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Die Wirkung von Astaxanthin: Was die aktuelle Forschung tatsächlich belegt

Das Pigment, das Wildlachs seine rote Farbe verleiht, wird heute in Flaschen abgefüllt und als eines der stärksten Antioxidantien der Welt vermarktet. Die Aussage ist bemerkenswert, doch die wissenschaftliche Beweislage ist deutlich differenzierter.
Astaxanthin ist ein marines Carotinoid, das von Mikroalgen wie Haematococcus pluvialis gebildet wird und über die Nahrungskette von Krill und Garnelen bis hin zu Fischen wie Forellen und Lachs gelangt.
Die Wellnessbranche hat es aufgegriffen und bewirbt es als Antioxidans, das in Labortests angeblich 6.000-mal stärker als Vitamin C sein soll, verbunden mit Vorteilen wie glatterer Haut, besserem Sehvermögen, weniger Entzündungen und verbesserter Gehirngesundheit.
Als Wissenschaftlerin für klinische Ernährung halte ich die Forschungsergebnisse für interessant, sehe aber zugleich, dass Marketing die wissenschaftlichen Nuancen und die tatsächliche Datenlage beim Menschen häufig vereinfacht darstellt.
Die Wirkung hängt stark von der Aufnahme ab und variiert je nach Dosierung, Darreichungsform und der Frage, ob Astaxanthin über natürliche Lebensmittel oder als Nahrungsergänzungsmittel zugeführt wird.

Lachs vs. Nahrungsergänzungsmittel

Die grundlegende Frage: Ist Wildlachs besser als ein Nahrungsergänzungsmittel für Astaxanthin?
Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht ist eine hochwertige Vollwertnahrungsquelle für den menschlichen Körper überlegen.
Wildlachs, insbesondere Rotlachs, liefert Astaxanthin in einer synergistischen Matrix, die unsere Zellen erkennen, zusammen mit Omega-3-Fettsäuren, Eiweiß, Selen und anderen Nährstoffcofaktoren, die die Aufnahme unterstützen.
Omega-3-Fettsäuren helfen dabei, Astaxanthin besser aufzunehmen, da es fettlöslich ist, Protein unterstützt den Transport im Körper und Selen wirkt zusammen mit Astaxanthin für einen stärkeren antioxidativen Schutz.
Zuchtlachs aus dem Atlantik enthält in der Regel deutlich weniger Astaxanthin, was auf Unterschiede bei Futtermitteln und algenbasierten Zusatzstoffen zurückzuführen ist.
Weitere nützliche Nahrungsquellen sind Regenbogenforelle, Rotbrasse und Schalentiere wie Garnelen, Krill, Krabben und Krebse, wobei sich das Pigment bei Schalentieren hauptsächlich in der Schale und nicht im essbaren Fleisch konzentriert.

Natürliche Astaxanthinquellen: Regenbogenforelle, Rotbrasse und Schalentiere wie Garnelen, Krill und Krabben. Das Pigment steckt bei Schalentieren vor allem in der Schale.

