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Wenn Ideologie Familien spaltet: Wie lassen sich zerbrochene Bindungen wieder kitten?

Noelle Mering ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Ethics and Public Policy Center (EPPC), einem bekannten konservativen US-amerikanischen Thinktank mit Sitz in Washington, D.C. Sie ist außerdem Mitautorin von drei Büchern der Reihe „Theology of Home“ (zu Deutsch: Theologie des Zuhauses). Ihre Beiträge sind in Dutzenden Publikationen erschienen. Als Mering 2020 durch das Land reiste, um für ihr Buch „Awake, Not Woke“ (zu Deutsch etwa: Wach, nicht angeblich wach) zu werben, gefielen ihr die Fragerunden dieser Veranstaltungen am besten. Damals fiel ihr auf, dass die Zuhörer immer wieder dieselbe Frage stellten: „Was soll ich mit meinen erwachsenen Kindern tun, die nicht nur ihren Glauben und ihre Werte aufgegeben haben, sondern sich auch von uns entfremdet haben?“
„Das hörte ich immer öfter“, sagte Mering der Epoch Times und wiederholte einige der Aussagen dieser Eltern über ihre erwachsenen Kinder, die kaum noch etwas mit ihnen zu tun haben wollten oder den Kontakt komplett abgebrochen hatten. „Sie leben anders. Sie haben die Art und Weise aufgegeben, wie wir sie erzogen haben. Sie sprechen kaum noch mit mir oder können es nicht ertragen, in meiner Nähe zu sein, weil wir in so vielen Dingen unterschiedlicher Meinung sind.“
Irgendwann erwähnte Mering diese immer wiederkehrende Reaktion gegenüber ihrem Agenten, der ihr als Erster von der „No-Contact“-Bewegung erzählte. Mering hatte noch nie davon gehört, doch schon bald tauchte das Thema „No Contact“ überall in den Medien und in ihren Gesprächen mit anderen auf.
„Es ist wirklich eines dieser Phänomene, die sich rasant entwickelten und in sehr kurzer Zeit exponentiell wuchsen, noch bevor ich überhaupt einen Namen dafür hatte“, sagte sie.

„No Contact“-Bewegung: abgetrennt von der Lebenserfahrung

Ihre Neugier war geweckt und die Wissenschaftlerin begann, diesen aufkeimenden Trend zerbrochener Familien zu erforschen. Das Ergebnis ist ihr in Kürze erscheinendes Buch „No Contact: How a Seductive Ideology Broke Families and Friendships and How We Can Repair Them“ (zu Deutsch: Kontaktabbruch: Wie eine verführerische Ideologie Familien und Freundschaften zerbrach und wie wir sie wiederherstellen können). In diesem Werk legt die Autorin, Ehefrau und Mutter von sechs Kindern die Ursachen dieses Angriffs auf die Familie offen und zeigt Wege auf, wie die dadurch verursachten Wunden geheilt werden können.
Sowohl in ihrem Buch als auch im Gespräch mit der Epoch Times stellte Mering klar, dass sie in ihrer Untersuchung der „No Contact“-Bewegung diejenigen ausgeschlossen hat, die sich aus Gründen körperlicher und psychischer Misshandlung von ihren Familien getrennt haben.
Stattdessen konzentrierte sie sich auf Familien, die durch die politischen und kulturellen Spaltungen unserer Zeit zerbrochen sind, insbesondere solche, die durch die Ereignisse der letzten zehn Jahre angeheizt wurden. Durch umfangreiche Lektüre, Gespräche mit Experten und Interviews mit zahlreichen Familienmitgliedern auf beiden Seiten der „No Contact“-Kluft entdeckte Mering die Triebkräfte jenseits der Ideologie, die den „No-Contact“-Boom befeuern: die Kriege in den sozialen Medien, unsere Opferkultur, die Neudefinition des Familienbegriffs durch Wissenschaftler und eine „Ich zuerst“-Philosophie („Me first“), die individuelle Interessen und das eigene Wohlergehen über alles andere stellt – einschließlich der Familie.
Das Zusammenspiel dieser Kräfte bildet die Grundlage für die neue Dynamik der Entfremdung.

