Französische Polizisten der Republikanischen Sicherheitskompanien patrouillieren mit Booten vor Évian auf dem Genfer See vor dem G7-Gipfel. - Foto: Fabrice Coffrini/AFP/dpa
US-Präsident Donald Trump nimmt am 17. Juni im Rahmen des G7-Gipfels in Frankreich an einem Abendessen in Schloss Versailles teil. Eingeladen hat Präsident Emmanuel Macron.
Dies teilte ein hochrangiger US-Beamter in Washington mit. Zudem werde Trump am Dienstag einer G7-Arbeitssitzung mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj beiwohnen, hieß es in Washington weiter.
Der G7-Gipfel findet von 15. bis 17. Juni im französischen Evian statt. Er wurde eigens verschoben, damit Trump am Sonntag noch seinen Geburtstag im Weißen Haus feiern kann.
Das Treffen in dem kleinen Ort am Südufer des Genfer Sees wird von höchsten Sicherheitsvorkehrungen begleitet. Auf französischer Seite sind etwa 16.000 Sicherheitskräfte und Feuerwehrleute im Einsatz. Die Schweiz, die den Flughafen in Genf für die Ankunft der Staatsgäste zur Verfügung stellt, beteiligt sich mit etwa 4000 Soldaten an der Absicherung.
In Genf ist am Sonntag eine große Demonstration von Gipfelgegnern geplant. Dies weckt in der Stadt unangenehme Erinnerungen an den G8-Gipfel von 2003, damals noch mit Russland, als es zu größeren Ausschreitungen kam.
Es geht um Konjunktur, KI, Ukraine und den Iran
Beim Gipfeltreffen soll es um Themen gehen, welche die Welt bewegen: die globale Konjunktur, die Kriege in der Ukraine und im Iran und Künstliche Intelligenz (KI).
Der französische Präsident will am Montagabend zunächst die Staats- und Regierungschefs der sechs übrigen G7-Staaten empfangen, neben Trump und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auch die Regierungschefs von Italien, Großbritannien, Kanada und Japan.
Zu einigen Programmteilen sind auch die Staats- und Regierungschefs aus Brasilien, Südkorea, Ägypten, Indien und Kenia eingeladen – um der Kritik den Wind aus den Segeln zu nehmen, die G7-Gruppe sei eine elitäre Gruppe, die über die Köpfe anderer hinweg entscheide.
China ist nicht Teil der G7 – spielt aber dennoch indirekt eine Rolle bei dem Treffen, da es um den Abbau von wirtschaftlichen Ungleichheiten gehen soll. Damit ist unter anderem die Versorgungssicherheit bei wichtigen Materialien wie seltenen Erden gemeint.
Auf der Tagesordnung steht auch der Umgang mit KI und der Schutz von Kindern im Internet. Zu diesen Themen sollen sich in Evian mehrere führende Vertreter der Branche äußern, unter ihnen OpenAI-Chef Sam Altman. (afp/red)
Trump hat schon mehrere Geschenke von Merz bekommen. - Foto: Evan Vucci/AP/dpa
Bundeskanzler Friedrich Merz hat US-Präsident Donald Trump einen handschriftlichen Brief mit Glückwünschen zum 80. Geburtstag geschrieben.
Er werde im Weißen Haus von einem Boten überreicht, heißt es aus Regierungskreisen in Berlin. Am kommenden Montag überreicht Merz dem US-Präsidenten außerdem beim G7-Gipfel im französischen Évian am Genfer See persönlich ein Geschenk. Was es ist, wurde noch nicht verraten.
Geburtstagsfeier mit Käfigkampf
Trump feiert seinen 80. Geburtstag am Sonntag vor dem Weißen Haus in Washington mit vielen Gästen und einem Käfigkampf.
Direkt im Anschluss reist er zum G7-Gipfel nach Frankreich, wo er am Abend mit Merz und den anderen Staats- und Regierungschefs der Gruppe wirtschaftsstarker westlicher Demokratien zusammentreffen wird.
Golfschläger als Gastgeschenk beim Antrittsbesuch
Von Merz ist Trump bereits bei dessen ersten USA-Besuchen reich beschenkt worden. Bei seinem Antrittsbesuch vor fast genau einem Jahr brachte Merz eine Kopie der Geburtsurkunde von Trumps Großvaters aus Kallstadt in der Pfalz und einen Golfschläger als Gastgeschenk mit.
