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Erfolgsrezept Natürlichkeit: Wenn Oma viral geht

In eine Panade gehören keine Eier, statt mit Wasser wird Rotkohl besser mit Traubensaft gekocht und damit eine Suppe klar bleibt, müssen die Nudeln extra abgekocht werden. Diese und weitere Küchen-Kniffe lernen mehrere Tausend Follower jede Woche auf den Social-Media-Accounts von Vanessa und ihrer Oma Annemarie.
„Wir machen heute eine Rindfleischsuppe“, sagt Oma Annemarie in die Handykamera ihrer 37 Jahre alten Enkeltochter. Oma kocht und Vanessa filmt – sie zeigen Schritt für Schritt, wie aus einfachen Zutaten traditionelle Gerichte entstehen.
Oma kocht, Vanessa filmt - wie lange die zwei noch Videos machen, hängt ganz davon ab, wie lange Annemarie noch möchte.

Oma kocht, Vanessa filmt – wie lange die zwei noch Videos machen, hängt ganz davon ab, wie lange Annemarie noch möchte.

Foto: Christoph Reichwein/dpa

Über Generationen weitergegebenes Wissen hat so längst seinen Weg in die sozialen Medien gefunden. Was TikTok oder Instagram eigentlich genau sind, weiß Oma Annemarie nicht – es interessiert sie aber auch nicht. Sie freut sich einfach, dass sie Menschen „irgendwo im Internet“ helfen kann.

Ein Krustenbraten geht viral

Angefangen hat das alles mit einem Krustenbraten. „Oma macht einfach den besten“, sagt ihre Enkeltochter. Das Rezept dafür will Vanessa für sich festhalten, aber nicht nur in Form von Mengenangaben mit Zettel und Stift. Deswegen hält Vanessa die Handykamera drauf, als Oma Annemarie den Braten im Topf gart, die Schwarte einschneidet und das Fleisch salzt.
Aus einer Laune heraus lädt Vanessa das Video auf ihrem TikTok-Account hoch, auf dem sie damals selbst schon Videos aus ihrem Alltag postet. Kurze Zeit später hat das digitale Krustenbraten-Rezept mehrere Millionen Aufrufe.
Seit diesem ersten Video im September 2024 kamen zahlreiche weitere hinzu – und damit Tausende Follower und Millionen Klicks. Gefilmt wird am Wochenende oder abends, wenn Vanessa von ihrem eigentlichen Job in einer Apotheke kommt. Viel Arbeit für die 37-Jährige, doch das Drehen mit ihrer Oma macht ihr nicht nur Spaß, sondern trägt auch Früchte: Jetzt haben sie ein eigenes Kochbuch veröffentlicht.
Von der Küche in die Sozialen Medien - und jetzt in ein Kochbuch: Die Rezepte von Vanessa und ihrer Oma Annemarie sind jetzt auch dort zu lesen.

Von der Küche in die Sozialen Medien – und jetzt in ein Kochbuch: Die Rezepte von Vanessa und ihrer Oma Annemarie sind jetzt auch dort zu lesen.

Foto: Christoph Reichwein/dpa

Generationen-Duos im Netz

Mit ihren Videos treffen Vanessa und Oma Annemarie einen Nerv. In den sozialen Medien sind immer mehr Generationen-Duos und ältere Creator unterwegs.
„Sie wirken besonders glaubwürdig, weil sie manchen Mechanismen einfach widersprechen und für Überraschungsmomente sorgen“, sagt Hanna Klimpe von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. Der Trend könne zu „einer emotionalen Stabilisierung und gegenseitigem Verständnis“ beitragen.
Ruth Gehrmann von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz meint außerdem: „Eine Chance ist das Aufbrechen von älteren Menschen als homogene Gruppe.“

Mit viel Liebe und Heißluftfritteuse

Der Erfolg in der großen Social-Media-Welt ändert nichts daran, wie und was in der kleinen Küche in Recklinghausen gekocht wird: Statt mit der glanzvollen elektrischen Pfeffermühle würzt Oma Annemarie die Rindfleischsuppe immer noch am liebsten mit der Mühle, die Vanessa ihr vor 20 Jahren geschenkt hat.
Der Spargel und die Kräuter werden ganz einfach mit einer Küchenschere geschnitten. Gestellt ist dabei nichts. „Das könnte Oma auch gar nicht“, sagt Vanessa. Dass ihre Enkelin sie filmt, merke Oma Annemarie die meiste Zeit gar nicht.
Trotzdem ist längst nicht alles so, wie damals zu Omas Zeiten: „Oma möchte eine moderne Oma sein“, erzählt Vanessa. Deshalb sind die zwei Heißluftfritteusen treue Helfer in ihrer Küche.
Mittlerweile ist Oma Annemarie richtiger Fan: „Hähnchen da drin, oh! Das Hähnchen, das ist ja einmalig“, sagt die 79-Jährige. Die Wertschätzung von Essen und Kochen will sie auch auf Social Media zeigen.
Oma Annemarie und ihre Enkelin Vanessa genießen die gemeinsame Zeit, die sie durch das Video-Projekt miteinander verbringen.

