Bei der Suche nach der Ursache für die Aggressivität einer Kuhherde in Österreich ist nun auch von einem Wolf oder einem Hund die Rede (Symbolbild). - Foto: Lino Mirgeler/dpa/dpa-tmn
Nach der tödlichen Attacke einer Kuhherde auf eine 67-jährige Wanderin in Österreich sind ein Wolf oder ein Hund als mögliche Ursachen für die Aggressivität der Herde ins Spiel gebracht worden. Die Angriffslust der Kühe sei völlig untypisch, erklärte der Bürgermeister der Gemeinde Oberlienz, Markus Stotter.
„An diesem Tag sind auch aufgescheuchte Rehe beobachtet worden. Vielleicht ist ein Wolf unterwegs. Das hält eine Kuhherde tagelang in Alarmbereitschaft und könnte das Verhalten erklären“, sagte der Ortschef laut Nachrichtenagentur APA.
Die Behörden suchen außerdem eine Hundehalterin. Laut Zeugenangaben soll sie sich rund 15 Minuten vor der tödlichen Attacke mit einem größeren Hund am gleichen Ort aufgehalten haben. In unmittelbarem Zusammenhang mit dem Vorfall stehe die Frau jedoch nicht, hieß es.
Laut Polizei war es nicht die einzige Kuh-Attacke auf dieser Weide am 17. Mai. Zuvor seien bereits ein Mann und ein Ehepaar attackiert und leicht verletzt worden.
Ehemann bisher nicht vernommen
Die 67-jährige Einheimische war von einer „mittleren zweistelligen Zahl“ an Kühen auf einer Weide angegriffen und tödlich verletzt worden. Bei der Kuh-Attacke in der Region Lienz in Osttirol wurde der 65-jährige Ehemann des Opfers laut Behörden schwer verletzt. Er konnte den Angaben zufolge bisher noch nicht vernommen werden.
Die Herde wurde inzwischen nach Informationen der „Tiroler Tageszeitung“ auf eine umzäunte Weide verlegt. Grund für den Schritt sei offenbar die Sorge vor dem Pfingstwochenende, wenn Hunderte Touristen und Einheimische wieder auf der beliebten Route unterwegs seien.
Hund als Begleiter kann brisant sein
Es kommt immer wieder zu Vorfällen mit Kühen auf den Almen. 2014 war eine 45-jährige deutsche Wanderin von einer Mutterkuhherde zu Tode getrampelt worden. Sie hatte einen Hund dabei, was als besonders heikel gilt.
Nach Empfehlungen der Landwirtschaftskammer sollte der Kontakt mit den Tieren – insbesondere wenn Hunde und Mutterkühe im Spiel sind – vermieden und Ruhe bewahrt werden.
Hunde sollten immer an der kurzen Leine geführt und im Fall eines Angriffs sofort abgeleint werden. Bei Anzeichen einer unruhigen Herde gelte es, die Weidefläche zügig zu verlassen. (dpa/red)
Die Gehege genügt laut Behörden nicht den Mindestanforderungen. - Foto: Heiko Rebsch/dpa
Nach dem Ausbruch eines Tigers in der Nähe von Leipzig ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Körperverletzung durch Unterlassen.
Im Fokus der Sicherheitsbehörden stehe eine 52-jährige Frau, sagte Sprecherin Vanessa Fink. Ob es sich dabei um die Besitzerin des Tigers, eine Dompteurin, handele, ließ sie offen.
Unterdessen fordern Tierschützer Konsequenzen aus dem dramatischen Geschehen.
Die Polizei hatte am Sonntag, 17. Mai, in der Ortschaft Dölzig einen Tiger erschossen, der zuvor aus dem Gehege der ehemaligen Zirkus-Artistin entkommen war.
Bei dem Ausbruch war ein 72 Jahre alter Mann schwer verletzt worden. Er erlitt laut Feuerwehr Biss- und Kratzverletzungen und war bisher nach Angaben der Staatsanwaltschaft nicht vernehmungsfähig.
