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Das Geheimnis der Langeweile – und wie Sie es nutzen können

Während meiner langjährigen Tätigkeit als Dozent für Schreibkurse ließ ich die Schüler mehrmals ihre Metallklappstühle auf den kaum genutzten hinteren Parkplatz des Gebäudes tragen.
Dort ließ ich sie in einem großen Kreis Platz nehmen, mit dem Rücken zueinander und weit genug voneinander entfernt, um Flüstern zu verhindern. Gemäß meinen Anweisungen saßen sie 20 Minuten lang schweigend da und schauten geradeaus, ohne Augenkontakt zu den Klassenkameraden, ohne Handys, ohne Bücher und ohne Stifte und Papier. Sie betrachteten einfach nur den Wald rund um den Parkplatz oder das Gebäude. Wenn die Zeit um war, gingen wir wieder hinein, wo sie weitere 20 Minuten lang aufschrieben, was sie erlebt hatten.
Einige von ihnen verbrachten die Zeit mit Beten. Einige andere schmiedeten Pläne für das Wochenende oder blickten in die Zukunft und fragten sich, was der Schulabschluss wohl für sie bereithalten würde.
Jedes Mal gaben mindestens 50 Prozent der Schüler an, sich immens zu langweilen.

Das Dilemma: startklar für nichts

Leo Tolstoi definierte Langeweile in „Anna Karenina“ so: „Bald fühlte er, dass sich in seiner Brust der Wunsch der Wünsche regte – die Langeweile.“
Ein anonymer Autor fügte diese Wendung hinzu, um Langeweile zu veranschaulichen: „Es ist nicht langweilig, wochenlang am Stück zu Hause zu bleiben. Aber wie kommt es, dass der eine Sack Reis 48.356 Körner enthält und der andere 47.998?“
Das Wort „boredom“ entstand im Englischen erst im 19. Jahrhundert. Der früheste bekannte Beleg stammt aus dem Jahr 1829; Charles Dickens machte das Wort mit seinem Roman „Bleak House“ in den 1850er-Jahren literarisch bekannt. Doch der Zustand an sich ist uralt. Die Römer litten unter „taedium“ (lateinisch für: Überdruss, Verdrossenheit, Ekel), woraus sich das englische Wort „Tedium“ ableitet. Die frühen Christen gaben dem „taedium“ mit „acedia“ (altgriechisch für: „Sorglosigkeit“, „Teilnahmslosigkeit“) eine religiöse Wendung, die Langeweile mit Trägheit verbindet, einer der sieben Todsünden. Die Franzosen schenkten uns das Wort „ennui“, das die alltägliche Langeweile mit Müdigkeit verbindet.
Viele Menschen greifen bei Langeweile schnell zum Handy – und verpassen die Chance, hinter der Leere Neues zu entdecken. Foto: LSOphoto/iStock

Viele Menschen greifen bei Langeweile schnell zum Handy – und verpassen die Chance, hinter der Leere Neues zu entdecken.

Foto: LSOphoto/iStock

Wenn Hunde sich langweilen, schlafen sie oft ein. Wenn Menschen sich langweilen, beschweren sie sich. Der Sechsjährige, der jammert: „Mir ist langweilig“, ist nicht gerade glücklich, aber das gilt auch für den Teenager oder den alten Mann, denen es genauso geht.

Die Flucht ins Digitale

G.K. Chesterton schrieb in seinem Werk „Heretics“ dereinst: „Es gibt auf der Welt kein uninteressantes Thema; das Einzige, was existieren kann, ist ein uninteressierter Mensch.“
Trotz dieser grandiosen Fülle an interessanten Dingen ist ein gelangweilter Mensch blind für all das.
In unserem Zeitalter der Ablenkung durch Bildschirme hat die Langeweile etwas von ihrer Wucht verloren. Amerikaner checken ihre Handys durchschnittlich 186 Mal pro Tag. Rechnet man Computer zu dieser Statistik hinzu, verbringt der durchschnittliche Amerikaner täglich sechs Stunden und zwölf Minuten damit, sowohl bei der Arbeit als auch in der Freizeit auf einen Bildschirm zu schauen – und in Deutschland sieht es nicht besser aus. Wenn uns die Langeweile lustlos und niedergeschlagen macht, können wir unser Handy zücken und mit einem Tastendruck dem Alltag entfliehen, um die Nachrichten zu verfolgen, ein Spiel zu spielen oder die neuesten Katzenvideos in den sozialen Medien anzuschauen.
Aber ist diese moderne Fähigkeit, Langeweile mit Bildschirmen zu vertreiben, zwangsläufig eine gute Sache?

