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Hausmittel aus der Küche zur Stärkung der Abwehrkräfte in der Erkältungssaison

Die Tage werden kürzer und die Morgen kälter, vielleicht hustet ja schon jemand in Ihrem Büro. Die Erkältungs- und Grippesaison steht vor der Tür, und die Gewohnheiten, die Sie sich jetzt aneignen, können Ihrem Körper helfen, diese Zeit besser zu überstehen.

Der Faktor Stress

Der Herbst lädt dazu ein, innezuhalten und den Blick nach innen zu richten. Es ist der ideale Zeitpunkt, um ehrlich zu hinterfragen: Ist Stress in Ihrem Alltag vielleicht zu einem Dauerzustand geworden?
Diese Unterscheidung ist entscheidend. Während kurzer, akuter Stress die Immunabwehr sogar anregen kann, kehrt sich dieser Effekt bei Wochen oder Monate andauernder Belastung ins Gegenteil um: Das Immunsystem wird geschwächt. Die dauerhafte Ausschüttung von Hormonen wie Cortisol fördert chronische Entzündungsprozesse und senkt die Zahl der weißen Blutkörperchen, genau jener Abwehrzellen, die der Körper zur Abwehr von Krankheitserregern benötigt.
Stressauslöser lassen sich im Alltag oft nicht vollständig vermeiden, wohl aber unser Umgang mit ihnen. Methoden wie Meditation, Yoga, das Schreiben von Tagebüchern oder ein Gebet können helfen, die eigene Mitte wiederzufinden, den Blick für das Wesentliche zu schärfen und Stress nachhaltig zu bewältigen.

Pflanzliche Unterstützung bei Stress: Adaptogene

Zu den wirksamsten Helfern aus der Naturheilkunde zählen sogenannte Adaptogene. Diese pflanzlichen Wirkstoffe unterstützen den Organismus dabei, sich an Belastungssituationen anzupassen, das innere Gleichgewicht wiederherzustellen und die körperliche wie mentale Widerstandskraft zu stärken. Sie lassen sich flexibel in den Alltag integrieren, beispielsweise als Tee, Tinktur, Pulver oder in Form von Kapseln.
Zu den bekanntesten Adaptogenen gehören:
  • Ashwagandha
  • Schisandra
  • Rhodiola
  • Süßholz
  • Heiliges Basilikum (Tulsi)
  • Ginseng
Eine Studie mit 58 Teilnehmern ergab, dass Erwachsene, die täglich Ashwagandha-Wurzelextrakt einnahmen, von einer deutlichen Verringerung des empfundenen Stresses und der Angstgefühle berichteten sowie einen niedrigeren morgendlichen Cortisolspiegel hatten. Zudem zeigten sie Verbesserungen der Schlafqualität.
Andere kleinere Studien haben ergeben, dass Rhodiola den Cortisolspiegel senkt, bei geistiger Erschöpfung hilft und die Stimmung in Phasen hohen Stresses verbessert.

Gönnen Sie sich ausreichend Schlaf

Ein unterschätzter Schlüssel für ein starkes Immunsystem und langfristige Gesundheit ist erholsamer Schlaf. Studien belegen: Chronischer Schlafmangel schwächt die Immunabwehr, macht anfälliger für Infekte und verstärkt entzündliche Prozesse im Körper.

Mit dem Einzug der kälteren Jahreszeit verändert sich auch unser natürlicher Biorhythmus. Während regelmäßige Bewegung weiterhin essenziell bleibt, fordert der Körper im Herbst und Winter ganz natürlich etwas mehr Ruhe und Regeneration. Diesem Bedürfnis nachzugeben und dem Körper mehr Schlaf zu gönnen, schont die Kraftreserven und schützt die Gesundheit.

Das ist im durchgetakteten Alltag oft leichter gesagt als getan. Doch schon kleine Anpassungen zeigen Wirkung: Wer ein bis zwei Stunden vor dem Zubettgehen Bildschirmzeiten reduziert und das Licht dimmt, regt die körpereigene Produktion des Schlafhormons Melatonin an und signalisiert dem Organismus, dass es Zeit ist, zur Ruhe zu kommen.

