Vom höchsten diplomatischen Amt zur schwindenden Autorität: Die UN als einstiger Garant einer regelbasierten Weltordnung verlieren an Einfluss. (Archivbild) - Foto: Fabrice Coffrini /AFP via Getty Images
António Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen, wird bald seinen Schreibtisch räumen und sich auf den Ruhestand vorbereiten. Die Bewertungen seiner Amtszeit schwanken zwischen „befriedigend“ und „mittelmäßig“.
Einige würdigen sein leidenschaftliches Eintreten für die Palästinenser und seine kritische Haltung gegenüber dem israelisch-amerikanischen Krieg gegen den Iran. Andere wiederum kritisieren ihn gerade wegen dieser kontroversen Standpunkte.
Ein Amt verliert an Ansehen
Das eigentliche Problem ist jedoch der Verfall des Ansehens und der Autorität eines Amtes, das einst als das höchste diplomatische Amt der Welt galt. Dieses Amt entstand zu einer Zeit, als sich die Nachkriegsweltordnung in Richtung eines Kalten Krieges bewegte, mit der Idee, dass ein diplomatischer Puffer zwischen den beiden entstehenden Blöcken die Erschütterungen abfedern und einen weiteren bewaffneten Konflikt verhindern könnte.
Einer der Kerngedanken bestand darin, einen Krieg praktisch unmöglich zu machen, sofern er nicht ausdrücklich vom UN-Sicherheitsrat gebilligt wurde. Die von den Vereinigten Staaten geführte Intervention auf der koreanischen Halbinsel war der erste Krieg, der vom UN-Sicherheitsrat gebilligt wurde.
Doch schon damals kritisierte der UN-Generalsekretär Trygve Lie, ein norwegischer Gewerkschaftsführer, der zum Diplomaten geworden war, offen die Haltung Washingtons – eine Haltung, mit der er zeigen wollte, dass der Generalsekretär nicht bloß ein Abnicker des Sicherheitsrats ist. Lie nahm auch während der Krise um die Verstaatlichung der iranischen Ölindustrie, als Großbritannien mit einer Invasion des Iran drohte, eine unabhängige Haltung ein.
Interessanterweise nahmen weder die Vereinigten Staaten noch Großbritannien Anstoß an Lies Haltung. Es galt die ungeschriebene Regel, dass der UN-Generalsekretär als eine Institution wahrgenommen werden muss, die über den Interessen der Mitgliedstaaten steht.
Von Lie bis Hammarskjöld
Diese ungeschriebene Regel wurde mehr oder weniger auch dann eingehalten, als Lie vom schwedischen Diplomaten Dag Hammarskjöld abgelöst wurde. Dies ermöglichte es Hammarskjöld, den Entkolonialisierungsprozess aktiv zu unterstützen, insbesondere in Subsahara-Afrika – ein besonderes Anliegen, das möglicherweise seinen Tod bei einem mysteriösen Flugzeugabsturz verursacht hat, für den die CIA und/oder belgische Söldner verantwortlich gemacht wurden.
Hammarskjöld sah sich wegen seiner zwiespältigen Haltung zu einer Reihe tragischer Ereignisse mit Kritik konfrontiert, darunter die Volksaufstände im sowjetisch dominierten Polen und Ungarn sowie die britisch-französisch-israelische Invasion in Ägypten im Jahr 1956.
Der burmesische Diplomat U Thant, der Hammarskjöld ablöste, interpretierte das Amt im Wesentlichen als eine bürokratische Aufgabe. Er beaufsichtigte die Ausweitung der UNO auf neue Tätigkeitsfelder, stellte weitere Mitarbeiter ein und half bei der Organisation weiterer Konferenzen.
Dag Hammarskjöld löste 1953 Trygve Lie als UN-Generalsekretär ab und setzte sich besonders für die Entkolonialisierung in Afrika ein. 1961 kam er bei einem bis heute nicht vollständig geklärten Flugzeugabsturz ums Leben. (Archivbild)
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Kontroversen und Skandale
Von den Nachfolgern Thants gelang es nur dem peruanischen Diplomaten Javier Pérez de Cuéllar, seine Amtszeit ohne Kontroversen – geschweige denn Skandale – zu beenden.
