Categories
deutschland ticker

Ukraine-Waffenhilfe beenden: Landtag Sachsen-Anhalt stimmt für AfD-BSW-Antrag


In Kürze:

  • Der Landtag von Sachsen-Anhalt hat einen Antrag von AfD und BSW für eine Neuausrichtung der Ukrainepolitik angenommen.
  • Die Fraktionen fordern Friedensverhandlungen mit Russland, ein Ende der Waffenlieferungen an die Ukraine und eine Normalisierung der Wirtschaftsbeziehungen zu Moskau.
  • CDU, SPD, Grüne und Linke legten Alternativanträge vor, die jedoch nicht mehr zur Abstimmung kamen.
  • Der Beschluss hat vor allem symbolischen Charakter, da das Land keine eigene Gesetzgebungskompetenz für Russland-Sanktionen und Ukrainehilfen besitzt.

AfD und BSW haben im Landtag von Sachsen-Anhalt gemeinsam einen Antrag für ein Ende der Sanktionen gegen Russland und der militärischen Unterstützung der Ukraine durchgesetzt. Der Antrag wurde am Mittwoch, 14. Oktober, in einer Sondersitzung des Plenums in Magdeburg mehrheitlich mit Stimmen beider Fraktionen angenommen. Die Fraktionen von CDU, SPD, Grünen und Linken stimmten dagegen. Enthaltungen gab es nicht.
In dem Antrag heißt es, die Politik der gegen Russland gerichteten Sanktionen und Wirtschaftsembargos sowie der Waffenlieferungen und finanziellen Hilfen an die Ukraine sei „gescheitert“. Ebenso habe eine einseitige Parteinahme des Westens zugunsten Kiews nicht zu einem Ende des Krieges beigetragen. Gleichzeitig habe der handels- und energiepolitische Bruch mit Russland der eigenen Wirtschaft geschadet.

Alternativanträge kommen nicht zum Zug

Der von den Fraktionsvorsitzenden eingebrachte Antrag fordert einen Fokus auf Diplomatie. Zudem tritt man für einen Waffenstillstand und die Aufnahme von Friedensverhandlungen mit Russland ein. Deutschland müsse zudem seine Wirtschaftsbeziehungen mit Moskau wieder normalisieren. Für die Ukraine solle es keine Waffenlieferungen mehr geben, sondern nur noch humanitäre Hilfe. Im Rahmen einer langfristigen Friedensordnung, so heißt es weiter, sei auf den Status der Ukraine als neutraler Staat hinzuwirken.
Da der Antrag eine Mehrheit fand, kamen Alternativanträge nicht mehr zum Zug. Sowohl SPD und Grüne als auch CDU und Linke legten solche vor. Allen war dabei gemeinsam, dass ihnen das Narrativ vom „russischen Angriffskrieg“ zugrunde lag, den es zu verurteilen gelte. Diese Position machte sich auch die CDU zu eigen, die einen „gerechten Frieden“ forderte und brachte auch die Thematik hybrider Angriffe in ihren Antrag ein.
Vonseiten der SPD und der Grünen hieß es, der Schlüssel zur Beendigung des Krieges liege zuallererst bei der russischen Führung. Ein sofortiger Waffenstillstand sei die Voraussetzung für eine Verhandlungslösung. Der Alternativantrag sprach sich gegen eine bedingungslose Aufhebung von Sanktionen und eine „Verweigerung von Hilfen zur Selbstverteidigung der Ukrainerinnen und Ukrainer“ aus.

BSW will nun mit der Linken gegen Rüstungsvorhaben vorgehen

Der Antrag der Linken zielte auf eine Verurteilung der russischen Militäroffensive als „massive Verletzung des Völkerrechts“ ab. Russland solle auch zur unverzüglichen Einstellung seiner Angriffe und einem Rückzug seiner Truppen aus der Ukraine aufgefordert werden. Allerdings enthielt der Antrag auch die Forderung nach Friedensverhandlungen. Die Landesregierung solle zudem aufgefordert werden, sich für ein grundsätzliches Verbot deutscher Waffenexporte einzusetzen.

