffen, die Polizei war am Abend mit einem Großaufgebot im Einsatz.
Hier hatte es zuletzt wiederholt Vorfälle dieser Art gegeben. Im März hatten zwei Männer auf einen 23-Jährigen geschossen, der mit einem Begleiter auf dem Gehweg der Graefestraße unterwegs war. Der 23-Jährige wurde schwer verletzt. Die Täter flüchteten.
Die 7. Mordkommission des Landeskriminalamtes hatte im Mai die Ermittlungen übernommen, nachdem im gleichen Kiez ein Unbekannter auf einem Scooter auf ein Auto geschossen hatte. Kurz darauf waren im Bereich der Urbanstraße in Richtung Hermannplatz sowie vor einem Lokal in Reinickendorf Schüsse abgefeuert worden. (dts/red)
Kuscheln erwünscht – aber nicht nur bei Streicheleinheiten schnurren die mehr oder weniger flauschigen Vierbeiner. - Foto: Larisa Stefanuyk/iStock
In Kürze:
Katzen sind das häufigste Haustier in Deutschland – noch vor Hunden: Knapp 16 Millionen Samtpfoten lebten 2025 in deutschen Haushalten.
Von sanft-verschmust bis kratzig-zerstörerisch: Das Verhalten einer Katze stellt ihre Besitzer nicht selten vor Rätsel
Lautmalerisch äußern sich Katzen durch Miauen und Schnurren, Knurren, Fauchen oder Jaulen. Vor allem ersteres prägt den Umgang mit Menschen.
Das Schnurren einer Katze verrät hingegen mehr über die Persönlichkeit einer Katze.
Fühlt sich eine Katze wohl, freut sich ihr Mensch. Nicht selten geht ein solches Wohlgefühl unseres Vierbeiners mit einem entspannenden Schnurren einher. Wussten Sie aber schon, dass das Schnurren von Hauskatzen deutlich mehr über ihre persönliche Identität verrät als ihr Miauen? Das ist das Ergebnis einer Studie, die Ende 2025 von Forschern des Museums für Naturkunde Berlin und der Universität Neapel Federico II veröffentlicht wurde.
„Menschen achten vor allem auf das Miauen, weil Katzen diese Laute hauptsächlich gegenüber uns einsetzen“, erklärt Danilo Russo, Erstautor der Studie. „Aber nachdem wir die akustische Struktur genau untersucht hatten, stellte sich das gleichmäßige Schnurren als das bessere Mittel zur Identifikation verschiedener Individuen heraus.“
Schnurren wird dabei streng definiert als ein kontinuierlicher niederfrequenter Ton mit geringer Amplitude, der beim Ein- und Ausatmen mit geschlossenem Maul erzeugt wird und von Körpervibrationen begleitet ist. Seine Grundfrequenz liegt zwischen 25 und 30 Hertz und ist meist viel leiser als andere Laute.
UMFRAGE? Verstehen uns Katzen? Ja, sie verstehen uns uneingeschränkt. Ja, sie verstehen uns, ignorieren uns aber. Ja, aber nur teilweise. Nein, sie verstehen uns nicht.
Für die Analyse der Miau- und Schnurrlaute nutzte das Team ursprünglich für die automatische Spracherkennung von Menschen entwickelte Methode.
„Jede Katze in unserer Studie hatte ihr eigenes, charakteristisches Schnurren“, schildert Co-Autorin Anja Schild. „Schnurren tritt häufig in entspannten Situationen auf, etwa beim Streicheln oder engem Kontakt mit einer vertrauten Person.“ Bereits kurz nach der Geburt kommuniziere die Katzenmutter mit ihrem Nachwuchs durch Schnurren.
Eine Katze schnurrt aber auch bei Hunger, Stress, Schmerzen und dem nahenden Tod, heißt es von den Forschern weiter. Es bedarf also weiterer Anhaltspunkte, wenn man seinen vierbeinigen Miezbewohner verstehen und auf seine Bedürfnisse eingehen möchte.
„Beleidigte“ Katzen brauchen Geduld
Wer einmal eine „beleidigte“ Katze erlebt hat – etwa, weil ihr Besitzer sie längere Zeit allein gelassen oder in Fremdbetreuung gegeben hat –, weiß um die schwierige Situation. Dabei ist die Katze nicht eigentlichen Sinne beleidigt, sondern einfach nur verunsichert. Das zeigt sie durch demonstratives Wegdrehen. Streicheleinheiten? Fehlanzeige.
Auch ein Blickkontakt wird tunlichst vermieden. Rückzug ist die Devise. Ihr „Dosenöffner“ versteht die Welt nicht mehr. Wenn die vorher so anschmiegsame Katze plötzlich auf Abstand geht, braucht man Geduld und sollte ihr Raum geben. Ein vom Besitzer getragener Pullover in der Nähe der Katze kann ihr wieder Sicherheit vermitteln, denn der vertraute Duft beruhigt.
Eine „Glückskatze“ mit dem für sie typischen dreifarbigen Fell wartet auf die Rückkehr ihres Besitzers. Unglückliche Katzen kehren ihrem Besitzer oft den Rücken zu. Typisch ist die körperliche Anspannung. Die Ohren sind leicht seitlich nach hinten gezogen. Der Schwanz peitscht oder liegt eng am Körper an. Anstelle des wohligen Schnurrens ist bei Annäherungsversuchen ein leises Grollen oder Fauchen möglich.