Langeweile nach draußen zu verlagern

Die meisten Eltern kennen die Kindheitsbeschwerde „Mir ist langweilig“, besonders im Sommer, wenn die Schulen geschlossen sind. Heutzutage reagieren manche darauf, indem sie den Fernseher einschalten oder das Kind ein paar Spiele auf Mamas Handy spielen lassen. Dies löst zwar das unmittelbare Problem, ist aber laut Expertenmeinung bei häufiger und langfristiger Anwendung wahrscheinlich eine verheerende Lösung.
Andere Eltern reagieren auf „Es gibt nichts zu tun“ mit der traditionellen Drohung: „Oh, ich finde schon etwas, das du tun kannst“, was so viel bedeutet wie Unkraut im Garten jäten oder das Spielzeug im Wohnzimmer aufräumen. Diese Warnung mag hart erscheinen, kommt aber dem Kind zugute, das klug genug ist, den Hinweis seiner Mutter zu verstehen. Es findet etwas anderes zu tun, was kreatives Denken erfordert.
Jeff Gardner, Autor des kürzlich erschienenen Buches „Landscapes of Grace: Hiking, Faith, and Finding Yourself in the Wild“ (deutsch etwa: Pfade der Gnade: Vom Wandern, dem Glauben und dem Weg zu sich selbst in der Wildnis), betont, wie wichtig es ist, dass Eltern vorausschauend auf den Sommerblues eines Kindes reagieren. Gardner, selbst Vater von vier erwachsenen Kindern, ist seit Jahren Verfechter des freien und unbeaufsichtigten Spielens der Kinder draußen – sei es im Wald und auf Feldern oder auf einem kleinen Rasen im städtischen Hinterhof.

Struktur, Führung und viel Freiraum

Im Gespräch mit der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times sagte Gardner: „Langeweile braucht Struktur und Führung. Wenn wir passive Ablenkungen beseitigen, schaffen wir für unsere Kinder den Freiraum für aktive, bewegungsbezogene Tätigkeiten.“
Mit seinem Hinweis auf motorische Aktivitäten meint Gardner fantasievolles Spielen im Freien oder bei schlechtem Wetter, mit Spielzeug statt vor Bildschirmen im Haus.
„Die Langeweile sollte so strukturiert werden, dass Kinder einen Ausweg sehen, etwas zu tun“, sagte er. „Das ist – wie wir aus der Entwicklungspsychologie wissen – absolut entscheidend für ihre gesunde Entwicklung als Kinder und später als Erwachsene. Der größte unbeabsichtigte Schaden, den Helikopter-Eltern anrichten, ist die Unterhaltung. Schaffen Sie ihnen jene Struktur, die ihnen den Weg zu Aktivitäten ebnet, bei denen das Kind sich selbst oder mit anderen beschäftigt.“
Bewegungsreiche Aktivitäten im Freien – Spazierengehen, Gärtnern, Rasenpflege und so weiter – bieten auch Erwachsenen gesunde Möglichkeiten, Langeweile zu vertreiben. Ob sie jedoch die Fantasie beflügeln, wie manche glauben, ist weniger sicher.
"Mir ist so langweilig." – Der Impuls vieler Eltern ist meist Beschäftigung. Doch wer diesen leeren Moment aushält, gibt dem Kind Raum für eigene Kreativität. Foto: PeopleImages/iStock

„Mir ist so langweilig.“ – Der Impuls vieler Eltern ist meist Beschäftigung. Doch wer diesen leeren Moment aushält, gibt dem Kind Raum für eigene Kreativität.