Heilmittel aus der Küche

Frische Kräuter und aromatische Gewürze sind weit mehr als nur Geschmacksträger: Viele von ihnen enthalten hochwirksame sekundäre Pflanzenstoffe, die das Immunsystem gezielt unterstützen und den Körper spürbar gegen typische Herbst- und Winterinfekte wappnen können.

Knoblauch: Ein Allrounder für die Abwehrkräfte

Ein echter Klassiker unter den natürlichen Immunhelfern ist Knoblauch. Die Knolle ist nicht nur erschwinglich und überall erhältlich, sondern zeichnet sich durch ein breites Spektrum an gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen aus. Wer möchte, kann Knoblauch sogar mit wenig Aufwand im eigenen Garten oder auf dem Balkon anbauen.
Knoblauch wirkt stark antibakteriell, antiviral, antimykotisch, antiparasitär und entzündungshemmend, wodurch er sich hervorragend zur Stärkung der Immunabwehr und zur Vorbeugung von Krankheiten eignet.
Am einfachsten ist es, Knoblauch zu den Mahlzeiten hinzuzufügen.
Hacken oder zerdrücken Sie rohe Zehen und lassen Sie sie vor dem Kochen etwa 10 Minuten ruhen. So kann sich Allicin, der Hauptwirkstoff des Knoblauchs, bilden. Nehmen Sie ihn roh zu sich, wenn Sie spüren, dass sich eine Erkältung ankündigt. Zerdrücken Sie eine oder zwei Zehen, lassen Sie sie 10 Minuten ruhen und schlucken Sie sie zusammen mit einer Mahlzeit.

Wer den intensiven Geschmack oder Geruch der frischen Knolle meiden möchte, kann auf hochwertige Knoblauch-Kapseln zurückgreifen.

Ziehen Sie schwarzen Knoblauch für einen zusätzlichen Gesundheitsschub in Betracht; er wird so lange fermentiert, bis er zäh und süß wird. Berichten zufolge wird er in Thailand, Südkorea und Japan schon seit Jahrhunderten verwendet.
Die klinische Kräuterkundlerin, Akupunkteurin und Fachärztin für funktionelle Medizin Kerry Adams, die seit fast 50 Jahren praktiziert, berichtet, wie sie selbst Knoblauch einsetzt: „Ich gebe ihn gerne in Thymian- und Ingwertee, die beide wärmend wirken und die Durchblutung fördern“, erklärte sie gegenüber der Epoch Times per E-Mail. „Außerdem mische ich ihn oft mit Zwiebeln und Honig als Hustensaft“, fügte sie hinzu.
Wenn Sie Medikamente einnehmen oder wegen chronischer Erkrankungen in Behandlung sind, sprechen Sie mit Ihrem Arzt, bevor Sie Knoblauch in therapeutischen Dosen einnehmen. Da Knoblauch ein wärmendes Kraut ist, warnt Adams vor der Anwendung, wenn bereits Anzeichen von Hitze wie Fieber, rote Augen und ein gerötetes Gesicht bestehen. Sie fügt hinzu, dass Personen, die blutverdünnende Medikamente einnehmen oder in der Vergangenheit an Magengeschwüren oder Gastritis litten, beim Verzehr von Knoblauch Vorsicht walten lassen sollten.

Cayennepfeffer

Cayennepfeffer ist ein weiteres Gewürz, das viele in ihrem Gewürzregal oder Küchenschrank haben. Wenn Sie scharfes Essen mögen, kann dies eine gute Möglichkeit sein, den Körper zu stärken. Er ist sehr nährstoffreich und reich an Vitamin C. Außerdem enthält er Vitamin E, Vitamin A und B-Vitamine, die alle für ein gesundes Immunsystem benötigt werden.
Das in Cayenne enthaltene Vitamin A hilft dem Körper beim Aufbau gesunder Schleimhäute in Nase, Mund und Lunge und trägt so dazu bei, Mikroben fernzuhalten.
Zum Ausprobieren eignet sich eine Prise getrockneter Cayennepfeffer in Suppen, Eintöpfen oder Tees. Die Menge kann je nach Bedarf erhöht werden.
Cayennepfeffer gilt in Lebensmitteln allgemein als unbedenklich, aber vermeiden Sie ihn, wenn Sie Anzeichen von Hitzeempfindlichkeit haben, und setzen Sie ihn ab, falls er Magenbeschwerden oder Reizungen verursacht.