Foto: ablokhin/iStock
Verängstigung erfordert Freiraum
Wenn man auf eine verängstigte Katze trifft, ist viel Einfühlungsvermögen erforderlich. Geweitete Pupillen, angelegte Ohren und eine geduckte Haltung sind typische Anzeichen, ebenso wie das Verstecken unter Möbeln. Die Katze macht sich klein und wäre wahrscheinlich am liebsten unsichtbar. Hier gilt: Nicht hinterherjagen, sondern warten, bis sie ihr Versteck von allein verlässt.
Auch verängstigte Katzen leiden unter Stress und verstecken sich gern, beispielsweise unter Möbeln. Ihre Haltung ist geduckt, der Kopf zwischen den Schultern, während der Schwanz eng am Körper liegt und oft eingerollt ist. Mit großen Augen, weiten Pupillen und angelegten Ohren beobachtet sie aus sicherem Abstand die Situation.
Foto: Iryna Olkhova/iStock
Katzenbuckel bei Bedrohung
Der berühmte Katzenbuckel hat gleich mehrere Bedeutungen: Drohen, Strecken, Wohlbefinden und Schmerzen. Fühlt sich die Katze bedroht, sträubt sich ihr Fell zusätzlich. Die Katze macht sich dadurch größer, als sie ist, um ihren Feind abzuschrecken.
Hier ist Vorsicht geboten. Hochkonzentriert beobachtet die Katze ihre Umgebung. Eine Katze, die sich bedroht fühlt, bringt ihr Unwohlsein mit Katzenbuckel und gesträubtem Fell auf dem Rücken zur Geltung. Dadurch wirkt sie größer. Selbst der Schwanz sträubt sich, was ihm auch die Bezeichnung „Flaschenbürste“ einbringt. Oft liegen die Ohren eng an, die Pupillen sind geweitet.
Foto: Scrofula/iStock
Hunger fokussiert
Sitzt die Katze vor dem leeren Futternapf und mauzt, besteht kein Zweifel mehr, dass ihr Zweibeiner für ihr leibliches Wohl sorgen soll. Sie folgt ihm auf Schritt und Tritt, bettelt oder stupst ihn mit der Pfote. Ihr Körper ist angespannt und voller Erwartung.
Dieser Blick ist unmissverständlich: „Ich habe Hunger!“ Die Katze sitzt erwartungsvoll vor ihrem Futternapf, den sie mit den Augen fokussiert – oder ihren Besitzer, Ohren nach vorn, der Schwanz hochgetragen.
Foto: Lightspruch/iStock
Neugier spitzt Ohren und Schnurrhaare
An neue Dinge tastet sich eine Katze neugierig heran, sei es ein Frosch oder Wasser, das aus einem Rasensprinkler herausspritzt. Vorsichtig werden die Gegenstände untersucht und gestupst. Dabei widmet die Katze dem Geschehen ihre volle Aufmerksamkeit mit einer entspannten Körperhaltung und oft hochgestelltem Schwanz.
So ein Wassertropfen ist gar nicht so leicht zu fassen. Neugierige Katzen untersuchen einen Gegenstand indem sie den Kopf interessiert nach vorn strecken. Auch Ohren und Schnurrhaare sind vorwärts ausgerichtet, während der Schwanz nach oben steht. Die Kontaktaufnahme erfolgt oft mit Pfote oder Nase.
Foto: Nils Jacobi/iStock
Müdigkeit braucht Vorbereitung und zeigt Entspannung
Ist die Katze müde, verlangsamt sich ihr Tempo. Sie zeigt wenig Interesse am Lieblingsspielzeug und gähnt. Bevor sie es sich bequem macht, putzt sie sich manchmal noch gemächlich. Auch die Körperhaltung mit halb geschlossenen Augen und entspannten Ohren macht deutlich: „Bitte nicht stören! Ich brauche Ruhe.“ Entweder macht sie sich lang oder rollt sich gemütlich ein.
Ein schattiger Platz im Garten ist ein guter Ort für ein Nickerchen. Die Katze liegt entspannt seitlich, sodass der Bauch sichtbar ist.
Foto: chendongshan/iStock
Halb im Schlaf dehnt sich die Katze gemächlich. Der Schwanz liegt locker, die Augen sind halb geschlossen, Ohren zeigen seitlich oder nach vorn.
Foto: Scrofula/iStock
Schnurren als Therapie
Und wie war das jetzt noch gleich mit dem Schnurren? Was den Wissenschaftlern hilft, Katzen zu identifizieren, hat noch einen weiteren Effekt und Katzenliebhaber tun gut daran, den wohligen Klängen ihrer Vierbeiner zu lauschen. Denn das Schnurren einer Katze wirkt auf Menschen ebenso beruhigend wie auf ihre Jungen – ähnlich einer Klangtherapie.