In der Anlage nahe der Autobahn 9 leben jetzt noch acht Tiger, wie das Landratsamt Nordsachsen mitteilte.
Dompteurin nannte Tiger einen „Angsthasen“
Die Besitzerin des entlaufenen Tigers, die Dompteurin Carmen Zander, bestätigte der „BILD“, dass es sich um eines ihrer Tiere gehandelt habe.
„Ja, es war mein Sandokan“, zitierte sie die Zeitung. Anfragen der dpa ließ sie unbeantwortet.
Laut Zanders Internetauftritt handelte es sich um einen neun Jahre alten, rund 280 Kilogramm schweren Tiger.
Sie bezeichnete ihn in einer Charakterisierung als „Angsthase“. „Wenn er etwas nicht einschätzen kann, ist er schnell überfordert und wird unsicher. Ein Angriff kann von daher schneller und unerwarteter ausgelöst werden.“
Tierschützer fordern Konsequenzen
Tierschutzorganisationen fordern ein Verbot privater Wildtierhaltungen. Der Fall zeige erneut, dass die Haltung von Wildtieren bei Privatpersonen weder tierschutzgerecht noch sicher sei, erklärte Paulina Kuhn, Fachreferentin für Wildtiere beim Deutschen Tierschutzbund.
Die Organisation Vier Pfoten rief zu einer Demonstration vor dem Tiger-Gehege in einem Gewerbegebiet auf.
„Um solche Vorfälle künftig zu verhindern, braucht es endlich ein grundsätzliches Verbot der Haltung gefährlicher Wildtiere sowohl im Zirkus als auch in Privathand. Zudem muss eine bundesweite Positivliste eingeführt werden, die klar regelt, welche Tierarten überhaupt privat gehalten werden dürfen“, erklärte Kuhn.
Was führte zu dem Ausbruch?
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde das Gelände Dölzig bis in die Nacht hinein durchsucht.
„Gegenstand der Ermittlungen wird unter anderem die Frage nach dem konkreten Ablauf des Geschehens sein sowie die Frage nach der Rolle des Geschädigten. Zu klären ist ebenfalls, ob gegen etwaige Sicherheitsvorschriften verstoßen wurde“, teilte Fink mit.
Laut Polizei hatte sich der Mann „berechtigt“ in dem Tigergehege aufgehalten.
Was mit dem erschossenen Tiger geschehen werde, sei noch nicht endgültig geklärt, sagte Fink. „Hierzu befinden sich die Beteiligten momentan in der Abstimmung.“
Tigerhaltung erfüllt Mindestanforderungen nicht
Die Tigerhaltung genügt nach Behördenangaben nicht den Anforderungen. Der Halterin sei in der Vergangenheit aufgetragen worden, dies zu ändern, teilte das zuständige Landratsamt Nordsachsen mit.
Nach Angaben der Tierrechtsorganisation Peta ist das private Halten von Raubkatzen in 7 von 16 deutschen Bundesländern erlaubt. Sachsen gehört dazu.
Laut Tierschutzgesetz muss jedes Tier „seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen“ untergebracht werden. Was das konkret für Tiger bedeutet, geht aus dem Gesetz jedoch nicht hervor.
Die Behörden ziehen deshalb für die Beurteilung einer privaten Tierhaltung das sogenannte Säugetiergutachten des Bundeslandwirtschaftsministeriums heran.
Darin heißt es, dass bei Tigern für ein oder zwei Tiere ein Außengehege von mindestens 200 Quadratmetern Fläche zur Verfügung stehen muss. Für jedes weitere ausgewachsene Tier müssen es je 100 Quadratmeter mehr sein.
Wie geht es mit den Tigern weiter?
Was mit den übrigen acht Tigern in Dölzig nach dem Ausbruch geschehen soll, ist noch offen.