Foto: ahirao_photo/iStock

Nahrungsergänzungsmittel hingegen können viel höhere und gezieltere Dosen liefern, oft 4 bis 12 Milligramm pro Tag, was über dem liegt, was die meisten Menschen aus ein paar Portionen Lachs erhalten. Doch die Aufnahme variiert erheblich von Person zu Person.
Astaxanthin ist eine fettlösliche Verbindung, daher hängt die Aufnahme von der Produktform und davon ab, ob man es zusammen mit Nahrungsfett einnimmt.
Forschungsergebnisse zeigen, dass ölbasierte Kapseln, die zusammen mit einer fettreichen Mahlzeit eingenommen werden, effektiver aufgenommen werden als trockene Tabletten auf nüchternen Magen.
Die Qualität der Marke und die Zusammensetzung sind wichtiger als das Wort „natürlich“ auf dem Etikett, obwohl das meiste Astaxanthin in Nahrungsergänzungsmitteln tatsächlich aus Haematococcus pluvialis, einer für den menschlichen Verzehr zugelassenen Mikroalge, gewonnen wird.
Wildlachs, eine der reichhaltigsten natürlichen Quellen für Astaxanthin, kann in einer typischen Portion mehrere Milligramm des Pigments liefern, was einer mittleren Dosis in Nahrungsergänzungsmitteln entspricht.
Der Verzehr von Wildlachs mehrmals pro Woche ist der ideale Weg, Astaxanthin aufzunehmen, da er reich an Proteinen und gesunden Fetten ist, was aber in der täglichen Ernährung schwer umzusetzen ist.
Nahrungsergänzungsmittel eignen sich am besten als praktische Ergänzung für diejenigen, die selten Fisch essen, und nicht als Ersatz für eine gute Mahlzeit.
Für den täglichen Gebrauch kosten hochwertige Astaxanthin-Nahrungsergänzungsmittel in der Regel etwa 20 bis 50 US-Dollar pro Monat für 4 bis 12 Milligramm pro Tag.

Unterstützung für Haut und Augen

Eine der am häufigsten geäußerten Behauptungen, die ich in meiner Arbeit höre, ist, dass Astaxanthin Falten glättet und der Haut einen strahlenden Teint verleiht.
Eine kontrollierte Studie am Menschen ergab, dass die Einnahme von 4 bis 12 Milligramm Astaxanthin pro Tag über acht bis 16 Wochen Hautrötungen durch UV-Sonneneinstrahlung reduziert, die Hautfeuchtigkeit verbessert und dazu beitragen kann, die Schutzbarriere der Haut zu stärken, obwohl es bei tiefen Falten kaum einen Unterschied macht.
Astaxanthin ist kein „Botox in Tablettenform“. Im besten Fall ist Astaxanthin ein unterstützendes Nahrungsergänzungsmittel, das zusätzlich zu Sonnenschutz, einer ausgewogenen Ernährung und ausreichender Flüssigkeitszufuhr eingenommen werden sollte.
Es wird tiefe Falten nicht beseitigen, kann aber dazu beitragen, die Hautgesundheit in eine bessere Richtung zu lenken.
Astaxanthin kann die Hautverjüngung unterstützen und bei Sonnenschäden helfen, ist jedoch kein kosmetischer Eingriff und kein Ersatz für grundlegende Hautpflege und eine gesunde Lebensweise.
Ähnlich bescheiden, aber realistisch, ist das Bild für die Augengesundheit.
Eine Übersichtsarbeit zu den Anwendungen von Astaxanthin in der Augenheilkunde zeigt, dass die tägliche Einnahme von etwa 4 bis 9 Milligramm in Form eines Nahrungsergänzungsmittels die Augen vor oxidativem Stress schützen und den Sehkomfort verbessern kann.
Besonders bei Erwachsenen, die viele Stunden vor Bildschirmen verbringen, konnte Astaxanthin die Symptome von Augenermüdung spürbar verringern.
Man kann es sich wie eine Schutzhülle oder eine Art von Komfort für die Netzhaut vorstellen, die gleichzeitig hilft, die Ermüdung der Augen zu verringern.
Es kann helfen, den Stress durch das ständige Starren auf Bildschirme den ganzen Tag über abzufedern, ersetzt jedoch keine angemessenen Bildschirmpausen, das Blinzeln oder eine Augenuntersuchung, wenn man unter Sehproblemen leidet.

