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Therapeutische Schallwellen – was das Schnurren von Katzen bewirkt und vieles mehr


In Kürze:

  • Katzen sind das häufigste Haustier in Deutschland – noch vor Hunden: Knapp 16 Millionen Samtpfoten lebten 2025 in deutschen Haushalten.
  • Von sanft-verschmust bis kratzig-zerstörerisch: Das Verhalten einer Katze stellt ihre Besitzer nicht selten vor Rätsel
  • Lautmalerisch äußern sich Katzen durch Miauen und Schnurren, Knurren, Fauchen oder Jaulen. Vor allem ersteres prägt den Umgang mit Menschen.
  • Das Schnurren einer Katze verrät hingegen mehr über die Persönlichkeit einer Katze.

 
Fühlt sich eine Katze wohl, freut sich ihr Mensch. Nicht selten geht ein solches Wohlgefühl unseres Vierbeiners mit einem entspannenden Schnurren einher. Wussten Sie aber schon, dass das Schnurren von Hauskatzen deutlich mehr über ihre persönliche Identität verrät als ihr Miauen? Das ist das Ergebnis einer Studie, die Ende 2025 von Forschern des Museums für Naturkunde Berlin und der Universität Neapel Federico II veröffentlicht wurde.
„Menschen achten vor allem auf das Miauen, weil Katzen diese Laute hauptsächlich gegenüber uns einsetzen“, erklärt Danilo Russo, Erstautor der Studie. „Aber nachdem wir die akustische Struktur genau untersucht hatten, stellte sich das gleichmäßige Schnurren als das bessere Mittel zur Identifikation verschiedener Individuen heraus.“
Schnurren wird dabei streng definiert als ein kontinuierlicher niederfrequenter Ton mit geringer Amplitude, der beim Ein- und Ausatmen mit geschlossenem Maul erzeugt wird und von Körpervibrationen begleitet ist. Seine Grundfrequenz liegt zwischen 25 und 30 Hertz und ist meist viel leiser als andere Laute.
UMFRAGE? Verstehen uns Katzen?
Ja, sie verstehen uns uneingeschränkt.
Ja, sie verstehen uns, ignorieren uns aber.
Ja, aber nur teilweise.
Nein, sie verstehen uns nicht.
Für die Analyse der Miau- und Schnurrlaute nutzte das Team ursprünglich für die automatische Spracherkennung von Menschen entwickelte Methode.
„Jede Katze in unserer Studie hatte ihr eigenes, charakteristisches Schnurren“, schildert Co-Autorin Anja Schild. „Schnurren tritt häufig in entspannten Situationen auf, etwa beim Streicheln oder engem Kontakt mit einer vertrauten Person.“ Bereits kurz nach der Geburt kommuniziere die Katzenmutter mit ihrem Nachwuchs durch Schnurren.
Eine Katze schnurrt aber auch bei Hunger, Stress, Schmerzen und dem nahenden Tod, heißt es von den Forschern weiter. Es bedarf also weiterer Anhaltspunkte, wenn man seinen vierbeinigen Miezbewohner verstehen und auf seine Bedürfnisse eingehen möchte.

„Beleidigte“ Katzen brauchen Geduld

Wer einmal eine „beleidigte“ Katze erlebt hat – etwa, weil ihr Besitzer sie längere Zeit allein gelassen oder in Fremdbetreuung gegeben hat –, weiß um die schwierige Situation. Dabei ist die Katze nicht eigentlichen Sinne beleidigt, sondern einfach nur verunsichert. Das zeigt sie durch demonstratives Wegdrehen. Streicheleinheiten? Fehlanzeige.
Auch ein Blickkontakt wird tunlichst vermieden. Rückzug ist die Devise. Ihr „Dosenöffner“ versteht die Welt nicht mehr. Wenn die vorher so anschmiegsame Katze plötzlich auf Abstand geht, braucht man Geduld und sollte ihr Raum geben. Ein vom Besitzer getragener Pullover in der Nähe der Katze kann ihr wieder Sicherheit vermitteln, denn der vertraute Duft beruhigt.

Eine „Glückskatze“ mit dem für sie typischen dreifarbigen Fell wartet auf die Rückkehr ihres Besitzers. Unglückliche Katzen kehren ihrem Besitzer oft den Rücken zu. Typisch ist die körperliche Anspannung. Die Ohren sind leicht seitlich nach hinten gezogen. Der Schwanz peitscht oder liegt eng am Körper an. Anstelle des wohligen Schnurrens ist bei Annäherungsversuchen ein leises Grollen oder Fauchen möglich.