Foto: PeopleImages/iStock

Langeweile als Geschenk erkennen

Langeweile wird oft als Nährboden für Kreativität bezeichnet, und das kann durchaus zutreffen, insbesondere in der Kindheit. Wenn Kinder wenig zu tun haben, ihnen aber Möglichkeiten geboten werden, können sie einfallsreich sein: Sie bauen sich Festungen im Wald, lernen neue Fußballtricks oder helfen sogar beim Plätzchenbacken oder bei der Zubereitung des Abendessens. Diese Erfahrungen fördern ihre Fantasie und ihre Fähigkeiten.
Für gelangweilte Erwachsene sind die Fluchtmöglichkeiten vielfältiger, aber nicht immer ebenso wirksam. In einer Flaute festzustecken kann dazu führen, dass aus zwei Gläsern Wein am Abend eine ganze Flasche wird, dass man sich dem Online-Glücksspiel zuwendet oder noch mehr Stunden als bildschirmabhängiger Stubenhocker verbringt. Ein langweiliger, mühsamer Job mag bei manchen Menschen kreatives Denken anregen, während andere sich dadurch geistig ausgelaugt und lethargisch fühlen.
Dennoch kann Langeweile, wenn man sich ihr bewusst stellt, unser geistiges und seelisches Wohlbefinden steigern. Arthur C. Brooks, Autor, Professor an der Harvard University und langjähriger Forscher zum Thema Glück, preist den Wert der Langeweile, wenn man ihr mit der richtigen Einstellung begegnet. Sie kann zu einem Weg der Besinnung werden, zu einer Reise ins eigene Ich, das so oft unter unseren digitalen Geräten und der Hektik des modernen Lebens begraben liegt.
Auf seiner Website schrieb Brooks: „Ich spreche oft von der Falle, Unbehagen aus unserem Leben verbannen zu wollen. Bei Langeweile ist das nicht anders. Wenn wir uns ständig ablenken, entgeht uns genau jener geistige Raum, in dem Einsicht und Reflexion entstehen. Die Wahrheit ist, dass Langeweile ein Geschenk sein kann. Eines, das die Tür zu tieferen Gedanken und einem klareren Sinnempfinden öffnet.“

Der Sinn im Unscheinbaren

Viele Menschen, die wie Brooks bereits Meditation oder Gebet praktizieren, brauchen keine Langeweile, um in Kontemplation zu gelangen. Sein Punkt ist, dass wir, wenn wir „in der Schlange stehen, im Stau sitzen oder auf einen verspäteten Flug warten“, dem, was sonst ein ärgerliches Ärgernis ist, Wert und Sinn verleihen können.
Funktioniert Brooks’ Mittel gegen Langeweile? Warum probieren Sie es nicht einfach aus und finden es heraus? Wenn Ihre Kinder das nächste Mal von Langeweile befallen sind, schicken Sie sie in den Garten, damit sie durch freies Spielen ihre Fantasie entfalten können. Nehmen Sie auch Ihre eigene Langeweile mit nach draußen und beobachten Sie, wie sie bei einem Abendspaziergang verschwindet. Wenn Sie in einer langen Schlange bei der Post festsitzen, denken Sie über Ihr Leben nach und über die Menschen, die Ihnen auf Ihrem Weg geholfen haben.
Sobald wir anfangen, nach Chestertons interessanten Themen zu suchen – sowohl in uns selbst als auch außerhalb von uns –, werden wir sie überall entdecken.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Got the Blahs? Boredom Can Be a Gift“. Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: (sm)
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Wie Sie ein gestresstes Nervensystem beruhigen können


In Kürze:

  • Stress versetzt unseren Körper in einen dauerhaften Kampf-oder-Flucht-Modus.
  • Dieses Nervensystem im Daueralarm wirkt sich negativ auf den ganzen Körper aus – und die Symptome lassen sich nur schwer lindern.
  • Praktiken wie Atemübungen, Meditation und Zeit in der Natur beruhigen und fördern die Balance. 
  • Auch kleine Gewohnheiten im Alltag können helfen und das Nervensystem flexibler machen.

 
Chronischer Stress ist nicht nur ein psychischer, sondern auch ein neurologischer Zustand. Deshalb kommt es oft vor, dass moderne Hilfsmittel wie Schlafüberwachung oder strenge Morgenroutinen unser Gehirn mehr stressen als ihm zu helfen.
„Unser Nervensystem braucht nicht mehr. Es braucht weniger – und es braucht besser“, erklärte Julie Robinson, Organisationspsychologin und auf Neurowissenschaften basierende Trainerin, gegenüber Epoch Times.