Entzündungen und Herzgesundheit

Laborstudien zeigen, dass Astaxanthin schädliche freie Radikale wirksam neutralisiert, insbesondere im Fettgewebe, und seine antioxidative Wirkung in Reagenzglasversuchen kann weitaus höher erscheinen als die klassischer Antioxidantien wie Vitamin C.
Doch die vermarkteten Zahlen, wonach es „tausendmal stärker als Vitamin C“ sei, stammen aus chemischen Tests im Reagenzglas und lassen sich nicht direkt auf eine tausendfach stärkere Wirkung beim Menschen übertragen.
In Studien am Menschen sind die Belege bescheiden. Astaxanthin kann helfen, oxidativen Stress zu senken – was Antioxidantien tun – und Entzündungen zu reduzieren, aber die tatsächlich nachgewiesenen Vorteile sind meist gering und hängen von der Dosis, der Ernährung und dem Lebensstil ab.
Diese Studien deuten darauf hin, dass es hilft, wichtige Entzündungsmarker zu senken, mit kleinen Verbesserungen bei HDL-Cholesterin, Triglyceriden und dem diastolischen Blutdruck. Die Veränderungen bei LDL- und Gesamtcholesterin sind gering und nicht in allen Studien konsistent.
Es ist keine entzündungshemmende Pille und kein Statin zur Senkung des Cholesterinspiegels. Es mag helfen, Hintergrundentzündungen zu dämpfen und einige herzbezogene Marker in die richtige Richtung zu lenken, aber niemand sollte es anstelle von Medikamenten einnehmen, und es beseitigt nicht die Risiken einer ungesunden Ernährung oder chronischer Belastungen.
Eine Übersichtsarbeit zu marinen Carotinoiden stellte fest, dass die Form von Astaxanthin in Algen und Schalentieren dessen Stabilität und Resorption beeinflusst.
Für Nutzer von Nahrungsergänzungsmitteln kommt es vor allem darauf an, wie das Produkt hergestellt wird und ob es zusammen mit einer fetthaltigen Mahlzeit eingenommen wird. Denn Fett verbessert die Resorption erheblich, genau wie bei der natürlichen Aufnahme von Astaxanthin über den Verzehr von Meeresfrüchten, die im Allgemeinen reich an gesunden Fetten sind.

Gehirngesundheit

Der vielleicht überzeugendste neue Forschungsbereich bei Astaxanthin ist der der Neuroprotektion.
Eine Übersichtsarbeit zur Gehirnforschung zeigt, dass Astaxanthin eines der wenigen Antioxidantien ist, das die Blut-Hirn-Schranke überwinden kann und dabei hilft, Gehirnzellen vor Schäden durch oxidativen Stress zu schützen.
Deshalb untersuchen Wissenschaftler es im Hinblick auf Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson.
Kleine Studien am Menschen mit einer Dosierung von 6 bis 12 Milligramm pro Tag über acht bis zwölf Wochen ergaben leichte Verbesserungen des Gedächtnisses und der Hand-Augen-Koordination, oft verbunden mit einem geringeren Stresslevel im Körper.
Es gibt jedoch keine groß angelegten Langzeitstudien, die belegen, dass Astaxanthin Alzheimer oder einen starken kognitiven Verfall verhindert.
Derzeit ist es eher ein unterstützender, neuroprotektiver Nährstoff, der als Teil eines umfassenderen Behandlungsplans in Betracht gezogen werden sollte.
Der Hype um die antioxidative Wirkung von Astaxanthin ist real, aber ebenso real ist die Kluft zwischen dem, was die Wissenschaft belegt, und dem, was das Marketing suggeriert.
Das eigentliche Urteil hängt von der Qualität des Lachsfilets, der Dosierung und der Marke des Nahrungsergänzungsmittels sowie davon ab, wie Ihr Körper es aufnehmen kann – abhängig von Ihrem aktuellen Gesundheitszustand.
Lassen Sie sich nicht von übertriebenen Wirksamkeitsversprechen täuschen. Es handelt sich laut derzeitigen Erkenntnissen lediglich um einen unterstützenden Nährstoff als Teil einer gesunden Ernährung und Lebensweise.