Das fand eine Studie aus dem Jahr 2001 heraus, die im „New Zealand Veterinary Journal“ veröffentlicht wurde. Darin untersuchte das Team um die US-amerikanische Forscherin Elisabeth von Muggenthaler 44 Katzenarten, darunter neben der Hauskatze waren auch Geparden, Ozelots, Servale (afrikanische Wildkatzen) und Pumas. Alle erzeugten ein Schnurren mit einer heilsamen Frequenz zwischen 25 und 150 Hertz.
„Die Schnurfrequenzen entsprechen den Schwingungs- beziehungsweise elektrischen Frequenzen, die bei Behandlungsmethoden für Knochenwachstum und Knochenbrüche, Schmerzen, Ödemen, Muskelwachstum und -verspannung, Beweglichkeit der Gelenke, Atemnot sowie Wunden zum Einsatz kommen“, so die Forscherin aus North Carolina.
Bis aus wilden Mäusejägern zahme Stubentiger wurden, vergingen etwa 2.000 Jahre. Die gemeinsame Geschichte von Mensch und Katze beginnt jedoch noch viel eher. - Foto: Serhii Shleihel/iStock
In Kürze:
Über 15 Millionen Katzen machen sie zum häufigsten Haustier Deutschlands, noch vor dem Hund.
Die älteste Beziehung zwischen Mensch und Samtpfote reicht bis in die Steinzeit zurück.
Heute ist bekannt, dass die Hauskatze von der Afrikanischen Wildkatze abstammt.
Erst um das Jahr 0 breitete sich der domestizierte Stubentiger mit den Römern in Europa aus.
Es gibt eine Liebe, die keiner Worte bedarf. Manchmal reicht ein Schnurren: Samtpfoten, die uns auf Schritt und Tritt folgen und die immer da sind. Seit ich ein Jahr alt bin, begleiten mich Katzen schon durch mein Leben. Sie lockten mich mit ihrem Maunzen in die Küche, weil sie Hunger hatten und kamen zu mir, wenn ich weinte, und haben mich getröstet. Es ist ein herzliches Zusammenspiel von Mensch und Tier, das für mich nicht mehr wegzudenken ist.
Doch es gab eine Zeit im Leben der Menschen, in der die Katze kein so enger Teil des Alltags war. So vergingen tausende Jahre, bis aus den wilden und scheuen Mäusejägern unsere domestizierten und treuen Schmusekatzen wurden. Und die Geschichte dieser kuscheligen Beziehung nahm ihren Ursprung außerhalb von Europa.
Der wilde Vorfahre unserer Katze
Unsere heutige Hauskatze (Felis catus) gehört zu den erfolgreichsten domestizierten Tieren. Weltweit leben Schätzungen zufolge fast eine Milliarde Stubentiger und Streuner mit oder bei den Menschen. Nicht einberechnet sind die vier Wildkatzenarten, die in Europa, Afrika und Asien vorkommen.
Und genau zwei dieser Arten galten lange Zeit als mögliche Vorfahren unserer Hauskatze: die Europäische Wildkatze (Felis silvestris) und die Afrikanische Wildkatze (Felis lybica lybica), auch Falbkatze genannt. Genetische Untersuchungen aus dem Jahr 2007 offenbarten, dass unsere Stubentiger von der heute in Nordafrika und dem Nahen Osten lebenden Falbkatze abstammen.
Die Afrikanische Wildkatze (Felis lybica lybica), auch Falbkatze genannt, ist der Vorfahre unserer Hauskatzen.
Foto: slowmotiongli/iStock
Dass diese schon lange in der Nähe des Menschen lebte, zeigen selten erhaltene archäologische Funde. So entdeckten Archäologen 2004 auf Zypern die rund 9.500 Jahre alte Bestattung eines Menschen – neben diesem lag das Skelett einer Wildkatze.
Dieser Fund führte erstmals zu der Idee, dass frühe anatolische Ackerbauern während der Jungsteinzeit (9600–7000 v. Chr.) die Katze zum Zweck der Schädlingsbekämpfung domestiziert haben könnten. Dem entgegen steht die traditionelle Sichtweise, dass die alten Ägypter vor über 4.000 Jahren erstmals die Wildkatze zähmten. Wer es tatsächlich als Erster schaffte, über lange Zeit und in großem Ausmaß Herr über die eigensinnigen Samtpfoten zu werden, bleibt umstritten.
Samtpfoten auf dem Weg nach Europa
Sicher scheint jedoch, dass die Schmusekatzen ihren Siegeszug weder mithilfe der ersten Bauern noch den mächtigen Pharaonen antraten. Einer neuen Studie zufolge sei die Katze vielmehr im Laufe des 1. Jahrtausends vor Christus von Nordafrika nach Europa gekommen.
Behilflich waren ihnen dabei scheinbar das Seefahrervolk der Phönizier beziehungsweise die späteren Punier, die ab dem 9. Jh. v. Chr. zahlreiche neue Städte rund um das Mittelmeer gründeten – unter anderem auf Sardinien.
Mit der Niederlage der Punier gegen die Römer, der Gründung des Römisches Kaiserreiches und seiner enormen Ausdehnung verbreitete sich die gezähmte Katze schließlich in ganz Europa, wie ein deutlicher Anstieg von Katzenfunden, unter anderem im österreichischen Mautern oder entlang des Limes, zeigt.
