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„Pressure“: Das bisher beste Drama des Jahres

Ich kenne mich etwas mit der Geschichte des Vietnamkriegs aus, aber über den D-Day im Zweiten Weltkrieg weiß ich nicht besonders viel. Ich erinnere mich, dass ich irgendwann dachte, das US-amerikanische M60-Maschinengewehr mit Gurtzuführung, das im Vietnamkrieg eingesetzt wurde, sieht überhaupt nicht nach den 1960er-Jahren aus. Mit seiner wuchtigen, brutalen Erscheinung erinnerte es mich eher an ein Relikt aus der Zeit der Industriellen Revolution, wie die Autos der 1930er- und 1940er-Jahre.
„Pressure“, ein brillantes Weltkriegsdrama über den D-Day, zeigt auch die „Hitlersäge“, das gefürchtete deutsche MG 42 mit Gurtzuführung, das an den Stränden der Normandie die amerikanischen Soldaten in Stücke sägte. Ich dachte: „Jetzt weiß ich, woher das M60 kommt.“ Eine kurze Recherche bei Google ergab: Ja, das M60 war stark vom MG 42 inspiriert, ist aber keine direkte Kopie.
Das MG 42 wurde als Waffe des Faschismus geschaffen, doch stattdessen brachte es das M60 hervor, das später den Kommunismus zu vernichten versuchte.
Als General Dwight D. Eisenhower – dessen Nachname auf Deutsch passenderweise wie „Eisenhauer“ klingt – gefragt wurde, wie er den Krieg gewonnen habe, soll er geantwortet haben: „Wir hatten bessere Meteorologen als die Deutschen.“

Die Geschichte zweier Meteorologen

„Pressure“ erzählt eine faktenbasierte, wenngleich weitgehend fiktive Geschichte über die Beziehung zwischen Eisenhower und seinem unbeirrbar mutigen Wetterberater, dem schottischen Meteorologen James Stagg (Andrew Scott).

Brendan Fraser spielt General Dwight D. Eisenhower, den Oberbefehlshaber der Alliierten.

Foto: ©Alex Bailey/STUDIOCANAL SAS

In den angespannten 72 Stunden vor der Landung der Alliierten in der Normandie, als das Schicksal der freien Welt auf dem Spiel stand, hatte Stagg die undankbare Aufgabe, Eisenhower zu beraten, ob die Invasion grünes Licht bekommen sollte oder nicht.
Das heißt, Eisenhower und sein Stab müssen entscheiden, ob sie die größte und gefährlichste Seeinvasion der Geschichte wagen – oder die katastrophale Folge riskieren, dass Deutsch zur Weltsprache wird. Und zu Staggs Zeiten – lange vor Computern und Satellitenbildern – war die Wettervorhersage noch ebenso sehr Kunst wie Wissenschaft.
Damit die US-amerikanischen, britischen und kanadischen Alliierten ihren Angriff koordiniert beginnen konnten, durften die Wellen auf dem Ärmelkanal nicht höher als 3 Meter sein, und der Himmel musste klar genug sein, damit die Bomber ihre Ziele erkennen konnten. Mit anderen Worten: Ein Angriff bei schlechten Wetterbedingungen drohte verheerende Verluste zu fordern, doch eine zu lange Verzögerung barg das Risiko, dass der deutsche Nachrichtendienst Wind von der Operation bekam.

Stagg und Krick

Andrew Scott spielt den unbeliebten Meteorologen Stagg als einen extrem stoischen, ernsten Mann, dessen Fachkompetenz und Autorität ständig infrage gestellt werden, weil seine beängstigenden Prognosen vor schweren, zerstörerischen Stürmen mit bis zu 5,5 Meter hohen Wellen warnen – eine Übertreibung des Films.
Wird Eisenhower ihm folgen? Einem Mann, dessen Schlussfolgerungen auf strenger wissenschaftlicher Grundlage, moralischer Integrität, einer stillen Leidenschaft für seinen nach außen hin eher langweiligen Beruf und einer tiefen Ehrfurcht vor der Natur beruhen? Oder wird der General auf den Rat von Staggs amerikanischem Pendant und Eisenhowers langjährigem Favoriten Irving P. Krick (Chris Messina) hören, der sich gern in den Vordergrund spielt? Kricks vehemente Prognosen, die sich ausschließlich auf historische Wetterdaten stützen, sagen ein sichereres Zeitfenster voraus. Er weiß, dass genau das alle hören wollen.
Chris Messina hat sichtlich Spaß daran, Krick als einen überaus selbstsicheren Clown darzustellen, der fest davon überzeugt ist, dass der Himmel am 5. Juni 1944 klar sein wird. Stagg ist sich sicher, dass ein Angriff der Alliierten am 5. Juni eine absolute Katastrophe wäre.