 
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Astaxanthin Benefits: What the Science Really Shows“. (deutsche Bearbeitung: vm)
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Wenn Hass das Denken übernimmt: Ein Blick ins Gehirn

Wenn man jemanden sieht, den man hasst, reagiert das Gehirn mit einem besonderen neuronalen Muster.
Hass erhöht die Aktivität in Regionen, die für Aggression und strategisches Bewerten zuständig sind, während Empathie gleichzeitig gedämpft wird.
Es wirkt, als würde sich das Gehirn auf Konfrontation vorbereiten. Je stärker der Hass, desto intensiver diese Signale.
„Auch wenn jeder Mensch solche Gefühle vielleicht kennt, widerspricht chronischer Hass unserem innersten Kern“, sagte der Therapeut Steven Stosny, Gründer von Compassion Power, gegenüber The Epoch Times. „Wenn Hass chronisch wird, verlieren wir unsere Menschlichkeit.“

Die Neurowissenschaft des Hasses

Der „Hass-Schalter“ des Gehirns priorisiert aggressives Verhalten und negative Urteile.
Hass deaktiviert laut einer Studie selektiv den rechten superioren frontalen Gyrus – den Bereich, der an der Regulierung impulsiver Reaktionen und dem Verstehen der Gefühle anderer beteiligt ist.
Diese sehr begrenzte Deaktivierung im Gehirn des Hassenden unterbricht die neuronalen „Bremsen“, die aggressive Impulse im Zaum halten, was den Hassenden irrational macht und ihn auf das Ziel fixiert.
Mitchell Landers, Postdoktorand am Institut für Psychologie der University of California, sagte gegenüber The Epoch Times, dass sowohl Liebe als auch Hass eine intensive Bewertung der anderen Person beinhalten, jedoch in entgegengesetzte Richtungen.
Sowohl Liebende als auch Hassende erleben unter intensiven Emotionen eine vorübergehende Beeinträchtigung ihres Urteilsvermögens, was Verhaltensweisen wie „Liebende, die Fehler übersehen, und Hassende, die sie erfinden“ erklärt, so Landers.

Der „Hass-Schalter“ des Gehirns verstärkt Aggression und dämpft Empathie sowie Impulskontrolle.

Foto: Vadym Plysiuk/iStock

Hass aktiviert mehrere Regionen in den äußeren und inneren Schichten des Gehirns – insbesondere das Putamen und die Insula.
Das Putamen bereitet einen auf das Handeln vor, und die Insula fungiert als Sensor. Wenn diese Regionen vom Hass vereinnahmt werden, können sie Vorgehen, wie Vergeltungsmaßnahmen zu ergreifen, fördern.
Hass verstärkt sich selbst. Je mehr man hasst, desto mehr ist das Gehirn darauf programmiert, zu hassen – es ist wie ein schwach dosiertes Gift, das still und leise das Einfühlungsvermögen untergräbt.

Wie Hass den Hasser vergiftet

Hass kann die Empathie-Schaltkreise des Gehirns ausschalten. Eine Studie ergab, dass Teilnehmer, die Hassreden über Minderheitengruppen ausgesetzt waren, weniger Einfühlungsvermögen nicht nur für das Leiden der Minderheitengruppe, sondern auch für das anderer Menschen entwickelten, was zeigt, dass sich Hass ausbreiten kann. Das führt mit der Zeit zum Verschwinden des Mitgefühls.
Die bloße Existenz der gehassten Person sei das Kernproblem des Hassenden, sagte Landers.
„Wenn man jemandem einen negativen Assoziationswert zugeschrieben hat – dass sein Wohlergehen im Widerspruch zu deinem steht –, ist es nur logisch, dass die Sorge um sein Leiden nachlässt.“
Eine Person ist dann nicht nur unfähig, sich in den Schmerz einer anderen Person hineinzuversetzen, sondern wird gefühllos oder empfindet sogar ein gutes Gefühl dabei, sagte er.
Die enge Verbindung von Hass mit Aggression und Feindseligkeit setzt den Hassenden langfristig dem Risiko psychischer und physischer Gesundheitsprobleme aus.
Menschen, die über lange Zeit feindselig sind, sind laut einer Untersuchung mit über 3.000 Teilnehmern stärker gestresst und anfälliger für Depressionen.
Körperlich lösen hassgetriebene Verhaltensweisen wie Wut und Aggression die Ausschüttung von Stresshormonen aus, die das Immunsystem beeinträchtigen und Entzündungen fördern.
Ein dauerhaft erhöhter Spiegel an Stresshormonen unterdrückt laut Studien die Aktivität der natürlichen Killerzellen, was die Fähigkeit einer Person beeinträchtigt, Infektionen oder Krebs, zu bekämpfen.
Die mit Wut und Aggression verbundene Stressreaktion beeinträchtigt auch die Fähigkeit der Blutgefäße, sich richtig zu entspannen, was aber für eine gute Durchblutung entscheidend ist. Diese Störung ist eine der Hauptursachen für Schlaganfälle und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Eine im Journal of the „American College of Cardiology“ veröffentlichte Metaanalyse zeigt einen Zusammenhang zwischen Wut, Feindseligkeit und schlechterer Herzgesundheit.
Bei gesunden Menschen erhöhen diese Emotionen das Risiko für koronare Herzkrankheiten um 19 Prozent. Bei bereits erkrankten Patientinnen und Patienten steigt die Wahrscheinlichkeit für eine schlechte Prognose um 24 Prozent.