Über den Österreicher Kurt Waldheim, einen der ersten Befürworter der Khomeini-Revolution im Iran, kam ans Licht, dass er ein ehemaliger NS-Offizier war, der an der Verhaftung von Juden in Griechenland beteiligt gewesen war.
Der Ägypter Boutros Boutros-Ghali brachte fast alle gegen sich auf, indem er begann, unliebsame Altlasten ans Tageslicht zu befördern; letztlich blieb er nur eine Amtszeit lang im Amt.
Der Ghanaer Kofi Annan bewährte sich in einer äußerst schwierigen Zeit, doch sein Ruf wurde schließlich durch den Skandal um das „Oil-for-Food“-Programm im Irak beschädigt.
Nach einer Vereinbarung unter den Mitgliedstaaten muss der Generalsekretär aus einem anderen Staat als den fünf Ländern gewählt werden, die im Sicherheitsrat über ein Vetorecht verfügen. Im vergangenen Jahr verschärfte die Generalversammlung die Regeln und sorgte für mehr Transparenz bei der Auswahl des Generalsekretärs.
Der Tradition zufolge sollte der nächste Generalsekretär aus einem Land außerhalb Europas und Asiens stammen, sodass Lateinamerika und Afrika die beiden wichtigsten Kandidatenfelder bilden. Die lateinamerikanischen Staaten haben mehrere Kandidaten ins Rennen geschickt, doch nur zwei von ihnen verfügen über das für ein solches Amt erforderliche Profil.
Lateinamerika bringt sich in Stellung
Einer von ihnen ist Rafael Grossi, der argentinische Generaldirektor der Internationalen Atomenergie-Organisation. Sein Problem ist, dass der derzeitige argentinische Präsident Javier Milei kein Fan von ihm ist. Und da Milei ein Favorit von US-Präsident Donald Trump ist, könnte dies auch eine ablehnende Haltung Washingtons bedeuten.
Die ehemalige chilenische Präsidentin Michelle Bachelet steht vor einem ähnlichen Problem. Der neue chilenische Präsident José Antonio Kast steht am anderen Ende des politischen Spektrums und steht ebenfalls Trump nahe, der Bachelet als fanatische Linke betrachtet.
Der erste ist der ehemalige senegalesische Präsident Macky Sall, ein Verfechter des sogenannten „globalen Südens“. Europäische Staaten betrachten Sall mit Misstrauen, schon allein wegen seiner Annäherung an den russischen Präsidenten Wladimir Putin mitten im Krieg in der Ukraine.
Noch schlimmer ist, dass sich Sall wegen einer Reihe von Vorwürfen im Zusammenhang mit seiner umstrittenen Präsidentschaft vor der senegalesischen Justiz verantworten muss. Noch bis zum vergangenen Monat zögerte Dakar, seine Kandidatur zu unterstützen.
Der zweite afrikanische Spitzenkandidat ist der ugandische Ökonom Olara Otunnu, dessen Lebenslauf Tätigkeiten bei internationalen Organisationen umfasst. Das i-Tüpfelchen dieses Lebenslaufs ist eine kurze Freundschaft mit US-Präsident Bill Clinton in längst vergangenen Zeiten. Die Frage ist, ob Uganda für Otunnu auch über seine Grenzen hinaus Unterstützung mobilisieren kann.
Eine Frau an der Spitze?
Einige Mitgliedstaaten werben dafür, eine Frau zur Generalsekretärin zu wählen. Der Gedanke wurde erstmals im Zusammenhang mit der ehemaligen pakistanischen Premierministerin Benazir Bhutto aufgegriffen, die als Favoritin galt. Sie schied jedoch selbst aus dem Rennen aus, indem sie darauf bestand, erneut das Amt der pakistanischen Premierministerin anzustreben. Auf dem Weg zur Verwirklichung ihres Ziels in Islamabad wurde sie ermordet.
Doch was, wenn vor der Generalversammlung in New York im nächsten Monat eine unerwartete Kandidatin auftaucht?
Es ist von zwei Frauen die Rede.
