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Die Keto-Diät als Psychotherapie? Warum Fettverbrennung dem Gehirn helfen kann

Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen sterben im Schnitt zehn bis 25 Jahre früher als die Allgemeinbevölkerung. Die Hauptursachen sind meist nicht die Leiden selbst, sondern Folgeerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Probleme, Diabetes und Stoffwechselstörungen. Ein neuer, metabolisch-psychiatrischer Forschungsansatz rückt nun eine Ernährungsform in den Fokus, die dieses Zusammenspiel mildern könnte: die ketogene Diät.
Traditionell wurden psychische Erkrankungen als reine Störungen des Gehirns verstanden. Jedoch deuten immer mehr Studien darauf hin, dass ein entgleister Zellstoffwechsel eine Schlüsselrolle spielt. Dazu zählen Insulinresistenz, chronische Entzündungen und eine gestörte Energieproduktion in den Kraftwerken der Zellen, den Mitochondrien.
Das Dilemma: Antipsychotika sind für viele Patienten überlebensnotwendig, treiben aber laut Studien das Risiko für Gewichtszunahme und Diabetes in die Höhe.
Hier setzt die ketogene Ernährung an. Bei dieser extrem kohlenhydratarmen Kost stellt sich der Stoffwechsel von Glukose auf Fettverbrennung um. Was bei medikamentenresistenter Epilepsie seit Jahrzehnten klinisch bewährt ist, soll dem Gehirn eine alternative, stabile Energiequelle bieten.
Eine ketogene Diät könne helfen, sowohl die zugrunde liegenden Stoffwechselprobleme als auch die metabolischen Nebenwirkungen der Medikamente anzugehen, erklärt Dr. Julien Trokis, ein an der Forschung beteiligter Diabetologe.

Deutliche Effekte bei strikter Disziplin

In einer viermonatigen Pilotstudie der Stanford University unter der Leitung von Dr. Shebani Sethi wurden Patienten mit Schizophrenie oder bipolarer Störung auf eine strikte ketogene Diät gesetzt (maximal 20 Gramm Netto-Kohlenhydrate pro Tag).
Die Ergebnisse waren deutlich: Die psychiatrischen Symptome verbesserten sich im Schnitt um knapp ein Drittel. Bei den bipolaren Patienten zeigten fast 70 Prozent signifikante Fortschritte. Die Rate derer, bei denen eine signifikante Milderung der Schizophrenie-Symptome eintrat, stieg von 38 Prozent zu Beginn der Studie schließlich auf 81 Prozent. Entscheidend war dabei die Disziplin: 91 Prozent der Teilnehmer, die konsequent in Ketose blieben, zeigten deutliche Verbesserungen ihrer mentalen Gesundheit – bei den weniger konsequenten Teilnehmern war es nur die Hälfte. Zudem verbesserten sich Gewicht, Blutdruck und Blutwerte signifikant.
Eine weitere retrospektive Analyse von 31 Erwachsenen mit behandlungsresistenten Psychosen und schweren Depressionen zeigte ähnliche Erfolge: Unter ketogener Kost in der stationären Behandlung sanken die Depressionswerte, teilweise bis zur Remission. Bei schizoaffektiven Störungen nahmen Halluzinationen und Wahnvorstellungen spürbar ab.

Wie gelingt der Start in die ketogene Diät?

Eine der grundlegenden Fragen lautet: Wie lässt sich die ketogene Diät praktisch und nachhaltig in den Alltag integrieren? Die klassische Variante folgt einem strikten 4:1-Verhältnis. Das bedeutet: Das Gewicht der Fettzufuhr ist viermal so hoch wie das von Proteinen und Kohlenhydraten zusammen.
In der Praxis bedeutet die Einhaltung dieses Verhältnisses, dass man natürliche Fettquellen wie Avocados, Olivenöl, Kokosöl, Butter, Ghee, Schmalz, Mandeln, Walnüsse, Chiasamen und Leinsamen bevorzugt.
Protein sollte in moderaten Mengen verzehrt werden, um die Muskelmasse zu erhalten. Ein Überschuss sollte vermieden werden, da dieser in Glukose umgewandelt werden könnte.
Zu den üblichen Proteinquellen für die Keto-Diät gehören fettreiche Fleischstücke, Geflügel, Fisch – insbesondere Lachs, Makrele und Sardinen –, Eier sowie vollfette Milchprodukte wie Käse und griechischer Joghurt, sagte Caroline Susie, eine staatlich geprüfte Ernährungsberaterin, gegenüber Epoch Times.
Die Kohlenhydrataufnahme wird in der Regel niedrig gehalten – bei etwa 20 bis 50 Gramm Netto-Kohlenhydraten pro Tag – und sollte hauptsächlich aus kohlenhydratarmen Gemüsesorten wie Blattgemüse, Brokkoli, Blumenkohl, Zucchini, Spargel und Paprika bestehen.
Geringe Mengen an zuckerarmen Früchten wie Beeren dürfen ebenfalls verzehrt werden. Ungesüßte Getränke wie Tee, Kaffee und Wasser sind in der Regel erlaubt, so Susie.
Die Sicherheit bleibt ein wichtiger Aspekt, insbesondere bei der therapeutischen Anwendung der Diät. Zu den frühen Nebenwirkungen, die oft als „Keto-Grippe“ bezeichnet werden, können Müdigkeit, Kopfschmerzen und Reizbarkeit während der Anpassungsphase gehören.
Diese Symptome sind in der Regel mild und vorübergehend. Sie lassen sich durch eine schrittweise Reduzierung der Kohlenhydratzufuhr, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, einen ausgeglichenen Elektrolythaushalt und den Verzehr von ballaststoffreichem, kohlenhydratarmem Gemüse lindern, so Sethi.
Es gibt auch ernährungsphysiologische Aspekte zu beachten. Die Einschränkung von Obst, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten kann die Aufnahme bestimmter Nährstoffe verringern. Das Risiko von Mangelerscheinungen kann sich dadurch im Laufe der Zeit erhöhen, insbesondere ohne sorgfältige Planung.
Eine eingeschränkte Ballaststoffzufuhr kann zudem zu Verstopfung und Verdauungsbeschwerden beitragen, so Susie.
Eine kontinuierliche ärztliche Überwachung, individuelle Anpassungen und strukturierte Unterstützung können dazu beitragen, sowohl die Sicherheit als auch die langfristige Durchführbarkeit zu verbessern.
Trokis rät allen, die eine ketogene Diät in Betracht ziehen, zunächst ihren Arzt auf mögliche Kontraindikationen zu befragen und unter Anleitung eines Ernährungsberaters zu beginnen.
„Die ideale Dauer einer Keto-Diät kann variieren, da manche Patienten von einer längerfristigen Anwendung profitieren können, während andere zu einem flexibleren Ansatz übergehen“, sagte Trokis.