Woher kommt Hass?

Hass hat oft seine Wurzeln in ungelöster Wut.
Eine weitere Studie von Landers und Kollegen aus dem Jahr 2025 beleuchtet, wie der Übergang von Wut zu Hass stattfindet.
Wut ist „ein Verhandlungsmechanismus“, so die Einschätzung von Landers. Man ist wütend, wenn man davon ausgeht, dass die Beziehung es wert ist, gerettet zu werden.
Wenn jemandem die Beziehung nicht so wichtig zu sein scheint, wie man es für richtig hält, versucht die Wut durch Druck, andere dazu zu bewegen, ihre Art, einen zu behandeln und zu schätzen, zu ändern.
„Deshalb wollen wütende Menschen reden, wollen Erklärungen, wollen Entschuldigungen“, sagte er.
Wenn Wut wiederholt daran scheitert, die Beziehung zu reparieren, beginnt sie, sich in Hass zu verwandeln.
Hass geht davon aus, dass die Beziehung nicht rettenswert ist, und versucht daher, genau diese Person zu neutralisieren. Aus der Sicht des Hassenden verschlechtert die bloße Existenz der gehassten Person das Leben des Hassenden.
„Kein noch so langes Reden wird die Tatsache ändern, dass es einen romantischen Rivalen gibt, dass ein Konkurrent deine Beförderung bekommen hat oder dass die Anwesenheit einer Person in deiner Gemeinschaft deine Interessen grundlegend bedroht“, sagte Landers.
Hass verschwindet erst, wenn das Zielobjekt ausreichend distanziert oder entmachtet ist, sagte er. Die Herausforderung besteht darin, dass das Erreichen dieser Ergebnisse oft mit Gewalt oder Aggression verbunden ist.
Die aggressiven, feindseligen Handlungen, zu denen der Hass einen treibt, verstärken letztendlich das Gefühl des Hasses, sagte Landers.
Diese sich selbst verstärkende Eigenschaft schafft eine Hassfalle.
Hass entspringt oft aus Hilflosigkeit, sagte Jessica Russo, eine zugelassene klinische Psychologin, gegenüber The Epoch Times.
Wenn man jemanden als Bedrohung wahrnimmt, entsteht ein unbewusstes Gefühl von Schwäche und Hilflosigkeit. Um der Bedrohung entgegenzuwirken, nutzen Menschen möglicherweise einen „Schild aus Hass“, um sich zu schützen.
„Hass ist eine sehr intensive Art von Schutzschild“, so die Ansicht von Russo, „doch indem man Hass nutzt, um sich zu schützen, macht man sich letztlich selbst noch verletzlicher.“
„Wir müssen der Sache auf den Grund gehen, was dahintersteckt, wovor sie sich zu schützen versuchen“, sagte sie.
Russo glaubt, dass Mitgefühl den Schutzschild des Hasses aufbrechen kann, indem es Hoffnung wiederherstellt und die dunklen Gedanken vertreibt. Das Gegenmittel besteht darin, genau das wieder aufzubauen, was der Hass zerstört.