Im März schenkte der Kanzler Trump bei seinem dritten Washington-Besuch seit Amtsantritt die Nachbildung eines Freundschafts- und Handelsvertrags zwischen den USA und Preußen aus dem Jahr 1785.
Verhältnis zwischen Merz und Trump abgekühlt
Merz und Trump hatten im vergangenen Jahr einen sehr guten Start miteinander. Zuletzt ist das Verhältnis der beiden nach deutlicher Kritik des Kanzlers am Iran-Krieg aber erheblich abgekühlt. Als Reaktion kündigte der US-Präsident den Abzug von Truppen aus Deutschland an.
Ein bilaterales Treffen der beiden am Rande des G7-Gipfels gilt zwar als wahrscheinlich, ist aber noch nicht sicher. (dpa/red)
Merz und Macron starten beim Westbalkan-Gipfel eine gemeinsame Initiative. - Foto: Kay Nietfeld/dpa
Bundeskanzler Friedrich Merz und der französische Präsident Emmanuel Macron haben sich beim EU-Westbalkan-Gipfel in Montenegro für eine schnellere EU-Erweiterung stark gemacht.
„Die Europäische Union muss zeigen, dass sie erweiterungsfähig und erweiterungswillig ist“, sagte Merz zum Auftakt des Treffens von 23 Staats- und Regierungschefs der EU mit sechs aus den Balkan-Staaten, die einen EU-Beitritt anstreben.
Macron betonte die Bedeutung der Region für die EU. Sie sei aus geopolitischer Sicht sehr wichtig, denn auf dem Westbalkan entscheide sich auch die Unabhängigkeit Europas, sagte er mit Blick auf Energie- und Sicherheitsfragen sowie Migrationsrouten.
Schrittweise Heranführung an die EU
Merz und Macron sind mit einem gemeinsamen Konzept nach Tivat an der Adria-Küste gereist, um die Beitrittskandidaten schneller an die EU-heranzuführen.
Die Erfüllung gewisser Aufnahmekriterien soll etwa mit einem schrittweisen Zugang zum EU-Binnenmarkt oder der Entsendung von Beobachtern in EU-Institutionen belohnt werden. So sollen Anreize für schnellere Reformen geschaffen werden.
Verhandlungsprozess soll vereinfacht werden
Außerdem soll der Verhandlungsprozess vereinfacht werden. Derzeit sind mehr als 100 Verfahrensschritte notwendig, die Öffnung jedes der mehr als 30 Beitrittskapitel muss einstimmig beschlossen werden.
Nach dem deutsch-französischen Vorschlag sollen alle relevanten Kapitel geöffnet werden, wenn die EU-Kommission den Zeitpunkt gekommen sieht.
Merz sieht Versäumnisse auf Seiten der EU
Merz verwies darauf, dass seit 13 Jahren keine neuen Mitglieder mehr in die EU aufgenommen wurden.
„Das zeigt, dass die Versäumnisse auch auf der Seite der Europäischen Union liegen. Und die wollen wir heute überwinden.“ Er hoffe, dass man beim Gipfel zu gemeinsamen Schlussfolgerungen kommen werde, die dann in Brüssel umgesetzt werden sollten.
Neben Montenegro gehören Albanien, Bosnien und Herzegowina, das Kosovo, Nordmazedonien und Serbien zum Westbalkan. Alle sechs bewerben sich seit vielen Jahren um eine Mitgliedschaft in der EU. Montenegro ist bei den Bemühungen um einen Beitritt am weitesten fortgeschritten. (dpa/afp/red)
Friedrich Merz am 02.06.2026 - Foto: via dts Nachrichtenagentur
Bei einem gemeinsamen Gipfel der EU und der Westbalkanländer am Freitag, 5. Juni, in Montenegro soll über eine engere Zusammenarbeit unter anderem in der Wirtschafts- und Sicherheitspolitik sowie in Migrationsfragen gesprochen werden.
Ferner soll es bei dem Treffen in der kleinen Küstenstadt Tivat um die Perspektiven der sechs Westbalkanstaaten für einen Beitritt zur Europäischen Union gehen.
An dem Gipfel wird auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) teilnehmen. Die Bundesregierung kündigte an, der Kanzler werde sich dafür einsetzen, die Beitrittsverhandlungen mit den Westbalkanstaaten „zu beschleunigen und die Länder auf diesem Weg bereits enger in die EU einzubinden“.