Wann Keto nicht geeignet ist

Obwohl eine ketogene Ernährung für viele Menschen und Erkrankungen von Vorteil sein kann, ist sie nicht für jeden geeignet.
Menschen mit seltenen Stoffwechselerkrankungen, die den Körper daran hindern, Fett effizient in Energie umzuwandeln, sollten sie vermeiden, da dies ihren Zustand verschlimmern könnte.
Dazu gehören Menschen mit familiärer Hypercholesterinämie, also einem erblich bedingten, hohen Cholesterinspiegel. Sie haben bereits erhöhte LDL-Cholesterinwerte und ihr Blutfettprofil kann sehr unterschiedlich auf eine ketogene Diät reagieren.
Ebenso vorsichtig sollten Menschen mit folgenden Erkrankungen sein: akute Pankreatitis, schweres Leberversagen und fortgeschrittene Nierenerkrankung. Bei ihnen kann eine hohe Fettaufnahme Risiken bergen, erklärte Trokis.
Die Keto-Diät kann Wechselwirkungen mit bestimmten Medikamenten, darunter einige Antipsychotika und Diabetesmedikamente, haben und erfordert möglicherweise eine Dosisanpassung sowie andere individuelle Anpassungen.
Schwangere und stillende Frauen, Kinder sowie Menschen mit Typ-1-Diabetes sind ebenfalls keine geeigneten Kandidaten. Menschen mit bestehenden Herzerkrankungen sollten die Diät mit Vorsicht angehen, so Trokis.
 

Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „A Keto Diet May Help Psychiatric Disorders. Here’s Why“. (deutsche Bearbeitung: vm)
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Das Zucker-Paradoxon: Warum Süßes den Geist beruhigt, aber den Körper stresst

In Kürze:

  • Zucker beruhigt nur das Gehirn, lässt den Körper aber unbemerkt unter Stress.
  • Der Blutzuckeranstieg und -abfall löst eine doppelte hormonelle Stressreaktion aus.
  • Das System schaltet fälschlicherweise auf Aktivität statt auf echte Erholung.
  • Dieser Kreislauf führt langfristig zu chronischem Heißhunger und höheren Krankheitsrisiken.

Es ist der weltweit am meisten akzeptierte Bewältigungsmechanismus: Nach einem langen Arbeitstag greifen wir zu heißer Schokolade, brechen eine Stück Schokolade ab oder öffnen ein zuckerhaltiges Getränk – und fühlen uns tatsächlich besser.
Neue Forschungsergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass sich zwar das Gehirn ruhiger anfühlt, der Körper aber im Hintergrund weiter unter Stress steht.

Die Versuchsanordnung

Wie stark signalisiert Zucker Erholung und was passiert tatsächlich im Körper? Das untersuchte eine neue Studie im International Journal of Psychophysiology an 94 gesunden Erwachsenen.
Die Forscher teilten die Teilnehmer per Zufall in vier Gruppen ein: Glukose plus Massage, Glukose plus Ruhe, Wasser plus Massage oder Wasser plus Ruhe. Als Finale mussten alle eine Aufgabe zur anhaltenden Aufmerksamkeit lösen.

Die Zucker-Dosis

Das verabreichte Glukosegetränk enthielt 75 Gramm in Wasser aufgelöste Glukose – eine massive Zuckermenge, die etwa zwei Dosen Limonade oder etwa 20 Teelöffeln Zucker entspricht.
Während des gesamten Experiments überwachten die Wissenschaftler den Blutzucker, den Blutdruck, die Herzaktivität sowie die körpereigenen Signale aus dem Wachsamkeits- und dem Entspannungssystem.
Die Blutzuckermessung erfolgte vor dem Getränk, vor der Entspannungsphase und direkt vor dem Aufmerksamkeitstest.

Das verblüffende Ergebnis

Zwar wirkten Massage und Ruhephase wie erwartet – die Teilnehmer fühlten sich spürbar gelöster und ihre Körper zeigten klare Entspannungszeichen.
Doch bei der Glukose-Gruppe gab es einen Haken: Ein Teil des körpereigenen Wachsamkeitssystems kam einfach nicht vollständig zur Ruhe. Das eindeutige Signal der Daten: Zucker kann den Körper aktiv daran hindern, sich vollkommen zu entspannen.
„Zucker leiht sich einen Moment der Ruhe vom Dopaminsystem und belastet damit die Stoffwechselgesundheit“, sagte Grant Antoine, Naturheilkundler und klinischer Leiter für Präzisionsernährung bei Viome über die Studienergebnisse, gegenüber Epoch Times.
Während das Gehirn ein Gefühl des Wohlbefindens registriert, kann im Körper im Hintergrund weiterhin eine Stressreaktion ablaufen.

Ruhe ist nicht gleich Ruhe: Die Belohnungs-Illusion

Das empfundene Wohlbefinden nach dem Zuckerkonsum entspringt einer Täuschung: Es wird primär vom Belohnungssystem des Gehirns gesteuert – und eben nicht von einer echten Entspannungsreaktion des gesamten Körpers.
„Die Ruhe, die Menschen durch Zucker empfinden, ist ein neurochemischer Vorgang im Belohnungssystem“, sagte Antoine, der nicht an der Studie beteiligt war.
Dieses Gefühl der Ruhe erstrecke sich jedoch keineswegs auf das Herz-Kreislauf- und Nervensystem oder auf die Stresshormone. Diese blieben im Hintergrund weiterhin aktiv.
„Deshalb kann ein zuckerhaltiger Snack die Wirkung von Atemübungen oder Meditation stillschweigend zunichte machen“, sagt Antoine.
Während das Gehirn im Moment ein Gefühl des Wohlbefindens registriere, „hört der Körper nie auf, sein Stressprogramm ablaufen zu lassen“.