Eine mögliche Kandidatin könnte Audrey Azoulay sein, die marokkanisch-französische ehemalige Generaldirektorin der UNESCO, die auch als französische Kulturministerin tätig war. Sie könnte Unterstützung sowohl von der Afrikanischen Union als auch von der Europäischen Union gewinnen, ganz zu schweigen von der Arabischen Liga.
Audrey Azoulay, ehemalige UNESCO-Generaldirektorin und französische Kulturministerin, gilt als mögliche Kandidatin für das Amt. Ihre marokkanisch-französische Staatsbürgerschaft könnte dabei sowohl Unterstützung als auch Fragen aufwerfen. (Archivbild)
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Ihre doppelte Staatsangehörigkeit könnte jedoch ein Problem darstellen. In jedem Fall muss sie von Rabat oder Paris nominiert werden – oder von beiden.
Rebeca Grynspan Mayufis ist die andere Möglichkeit, über die gesprochen wird. Als Diplomatin aus Costa Rica – dem am wenigsten umstrittenen Land der Neuen Welt – und zugleich als Frau könnte sie von einem breiten Konsens profitieren.
Dennoch könnte in letzter Minute noch ein Kaninchen aus dem Hut des Zauberers gezogen werden. Das ist in der Vergangenheit bereits vorgekommen.
Die eigentliche Frage
Unabhängig davon, wer das Amt übernimmt, lautet die eigentliche Frage: Wozu dient diese Position eigentlich?
Welche Mängel Guterres auch immer gehabt haben mag – während seiner Amtszeit wurde er nicht einmal zu einem der großen Ereignisse konsultiert, geschweige denn an den großen Tisch gebeten. Ihn persönlich anzugreifen, ist gelinde gesagt unfair.
Was kann der Generalsekretär schon tun, wenn Länder mit Vetorecht wie Russland und die Vereinigten Staaten Kriege beginnen oder wenn Länder wie China damit drohen, dies zu tun?
Wenn das Amt lediglich Teil der Dekoration sein soll, wie es zu Annans Zeiten der Fall war, reicht jeder fotogene, mehrsprachige Mann oder jede fotogene, mehrsprachige Frau aus. Und wenn Managementfähigkeiten erforderlich sind, um einen ausufernden und kostspieligen Apparat zu führen, muss man über die Diplomaten hinausblicken und nach einer neuen, jüngeren Generation von Führungskräften aus der Wirtschaft suchen.
Am Vorabend der Generalversammlung bewegen sich die Welt und mit ihr auch die UNO weiterhin ins Unbekannte.
Die Abstimmungen im UN-Sicherheitsrat erfolgen geheim – Vetomächte können Kandidaten blockieren. (Archivbid) - Foto: Leonardo Munoz / AFP via Getty Image
Im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat der mehrstufige Auswahlprozess für den freiwerdenden Posten des UN-Generalsekretärs begonnen. Die insgesamt 15 Sicherheitsrats-Mitglieder hielten am Donnerstag eine erste Probeabstimmung hinter verschlossenen Türen ab, wie Diplomaten mitteilten.
Sieben Kandidaten im Rennen
Vier Frauen und drei Männer bewerben sich um die Nachfolge des Portugiesen António Guterres, der den Spitzenposten zum Jahresende nach zehn Jahren abgibt. Im Rennen sind unter anderem die frühere chilenische Präsidentin Michelle Bachelet und der Leiter der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), der Argentinier Rafael Grossi. Uganda hat kurzfristig den früheren Präsidentschaftskandidaten Olara Otunnu nachnominiert.
Die Abstimmungen im UN-Sicherheitsrat erfolgen geheim und traditionell in mehreren Runden. Vetomächte wie die USA, China und Russland können Bewerber blockieren. Der gewählte Kandidat oder die Kandidatin muss danach von der UN-Vollversammlung bestätigt werden.
