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Hantavirus: Worauf man achten sollte, um eine Erkrankung zu vermeiden


In Kürze:

  • Mäuse und Ratten gelten als Hauptüberträger des Hantavirus.
  • Lebensbedrohliche Erkrankungen von Herz, Lunge oder Nieren sind möglich.
  • Das aktuell in den Fokus gerückte Andes-Virus war hauptsächlich in Lateinamerika verbreitet.

 
Der Ausbruch des Hantavirus auf dem Kreuzfahrtschiff MV „Hondius“ füllt seit einigen Tagen die Schlagzeilen in den Medien. Was ist über das Virus bekannt und wie kann es zu einer Ansteckung kommen?

Das Risiko für die öffentliche Gesundheit ist gering

Die Weltgesundheitsorganisation bestätigte kürzlich, dass es sich um die Variante Andes handelt. Sie sei der einzige Hantavirustyp, der von Mensch zu Mensch übertragbar sei. Das Risiko für die öffentliche Gesundheit wird jedoch weiterhin als gering eingeschätzt.
Was sind Hantaviren und wie wirken sie sich auf den Menschen aus?
Das Hantavirus ist ein winziges Virus mit einem Durchmesser von etwa 100 Nanometern. Es ist so klein, dass tausend davon auf die Breite eines menschlichen Haares passen würden.
Hantaviren sind eine Virusgattung aus der Familie der Hantaviridae (früher Bunyaviridae) und werden hauptsächlich von Nagetieren, insbesondere Mäusen und Ratten, übertragen. In Nordamerika gelten Hirschmäuse als die häufigsten Überträger.
Die Übertragung auf den Menschen erfolgt durch Kontakt mit infiziertem Nagetierurin, -kot oder -speichel oder durch Einatmen von mit diesen Ausscheidungen kontaminierten Aerosolen. Weltweit sind mehr als 50 Arten bekannt.
Eine Infektion kann zwei unterschiedliche Krankheitsbilder hervorrufen: das Hantavirus-Pulmonalsyndrom (HPS), das zu lebensbedrohlichen Lungen- und Herzproblemen führt, und das Hämorrhagische Fieber mit renalem Syndrom (HFRS), eine schwere Nierenerkrankung.
Es gibt bislang keine spezifische Behandlung für eine Hantavirusinfektion. Das antivirale Medikament Ribavirin hat sich zwar bei der Variante mit Nierenversagen laut Forschungen als hilfreich erwiesen, jedoch nicht bei HPS.
Von allen bekannten Stämmen ist nur beim Andes-Virus eine potenzielle Übertragung von Mensch zu Mensch dokumentiert. Doch selbst dann erfordert die Ansteckung in der Regel engen, längeren Kontakt und ist selten.

2019 gab es elf Tote in Patagonien

Vor dem erneuten Ausbruch war das Andes-Virus auf Teile Lateinamerikas, insbesondere Argentinien, beschränkt. Einer der größten gemeldeten Ausbrüche des Andes-Virus ereignete sich zwischen Ende 2018 und Anfang 2019 in Epuyén, einem Dorf mit rund 2.000 Einwohnern in Patagonien, Argentinien. Es gab 29 bestätigte Krankheitsfälle, darunter elf Todesfälle. Bislang ist dies der bekannteste Ausbruch mit der Übertragung von Mensch zu Mensch. Im Fall der MV „Hondius“ vermuten Experten der Weltgesundheitsorganisation, dass sich der erste Passagier, der mutmaßlich an dem Hantavirus starb, wahrscheinlich in dem südamerikanischen Land infiziert hat. Beim Betreten des Schiffes verbreitete er das Virus dann unter den anderen Passagieren.
In Argentinien liegt die Sterblichkeitsrate bei HPS bei bis zu 50 Prozent. Die Behörden dämmten die Ausbreitung durch strenge Quarantänemaßnahmen, Kontaktverfolgung, Isolation enger Kontaktpersonen und aktive Überwachung ein. Diese Maßnahmen erinnern an die Reaktion des öffentlichen Gesundheitswesens während der COVID-19-Pandemie.
Dr. Tyler B. Evans, Facharzt für Infektionskrankheiten und öffentliches Gesundheitswesen und erster leitender Amtsarzt von New York City während der COVID-19-Pandemie, sagte gegenüber der Epoch Times, die Gefahr eines Schiffes wie der MV „Hondius“ bestehe darin, dass es sich um ein kleines Expeditionsschiff handele, das in einigen der entlegensten Gewässer der Erde operiere.
Da sich nur ein Arzt an Bord befinde und abgelegene Orte mit minimaler medizinischer Infrastruktur angelaufen würden, bestehe die Reaktion im Falle einer kritischen Erkrankung nicht in einer schnellen Verlegung in einen nahe gelegenen Hafen mit modernen Einrichtungen, so Evans. „Es handelt sich um eine Evakuierung über mehrere Tage, die Erkrankte möglicherweise nicht überleben.“
HPS beginnt typischerweise mit grippeähnlichen Symptomen. Die Inkubationszeit – die Zeit von der Ansteckung bis zum Auftreten der Symptome – beträgt bis zu acht Wochen. Die meisten Symptome treten etwa zwei bis vier Wochen nach der Ansteckung auf.