Wenn das Nervensystem niemals zur Ruhe kommt

Ist das Nervensystem im Gleichgewicht, geht der Körper in den Ruhe- und Verdauungsmodus über. Jedes System funktioniert so, wie es soll, und man fühlt sich in der Regel am ehesten wie man selbst.
Ist das Nervensystem aktiviert, wechselt der Körper in den Kampf-oder-Flucht-Modus, meinte Jaz Robbins im Gespräch mit Epoch Times. Dieser Wechsel lenke Ressourcen weg von Verdauung, Immunabwehr und Regeneration hin zu unmittelbaren Bedürfnissen, so die approbierte Psychologin an der kalifornischen Pepperdine University.
Das Problem ist laut der integrativen Ärztin Priyal Modi, dass das moderne Leben diesen Schalter oft noch lange nach dem Ende der Bedrohung in dieser Position hält. „Viele Menschen leben in einem chronischen Überlebenszustand, ohne es zu merken“, sagte sie zu Epoch Times.
Die Symptome dieses dysregulierten Zustands können sich auf praktisch jedes System im Körper auswirken:
  • erhöhte Herzfrequenz und erhöhter Blutdruck, 
  • Schlafstörungen, 
  • anhaltende Müdigkeit, 
  • Darmprobleme, 
  • Konzentrationsschwierigkeiten, 
  • erhöhte emotionale Reaktivität, 
  • sozialer Rückzug, manchmal begleitet von Selbstmedikation mit stark verarbeiteten Lebensmitteln, Koffein oder Alkohol.
„Ein einzelnes Symptom langfristig zu lindern, kann eine Herausforderung sein, wenn dieses Symptom möglicherweise auf ein aktiviertes oder überaktiviertes Nervensystem zurückzuführen ist“, sagte die Psychologin Robbins.

Jahrtausendealte Praktiken und ihr Ansatz

Die Neurowissenschaften bestätigen mittlerweile vieles von dem, was alte Traditionen schon seit Jahrtausenden wissen: Der Zustand des Nervensystems präge, wie wir denken, fühlen, heilen, Beziehungen eingehen und funktionieren, so Modi. 
Die jahrtausendealten Praktiken seien als Mittel konzipiert worden, um das Nervensystem zu regulieren und ein Gleichgewicht zu fördern, merkte sie an.
Zu diesen Praktiken gehören unter anderem
„Was die Neurowissenschaften nun liefern, ist die Sprache und die Physiologie hinter diesen Praktiken“, sagte sie.
Ein Beispiel: Personen, die regelmäßig meditieren, weisen höhere Werte an Gamma-Aminobuttersäure auf. Das ist ein Neurotransmitter, der für die Beruhigung des Nervensystems sorgt. Ferner weisen meditierende Personen niedrigere Werte des Stresshormons Cortisol auf und ihr Nervensystem wird im Laufe der Zeit messbar flexibler. 
Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass Achtsamkeit die Produktion des „Glückshormons“ Serotonin fördert und so die Stimmung und die emotionale Widerstandsfähigkeit beeinflusst.
Konsequentes Achtsamkeitstraining hilft zudem dabei, dass das Nervensystem den Sympathikus, der für die Kampf-oder-Flucht-Reaktion zuständig ist, nicht mehr chronisch aktiviert. Das versetzt den Körper in einen ausgeglicheneren und regulierteren Zustand.
„Alte Systeme näherten sich dem durch direkte, körperlich verankerte Erfahrung“, sagte Modi. „Die moderne Wissenschaft nähert sich dem durch Messungen und Forschung.“