Baerbock für erste Frau an der Spitze
Die noch bis Ende August amtierende Präsidentin der UN-Vollversammlung, die frühere Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne), hatte sich mehrfach dafür ausgesprochen, erstmals in der 81-jährigen Geschichte der UNO eine Frau für den Spitzenposten zu wählen. Ob dies gelingt, ist jedoch unklar. Eine eigene Kandidatur lehnte Baerbock ab, da nach ungeschriebenen Rotationsregeln diesmal Lateinamerika Anspruch auf das mächtigste Amt bei der UNO erhebt.
Neben Bachelet und Grossi gibt es drei weitere Bewerberinnen aus der Gruppe der lateinamerikanischen und Karibik-Staaten: die frühere Präsidentin der UN-Vollversammlung, María Fernanda Espinosa aus Ecuador, die Chefin der UN-Organisation für Handel und Entwicklung (UNCTAD), Rebeca Grynspan aus Costa Rica, und die Diplomatin Carolyn Rodrigues-Birkett aus Guyana.
UNO vor großer Bewährungsprobe
Beobachter sehen die UNO im 81. Jahr ihrer Gründung vor ihrer größten Bewährungsprobe – unter anderem, weil die USA unter Präsident Donald Trump massiv Finanzmittel gestrichen haben und Trump einen eigenen „Friedensrat“ gegründet hat, in dem viele Länder eine Konkurrenz zu den Vereinten Nationen sehen. (afp/red)
US-Präsident Donald Trump spricht bei einem öffentlichen Auftritt. - Foto: Brendan SMIALOWSKI / AFP via Getty Images
Der Anführer der venezolanischen Drogenbande Tren de Aragua ist nach Angaben von US-Präsident Donald Trump bei einem US-Angriff getötet worden.
Das für Lateinamerika zuständige US-Südkommando habe „einen schnellen und tödlichen kinetischen Schlag“ ausgeführt, „um Niño Guerrero, den berüchtigten Anführer von Tren De Aragua, einer der blutrünstigsten Terrororganisationen auf diesem Planeten, erfolgreich zu exekutieren“, schrieb Trump am Freitagabend, 12. Juni, in seinem Onlinedienst Truth Social.
Gemeinsamer Einsatz mit Venezuela
Der Angriff sei in enger Abstimmung „mit unseren Freunden in Venezuela“ erfolgt, „mit denen wir sehr gut zusammenarbeiten“, fügte Trump offenbar mit Blick auf die Übergangsregierung in Caracas hinzu. Trump verbreitete auch ein Video, das ein Gebäude mit einem grünen Dach und dann eine Explosion zeigt. Angaben zum genauen Ort des Angriffs machte er nicht.
Venezuela bestätigte kurz darauf die Tötung Guerreros. Das Kommunikationsministerium erklärte, bei einem “ Einsatz“ mit den Vereinigten Staaten seien „Strukturen der organisierten Kriminalität“ im Süden des Landes zerschlagen worden.
„Es kam zu Gefechten mit Mitgliedern dieser kriminellen Strukturen, bei denen Héctor Rusthenford Guerrero Flores alias Niño Guerrero neutralisiert wurde“, hieß es in der Erklärung.
Tren de Aragua international aktiv
Die Bande Tren de Aragua hatte sich in einem Gefängnis in Venezuela gegründet, sie ist aber auch in Kolumbien, Peru und Chile aktiv. Die USA haben Tren de Aragua als „ausländische Terrororganisation“ eingestuft.
Gegen ihren Anführer Héctor Rusthenford Guerrero Flores alias Niño Guerrero hatte die New Yorker Staatsanwaltschaft im Dezember Anklage wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung sowie Drogen- und Waffenvergehen erhoben. Er sei maßgeblich daran beteiligt gewesen, aus „einer venezolanischen Gefängnisbande eine transnationale Terrororganisation“ zu machen, erklärte der Staatsanwalt Jay Clayton.
Unter seiner Führung habe Tren de Aragua „unzählige Gewalttaten, Erpressungen und Drogengeschäfte in ganz Nordamerika, Südamerika und Europa begangen“. Die USA setzten eine Belohnung von fünf Millionen Dollar (4,3 Millionen Euro) für seine Ergreifung aus.