Das physiologische Paradoxon

Glukose kurbelt die Stressaktivität aktiv an und macht es in der Studie dem Körper extrem schwer, herunterzufahren – selbst während einer tiefenentspannenden Maßnahme wie einer Massage.
Kara Seidman, Ernährungswissenschaftlerin und Leiterin für Partnerschaften bei Resbiotic Nutrition, brachte das Problem gegenüber Epoch Times auf den Punkt: „Dies deutet auf eine Diskrepanz zwischen gefühlter Ruhe und tatsächlichem physiologischem Stress hin.“

Zucker sendet dem Körper ein Stresssignal

Der Körper reagiert auf das, was sich in seinem Blutkreislauf befindet. „Ein Zuckeranstieg an sich ist ein Stressor“, betont Antoine.
Ein steigender Blutzuckerspiegel aktiviert die „Kampf-oder-Flucht“-Reaktion des Körpers, jagt die Herzfrequenz nach oben und treibt den Blutdruck in die Höhe.
„Normalerweise beobachten wir diese Veränderungen nur in Zeiten erhöhten Stresses, wie zum Beispiel beim Sport, aber die Studie zur menschlichen Reaktion auf Glukose hat gezeigt, dass dies sogar in Ruhe geschieht“, fügte er hinzu.
Doch was auf diesen rasanten Anstieg folgt, ist oft noch schlimmer: Sobald der Blutzucker unter den Ausgangswert fällt, schaltet der Körper auf Notfallmodus.
Zur Kompensation schüttet er massiv Cortisol und Adrenalin aus – beides Stresshormone. Antoines Fazit ist: „Eine einzige Dosis Zucker kann tatsächlich zwei Stressreaktionen auslösen: eine beim Anstieg und eine beim Abfall.“

Der Faktor Kontext

Dabei gibt es keinen universellen Grenzwert, ab wie viel Gramm der Blutzucker wie oben beschrieben eskaliert. Der Effekt ist extrem abhängig von Dosis und Kontext.
Ob und wie stark das System anspringt, bestimmen Faktoren wie die restliche Nahrungsaufnahme, die individuelle Insulinsensitivität, das aktuelle Aktivitätsniveau und bereits vorhandener Stress.
Wer Zucker direkt vor einem ohnehin stressigen Ereignis konsumiert, verstärkt die hormonelle Stressreaktion des Körpers mit großer Wahrscheinlichkeit noch zusätzlich.
Zum Kontext der aktuellen Untersuchung: In der Studie wurde eine Glukosedosis verwendet, die exakt der Menge eines oralen Glukosetoleranztests entspricht – eine große, schnell resorbierte Zuckermenge, die den Blutzuckerspiegel bewusst extrem ansteigen lassen soll. Vergleichsstudien zu Zuckermengen in verschiedenen Snacks und Lebensmitteln sind bisher noch ausständig.

Der Härtetest im Labor

In einer Studie wiesen Personen, die vor einem sozialen Stresstest – wie dem Halten einer Rede oder dem lauten Kopfrechnen – Glukose zu sich nahmen, einen stärkeren Cortisolanstieg auf als diejenigen, die dies nicht taten.
Personen mit bereits belastetem Stresssystem sind von diesem Effekt möglicherweise am stärksten betroffen. Dazu gehören Menschen mit
  • chronischem Stress,
  • Schlafmangel,
  • Burn-out.
Bei diesen Personen steigt der Cortisolspiegel tendenziell noch stärker an und bleibt zudem länger erhöht.

Das biologische Missverständnis

Auf biologischer Ebene signalisiert ein hoher Blutzuckerspiegel dem Organismus, dass sofort Energie verfügbar ist.
Das bedeutet für das System: Die aktuellen Bedingungen laden eher zum Handeln als zur Ruhe ein. Das Gehirn reagiert prompt auf dieses Signal und versetzt den Körper in einen wachen, bereiten Zustand.

Warum wir unter Stress nach Zucker verlangen

Mehrere biologische und psychologische Faktoren treiben uns in Stresssituationen direkt in Richtung Zucker:
  • Cortisol steigert laut Untersuchungen den Appetit und weckt gezielt das Verlangen nach kalorienreichen Lebensmitteln.
  • Stress erhöht den Spiegel von Ghrelin (dem Hungerhormon), was den Drang zu essen verstärkt.
  • Chronischer Stress kann das Gehirn zudem gegenüber Leptin (dem Hormon, das Sättigung signalisiert) laut Untersuchungen „teilweise taub“ machen.
Das bittere Ergebnis der hormonellen Kettenreaktion: „Man ist also hungriger als normal und weniger in der Lage zu erkennen, wann man genug gegessen hat.“

Die kurzfristige Täuschung im Stresssystem

Dabei wirkt Zucker im ersten Moment tatsächlich und sorgt vorübergehend für Linderung. Studien zeigen, dass er die Stressreaktion dämpfen kann, indem er die Aktivität der HPA-Achse unterdrückt. Das ist der Teil des Stresssystems, der uns bei anhaltendem Stress wachsam und voller Energie hält.
Dieser beruhigende Effekt ist jedoch nur von kurzer Dauer. Die Linderung hält nur kurz an, bevor der Kreislauf wieder von vorn beginnt und eine weitere Dosis verlangt, so Antoine.
Zucker wird zudem selten isoliert konsumiert. Er wird oft mit beruhigenden Aktivitäten kombiniert, wie zum Beispiel:
  • Sich hinsetzen
  • Etwas anschauen
  • Zeit mit anderen verbringen
Diese Kombination verstärkt das Gefühl der Erleichterung zusätzlich. Da Zucker den Stress – wenn auch nur kurzzeitig – abschwächt, greift man beim nächsten Mal, wenn man sich überfordert fühlt, eher wieder danach. Dieses Verlangen, sagt Antoine, kehrt jedes Mal stärker zurück.

Die Stressfalle: Kurze Erleichterung durch Zucker verstärkt das Verlangen beim nächsten Mal.

Foto: Doucefleur/iStock

Die langfristigen Folgen: Der hormonelle Push-Pull-Effekt

Mit der Zeit fordert dieser Kreislauf seinen Tribut. Wird Zucker wiederholt zur Stressbewältigung eingesetzt, können sowohl Insulin als auch Cortisol gleichzeitig ansteigen.
Das führt zu einem gefährlichen Push-Pull-Effekt: Ein Hormon versucht, Energie zu speichern, während das andere versucht, sie im Kreislauf zu halten.
Dieses Chaos im Hormonsystem hat langfristig ernste Konsequenzen für den Organismus:
  • Insulinresistenz: Zellen können weniger empfindlich auf Insulin reagieren.
  • Entzündungen: Ein anhaltend erhöhter Blutzuckerspiegel kann zu Entzündungen im Körper beitragen.
  • Krankheitsrisiken: Das Risiko für Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes und Herzerkrankungen steigt.
Dr. Deepak Bhatt, interventioneller Kardiologe und Direktor des Mount Sinai Fuster Heart Hospital, erklärte dazu gegenüber The Epoch Times: Zuckerhaltige Getränke, Fast Food wie Burger und Pommes, Pizza und Desserts enthalten in der Regel leere Kalorien und ungesunde Fette.
Wenn dieses Stressessen zur Gewohnheit wird, kann es zudem zu einer Gewichtszunahme führen – einem weiteren wichtigen Risikofaktor für Diabetes und Herzerkrankungen.

