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Kanadische Goldrute und Co.: Vorsicht, Eindringlinge!


In Kürze:

  • Flieder, Forsythie und Goldrute zwar allgegenwärtig aber nur wenige Arten sind in Deutschland heimisch.
  • Sogenannte gebietsfremde oder invasive Arten stören Flora und Fauna, in dem sie Arten verdrängen. Das betrifft Pflanzen und Tiere.
  • Jeder Gärtner – egal ob Haus-, Klein- oder Balkongarten – kann die heimische Artenvielfalt unterstützen.
  • Eine Auswahl gebietsfremder Pflanzen und ihre heimischen Alternativen finden Sie im Artikel.

 
Kanadische Goldrute, Götterbaum, Drüsiges Springkraut, Japanischer Staudenknöterich sind Beispiele für Pflanzen, die vor langer Zeit aus anderen Erdteilen absichtlich oder aus Versehen nach Europa eingeschleppt worden sind. Man bezeichnet sie als Neophyten.
Inzwischen sind über 400 solcher Arten in Deutschland bekannt. Manche von ihnen haben sich gut in unser Artenspektrum eingefügt und bereichern Gärten und Parks. Doch viele andere finden hier so günstige Bedingungen, unter anderem durch höhere Temperaturen, dass sie sehr starkes Wachstum zeigen und damit andere Pflanzen verdrängen.
Viele sind sehr schwer zu entfernen, weil sie ein extrem festes Wurzelgeflecht, das sogenannte Rhizom, haben. Die meisten sind außerdem für unsere Insekten-, Vogel- und Säugetierwelt nutzlos, da sie keine Nahrung bieten und kein Tier in ihnen wohnen kann.
Die Verbreitung erfolgt über Wurzeln, Samen und durch die Menschen. Haben wir sie einmal in unseren Gärten und dezimieren sie durch Schnitt, werfen die Pflanzenteile in den Wald – was verboten ist –, wurzeln sie dort an. Auch beim Versuch, die Pflanzenreste zu kompostieren, entstehen neue Pflanzen.
Wer wissen möchte, was in seinem Garten wächst, kann heute verschiedene Apps zur Bestimmung von Pflanzen nutzen, die KI ist jedoch oft nicht korrekt. Empfehlenswert sind Flora Incognita und NaturaDB. Beide sind kostenfrei. Erstere stammt von der Technischen Universität Ilmenau, letztere vom Natura-Projekt der Maseto GmbH aus Dessau.

Die Auswirkungen auf heimische Arten

Das Bundesamt für Umwelt- und Naturschutz hat aktuell 46 Pflanzenarten, die in Europa als stark invasiv eingestuft wurden, veröffentlicht. Leider ist es den Gartenmärkten nicht verboten, sie zu verkaufen – ähnlich wie zuckerhaltige Getränke. Jeder weiß, dass sie schaden, trotzdem werden sie angeboten. Aber auch die übrigen, noch nicht als invasiv eingestuften 360 gebietsfremden Pflanzen, sind schädlich für unsere heimische Tier- und Pflanzenwelt. Zwei Beispiele zur Erklärung:
Insekten, die auf eine bestimmte Blütenform spezialisiert sind, finden statt der Blüten, an die ihre Mundwerkzeuge angepasst sind, nur Blüten, bei denen sie nicht an Nektar und Pollen herankommen und verhungern. So kann es sich auch mit manchem Raupenfutter verhalten. Findet die Raupe nicht die eine Pflanzenart, auf die sie spezialisiert ist, kann sie sich nicht zum Schmetterling entwickeln.
Diejenigen Insekten, die in der Lage sind, alle Blüten und alle Pflanzen zu nutzen (sogenannte Generalisten), sind damit klar im Vorteil und vermehren sich ungleich mehr. Spezialisten verschwinden und mit ihnen die Vielfalt. Vielfalt wiederum ist für uns Menschen wichtig, weil sie unsere Welt stabil macht gegen Störungen wie Unwetter, Seuchen, Ernteausfälle durch Kahlfraß bei Massenvermehrung einer Art und ähnlichem.