Honig

Honig hat wegen seiner antibakteriellen, antimikrobiellen und entzündungshemmenden Eigenschaften eine lange Tradition in der medizinischen Anwendung.
Laut einer Laborstudie kann Honig etwa 60 Bakterienarten sowie einige Pilz- und Virusarten hemmen. Forschungsergebnisse aus weiteren Zellstudien deuten zudem darauf hin, dass er Immunzellen stimulieren könnte. Zudem ist er ein Bestandteil in verschiedenen pflanzlichen Hausmitteln, darunter auch eines Hustensafts, wenn er mit Zwiebelscheiben kombiniert wird.
Rohhonig ist die bessere Wahl. Viele handelsübliche Honigsorten sind pasteurisiert, das heißt, sie wurden auf hohe Temperaturen erhitzt, wodurch viele ihrer nützlichen Inhaltsstoffe zerstört werden können. Rohhonig hingegen kommt direkt aus dem Bienenstock und behält die meisten dieser wertvollen Stoffe. Ein Löffel Honig täglich während der Erkältungs- und Grippesaison ist eine hervorragende Möglichkeit, Ihr Immunsystem zu stärken.
Menschen mit Diabetes sollten Honig aufgrund seines Zuckergehalts mit Vorsicht genießen, und Kinder unter 1 Jahr sollten wegen des Risikos von Säuglingsbotulismus durch Botulismus-Sporen niemals Honig zu sich nehmen.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „Kitchen Medicines to Strengthen Your Cold-Season Defenses“. (deutsche Bearbeitung kr)
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Thymian: Mediterrane Würze mit Heilkraft


In Kürze:

  • Thymian wird seit Jahrhunderten als Heil- und Gewürzpflanze geschätzt.
  • Das mediterrane Kraut wirkt unter anderem schleimlösend, entzündungshemmend und antibakteriell.
  • Ob bei Husten und Erkältungen, für die Verdauung oder in der Küche – Thymian ist vielseitig einsetzbar.

 
Thymian zählt neben anderen mediterranen Kräutern wie Rosmarin, Oregano und Salbei zu den stärksten antimikrobiellen Heilkräutern Europas. Trotz seiner winzigen Blätter und geringen Größe zeigt Thymian große Wirkung. Er stärkt die Abwehrkräfte und ist unverzichtbar bei Erkältungen und Husten. Der kräftige, herb-süßliche Duft des Krauts wird auch in Räuchermischungen geschätzt und in reinigenden Ritualen verwendet.
In der Mythologie galt Thymian einst als Schutzpflanze vor negativen Einflüssen. Er wurde Verstorbenen ins Grab beigelegt, um einen sicheren Übergang ins Jenseits zu gewährleisten. Bei den alten Römern und Griechen war Thymian ein Symbol für Mut und Tapferkeit. Auch als Frauenpflanze fand Thymian Verwendung etwa zur Stärkung nach Geburt und Krankheit und als Schutz von jungen Mädchen.
Überdies ist der in Südeuropa heimische Thymian ein beliebtes Gewürz in der mediterranen Küche und insbesondere in der französischen Küche wie etwa der Provence. Er ist traditionell Bestandteil des Bouquet garni, einem Kräuterstrauß, der zum Aromatisieren von Suppen, Eintöpfen und Schmorgerichten mitgekocht wird.
Thymian (Thymus vulgaris) gehört mit seinen über 300 Arten zur Familie der Lippenblütler, wobei der Echte Thymian 10 bis 40 Zentimeter hoch wird. Er ist anspruchslos, gedeiht auf trockenem und durchlässigem Boden an sonnigen Standorten. Seine besondere Heilkraft steckt im blühenden Kraut und beruht vorwiegend auf den enthaltenen ätherischen Ölen, wie Thymol und Carvacrol, sowie sekundären Pflanzenstoffen.