„Dem Landratsamt liegen noch keine Ergebnisse zu den Ermittlungen nach der Ursache des Vorfalls vor. Ohne diese Informationen lässt sich die Frage nicht beantworten“, erklärte das Amt. (dpa/red)
Der Buckelwal vor der dänischen Insel Anholt wurde anhand eines gefundenen Senders identifiziert. (Archivbild) - Foto: Marcus Golejewski/dpa
Der als „Timmy“ bekannte tote Buckelwal wird aller Voraussicht nach vor der dänischen Insel Anholt liegen bleiben. Das Tier befinde sich in dänischem Gebiet, und die dortigen Behörden gingen davon aus, dass es dort liegenbleibe, sagte ein Sprecher von Mecklenburg-Vorpommerns Umweltministerium.
Der Wal war vor mehr als zwei Wochen lebend von einer privaten Initiative aufwendig Richtung Nordsee abtransportiert worden und strandete rund zwei Wochen später tot vor Anholt.
Man nehme an, dass der Wal schon mindestens eine Woche tot sei, wahrscheinlich länger, hieß es vom Ministerium. Der Verwesungszustand würde nicht nur einen möglichen Transport, sondern auch eine Untersuchung erschweren.
Ministerium will Sender auswerten
Das Ministerium bemühe sich, den am Wal gefundenen Sender zu bekommen und die Daten auszuwerten. Möglicherweise könne man so Erkenntnisse dazu erhalten, wie lange das Tier noch lebte und wo es sich aufgehalten habe.
Karin Walter-Mommert, eine der Geldgeberinnen für die vorhergehende Bergung von der deutschen Küste, habe dem Ministerium die Möglichkeit einer entsprechenden Auswertung zugesagt. Noch habe die dänische Umweltbehörde den Sender.
Die dänische Behörde hatte zuvor schon mitgeteilt, es gebe keine Pläne, den Wal zu entfernen oder den Kadaver genauer zu untersuchen. Der tote Wal werde derzeit nicht als Problem eingeschätzt. Außerdem bestehe die Gefahr einer Explosion. Experten zufolge können tote Wale explodieren, weil im Zuge der Verwesung Gase entstehen, die durch die dicke Speckschicht ihrer Haut nicht entweichen können.
Am Wochenende waren Badegäste auf den Wal geklettert und hatten für Fotos posiert, wie auf Aufnahmen des Senders News5 zu sehen war. (dpa/red)
Ob es sich um den Wal „Timmy“ handelt, ist unklar. (Archivbild) - Foto: Sebastian Peters/NEWS5/dpa
Vor der dänischen Insel Anholt ist ein toter Wal entdeckt worden. Das Tier liege etwa 75 Meter vor der Küste und sei vermutlich bereits seit einiger Zeit tot, berichtete die Nachrichtenagentur Ritzau unter Berufung auf die Umweltbehörde Miljøstyrelsen.
Unklar war zunächst, ob es sich um den Wal „Timmy“ handelt, der Ende März erstmals vor Timmendorfer Strand gestrandet war und rund einen Monat später in den Skagerrak (Nordsee) transportiert worden war.
Nach Einschätzung eines örtlichen Naturaufsehers handelt es sich vermutlich um einen Buckelwal. Das Tier sei schätzungsweise 10 bis 15 Meter lang, sagte er dem Sender TV 2 Østjylland.
Derzeit gebe es keine Pläne, den Wal zu bergen. Das könne sich ändern, falls der Kadaver näher an die Küste treibe, hieß es weiter. (dpa/red)
Der Grünen-Antrag zur Unterstützung kleiner Schlachtbetriebe bekam nur mit Hilfe von AfD und BSW eine Mehrheit. - Foto: Robert Michael/dpa
Ein Landtagsantrag der oppositionellen sächsischen Grünen zur Unterstützung kleiner Schlachtbetriebe hat unter anderem mit Hilfe der AfD eine Mehrheit bekommen. Die Grünen erklären dies sei unbeabsichtigt geschehen.
