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Wie das Smartphone die Bindung zwischen Eltern und Kindern beeinflusst


In Kürze:

  • Ein Handy fesselt die Aufmerksamkeit seiner Benutzer und kann langfristig die Eltern-Kind-Bindung stören.
  • Verbringen die Eltern viel Zeit am Smartphone und fühlen sich Kinder häufig ignoriert, kann dies zu unsicheren Bindungsmustern führen, welche die mentale Gesundheit langfristig belasten.
  • Oft merken Eltern nicht, dass sie die Kommunikationsversuche ihrer Kinder nicht wahrnehmen. Einige Tipps können dem abhelfen.

 
Wenn Eltern viel Zeit am Bildschirm verbringen, hat das negative Folgen für die Psyche ihrer Kinder – auch im Teenageralter.
Laut einer aktuellen Studie, die in der Fachzeitschrift „Frontiers in Psychology“ erschien, steht die Gerätenutzung der Eltern im Zusammenhang mit dem Bindungsstil ihrer Heranwachsenden.
Jugendliche, die von einer stärkeren Beeinträchtigung durch die Gerätenutzung einer Bezugsperson berichteten, wiesen mit höherer Wahrscheinlichkeit ängstliche und vermeidende Bindungsstile auf. 
Personen mit ängstlichem Bindungsstil haben beispielsweise oft Angst vor Ablehnung und suchen häufig Bestätigung bei anderen. Personen mit vermeidendem Bindungsstil empfinden hingegen emotionale Nähe oft als unangenehm und halten andere auf Distanz.

Die Kosten der Ablenkung durch das Handy

Kinder lernen bereits in ihren frühesten Interaktionen mit den Eltern, wie Beziehungen aussehen sollen. Der Bindungstheorie zufolge entwickeln Kinder ein Gefühl der Sicherheit, wenn Eltern stets verfügbar sind und auf ihre Bedürfnisse eingehen. Sind Eltern häufig durch ihre Geräte abgelenkt, nimmt ihr Nachwuchs sie möglicherweise als emotional weniger verfügbar wahr. 
Im Laufe der Zeit können wiederholte Erfahrungen, sich ignoriert, ungehört oder unwichtig zu fühlen, die Sichtweise von Kindern auf Beziehungen prägen und zu unsicheren Bindungsmustern beitragen.
Eltern sei es möglicherweise nicht bewusst, wie ihre Kinder ihre Handynutzung erleben, sagte Don Grant, Medienpsychologe, Suchtberater und Erstautor der Studie. Wie er in einem Gespräch mit Epoch Times berichtete, kommt es häufig vor, dass Eltern glauben, aufmerksam zu sein, dann aber erfahren, dass sich ihre Kinder übersehen fühlen.
„Bindung wird vollständig vom Kind entwickelt“, so Grant. „Es geht darum, wie ein Kind das Verhalten der Eltern wahrnimmt und sieht, sowie wie aufmerksam und beständig diese auf die Aufmerksamkeitssignale und Bedürfnisse des Kindes reagieren.“

Eine „neue Form der sozialen Vernachlässigung“

Auch wenn Jugendliche in der Pubertät zunehmend unabhängig und autonom werden, sind sie nach wie vor auf ihre Eltern angewiesen, um Orientierung, Bestätigung und Unterstützung zu erhalten. Das bedeutet, dass die Eltern-Kind-Bindung auch in dieser Phase für eine gesunde Entwicklung entscheidend bleibt. 
Viele Faktoren können die Bindungssicherheit beeinträchtigen, darunter elterliche Vernachlässigung, Drogenmissbrauch, psychische Probleme, chronische Konflikte, Arbeitssucht, körperliche Misshandlung und in jüngerer Zeit auch technologiebedingte Ablenkungen.
Forscher verwenden die Begriffe „Technoferenz“ (aus dem Englischen: „technological interference“, technologische Störung) und „Phubbing“ (aus dem Englischen: „phone snubbing“, jemanden wegen des Handys ignorieren), um Situationen zu beschreiben, in denen die Handynutzung Gespräche und andere Formen der Verbindung unterbricht. Einige Wissenschaftler gehen sogar so weit, elterliches Phubbing als eine „neue Form sozialer Vernachlässigung“ zu bezeichnen.
Beispielsweise brachte eine Studie aus dem Jahr 2020 elterliches Phubbing mit einer ungesunden Bildschirmzeit des Kindes in Verbindung. Eine andere Untersuchung zeigte einen Zusammenhang zwischen Phubbing und einer geringen Lebenszufriedenheit bei Jugendlichen.
Laut einer weiteren Studie zum Eltern-Kind-Spiel führen Ablenkungen – sei es durch einen Bildschirm oder durch Papier – dazu, dass Eltern weniger auf die Signale und Kommunikationsversuche ihrer Kinder eingehen. Die Kinder wiederum zeigen weniger soziales Engagement, weniger Aufmerksamkeit, weniger positive Emotionen und weniger Kommunikationsversuche.