Kein Grund für Schuldgefühle – aber für Bewusstsein

Das bedeutet jedoch nicht, dass man Zucker komplett weglassen muss – oder sich schuldig fühlen sollte, wenn man von Zeit zu Zeit danach greift. Der Trost, den Zucker bietet, ist real, aber eben nur teilweise, und hat einen hohen Preis.
Zu verstehen, wie Zucker sowohl das Gehirn als auch den Körper beeinflusst, kann Menschen helfen, fundiertere Entscheidungen zu treffen – insbesondere in stressigen Zeiten.
Denn sich besser zu fühlen, bedeutet nicht nur momentanen Trost. Es geht vor allem darum, dem Körper zu ermöglichen, vollständig in einen echten Ruhezustand zurückzukehren.

 
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel: „Why Sugar Makes You Feel Calmer but Your Body More Stressed“. (deutsche Bearbeitung: vm) 
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Wenn Hass das Denken übernimmt: Ein Blick ins Gehirn

Wenn man jemanden sieht, den man hasst, reagiert das Gehirn mit einem besonderen neuronalen Muster.
Hass erhöht die Aktivität in Regionen, die für Aggression und strategisches Bewerten zuständig sind, während Empathie gleichzeitig gedämpft wird.
Es wirkt, als würde sich das Gehirn auf Konfrontation vorbereiten. Je stärker der Hass, desto intensiver diese Signale.
„Auch wenn jeder Mensch solche Gefühle vielleicht kennt, widerspricht chronischer Hass unserem innersten Kern“, sagte der Therapeut Steven Stosny, Gründer von Compassion Power, gegenüber The Epoch Times. „Wenn Hass chronisch wird, verlieren wir unsere Menschlichkeit.“

Die Neurowissenschaft des Hasses

Der „Hass-Schalter“ des Gehirns priorisiert aggressives Verhalten und negative Urteile.
Hass deaktiviert laut einer Studie selektiv den rechten superioren frontalen Gyrus – den Bereich, der an der Regulierung impulsiver Reaktionen und dem Verstehen der Gefühle anderer beteiligt ist.
Diese sehr begrenzte Deaktivierung im Gehirn des Hassenden unterbricht die neuronalen „Bremsen“, die aggressive Impulse im Zaum halten, was den Hassenden irrational macht und ihn auf das Ziel fixiert.
Mitchell Landers, Postdoktorand am Institut für Psychologie der University of California, sagte gegenüber The Epoch Times, dass sowohl Liebe als auch Hass eine intensive Bewertung der anderen Person beinhalten, jedoch in entgegengesetzte Richtungen.
Sowohl Liebende als auch Hassende erleben unter intensiven Emotionen eine vorübergehende Beeinträchtigung ihres Urteilsvermögens, was Verhaltensweisen wie „Liebende, die Fehler übersehen, und Hassende, die sie erfinden“ erklärt, so Landers.

Der „Hass-Schalter“ des Gehirns verstärkt Aggression und dämpft Empathie sowie Impulskontrolle.

Foto: Vadym Plysiuk/iStock

Hass aktiviert mehrere Regionen in den äußeren und inneren Schichten des Gehirns – insbesondere das Putamen und die Insula.
Das Putamen bereitet einen auf das Handeln vor, und die Insula fungiert als Sensor. Wenn diese Regionen vom Hass vereinnahmt werden, können sie Vorgehen, wie Vergeltungsmaßnahmen zu ergreifen, fördern.
Hass verstärkt sich selbst. Je mehr man hasst, desto mehr ist das Gehirn darauf programmiert, zu hassen – es ist wie ein schwach dosiertes Gift, das still und leise das Einfühlungsvermögen untergräbt.

Wie Hass den Hasser vergiftet

Hass kann die Empathie-Schaltkreise des Gehirns ausschalten. Eine Studie ergab, dass Teilnehmer, die Hassreden über Minderheitengruppen ausgesetzt waren, weniger Einfühlungsvermögen nicht nur für das Leiden der Minderheitengruppe, sondern auch für das anderer Menschen entwickelten, was zeigt, dass sich Hass ausbreiten kann. Das führt mit der Zeit zum Verschwinden des Mitgefühls.
Die bloße Existenz der gehassten Person sei das Kernproblem des Hassenden, sagte Landers.
„Wenn man jemandem einen negativen Assoziationswert zugeschrieben hat – dass sein Wohlergehen im Widerspruch zu deinem steht –, ist es nur logisch, dass die Sorge um sein Leiden nachlässt.“
Eine Person ist dann nicht nur unfähig, sich in den Schmerz einer anderen Person hineinzuversetzen, sondern wird gefühllos oder empfindet sogar ein gutes Gefühl dabei, sagte er.
Die enge Verbindung von Hass mit Aggression und Feindseligkeit setzt den Hassenden langfristig dem Risiko psychischer und physischer Gesundheitsprobleme aus.
Menschen, die über lange Zeit feindselig sind, sind laut einer Untersuchung mit über 3.000 Teilnehmern stärker gestresst und anfälliger für Depressionen.
Körperlich lösen hassgetriebene Verhaltensweisen wie Wut und Aggression die Ausschüttung von Stresshormonen aus, die das Immunsystem beeinträchtigen und Entzündungen fördern.
Ein dauerhaft erhöhter Spiegel an Stresshormonen unterdrückt laut Studien die Aktivität der natürlichen Killerzellen, was die Fähigkeit einer Person beeinträchtigt, Infektionen oder Krebs, zu bekämpfen.
Die mit Wut und Aggression verbundene Stressreaktion beeinträchtigt auch die Fähigkeit der Blutgefäße, sich richtig zu entspannen, was aber für eine gute Durchblutung entscheidend ist. Diese Störung ist eine der Hauptursachen für Schlaganfälle und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Eine im Journal of the „American College of Cardiology“ veröffentlichte Metaanalyse zeigt einen Zusammenhang zwischen Wut, Feindseligkeit und schlechterer Herzgesundheit.
Bei gesunden Menschen erhöhen diese Emotionen das Risiko für koronare Herzkrankheiten um 19 Prozent. Bei bereits erkrankten Patientinnen und Patienten steigt die Wahrscheinlichkeit für eine schlechte Prognose um 24 Prozent.