Invasive Pflanzen und ihre heimischen Alternativen

Forsythie: kein Nektar, keine Pollen; Alternative: Kornelkirsche
Flieder: kein Nektar, keine Pollen; Alternativen: Wolliger Schneeball, Schwarzer Holunder
Weiße Schneebeere (Knallerbse): invasive Ausbreitung, Alternativen: Wolliger Schneeball, Gemeiner Schneeball
Sommerflieder: invasive Ausbreitung, keine Nahrung für Raupen; Alternative: Flockenblume
Kirschlorbeer: auch für Tiere giftige Blätter, kein Raupenfutter, Alternativen: Roter Hartriegel, Hainbuche, Haselnuss, Eingriffliger Weißdorn
Japanischer Spindelstrauch: für Mensch und Tier in allen Teilen stark giftig, kein Raupenfutter, Alternative: Pfaffenhütchen
Kanadische Goldrute: kaum Nahrung für Insekten, breitet sich sehr effektiv über Samen und Wurzelausläufer aus, sodass dichte artenarme Bestände entstehen. Jede einzelne Pflanze hat ca. 19.000 Samen. Alternativen: heimische gewöhnliche Goldrute mit überaus hohem Wert für Wildbienen und Schmetterlinge, Johanniskraut, Gilbweiderich, Rainfarn

Wir haben es in der Hand

Die genannten Beispielpflanzen haben wir schon Jahrzehnte in unseren Gärten, warum sollen sie plötzlich schädlich sein? Weil die Zahl der heimischen Pflanzen in den letzten Jahren stark zurückgegangen ist und mit ihnen Tiere, Pilze und Mikroorganismen, die von und mit ihnen leben. Alle sind voneinander abhängig. Das Gleichgewicht ist jetzt stark gestört, sodass unzählige Lebewesen ohne unser Eingreifen keine Chance mehr haben, zu überleben.
Wir haben in Deutschland rund 900.000 Klein-Gärten. Dazu kommen noch Privat- und Hausgärten, Terrassen und Balkone sowie öffentliche Grünflächen und Parkanlagen. Diese ergeben zusammen eine riesige Fläche und sind ein großes Potential für die Verbesserung unserer Artenvielfalt.
Jeder Gartenbesitzer kann selbst entscheiden, wie verantwortungsvoll er mit seinem Grünland umgeht. Vielleicht gibt es in der kommenden Pflanzzeit den ersten Schritt mit einem Bäumchen, das hier zu Hause ist oder einer Staude einer Art, die es auf unseren Wiesen schon lange nicht mehr gibt. In dem Sinne, wie es Albert Schweitzer sagte: „Das Wenige, was du tun kannst, ist viel!“
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Wird die Erde den Tod der Sonne überleben?


In Kürze:

  • Die bisherige Annahme besagt, dass sich unsere Sonne in rund fünf Milliarden Jahren zu einem Roten Riesen entwickelt und die Erde verschlingen wird.
  • Forscher aus Belgien nutzten genauere Berechnungen statt vereinfachte Näherungen und entdeckten ein anderes mögliches Schicksal unseres Planeten.
  • Demnach ist ein Überleben sicher – wenn die Erde das heikle Tauziehen der Gezeitenkräfte überlebt und die Sonne schnell genug an Masse verliert.

 
Wenn die Sonne in etwa fünf Milliarden Jahren das Ende ihres Lebens erreicht, wird sie sich zu einem Riesenstern ausdehnen, der hunderte Male größer ist als heute. Seit Jahrzehnten diskutieren Astronomen darüber, was dies für die Erde bedeutet. Wird unser Planet von der sich ausdehnenden Sonne verschlungen oder wird er in eine weit entfernte Umlaufbahn entkommen?
Eine neue Studie zeigt, dass die Antwort ungewisser ist als bisher angenommen. Anhand der neuesten Modelle zur Sternentwicklung und zu Gezeitenwechselwirkungen kommen die Forscher um Mats Esseldeurs jedoch zu dem Ergebnis, dass die Erde beide Riesenphasen der Sonne überstehen könnte. Dies gelinge aber nur, wenn die Sonne in den letzten Stadien ihrer Entwicklung schnell genug an Masse verliert.