Thymian bei Husten und Erkältungen …

Neben seiner Verwendung in der Küche wird Thymian vor allem zur Behandlung von Husten und Schnupfen verwendet. Die ätherischen Öle im Thymian helfen, festsitzenden Schleim in den Atemwegen zu lösen, sodass dieser abgehustet werden kann. Gleichzeitig wirken sie krampflösend auf die Bronchien und können Reizhusten lindern.
Darüber hinaus besitzen die Inhaltsstoffe des Thymians antibakterielle, antivirale und pilzfeindliche Eigenschaften, die den Körper bei der Abwehr von Krankheitserregern unterstützen.
In wissenschaftlichen Untersuchungen zeigte das ätherische Thymianöl sogar eine bedeutende Wirkung gegen antibiotikaresistente Bakterienstämme. Im Volksmund wir Thymianöl daher auch als natürliches Antibiotikum bezeichnet.
Die deutsche Kommission E erkennt Thymian für die Behandlung von Bronchitis, Keuchhusten und andere Infektionen der oberen Atemwege an.
Im Bedarfsfall können zwei bis drei Tassen Thymiantee über den Tag verteilt getrunken werden. Für Kinder eignet sich die Anwendung in Form von Hustensaft. Ebenso helfen Inhalationen mit Thymiantee, den Schleim in den Atemwegen zu lösen und die Nase freizubekommen.

… für die Verdauung und gegen Bakterien

Darüber hinaus wirkt Thymian lindernd bei krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden und fördert die Verdauung von fettreichen Mahlzeiten. Wer seine Speisen mit Thymian würzt, trägt außerdem dazu bei, dass diese länger haltbar sind. Das ätherische Thymianöl hemmt nämlich das Wachstum von verschiedenen Bakterienstämmen, die unter anderem Durchfallerkrankungen auslösen können.
Thymian ist auch häufig Bestandteil von Mundwasser oder Zahnpasten. Seine antibakteriellen und entzündungshemmenden Eigenschaften wirken Bakterien im Mundraum und Zahnfleischentzündungen entgegen.
Reines ätherisches Thymianöl sollte stets mit einem Trägeröl, beispielsweise Oliven- oder Mandelöl, verdünnt werden, da es aufgrund seiner hohen Konzentration die Haut und Schleimhäute reizen kann. Es sollte nur äußerlich verwendet werden.

… bei Schmerzen und Entzündungen

Aufgrund seiner wärmenden und durchblutungsfördernden Wirkung kommt Thymian in der Volksmedizin auch bei Muskelkater, Gelenkschmerzen, Verspannungen und Rheuma zum Einsatz zum Beispiel in Form von Bädern, Einreibungen oder Umschlägen.
Die moderne Wissenschaft untermauert diese Anwendungen. Studien zeigen, das Thymol – der Hauptwirkstoff im Thymian – entzündungshemmende und schmerzstillende Eigenschaften besitzt. Zudem wurde 2014 in einer Studie festgestellt, dass Thymian bei der Behandlung von Menstruationsschmerzen genauso wirksam war wie Ibuprofen, was die Forscher unter anderem auf die krampflösenden Eigenschaften des Thymian zurückführten.

… und in der Küche

Das warm-würzige Aroma des Thymian harmoniert mit vielen herzhaften Speisen. Er ist eine feste Zutat in mediterranen Kräutermischungen für Pizza und Pasta, passt aber auch zu den verschiedensten Fleischgerichten und macht diese bekömmlicher.
Auch in Gemüsesuppen, Kartoffel- und Pilzgerichten, Bohnen- und Linseneintöpfen bringt Thymian ein schmackhaftes Aroma. Darüber hinaus schmeckt Thymian zu Kräuterbaguettes und Focaccia und harmoniert mit Ziegenkäse oder Camembert und Wein.
Weniger bekannt ist die Verwendung von Thymian in der süßen Küche. Dort verleiht er Gebäck, Obstdesserts und Sorbets eine feine würzige Note und harmoniert besonders gut mit Honig und Zitrusfrüchten wie Zitrone und Orange.
Auch in Marmeladen, Gelees oder Chutneys bringt Thymian ein würziges Aroma und kann überdies ihre Haltbarkeit verlängern. Probieren Sie beispielsweise Himbeermarmelade mit Thymian und Rosmarin oder ein Apfel-Thymian-Gelee. Lassen Sie dafür einige Thymianzweige während des Kochens mitziehen und entfernen Sie diese vor dem Abfüllen.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
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Fieber ist keine Krankheit – es ist ein Symptom


In Kürze:

  • Eine Körpertemperatur von 37 Grad Celsius gilt als normal – ein Wert aus dem 19. Jahrhundert. Heute sind die Menschen meist „kühler“.
  • Fieber ist eine gesteuerte Reaktion des Immunsystems und damit zunächst keine Krankheit, sondern ein Heilmittel.
  • Wer nur auf die Temperatur schaut, läuft Gefahr, eine sinnvolle Körperreaktion zu unterdrücken.
  • Bei Säuglingen, Schwerkranken oder Fieber nach einer Fernreise gelten strengere Maßstäbe.