Keine substanziellen Folgen

Direkte Folgen hat die Annahme des Antrags von AfD und BSW nicht. Das Land Sachsen-Anhalt besitzt im Bereich der Russland-Sanktionen und der Ukrainehilfen keine Gesetzgebungskompetenz. Das Land kann sich lediglich im Bundesrat für eine Korrektur der außenpolitischen Ausrichtung des Bundes und der EU einsetzen. Insofern hat der Beschluss vorwiegend einen symbolischen Wert.
Sowohl AfD-Fraktionschef Ulrich Siegmund als auch BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht sprechen von einem wichtigen Schritt und parlamentarischen Erfolg.
Erstmals seit Beginn des Ukrainekriegs gehe eine „wirkliche Friedensinitiative“ von einem deutschen Parlament aus, sagte Siegmund. Die Sanktionen gegen Russland hätten weder den Kriegsverlauf verändert noch Menschenleben gerettet, dafür aber Deutschland wirtschaftlich belastet. Die Wähler hätten bei der Landtagswahl „die Kriegstreiber ganz klar abgewählt“.
Wagenknecht forderte vom geschäftsführenden Ministerpräsidenten Sven Schulze (CDU), den Beschluss umzusetzen und in den Bundesrat einzubringen. Wagenknecht fügte hinzu: „Alles andere wäre eine grobe Missachtung des Landtags und des Wählerwillens.“
Schulze wies die Bezeichnung „Kriegstreiber“ zurück. Damit würden hunderttausende Wähler „indirekt so bezeichnet“. Er kritisierte die Forderungen des Antrags als „beschämend“ und warf AfD und BSW vor, die Verantwortung Russlands für den Krieg auszublenden.
Mit Material der Nachrichtenagenturen
Categories
deutschland

Brandmauer, Tolerierung, Koalition: Spekulationen über BSW und AfD


In Kürze:

  • Aussagen von BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht zur „Brandmauer“ haben Spekulationen über eine mögliche Zusammenarbeit mit der AfD ausgelöst.
  • Das BSW schließt eine Koalition mit der AfD weiterhin aus und will weder einen CDU- noch einen AfD-Ministerpräsidenten unterstützen.
  • In Fragen wie Russlandpolitik, Sanktionen, Friedenspolitik, Medienreform oder Verfassungsschutz bestehen gewisse Schnittmengen zwischen AfD und BSW.

 
Vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern haben Aussagen von BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht für Spekulationen gesorgt. Gegenüber BILD erklärte sie, mit einer Stimme für das BSW werde die „Brandmauer abgewählt“.
Gleichzeitig sagte Parteichefin Amira Mohamed Ali der Deutschen Presse-Agentur, man wolle keinen AfD-Ministerpräsidenten wählen. Auch CDU-Ministerpräsident Sven Schulze werde nicht unterstützt, ebenso wenig AfD-Kandidat Ulrich Siegmund, da man sich von beiden klar abgrenze.

Weder Schulze noch Siegmund: BSW setzt auf neutralen Kandidaten

Bereits beim Wahlkampfauftakt des BSW in der Vorwoche in Halle erklärten die Spitzenkandidaten Claudia Wittig und Thomas Schulze, nicht selbst Ministerpräsident werden zu wollen. Stattdessen stellten sie in Aussicht, einen „überparteilich respektierten Kandidaten“ vorzuschlagen, falls es auf die Stimmen der Wagenknecht-Partei ankommt. Auch Amira Mohamed Ali nannte dies am Dienstag als Option.
Namen möglicher Kandidaten wollte man auf Nachfrage nicht nennen. Neben Wagenknecht war beim Wahlkampfauftakt auch der Politikwissenschaftler Johannes Varwick anwesend, Mitglied der BSW-Grundwertekommission.
Eine Koalition mit der AfD hatte Spitzenkandidat Thomas Schulze bereits im März gegenüber dem MDR ausgeschlossen. Die AfD stehe für Steuersenkungen für Reiche, ein traditionelles Familienbild und die Wiedereinführung der Wehrpflicht. Diese Positionen seien mit denen des BSW unvereinbar, so Schulze: Daher komme eine Koalition nicht infrage. „Das sind alles Themen, die konträr zu unseren sind. Und deshalb brauchen wir uns über eine Koalition mit der AfD gar nicht weiter zu unterhalten.“