Wie Regulierung aussehen kann

Wenn man das Büro der Schulkrankenschwester Kari Asadorian betritt, sieht man vielleicht einen Schüler, der zu überwältigt ist, um zu sprechen, oder zu aufgewühlt, um in den Unterricht zurückzukehren. Asadorian, eine staatlich geprüfte Krankenschwester mit Erfahrung in den Bereichen Neurologie und Psychiatrie, greift nicht zu einer Kontrollliste. Sie bittet den Schüler, eine Hand auf seinen Bauch zu legen und auf seinen Atem zu achten.
„Als Schulkrankenschwester sehe ich Schüler mit Regulationsstörungen. Sie benötigen Instrumente, um sich zu beruhigen, damit sie mit Gleichaltrigen interagieren und im Unterricht in einem optimalen Lernzustand lernen können“, sagte Asadorian gegenüber Epoch Times.
Ihre Hilfsmittel sind altbewährt: geführte Atemübungen, Erdungstechniken, sensorische Wahrnehmung. 
Ein Beispiel ist die 5-4-3-2-1-Methode. Dabei nennt man
  • fünf Dinge, die man sehen kann,
  • vier Dinge, die man berühren kann,
  • drei Dinge, die man hören kann,
  • zwei Dinge, die man riechen kann,
  • ein Ding, das man schmecken kann. 
Das verankert einen rasenden Geist wieder im Hier und Jetzt. Manchmal reichen schon ein Schluck Wasser oder vielleicht ein paar Sekunden Stille.
Weitere leicht anwendbare Methoden sind Dehnen, Tanzen, Spazierengehen und Summen. Laut Asadorian können sie dazu beitragen, den Vagusnerv zu stimulieren und den Übergang in einen parasympathischen Ruhe- und Verdauungszustand zu unterstützen.
„Stress gehört zum Alltag“, so die Schulkrankenschwester. Entscheidend sei, was man in Phasen der Überlastung tut und dass man herausfindet, was für einen funktioniert.

Für ein flexibles Nervensystem

Eine morgendliche Praxis, sei es Meditation, das Aufsagen von Mantras, Atemübungen oder sanfte Bewegung, kann helfen, das System zu stabilisieren. Am Abend können einfache Gewohnheiten zum Abschalten den allmählichen Übergang in die Ruhephase unterstützen. Dazu gehört so etwas wie
  • elektronische Geräte vor dem Schlafengehen weglegen,
  • sich auf den nächsten Tag vorbereiten, 
  • Hautpflegeroutinen,
  • beruhigende Musik,
  • Lesen.
Bei der Pflege des Nervensystems gehe es nicht nur um Ruhe, meinte die integrative Ärztin Modi. Ihr zufolge beeinflussen gesunde Herausforderungen, Sinnhaftigkeit, Spiel, Kreativität, Lachen und emotionale Verbundenheit das menschliche System gleichermaßen regulierend.
„Ein gesundes Nervensystem ist flexibel“, sagte sie. „Es kann, wenn nötig, aktiv werden und danach zur Ruhe zurückkehren. Diese Anpassungsfähigkeit ist es, was Regulierung wirklich bedeutet.“
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Ancient Techniques That Reset Your Nervous System“ (redaktionelle Bearbeitung: as)
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Meditation: Positive Wirkung auf Gehirn, Herz und Schmerz – so funktioniert sie


In Kürze:

  • Meditation hilft nicht nur bei Stress, sondern hat auch positive Wirkungen auf den ganzen Körper.
  • Das Gehirn profitiert davon, wobei sich unter anderem Konzentration, Gedächtnis und emotionale Regulation verbessern.
  • Ähnlich wie Beten erfüllt Meditation einen Menschen mit einem Gefühl der Ehrfurcht und Demut, was eine positive Einstellung zum Leben fördert.
  • Es gibt einige Tipps, die Anfängern helfen können, sich die heilende Wirkung der Meditation leichter zunutze zu machen.

 
Ob Sokrates oder Laotse: Seit Jahrtausenden praktizieren Menschen Meditation, um geistige Klarheit zu erlangen. 
Die Forschung bestätigt diese Praxis. Täglich ein paar Minuten in Meditation zu sitzen, hilft beim Stressabbau. Doch es gibt noch mehr Vorteile, die auch die moderne Forschung Schritt für Schritt entschlüsselt.