Oma Annemarie und ihre Enkelin Vanessa genießen die gemeinsame Zeit, die sie durch das Video-Projekt miteinander verbringen.

Foto: Christoph Reichwein/dpa

Kochen ist für Oma Annemarie mehr als eine veraltete gesellschaftliche Pflicht. Eine Aufgabe zu haben, erfüllt die 79-Jährige. „Ich habe ja Zeit“, sagt sie. Vom Einkaufen bis zum Aufräumen der Küche – das macht sie gerne noch selbst, egal ob für Social Media oder nicht.

Von Hate-Kommentaren bis Heiratsantrag

Wurde da zweimal derselbe Löffel zum Abschmecken benutzt? Wieso hat die Schüssel mit dem Brot jetzt eine andere Farbe als in dem Clip davor? Und Soja-Soße gab es doch früher noch gar nicht, so wie das im Video erzählt wird. Den Detektiven in Vanessas und Oma Annemaries Community fällt alles auf. „Die suchen an jedem bisschen was“, berichtet Oma Annemarie.
Richtige Hate-Kommentare richten sich aber nicht gegen die 79-Jährige, sondern an Vanessa. Dann wird sie manchmal als „die Faule“ beschimpft, die ihrer Oma nicht beim Kochen helfe.
Dass Oma Annemarie „Hummeln im Hintern“ hat und aus Perfektionismus ihre Enkelin eigentlich lieber gar nicht an die Kochtöpfe lässt, können sie nicht wissen. Manchmal antwortet Vanessa dann ironisch. Wenn das Geschriebene unter die Gürtellinie geht, blockiert sie die Verfasser. Ihrer Oma erzählt sie nichts davon.
Die meiste Zeit steht das Generationen-Duo aber in der Gunst ihrer Followerschaft. „Ich habe auch schon einige Heiratsanträge bekommen, nur weil sie bei Oma essen wollen“, erzählt Vanessa.
„Ich kriege auch so viele herzergreifende Nachrichten, manche sagen sogar, sie hätten bei den Videos geweint.“ Oma Annemarie gibt nicht nur Kochtipps, sondern vielen auch das Gefühl von Geborgenheit.

Die virtuellen Großeltern

„Man kriegt virtuell ein paar Großeltern dazu“, sagt Wissenschaftlerin Klimpe. „In einer Gesellschaft, in der sehr viele eben nicht in dieser Dorfstruktur leben, bei der man Eltern oder Großeltern in derselben Stadt hat, bedient das natürlich eine Sehnsucht nach familiärem Zusammenhalt und intergenerationalem Austausch.“
Manche aus der Community lernen durch Oma Annemarie aber auch Deutsch, weil sie so langsam und deutlich in den Videos spricht.
Wie lange das Generationen-Duo im Netz noch Kochvideos teilt, hängt ganz von Oma Annemarie ab: „Wenn Oma morgen sagt, sie hat keinen Bock mehr, dann ist das so“, sagt Vanessa, „aber die Zeit mit ihr gerade kann mir keiner nehmen“. (dpa/red)
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Gewaltwelle überrollt China – Zentralregierung wirft lokalen Verwaltungen Versagen vor


In Kürze:

  • Berichte über mögliche Zunahme von Gewaltvorfällen in China
  • Vorwürfe über eingeschränkte Informationsweitergabe und Kontrolle
  • Experten verweisen auf gesellschaftlichen und strukturellen Druck

 
In China soll die Zahl der Gewalttaten Berichten zufolge stark zugenommen haben. Personen aus dem inneren Sicherheitssystem berichten von einer Vielzahl von Messerattacken und Angriffen auf Fahrzeuge. Offizielle Stellen veröffentlichen jedoch nur einen Teil solcher Vorfälle. Kritiker gehen davon aus, dass dadurch nicht alle Ereignisse öffentlich bekannt werden.

Überwachung von Personen mit „extremen Tendenzen“

Von der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times befragte Personen wollten aus Angst vor möglichen Repressalien anonym bleiben und nannten lediglich ihre Nachnamen. Ihre Aussagen deuten darauf hin, dass es Unterschiede zwischen den tatsächlichen Vorfällen und den offiziellen Darstellungen geben könnte. Demnach soll Peking auf die Entwicklung mit verstärkter Informationskontrolle und ausgeweiteter Überwachung reagieren.
Die Sorge vor sogenannten „Rache gegen die Gesellschaft“-Angriffen – also Gewalttaten gegen zufällig ausgewählte Personen im öffentlichen Raum – habe laut diesen Angaben zugenommen. Ein Insider namens Wei sagte gegenüber der Epoch Times: „Nach intern verfügbaren Informationen kommt es auf dem chinesischen Festland regelmäßig zu Messerangriffen. Zudem gebe es weitere Vorfälle, über die nicht öffentlich berichtet werde.“
Demnach habe die Entwicklung auch innerhalb des politisch-rechtlichen Systems der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh), das für Sicherheit und Strafverfolgung zuständig ist, Aufmerksamkeit ausgelöst. Berichten zufolge sollen zuständige Behörden interne Anweisungen herausgegeben und Untersuchungen eingeleitet haben.
Dabei sollen Behörden angewiesen worden sein, Personen zu identifizieren und zu beobachten, die als mögliche Sicherheitsrisiken gelten. Dazu zählen unter anderem Petenten, Personen, die in Konflikten mit Behörden stehen, sowie Menschen, denen „Ressentiments“ oder „extreme Tendenzen“ zugeschrieben werden.
Gleichzeitig soll die Kontrolle von Informationen verstärkt worden sein. Nach Angaben eines Insiders würden Behörden versuchen, Videos, Augenzeugenberichte und andere sensible Inhalte zu entfernen, bevor diese sich im Internet verbreiten oder auf ausländischen Plattformen erscheinen.