Im Januar war Venezuelas linksnationalistischer Präsident Nicolás Maduro bei einem US-Militäreinsatz in der Hauptstadt Caracas gefangen genommen und in die USA gebracht worden. Er sitzt in New York in Haft, wo ihm wegen „Drogenterrorismus“ der Prozess gemacht werden soll. Seine ehemalige Stellvertreterin Delcy Rodríguez wurde zur Übergangspräsidentin ernannt. (afp/red)
Ein Mann geht eine Straße entlang, während ein klassisches Auto vorbeifährt, mit dem Hotel Iberostar Selection (C) und dem Hotel Habana Libre Meliá (R) im Hintergrund, in Havanna am 2. Juni 2026. - Foto: Adalberto Roque/AFP via Getty Images
Die Trump-Regierung hat am Donnerstag, dem 4. Juni, Sanktionen gegen den kubanischen Staatschef Miguel Díaz-Canel, seine Ehefrau sowie drei weitere zentrale Personen verhängt und damit den Druck auf die kommunistische Führung der Insel deutlich verschärft – vor dem Hintergrund einer sich zuspitzenden wirtschaftlichen Krise.
Die Maßnahme des US-Finanzministeriums baut auf früheren Exekutivanordnungen auf und richtet sich gezielt gegen führende Vertreter des Regimes sowie ihnen zugeordnete Organisationen. Sie sieht das Einfrieren sämtlicher Vermögenswerte vor, die diese Personen oder Einrichtungen in US-Gerichtsbarkeiten besitzen könnten, und untersagt US-Staatsbürgern jegliche geschäftlichen Beziehungen zu ihnen.
Betroffen sind unter anderem Alejandro Castro Espín, Sohn des ehemaligen Staatschefs Raúl Castro, sowie dessen Sohn. Darüber hinaus gelten die Sanktionen auch für Kubas Verteidigungsministerium, das Institut für Freundschaft mit den Völkern, die staatliche Reiseagentur Amistur Cuba sowie die Komitees zur Verteidigung der Revolution, wie aus öffentlichen Unterlagen hervorgeht.
«Wenn das passiert, wird es Kämpfe geben, und es wird einen Widerstand geben», sagte Kubas Präsident Miguel Diaz-Canel. (Archivbild)
Foto: Ramon Espinosa/AP/dpa
Rechtsgrundlage und neue US-Anordnung
Die Benennungen stehen im Zusammenhang mit der Anfang Mai von US-Präsident Donald Trump unterzeichneten Executive Order 14404, die den Sanktionsrahmen erweiterte. Sie zielt auf Personen ab, die aus Sicht der USA an Repressionen beteiligt sind oder die nationale Sicherheit sowie außenpolitische Interessen der Vereinigten Staaten gefährden. Im Rahmen des International Emergency Economic Powers Act (Gesetz über internationale wirtschaftliche Notbefugnisse) ermöglicht die Anordnung zudem sogenannte sekundäre Sanktionen gegen ausländische Akteure, die das kubanische Regime unterstützen.
Parallel dazu hat Kuba infolge von US-Maßnahmen, die unter anderem seine Öllieferungen eingeschränkt haben, mit zunehmenden wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. Die Folgen reichen von großflächigen Stromausfällen über Lebensmittelknappheit bis hin zu erheblichem wirtschaftlichem Druck. Diese Entwicklungen haben soziale Spannungen verstärkt und Forderungen nach politischen und wirtschaftlichen Veränderungen auf der Insel weiter angefacht.
„Das Land hungert, und es hat keine Energie, kein Öl, kein Geld, es hat nichts. Es ist ein wunderschönes Stück Land“, sagte Donald Trump am Donnerstag bei einer Veranstaltung im Oval Office. „Man könnte dort wunderschöne Resorts haben.“
Auf die Frage, ob das Land zusammenbrechen könnte, erklärte er: „Es ist irgendwie schon zusammengebrochen“. Er fügte hinzu, man werde sich darum „kümmern, sobald andere Prioritäten abgeschlossen sind“. „Ich mache gern eine Sache nach der anderen“, sagte er weiter.
Der Präsident deutete zudem die Möglichkeit einer „freundlichen Übernahme“ an, sollte die kubanische Führung keine wirtschaftliche Öffnung vorantreiben und sich nicht von Widersachern distanzieren – eine Aussage, die die Aussicht auf weitergehende politische und wirtschaftliche Maßnahmen zusätzlich verschärft.