Meditation – ein Balsam fürs Gehirn

Meditation aktiviert die Kommandozentrale des Gehirns: den Frontallappen, insbesondere den präfrontalen Kortex. Ist dieser Bereich aktiver, verbessern sich unsere Aufmerksamkeit, emotionale Regulierung und Selbstwahrnehmung.
Darüber hinaus führt regelmäßige Meditation zu strukturellen Veränderungen im Gehirn und steht in Zusammenhang mit einem verlangsamten Verfall von Nervenzellen. So war die Hirnrinde bei Personen im Alter von 40 bis 50 Jahren, die regelmäßig meditierten, laut einer Studie aus dem Jahr 2005 ähnlich dick wie die von Nicht-Meditierenden, die 20 Jahre jünger waren. Diese zusätzliche Dicke könnte laut den Forschern als eine Form der kognitiven Reserve dienen.
In einer anderen kleinen Studie mit Personen, die zuvor noch nie meditiert hatten, zeigte sich bereits nach acht Wochen Meditation eine Zunahme der grauen Substanz im Gehirn. Ihr Volumen nimmt normalerweise mit zunehmendem Alter ab. Die graue Substanz nahm insbesondere in Gehirnregionen zu, die fürs Lernen und Gedächtnis sowie für die Selbstwahrnehmung und Empathie zuständig sind.
Ferner wirkt Meditation auf die Neuroplastizität des Gehirns, also seine Fähigkeit, zu wachsen und sich zu verändern, sagte Dr. Andrew Newberg gegenüber Epoch Times. Je mehr man sich der Meditation widme, desto „größer sei die Wirkung“, so Newberg, ein Pionier der spirituellen Neurowissenschaften und Forschungsdirektor am Marcus Institute of Integrative Health am Thomas Jefferson University Hospital in Philadelphia.
Zudem schütte das Gehirn während einer Meditation „Glückshormone“ aus, fügte der Neurologe hinzu. So setzt ein Teil des Belohnungs- und Motivationszentrums im Gehirn bei der tiefen Meditation 65 Prozent mehr Dopamin frei. Bei langjährigen Meditierenden kann der Serotoninspiegel im Blut laut Untersuchungen um etwa 26 Prozent höher sein.

Mit Antidepressiva vergleichbar

Meditation kann außerdem ähnlich wie Medikamente wirken. Das zeigte beispielsweise eine Studie aus dem Jahr 2022 zum Thema Angstzustände. Dabei verglichen die Forscher eine auf Achtsamkeit basierende Behandlung zur Stressreduktion mit dem Medikament Escitalopram, einem Mittel gegen Angstzustände und Depressionen. Demnach war Achtsamkeit bei der Behandlung von Angstzuständen „Escitalopram nicht unterlegen“, hieß es in der Untersuchung.
Das zeige, dass meditative Praktiken eine „Alternative mit weniger Nebenwirkungen“ bei Angststörungen darstellen, sagte Dr. Elizabeth A. Hoge zu Epoch Times. Hoge ist Fachärztin für Psychiatrie und Leiterin des Forschungsprogramms für Angststörungen am Georgetown University Medical Center.

Beruhigt das Herz und lindert Schmerzen

Meditation beruhigt den Körper zusätzlich, indem sie die Herzfrequenz verlangsamt und Schmerzen lindert.
Da Meditation Stresshormone und Entzündungen senke sowie Ruhe und Erholung im Körper fördere, mindere sie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sagte Dr. V. S. Prakash gegenüber Epoch Times. Prakash ist leitender interventioneller Kardiologe und Herz-Elektrophysiologe am Manipal Hospital in Bengaluru, Indien. 
Seinen Angaben zufolge hilft das Meditieren, den Körper von einem „Kampf-oder-Flucht“-Zustand in einen „Ruhe-und-Verdauung“-Zustand zu versetzen. Das senkt die Herzfrequenz und erhöht die Herzratenvariabilität.
Eine höhere Herzratenvariabilität verbessert Ihre Reaktion auf Stress, da sie die Fähigkeit unterstützt, von einer Stresssituation schneller wieder den Ruhemodus zu erreichen.
Die beruhigende Wirkung der Meditation auf Körper und Geist lindert zudem Schmerzen. Wie eine Studie aus dem Jahr 2025 ergab, ist Achtsamkeitsmeditation bei starken chronischen Rückenschmerzen mit der kognitiven Verhaltenstherapie vergleichbar.
Achtsamkeit bringe den Menschen bei, innezuhalten und körperliche Empfindungen wahrzunehmen, meinte Dr. Aleksandra Zgierska zu Epoch Times. Achtsamkeit helfe den Menschen zu erkennen, dass Schmerzen oft schwanken und bewältigt werden können – eine Einsicht, die das Leiden verringern könne, so die Hauptautorin der Studie und stellvertretende Vorsitzende für Forschung am Fachbereich Familien- und Gemeindemedizin am Penn State College of Medicine.
„Menschen verfallen oft in eine sogenannte ‚Schmerzkatastrophisierung‘. Sie erwarten, dass sich der Schmerz verschlimmert und vermeiden deshalb bestimmte Aktivitäten“, sagte sie. „Dies kann einen Teufelskreis auslösen. Achtsamkeit hilft, diesen Kreislauf zu durchbrechen.“