Tote und Verletzte bei Amokfahrten

Mehrere jüngere Vorfälle werden in diesen Berichten als Beispiele genannt. Diese würden laut Insidern ein wiederkehrendes Muster zeigen, wobei die öffentliche Informationslage teilweise begrenzt oder unterschiedlich sei.
Am 19. April kam es in der Stadt Shuitou im Verwaltungsgebiet Nan’an in der Provinz Fujian zu einem Vorfall, bei dem ein Auto in eine Menschenmenge fuhr. Laut Behörden wurden dabei zwei Menschen getötet und eine weitere Person verletzt. Der Fahrer wurde festgenommen.
In den sozialen Medien, insbesondere auf Weibo, berichteten Augenzeugen von abweichenden Angaben. Dort war teilweise von mindestens vier Todesopfern die Rede. Im Internet kursierten zudem Videos, die ein Fahrzeug zeigen sollen, das mit hoher Geschwindigkeit eine Kreuzung überquert, in den Gegenverkehr gerät, einen Straßenteiler durchbricht und mit mehreren Motorrädern kollidiert.
Ein weiterer Vorfall ereignete sich am 29. März im Pekinger Bezirk Fangshan. Dort soll ein Mann mit einem Bulldozer auf einen belebten, ländlichen Markt gefahren und in eine Menschenmenge gerast sein. Eine offizielle öffentliche Mitteilung der Behörden dazu liegt nach Angaben von Anwohnern nicht vor.
Mehrere Einwohner berichteten dennoch von dem Vorfall auf dem Dahanji-Markt. In sozialen Medien kursierten unterschiedliche Angaben zu möglichen Opferzahlen, die zwischen mindestens sieben und 13 Todesopfern sowie rund einem Dutzend Verletzten schwankten. Entsprechende Inhalte sollen Nutzern zufolge später entfernt worden sein.

Messerangriffe in Shenzhen

Auch weitere Gewaltvorfälle werden in einzelnen Berichten erwähnt. Am 26. März soll es in den Shenzhener Bezirken Luohu und Longgang zu zwei Messerangriffen gekommen sein, bei denen mehrere Menschen getötet oder verletzt wurden. In einem der Fälle habe eine Frau nach Berichten zwei Personen getötet und drei weitere verletzt, darunter einen 14-Jährigen.
Ein pensionierter Beamter aus Shenzhen erklärte, die jüngsten Vorfälle hätten das politisch-rechtliche System der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) unter Druck gesetzt. Höhere Behörden seien demnach der Ansicht, dass lokale Verwaltungen ihre Aufgaben nicht ausreichend erfüllt und zu langsam auf soziale Spannungen reagiert hätten.
Demnach seien lokale Behörden angewiesen worden, der Aufrechterhaltung der öffentlichen Stabilität Vorrang einzuräumen. Dazu gehörten auch strengere Kontrollen der Informationsweitergabe. Interne Anweisungen sollen darauf abzielen, die Verbreitung sensibler Inhalte im Ausland zu verhindern.
Ein in Europa lebender chinesischer Wissenschaftler namens Li äußerte die Einschätzung, dass die Gewalt Ausdruck eines längerfristigen gesellschaftlichen Drucks sei. Er verwies darauf, dass lokale Beamte im bestehenden System teilweise auf administrative oder wirtschaftliche Ziele fokussiert seien, während soziale Probleme weniger Beachtung fänden. Dies könne insbesondere in unteren sozialen Schichten zu wachsendem Druck führen und in Einzelfällen Gewalt begünstigen.
Li argumentierte zudem, dass solche Entwicklungen historische Parallelen hätten und einzelne Gewalttaten auf breitere gesellschaftliche Spannungen hinweisen könnten. Die aktuelle Reaktion der Behörden – verstärkte Überwachung und strengere Kontrolle von Informationen – trage seiner Einschätzung nach nicht zur Lösung der Ursachen bei.
 
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Insider Says Hundreds of Violent Attacks Take Place Daily in China as Authorities Tighten Control“. (deutsche Bearbeitung: os)