Die langfristigen Auswirkungen unsicherer Bindung

Eine unsichere Bindung kann weit mehr beeinflussen als nur die Beziehung eines Kindes zu seinen Eltern. In einer Untersuchung mit fast 1.700 Kindern hatten Kinder, die ihre Eltern im Alter von 11 Jahren als emotional vernachlässigend empfanden, im Alter von 15 Jahren mit höherer Wahrscheinlichkeit psychiatrische Störungen.
Diese Wahrnehmung des elterlichen Verhaltens stand zudem mit einem erhöhten Auftreten von Angstzuständen, Depressionen und anderen emotionalen Schwierigkeiten in Verbindung. Eine mögliche Erklärung ist, dass eine unsichere Bindung negative Erwartungen an Beziehungen prägen kann. Dadurch haben Personen eher Schwierigkeiten bei der Emotionsregulation und fühlen sich bedroht. Auch haben sie eher Probleme damit, jemanden um Hilfe zu bitten.
Bindung ist allerdings nicht in Stein gemeißelt, sondern relativ fließend. Positive und negative Erfahrungen können sie während der gesamten Jugend und im Erwachsenenalter weiterhin prägen.
„Umstände, Situationen und Lebensereignisse können eine sichere Bindung in eine unsichere verwandeln, selbst im Teenageralter“, sagte Grant. „Es kann aber auch umgekehrt sein.“

Tipps, um die Eltern-Kind-Bindung zu stärken

Bindung kann sowohl gestärkt als auch geschwächt werden. Konsequente Reaktionsbereitschaft, Aufmerksamkeit und emotionale Verfügbarkeit können dabei helfen, sichere Beziehungen im Laufe der Zeit wieder aufzubauen und aufrechtzuerhalten.
Eltern können damit beginnen, Muster in ihrem eigenen Verhalten zu erkennen. Die folgenden Fragen können dabei helfen:
  • Überprüfe ich bei Gesprächen häufig meine Benachrichtigungen?
  • Greife ich in Momenten der Langeweile oder Stille zum Handy?
  • Höre ich nur halb zu, wenn mein Kind etwas erzählen möchte?
Wenn Eltern handyfreie Zeiten schaffen – beispielsweise während der Mahlzeiten, Autofahrten oder Gespräche vor dem Schlafengehen –, kann es ihnen helfen, präsenter zu sein und die alltägliche Bindung zu stärken.
Grant schlägt einige gesunde Gewohnheiten im Umgang mit Geräten vor: 
  • Grenzen für die Gerätenutzung setzen, insbesondere für Eltern, die von zu Hause aus arbeiten.
  • Handyfreie Zeiten schaffen – während der Mahlzeiten, bei Familienaktivitäten und auf Autofahrten.
  • Bei Aktivitäten mit dem eigenen Kind unnötige Unterbrechungen durch das Handy beschränken.
Geräte komplett zu meiden, sei unrealistisch, fügte der Suchtberater hinzu. Viele Eltern arbeiten von zu Hause aus, sind für die berufliche Kommunikation auf Smartphones angewiesen oder müssen den ganzen Tag über mehrere Aufgaben unter einen Hut bringen.