Ein Heilmittel gegen Hass

Menschen besitzen einen Grundwert: ein instinktives Selbstwertgefühl, das in dem Glauben verwurzelt ist, dass jeder Mensch „ein Kind Gottes“ ist. Aus diesem Glauben heraus zu handeln, vermenschlicht das Selbst und andere, während Hass beide entmenschlicht, schrieb Stosny in seinem Buch „Manual of the Core Value Workshop“.
Um Hass zu beseitigen, muss man daher sein Gegenteil kultivieren: Mitgefühl.
„Mitgefühl und Hass sind unvereinbar; je mehr wir das eine tun, desto weniger sind wir in der Lage, das andere zu tun“, sagte Stosny.
Mitgefühl ist ein sehr weit gefasster Begriff, und jeder hat sein eigenes Verständnis davon.
Im Allgemeinen geht es jedoch darum, anzuerkennen, dass Menschen unvollkommen sind und leiden – man selbst und andere eingeschlossen –, was es einem ermöglicht, jeden zu verstehen und ihm Mitgefühl entgegenzubringen.
Viele Menschen glauben fälschlicherweise, dass Mitgefühl bedeutet, schlechtes Verhalten zu entschuldigen, sagte Stosny.
Bei Mitgefühl geht es jedoch nicht darum, Verhalten zu verzeihen, sondern darum, die Nöte zu verstehen, die andere dazu bringen, sich schlecht zu verhalten.
„Mitgefühl mildert schlechtes Verhalten, toleriert oder entschuldigt es jedoch niemals – denn Verhalten, das gegen menschliche Werte verstößt, ist selbstzerstörerisch“, sagte er.
Mitgefühl beginnt bei einem selbst – und Mitgefühl für sich selbst und andere geht Hand in Hand.
Wenn jemand es versäumt, Selbstmitgefühl zu praktizieren, indem er seine eigenen emotionalen Verletzungen nicht versteht und heilt, verwandelt sich dieses Unbehagen in Groll und Wut, so Stosny, und die Person beginnt, andere für ihren Schmerz verantwortlich zu machen.
Um unverarbeitete Wut oder Groll aufzufangen, bevor sie zu Hass erstarren, empfiehlt Stosny, auf frühe Warnzeichen zu achten:
  • Unverträglichkeit gegenüber Verletzungen oder emotionalem Unbehagen
  • Bewältigung des inneren Unbehagens, indem man anderen die Schuld gibt
  • Unfähigkeit, andere Perspektiven zu erkennen
Es ist entscheidend, den Hasskreislauf zu durchbrechen – das Gehirn aus einem Zustand der Bedrohung oder Ohnmacht herauszuholen, sagte Russo. Sie empfiehlt, sich zunächst vorzustellen, Mitgefühl für das zu empfinden, was einen bedroht oder beunruhigt.
Dann versuche man, die ungesunde Perspektive aufzubrechen, die den Hass schürt. Man fragt sich selbst: „Okay, wenn ich Hass empfinde, bedeutet das, dass ich mich bedroht fühle. Wovor habe ich solche Angst?“
Grundsätzlich entspringe Hass einer „Ich bin das Opfer“-Mentalität, sagte der Sozialpsychologe Yashpal Jogdand gegenüber The Epoch Times.
Wer glaube, ausschließlich selbst das Opfer zu sein, neige dazu, stärkeren Hass auszudrücken, sagte er. Es sei daher wichtig, zu erkennen, dass „beide Seiten gelitten haben“, um so den Kreislauf der Schuldzuweisungen zu durchbrechen und die Menschen zu Empathie zu führen.
Wenn wir den anderen als Teil von uns selbst annehmen, „beginnen wir, unsere gemeinsame Menschlichkeit in allen um uns herum zu sehen.“