Foto: ablokhin/iStock

Verängstigung erfordert Freiraum

Wenn man auf eine verängstigte Katze trifft, ist viel Einfühlungsvermögen erforderlich. Geweitete Pupillen, angelegte Ohren und eine geduckte Haltung sind typische Anzeichen, ebenso wie das Verstecken unter Möbeln. Die Katze macht sich klein und wäre wahrscheinlich am liebsten unsichtbar. Hier gilt: Nicht hinterherjagen, sondern warten, bis sie ihr Versteck von allein verlässt.

Auch verängstigte Katzen leiden unter Stress und verstecken sich gern, beispielsweise unter Möbeln. Ihre Haltung ist geduckt, der Kopf zwischen den Schultern, während der Schwanz eng am Körper liegt und oft eingerollt ist. Mit großen Augen, weiten Pupillen und angelegten Ohren beobachtet sie aus sicherem Abstand die Situation.

Foto: Iryna Olkhova/iStock

Katzenbuckel bei Bedrohung

Der berühmte Katzenbuckel hat gleich mehrere Bedeutungen: Drohen, Strecken, Wohlbefinden und Schmerzen. Fühlt sich die Katze bedroht, sträubt sich ihr Fell zusätzlich. Die Katze macht sich dadurch größer, als sie ist, um ihren Feind abzuschrecken.

Hier ist Vorsicht geboten. Hochkonzentriert beobachtet die Katze ihre Umgebung. Eine Katze, die sich bedroht fühlt, bringt ihr Unwohlsein mit Katzenbuckel und gesträubtem Fell auf dem Rücken zur Geltung. Dadurch wirkt sie größer. Selbst der Schwanz sträubt sich, was ihm auch die Bezeichnung „Flaschenbürste“ einbringt. Oft liegen die Ohren eng an, die Pupillen sind geweitet.

Foto: Scrofula/iStock

Hunger fokussiert

Sitzt die Katze vor dem leeren Futternapf und mauzt, besteht kein Zweifel mehr, dass ihr Zweibeiner für ihr leibliches Wohl sorgen soll. Sie folgt ihm auf Schritt und Tritt, bettelt oder stupst ihn mit der Pfote. Ihr Körper ist angespannt und voller Erwartung.

Dieser Blick ist unmissverständlich: „Ich habe Hunger!“ Die Katze sitzt erwartungsvoll vor ihrem Futternapf, den sie mit den Augen fokussiert – oder ihren Besitzer, Ohren nach vorn, der Schwanz hochgetragen.

Foto: Lightspruch/iStock

Neugier spitzt Ohren und Schnurrhaare

An neue Dinge tastet sich eine Katze neugierig heran, sei es ein Frosch oder Wasser, das aus einem Rasensprinkler herausspritzt. Vorsichtig werden die Gegenstände untersucht und gestupst. Dabei widmet die Katze dem Geschehen ihre volle Aufmerksamkeit mit einer entspannten Körperhaltung und oft hochgestelltem Schwanz.

So ein Wassertropfen ist gar nicht so leicht zu fassen. Neugierige Katzen untersuchen einen Gegenstand indem sie den Kopf interessiert nach vorn strecken. Auch Ohren und Schnurrhaare sind vorwärts ausgerichtet, während der Schwanz nach oben steht. Die Kontaktaufnahme erfolgt oft mit Pfote oder Nase.

Foto: Nils Jacobi/iStock

Müdigkeit braucht Vorbereitung und zeigt Entspannung

Ist die Katze müde, verlangsamt sich ihr Tempo. Sie zeigt wenig Interesse am Lieblingsspielzeug und gähnt. Bevor sie es sich bequem macht, putzt sie sich manchmal noch gemächlich. Auch die Körperhaltung mit halb geschlossenen Augen und entspannten Ohren macht deutlich: „Bitte nicht stören! Ich brauche Ruhe.“ Entweder macht sie sich lang oder rollt sich gemütlich ein.

Ein schattiger Platz im Garten ist ein guter Ort für ein Nickerchen. Die Katze liegt entspannt seitlich, sodass der Bauch sichtbar ist.

Foto: chendongshan/iStock

Halb im Schlaf dehnt sich die Katze gemächlich. Der Schwanz liegt locker, die Augen sind halb geschlossen, Ohren zeigen seitlich oder nach vorn.