Mauern und Stacheldraht der Ideologie

„Es gab schon immer Familienmitglieder, die sich voneinander abgewendet oder entfremdet haben“, sagte Mering gegenüber der Epoch Times. „Es gibt Missbrauch, Suchtprobleme, psychische Erkrankungen oder es herrschen einfach nur negative Gefühle, mit denen wir nicht umgehen können. Diese Beziehungen lassen sich einfach nicht aufrechterhalten – doch dies wird heute weitaus stärker von Ideologie getrieben als früher. Es gab schon immer politische Auseinandersetzungen, und Familienmitglieder konnten wütend davonstürmen, aber es ist mittlerweile üblicher geworden, den Kontakt zu Menschen aus ideologischen Gründen abzubrechen. Das hat sich in unser kulturelles Bewusstsein eingeprägt.“
Dieses Abbrechen familiärer Bindungen unterscheidet sich in noch einer weiteren Hinsicht radikal von der Vergangenheit. Damals waren es in der Regel – wenn auch viel seltener – die Eltern, die aufgrund des Verhaltens oder der Weltanschauung eines erwachsenen Kindes die Verbindung abbrachen. Heute sind diese Rollen beim Kontaktabbruch überwiegend vertauscht.
„Viele dieser jungen Erwachsenen verhalten sich, als wären sie die Eltern geworden, aber sie sind keine guten Eltern mit angemessener Autorität. Sie sind autoritäre Eltern, die versuchen, ihre unwissenden Älteren zu belehren, und ihnen damit drohen, nie wieder mit ihnen zu sprechen, wenn diese etwas sagen, das nicht mit ihren Ansichten übereinstimmt. Dieser Generationswandel ist enorm und wird weitaus stärker von Ideologie getrieben als früher.“
Versöhnung beginnt oft mit kleinen Gesten des guten Willens, nicht mit einer Einigung in schwierigen Fragen. Foto: PeopleImages/iStock

Versöhnung beginnt oft mit kleinen Gesten des guten Willens und nicht mit einer Einigung in schwierigen Fragen.

Foto: PeopleImages/iStock

Der Schmerz und die Trauer zerbrochener Familien

Eine YouGov-Umfrage aus dem Jahr 2025 ergab, dass 38 Prozent der Amerikaner von einem Familienmitglied entfremdet sind. Genau wie Mering es erlebt hat, gehören politische und wertemäßige Differenzen, Einflüsse durch soziale Medien und die „Therapiekultur“ zu den von den Befragten genannten Hauptgründen für den Kontaktabbruch. Diese Spaltungen fordern von den Betroffenen einen enormen emotionalen Tribut: Schuldgefühle, Trauer, ein Gefühl des Versagens und vereitelte Liebe.
Eine der schlimmsten Geschichten, die Mering hörte, handelte von einem Sohn, der den Kontakt zu seiner Familie abgebrochen hatte, aber gegen Ende der Corona-Pandemie nach Hause zurückkehrte, um sich von seinem sterbenden Vater zu verabschieden.
„Er ging wütend davon, weil einige Menschen im Haus nicht geimpft waren, und der Vater und die Mutter waren zutiefst untröstlich. ‚Das ist wahrscheinlich deine letzte Chance, bei ihm zu sein‘, sagte die Mutter zu ihrem Sohn, ‚er liegt im Sterben‘, und er antwortete: ‚Ich weiß, aber es ist eine Grundsatzfrage‘“, sagte sie.
Später, nachdem er seinen Vater auf dem Sterbebett im Stich gelassen hatte, wurde er doppelt wütend auf die Familie, da er annahm, sie würden 2024 für Trump stimmen, und erklärte, sie stünden „auf der falschen Seite der Geschichte“.