 
Früher bekam man Fieber und ging ins Bett. Heute bekommt man zuerst ein Thermometer, dann eine Tablette, mit dem Gedanken, möglichst schnell wieder zu funktionieren. Nächstes Problem: Kaum zeigt die Anzeige 38,5 Grad Celsius, beginnt im Kopf das Notfallprotokoll.
„Was senkt die Temperatur am schnellsten? Paracetamol, Ibuprofen oder ein Wadenwickel? Vielleicht gleich ein Antibiotikum?“ Dabei ist Fieber zunächst keine Krankheit. Es ist erst mal nur ein Symptom – und eigentlich auch ein Heilmittel.

Der Körper heizt nicht ohne Grund

Der Körper erhöht seine Temperatur nicht aus Willkür. Fieber ist eine gesteuerte Reaktion des Immunsystems. Bei einem Infekt melden Botenstoffe dem Gehirn: Es gibt etwas zu tun. Im Hypothalamus, der zentralen Schaltstelle für die Temperaturregulation, wird der Sollwert nach oben gesetzt.
Deshalb friert man am Anfang oft, obwohl die Temperatur bereits steigt. Die Gefäße ziehen sich zusammen, die Hände und Füße werden kalt, die Muskeln beginnen zu zittern. Damit will der Körper Wärme erzeugen.
Später, wenn die Abwehrarbeit nachlässt und der Sollwert wieder sinkt, beginnt der Körper zu schwitzen. Dann gibt er Wärme ab. Wer das versteht, behandelt Fieber ganz anders, nämlich nicht mit Panik, sondern mit genauer Beobachtung.

Sind wir heute „kühler“ als früher?

Die Sache mit der Körpertemperatur ist spannender, als viele denken. Lange galt 37 Grad Celsius als normale Körpertemperatur. Dieser Wert stammt aus dem 19. Jahrhundert und hat sich tief in die Köpfe eingebrannt. Inzwischen zeigen größere Untersuchungen jedoch, dass die durchschnittliche Körpertemperatur vieler Menschen heute niedriger liegt als früher. Der Mensch scheint im Mittel etwas „kühler“ geworden zu sein.
Natürlich ist nicht jeder mit 36,2 Grad Celsius krank. Die Körpertemperatur schwankt je nach Tageszeit, Messort, Alter, Bewegung, Zyklus, eingenommenen Medikamenten und persönlicher Konstitution. Trotzdem sehe ich in der Praxis häufig Menschen, die nicht nur auf dem Thermometer kühl wirken: kalte Füße, kalte Hände, wenig Schwitzen, geringe Wärmebildung, niedrige Energie.
Interessant ist dabei noch etwas anderes: Aus der Altersmedizin kennt man das Phänomen, dass vor allem ältere Menschen bei Infekten oft keine kräftige Fieberreaktion mehr entwickeln. Eine Lungenentzündung kann dann mit Verwirrtheit, Schwäche oder Appetitlosigkeit beginnen, aber ohne hohes Fieber. Das zeigt: Fieber ist nicht nur ein Symptom, sondern auch Ausdruck von Reaktionskraft.

Die Körpertemperatur einer Person kann je nach Tageszeit, Messort, Alter, Bewegung, Zyklus, Medikamenten und persönlicher Konstitution schwanken.

Foto: metamorworks/iStock

Nicht die Zahl behandeln, sondern den Menschen

Genau deshalb ist der erste Fehler bei Fieber oft dieser: Man schaut nur auf die Zahl. Ich schaue zuerst auf den Menschen. Ist er „klar“? Trinkt er? Friert er? Sind Hände und Füße kalt oder warm? Schwitzt er? Wie lange besteht das Fieber bereits? Gibt es Warnzeichen wie starke Benommenheit, Atemnot, Nackensteife, Austrocknung, sehr hohes oder lang anhaltendes Fieber?
Bei Säuglingen, Schwerkranken oder Fieber nach einer Fernreise gelten ohnehin strengere Maßstäbe. Naturheilkunde heißt nicht, Warnzeichen zu übersehen. Sie heißt aber auch nicht, jede sinnvolle Körperreaktion sofort zu unterdrücken.