Im Antrag beklagte die Ökopartei unter anderem, dass kleine Schlachtbetriebe durch die Gebühren für Fleischuntersuchungen gegenüber Großbetrieben übermäßig belastet seien, und forderte, dass diese sinken sollten. Die schwarz-rote Koalition, die keine eigene Mehrheit hat und mit Hilfe wechselnder Unterstützer regiert, stimmte dagegen.
Üblicherweise lehnen die anderen Parteien in Bund und Ländern eine Zusammenarbeit mit der AfD ab. Dazu gehört auch, keine Anträge einzubringen, die nur mit Hilfe der rechts-konservativen Partei eine Mehrheit bekommen können. Die Grünen pochen dabei besonders mit Blick auf die Union auf die Einhaltung der sogenannten Brandmauer zur AfD.
Grüne „sehr bestürzt“
In Sachsen zeigten sich die Grünen im Anschluss an die Landtagssitzung „sehr bestürzt“, wie es in einer Erklärung der Fraktionsvorsitzenden Franziska Schubert heißt. „Wir haben zu keinem Zeitpunkt eine Mehrheit mit der AfD und dem BSW für diesen Antrag gesucht.“
Bis zum Ende der Debatte hätten sich AfD und BSW beim Tagesordnungspunkt acht mit dem Antrag „Entlastung kleiner Schlachtbetriebe umsetzen – Zukunft der regionalen Fleischverarbeitung sichern“ ablehnend dazu geäußert.
„Eine solche Mehrheit schmerzt uns als demokratische Fraktion zutiefst. Wir haben seit Beginn der Legislaturperiode immer wieder alles Denkbare dafür getan, dass es in diesem Landtag keine Mehrheiten durch die AfD gibt.“
Da es den „demokratischen Fraktionen“ nicht gelungen sei, durch ausreichend Präsenz eine solche Mehrheitsbildung zu verhindern sei das Ergebnis zustande gekommen.
Die AfD-Fraktion äußerte anschließend in einer Erklärung: „Die Brandmauer ist damit gefallen. (…) Ein herzliches Dankeschön an die Grünen.“ Zugleich betonte die Fraktion, dass es zuvor „in Hinterzimmern keine Absprachen zwischen Grünen und AfD“ gegeben habe.
Pragmatischer Umgang auf Kommunalebene
Der Vorfall ist nicht das erste Mal, dass Ergebnisse mit AfD-Stimmen zustandekommen. Aufgrund der wachsenden Stimmenanteile der AfD – insbesondere in den östlichen Bundesländern –, ist auf Kommunalebene aber auch zunehmend auf Landesebene eine funktionierende politische Arbeit ohne Einbindung der rechts-konservativen Partei immer schwieriger.
In vielen Kommunen praktizieren die Abgeordneten daher bereits seit Jahren einen pragmatischen Umgang mit der AfD trotz „Brandmauer“.
Im Thüringer Landtag verfügt die AfD, nach der Wahl am 1. September 2024 über 32 von 88 Sitzen. Damit hält die Fraktion mehr als ein Drittel der Sitze, was ihr eine Sperrminorität verleiht.
EU-Parlament: EVP nutzt AfD-Stimmen
Im März sorgte im EU-Parlament die Einbindung der AfD durch die mit von der CDU/CSU getragenen EVP-Fraktion in die Abstimmung zu strengeren Abschieberegeln für Aufsehen.
Dadurch konnte die EVP eine neue Rückführungsverordnung durchbringen.
Am 29. Januar 2025 stimmten CDU/CSU und FDP gemeinsam mit der AfD im Bundestag für einen Entschließungsantrag der Unions-Fraktion zur Verschärfung der Migrationspolitik.
Dies war das erste Mal in der Geschichte der Bundesrepublik, dass ein Antrag im Bundestag nur mithilfe der AfD-Stimmen eine Mehrheit bekam.
CDU-Chef Friedrich Merz hatte zuvor erklärt, er wolle die Abstimmung notfalls auch mit AfD-Stimmen gewinnen, obwohl er ansonsten immer wieder das Bestehen der Brandmauer zur AfD betont.