Für Asien zeigt sich ein ähnliches Bild. Auch hier lebten Katzen sporadisch neben den frühen chinesischen Bauerngemeinschaften. Bei diesen handelte sich ebenfalls nicht um domestizierte Hauskatzen, sondern um die dort wild lebende Leopardkatze (Prionailurus bengalensis). Erst im Laufe der Tang-Dynastie (617/18 bis 907) erreichten die domestizierten Stubentiger über die Seidenstraße und andere eurasische Handelsrouten den Fernen Osten.
Eine Leopardkatze (Prionailurus bengalensis), auch Bengalkatze genannt.
Abgesehen von uns, die ihre Hauskatzen mit speziellen Bettchen, Leckerlis und jeder Menge Spielzeug verwöhnen, waren es die Bewohner am Nil, die die Katze am stärksten verehrten. Ähnlich wie heute genoss die Katze im Alten Ägypten ein Privileg – „Ich kann nicht, die Katze schläft“ –, das während der gesamten Geschichte der Domestikation ihresgleichen suchte. Wie eng diese Tier-Mensch-Beziehung war, zeigt eine 4.600 Jahre alte Grabmalerei, wo zum ersten Mal eine Katze mit Halsband abgebildet wurde.
Doch was hatte die Katze, was andere Tiere nicht hatten, das die Ägypter sie so vergötterten? Sehr wahrscheinlich lag diese Tatsache in der landwirtschaftlich geprägten Lebensweise der Ägypter. Gediehen die Feldfrüchte und gab es kaum Schädlinge, war die Ernte reichhaltig und die Bevölkerung entlang des fruchtbaren Nils gut versorgt. Zumindest im letzteren Punkt konnten die Nagetier-jagenden Schmusekatzen einen großen Beitrag zum Wohlstand leisten.
Gestützt wird diese Annahme durch die altägyptische Göttin Bastet. Sie wird meist als Frau mit einem Katzenkopf oder als kleine Katze mit Löwenkopf dargestellt und stand symbolisch für Fröhlichkeit, Liebe, Schönheit, Anmut, Weiblichkeit und Fruchtbarkeit.
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Die Göttin Bastet, wie sie in ägyptischen Malereien dargestellt wird.
Die Verehrung ging sogar so weit, dass die Ägypter während der Blütezeit der Bastet-Kult den Göttern zahlreiche kleine Katzenfiguren oder mumifizierte Stubentiger opferten. Gleichzeitig war die Katze so heilig, dass sie per Gesetz niemals außer Landes gebracht werden durfte. Mit dem Niedergang des Pharaonenreiches verschwand schließlich auch die Vergötterung der Samtpfote – nur hat man es wohl versäumt, ihnen das ebenfalls mitzuteilen.
Ob sich Katzen ihrer göttlichen Behandlung im Alten Ägypten noch immer bewusst sind?
Außerhalb von Ägypten war der Ruf der Katze unterschiedlich. Zwar war der Stubentiger im antiken Griechenland mit Artemis, der Göttin der Jagd, verbunden, doch so vergöttert wie jenseits des Mittelmeeres wurde sie nie. Im Gegenteil: Einige Griechen hatten wie die Babylonier gar Angst vor schwarzen Katzen.
In China genoss die Katze dagegen ein hohes Ansehen. Geschätzt für ihre Jagdqualitäten lebten die Schmusekatzen in Tempeln und auf Plantagen für Seidenraupen und Tee, um schädliches Ungeziefer in Schach zu halten.
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„Katzen mit Jungen in einem Garten“ von Yi Mao aus dem 12. Jahrhundert. Tusche und Farben auf Seide.
Außerdem glaubten die alten Chinesen, dass neben dem Menschen nur die Katze als einziges Tier eine Seele besitzt. Dies wurde im Volksglauben positiv, aber auch negativ aufgefasst. Einerseits symbolisiert die Katze Glück und Langlebigkeit, andererseits wird ihr Listigkeit und Bösartigkeit nachgesagt.
Wie tief die Hauskatze die asiatische Kultur aber im Guten prägte, zeigen bis heute zahlreiche Glücksbringer namens „Maneki-neko“, besser bekannt als Winkekatzen. So wurde das charakteristische Gesichtsputzen der Katze mit der Pfote als Winken gedeutet und soll Käufer in die Läden von Händlern gelockt haben, was wiederum zu guten Einnahmen und Geldsegen führte.
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Die Winkekatzen gibt es überall auf der Welt zu kaufen – vor allem aber in asiatischen Läden und Ländern.
Foto: VictorHuang/iStock
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Traditionelle Maneki-neko-Figuren zeigen Katzen mit dreifarbigem Fell.
Foto: Yuto photographer/iStock
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Dreifarbige Katzen, deren Fellzeichnung auch als Schildpatt bekannt ist, gelten auch in Europa als Glückskatzen.
Foto: Victor Golmer/iStock
Helfer des Teufels und der Jungfrau Maria
Ebenfalls zwiespältige Meinungen hatten die Menschen im Mittelalter über Stubentiger. Zwar wurden wegen der zunehmenden Nagetierplage mehr Hauskatzen gehalten, allerdings überwiegend als Nutztiere.