US-Außenminister Marco Rubio, dessen Familie kubanische Wurzeln hat, erklärte, die Sanktionen seien notwendig und Kuba stelle eine Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA dar.
„Die heute benannten Personen steuern oder finanzieren das Regime und seine Bemühungen, seine radikalen revolutionären Bewegungen in den Vereinigten Staaten und weltweit zu mobilisieren“, so Rubio in einer Stellungnahme.
Die Eltern von US-Außenminister Marco Rubio sind einst selbst aus Kuba in die Vereinigten Staaten eingewandert.
Foto: Mark Schiefelbein/AP/dpa
Reaktionen aus Kuba
Miguel Díaz-Canel reagierte auf Spanisch über die Social-Media-Plattform X. Er erklärte, diese „politische Blindheit“ reihe sich in die Zwangsmaßnahmen der vergangenen Wochen ein, die darauf abzielten, dem kubanischen Volk zu schaden.
Zugleich warf er den USA „neue Drohungen gegen Kuba“ vor und kündigte an, Widerstand zu leisten, „um den schlimmsten Szenarien zu begegnen und die imperiale Offensive abzuwehren“.
Kubas Außenminister Bruno Rodríguez verurteilte die Maßnahmen ebenfalls deutlich. Jede US-Politik, die auf eine Eskalation zwischen beiden Staaten abziele, sei zum Scheitern verurteilt, sagte er in einer Übersetzung aus dem Spanischen. Zudem betonte er, jede Bedrohung der Unabhängigkeit und Souveränität Kubas werde mit „noch größerer Einheit und Entschlossenheit“ beantwortet.
(L von links nach rechts) Der Revolutionsveteran José Ramón Machado Ventura, Premierminister Manuel Marrero Cruz, Verteidigungsminister Alvaro López Miera und Außenminister Bruno Rodríguez nehmen am 16. April 2026 in Havanna an den Feierlichkeiten zum 65. Jahrestag des Sieges in der Schweinebucht und der Ausrufung des sozialistischen Charakters der kubanischen Revolution teil.
Foto: ADALBERTO ROQUE / AFP via Getty Images
Politische Ausgangslage
Miguel Díaz-Canel, der 2018 die Nachfolge von Raúl Castro antrat, steht einer sich zunehmend verschärfenden Krise gegenüber. Seine Ehefrau Lis Cuesta Peraza übernimmt dabei eine Rolle, die einer First Lady ähnelt, und wurde ebenfalls mit Sanktionen belegt.
Auch sein Stiefsohn Manuel Anido Cuesta ist von den Maßnahmen betroffen.
Nagetiere wie die Rötelmaus gehören zu den Wirten für das Hantavirus. - Foto: Kimmo Taskinen/STT-Lehtikuva/dpa
In Kürze:
Mäuse und Ratten gelten als Hauptüberträger des Hantavirus.
Lebensbedrohliche Erkrankungen von Herz, Lunge oder Nieren sind möglich.
Das aktuell in den Fokus gerückte Andes-Virus war hauptsächlich in Lateinamerika verbreitet.
Der Ausbruch des Hantavirus auf dem Kreuzfahrtschiff MV „Hondius“ füllt seit einigen Tagen die Schlagzeilen in den Medien. Was ist über das Virus bekannt und wie kann es zu einer Ansteckung kommen?
Das Risiko für die öffentliche Gesundheit ist gering
Die Weltgesundheitsorganisation bestätigte kürzlich, dass es sich um die Variante Andes handelt. Sie sei der einzige Hantavirustyp, der von Mensch zu Mensch übertragbar sei. Das Risiko für die öffentliche Gesundheit wird jedoch weiterhin als gering eingeschätzt.
Was sind Hantaviren und wie wirken sie sich auf den Menschen aus?
Das Hantavirus ist ein winziges Virus mit einem Durchmesser von etwa 100 Nanometern. Es ist so klein, dass tausend davon auf die Breite eines menschlichen Haares passen würden.