Woher kommt Hass?

Hass hat oft seine Wurzeln in ungelöster Wut.
Eine weitere Studie von Landers und Kollegen aus dem Jahr 2025 beleuchtet, wie der Übergang von Wut zu Hass stattfindet.
Wut ist „ein Verhandlungsmechanismus“, so die Einschätzung von Landers. Man ist wütend, wenn man davon ausgeht, dass die Beziehung es wert ist, gerettet zu werden.
Wenn jemandem die Beziehung nicht so wichtig zu sein scheint, wie man es für richtig hält, versucht die Wut durch Druck, andere dazu zu bewegen, ihre Art, einen zu behandeln und zu schätzen, zu ändern.
„Deshalb wollen wütende Menschen reden, wollen Erklärungen, wollen Entschuldigungen“, sagte er.
Wenn Wut wiederholt daran scheitert, die Beziehung zu reparieren, beginnt sie, sich in Hass zu verwandeln.
Hass geht davon aus, dass die Beziehung nicht rettenswert ist, und versucht daher, genau diese Person zu neutralisieren. Aus der Sicht des Hassenden verschlechtert die bloße Existenz der gehassten Person das Leben des Hassenden.
„Kein noch so langes Reden wird die Tatsache ändern, dass es einen romantischen Rivalen gibt, dass ein Konkurrent deine Beförderung bekommen hat oder dass die Anwesenheit einer Person in deiner Gemeinschaft deine Interessen grundlegend bedroht“, sagte Landers.
Hass verschwindet erst, wenn das Zielobjekt ausreichend distanziert oder entmachtet ist, sagte er. Die Herausforderung besteht darin, dass das Erreichen dieser Ergebnisse oft mit Gewalt oder Aggression verbunden ist.
Die aggressiven, feindseligen Handlungen, zu denen der Hass einen treibt, verstärken letztendlich das Gefühl des Hasses, sagte Landers.
Diese sich selbst verstärkende Eigenschaft schafft eine Hassfalle.
Hass entspringt oft aus Hilflosigkeit, sagte Jessica Russo, eine zugelassene klinische Psychologin, gegenüber The Epoch Times.
Wenn man jemanden als Bedrohung wahrnimmt, entsteht ein unbewusstes Gefühl von Schwäche und Hilflosigkeit. Um der Bedrohung entgegenzuwirken, nutzen Menschen möglicherweise einen „Schild aus Hass“, um sich zu schützen.
„Hass ist eine sehr intensive Art von Schutzschild“, so die Ansicht von Russo, „doch indem man Hass nutzt, um sich zu schützen, macht man sich letztlich selbst noch verletzlicher.“
„Wir müssen der Sache auf den Grund gehen, was dahintersteckt, wovor sie sich zu schützen versuchen“, sagte sie.
Russo glaubt, dass Mitgefühl den Schutzschild des Hasses aufbrechen kann, indem es Hoffnung wiederherstellt und die dunklen Gedanken vertreibt. Das Gegenmittel besteht darin, genau das wieder aufzubauen, was der Hass zerstört.

Ein Heilmittel gegen Hass

Menschen besitzen einen Grundwert: ein instinktives Selbstwertgefühl, das in dem Glauben verwurzelt ist, dass jeder Mensch „ein Kind Gottes“ ist. Aus diesem Glauben heraus zu handeln, vermenschlicht das Selbst und andere, während Hass beide entmenschlicht, schrieb Stosny in seinem Buch „Manual of the Core Value Workshop“.
Um Hass zu beseitigen, muss man daher sein Gegenteil kultivieren: Mitgefühl.
„Mitgefühl und Hass sind unvereinbar; je mehr wir das eine tun, desto weniger sind wir in der Lage, das andere zu tun“, sagte Stosny.
Mitgefühl ist ein sehr weit gefasster Begriff, und jeder hat sein eigenes Verständnis davon.
Im Allgemeinen geht es jedoch darum, anzuerkennen, dass Menschen unvollkommen sind und leiden – man selbst und andere eingeschlossen –, was es einem ermöglicht, jeden zu verstehen und ihm Mitgefühl entgegenzubringen.
Viele Menschen glauben fälschlicherweise, dass Mitgefühl bedeutet, schlechtes Verhalten zu entschuldigen, sagte Stosny.
Bei Mitgefühl geht es jedoch nicht darum, Verhalten zu verzeihen, sondern darum, die Nöte zu verstehen, die andere dazu bringen, sich schlecht zu verhalten.
„Mitgefühl mildert schlechtes Verhalten, toleriert oder entschuldigt es jedoch niemals – denn Verhalten, das gegen menschliche Werte verstößt, ist selbstzerstörerisch“, sagte er.
Mitgefühl beginnt bei einem selbst – und Mitgefühl für sich selbst und andere geht Hand in Hand.
Wenn jemand es versäumt, Selbstmitgefühl zu praktizieren, indem er seine eigenen emotionalen Verletzungen nicht versteht und heilt, verwandelt sich dieses Unbehagen in Groll und Wut, so Stosny, und die Person beginnt, andere für ihren Schmerz verantwortlich zu machen.
Um unverarbeitete Wut oder Groll aufzufangen, bevor sie zu Hass erstarren, empfiehlt Stosny, auf frühe Warnzeichen zu achten:
  • Unverträglichkeit gegenüber Verletzungen oder emotionalem Unbehagen
  • Bewältigung des inneren Unbehagens, indem man anderen die Schuld gibt
  • Unfähigkeit, andere Perspektiven zu erkennen
Es ist entscheidend, den Hasskreislauf zu durchbrechen – das Gehirn aus einem Zustand der Bedrohung oder Ohnmacht herauszuholen, sagte Russo. Sie empfiehlt, sich zunächst vorzustellen, Mitgefühl für das zu empfinden, was einen bedroht oder beunruhigt.
Dann versuche man, die ungesunde Perspektive aufzubrechen, die den Hass schürt. Man fragt sich selbst: „Okay, wenn ich Hass empfinde, bedeutet das, dass ich mich bedroht fühle. Wovor habe ich solche Angst?“
Grundsätzlich entspringe Hass einer „Ich bin das Opfer“-Mentalität, sagte der Sozialpsychologe Yashpal Jogdand gegenüber The Epoch Times.
Wer glaube, ausschließlich selbst das Opfer zu sein, neige dazu, stärkeren Hass auszudrücken, sagte er. Es sei daher wichtig, zu erkennen, dass „beide Seiten gelitten haben“, um so den Kreislauf der Schuldzuweisungen zu durchbrechen und die Menschen zu Empathie zu führen.
Wenn wir den anderen als Teil von uns selbst annehmen, „beginnen wir, unsere gemeinsame Menschlichkeit in allen um uns herum zu sehen.“

 
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel: „What Your Brain Looks Like When You Hate Someone“. (deutsche Bearbeitung: vm)
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Von der Kindheit bis ins hohe Alter – wie unsere Träume mit uns reisen


In Kürze:

  • Aktiver Prozess: Träume sind keine Zufallsprodukte, sondern ein geordneter Vorgang, bei dem Logik und Vernunft pausieren.
  • Lebensbegleiter: Von kindlichen Urängsten über den Stress der Jugend bis zur Ruhe des Alters spiegeln Träume unsere psychische Entwicklung wider.
  • Wandel der Erinnerung: Häufigkeit und Vielfalt von Träumen erreichen ihren Höhepunkt im frühen Erwachsenenalter.