Wenn der Infekt beginnt: Wärme geben

Besonders wichtig ist die Frühphase eines Infekts. Man spürt es oft, bevor man es wahrhaben will. Die Füße werden kalt, der Rücken fröstelt, der Hals kratzt und die Glieder werden schwer. Was der Körper dann benötigt, sind Wärme, Ruhe und Schlaf.
Eine der besten Anwendungen in dieser Situation ist das temperaturansteigende warme Fußbad, genauer gesagt ein Unterschenkelbad. Dazu stellt man eine Fußbadewanne in die Dusche oder Badewanne und füllt sie mit Wasser, das „indifferent temperiert“ ist.
„Indifferent“ bedeutet: Mit einer Hand fassen Sie den Fuß an, mit der anderen Hand prüfen Sie das Wasser. Beides sollte sich gleich warm anfühlen. Das Wasser ist also weder kühl noch heiß, sondern entspricht ungefähr dem Wärmeempfinden der Füße.
Über den Brauseschlauch lässt man dann sehr warmes bis heißes Wasser zufließen. Die Wassertemperatur soll innerhalb von etwa 20 Minuten langsam auf ungefähr 41 Grad Celsius ansteigen, also grob um 1 Grad alle 2 Minuten. Wichtig ist: langsam steigern, nicht überfordern, nicht verbrühen.
Fußbad

Bei einem Fußbad sollten Sie nicht sofort mit heißem Wasser starten, sondern die Temperatur langsam steigern.

Foto: Mukhina1/iStock

Nach dem Bad werden die Füße gut abgetrocknet. Nicht kalt abgießen. Danach warme Socken anziehen und mindestens eine halbe Stunde zugedeckt ruhen, am besten mit einem heißen Lindenblütentee und ohne Handy, Fernseher oder sonstige Dauerbeschallung.
Dieses temperaturansteigende Fußbad eignet sich besonders bei chronisch kalten Füßen und bei beginnenden Erkältungskrankheiten. Genau in dieser Phase sucht der Körper Wärme. Man gibt sie ihm, statt mit Fiebersenkern oder kalten Anwendungen dazwischenzufunken.
Nicht geeignet ist es bei deutlichen Durchblutungsstörungen, diabetischer Nervenschädigung, schweren Herz-Kreislauf-Problemen, offenen Hautstellen oder Thromboseverdacht. Vorsicht ist auch bei kleinen Kindern, gebrechlichen Menschen und gestörtem Wärmeempfinden geboten.

Lindenblüten, Holunder, Thymian und Salbei

Lindenblüten sind eine klassische Pflanze bei Fieber. Sie passen besonders bei beginnendem Infekt, Frösteln und fieberhafter Erkältung. Ein bis zwei Teelöffel Lindenblüten mit einer Tasse kochendem Wasser übergießen, etwa 10 Minuten ziehen lassen, heiß trinken und danach ruhen. Lindenblütentee wirkt nicht besonders überzeugend, wenn man ihn trinkt und anschließend weiter durch den Alltag rennt. Er braucht das Bett als Verstärker.
Holunderblüten sind ähnlich wertvoll. Sie unterstützen den Körper ebenfalls bei der Schwitzreaktion und passen gut zu Lindenblüten. Eine einfache Mischung aus beiden Pflanzen, zu gleichen Teilen, reicht oft völlig aus. Ein bis zwei Teelöffel pro Tasse, acht bis 10 Minuten ziehen lassen, warm bis heiß trinken.
Wenn Husten dazukommt, besonders zäher Schleim oder ein belegtes Bronchialgefühl, kommt Thymian ins Spiel. Thymian ist keine reine Fieberpflanze, sondern eine Atemwegspflanze. Ein Teelöffel Thymiankraut auf eine Tasse heißes Wasser, 10 Minuten ziehen lassen, zwei bis drei Tassen täglich. Auch eine vorsichtige Inhalation kann sinnvoll sein. Dabei gilt: nicht verbrühen und nicht bei kleinen Kindern unbeaufsichtigt anwenden.
Salbei passt vor allem bei Halsschmerzen, entzündeter Mundschleimhaut und gereiztem Rachen. Hier ist Gurgeln oft besser als literweises Trinken. Einen Teelöffel Salbeiblätter mit heißem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen, abkühlen lassen und mehrmals täglich gurgeln. Als Tee nur maßvoll verwenden, denn Salbei kann austrocknend wirken.