Blut ist dicker als Wasser

Wer seine Familie im Stich lässt, sucht oft nach einer „Wahlfamilie“, also Freunden, die die Rolle der Familie übernehmen. Zunächst mögen diese gewählten Familien funktionieren, doch für viele der von Mering befragten Verfechter des „No-Contact“-Ansatzes folgte die Enttäuschung.
„Man kann gereifte Liebe nur dann wirklich lernen, wenn man versteht, dass die Familie gegeben worden ist – und die selbstgewählte Familie lehnt diesen Rahmen gänzlich ab“, sagte sie und fügte hinzu: „Die Wahlfamilie wird sich selbst zum Verhängnis, denn sie kann dich genauso leicht wieder abwählen. Wenn sie auf einer Entscheidung beruht, ist niemand jemandem verpflichtet. Es gibt Geschichten von Menschen, die ihre Familien verlassen haben. Das hat gut funktioniert, solange sie jung, voller Energie und gesund waren. Doch jetzt befinden sie sich in einer Lebenskrise, sind krank oder haben ihren Job verloren, und ihre selbstgewählte Familie hält nicht mehr zu ihnen. Diese Menschen erkannten: ‚Ich brauche Menschen, die mir gegenüber verpflichtet sind.‘ Diese Ideen [Anm. d. Red.: der Wahlfamilie] scheitern immer wieder.“
Gegen Ende ihres Buches erinnert Mering die Leser daran, dass „die Epidemie der Entfremdung nicht allein aus Ideologie entstanden ist“. Dahinter stünden „unzählige kleine und große Misserfolge“: ein Mangel an Großzügigkeit und Vergebung, die Betonung des „Hyperindividualismus“ in unserer Kultur, ein Missbrauch der Therapie und die „Überhöhung der Opferidentität“ sowie der „Niedergang des Spirituellen“.

„Rezepte“ zur Wundheilung

Aus ihren Recherchen, Gesprächen mit Beratern und Interviews mit Familien, die entweder zerbrochene Beziehungen wieder kitten konnten oder noch immer darunter leiden, sammelte sie Ratschläge, wie man die Wunden heilen kann, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet. Diese Ideen teilte sie mit der Epoch Times:
  • Halten Sie an Ihren Prinzipien fest, ohne Forderungen an den anderen zu stellen. Für diejenigen, die von einer Ideologie besessen sind, wird sich jede Kompromisslinie ständig ändern. Was auch immer Sie tun, es wird niemals „genug für eine echte, wahrhaftige Versöhnung“ sein.
  • Versuchen Sie nicht, Ihr erwachsenes Kind – oder in diesem Zusammenhang auch Ihre Eltern – durch Streit zu kontrollieren. „Sie machen sich selbst zum Feind, wenn Sie so nörgelig sind, dass sich die Person noch weiter von Ihnen zurückzieht.“
  • Hüten Sie sich davor, einem erwachsenen Kind, das unabhängig lebt, unaufgefordert Ratschläge zu erteilen. „Paradoxerweise sind sie vielleicht eher bereit, sich an Sie zu wenden, wenn Sie nicht zu viele Ratschläge geben.“
  • Nehmen Sie eine „Haltung der Neugier“ ein, die von Liebe geprägt ist. Fragen zu stellen „kann Momente der Anspannung und Auseinandersetzung wirklich entschärfen“. Anstatt die Meinung einer Person zu korrigieren, sagen Sie beispielsweise: „Ich möchte verstehen, warum du das denkst.“
  • Anerkennen Sie ihre Würde als individuelle Person, indem Sie das Gespräch von Konfliktbereichen weglenken. „Erzähl mir von deiner Arbeit, deinen Schwierigkeiten, deinen Erfolgen, deinen Freuden, deinen Leiden, deinen Freundschaften. Ich finde es toll, dass du so viel liest, oder dass du so kreativ bist, oder dass du so ein großartiger Geschichtenerzähler bist. Bestätigen Sie Dinge an ihnen, die nichts mit ihrer politischen Einstellung oder Ideologie zu tun haben. So entsteht ein gutes Verhältnis.“

„Haltet die Türen offen“

Für Eltern, die völlig von ihren Kindern abgeschnitten sind, empfiehlt Mering, die Tür immer offen zu halten. Einige der von ihr befragten Eltern betonten, wie wichtig es sei, den Drang nach Kontrolle loszulassen und stattdessen lebendige und gesunde Beziehungen zu pflegen. Manche fanden Trost und Kraft darin, andere Mütter und Väter in einer ähnlichen Situation zu begleiten oder sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen.
Einige „verwandelten ihren Schmerz in Fürbitte und brachten ihn als Gebet für die Heilung ihres Kindes dar“, sagte sie.
Ideologie gegen Ideologie auszuspielen, ist für Familien ein aussichtsloser Kampf, ein Krieg, in dem es keine Sieger gibt. Merings Botschaft an alle, die in solche Konflikte verwickelt sind, lautet: nach Gemeinsamkeiten suchen, die Wahrheit sagen – aber sanft und liebevoll – und „uns selbst mit derselben Ehrlichkeit prüfen, die wir von anderen verlangen“, und schneller vergeben als verurteilen – all dies mit dem beständigen Wunsch nach Heilung, Versöhnung und Wiederherstellung.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „When Ideology Divides Families, Can Broken Bonds Be Mended?“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)
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Wie ein Erinnerungskrieg Polen und die Ukraine zu entzweien droht