Besonders in dieser, vom Aberglauben geprägten Zeit, hatte die Katze häufig einen schlechten Stand. So sagten ihr die Menschen Unglück und einen Bund mit dem Teufel oder anderen angeblich Schaden-bringenden Wesen wie Hexen nach. Gleichzeitig manifestierte sich der Glaube an ein schlechtes Omen, wenn eine schwarze Katze den Weg von links nach rechts kreuzte.
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Schwarze Katze hin oder her, statistisch gesehen ist Freitag, der 13., einer der sichersten Tage des Jahres.
Foto: viki-melkiu/iStock
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Das typische Bild einer Hexe, die von einer schwarzen Katze begleitet wird.
Wie in den anderen Epochen gab es in allen gesellschaftlichen Schichten auch Liebhaber der Schmusekatze. So wurde die Jagd auf die Pest übertragenden Nagetiere als positiv betrachtet, da auf diese Weise Lebensmittel, Bücher, Textilien, aber auch die menschliche Gesundheit geschützt wurde. Und auch in der christlichen Vorstellung kommt der Katze eine gute Eigenschaft zu, wie die Skizze „Madonna mit Kind und Katze“ von Leonardo da Vinci zeigt.
Das Bild basiert auf der Legende zur Geburt Jesu, wonach Maria darum betet, dass sie das Christuskind warm halten könne. Daraufhin erschien eine Katze, sprang in die Krippe und legte sich neben das Kind. Aus Dankbarkeit soll Maria ihren Initialbuchstaben „M“ auf die Stirn der Katze gezeichnet haben – eine markante Kopfzeichnung, die getigerte Katzen noch heute aufweisen.
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Die Skizze mit Tusche auf Papier von Leonardo da Vinci (1452–1519) zeigt die Jungfrau Maria mit dem Christuskind, das eine Katze hält.
Getigerte Katzen, anhand der Fellzeichnung auch Tabby genannt, haben oft ein „M“ auf ihrer Stirn.
Foto: Yuliia Koval/iStock
Auch in der islamischen Welt hatten Katzen eine besondere Bedeutung und wurden wegen ihrer Eleganz und Sauberkeit geschätzt. Außerdem schreiben muslimische Legenden, dass gute Geister im Körper einer Katze wohnen würden.
Auf die Katz’ gekommen
Vor allem in der Renaissance und der Frühen Neuzeit inspirierten die anmutigen Samtpfoten zahlreiche Maler, die diese in ihren Werken verewigten. Am bekanntesten sind die Skizzen von Leonardo da Vinci, Albrecht Dürers „Adam und Eva“, die Aquarelle von Gottfried Mind, der auch als Katzen-Raffael bekannt ist, oder Édouard Manets „Frau mit Katze“.
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Albrecht Dürer (1471–1528) zeichnete den Sündenfall im Paradies. Fast schon unscheinbar dabei: eine Katze zu Füßen von Adam und Eva.
„Frau mit Katze“, auch „Porträt von Madame Manet“ genannt, ist ein Gemälde von Édouard Manet (1832–1883). Es erinnert an die bekannte Ausrede: „Ich kann nicht, die Katze schläft“.
Mit dem Beginn der Zucht im Industriezeitalter hatten es die Stubentiger endgültig in die Herzen der Menschen und in ihr Haus geschafft. Seither gibt es über 30 Rassekatzenarten, wobei die Ägyptische Mau, die Korat, die Abessinier, die Siam, die Perser, die Birma und die Türkisch Van zu den ältesten zählen.
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Die Ägyptische Mau erinnert mit ihrer Statur und Fellfarbe sehr stark an die Afrikanische Wildkatze.
Foto: Thomas Leirikh/iStock
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Die Korat ist eine in Thailand besonders beliebte Katzenrasse.
Foto: ginosphotos/iStock
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Die Abessinier ist für ihren intelligenten und lebhaften Charakter bekannt.
Foto: Dariia Chernenko/iStock
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Die Siamkatze gehört zu den weltweit beliebtesten Rassekatzen.
Foto: Yelizaveta Tomashevska/iStock
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Ihre flache Nase machte die langhaarige Perserkatze berühmt. Trotz der bekannten gesundheitlichen Nachteile ist die Züchtung immer noch erlaubt.
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Die Heilige Birma erinnert aufgrund der Fellzeichnung an die Siamkatze – nur mit langem Fell.
Foto: Vadimborkin/iStock
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Keine andere Katzenrasse ist für ihre Liebe zum Wasser so bekannt wie die Türkische Van.
Foto: Nynke van Holten/iStock
Heute schleichen allein 15,9 Millionen Samtpfoten durch Deutschlands Haushalte (Stand: 2024). Damit ist die Katze hierzulande das beliebteste Haustier, noch vor dem besten Freund des Menschen, dem Hund. Als Ursache wird der moderne Lebensstil genannt, allen voran die steigende Zahl von Alleinlebenden – insbesondere Senioren.
„Ihre Haltung erfordert im Hinblick auf Bewegung und Beschäftigung meist weniger Zeit und körperliche Fitness als das Leben mit Hund – optimal für viele ältere Menschen“, erklärt Prof. Dr. Andrea Beetz von der IU Internationale Hochschule.
Es ist daher nicht abwegig, dass die Zahl der Hauskatzen in Deutschland künftig weiter steigen wird. Doch nicht nur die, die gedanklich einen Katzensprung von einer Anschaffung entfernt sind, verfallen dem Charme einer Samtpfote.