Umfrage: Zustimmung zu Brandmauer schwindet
In Umfragen sprechen sich immer weniger Menschen für den Erhalt einer „Brandmauer“ aus.
So halten in einer aktuellen YouGov Deutschland Umfrage nur noch eine knappe Mehrheit von 46 Prozent die „Brandmauer“ der anderen Parteien gegenüber der AfD für richtig, 41 Prozent finden sie falsch.
Im Februar 2025 lag die Zustimmung noch bei 54 Prozent.
Dabei fällt ein besonders starker Rückgang unter den Unionswählern auf: Nur noch jeder Zweite (50 Prozent) unterstützt die „Brandmauer“ – neun Punkte weniger als im Februar 2025.
Hingegen gestiegen ist sie bei Grünen-Wählern (89 Prozent, +3 Punkte), Wählern der Linken (76 Prozent, +9 Punkte) und SPD-Wählern (74 Prozent, +3 Punkte).
Für die Erhebung befragte YouGov Deutschland zwischen dem 8. und 11. Mai 2026 insgesamt 2.179 Personen in einer repräsentativen Stichprobe.
Vier Monate vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt kommt in einer INSA-Umfrage die AfD auf 42 Prozent und die CDU auf 24 Prozent. Es folgen die Linke (13 %), SPD (6 %), Grüne und BSW (jeweils 4 %) und FDP (3 %). Damit steht die AfD möglicherweise kurz davor erstmals in einem Bundesland die absolute Mehrheit zu erreichen.
Viehdiebe schocken Landwirte in Südbrandenburg. (Symbolbild) - Foto: Frank Hammerschmidt/dpa
Zum dritten Mal innerhalb weniger Wochen haben Viehdiebe Dutzende Rinder von Weiden in Südbrandenburg gestohlen.
Landesbauernpräsident Henrik Wendorff hält es für wahrscheinlich, dass die Tiere illegal im Ausland geschlachtet werden. „Da muss man davon ausgehen, dass eine Truppe unterwegs ist, die das professionell macht.“
Landwirt: „Das ist ein absoluter Schock“
Am 12. Mai wurde die Polizei informiert, dass in dem kleinen Dorf Grano im Spree-Neiße-Kreis unweit der polnischen Grenze Rinder von der Weide verschwunden seien. Der betroffene Landwirt sagte der dpa, es seien 31 Rinder gestohlen worden.
„Das ist ein absoluter Schock. Es waren richtig hochwertige Zuchttiere.“ Die Tiere seien über Nacht mit einem Laster abtransportiert worden.
Der wirtschaftliche Schaden liegt nach Angaben der Polizei im sechsstelligen Eurobereich. Nach einer ersten Spurensicherung übernahm die Kriminalpolizei weiterführende Ermittlungen.
Erst vor einigen Tagen meldete die Polizei, dass im Örtchen Raddusch im Kreis Oberspreewald-Lausitz 48 Rinder gestohlen wurden. Der Wert: 75.000 Euro. Im Elbe-Elster-Kreis waren im April sogar 70 Weide-Rinder verschwunden, dort wurde der Schaden mit rund 50.000 Euro angegeben.
Bauernpräsident: Alle Rinder sind registriert
Der Präsident des Landesbauernverbandes, Wendorff, sagte, eine legale Verwertung gestohlener Tiere innerhalb Deutschlands sei nahezu unmöglich: Jedes Rind trage eine Ohrmarke und sei in einer Datenbank erfasst. „Ohne Registrierung ist eine legale Schlachtung nicht möglich.“
Deshalb liege der Verdacht nahe, dass die Tiere ins Ausland gebracht würden, möglicherweise sogar außerhalb der Europäischen Union, meinte Wendorff.