Die Gespräche über die Unterstützung der Ukraine während des NATO-Gipfels könnten eine mögliche Komplikation erfahren – und die kommt ausgerechnet von einem der bisher stärksten Verbündeten.
Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk erklärte am 3. Juli, er habe seine Delegation für den Gipfel in der türkischen Hauptstadt angewiesen, „bei jeglichen Erklärungen über weitere finanzielle Unterstützung seitens Polens Vorsicht walten zu lassen“. Dies berichteten zahlreiche polnische Medien.
Auslöser dieser Zurückhaltung ist ein historischer Streit über die „Ehrung“ des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj an eine ukrainische Spezialeinheit. Ende Mai hatte Selenskyj per Dekret dem Operationszentrum „Nord“ der ukrainischen Spezialkräfte den Titel „Helden der UPA“ verliehen. Diese Umbenennung wurde in Polen als politische Provokation aufgefasst und über alle Parteien hinweg verurteilt.
Es ist der jüngste Vorfall in einer Reihe von Symbolpolitik seitens Kiews, der nun zu einer deutlichen Verschlechterung der Beziehungen beider Länder beigetragen hat. Beide Staaten offenbaren ein grundverschiedenes Verständnis von der Geschichte des Zweiten Weltkriegs in Osteuropa.

Die UPA: Partisanen wie auch Mörder

Die Ukrainische Aufstandsarmee (UPA) war eine Partisaneneinheit ukrainischer Nationalisten. Sie wurde 1942 gegründet und kämpfte gegen die Wehrmacht und bis 1950 auch gegen die Sowjetarmee und gegen polnische Einheiten.
Im derzeitigen Streit zwischen Polen und der Ukraine geht es in erster Linie um das Jahr 1943, in dem UPA-Partisanen Massenmorde an Polen in der Region Wolhynien verübt haben. Die Anzahl der Getöteten lässt sich nicht mehr genau feststellen. Es sollen zwischen 30.000 und 60.000 Polen gewesen sein.
Auf einer Website des polnischen Präsidialamtes heißt es: „Der 11. Juli 1943 war der Höhepunkt der Massaker. An diesem schrecklichen Tag […] wurden polnische Einwohner von fast hundert Ortschaften angegriffen und grausam ermordet. An diesem einen Tag starben 8.000 Polen. Rund 100.000 unserer Landsleute wurden während der Massaker in Wolhynien getötet – Männer und Frauen, Kinder und ältere Menschen. Dies ist eines der tragischsten und schmerzhaftesten Kapitel der polnischen Geschichte während des Zweiten Weltkrieges.“
Im vergangenen Jahr hat das polnische Parlament den 11. Juli als Gedenktag erklärt und im Jahr 2016 die Massaker als Völkermord anerkannt.
Wolhynien gehörte bis 1939 zu Polen. Durch den Hitler-Stalin-Pakt wurde die Region der ukrainischen Sowjetrepublik zugeschlagen. Heute liegt sie in der Westukraine.
Ungeachtet dieser unbestrittenen Vergangenheit der ukrainischen UPA-Partisanen blicken viele Ukrainer heute mit Stolz auf deren Vergangenheit. Sie würdigen deren Kampf als heldenhaft, sowohl gegen die Wehrmacht als auch gegen die Rote Armee, „als Beispiel für patriotischen Widerstand, Aufopferungsbereitschaft und unerschütterliches Engagement für die nationale Sache“, wie der ukrainische Analyst Mykola Riabchuk am 30. Juni in einem Beitrag für die niederländische Plattform RAAM, einen Partner des renommierten Clingendael-Instituts der Universität Leiden, ausführte. Die rot-schwarze Flagge der Organisation wird heute häufig von ukrainischen Truppen an der Front verwendet.