Verschiedene Symptome

Das Gefährliche an dieser Krankheit ist ihr rasanter Verlauf. „Es können Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen sowie Husten auftreten, die einige Tage bis zu einer Woche anhalten können“, erklärte Dr. Andrew Handel, Spezialist für pädiatrische Infektionskrankheiten am Stony Brook Children’s Hospital in New York, gegenüber Epoch Times. „Die größte Gefahr bei Hantaviren geht jedoch vom kardiopulmonalen Syndrom aus, das zu einem raschen Kreislaufkollaps führen kann.“
Wenn dieser Kollaps eintritt, ist die Sterblichkeitsrate innerhalb der ersten 24 Stunden hoch, so Handel. Im weiteren Verlauf kann es rasch zu einer Flüssigkeitsansammlung in der Lunge kommen. Wird sie nicht behandelt, kann sie zu Atemversagen führen.
HFRS hingegen äußert sich durch Symptome wie Fieber, Hautrötung, Kopfschmerzen, Nierenprobleme, Blutungen unter der Haut oder aus anderen Körperöffnungen und in schweren Fällen durch Schock.
Für die Bevölkerung stellen Hantaviren ein geringes Risiko dar. In den Vereinigten Staaten werden jährlich zwischen 15 und 50 Fälle registriert. In Asien und Europa ist HFRS häufiger. Das gilt vor allem für Länder wie China, Korea und Russland, wo jährlich Tausende Fälle gemeldet werden. Im Jahr 2023 wurden in Europa laut European Centre for Disease Prevention and Control 1.885 Fälle von Hantavirusinfektionen gemeldet.
Das Virus benötigt bestimmte Bedingungen, um Menschen zu infizieren. Dazu gehört etwa das Einatmen von infektiösen Aerosolpartikeln über einen längeren Zeitraum. Allerdings tragen die meisten Nagetierpopulationen das Virus nicht und wenige Menschen kommen regelmäßig mit Nagetieren in Berührung, was das Gesamtrisiko weiter reduziert.
Wer jedoch in ländlichen Gebieten, auf Bauernhöfen, in Hütten oder in Regionen mit hohem Nagetieraufkommen lebt, erhöht sein Expositionsrisiko.
Der Schlüssel zur Vorbeugung liegt darin, den Kontakt mit Nagetieren zu minimieren. Die wichtigste Maßnahme ist, Nagetiere vom eigenen Zuhause und Arbeitsplatz fernzuhalten. Löcher und Spalten sollten abgedichtet, Lebensmittel in luftdichten Behältern aufbewahrt werden. Um zu verhindern, dass sich die Nager einnisten, sollte man Unrat entfernen.

Hanta ist in Deutschland meldepflichtig

Beim Reinigen von mit Nagetierkot verunreinigten Bereichen ist es wichtig, nicht zu fegen oder zu saugen, da dies das Virus in die Luft wirbeln kann. Stattdessen sollte man zunächst gründlich lüften. Desinfektionsmittel und feuchte Tücher werden zum Reinigen empfohlen. Dabei sollte man Handschuhe und eine Maske tragen, um das Einatmen oder den Kontakt mit Viren zu vermeiden.
Auch das Robert Koch‑Institut (RKI) weist darauf hin, dass Hantaviren in der Umwelt mehrere Wochen lang überleben können. Menschen benötigen deshalb keinen direkten Kontakt zu infizierten Nagern, um sich anzustecken. Wer im Keller oder Schuppen arbeitet oder Feuerholz umschichtet, kann dabei mit virushaltigem Material in Berührung kommen.
Laut RKI steigt das Infektionsrisiko, wenn verletzte Haut mit kontaminiertem Staub oder anderen belasteten Materialien in Kontakt kommt. Auch der Verzehr von Lebensmitteln, die mit Ausscheidungen infizierter Nagetiere verunreinigt wurden, kann eine Ansteckung auslösen.
Kinder erkranken sehr selten, haben aber ebenso wie Menschen mit einem geschwächten Immunsystem bei Kontakt mit Nagetieren ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf.
In Deutschland ist eine Hantaviruserkrankung meldepflichtig. Im Süden und Westen Deutschlands dient laut RKI die Rötelmaus als Zwischenwirt, in Nord- und Ostdeutschland wird die Brandmaus mit den Infektionen in Verbindung gebracht.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Hantavirus: A Rare yet Deadly Virus Strikes Cruise Ship — What to Watch Out For“. (deutsche Bearbeitung: os)
(Mit Material der Nachrichtenagenturen)
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Studie zum Hantavirus: Ausbruch 2018 in Argentinien ließ sich gut eindämmen