Für einen solchen Diebstahl sei ein spezialisierter Lkw für den Tiertransport notwendig. „Wenn man es professionell macht, kriegt man die Tiere in einer Nacht auch verladen“, sagte der Verbandspräsident. Die Preise für Rindfleisch sind derzeit gut. „Eine gute Kuh kann Erlöse von mehr als 2.000 Euro bringen.“
Die Landwirte in Südbrandenburg werden ihm zufolge ihre Weiden nun wahrscheinlich häufiger kontrollieren. Die Überwachung großer Weideflächen mit Videokameras hält Wendorff für schwierig. (dpa/red)
Ohne Fernglas geht beim Birden nichts. - Foto: Fabian Sommer/dpa
Ist das ein Rotmilan? Dahinten fliegt ein Reiher! Hörst du den Gesang der Grauammer? Für die meisten Jugendlichen sind das eher ungewöhnliche Sätze.
Für die zehn jungen Leute, die an einem Sonntagabend auf dem ehemaligen Gelände des Flughafens Tegel in Berlin stehen und mit Ferngläsern in die Luft gucken, nicht. Sie sind zwischen 12 und 26 Jahren alt – und sie sind Vogel-Vollprofis.
„Seit ich im Young Birders Club bin, gehe ich ungefähr jedes Wochenende raus“, sagt Ole, 12 Jahre alt. Birding heißt so viel wie Vogelbeobachtung, klingt aber ein bisschen cooler. Deutschlandweit hat der Nabu etwa fünf dieser Gruppen. In Berlin ist Ole der Jüngste. „Meine Freunde finden mich auch ein bisschen verrückt, weil ich recht früh aufstehe.“
Ole steht fürs Birding manchmal sehr früh auf.
Foto: Fabian Sommer/dpa
Ole und die anderen Jugendliche räumen mit einem weit verbreiteten Klischee auf: Dass Vogelbeobachten etwas für alte Männer in Trekking-Outfits sei.
Auf Instagram und YouTube gibt es immer mehr junge Influencer, die ihre Beobachtungen teilen und über Vögel aufklären. Über Apps vernetzt sich die Szene miteinander, teilt ungewöhnliche Sichtungen, organisiert Treffen.
Laut einer Studie aus Großbritannien, über die die britische Zeitung „Guardian“ berichtet hat, ist Vogelbeobachtung nach dem Schmuckbasteln das am zweitschnellsten wachsende Hobby der Generation Z. Fast 750.000 Angehörige dieser Generation der zwischen 1995 und 2010 Geborenen in Großbritannien beobachten demnach regelmäßig Vögel.
Vergleichbare Zahlen gibt es für Deutschland nicht, aber: „Auf jeden Fall sinkt das Alter“, sagt Christopher König vom Dachverband Deutscher Avifaunisten. „Lange Zeit hatte das Hobby den Ruf, dass das nur alte Männer in komischen Klamotten machen.“ Doch inzwischen gebe es immer mehr junge Vogel-Enthusiasten. „Auch der Frauenanteil nimmt zu über die Jahre.“
Auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel holt Cora ihr Spektiv raus. Die 18-Jährige geht in der Regel mindestens einmal in der Woche Birden, inklusive Kamera, Fernglas und Audiorekorder für Vogelstimmen. Auf ihrem Handy hat sie ein PDF eines sehr detaillierten Handbuchs für europäische Vögel – leider nur auf Holländisch.
Cora ist einmal extra nach Dänemark gereist, um sich an einer Vögel-Zählaktion zu beteiligen.
Foto: Fabian Sommer/dpa
„Ich habe mich generell schon viel für Natur interessiert. Dann habe ich irgendwann ein Fernglas geschenkt bekommen. Dann war Corona und ganz ganz viel Zeit, um draußen zu sein“, erzählt Cora. Wenn man die Jugendlichen fragt, wie sie zum Birden kamen, fällt häufig das Stichwort Corona.
Auch die 18-jährige Charlotte ist während der Pandemie aus Langeweile mehr rausgegangen und entdeckte so ihre Begeisterung für Natur und Vögel. „Mir macht es Spaß, weil es ein Weg ist, draußen zu sein.“ Für sie sei es auch ein guter Ausgleich zum Smartphone.