 
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel: „What Your Brain Looks Like When You Hate Someone“. (deutsche Bearbeitung: vm)
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Wie Hilfsbereitschaft das Altern des Gehirns verlangsamen kann

Wahrscheinlich kennt jeder die üblichen Empfehlungen, wie man sein Gehirn fit halten kann: regelmäßig Sport treiben, sich gesund ernähren und jede Nacht 7 bis 8 Stunden schlafen. Nun gibt es einen neuen und überraschenden Tipp zur Förderung der kognitiven Gesundheit: anderen Menschen helfen.
Das war zumindest das Ergebnis einer Studie aus dem Jahr 2025, die in der Fachzeitschrift „Social Science & Medicine“ erschien. Demnach kann es die kognitiven Funktionen verbessern und den kognitiven Verfall verlangsamen, wenn man anderen Menschen hilft.

Helfen und kognitive Funktionen

Die Forscher untersuchten, wie sich zwei Arten von Hilfsaktivitäten sowie Veränderungen im Zeitaufwand auf die kognitiven Funktionen im Alter auswirken. Dabei betrachteten sie Daten zu Gedächtnis, Aufmerksamkeit und geistiger Verarbeitungsfähigkeit von mehr als 30.000 Amerikanern im Alter ab 51 Jahren. Die Daten wurden über zwei Jahrzehnte hinweg gesammelt.
Im Rahmen der wiederholten Befragungen sollten die Probanden angeben, ob sie im vorangegangenen Jahr eine der beiden Arten von ehrenamtlicher Aktivität ausgeübt hatten: 
  1. formelle Freiwilligenarbeit, beispielsweise für religiöse, bildungsbezogene, gesundheitsbezogene oder andere gemeinnützige Organisationen
  2. informelle Hilfe wie die Unterstützung von Freunden, Nachbarn oder Verwandten, die nicht im selben Haushalt leben
Für beide Arten der Tätigkeit gaben die Befragten zudem ihren jährlichen Zeitaufwand an: gar nicht, 1 bis 99 Stunden, 100 bis 199 Stunden oder mehr als 200 Stunden.
Die Ergebnisse standardisierter kognitiver Tests zeigten, dass, wenn eine Person eine gemeinnützige Tätigkeit aufnahm, in welcher Form auch immer, sich im Allgemeinen ihre kognitiven Funktionen verbesserten und sich der kognitive Verfall verlangsamte. Wenn sie diese Tätigkeit aufgab, hatte das den gegenteiligen Effekt.
Auch Veränderungen im Zeitaufwand spielten eine Rolle. Bei Personen, die eine helfende Aktivität begannen, verbesserte ein steigender Zeitaufwand die kognitiven Funktionen.
Bei Personen, die etwas weniger Zeit für ihre Aktivität aufwendeten, ohne mit ihr aufzuhören, zeigten sich keine negativen Auswirkungen. Negative kognitive Veränderungen waren jedoch in den Fällen ersichtlich, in denen die Probanden die Zeit für formelle Freiwilligenarbeit drastisch, das heißt von mehr als 200 Stunden pro Jahr auf 1 bis 99 Stunden, reduzierten.

Konstantes Engagement und bequeme Zeiteinteilung wichtig

Beharrlichkeit war laut den Untersuchungen besonders wichtig. Teilnehmer, die sich unaufhörlich ehrenamtlich engagierten, verzeichneten einen kumulativen Nutzen. Ihre kognitiven Funktionen hatten eine „um etwa 15 bis 20 Prozent niedrigere Abnahmerate, abhängig von der Art der Tätigkeit und dem Umfang des Zeitaufwands“, sagte der Alterswissenschaftler Sae Hwang Han, Hauptautor der Studie, gegenüber Epoch Times.
Dabei war mehr aber nicht immer besser. Die größten kognitiven Gewinne traten auf, wenn die Probanden einen angenehmen Zeitaufwand beibehielten. Laut der Studie war ein moderates Maß an Engagement – etwa 2 bis 4 Stunden pro Woche – durchweg mit robusten kognitiven Gewinnen verbunden.
Bemerkenswert ist, dass diese kognitiven Trends auch dann anhielten, nachdem die Forscher andere mögliche Erklärungen wie demografische, soziale und gesundheitliche Merkmale ausgeschlossen hatten. Das deutet darauf hin, dass die Vorteile tatsächlich mit der helfenden Aktivität selbst zusammenhingen.
„In meiner laufenden Arbeit finden wir Hinweise darauf, dass Helfen den beschleunigten kognitiven Verfall, der mit dem genetischen Risiko für Alzheimer verbunden ist, abmildern kann. Das weist darauf hin, dass es selbst bei Hochrisikogruppen als schützender Lebensstilfaktor wirken könnte“, sagte Han.