Foto: Scrofula/iStock

Schnurren als Therapie

Und wie war das jetzt noch gleich mit dem Schnurren? Was den Wissenschaftlern hilft, Katzen zu identifizieren, hat noch einen weiteren Effekt und Katzenliebhaber tun gut daran, den wohligen Klängen ihrer Vierbeiner zu lauschen. Denn das Schnurren einer Katze wirkt auf Menschen ebenso beruhigend wie auf ihre Jungen – ähnlich einer Klangtherapie.
Das fand eine Studie aus dem Jahr 2001 heraus, die im „New Zealand Veterinary Journal“ veröffentlicht wurde. Darin untersuchte das Team um die US-amerikanische Forscherin Elisabeth von Muggenthaler 44 Katzenarten, darunter neben der Hauskatze waren auch Geparden, Ozelots, Servale (afrikanische Wildkatzen) und Pumas. Alle erzeugten ein Schnurren mit einer heilsamen Frequenz zwischen 25 und 150 Hertz.
„Die Schnurfrequenzen entsprechen den Schwingungs- beziehungsweise elektrischen Frequenzen, die bei Behandlungsmethoden für Knochenwachstum und Knochenbrüche, Schmerzen, Ödemen, Muskelwachstum und -verspannung, Beweglichkeit der Gelenke, Atemnot sowie Wunden zum Einsatz kommen“, so die Forscherin aus North Carolina.
Also: Zurücklehnen und das Schnurren genießen!
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Wie sich die Katze ins Leben des Menschen schlich


In Kürze:

  • Über 15 Millionen Katzen machen sie zum häufigsten Haustier Deutschlands, noch vor dem Hund.
  • Die älteste Beziehung zwischen Mensch und Samtpfote reicht bis in die Steinzeit zurück.
  • Heute ist bekannt, dass die Hauskatze von der Afrikanischen Wildkatze abstammt.
  • Erst um das Jahr 0 breitete sich der domestizierte Stubentiger mit den Römern in Europa aus.

 
Es gibt eine Liebe, die keiner Worte bedarf. Manchmal reicht ein Schnurren: Samtpfoten, die uns auf Schritt und Tritt folgen und die immer da sind. Seit ich ein Jahr alt bin, begleiten mich Katzen schon durch mein Leben. Sie lockten mich mit ihrem Maunzen in die Küche, weil sie Hunger hatten und kamen zu mir, wenn ich weinte, und haben mich getröstet. Es ist ein herzliches Zusammenspiel von Mensch und Tier, das für mich nicht mehr wegzudenken ist.
Doch es gab eine Zeit im Leben der Menschen, in der die Katze kein so enger Teil des Alltags war. So vergingen tausende Jahre, bis aus den wilden und scheuen Mäusejägern unsere domestizierten und treuen Schmusekatzen wurden. Und die Geschichte dieser kuscheligen Beziehung nahm ihren Ursprung außerhalb von Europa.

Der wilde Vorfahre unserer Katze

Unsere heutige Hauskatze (Felis catus) gehört zu den erfolgreichsten domestizierten Tieren. Weltweit leben Schätzungen zufolge fast eine Milliarde Stubentiger und Streuner mit oder bei den Menschen. Nicht einberechnet sind die vier Wildkatzenarten, die in Europa, Afrika und Asien vorkommen.
Und genau zwei dieser Arten galten lange Zeit als mögliche Vorfahren unserer Hauskatze: die Europäische Wildkatze (Felis silvestris) und die Afrikanische Wildkatze (Felis lybica lybica), auch Falbkatze genannt. Genetische Untersuchungen aus dem Jahr 2007 offenbarten, dass unsere Stubentiger von der heute in Nordafrika und dem Nahen Osten lebenden Falbkatze abstammen.
Vorfahre unserer Katze: die Falbkatze

Die Afrikanische Wildkatze (Felis lybica lybica), auch Falbkatze genannt, ist der Vorfahre unserer Hauskatzen.

Foto: slowmotiongli/iStock

Dass diese schon lange in der Nähe des Menschen lebte, zeigen selten erhaltene archäologische Funde. So entdeckten Archäologen 2004 auf Zypern die rund 9.500 Jahre alte Bestattung eines Menschen – neben diesem lag das Skelett einer Wildkatze.
Dieser Fund führte erstmals zu der Idee, dass frühe anatolische Ackerbauern während der Jungsteinzeit (9600–7000 v. Chr.) die Katze zum Zweck der Schädlingsbekämpfung domestiziert haben könnten. Dem entgegen steht die traditionelle Sichtweise, dass die alten Ägypter vor über 4.000 Jahren erstmals die Wildkatze zähmten. Wer es tatsächlich als Erster schaffte, über lange Zeit und in großem Ausmaß Herr über die eigensinnigen Samtpfoten zu werden, bleibt umstritten.