BSW hat zum Teil Wähler direkt an die AfD verloren

Sollte die Frage einer künftigen Regierung in Sachsen-Anhalt tatsächlich vom BSW abhängen, könnte auch ein Tolerierungsmodell relevant werden. Derzeit hat sich das Thema Umfragen zufolge jedochn vorerst erledigt: In Sachsen-Anhalt liegt die Wagenknecht-Partei unter der Fünf-Prozent-Hürde. In Mecklenburg-Vorpommern liegt sie zwar bei rund 5 Prozent, die AfD käme dort auf etwa 36 Prozent und könnte damit keine eigene Regierungsmehrheit erreichen.
In Sachsen-Anhalt hat das BSW seit Anfang 2025 zahlreiche Stimmen an die Linkspartei verloren, von der sich die Wagenknecht-Partei ursprünglich abgespalten hatte. Ein Teil früherer Wähler scheint jedoch auch zur AfD gewechselt zu sein. Seit dem 16. Januar 2025 hat die CDU in Umfragen rund 8 Prozentpunkte verloren, das BSW etwa 10, während die AfD um 11 und die Linke um 9 Punkte zulegen konnte.
Ein Sprecher von AfD-Chefin Alice Weidel sagte gegenüber BILD, man wolle keine Option ausschließen, die eine tragfähige Regierungsbildung ermögliche. Gleichzeitig gibt es offenbar interne Vorbehalte gegenüber einer möglichen Zusammenarbeit mit dem BSW.
Diese rühren vor allem von der als instabil wahrgenommenen Rolle des BSW dort, wo die Partei bereits in Parlamenten oder Regierungen vertreten ist. In Brandenburg ist eine Regierungskoalition der SPD mit der Wagenknecht-Partei zerbrochen, zudem kam es dort und im EU-Parlament zu Parteiaustritten.

Ähnliche Positionen zu Russland, Corona und Verfassungsschutz

Politikwissenschaftler wie Benjamin Höhne von der TU Chemnitz sehen Schnittmengen zwischen AfD und BSW und halten sogar eine Koalition für denkbar. Viele dieser Gemeinsamkeiten betreffen jedoch Bereiche, in denen die Länder keine Gesetzgebungskompetenz haben, etwa Friedenspolitik, Russland-Sanktionen oder Volksentscheide auf Bundesebene.
Ähnlichkeiten zeigen sich auch bei der Kritik am Verfassungsschutz oder an einer Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Weitere Überschneidungen gibt es bei der Pandemiepolitik, Energiepreisen, der Ablehnung von Gendersprache und einer restriktiven Einwanderungspolitik.

Staatsquote, § 218, ethnisch-kulturelle Migrationspolitik: Unterschiede zwischen AfD und BSW

Deutliche Unterschiede gibt es in Bereichen wie der Wirtschaftspolitik. Hier verspricht die AfD in ihrem „Regierungsprogramm für Sachsen-Anhalt“ Steuersenkungen, Staatsabbau und Bürokratieabbau. Das BSW hingegen stellt sich gegen „neoliberale“ Politik und fordert einen starken Sozialstaat, für den auch Umverteilungspolitik kein Tabu ist.
Aber auch in der Familien- und Gesellschaftspolitik gibt es abseits der Ablehnung der Genderpolitik deutliche Unterschiede. Während die AfD den Schwangerschaftsabbruch weiterhin im Strafrecht verankern möchte, strebt das BSW „perspektivisch die Abschaffung des § 218 StGB“ an. Die von der AfD geforderte Reform des Bildungswesens hin zu einer Bildungspflicht statt Schulpflicht lehnt das BSW ebenfalls ab.
Auch in der Migrations- und Integrationspolitik bestehen trotz oberflächlicher Ähnlichkeiten substanzielle Unterschiede. Während die AfD „Remigration“ fordert und sich gegen „kulturfremde“ Einwanderung stellt, spielen ethnisch-kulturelle Kriterien beim BSW kaum eine Rolle.
Bei der Bekämpfung islamistischer Tendenzen zeigen sich ebenfalls deutliche Differenzen. Während das BSW die Zusammenarbeit mit islamischen Gemeinden in die Präventionsarbeit einbinden will, setzt die AfD stärker auf Konfrontation und die Einschränkung islamischer Religionsausübung. Insgesamt werden die Unterschiede zwischen beiden Parteien besonders dort deutlich, wo Landespolitik konkrete Gestaltungsmöglichkeiten bietet.