(v. l. n. r.) Brendan Fraser als General Dwight D. Eisenhower und Andrew Scott als James Stagg.

Foto: ©Alex Bailey/STUDIOCANAL SAS

Schauspielerische Leistungen

Der Film weicht in seiner Darstellung Eisenhowers deutlich von der historischen Realität ab: Er zeigt ihn als aufbrausenden Hitzkopf, der ständig seine Mitarbeiter und insbesondere Stagg anschreit. Zwar war Eisenhower für sein explosives Temperament bekannt, doch hier läuft er schon früh zur Höchstform auf und hat danach kaum noch Luft nach oben – was in der Realität seine Autorität wohl eher untergraben hätte. In Wirklichkeit war Eisenhower zwar sehr autoritär, neigte aber dazu, ein ruhiges Auftreten an den Tag zu legen. Er setzte eher auf Konsensbildung und Koalitionsdiplomatie als auf Einschüchterung.
Dennoch trifft Brendan Fraser etwas Wesentliches an Eisenhower: Er hat die passenden hellblauen Augen und den starren Blick eines Mannes, der die Last der Welt auf seinen Schultern trägt.
Eisenhower, dessen Spitzname „Ike“ war, wusste, dass die meisten amphibischen Invasionen gegen verteidigtes Gebiet scheitern – und dass die Deutschen ihnen die Knochen abnagen würden, wenn sie auch nur ein wenig zu lange warteten. Ein anderer Spitzname für das deutsche MG 42 war „Knochensäge“. Das MG 42 in den Schießscharten der deutschen Bunker in Aktion zu sehen, lässt mich noch einen Tag später nicht los.

General Montgomery (Damian Lewis) verschärft im Kommandoraum den Ton in „Pressure“.

Foto: ©STUDIOCANAL SAS

Damian Lewis ist als General Bernard Montgomery, Befehlshaber der britischen Streitkräfte, großartig und verstärkt die operative Anspannung im Kommandoraum. Ebenso großartig ist die Irin Kerry Condon in der Rolle der Captain Kay Summersby, Eisenhowers Fahrerin und Assistentin, die möglicherweise auch seine Geliebte war – zumindest der historischen Überlieferung zufolge.
Doch „Pressure“ ist Staggs (und Scotts) Film. Der Druck, unter dem er steht, wird bis an den Punkt gesteigert, an dem er beinahe erstarrt. So überzeugend taumelt er unter der Last und der überwältigenden Dissonanz all dessen, was auf ihm lastet, dass eine ungeheuer intensive Atmosphäre den gesamten Film durchzieht. Man könnte von der ersten bis zur letzten Minute den Tränen nahe sein.
Doch es stellt sich weniger ein Gefühl der Traurigkeit als vielmehr des Respekts ein, angesichts der Hingabe, die hier einer Sache entgegengebracht wird. Der Film ist eine Hommage an den Mut jener Menschen, die unter enormem moralischem Druck schwierige Entscheidungen über den Luftdruck treffen mussten. Schon jetzt ist „Pressure“ ein Klassiker des Kriegsfilmgenres.

Foto: ©STUDIOCANAL SAS

„Pressure“
Regie: Anthony Maras
Darsteller: Brendan Fraser, Damian Lewis, Andrew Scott, Chris Messina, Kerry Condon
FSK: 12
Laufzeit: 1 Stunde, 40 Minuten
Kinostart (Deutschland): 17. September 2026
Bewertung: 5 von 5 Sternen
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „‘Pressure’: 2026’s Best Dramatic Film to Date“. (redaktionelle Bearbeitung: ee)