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Ecuador spielt um Alles oder Nichts – Deutschland schon sicher


In Kürze:

  • Am späten Donnerstagabend trifft die spitznamenlose DFB-Elf auf „La Tricolor“ aus Ecuador. Die ARD überträgt live.
  • Für beide Nationalmannschaften ist es das dritte Vorrundenspiel dieser WM und die dritte Begegnung überhaupt.
  • Die bisherigen Spiele gingen mit 3:0 und 4:2 an Deutschland. Weltklassespieler und Bundesligisten auf ecuadorianischer Seite sollen eine erneute Niederlage verhindern.
  • Für das Andenland ist es die letzte Chance in die K.-o.-Phase einzuziehen. Deutschland ist bereits weiter.

 
Die deutsche Nationalmannschaft kann am Donnerstag um 22:00 Uhr deutscher Zeit entspannt ihr drittes Gruppenspiel gegen Ecuador antreten. Nach den beiden Siegen gegen Curaçao (7:1) und gegen die Elfenbeinküste (2:1) hat die Mannschaft von Trainer Julian Nagelsmann den ersten Platz in Gruppe E bereits sicher.
Dabei kam ihr auch das schlechte Abschneiden Ecuadors zugute, das vor einer Kulisse von 70.000 Fans im Stadion von Kansas City völlig überraschend gegen Curaçao mit einem 0:0 scheiterte. Damit hat das Andenland lediglich einen Punkt auf dem Konto und steht gegen die deutsche Mannschaft enorm unter Druck.
Deutschland wiederum kann sich mental bereits auf das Sechzehntelfinale gegen unbekannt am Montag, 29. Juni, vorbereiten.

Ecuador muss gewinnen

Erstmals an einer WM teilgenommen hat die ecuadorianische Fußballmannschaft 2002. Ihr bestes Ergebnis erzielte die nach den drei Farben Gelb, Blau und Rot der Nationalfahne benannte „La Tricolor“ oder kurz „Tri“ bei der WM 2006 in Deutschland mit dem Erreichen des Achtelfinales (0:1 gegen England). 2010 und 2018 hat sie sich nicht für die WM qualifiziert.
Tatsächlich geht Ecuador im aktuellen Turnier mit nur einem Punkt aus zwei Spieltagen und damit ohne Spielraum für Fehler in das alles entscheidende Vorrundenspiel. Bei einem Unentschieden wäre das Ausscheiden wahrscheinlicher als das Weiterkommen.
Bei der WM 2006 in Deutschland überzeugte Ecuador mit einem 2:0 gegen Polen im Vorrundenspiel in Gelsenkirchen.

Bei der WM 2006 in Deutschland überzeugte Ecuador mit einem 2:0 gegen Polen im Vorrundenspiel in Gelsenkirchen.

Foto: Janek Skarzynski/AFP via Getty Images

Die Situation ist auch deshalb besorgniserregend, da die „Tri“ ihren beiden vorangegangenen Gegnern auf dem Spielfeld statistisch überlegen war, aber zu keinem Erfolg gelangte. Gegen Curaçao kamen die Ecuadorianer auf 65 Prozent Ballbesitz. Gegen die Elfenbeinküste war die Statistik ausgeglichener.
Die größte ecuadorianische Tageszeitung „El Universo“ schreibt: „Ecuador muss gegen Deutschland gewinnen, um die schlechteste WM-Bilanz seiner Geschichte zu verhindern.“ Das Land durchlebe gerade eine der heikelsten Phasen seiner WM-Geschichte.“

Verantwortung beim Trainer, Fans sauer

Bei der Pressekonferenz nach dem 0:0 gegen Curaçao erklärte Trainer Sebastián Beccacece gegenüber der Zeitung „El Comercio“, die Verantwortung „für diese beiden miserablen Ergebnisse“ liege „vollständig bei ihm“. Gegen Curaçao hätte Ecuador „gewinnen müssen, und das haben wir nicht geschafft“, so der aus Argentinien stammende Trainer. Besonders beliebt ist er bei den Fans der Mannschaft nicht.
Ecuadors argentinischer Cheftrainer Sebastián Beccacece beim Spiel gegen Curaçao. Das Unentschieden sicherte seiner Mannschaft den ersten und bislang einzigen Punkt in der Vorrunde. Ein Ergebnis, mit dem weder Trainer noch Fans zufrieden sind.

Ecuadors argentinischer Cheftrainer Sebastián Beccacece beim Spiel gegen Curaçao. Das Unentschieden sicherte seiner Mannschaft den ersten und bislang einzigen Punkt in der Vorrunde. Ein Ergebnis, mit dem weder Trainer noch Fans zufrieden sind.

Foto: Juan Mabromata/AFP via Getty Images

Gleichzeitig verteidigte er seine Spieler und betonte, dass die ecuadorianische Nationalmannschaft noch eine weitere Chance habe, sich zu qualifizieren. Das hieße, gegen Deutschland zu gewinnen.
Auf Social-Media-Plattformen hätten sich die Kritiken an Baccacece gehäuft. Zum Beispiel sei bedauert worden, dass eine Generation, die von vielen als eine der besten in der Geschichte des ecuadorianischen Fußballs angesehen werde, ihr Potenzial bei der Weltmeisterschaft nicht ausspielen könne.