2018 zeigte ein Ausbruch in Argentinien, dass es während eines kurzen Zeitfensters zu den meisten Ansteckungen kommt und sich eine Ausbreitung mit Schutz- und Quarantänemaßnahmen gut eindämmen lässt.
2018 hatte ein Mann auf einer Geburtstagsfeier im Dorf Epuyén in der argentinischen Provinz Chubut mehrere Menschen angesteckt: Die Party gilt als das letzte „Superspreading-Event“ im Zusammenhang mit dem Andesvirus bis zu dem Ausbruch auf der „Hondius“. Wissenschaftler analysierten damals Proben von fast allen der 33 Infizierten, von denen elf starben. So ließ sich der Übertragungsweg rekonstruieren.
Der 68-jährige Mann aus Epuyén war den Erkenntnissen zufolge vermutlich in der Nähe seines Wohnhauses mit Urin, Kot oder Speichel von Nagetieren in Kontakt gekommen – Hantaviren übertragen sich in erster Linie über Ausscheidungen infizierter Nagetiere.
Obwohl der Mann Fieber bekam, nahm er am 3. November 2018 etwa 90 Minuten lang an einer Geburtstagsparty in Epuyén mit etwa 100 anderen Gästen teil.
Auf der Party kam es dann zu der nur beim Andesvirus beobachteten Mensch-zu-Mensch-Übertragung: Wie aus einer 2020 im „New England Journal of Medicine“ veröffentlichten Studie hervorgeht, entwickelten fünf Menschen, die Kontakt mit dem infizierten Partygast hatten, innerhalb der nächsten Wochen Symptome.
Eine Rekonstruktion der Party ergab, dass mehrere von ihnen mit dem 68-Jährigen an einem Tisch gesessen hatten –  weniger als einen Meter entfernt. Eine andere Person war dem Mann allerdings nur auf dem Weg zur Toilette begegnet und hatte ihn gegrüßt.
Bei dem Ausbruch in Epuyén identifizierten die Wissenschaftler insgesamt drei sogenannte Superspreader, die insgesamt zwei Drittel der Infektionen verursachten. Ein Mann mit einem „aktiven Sozialleben“ infizierte der Studie zufolge sechs weitere Menschen.
Er starb 16 Tage nach Symptombeginn. Seine Frau, die dritte Superspreaderin, nahm schon erkrankt an seiner Totenwache teil, bei der sich weitere zehn Menschen infizierten.
Bei dem Ausbruch in Epuyén erfolgten der Studie zufolge die meisten Ansteckungen durch Tröpfchen, die in die Atemwege der Betroffenen gelangten. Ansteckend waren die Infizierten dann vor allem an dem Tag, an dem sie Fieber bekamen: Mehr als die Hälfte aller Ansteckungen erfolgte an diesem Tag. In Krankenhäusern, in denen mehr als 80 Beschäftigte engen Kontakt zu symptomatischen Patienten hatten, infizierte sich niemand mehr.

Erkrankte unter Quarantäne

Durch Schutzmaßnahmen wurde die Ausbreitung dann eingedämmt: Erkrankte wurden unter Quarantäne gestellt und Kontaktpersonen mussten sich isolieren. Der Experte Olivier Blond, Biologe beim argentinischen Forschungsinstitut Conicet, geht davon aus, dass dies die „Ausbreitung des Virus verhinderte“. Auch auf der „Hondius“ wurden die Passagiere inzwischen in ihren Kabinen unter Quarantäne gestellt.

Die Wahrscheinlichkeit einer Hantavirus-Pandemie ist gering

Wie bereits die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weist auch der argentinische Experte Raúl González Ittig darauf hin, dass sich das Hantavirus nicht so schnell verbreitet wie etwa das Coronaviurs – auch wegen der höheren Sterblichkeit.
Da beim Hantavirus „schnell Todesfälle auftreten“, könnten dann auch rasch Schutzmaßnahmen ergriffen werden, sagte der Professor von der Universität Córdoba in Argentinien der Nachrichtenagentur AFP. So werde „die Übertragungskette zügig unterbrochen“. Die Wahrscheinlichkeit einer Hantavirus-Pandemie sei daher gering.

WHO: Gefahr durch Hantavirus für Allgemeinbevölkerung „absolut gering“

Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge ist das Risiko für die Allgemeinbevölkerung durch das auf einem Kreuzfahrtschiff aufgetretene Hantavirus „absolut gering“. Der Erreger sei zwar gefährlich, „aber nur für die Person, die wirklich infiziert ist, und das Risiko für die Allgemeinbevölkerung ist absolut gering“, sagte WHO-Sprecher Christian Lindmeier am Freitag auf einer Pressekonferenz in Genf.
Für eine Infektion von Mensch zu Mensch sei „sehr enger Kontakt“ nötig, betonte Lindmeier. Er wies darauf hin, dass selbst Menschen, die auf dem Schiff in den selben Kabinen übernachtet hatten, „in manchen Fällen nicht infiziert worden sind“. (afp/red)