Bei den sechs Westbalkanländern handelt es sich neben Montenegro um Albanien, Bosnien und Herzegowina, das Kosovo, Nordmazedonien und Serbien. Der vorherige EU-Westbalkan-Gipfel hatte im vergangenen Dezember in Brüssel stattgefunden. (afp/red)
Die Quad-Gruppe gilt als Gegengewicht zu China. Besonders USA und Japan beobachten die Aufrüstung der chinesischen Marine mit Sorge. (Archivbild). - Foto: Julia Demaree Nikhinson / POOL / AFP via Getty Images
Angesichts des Expansionsdrangs Chinas haben sich die USA, Indien, Japan und Australien „zutiefst besorgt“ über die Lage im Süd- und Ostchinesischen Meer geäußert.
Quad kritisiert Chinas Vorgehen ohne direkte Nennung
US-Außenminister Marco Rubio und seine Kollegen aus Indien, Japan und Australien nannten beim Treffen der sogenannten Quad-Gruppe in Neu-Delhi China nicht ausdrücklich, spielten aber offensichtlich auf Peking an.
So kritisierten die Chefdiplomaten in ihrer Erklärung unter anderem „gefährliche Manöver von Militärflugzeugen“ sowie „Ramm- und Blockadeaktionen im Südchinesischen Meer“.
Zudem äußerten sie sich besorgt über die Militarisierung umstrittener Gebiete in den Gewässern, auf die China weitreichende Ansprüche erhebt.
„Wir bekräftigen unsere entschiedene Ablehnung jeglicher destabilisierender oder einseitiger Maßnahmen, einschließlich der Anwendung von Gewalt oder Zwang, die den Frieden und die Stabilität in der Region gefährden“, hieß es in der Erklärung weiter.
Quad als Gegengewicht zu China
Die Quad-Gruppe wird als Gegengewicht zu China angesehen. Unter anderen blicken die USA und Japan mit Sorge auf die Aufrüstung der chinesischen Marine.
Die chinesische Regierung hatte zuvor zum Treffen der Vierer-Gruppe erklärt, internationale Zusammenarbeit dürfe sich „nicht gegen eine dritte Partei“ richten. China unterstütze keine „exklusiven Cliquen oder Block-Konfrontationen“.
Freier Handel und neue Kooperationen
Die Quad-Außenminister verurteilten in ihrer Erklärung zudem die Pläne des Iran, in der Straße von Hormus Gebühren zu erheben.
Diese sind Teil der iranischen Reaktion auf die US-israelischen Angriffe auf den Iran. Die Minister betonten die Notwendigkeit eines „unbeeinträchtigten globalen Handelsverkehrs durch die Straße von Hormus und das Rote Meer“.
Bereits zuvor hatten die Quad-Staaten bei dem Treffen eine engere Zusammenarbeit bei der Überwachung der Seeschifffahrt angekündigt. Rubio sagte, die vier Länder wollten der zivilen Schifffahrt bessere Echtzeitinformationen bereitstellen.
Außerdem wollen sie enger bei der Stärkung von Lieferketten für Rohstoffe zusammenarbeiten, die unter anderem für die Technologiebranche wichtig sind. Insbesondere bei Seltenen Erden verfügt China über eine bedeutende Marktmacht. (afp/red)
Neun Planeten, neun Monate Schwangerschaft und neun Katzenleben. Zahlen sind mehr als neutrale Werte und bloße Mengenangaben, auch wenn wir sie meistens als solche betrachten. Manche Zahlen widersetzen sich dieser bescheidenen Anschauung geradezu.
Foto: iStock/DavidSzabo
Über Kulturen hinweg gewinnen Zahlen an Bedeutung, bilden Muster und wecken Assoziationen. Unter ihnen nimmt die Zahl Neun einen besonderen Stellenwert ein. Wenn die Sieben Vollendung andeutet und die Acht einen Schritt darüber hinaus, dann steht die Neun am Rand: der letzte Punkt vor der Erneuerung, der Gipfel vor der Wende. Kein Wunder, denn die Neun ist das Quadrat der Drei, und die Drei selbst ist die bedeutendste und magischste aller Zahlen: Die Neun ist also sozusagen die Göttlichkeit im Quadrat!
