(v. l. n. r.) Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender von Mercedes-Benz, Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und NVIDIA-Vorstandsvorsitzender Jensen Huang am 19. Oktober 2026 in Berlin beim Investitionsgipfel. - Foto: Nadja Wohlleben/Getty Images
In Kürze:
230 Milliarden Euro: Beim Investitionsgipfel kündigt Bundeskanzler Merz umfangreiche Investitionen von Unternehmen in Deutschland an.
Weniger neue Projekte: Trotz steigender Kapitalzuflüsse sinkt die Zahl ausländischer Investitionsprojekte. Auch die heimischen Investitionen bleiben schwach.
Standort unter Druck: Hohe Energiekosten, Bürokratie und internationale Konkurrenz belasten Deutschland. Viele Industriebetriebe planen verstärkt Investitionen im Ausland.
Rund 230 Milliarden Euro wollen international tätige Unternehmen nach Angaben von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in Deutschland investieren. Diese Summe nannte Merz am Dienstag, 20. Oktober, zum Abschluss des Investitionsgipfels in Berlin. Unter den genannten Unternehmen waren Amazon, Microsoft, Nvidia, RWE und der französische Pharmakonzern Sanofi. „Deutschland ist ein guter Standort für Investitionen und für die Unternehmen aus der ganzen Welt“, erklärte Merz vor der Presse.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) formulierte seine Einschätzung noch knapper: „Deutschland ist zurück.“
Die bisherigen Investitionszahlen zeigen allerdings, dass die wirtschaftliche Entwicklung weiterhin von Schwierigkeiten geprägt ist.
IW: Investitionsausfälle von 420 Milliarden Euro
Seit Jahren bleiben die Investitionen in Deutschland hinter dem früheren Wachstumstrend zurück. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) sind Deutschland seit 2020 Investitionen von rund 420 Milliarden Euro entgangen. Unternehmen hätten demnach 470 Milliarden Euro weniger investiert als nach dem Trend der Jahre vor den Krisen zu erwarten gewesen wäre; der Staat investierte rund 50 Milliarden Euro mehr.
Zugleich ist die Zahl neuer ausländischer Investitionsprojekte in Deutschland im vergangenen Jahr um 9,3 Prozent auf 1.564 gesunken, wie die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Germany Trade & Invest im aktuellen FDI-Report berichtet. Allerdings, so der Report, gingen die Projektzahlen auch weltweit zurück.
Die von Merz genannten 230 Milliarden Euro könnten die Entwicklung verbessern. Bislang handelt es sich jedoch um Investitionszusagen. Wie viel Geld tatsächlich fließt, über welchen Zeitraum sich die Vorhaben erstrecken und welcher Anteil bereits zuvor geplant war, geht aus der Stellungnahme der Bundesregierung nicht hervor.
Für die wirtschaftliche Wirkung ist weniger die angekündigte Summe entscheidend als die Frage, wo und wie das Geld eingesetzt wird. Neue Fabriken erweitern die Produktionskapazitäten und können Arbeitsplätze schaffen. Der Kauf bestehender Unternehmensanteile führt dagegen zunächst nur zu einem Eigentümerwechsel. Investitionen in Rechenzentren stärken zwar die digitale Infrastruktur, schaffen aber vergleichsweise wenige dauerhafte Arbeitsplätze.
Ob die angekündigten Milliarden Deutschlands Wirtschaft langfristig stärken, hängt deshalb in erster Linie davon ab, ob sie zusätzliche Produktion, Beschäftigung und Wertschöpfung ermöglichen.
Kapitalzuflüsse steigen, neue Projekte gehen zurück
Auf den ersten Blick haben sich die internationalen Investitionen in Deutschland deutlich erholt. Nach Angaben der Deutschen Bundesbank flossen 2025 rund 86 Milliarden Euro an ausländischen Direktinvestitionen ins Land. Das waren nach Berechnungen des IW rund die Hälfte mehr als 2024.
Allerdings war das Jahr 2024 besonders schwach ausgefallen. Gemessen am Median der Jahre 2015 bis 2024 lagen die Investitionen nur knapp 11 Prozent höher. Ob sich dieser Anstieg auch in den kommenden Jahren fortsetzt, bleibt abzuwarten.
Deutliche Unterschiede zeigen sich auch bei den Herkunftsländern der Investoren. Unternehmen aus Großbritannien investierten nach Berechnungen des IW rund 26 Milliarden Euro in Deutschland, rund das Vierfache so viel wie im Vorjahr. Aus den USA kamen dagegen nur noch 11,8 Milliarden Euro, ein Rückgang um knapp 44 Prozent.