 
Früh am Morgen reiben wir uns die Augen. Eben noch war er gefühlt ganz nah, dieser Traum. Doch kaum sind wir vollständig aus dem Schlaf erwacht, beginnt er, sich zu verflüchtigen. Und bald, nach dem Aufstehen, ist er fast nicht mehr greifbar. Was wir soeben noch bildhaft und emotional nachhallend im Kopf hatten, entzieht sich nach kürzester Zeit unserer Erinnerung.
„Träume sind Schäume“, lautet ein volkstümliches Sprichwort, das bis zu den Brüdern Grimm zurückverfolgt werden kann. Doch gerade ihre flüchtige und schwer greifbare Natur macht sie seit Jahrhunderten zu einem Gegenstand besonderer Faszination. Auch die Wissenschaft versucht weiterhin, herauszufinden, was im schlafenden Gehirn geschieht und wie sich das Träumen im Kielwasser des Lebensflusses fortentwickelt.
So verändern sich die flüchtigen Nachtbilder im Laufe eines Lebens auf bemerkenswerte Weise. Was ein Kind träumt, unterscheidet sich grundlegend von dem, was einen älteren Menschen nachts „beschäftigt“. Die Wissenschaft bezeichnet dies als Kontinuitätshypothese. Erstmals 1971 formuliert, besagt sie, dass unsere Träume das widerspiegeln, was wir im Wachleben wahrnehmen und empfinden. Wer im Urlaub entspannt, sieht Sonne und Sand. Wer sich im Berufsleben sorgt, wird im Schlaf ins Büro versetzt. Was uns tagsüber bewegt, taucht nachts wieder auf – und so wandelt sich das Traumleben mit jedem Lebensabschnitt.

Das schlafende Gehirn ist hoch aktiv

Rund ein Drittel des Lebens verbringen wir schlafend, einen großen Teil davon träumend. Jede Nacht durchläuft unser Gehirn mehrere Schlafzyklen. Dazu gehören vier bis sechs REM-Phasen, die sogenannten „Rapid Eye Movements“, in denen sich die Augen im Schlaf schnell hin und her bewegen, die übrigen Muskeln aber zum Schutz wie gelähmt sind, während das Gehirn auf Hochtouren arbeitet.
In erster Linie bietet der REM-Schlaf die Bühne für lebhafte, emotionale und bisweilen bizarre Träume. Forscher vermuten, dass die geschlossenen Augen den visuellen Szenen im Traum „folgen“. Doch auch im Nicht-REM-Schlaf träumen wir, nur dass es dann nicht von außen beobachtbar ist.
Was beide Zustände gemeinsam haben: Träume entstehen, wenn hintere Bereiche der Großhirnrinde aktiv bleiben, während der präfrontale Kortex, zuständig für rationales Denken und Selbstkontrolle, heruntergefahren ist. Das erklärt, warum Träume so selten logisch sind – und warum sich darin sogar konkrete Inhalte ablesen lassen.
Die Aktivierung ähnlicher Netzwerke wie im Wachzustand erklärt außerdem, warum geträumte Gesichter, Räume oder Bewegungen oft täuschend real erscheinen. Sicher ist: Träumen ist ein aktiver, geordneter Prozess, den die Forschung heute in Hirnscans sichtbar machen kann.

Unterschiedliche Schlafphasen werden in einem sogenannten Hypnogramm dargestellt. Hier folgt auf die Wachphase (W) etwas Leichtschlaf (N1), unterbrochen von erneutem Wachwerden, schließlich Tiefschlaf (N3) sowie REM-Schlaf (R).

Die Schlafphasen sind von charakteristischen Hirnwellenmustern geprägt (v.o.l.n.u.r). Leichter Schlaf (N1): Kurz nach dem Einschlafen geht das Gehirn zu Theta-Wellen (4–7 Hz) über; Übergangsphase (N2): Zu Theta-Wellen gesellen sich sogenannte Schlafspindeln (rot unterstrichen) und K-Komplexe; Tiefschlaf (N3): Delta-Wellen (0,1–4 Hz) mit hoher Amplitude treten in den Vordergrund; REM-Schlaf (R): Gehirnwellen ähneln dem Leichtschlaf, ergänzt durch schnelle willkürliche Bewegungen der Augäpfel (1–4 Hz, rot unterstrichen). Die Diagramme umfassen jeweils 30 Sekunden, EEG-Daten durch roten Kasten hervorgehoben.

Foto: ts/Epoch Times nach MrSandman/Wikimedia Commons/gemeinfrei

Eine traumhafte Reise durchs Leben

Die Grundlagenforschung zum kindlichen Träumen geht auf den Schlafforscher David Foulkes zurück, der von den 1970er- bis in die 1990er-Jahre systematisch untersuchte, wie Kinder träumen. Seinen Erkenntnissen zufolge sind die Träume der Kleinsten vergleichsweise schlicht. In ihnen kommen Tiere, statische Objekte und einfache Handlungen vor. Auch sorgen Monster und dunkle Gänge häufig für bedrohliche Szenarien. Doch das ändert sich im Laufe der Entwicklung rasch. Kinder träumen anders als Erwachsene – intensiver, ängstlicher und oft in Wiederholungen.
Michael Schredl, wissenschaftlicher Leiter des Schlaflabors am Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim, vermutet, dass Kinder im Verlauf ihrer psychischen Entwicklung den Umgang mit Furcht erst lernen müssen. „Das kleine Kind schreit, wenn es Angst hat und schon sprechen kann, nach der Mutter oder dem Vater.“
Je älter das Kind werde, desto mehr sei es selbst beim Umgang mit Angstgefühlen gefordert. „Diese Fähigkeiten zur Selbstständigkeit treten dann natürlich auch im Traum auf. Die Studienlage zeigt, dass im Mittel die Alptraumhäufigkeit ab dem 10. Lebensjahr abnimmt. Welche Bilder für Ängste gewählt werden, ist sehr variabel. Träume sind sehr kreativ, besonders wenn es um die Erzeugung von Angstgefühlen beim Traum-Ich geht.“
Mit der Pubertät verändern sich diese Muster erneut. In dieser Zeit passiere natürlich viel im Körper, aber auch in der Psyche. Hormonelle Einflüsse und körperliche Veränderungen, Beziehungen zum anderen Geschlecht und auch Leistungsanforderungen beeinflussen die allgemeine Befindlichkeit – und auch die Traumwahrnehmung. So durchleben Teenager im Traum beispielsweise Stresssituationen aus dem Schulalltag, familiäre Konflikte oder den ersten Liebeskummer.