Lech Wałęsa verweigert Selenskyj „die Unterstützung“

Ministerpräsident Tusk appellierte an beide Seiten, die Spannungen zu entschärfen. Allerdings gab auch er Kiew die Schuld an der diplomatischen Krise.
Währenddessen nannte der polnische Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz Anfang Juni das „Gedenken an die Opfer von Wolhynien“ als „nicht verhandelbar“. Es gebe Grenzen, „die nicht überschritten werden dürfen“, so Kosiniak-Kamysz.
Die Galionsfigur des polnischen Widerstandes gegen den Kommunismus, der frühere Präsident Lech Wałęsa, äußerte polnischen Medien zufolge Ende Mai: „Indem er die UPA-Banditen geehrt hat, hat der Präsident der Ukraine mich und alle unsere ermordeten Landsleute beleidigt.“
Wałęsa wird weiterhin mit den Worten zitiert: „Daher habe ich die ukrainische Flagge öffentlich von meiner Brust entfernt.“ Er würde der ukrainischen Nation zwar weiterhin in ihrem Kampf gegen Russland beistehen, aber: „Ich weigere mich, Präsident Selenskyj zu unterstützen“, wird der Ex-Präsident zitiert.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (l.) und der damalige polnische Präsident Andrzej Duda geben sich während einer Begrüßungszeremonie vor dem Präsidentenpalast in Warschau, Polen, am 5. April 2023 die Hand.

Foto: Wojtek Radwanski/AFP via Getty Images

Höchste Auszeichnung Polens zurückgezogen

Der im Juni 2025 ins Amt gewählte polnische Präsident Karol Nawrocki ging noch weiter und erkannte Selenskyj am 19. Juni den polnischen „Weißen-Adler-Orden“ ab, die höchste Auszeichnung des Landes, den dieser im Jahr 2023 verliehen bekommen hatte.
Als Begründung führte Nawrocki, der auch ein promovierter Historiker ist, unter anderem an: Die Entscheidung der Ukraine, „die UPA zu verherrlichen“, sei „nicht nur empörend. Sie ist auch unverständlich und zutiefst enttäuschend“, so der Präsident in einer Stellungnahme.
Und weiter: Die ukrainische Entscheidung „untergräbt auch das Vertrauen, das über die Jahre und in den vergangenen Monaten aufgebaut wurde. Es rüttelt an den Grundfesten der Versöhnung. Es untergräbt den Glauben daran, dass die Wahrheit als gemeinsame Sprache für unsere Nationen dienen kann“, so Nawrocki.
Selenskyj gab einen Tag später den polnischen Orden zurück. In einer Erklärung in den sozialen Medien sagte Selenskyj, die Ukraine werde „weiterhin offen für alle sinnvollen Formen der Zusammenarbeit mit Polen bleiben, um widersprüchliche Interpretationen der schwierigen und schmerzhaften Kapitel unserer gemeinsamen Vergangenheit zu vermeiden“.

Blockade von Ukraines EU-Beitritt angekündigt

In einem Interview mit polnischen Journalisten beklagte Nawrocki des Weiteren: „Präsident Selenskyj hat bewiesen, dass die Ukraine mental noch nicht bereit ist, Teil der europäischen Familie zu sein, da sie Banditen und Mörder der Ukrainischen Aufstandsarmee verherrlicht“, wird der polnische Präsident von „300Polityka“ Ende Mai zitiert.
Die Entscheidung Selenskyjs sei außerdem „ein Beweis dafür, dass diejenigen, die sagten, die Ukraine solle ohne jegliche Erwartungen der EU beitreten, sich sehr geirrt haben“, so der Präsident.