Sie ist die Zahl der Vollendung – aber nicht der Ruhe. In der Zahl Neun liegt eine Art Unruhe, wie man sogar aus ihrem mathematischen Verhalten erahnen kann. Wie weit sich die mit Neun teilbaren Zahlen auch erstrecken mögen – addiert man ihre Ziffern, führen sie stets wieder zur Neun zurück: 18 (1+8=9), 27 (2+7=9), 36 (3+6=9) und so weiter. Die Neun wirft die Dinge auf sich selbst zurück, als markiere sie eine Grenze, jenseits derer Veränderung stattfinden muss.
Ein weiteres mathematisches Beispiel hierfür: Man nehme drei beliebige Zahlen mit unterschiedlichen Ziffern (zum Beispiel 541) und kehre sie um (145). Zieht man die kleinere Zahl von der größeren ab, ergibt sich als mittlere Zahl immer eine Neun: 396. Die Neun ist die letzte einstellige Zahl – eine Grenzzahl, und dieses Gefühl der Begrenzung findet sich auch im menschlichen Denken immer wieder.
Das vielleicht verblüffendste Beispiel für die mathematischen Eigenschaften der Zahl Neun sind die neun Felder auf jeder Seite eines Sudoku-Gitters. Im Jahr 2005 berechnete Bertram Felgenhauer vom Institut für Informatik der TU Dresden, dass es 6.670.903.752.021.072.936.960 verschiedene Kombinationen auf einem Sudoku-Gitter gibt. Wow, eine ziemlich beeindruckende Zahl! Aber wenn wir diese auf eine einstellige Zahl reduzieren, finden wir im Kern wieder die Neun, denn:
6+6+7+0+9+0+3+7+5+2+0+2+1+0+7+2+9+3+6+9+6+0=90 und 9+0 = 9
Foto: Yuliia Tyaka/iStock
Die Neun in der Sprache
Instinktiv verwenden wir die Neun, um eine fast vollendete Vollständigkeit anzudeuten: „Neun von zehn“ bedeutet fast immer – aber eben nicht in jedem Fall.
In der Umgangssprache trägt die Neun eine gewisse Spannung in sich. Wir sprechen davon, „zu neun Zehnteln am Ziel zu sein“ – noch nicht fertig, aber nah genug, dass sich der letzte Schritt qualitativ anders anfühlt. Er steht für einen Übergang.
Manchmal taucht die Neun in kurioseren Formen auf, als wolle sie auf etwas leicht Ausgefallenes hinweisen. Im englischen Slang deutet der Ausdruck „bent as a nine-bob note“ auf eine Verzerrung, auf etwas, das nicht ganz der Form entspricht. Im alten England war ein „Bob“ ein Schilling, und es gab nur Zehn-Schilling-Scheine. Die Zahl Neun steht in diesem Zusammenhang für eine Abweichung – eine Ermahnung daran, dass die bevorstehende Vollendung durchaus auch Mängel offenbaren kann.
Mark Twain: „Der wesentliche Unterschied zwischen einer Katze und einer Lüge besteht darin, dass eine Katze nur neun Leben hat.“
Foto: Artfoliophoto/iStock
Einem alten Sprichwort zufolge haben Katzen neun Leben. Wörtlich genommen ist diese Aussage natürlich reine Fantasie. Symbolisch betrachtet deutet sie jedoch auf eine gewisse Unverwüstlichkeit – die Fähigkeit, immer wieder neue Schicksalsschläge zu verkraften, wenn auch nicht auf unbestimmte Zeit. In diesem Sinne markiert die Zahl Neun ebenfalls eine Grenze.
Über Kulturen hinweg
In der altägyptischen Mythologie gibt es neun Gottheiten – eine vollständige göttliche Ordnung.
In China wird die Zahl Neun mit Langlebigkeit und Ausdauer assoziiert. Sie ist die Zahl des Kaisers – ein Kaiser trug Roben mit neun Drachen, und die Verbotene Stadt soll bekanntermaßen 9.999½ Räume haben – und bei traditionellen Geburtstagsessen werden neun Gerichte serviert, um ein langes Leben zu symbolisieren.
In der nordischen Mythologie gibt es neun Welten, die innerhalb der Struktur des Kosmos existieren.
In der westlichen klassischen Tradition gibt es die neun Musen – Gestalten, welche die gesamte Bandbreite menschlichen Ausdrucks verkörpern, wie Poesie, Geschichte, Musik, Tragödie, Komödie und so weiter – jede davon in ihrer höchsten Erscheinungsform. Die Zahl Neun steht hier für die Vollkommenheit des Ausdrucks.