Es ist auffällig, dass die jungen Birder während der dreieinhalbstündigen Exkursion fast gar nicht aufs Handy schauen. Die Unterhaltungen werden höchstens von begeisterten Ausrufen und einem in die Höhe schnellenden Finger unterbrochen, wenn jemand einen Vogel entdeckt.
Manchmal folgt beim näheren Hinsehen Ernüchterung: „Ah, das ist eine Taube.“ Doch es sind auch einige Highlights dabei. „Stopp, eine Weihe!“, ruft Gruppenleiter Manuel Tacke einmal plötzlich. Lauter Ferngläser richten sich zum Himmel.
Teilnehmer Theo hat eine Kamera mit riesigem Objektiv und versucht den Vogel wie ein Paparazzo aufs Bild zu kriegen. Später stellt sich heraus, dass das am Himmel eine Wiesenweihe war, ein sehr seltener Brutvogel, der so gut wie nie in Berlin gesichtet wird.
Einige Jugendliche sind schon seit Jahren mit dabei.
Foto: Fabian Sommer/dpa
Analog statt digital
Der Reiz des Analogen zählt zu den Gründen, warum das Hobby gerade bei jungen Menschen Anklang findet. In einer stressigen Welt tue es einfach gut, in der Natur zu sein, sagt Laura Muschiol, Co-Leiterin des Young Birders Clubs.
„In der aktuellen Weltlage ist es, glaube ich, total wohltuend, zu sehen, dass bestimmte Sachen immer wieder kommen. Der Vogel, den ich bei mir im Park habe, der ist auch dieses Jahr wieder da, egal, was in den Nachrichten gerade abgeht. Und das ist auch ein bisschen was Tröstendes, glaube ich“, sagt die 33-Jährige. Die Jugendlichen träfen sich auch abseits der Touren und beteiligten sich an deutschlandweiten Monitoring-Programmen.
Viele nutzen dafür die Plattform ornitho.de, die vom Dachverband Deutscher Avifaunisten betrieben wird. Auch Hobby-Ornithologen können sich dort registrieren und ihre eigenen Beobachtungen eintragen, wenn möglich, mit Foto und Tonaufnahme.
Unterwegs geht das über die App Naturalist. 500 sogenannte Regionalkoordinatoren sichten die eingehenden Beobachtungen und überprüfen sie auf ihre Plausibilität.
„Wir sind begeistert, wie hoch der Zuspruch ist“, sagt König. Allein vergangenes Jahr hätten sich 6.000 Menschen neu bei Ornitho registriert. „Das ist ein neuer Rekord.“
Bei gutem Wetter würden pro Tag teilweise mehr als 100.000 Meldungen eingehen. „Wir merken in den letzten Jahren auf jeden Fall einen Zustrom.“ In der Pandemie ging es so richtig los. Die Begeisterung für Vögel hielt auch danach an.
Für die Wissenschaft ist das ein Gewinn, sagt König. Zusätzlich zu offiziellen Zählungen helfen die Daten von Hobby-Ornithologen, Bestandsveränderungen zu bemerken, wie der Biogeograph erklärt. Vor allem Vögeln der Agrarlandschaften gehe es in Deutschland schlecht. „Da haben wir Arten, die sehr, sehr stark zurückgegangen sind.“ Beispiele seien das Rebhuhn, die Feldlerche oder der Kiebitz.
Die jungen Hobby-Ornithologen aus Berlin haben bis zum Ende ihres Ausflugs zwei Kiebitze entdeckt. Auch sonst ist ihre Liste beeindruckend: 45 verschiedene Vogelarten stehen darauf, darunter 7 Mauersegler, 150 Nebelkrähen, 5 Braunkehlchen – eine stark gefährdete Art -, 6 Steinschmätzer, 2 Schwarzmilane und ein Girlitz. Selbstverständlich haben sie alle Beobachtungen online gemeldet. (dpa/red)