Drei Bundesligastars in den Anden

Die derzeitige Enttäuschung der Fans ist nachvollziehbar, wenn man sich vor Augen hält, dass sich die Ecuadorianer in der Qualifikationsrunde für die WM hinter Argentinien auf Platz zwei gespielt haben. Auch das ist kein Wunder, denn Teil der Mannschaft sind zwei Starverteidiger: Willian Pacho und Piero Hincapié. Pacho und Hincapié kennen sich bestens. Beide spielten in ihrer Jugend bei dem ecuadorianischen Club Independiente del Valle. Und beide spielten auch in der Bundesliga.
Willian Pacho stand zunächst bei Royal Antwerpen unter Vertrag, in der Saison 2023/24 bei Eintracht Frankfurt. Dort absolvierte er 33 Bundesligaspiele. Eintracht-Trainer Dino Toppmöller attestierte ihm damals „Weltklassepotenzial“. Er gilt in der Fußballwelt als einer der „erfolgreichsten Verteidiger seiner Generation“, ergänzte die „Frankfurter Rundschau“.
Aktuell steht der 1,88 Meter große Fußballer – für eine Ablösesumme von 40 Millionen Euro – bei Paris St. Germain unter Vertrag und gewann in diesem Jahr mit seiner Mannschaft die Champions League. Im Finale in Budapest spielte Pacho ausgerechnet gegen seinen Landsmann Piero Hincapié, der für den englischen Club FC Arsenal antritt. Nach dem Abpfiff wurde Pacho vom europäischen Fußballverband UEFA zum Spieler des Spiels gekürt – eine Auszeichnung, die seinen herausragenden Auftritt im Champions-League-Endspiel unterstrich. Er verfügt über Zweikampfstärke und Übersicht in der Defensive und im Mittelfeld.
Piero Hincapié steht seinerseits nur noch wenige Tage bis zum 30. Juni bei Bayer 04 Leverkusen unter Vertrag. Seit dem vergangenen Jahr ist er bereits an den FC Arsenal ausgeliehen. Wie „BILD“ im März berichtete, wird Hincapié für 52 Millionen Euro vom FC Arsenal übernommen. Aus finanziellen Gründen konnten die Leverkusener den Topspieler nicht länger halten, wird Sport-Chef Simon Rolfes zitiert.
Als weiteres Ass in der Abwehr wird Pervis Estupiñán zu sehen sein. Er spielt seit 2025 für den AC Mailand. Mit Pacho, Hincapié und Estupiñán stehen in der ecuadorianischen Mannschaft somit drei Weltklassespieler hinten, die versuchen, es den deutschen Stürmern sehr schwer zu machen, ein Tor zu erzielen. Im Sturm der Ecuadorianer soll hingegen der Bundesligaspieler Jeremy Arévalo für Tore sorgen. Der 21-Jährige steht seit Januar dieses Jahres bis 2031 beim VfB Stuttgart unter Vertrag.

Wenig Erfahrung miteinander

Was beide Nationalmannschaften eint, ist wenig Erfahrung miteinander. Insgesamt gab es erst zwei Begegnungen zwischen „La Tricolor“ und der DFB-Elf, die als einzige Mannschaft dieser WM keinen offiziellen Spitznamen hat.
Bei der WM 2006 in Deutschland gewann die DFB-Elf in der Gruppenphase mit 3:0 gegen Ecuador. Die Tore erzielten damals Miroslav Klose (4. und 44.) sowie Lukas Podolski (57.). Im Mai 2013 kam es in den USA zu einem Freundschaftsspiel beider Mannschaften. Vor 5.000 Zuschauern gelangen den Ecuadorianern damals zwei Treffer gegen den deutschen Torwart René Adler. Zugleich kassierten sie vier Treffer – 2 x Podolski, 2 x Bender –, sodass es am Ende 4:2 stand.
Doch Bundestrainer Julian Nagelsmann tut gut daran, sich weder dank des bisherigen deutschen Erfolgs zurückzulehnen noch auf die Mathematik zu verlassen. Er sagte nüchtern vor der Presse: „Der nächste Schritt ist jetzt, das Spiel gegen Ecuador zu gewinnen und dann die Aufgaben abzuarbeiten, die vor uns liegen.“

Zwei vage Prognosen

Der ehemalige Weltmeister Lothar Matthäus denkt in eine ähnliche Richtung und gibt Nagelsmann den Rat: „Man sollte einen Rhythmus und Kern beibehalten. Jetzt im Spiel gegen Ecuador keine Experimente machen. Das wäre der falsche Ansatz.“
Allerdings, ganz ohne „Umbau“ der Deutschland-Elf kommt Nagelsmann nicht aus. Innenverteidiger Nico Schlotterbeck von Borussia Dortmund hat sich im Spiel gegen die Elfenbeinküste einen Innenbandriss im linken Sprunggelenk zugezogen. Er fällt für die restliche WM-Spielzeit aus und muss ersetzt werden. Er ist nach Lennart Karl, der sich kurz vor WM-Beginn verletzt hatte, der zweite Ausfall für die deutsche Mannschaft.
Weil es bei Ecuador um alles geht und Deutschland sich teilweise neu aufstellen muss, wird allgemein mit einem knappen Ergebnis gerechnet. Was früher ein tierisches Orakel war, ist heute die KI – und die sagt einen 2:1-Sieg für die DFB-Elf voraus. Ginge man allein von den Zahlen der bisherigen Länderspiele aus, müsste das kommende Spiel mit einem 5:4 ebenso knapp an Deutschland gehen.
Die Prognose für den WM-Auftakt der Deutschen von Andreas Rettig, Chef des Deutschen Fußballbundes, lautete übrigens „Sieg, aber nicht 5:0“ – in beiden Punkten sollte er recht behalten. Was von aktuellen Vorhersagen zu halten ist, wissen wir kurz nach Mitternacht.