Doch in keinem dieser Fälle bedeutet die Neun ein Ende. Musen inspirieren, aber sie bringen nichts zum Abschluss. Neun Welten existieren, doch sie enden nicht in Stille. Neun Götter herrschen, doch sie setzen der Geschichte kein Ende. Die Neun vervollständigt ein System – doch sie schließt es nicht ab, denn auch wenn etwas vollständig ist, ist es damit noch nicht abgeschlossen.
Am deutlichsten zeigt sich dies in Dantes Epos und von der Muse inspiriertem Meisterwerk „Die Göttliche Komödie“. Dante wird durch die neun Kreise der Hölle und des Himmels geführt, doch am Ende des Gedichts spielt der Dichter auf etwas an, das mit dem, was er bereits erlebt hat, nicht zu vergleichen ist. Er sagt:
„Wie kurz und schwach mein Wort ist gegen meine Vorstellung, die, verglichen dem Gesehnen, so ist, dass es nicht genügt, zu sagen wenig!“ (aus: Dante Alighieri´s Göttliche Comödie, Leipzig und Berlin Druck und Verlag von B.G. Teubner 1904, 33. Gesang, S. 405-407)
Mit anderen Worten: Auch wenn er die ultimative – letzte – Vision erreicht, so geht noch etwas darüber hinaus.
Und zu guter Letzt gibt es noch das uralte Enneagramm – das möglicherweise bedeutendste der spirituellen Persönlichkeitsmodelle, mit dem man einen Menschen einem bestimmten Typus zuordnen kann, wie Perfektionist, Helfer, Skeptiker, Friedensstifter und so weiter.
Dabei fixiert das Modell die Menschen jedoch nicht, sondern zeigt Wege zur Selbsterkenntnis auf, wie man innerhalb des vorhandenen Rahmens eine größere Ganzheitlichkeit erreichen kann.
In der Realität verankert
Vielleicht taucht die Zahl Neun gerade deshalb so oft in den Rhythmen des Lebens selbst auf. Im Volksmund spricht man von neun Schwangerschaftsmonaten, obwohl es medizinisch zehn sind, genauer gesagt 40 Wochen. Es ist eine Phase der Entwicklung. Der Zyklus endet, damit etwas Neues beginnen kann.
Auch im spirituellen Gedankengut findet sich die Neun wieder. Im Neuen Testament finden wir die neun göttlichen Tugenden, die die Frucht des Geistes bilden: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung (Galaterbrief 5: 22–23) und die neun Seligpreisungen (Matthäus 5,3–12; manchmal als acht aufgeführt). Diese Aufzählungen verweisen auf eine Fülle von Charaktereigenschaften, die den Menschen formen. Sie beschreiben jedoch keinen Endzustand, sondern eine Bereitschaft, woraus sich etwas Neues entfalten kann.
Was bedeutet die Zahl Neun also letztendlich? Weder Vollendung im Sinne eines Abschlusses noch einen geschlossenen Kreis. Sie steht für den Moment, in dem etwas ganz zu dem geworden ist, was es ist – und sich daher wandeln muss. In dieser Erkenntnis liegt eine stillschweigende Dringlichkeit: Vollendung bedeutet nicht, zur Ruhe zu kommen, sondern sich einer Schwelle zu nähern. Reife währt nicht ewig; sie führt weiter. Eine Frucht kann nicht auf dem Höhepunkt ihrer Reife verweilen, sie muss verzehrt werden – oder fallen, oder etwas Neues hervorbringen.
So ist es auch mit dem menschlichen Streben. Ein vollendetes Werk, ein erreichtes Ziel, eine abgeschlossene Lebensphase – all dies sind keine Endpunkte, so sehr wir uns das auch wünschen mögen. Es sind Momente der Bestandsaufnahme, nach denen man sich unweigerlich die Frage stellt: „Wie geht es weiter?“ In Augenblicken wie diesen befinden wir uns im Bereich der Neun.
Das Erreichen des Gipfels bedeutet, an eine Grenze gekommen zu sein, jenseits derer eine Transformation stattfinden wird. Die Neun bereitet uns darauf vor, von Neuem zu beginnen.
Das Leben lädt uns stets zu etwas Neuem ein – und wenn wir dies erkennen, erhaschen wir vielleicht einen Blick auf etwas noch Größeres.