Hantaviren sind eine Virusgattung aus der Familie der Hantaviridae (früher Bunyaviridae) und werden hauptsächlich von Nagetieren, insbesondere Mäusen und Ratten, übertragen. In Nordamerika gelten Hirschmäuse als die häufigsten Überträger.
Die Übertragung auf den Menschen erfolgt durch Kontakt mit infiziertem Nagetierurin, -kot oder -speichel oder durch Einatmen von mit diesen Ausscheidungen kontaminierten Aerosolen. Weltweit sind mehr als 50 Arten bekannt.
Eine Infektion kann zwei unterschiedliche Krankheitsbilder hervorrufen: das Hantavirus-Pulmonalsyndrom (HPS), das zu lebensbedrohlichen Lungen- und Herzproblemen führt, und das Hämorrhagische Fieber mit renalem Syndrom (HFRS), eine schwere Nierenerkrankung.
Es gibt bislang keine spezifische Behandlung für eine Hantavirusinfektion. Das antivirale Medikament Ribavirin hat sich zwar bei der Variante mit Nierenversagen laut Forschungen als hilfreich erwiesen, jedoch nicht bei HPS.
Von allen bekannten Stämmen ist nur beim Andes-Virus eine potenzielle Übertragung von Mensch zu Mensch dokumentiert. Doch selbst dann erfordert die Ansteckung in der Regel engen, längeren Kontakt und ist selten.
2019 gab es elf Tote in Patagonien
Vor dem erneuten Ausbruch war das Andes-Virus auf Teile Lateinamerikas, insbesondere Argentinien, beschränkt. Einer der größten gemeldeten Ausbrüche des Andes-Virus ereignete sich zwischen Ende 2018 und Anfang 2019 in Epuyén, einem Dorf mit rund 2.000 Einwohnern in Patagonien, Argentinien. Es gab 29 bestätigte Krankheitsfälle, darunter elf Todesfälle. Bislang ist dies der bekannteste Ausbruch mit der Übertragung von Mensch zu Mensch. Im Fall der MV „Hondius“ vermuten Experten der Weltgesundheitsorganisation, dass sich der erste Passagier, der mutmaßlich an dem Hantavirus starb, wahrscheinlich in dem südamerikanischen Land infiziert hat. Beim Betreten des Schiffes verbreitete er das Virus dann unter den anderen Passagieren.
In Argentinien liegt die Sterblichkeitsrate bei HPS bei bis zu 50 Prozent. Die Behörden dämmten die Ausbreitung durch strenge Quarantänemaßnahmen, Kontaktverfolgung, Isolation enger Kontaktpersonen und aktive Überwachung ein. Diese Maßnahmen erinnern an die Reaktion des öffentlichen Gesundheitswesens während der COVID-19-Pandemie.
Dr. Tyler B. Evans, Facharzt für Infektionskrankheiten und öffentliches Gesundheitswesen und erster leitender Amtsarzt von New York City während der COVID-19-Pandemie, sagte gegenüber der Epoch Times, die Gefahr eines Schiffes wie der MV „Hondius“ bestehe darin, dass es sich um ein kleines Expeditionsschiff handele, das in einigen der entlegensten Gewässer der Erde operiere.
Da sich nur ein Arzt an Bord befinde und abgelegene Orte mit minimaler medizinischer Infrastruktur angelaufen würden, bestehe die Reaktion im Falle einer kritischen Erkrankung nicht in einer schnellen Verlegung in einen nahe gelegenen Hafen mit modernen Einrichtungen, so Evans. „Es handelt sich um eine Evakuierung über mehrere Tage, die Erkrankte möglicherweise nicht überleben.“
HPS beginnt typischerweise mit grippeähnlichen Symptomen. Die Inkubationszeit – die Zeit von der Ansteckung bis zum Auftreten der Symptome – beträgt bis zu acht Wochen. Die meisten Symptome treten etwa zwei bis vier Wochen nach der Ansteckung auf.