Samtpfoten auf dem Weg nach Europa

Sicher scheint jedoch, dass die Schmusekatzen ihren Siegeszug weder mithilfe der ersten Bauern noch den mächtigen Pharaonen antraten. Einer neuen Studie zufolge sei die Katze vielmehr im Laufe des 1. Jahrtausends vor Christus von Nordafrika nach Europa gekommen.
Behilflich waren ihnen dabei scheinbar das Seefahrervolk der Phönizier beziehungsweise die späteren Punier, die ab dem 9. Jh. v. Chr. zahlreiche neue Städte rund um das Mittelmeer gründeten – unter anderem auf Sardinien.
Mit der Niederlage der Punier gegen die Römer, der Gründung des Römisches Kaiserreiches und seiner enormen Ausdehnung verbreitete sich die gezähmte Katze schließlich in ganz Europa, wie ein deutlicher Anstieg von Katzenfunden, unter anderem im österreichischen Mautern oder entlang des Limes, zeigt.
Für Asien zeigt sich ein ähnliches Bild. Auch hier lebten Katzen sporadisch neben den frühen chinesischen Bauerngemeinschaften. Bei diesen handelte sich ebenfalls nicht um domestizierte Hauskatzen, sondern um die dort wild lebende Leopardkatze (Prionailurus bengalensis). Erst im Laufe der Tang-Dynastie (617/18 bis 907) erreichten die domestizierten Stubentiger über die Seidenstraße und andere eurasische Handelsrouten den Fernen Osten.

Eine Leopardkatze (Prionailurus bengalensis), auch Bengalkatze genannt.

Heiliger Stubentiger

Abgesehen von uns, die ihre Hauskatzen mit speziellen Bettchen, Leckerlis und jeder Menge Spielzeug verwöhnen, waren es die Bewohner am Nil, die die Katze am stärksten verehrten. Ähnlich wie heute genoss die Katze im Alten Ägypten ein Privileg – „Ich kann nicht, die Katze schläft“ –, das während der gesamten Geschichte der Domestikation ihresgleichen suchte. Wie eng diese Tier-Mensch-Beziehung war, zeigt eine 4.600 Jahre alte Grabmalerei, wo zum ersten Mal eine Katze mit Halsband abgebildet wurde.
Doch was hatte die Katze, was andere Tiere nicht hatten, das die Ägypter sie so vergötterten? Sehr wahrscheinlich lag diese Tatsache in der landwirtschaftlich geprägten Lebensweise der Ägypter. Gediehen die Feldfrüchte und gab es kaum Schädlinge, war die Ernte reichhaltig und die Bevölkerung entlang des fruchtbaren Nils gut versorgt. Zumindest im letzteren Punkt konnten die Nagetier-jagenden Schmusekatzen einen großen Beitrag zum Wohlstand leisten.
Gestützt wird diese Annahme durch die altägyptische Göttin Bastet. Sie wird meist als Frau mit einem Katzenkopf oder als kleine Katze mit Löwenkopf dargestellt und stand symbolisch für Fröhlichkeit, Liebe, Schönheit, Anmut, Weiblichkeit und Fruchtbarkeit.
Die Verehrung ging sogar so weit, dass die Ägypter während der Blütezeit der Bastet-Kult den Göttern zahlreiche kleine Katzenfiguren oder mumifizierte Stubentiger opferten. Gleichzeitig war die Katze so heilig, dass sie per Gesetz niemals außer Landes gebracht werden durfte. Mit dem Niedergang des Pharaonenreiches verschwand schließlich auch die Vergötterung der Samtpfote – nur hat man es wohl versäumt, ihnen das ebenfalls mitzuteilen.
Eine Katze neben der Statue von Bastet

Ob sich Katzen ihrer göttlichen Behandlung im Alten Ägypten noch immer bewusst sind?

Die Katze in China: Das einzige Tier mit Seele

Außerhalb von Ägypten war der Ruf der Katze unterschiedlich. Zwar war der Stubentiger im antiken Griechenland mit Artemis, der Göttin der Jagd, verbunden, doch so vergöttert wie jenseits des Mittelmeeres wurde sie nie. Im Gegenteil: Einige Griechen hatten wie die Babylonier gar Angst vor schwarzen Katzen.
In China genoss die Katze dagegen ein hohes Ansehen. Geschätzt für ihre Jagdqualitäten lebten die Schmusekatzen in Tempeln und auf Plantagen für Seidenraupen und Tee, um schädliches Ungeziefer in Schach zu halten.
Außerdem glaubten die alten Chinesen, dass neben dem Menschen nur die Katze als einziges Tier eine Seele besitzt. Dies wurde im Volksglauben positiv, aber auch negativ aufgefasst. Einerseits symbolisiert die Katze Glück und Langlebigkeit, andererseits wird ihr Listigkeit und Bösartigkeit nachgesagt.
Wie tief die Hauskatze die asiatische Kultur aber im Guten prägte, zeigen bis heute zahlreiche Glücksbringer namens „Maneki-neko“, besser bekannt als Winkekatzen. So wurde das charakteristische Gesichtsputzen der Katze mit der Pfote als Winken gedeutet und soll Käufer in die Läden von Händlern gelockt haben, was wiederum zu guten Einnahmen und Geldsegen führte.