Ein gutes Beispiel ist mein Vater. Noch heute erinnere ich mich an seine Worte: „Es kommt keine weitere Katze ins Haus“. Seither konnten ihn bereits fünf Stubentiger erweichen und hatten binnen kürzester Zeit sein Herz und seinen Sessel im Wohnzimmer erobert.
Dr. Anthony Fauci, ehemaliger Direktor des National Institute of Allergy and Infectious Diseases (Nationales Institut für Allergien und Infektionskrankheiten), sagte am 29. Juli 2026 vor einem Senatsausschuss in Washington, D.C. aus. - Foto: Madalina Kilroy/Epoch Times
In Kürze:
Der US-Senat leitete nach Faucis Aussageverweigerung ein Verfahren wegen Missachtung des Kongresses ein.
Mehrere Bundesstaaten prüfen mögliche Falschaussagen und Gesetzesverstöße während der Corona-Pandemie.
Ein Senatsausschuss untersucht Faucis Handy.
Die Auseinandersetzung um den ehemaligen US-Spitzenfunktionär Dr. Anthony Fauci erreicht eine neue Stufe. Ein Senatsausschuss hat beschlossen, Fauci wegen möglicher Missachtung des Kongresses strafrechtlich zu belangen.
Auslöser waren Faucis Aussageverweigerung vor dem Kongress, seine Berufung auf den Schutz vor Selbstbelastung sowie die Frage, ob seine früheren Aussagen gegenüber Behörden und Ausschüssen vollständig waren.
Gleichzeitig kündigen mehrere US-Bundesstaaten eigene Untersuchungen an.
Zusätzliche Aufmerksamkeit erhält eine digitale Kopie des amtlichen Handys, das Fauci während der Corona-Pandemie genutzt haben soll.
Fauci war unter den US-Präsidenten Donald Trump und Joe Biden federführend bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie. Zudem leitete von 1984 bis 2022 das Nationale Institut für Allergien und Infektionskrankheiten.
Der US-Immunologe Fauci hat von seinem Schweigerecht Gebrauch gemacht.
Foto: Allison Robbert/AP/dpa
Senatsausschuss stimmt für Missachtung des Kongresses
Der Ausschuss für Heimatschutz und staatliche Angelegenheiten des US-Senats stimmte am Donnerstag, 6. August, mit acht zu fünf Stimmen dafür, Fauci wegen Missachtung des Kongresses zu belangen. Die Abstimmung verlief entlang der Parteigrenzen: Alle Republikaner unterstützten die Resolution, während die Demokraten dagegen stimmten.
Der Ausschussvorsitzende, der republikanische Senator Rand Paul, erklärte laut der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times, der Kongress müsse seine Vorladungen durchsetzen können, wenn Personen die Zusammenarbeit verweigern.
„Wenn freiwillige Zusammenarbeit endet, muss der Kongress in der Lage sein, die Einhaltung seiner rechtmäßigen Forderungen zu erzwingen. Das ist das Zwangsinstrument des Kongresses“, sagte Paul. Er fügte hinzu: „Eine Vorladung ist keine Einladung. Eine Vorladung ohne Konsequenz ist keine Vorladung – sie ist nur eine Empfehlung.“
Nach der Abstimmung erklärte Paul, dass die Resolution an das US-Justizministerium weitergeleitet worden sei.
Demokraten kritisieren rechtliche Grundlage
Der ranghöchste Demokrat im Ausschuss, Senator Gary Peters, widersprach der Entscheidung.
Er erklärte, die Republikaner hätten keine ausreichende rechtliche Grundlage vorgelegt, um Fauci wegen Missachtung des Kongresses belangen zu können.
Peters warnte außerdem davor, die Angelegenheit ohne Abstimmung des gesamten Senats an die Staatsanwaltschaft weiterzugeben. Dies sei „noch gefährlicher und ein weithin beispielloser Schritt“.
Die US-Staatsanwaltschaft für den District of Columbia und ein Anwalt, der Fauci vertritt, haben bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung auf eine Nachfrage der Epoch Times nicht geantwortet.
Republikanische Senatoren erklärten, sie hätten aus mehreren Gründen dafür gestimmt, Fauci wegen Missachtung des Senats zu belangen. Einer davon war Faucis Auftritt vor dem Ausschuss am 29. Juli.
Fauci verlas zunächst eine vorbereitete Stellungnahme. Danach erklärte er, keine weiteren Fragen beantworten zu wollen.
Für den Rest der Anhörung berief er sich auf den Fünften Verfassungszusatz der USA, der Menschen davor schützt, sich durch eigene Aussagen selbst zu belasten. Fauci erklärte, er habe diese Entscheidung auf Empfehlung seiner Anwälte getroffen.
Hintergrund war eine Aussage von Rand Paul, wonach Fauci strafrechtlich belangt werden könne, falls er unter Eid falsche Angaben gemacht habe.
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Mehrere republikanische Senatoren kritisierten Faucis Berufung auf den Fünften Verfassungszusatz. Sie argumentierten, Fauci habe den Schutz nicht gezielt für einzelne Fragen genutzt, sondern eine vollständige Befragung verhindert.