Verschiedene Symptome
Das Gefährliche an dieser Krankheit ist ihr rasanter Verlauf. „Es können Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen sowie Husten auftreten, die einige Tage bis zu einer Woche anhalten können“, erklärte Dr. Andrew Handel, Spezialist für pädiatrische Infektionskrankheiten am Stony Brook Children’s Hospital in New York, gegenüber Epoch Times. „Die größte Gefahr bei Hantaviren geht jedoch vom kardiopulmonalen Syndrom aus, das zu einem raschen Kreislaufkollaps führen kann.“
Wenn dieser Kollaps eintritt, ist die Sterblichkeitsrate innerhalb der ersten 24 Stunden hoch, so Handel. Im weiteren Verlauf kann es rasch zu einer Flüssigkeitsansammlung in der Lunge kommen. Wird sie nicht behandelt, kann sie zu Atemversagen führen.
HFRS hingegen äußert sich durch Symptome wie Fieber, Hautrötung, Kopfschmerzen, Nierenprobleme, Blutungen unter der Haut oder aus anderen Körperöffnungen und in schweren Fällen durch Schock.
Für die Bevölkerung stellen Hantaviren ein geringes Risiko dar. In den Vereinigten Staaten werden jährlich zwischen 15 und 50 Fälle registriert. In Asien und Europa ist HFRS häufiger. Das gilt vor allem für Länder wie China, Korea und Russland, wo jährlich Tausende Fälle gemeldet werden. Im Jahr 2023 wurden in Europa laut European Centre for Disease Prevention and Control 1.885 Fälle von Hantavirusinfektionen gemeldet.
Das Virus benötigt bestimmte Bedingungen, um Menschen zu infizieren. Dazu gehört etwa das Einatmen von infektiösen Aerosolpartikeln über einen längeren Zeitraum. Allerdings tragen die meisten Nagetierpopulationen das Virus nicht und wenige Menschen kommen regelmäßig mit Nagetieren in Berührung, was das Gesamtrisiko weiter reduziert.
Wer jedoch in ländlichen Gebieten, auf Bauernhöfen, in Hütten oder in Regionen mit hohem Nagetieraufkommen lebt, erhöht sein Expositionsrisiko.
Der Schlüssel zur Vorbeugung liegt darin, den Kontakt mit Nagetieren zu minimieren. Die wichtigste Maßnahme ist, Nagetiere vom eigenen Zuhause und Arbeitsplatz fernzuhalten. Löcher und Spalten sollten abgedichtet, Lebensmittel in luftdichten Behältern aufbewahrt werden. Um zu verhindern, dass sich die Nager einnisten, sollte man Unrat entfernen.
Hanta ist in Deutschland meldepflichtig
Beim Reinigen von mit Nagetierkot verunreinigten Bereichen ist es wichtig, nicht zu fegen oder zu saugen, da dies das Virus in die Luft wirbeln kann. Stattdessen sollte man zunächst gründlich lüften. Desinfektionsmittel und feuchte Tücher werden zum Reinigen empfohlen. Dabei sollte man Handschuhe und eine Maske tragen, um das Einatmen oder den Kontakt mit Viren zu vermeiden.
Auch das Robert Koch‑Institut (RKI) weist darauf hin, dass Hantaviren in der Umwelt mehrere Wochen lang überleben können. Menschen benötigen deshalb keinen direkten Kontakt zu infizierten Nagern, um sich anzustecken. Wer im Keller oder Schuppen arbeitet oder Feuerholz umschichtet, kann dabei mit virushaltigem Material in Berührung kommen.
Laut RKI steigt das Infektionsrisiko, wenn verletzte Haut mit kontaminiertem Staub oder anderen belasteten Materialien in Kontakt kommt. Auch der Verzehr von Lebensmitteln, die mit Ausscheidungen infizierter Nagetiere verunreinigt wurden, kann eine Ansteckung auslösen.
Kinder erkranken sehr selten, haben aber ebenso wie Menschen mit einem geschwächten Immunsystem bei Kontakt mit Nagetieren ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf.
In Deutschland ist eine Hantaviruserkrankung meldepflichtig. Im Süden und Westen Deutschlands dient laut RKI die Rötelmaus als Zwischenwirt, in Nord- und Ostdeutschland wird die Brandmaus mit den Infektionen in Verbindung gebracht.