Wie Helfen hilft

Anderen zu helfen, sei es durch ehrenamtliche Arbeit oder informelle Hilfe, bietet ein sinnvolles gemeinnütziges Engagement. Es unterscheidet sich damit von anderen das Gehirn anregenden Aktivitäten, die man allein machen kann, wie Lesen und Rätseln.
„Es ist nicht nur kognitiv anregend, sondern beinhaltet auch menschliche Interaktion in Echtzeit, emotionalen Austausch und ein Gefühl von Sinnhaftigkeit – alles Elemente, die zusammenwirken, um die kognitive Gesundheit zu fördern“, meinte der Alterswissenschaftler.
Aus neurobiologischer Sicht können helfende Verhaltensweisen miteinander verbundene Systeme aktivieren. Dazu gehören unter anderem 
  • die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse, das Stresshormonsystem zur Stressregulation
  • das sympathische Nervensystem, das den Körper bei Stress und Gefahr auf eine Kampf- oder Fluchtreaktion vorbereitet und dabei hilft, das innere Gleichgewicht aufrechtzuerhalten
  • das Immunsystem, das vor Krankheiten und Entzündungen schützt
Werden diese Systeme aktiviert, unterstützt dies sowohl die kognitive als auch die körperliche Gesundheit.
Das stellte Han bereits in seinen früheren Forschungen fest. Ihm zufolge kann ehrenamtliches Engagement chronischen Stress ausgleichen, Entzündungen reduzieren, die Herzgesundheit fördern und den körperlichen Verfall verlangsamen.

Nachhaltiges Helfen: Wie man anfängt

Menschen, die anfangen möchten, anderen zu helfen, stehen möglicherweise vor Herausforderungen wie langen Arbeitszeiten und Arbeitswegen sowie Verpflichtungen zu Hause. Das alles macht es schwierig, noch etwas zusätzlich auf sich zu nehmen.
„Ich würde den Menschen raten, klein anzufangen und Formen der Hilfe zu wählen, die sinnvolle zwischenmenschliche Interaktion beinhalten und zudem nachhaltig sind“, sagte Han.
Es gehe weniger um die zeitliche Struktur als vielmehr um ein beständiges Engagement über einen längeren Zeitraum hinweg, erklärte er. Daher könne es für viel beschäftigte Personen eine durchaus vernünftige und wirksame Strategie sein, alle ein bis zwei Wochen einen Nachmittag am Wochenende dafür zu opfern, so der Alterswissenschaftler.
Für ältere Personen können körperliche Einschränkungen zusätzliche Herausforderungen bei der Hilfe für andere darstellen. Han zufolge muss Helfen jedoch nicht körperlich anstrengend sein.
„Aktivitäten wie Mentoring, Nachhilfe und das Sehen nach anderen Menschen können sozial sehr bedeutsam sein“, sagte er.
Ob es darum geht, junge Menschen zu betreuen, in einer örtlichen Bibliothek auszuhelfen oder an einer Reinigungsaktion im Stadtteil teilzunehmen – anderen zu helfen, bietet mehr als nur ein befriedigendes Gefühl. Es kann langfristig dazu beitragen, das Gehirn zu schützen.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „How Helping Others May Slow Brain Aging“. (redaktionelle Bearbeitung: as)