Was die Forschung misst

Auch der kanadische Schlafforscher Tore Nielsen untersuchte diese Auswirkungen, unter anderem dokumentiert in einer der größten Studien auf diesem Gebiet. Knapp 29.000 Teilnehmer im Alter von 10 bis 79 Jahren füllten einen detaillierten Fragebogen aus. Das Ergebnis war eindeutig: Die Häufigkeit des detaillierten Traumerlebens und die Erinnerung daran steigen von der Jugend bis ins frühe Erwachsenenalter und nehmen danach kontinuierlich ab.
Ebenso schwindet die Vielfalt der Traumthemen linear mit dem Alter, wie die Forschungsergebnisse zeigten, bei Männern früher als bei Frauen. Die gewonnenen Erkenntnisse basierten allerdings ausschließlich auf der Selbstauskunft der Probanden, ohne Schlaflabormessungen. Nielsen selbst wies darauf hin, dass der Rückgang der Traumerinnerung stärker ausfällt, als es die biologischen Veränderungen des REM-Schlafs allein erklären könnten. Offenbar spielen neben dem Schlaf auch psychologische und lebensstilbedingte Faktoren eine Rolle.
Im Erwachsenenleben werden Träume in der Regel etwas alltäglicher. So neigen Erwachsene dazu, häufiger vom Zuspätkommen zu träumen, oder sie suchen vergeblich etwas, das sie dringend brauchen. Dabei handelt es sich um klassische Alltagsfrustrationen, die sich, entsprechend der Kontinuitätshypothese, direkt aus dem Wachleben speisen. Im hohen Alter berichten viele Menschen dann von sogenannten weißen Träumen. Sie erinnern sich zwar daran, geträumt zu haben, können aber, unabhängig von dem, was sie geträumt haben, kaum noch Inhalte benennen.

Träume bewusst erleben

Grundsätzlich ist es jedoch möglich, Träume vollständig zu erinnern und ins menschliche Bewusstsein zu integrieren. Schlafmediziner empfehlen dafür einfache Rituale. Schon wenige Stichworte in einem Traumtagebuch, direkt nach dem Aufwachen, können ausreichen, um Muster sichtbar zu machen, wie zum Beispiel das Benennen wiederkehrender Orte oder Situationen aus dem Alltag. So werde es möglich, sich mit den Träumen auseinanderzusetzen und ihnen, im Falle eines Albtraums, vielleicht den Schrecken zu nehmen.
Es lässt sich zudem direkt in den Ablauf und Inhalt von Träumen eingreifen. Bei diesem Phänomen handelt es sich um luzides Träumen. Der Schlafende macht sich durch ein wenig Übung gezielt bewusst, dass er träumt, indem er sich jeweils am Tage wiederholt fragt, ob er wach ist oder träumt. Diese Strategie geht nach einer Weile automatisch ins Traumerleben über. Schredl empfehle das luzide Träumen gerne Menschen, die ausloten wollen, was das eigene Bewusstsein leisten und wie man es vertiefen kann.

Vom vergangenen und geträumten Abschied

Im Alter werden die Träume der meisten Menschen entspannter. „Das hängt mit der Lebensqualität zusammen: Wenn das Älterwerden im Wachzustand entspannt ist, sind es die Träume auch.“ Aber es gebe auch Ausnahmen. So können sich auch 20 Jahre nach der Pensionierung noch vereinzelt stressige Berufsträume einstellen. Hier rät Schredl: „Es empfiehlt sich, von vorneherein in jungen Jahren einen Job zu suchen, der Spaß macht und nicht mit einer Dauerbelastung verbunden ist.“
Zum Ende des Lebens nimmt das Träumen wiederum noch einmal eine besondere Qualität an. So träumen Menschen im Hospiz häufig vom Abschied, von Reisen oder von Begegnungen mit längst Verstorbenen.
Der Schlafforscher der Universität Mannheim sieht darin weder Zufall noch bloße Romantik. „Auch hier gilt, dass die Träume alles aufgreifen, sowohl den konstruktiven Umgang mit der Begrenztheit des Lebens als auch die Ängste im Alltag. Das kann ein wichtiger Hinweis sein: Die Qualität der Träume kann anzeigen, ob ein Mensch vermehrt emotionale Unterstützung für seinen Weg braucht.“ So bleibt das Träumen ein lebenslanger und bedeutungsvoller Begleiter, mit viel Raum für eine bewusste und begleitende Gestaltung, bis zuletzt.
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Wie Hilfsbereitschaft das Altern des Gehirns verlangsamen kann

Wahrscheinlich kennt jeder die üblichen Empfehlungen, wie man sein Gehirn fit halten kann: regelmäßig Sport treiben, sich gesund ernähren und jede Nacht 7 bis 8 Stunden schlafen. Nun gibt es einen neuen und überraschenden Tipp zur Förderung der kognitiven Gesundheit: anderen Menschen helfen.
Das war zumindest das Ergebnis einer Studie aus dem Jahr 2025, die in der Fachzeitschrift „Social Science & Medicine“ erschien. Demnach kann es die kognitiven Funktionen verbessern und den kognitiven Verfall verlangsamen, wenn man anderen Menschen hilft.