Sie verwiesen auf den früheren Fall von Lois Lerner, die ehemalige Leiterin der US-Steuerbehörde IRS, die 2013 nach einer Erklärung vor dem Kongress die Beantwortung weiterer Fragen verweigert hatte.
Der republikanische Senator Josh Hawley kritisierte Fauci scharf. „Die Tatsache, dass er keine Fragen über die Krawatte beantworten wollte, die er trug, über die Farbe des Teppichs oder über den Wochentag, zeigt, dass seine Berufung auf den Fünften Verfassungszusatz nicht auf etwas Bestimmtes zugeschnitten war“, sagte Hawley am Donnerstag.
Er fügte hinzu: „Es war ein vorher festgelegter und vorsätzlicher Plan, die Fragen dieses Ausschusses zu jedem Thema zu umgehen.“
Faucis Anwalt David Schertler widersprach den Vorwürfen. Er erklärte, gerade die Forderungen nach einer möglichen Strafverfolgung hätten den Schutz durch den Fünften Verfassungszusatz notwendig gemacht.
Nach Aussage Schertlers habe Paul eine Situation geschaffen, in der Fauci berechtigte Sorge vor strafrechtlichen Konsequenzen haben müsse.
Der Anwalt verwies auf die vom Obersten Gerichtshof beschriebene „grundlegende Funktion“ des Fünften Verfassungszusatzes, „den Schutz unschuldiger Menschen, die durch unklare Umstände in rechtliche Schwierigkeiten geraten könnten“.
Ein weiterer Streitpunkt ist eine vorsorgliche Begnadigung, die der damalige Präsident Biden Fauci Anfang 2025 gewährte. Sie umfasst mögliche Straftaten gegen Bundesgesetze aus dem Zeitraum vom 1. Januar 2014 bis zum 19. Januar 2025.
Neben dem Kongress planen mehrere republikanisch geführte US-Bundesstaaten, Faucis Rolle während der Pandemie zu überprüfen. Im Mittelpunkt stehen mögliche Falschaussagen, der Umgang mit wissenschaftlichen Diskussionen und mögliche Verstöße gegen Gesetze.
Die Generalstaatsanwältin von Louisiana, Liz Murrill, kündigte am 1. August eine Untersuchung an. Murrill schrieb auf X: „Fauci hat gelogen.“
Sie sagte gegenüber Epoch Times, dass Louisiana und Missouri Fauci bereits unter Eid befragt hätten. Damals habe er erklärt, sich an viele wichtige Details nicht erinnern zu können. Faucis Tagebuch und andere Aufzeichnungen, die öffentlich gemacht wurden, würden jedoch ein neues Licht auf die Zeit werfen.
Senator Tommy Tuberville, Republikaner aus Alabama, erklärte der Nachrichtenplattform „Newsmax“, Alabama werde eine Untersuchung von Fauci einleiten.
Tuberville sagte: „Hoffentlich werde ich in den nächsten sechs Monaten Gouverneur des Bundesstaates Alabama sein. Und ich verspreche Ihnen eines: Wir werden herausfinden, ob es eine Möglichkeit gibt, ihn nach Alabama zu bringen, um ihn vor ein Gericht und eine Jury zu stellen, um zu sehen, ob wir diesen Mann ins Gefängnis bringen können.“
Auch Florida kündigte eine Untersuchung an.
Generalstaatsanwalt James Uthmeier erklärte gegenüber Epoch Times: „Es ist höchste Zeit, dass wir die Wahrheit darüber erfahren, was während COVID passiert ist.“
Und weiter: „Wenn er gelogen hat und dies zu körperlichem und wirtschaftlichem Schaden für unzählige Amerikaner, zu Milliarden von Steuergeldern für ‚medizinische Ausgaben‘ und zu Lernverlusten für unsere nächste Generation geführt hat, sollte es Konsequenzen geben.“
Der damalige Corona-Chefberater des Weißen Hauses, Dr. Anthony Fauci (r.), begleitet US-Präsident Joe Biden bei einem Besuch der National Institutes of Health (NIH) am 11. Februar 2021 in Bethesda, Maryland.
Foto: Saul Loeb/AFP via Getty Images
Koalition aus 17 Bundesstaaten untersucht Fauci
Generalstaatsanwälte aus 17 republikanisch geführten Bundesstaaten kündigten im vergangenen Jahr eine gemeinsame Untersuchung an. Die Koalition prüft nach eigenen Angaben Vorwürfe, Fauci habe möglicherweise irreführende Aussagen gemacht und wissenschaftliche Diskussionen eingeschränkt.
Geleitet wird die Gruppe vom Generalstaatsanwalt von South Carolina, Alan Wilson.
Wilson erklärte: „Das amerikanische Volk hat ein Recht auf Transparenz und Rechenschaftspflicht von öffentlichen Amtsträgern, deren Entscheidungen Millionen Leben beeinflusst haben.“ Er fügte hinzu: „Wir werden weiterhin die Wahrheit verfolgen, weil das amerikanische Volk nichts Geringeres verdient.“
Trotz der Untersuchungen ist offen, ob daraus Strafverfahren entstehen können. Der Rechtsanalyst Mike Allen, ein ehemaliger Staatsanwalt in Ohio, erklärte gegenüber Epoch Times, dass bei vielen möglichen Straftaten die Verjährungsfristen vermutlich bereits abgelaufen seien. Dadurch könnten Ermittler Schwierigkeiten bekommen, ältere Vorgänge strafrechtlich zu verfolgen.