Salbeitee wirkt gesünder, wenn er gegurgelt statt getrunken wird.

Foto: iStock/soniabonet

Erst frösteln, dann schwitzen: Die Phase entscheidet

Ist das Fieber bereits da, entscheidet die Phase. Friert der Kranke noch? Sind Hände und Füße kalt? Gibt es Schüttelfrost? Dann steigt das Fieber. In dieser Phase sind kalte Anwendungen falsch. Der Körper will Wärme aufbauen. Also Wärme geben: Bett, Tee, warme Füße, Ruhe.
Ist der Körper dagegen heiß, sind Beine und Füße warm, schwitzt der Mensch oder empfindet die Hitze als belastend, dann kann man Wärme ableiten. Jetzt kommen die guten alten Wadenwickel ins Spiel. Aber bitte richtig.
Auf einen halben Liter Wasser gibt man einen Esslöffel Essig. Zwei Leinentücher oder Küchenhandtücher eintauchen, leicht auswringen und um die Waden legen. Ein dickes Badetuch unter die Beine, damit das Bett trocken bleibt. Die Wickel werden je nach Fieber recht rasch warm. Dann können sie ein bis dreimal erneuert werden. Dabei immer wieder die Temperatur kontrollieren. Die Beine dürfen nicht kalt werden. Merke: Wadenwickel sollen das Fieber senken, nicht den Kranken auskühlen.
Auch kalte Abreibungen mit einem feuchten Waschlappen können hilfreich sein, wenn der Körper heiß ist und Wärme abgeben kann. Bei Frösteln lässt man das bleiben. Kneipp war kein Vertreter von Kälte um jeden Preis. Seine Wasseranwendungen beruhen auf Reiz und Antwort. Die Anwendung muss zum Zustand des Menschen passen.

Essen nur, wenn Hunger da ist

Beim Essen gilt eine einfache Regel: Nur wenn Hunger da ist. Bei Fieber verschwindet der Appetit häufig nicht aus Laune, sondern weil der Körper Verdauungsenergie spart. Niemand wird schneller gesund, weil man ihm bei 39 Grad Celsius noch eine schwere Mahlzeit aufdrängt.
Sinnvoll sind Tee, Wasser bei Durst, etwas Gemüsebrühe, eine leichte Suppe, vielleicht Reis, Kartoffeln oder gedünsteter Apfel, wenn Appetit vorhanden ist. Weniger sinnvoll sind Alkohol, Süßigkeiten, schwere Milchprodukte und die berühmte, angeblich wieder zu Kräften bringende, kräftige Kost, während der Körper gerade alles andere als Verdauungsarbeit bestellt hat.

Unterstützung, aber keine Wunderwaffe: Vitamin C und Zink

Vitamin C und Zink können unterstützen. Vitamin C gehört zuerst auf den Teller: Hagebutte, Sanddorn, Beeren, Paprika, Zitrusfrüchte, Sauerkraut. Ergänzend kann man während eines Infekts versuchen, über den Tag verteilt 500 bis 1.000 Milligramm einzunehmen, sofern es gut vertragen wird. Manche nehmen deutlich mehr und schwören darauf.
Zink ist vor allem in der Frühphase interessant, möglichst in den ersten 24 Stunden. Kurzfristig kann es sinnvoll sein, dauerhaft hochdosiert dagegen nicht. Und: Zink-Nasensprays würde ich meiden.

Fazit

Fieber ist kein Feind, den man sofort niederringen muss. Es ist ein Zeichen, dass der Körper arbeitet, und es ist auch ein Heilmittel, mit dem sich der Körper selbst helfen will. Entscheidend ist nicht nur die Zahl auf dem Thermometer, sondern der Mensch, der vor einem liegt: frierend oder schwitzend, klar oder benommen, durstig oder erschöpft.
Die vergessene Kunst besteht heute darin, nicht jede Reaktion des Körpers sofort zu unterbrechen, sondern sie richtig zu begleiten. Gute Medizin beginnt nicht mit dem stärksten Mittel, sondern mit genauer Beobachtung und Beurteilung.