Helfer des Teufels und der Jungfrau Maria

Ebenfalls zwiespältige Meinungen hatten die Menschen im Mittelalter über Stubentiger. Zwar wurden wegen der zunehmenden Nagetierplage mehr Hauskatzen gehalten, allerdings überwiegend als Nutztiere.
Besonders in dieser, vom Aberglauben geprägten Zeit, hatte die Katze häufig einen schlechten Stand. So sagten ihr die Menschen Unglück und einen Bund mit dem Teufel oder anderen angeblich Schaden-bringenden Wesen wie Hexen nach. Gleichzeitig manifestierte sich der Glaube an ein schlechtes Omen, wenn eine schwarze Katze den Weg von links nach rechts kreuzte.
Wie in den anderen Epochen gab es in allen gesellschaftlichen Schichten auch Liebhaber der Schmusekatze. So wurde die Jagd auf die Pest übertragenden Nagetiere als positiv betrachtet, da auf diese Weise Lebensmittel, Bücher, Textilien, aber auch die menschliche Gesundheit geschützt wurde. Und auch in der christlichen Vorstellung kommt der Katze eine gute Eigenschaft zu, wie die Skizze „Madonna mit Kind und Katze“ von Leonardo da Vinci zeigt.
Das Bild basiert auf der Legende zur Geburt Jesu, wonach Maria darum betet, dass sie das Christuskind warm halten könne. Daraufhin erschien eine Katze, sprang in die Krippe und legte sich neben das Kind. Aus Dankbarkeit soll Maria ihren Initialbuchstaben „M“ auf die Stirn der Katze gezeichnet haben – eine markante Kopfzeichnung, die getigerte Katzen noch heute aufweisen.
Auch in der islamischen Welt hatten Katzen eine besondere Bedeutung und wurden wegen ihrer Eleganz und Sauberkeit geschätzt. Außerdem schreiben muslimische Legenden, dass gute Geister im Körper einer Katze wohnen würden.

Auf die Katz’ gekommen

Vor allem in der Renaissance und der Frühen Neuzeit inspirierten die anmutigen Samtpfoten zahlreiche Maler, die diese in ihren Werken verewigten. Am bekanntesten sind die Skizzen von Leonardo da Vinci, Albrecht Dürers „Adam und Eva“, die Aquarelle von Gottfried Mind, der auch als Katzen-Raffael bekannt ist, oder Édouard Manets „Frau mit Katze“.
Mit dem Beginn der Zucht im Industriezeitalter hatten es die Stubentiger endgültig in die Herzen der Menschen und in ihr Haus geschafft. Seither gibt es über 30 Rassekatzenarten, wobei die Ägyptische Mau, die Korat, die Abessinier, die Siam, die Perser, die Birma und die Türkisch Van zu den ältesten zählen.
Heute schleichen allein 15,9 Millionen Samtpfoten durch Deutschlands Haushalte (Stand: 2024). Damit ist die Katze hierzulande das beliebteste Haustier, noch vor dem besten Freund des Menschen, dem Hund. Als Ursache wird der moderne Lebensstil genannt, allen voran die steigende Zahl von Alleinlebenden – insbesondere Senioren.
„Ihre Haltung erfordert im Hinblick auf Bewegung und Beschäftigung meist weniger Zeit und körperliche Fitness als das Leben mit Hund – optimal für viele ältere Menschen“, erklärt Prof. Dr. Andrea Beetz von der IU Internationale Hochschule.
Es ist daher nicht abwegig, dass die Zahl der Hauskatzen in Deutschland künftig weiter steigen wird. Doch nicht nur die, die gedanklich einen Katzensprung von einer Anschaffung entfernt sind, verfallen dem Charme einer Samtpfote.
Ein gutes Beispiel ist mein Vater. Noch heute erinnere ich mich an seine Worte: „Es kommt keine weitere Katze ins Haus“. Seither konnten ihn bereits fünf Stubentiger erweichen und hatten binnen kürzester Zeit sein Herz und seinen Sessel im Wohnzimmer erobert.