Das Gebet ist eine Form der Meditation

Personen, die beten, weisen ähnliche neurophysiologische Mechanismen auf wie Personen, die meditieren. Das zeigten bildgebende Hirnuntersuchungen des Neurologen Newberg.
Sowohl Meditation als auch Gebet steigern die Aufmerksamkeit und Konzentration im Gehirn, während sie gleichzeitig die Aktivität im Parietallappen verringern. Der Parietallappen ist daran beteiligt, uns ein räumliches Selbstbewusstsein zu vermitteln. Ist er weniger aktiv, führt es dazu, dass Menschen, die regelmäßig meditieren oder beten, „ihr Selbstgefühl verlieren oder eine tiefe Verbundenheit mit dem Universum oder Gott empfinden“, so Newberg.
Er fügte hinzu: „Meditieren oder Beten erfüllt einen Menschen zudem mit einem Gefühl der Ehrfurcht und Demut, das mit jeder solchen Erfahrung stärker wird.“
Sich im tiefen Einklang mit dem Universum zu fühlen, führe zu einem tiefen Gefühl innerer Geborgenheit, sagte Margaret Trey, eine Forscherin mit einem Doktortitel in Psychotherapie. Es sei „wohltuend und heilend“, sagte sie zu Epoch Times.
Dies steigere letztendlich den Optimismus sowie das Gefühl für Sinn und Zweck.

In die Stille: Tipps für Anfänger

Wie können wir die heilende Wirkung der Meditation nutzen? Erst einmal beinhaltet Meditation traditionell
  • kontrolliertes Atmen,
  • das schrittweise Ausblenden abschweifender Gedanken,
  • das Erreichen eines ruhigen, klaren Geisteszustands.
„Meditation ist keine Darbietung – sie ist Übung“, sagte dazu die Psychotherapeutin Trey. Für Meditationsanfänger empfiehlt sie, täglich fünf Minuten lang still zu sitzen und die Dauer schrittweise zu verlängern. 
Man sollte sich nicht zwingen, seinen Geist von Anfang an zu leeren. Stattdessen damit beginnen, seine Gedanken wahrzunehmen. Wenn ein negativer oder ängstlicher Gedanke auftauche, könne man ihn beobachten und vorbeiziehen lassen, anstatt sich in ihm zu verstricken. 
Wenn der Geist abschweift, könne man ihn einfach zurückbringen – man sitze genau hier, so Trey, die seit mehr als 20 Jahren Forschung zu den Vorteilen der Meditationspraxis Falun Gong betreibt und drei Bücher verfasst hat. Ihr zufolge hat Falun Gong ihr geholfen, das ständige „innere Geschwätz“ ihres Geistes zu beruhigen.
Ihrer Meinung nach werden wir in unserem Alltag von Emotionen getrieben. Emotionen würden oft wie ein Feuer ausbrennen und einen erschöpften Körper und Geist zurücklassen. Im Gegensatz dazu „kann geistige Stille zutiefst erholsam sein“, sagte sie.
„Der ruhende Geist ist ein Geist, der endlich frei ist, das zu empfangen, was das Denken allein niemals erreichen könnte.“
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Meditation Changes Your Brain—Here’s How“ (redaktionelle Bearbeitung: as)