Ehrliche Kommunikation entscheidend

Kinder erwarten ihm zufolge nicht unbedingt ständige Aufmerksamkeit. Sie wollen einfach nur wissen, dass ihre Eltern sie sehen und hören.
„Wenn sie um Aufmerksamkeit bitten oder ein Bedürfnis äußern, nehmen Sie das einfach zur Kenntnis. Lassen Sie sie wissen, dass Sie sie sehen, hören und wertschätzen“, meinte Grant.
Sollte es nicht möglich sein, sofort aufzuhören, sollten Eltern ihre Kinder wissen lassen, dass sie auf sie eingehen werden, sobald sie dazu in der Lage sind. Und sie sollten ihr Wort halten, so der Medienpsychologe.
Vor allem aber ermutigt Grant Eltern, offen mit ihren Kindern darüber zu sprechen, wie sich die eigene Gerätenutzung auf sie auswirkt. Er schlägt vor, Kinder direkt zu fragen, ob sie sich durch die Bildschirmzeit der Eltern jemals ignoriert, übergangen oder unwichtig gefühlt hätten.
Eltern können dann gemeinsam mit ihren Kindern gesündere Gewohnheiten im Umgang mit Geräten entwickeln und ihnen die Erlaubnis geben, sich zu Wort zu melden, wenn ein Handy zur Ablenkung wird.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „More Parents Are Distracted by Phones. Here’s How Kids Are Affected“ (redaktionelle Bearbeitung: as)
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„Komm, wie Du bist“

Dies ist eine Mutschrift, keine Klageschrift, ich schreibe es gleich vorweg. Es ist ein Plädoyer für ein wenig mehr Form. Und ja, man benötigt viel Mut in diesen Tagen. Lassen Sie es uns mit dem Mut zur Höflichkeit in diesen Zeiten des großen Egals zuallererst versuchen. Ich komme mir seit einigen Jahren vor, als lebte ich in Egalistan, dort, wo alles, aber auch alles, egal ist.
„Komm, wie du bist.“ So steht es neuerdings auf Einladungen. Freundlich, einladend, scheinbar großherzig. Kein Dresscode, keine Erwartung, keine Schwelle. Es klingt nach Freiheit, nach Annahme ohne Bedingung, nach einer Welt, die endlich aufgehört hat, etwas zu verlangen. Ich zweifle. Denn „wie du bist“ heißt ebenfalls: Ich erwarte nichts mehr von dir. Ich strenge mich für dich nicht an, also strenge auch du dich nicht an. Es ist doch egal.
Heute, so scheint mir, gilt die Form als Korsett, als Maske, als das Gegenteil des Echten. „Sei einfach du selbst“ lautet das Glaubensbekenntnis einer Zeit, die Authentizität für die höchste aller Tugenden hält. Doch wer immer nur ist, wie er ist, mutet dem anderen genau das zu: sich selbst, ungefiltert und unverhandelt. Ich will das nicht.
Mich verstören unverhüllte Body-Positivity-Bierbäuche, die sich in mein Sichtfeld schieben. Nackte Männerfüße in sich auflösenden Flip-Flops. Ich will nicht von meiner Kellnerin geduzt werden und vom ikeanischen In-Room-Egalisierer aus Schweden schon gar nicht. Das macht er schon seit den 70ern. Ich gestehe, als Student lief ich auch in diese Billy-Regal-Falle.

Knigge schrieb über Rücksicht, über Menschenkenntnis

Form gibt Halt, hat aber gar nichts mit Steifheit zu tun.
Den Mann, dessen Name zum Synonym für steife Etikette wurde, hat man dabei gründlich missverstanden. Adolph Freiherr Knigge schrieb 1788 kein Buch über die richtige Gabel. Er schrieb „Über den Umgang mit Menschen“ – ein Werk über Rücksicht, über Menschenkenntnis und über die Kunst, dem anderen mit Klugheit und Achtung zu begegnen. Die Tischsitten kamen erst später dazu – von Verlegern hinzu erfunden, da sich ein Benimmbuch besser verkaufte als eine Lebenslehre.
Seit dem Aufkommen der E-Mail stört es mich, wenn diese mit dem MfG-Akronym für „Mit freundlichen Grüßen“ geschlossen wird. Was sind freundliche Grüße wert, wenn nicht mal der Respekt des Ausschreibens vor dem Angeschriebenen Bestand hat? Die respektvolle Anrede ist ein Akt der Höflichkeit.
Oft läuft es doch so: „Hallo, können Sie mir mal das Angebot schicken?“
„Sehr geehrter Herr Dr. Klaus-Dieter Egalwurst, ich nehme Ihre Anfrage zur Kenntnis und lege sie dort ab, wo sie hingehört. Mit freundlichen Grüßen.“
So gehört sich das.