Ein heikles Tauziehen

Während sich die Sonne zu einem Roten Riesen entwickelt, bestimmen zwei konkurrierende Prozesse das Schicksal der Erde. Einerseits wird sich die Sonne enorm ausdehnen, wodurch die gravitationsbedingten Gezeitenkräfte zunehmen. Die Folge: Unser Planet wird nach innen gezogen und „verschlungen“.
Andererseits wird die Sonne einen großen Teil ihrer Masse durch den Sonnenwind verlieren. Wenn die Sonne leichter wird, verschiebt sich die Umlaufbahn der Erde allmählich nach außen, wodurch ein Jahr auf unserem Planeten länger und das Erdklima kühler wird.
„Das Schicksal der Erde hängt von einem empfindlichen Gleichgewicht zwischen diesen beiden Effekten ab“, erklärte Mats Esseldeurs von der belgischen Katholieke Universiteit Leuven. „Wenn die Gezeitenwechselwirkungen überwiegen, wird die Erde verschlungen. Wenn der Massenverlust überwiegt, entkommt die Erde in eine weiter außen liegende Umlaufbahn.“
Frühere Studien kamen oft zu dem Schluss, dass die Erde letztlich von der Sonne verschlungen werden würde. Viele dieser Annahmen stützten sich jedoch auf vereinfachte Beschreibungen der Gezeitenwechselwirkungen im Inneren von Riesensternen.

Ein Blick ins Innere der zukünftigen Sonne

Die neue Studie nutzt modernste Berechnungen der Gezeiten-Dissipation, die auf der inneren Struktur und Dynamik von entwickelten Sternen basieren. Diese Modelle wurden vom Forschungsteam in früheren Arbeiten entwickelt und beruhen auf genauen Berechnungen statt auf vereinfachten Näherungen.
Mithilfe dieser aktualisierten Modelle stellten die Forscher fest, dass die Gezeitenwechselwirkungen schwächer sind als bisher angenommen. Infolgedessen bleibt die Erde während der Riesenphasen weiter von der Sonne entfernt, was ihre Überlebenschancen signifikant erhöht.
In den Simulationen werden Merkur und Venus unweigerlich von der sich ausdehnenden Sonne verschlungen. Die Erde hingegen überstehe beide Riesenphasen und gelange schließlich in eine weiter außen liegende Umlaufbahn. Dort wird unser Planet um den Weißen Zwerg kreisen, zu dem sich die Sonne letztlich entwickeln wird.

Schematische Darstellung der Entwicklung der Sonne. Die Abbildung zeigt die Sonne, wie sie heute aussieht (1.), während sie ihre beiden Riesenphasen durchläuft (2. und 3.), bevor sie ihr Leben als Weißer Zwerg beendet (4.).

Foto: KU Leuven

Eine riesige Ungewissheit

Trotz dieses ermutigenden Ergebnisses ist die Sache noch nicht entschieden. Die Forscher fanden heraus, dass das endgültige Ergebnis davon abhängt, wie schnell die Sonne während ihrer letzten Riesenphase an Masse verliert. Diese Massenverlustraten gehören jedoch nach wie vor zu den wenig erforschten Aspekten der Sternentwicklung.
Um diese Unsicherheit zu untersuchen, wandte sich das Team „L2 Puppis“ zu, einem nahegelegenen, entwickelten Stern, der oft als Vorgeschmack auf die Zukunft der Sonne angesehen wird. Nach dieser auf Beobachtungen basierenden Schätzung wird sich die Erde gerade so weit nach außen bewegen, dass sie überleben kann.
„Die größte Unsicherheit ergibt sich nicht mehr aus den Gezeitenberechnungen, sondern davon, wie viel Masse die zukünftige Sonne verlieren wird“, sagt Mats Esseldeurs. „Beobachtungen sonnenähnlicher Riesensterne deuten derzeit auf das Überleben der Erde hin, aber wir benötigen bessere Beobachtungen, bevor wir sicher sein können.“
Die Studie verdeutlicht, wie die Beobachtung von entwickelten Sternen Hinweise auf die ferne Zukunft unseres eigenen Sonnensystems liefern können. Zukünftige Observatorien und Missionen werden viele weitere Planeten um Riesensterne entdecken, was es Astronomen ermöglicht, Modelle zum Überleben von Planeten zu überprüfen. Ob die Erde letztlich überlebt oder nicht – wir werden es wohl nie erfahren.
Die Studie erschien am 19. Juni 2026 in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“.