Parallel zu den laufenden Untersuchungen erhielt ein Senatsausschuss Zugriff auf eine digitale Kopie des Diensthandys, das Fauci während der Pandemie genutzt haben soll. Ermittler hoffen, dadurch Einblicke in interne Kommunikation, Entscheidungsprozesse und mögliche Unterschiede zwischen privaten Nachrichten und öffentlichen Aussagen zu erhalten.
Eine Sprecherin des republikanischen Senators Ron Johnson, des Leiters des Ständigen Unterausschusses für Untersuchungen des US-Senats, bestätigte gegenüber Epoch Times, dass das Gerät am 6. August vom Gesundheitsministerium (HHS) an den Ausschuss übergeben wurde.
Johnson schrieb auf X: „Hoffentlich wird dieses Gerät viele der Fragen beantworten, die er bei der Anhörung in der vergangenen Woche nicht beantworten wollte.“
Während Teile von Faucis E-Mail-Verkehr bereits aufgrund von Anfragen nach dem US-Informationsfreiheitsgesetz veröffentlicht wurden, ist der Inhalt seines Handys bislang weitgehend unbekannt.
Epoch Times erhielt keine vollständige Sammlung von Faucis Textnachrichten. Erst nach rechtlichen Schritten eines anderen Mediums wurden mehrere Dutzend Nachrichten veröffentlicht.
Die Ermittler interessieren sich besonders dafür, ob interne Kommunikation mit späteren öffentlichen Aussagen übereinstimmte. Bereits bekannte Nachrichten zeigen Kontakte während der Pandemie.
Der damalige republikanische Senator Mitt Romney kontaktierte Fauci und empfahl eine „strikte Quarantäne“ für ältere Menschen. Fauci antwortete: „Ich werde diesen Ansatz zum Treffen der [Taskforce] mitbringen. Er ist definitiv eine ernsthafte Überlegung wert.“
Der Arbeitsmarkt in den USA entwickelt sich schlechter als erwartet. (Archivbild) - Foto: Keith Srakocic/AP/dpa
In den USA haben Unternehmen im Juli mehr Arbeitsplätze abgebaut als neue geschaffen. Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft sank im vergangenen Monat um 23.000, wie das US-Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Gleichzeitig korrigierte es seine Zahlen für Mai und Juni kräftig nach unten. Insgesamt waren im Juli 6,9 Millionen Menschen in den USA arbeitslos.
Die Arbeitslosenquote fiel im vergangenen Monat dennoch leicht auf 4,1 Prozent. Grund ist ein anhaltender Rückgang der Erwerbsquote der Menschen im arbeitsfähigen Alter. Sie ging seit Jahresbeginn um 0,7 Prozentpunkte zurück, der Anteil der Erwerbstätigen an der Gesamtbevölkerung schrumpfte um 0,5 Prozentpunkte. Absolut sind das hunderttausende Menschen weniger auf dem Arbeitsmarkt.
Die US-Arbeitsmarktdaten werden von Investoren auf der ganzen Welt mit Argusaugen beachtet. Ist der Arbeitsmarkt robust und die Inflation hoch, werden Zinssenkungen unwahrscheinlicher. Über die würden sich Börsianer aber freuen, unter anderem weil das Sparbuch als Alternative zur Aktie damit wieder unattraktiver werden würde und Unternehmen und andere Akteure billiger an Kredite kämen.
Mai und Juni: 103.000 Jobs weniger als erwartet
Im Mai und Juni wurden den neuen Angaben des Ministeriums zufolge nur 83.000 Stellen geschaffen – das sind 103.000 Jobs weniger als zunächst gemeldet. Der Abbau von Stellen im Juli betraf vor allem Sektoren wie die öffentliche Bildung auf lokaler Ebene und den Einzelhandel. Experten hatten allein im Juli mit 83.000 neuen Jobs gerechnet.
Zusätzliche Arbeitsplätze entstanden laut Ministerium vor allem bei Gesundheits- und Sozialdienstleistungen – allerdings in geringerem Umfang als in den Vormonaten. Im Freizeit- und Gastgewerbe blieb die Zahl der Beschäftigten trotz der Fußballweltmeisterschaft der Männer etwa gleich – ebenso in der Industrie.
Seit dem erneuten Amtsantritt Trumps im Januar 2025 hatte sich die Beschäftigungslage zunächst verschlechtert, die Arbeitslosenquote stieg zwischenzeitlich auf das höchste Niveau seit der Corona-Pandemie. Experten machten dafür unter anderem die Verunsicherung durch Trumps Zollpolitik verantwortlich, aber auch den Abbau von Arbeitsplätzen durch Künstliche Intelligenz. In den vergangenen Monaten hatte sich die Lage wieder verbessert – allerdings nicht in wichtigen Branchen wie dem verarbeitenden Gewerbe, dem Einzelhandel, Transport- und Finanzdienstleistungen. (afp/dts/red)