Angewandte Menschenfreundlichkeit

Bei Knigge war die Form nie Fassade. Sie war angewandte Menschenfreundlichkeit. Denn das ist die Form, recht verstanden: die Anwesenheit des anderen in meinem Kalkül. Wer grüßt, bevor er fordert; wer den Brief beginnt, ehe er sein Anliegen abfeuert; wer aufsteht, wenn ein Älterer den Raum betritt, wenn eine Frau an den Tisch kommt – der sagt mit kleiner Geste etwas Großes. Du bist da. Ich habe dich bemerkt. Du bist die Mühe wert.
Schopenhauer, gewiss kein Freund der Schwärmerei, hat es nüchtern auf den Punkt gebracht: „Höflichkeit ist Klugheit, folglich ist Unhöflichkeit Dummheit.“
Man übersieht es zu leicht. Die Form ist zutiefst demokratisch. Sie verneigt sich vor dem Pförtner wie vor dem Minister, denn sie misst die Würde nicht am Rang. Die gehaltene Anrede, der reservierte Ton, das verlässliche „Sie“ – all das war nie ein Instrument der Distanz, sondern eines der Gleichbehandlung. Form zieht eine Linie, die jeder kennt, und gerade weil jeder sie kennt, schützt sie den Schwächeren. Wo keine Form mehr gilt, regiert nicht die Freiheit. Es regieren der Lautere, der Schnellere und der Rücksichtslosere.
Tipp: Vergleichen Sie diese Beobachtung mal mit dem aktuell artgerechten Verhalten der Berliner Volksvertreter und der Arealerweiterung in die Landesregierungen.

Nähe wird zum Gauklertum

Vielleicht war ja die Verheißung: Mit dem Fallen der Form fällt auch die Kälte, und es bleibt die Wärme. Das Gegenteil ist eingetreten, beschleunigt durch Medien, die sich auch noch „sozial“ nennen.
Das Beileid schrumpft zum hochgereckten Daumen unter einer Todesanzeige. Der Dank wird zur gestotterten Sprachnachricht und der Glückwunsch zum weitergeleiteten Sticker. Nähe wird zum Gauklertum, eine Beiläufigkeit, die sich für Herzlichkeit hält.
Wir haben die Form abgeschafft und dafür die Lieblosigkeit angeschafft, denn Form kostet etwas. Das ist ihr Geheimnis. Sie verlangt, dass ich mich für einen Moment hintanstelle, dass ich meine Bequemlichkeit dem anderen opfere. Und so sage ich: Authentizität ist billig, denn man bekommt sie geschenkt, indem man schlicht nachlässt.

Eine Frage der Zivilisation

Die Form ist teuer. Sie ist eine Disziplin, eine kleine tägliche Selbstüberwindung – und eben deshalb braucht es Mut zu ihr. Den Mut, sich Mühe zu geben in einer Zeit, die das Mühelose feiert. Den Mut, ein wenig formeller zu sein, als die Umgebung es erwartet – nicht aus Hochmut, sondern aus Achtung.
Vielleicht wirke ich mit diesen Zeilen auf Sie unzeitgemäß, wie von vorgestern. Wie jemand, der die große Lockerung nicht mitvollzogen hat. Sie irren, ich habe einen Großteil meines beruflichen Wirkens erfolgreich in der flauschigen Welt der medialen Unterhaltungsindustrie verbracht. Heute weiß ich: Eine Gesellschaft, die das Bequeme mit dem Freien verwechselt, verliert die Übung darin, den anderen für einen Augenblick wichtiger zu nehmen als sich selbst.
Und das ist, am Ende, mehr als eine Frage des Stils. Es ist eine Frage der Zivilisation. Kommen Sie also gern, wie Sie sind. Aber kommen Sie, bitte, mit Form.