Helfen und kognitive Funktionen

Die Forscher untersuchten, wie sich zwei Arten von Hilfsaktivitäten sowie Veränderungen im Zeitaufwand auf die kognitiven Funktionen im Alter auswirken. Dabei betrachteten sie Daten zu Gedächtnis, Aufmerksamkeit und geistiger Verarbeitungsfähigkeit von mehr als 30.000 Amerikanern im Alter ab 51 Jahren. Die Daten wurden über zwei Jahrzehnte hinweg gesammelt.
Im Rahmen der wiederholten Befragungen sollten die Probanden angeben, ob sie im vorangegangenen Jahr eine der beiden Arten von ehrenamtlicher Aktivität ausgeübt hatten: 
  1. formelle Freiwilligenarbeit, beispielsweise für religiöse, bildungsbezogene, gesundheitsbezogene oder andere gemeinnützige Organisationen
  2. informelle Hilfe wie die Unterstützung von Freunden, Nachbarn oder Verwandten, die nicht im selben Haushalt leben
Für beide Arten der Tätigkeit gaben die Befragten zudem ihren jährlichen Zeitaufwand an: gar nicht, 1 bis 99 Stunden, 100 bis 199 Stunden oder mehr als 200 Stunden.
Die Ergebnisse standardisierter kognitiver Tests zeigten, dass, wenn eine Person eine gemeinnützige Tätigkeit aufnahm, in welcher Form auch immer, sich im Allgemeinen ihre kognitiven Funktionen verbesserten und sich der kognitive Verfall verlangsamte. Wenn sie diese Tätigkeit aufgab, hatte das den gegenteiligen Effekt.
Auch Veränderungen im Zeitaufwand spielten eine Rolle. Bei Personen, die eine helfende Aktivität begannen, verbesserte ein steigender Zeitaufwand die kognitiven Funktionen.
Bei Personen, die etwas weniger Zeit für ihre Aktivität aufwendeten, ohne mit ihr aufzuhören, zeigten sich keine negativen Auswirkungen. Negative kognitive Veränderungen waren jedoch in den Fällen ersichtlich, in denen die Probanden die Zeit für formelle Freiwilligenarbeit drastisch, das heißt von mehr als 200 Stunden pro Jahr auf 1 bis 99 Stunden, reduzierten.

Konstantes Engagement und bequeme Zeiteinteilung wichtig

Beharrlichkeit war laut den Untersuchungen besonders wichtig. Teilnehmer, die sich unaufhörlich ehrenamtlich engagierten, verzeichneten einen kumulativen Nutzen. Ihre kognitiven Funktionen hatten eine „um etwa 15 bis 20 Prozent niedrigere Abnahmerate, abhängig von der Art der Tätigkeit und dem Umfang des Zeitaufwands“, sagte der Alterswissenschaftler Sae Hwang Han, Hauptautor der Studie, gegenüber Epoch Times.
Dabei war mehr aber nicht immer besser. Die größten kognitiven Gewinne traten auf, wenn die Probanden einen angenehmen Zeitaufwand beibehielten. Laut der Studie war ein moderates Maß an Engagement – etwa 2 bis 4 Stunden pro Woche – durchweg mit robusten kognitiven Gewinnen verbunden.
Bemerkenswert ist, dass diese kognitiven Trends auch dann anhielten, nachdem die Forscher andere mögliche Erklärungen wie demografische, soziale und gesundheitliche Merkmale ausgeschlossen hatten. Das deutet darauf hin, dass die Vorteile tatsächlich mit der helfenden Aktivität selbst zusammenhingen.
„In meiner laufenden Arbeit finden wir Hinweise darauf, dass Helfen den beschleunigten kognitiven Verfall, der mit dem genetischen Risiko für Alzheimer verbunden ist, abmildern kann. Das weist darauf hin, dass es selbst bei Hochrisikogruppen als schützender Lebensstilfaktor wirken könnte“, sagte Han.

Wie Helfen hilft

Anderen zu helfen, sei es durch ehrenamtliche Arbeit oder informelle Hilfe, bietet ein sinnvolles gemeinnütziges Engagement. Es unterscheidet sich damit von anderen das Gehirn anregenden Aktivitäten, die man allein machen kann, wie Lesen und Rätseln.
„Es ist nicht nur kognitiv anregend, sondern beinhaltet auch menschliche Interaktion in Echtzeit, emotionalen Austausch und ein Gefühl von Sinnhaftigkeit – alles Elemente, die zusammenwirken, um die kognitive Gesundheit zu fördern“, meinte der Alterswissenschaftler.
Aus neurobiologischer Sicht können helfende Verhaltensweisen miteinander verbundene Systeme aktivieren. Dazu gehören unter anderem 
  • die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse, das Stresshormonsystem zur Stressregulation
  • das sympathische Nervensystem, das den Körper bei Stress und Gefahr auf eine Kampf- oder Fluchtreaktion vorbereitet und dabei hilft, das innere Gleichgewicht aufrechtzuerhalten
  • das Immunsystem, das vor Krankheiten und Entzündungen schützt
Werden diese Systeme aktiviert, unterstützt dies sowohl die kognitive als auch die körperliche Gesundheit.
Das stellte Han bereits in seinen früheren Forschungen fest. Ihm zufolge kann ehrenamtliches Engagement chronischen Stress ausgleichen, Entzündungen reduzieren, die Herzgesundheit fördern und den körperlichen Verfall verlangsamen.

Nachhaltiges Helfen: Wie man anfängt

Menschen, die anfangen möchten, anderen zu helfen, stehen möglicherweise vor Herausforderungen wie langen Arbeitszeiten und Arbeitswegen sowie Verpflichtungen zu Hause. Das alles macht es schwierig, noch etwas zusätzlich auf sich zu nehmen.
„Ich würde den Menschen raten, klein anzufangen und Formen der Hilfe zu wählen, die sinnvolle zwischenmenschliche Interaktion beinhalten und zudem nachhaltig sind“, sagte Han.
Es gehe weniger um die zeitliche Struktur als vielmehr um ein beständiges Engagement über einen längeren Zeitraum hinweg, erklärte er. Daher könne es für viel beschäftigte Personen eine durchaus vernünftige und wirksame Strategie sein, alle ein bis zwei Wochen einen Nachmittag am Wochenende dafür zu opfern, so der Alterswissenschaftler.
Für ältere Personen können körperliche Einschränkungen zusätzliche Herausforderungen bei der Hilfe für andere darstellen. Han zufolge muss Helfen jedoch nicht körperlich anstrengend sein.
„Aktivitäten wie Mentoring, Nachhilfe und das Sehen nach anderen Menschen können sozial sehr bedeutsam sein“, sagte er.
Ob es darum geht, junge Menschen zu betreuen, in einer örtlichen Bibliothek auszuhelfen oder an einer Reinigungsaktion im Stadtteil teilzunehmen – anderen zu helfen, bietet mehr als nur ein befriedigendes Gefühl. Es kann langfristig dazu beitragen, das Gehirn zu schützen.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „How Helping Others May Slow Brain Aging“. (redaktionelle Bearbeitung: as)