Wie du mir, so ich dir

In Polen findet die Empörung über Selenskyjs Festhalten an der Ehrung der UPA trotz einiger Deeskalationsversuche auf beiden Seiten kein Ende. Wohl um die vermeintliche Undankbarkeit der Ukraine gegenüber polnischen Hilfen nachzuweisen, hat der polnische Verteidigungsminister am 5. Juli die Aufhebung der Geheimhaltung der Militärhilfe für die Ukraine seit dem russischen Angriff angeordnet. Dies berichtete Kosiniak-Kamysz auf seinem X-Kanal.
Vor dem Hintergrund des diplomatischen Eklats wurde Anfang Juli bekannt, dass sich Warschau und Kiew polnischen Angaben zufolge nicht auf einen Tausch polnischer Kampfflugzeuge vom Typ MiG-29 gegen ukrainische Drohnentechnologien verständigen könnten.
Polens Verteidigungsminister machte Kiew für das Scheitern des Plans verantwortlich. Die Ukraine habe seinem Vorschlag zugestimmt, ihn aber nicht umgesetzt, betonte Wladyslaw Kosiniak-Kamysz. Es werde somit „keine MiGs für die Ukraine geben, da es keine Drohnen oder drohnenbezogenen Fähigkeiten für Polen gibt“, fügte der Minister hinzu.

Ukraine: Keine Zeit für „Emotionen“

Inzwischen hat der ukrainische Außenminister Andrii Sybiha bei einem Treffen mit dem polnischen Außenminister am 3. Juli „Maßnahmen zur Krisenbewältigung“ für die gegenseitigen Beziehungen vorgeschlagen.
Auf X wiederholte Sybiha dazu die seit Jahren bekannte offizielle Haltung der Ukraine: Polen und die Ukraine hätten „einen gemeinsamen Feind – Russland – und stehen vor einer gemeinsamen Herausforderung: der russischen Aggression. Heute verteidigt die Ukraine nicht nur ihre eigene Sicherheit, sondern auch die Sicherheit Polens und ganz Europas.“
Er habe dem polnischen Außenminister zudem versichert, dass die Namensbenennung für die ukrainische Militäreinheit „keinerlei antipolnische Absicht beinhaltet“ habe. Es sei nun „an der Zeit, Emotionen beiseitezulassen“, forderte der Außenminister und verwies darauf: „Die Ukraine führt mit der Unterstützung unserer Verbündeten und Partner einen Kampf um ihre Existenz.“
Das polnische Außenministerium forderte derweil „eine Deeskalation der Spannungen und die Schaffung nachhaltiger Mechanismen, die auf einem gegenseitigen Verständnis der Geschichte beruhen“.
(Mit Material der Nachrichtenagenturen)
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15. Mai: Merz und Trump versöhnt | Nach Trump: Putin besucht Peking | Rätsel um Buckelwal Timmy

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Merz und Trump versöhnt

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Nach Trump: Putin besucht Peking

Beim zweitägigen Gipfeltreffen in Peking haben US-Präsident Trump und Chinas Machthaber Xi Fortschritte bei Handelsfragen, Investitionen und der Zusammenarbeit im Umgang mit Iran signalisiert. Gleichzeitig machte Washington deutlich, dass die Unterstützung für Taiwan unverändert bleibt. Während Trumps China-Reise kündigte der Kreml an, dass der russische Präsident Putin sehr bald Peking besuchen werde.

Rätsel um Buckelwal Timmy

Nach dem Fund eines toten Wals vor der dänischen Küste prüfen die Behörden, ob es sich dabei um den Buckelwal „Timmy-Hope“ handelt. Eine Bestätigung gibt es bislang jedoch nicht. Dem Tier wurden Proben entnommen, die nun ausgewertet werden sollen. Walter Gunz, Mitinitiator der Rettungsaktion, betont im Gespräch mit der Epoch Times, dass der Einsatz unabhängig vom Ergebnis richtig gewesen sei.

Telefonbetrug

Ein Telefonbetrüger hat einen älteren Mann in Schleswig-Holstein um mehr als 100.000 Euro gebracht. Der Betrüger gab sich am Telefon als Gerichtsmitarbeiter aus und behauptete, die Tochter des Mannes müsse in der Ukraine ins Gefängnis, wenn keine Kaution gezahlt werde. Daraufhin übergab der Geschädigte an zwei Orten insgesamt 108.000 Euro Bargeld. Anschließend flüchtete der Täter zu Fuß.

Ärger mit Windpark

Der Windpark Königseiche in Baden-Württemberg sorgt seit 2024 für Ärger: Bei starkem Wind erzeugen zwei Nordex-Anlagen einen tiefen Brummton. Ein Gutachten bestätigt die Lärmbelastung. Die Anlagen müssen bereits ab 9 Metern pro Sekunde gedrosselt werden. Die Bürger fordern eine Abschaltung, der Betreiber prüft Lösungen und neue Anlagen.