Auch die Standortstudie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY zeigt eine rückläufige Entwicklung. Im vergangenen Jahr kündigten ausländische Unternehmen in Deutschland nur noch 548 Investitionsprojekte an, 10 Prozent weniger als 2024 und so wenig wie seit 2009 nicht mehr.
Im europäischen Vergleich lag Deutschland damit hinter Frankreich mit 852 und Großbritannien mit 730 Projekten. Als Gründe für die schwache Entwicklung nennt EY unter anderem hohe Energie- und Arbeitskosten, die Steuerbelastung und bürokratische Hürden.
Bundeskanzler Friedrich Merz und NVIDIA-CEO Jensen Huang stoßen auf der Bühne des „Invest In Germany Summit“ an, auf dem sie am 19. Oktober 2026 in Berlin eine strategische Zusammenarbeit zwischen der deutschen Bundesregierung, NVIDIA und einer Gruppe deutscher Unternehmen im Bereich der Künstlichen Intelligenz für die deutsche Industrie bekannt gaben.
Foto: Nadja Wohlleben/Getty Images
Die heimischen Investitionen bleiben schwach
Für den Zustand des Produktionsstandorts sind die tatsächlich getätigten Anlageinvestitionen besonders aufschlussreich. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gingen die Bruttoanlageinvestitionen 2025 preisbereinigt um 0,5 Prozent zurück.
Bei Maschinen, Geräten und Fahrzeugen betrug das Minus 2,3 Prozent, bei Bauten 0,9 Prozent. Die Werte berücksichtigen Preisänderungen und zeigen damit die reale Entwicklung der Investitionstätigkeit.
Wenn Unternehmen über längere Zeit zu wenig investieren, hat das Folgen. Maschinen und Anlagen veralten, neue Technologien kommen später zum Einsatz. Dadurch wird es schwieriger, die Produktion effizienter zu gestalten und im internationalen Wettbewerb mitzuhalten. Langfristig kann das auch Arbeitsplätze und Lohnsteigerungen gefährden.
Investitionen des Staates in Straßen, Schienen oder Stromnetze können die Wirtschaft unterstützen. Sie ersetzen aber nicht die Investitionen, die Unternehmen selbst tätigen müssen.
Internationale Unternehmen kritisieren Standortkosten
Wie internationale Unternehmen den Wirtschaftsstandort Deutschland einschätzen, zeigt eine Studie des Meinungsforschungsinstituts Appinio im Auftrag des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens KPMG mit dem Titel „Business Destination Germany 2026“. Dafür wurden im November 2025 400 Finanzvorstände und kaufmännische Leiter der deutschen Tochtergesellschaften internationaler Konzerne befragt. Sie bewerteten den Standort Deutschland im Vergleich zu anderen EU-Ländern.
Aus den Antworten errechnet KPMG eine Punktzahl, die zeigt, wie attraktiv Deutschland als Unternehmensstandort eingeschätzt wird. Der Standortindex reicht von minus zehn bis plus zehn Punkten. Je höher der Wert, desto besser die Bewertung. Im Jahr 2017 erreichte Deutschland noch 3,1 Punkte, 2023 waren es 1,2 Punkte. Inzwischen sind es 0,2 Punkte. Die befragten Unternehmen sehen Deutschland damit kaum noch im Vorteil gegenüber anderen EU-Ländern.
Kritik äußerten die Befragten insbesondere an Energiekosten, Bürokratie und digitaler Infrastruktur. Rund 70 Prozent ordneten Deutschland bei diesen Faktoren unter den fünf schwächsten EU-Standorten ein. Bei den Energiekosten sahen 43 Prozent Deutschland sogar auf dem letzten Platz. Mehr als die Hälfte bewertete die wirtschaftliche Lage der eigenen deutschen Tochtergesellschaft als schlecht oder sehr schlecht. Es handelt sich um Einschätzungen der befragten Führungskräfte, nicht um eine amtliche Kostenmessung.
Welche Standortfaktoren für Unternehmen besonders wichtig sind, hängt von ihrer Branche ab. Für eine Chemiefabrik spielen beispielsweise die Energiepreise eine große Rolle. Ein Forschungszentrum braucht dagegen vor allem gut ausgebildete Fachkräfte und die Nähe zu Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen. Deutschland bietet weiterhin einen großen Markt, erfahrene Zulieferer und eine gut ausgebaute Forschungslandschaft. Ob sich eine Investition lohnt, hängt deshalb davon ab, welche Bedingungen ein Unternehmen benötigt.
Bundeskanzler Friedrich Merz hält am 19. Oktober 2026 in Berlin auf der Bühne des „Invest In Germany Summit“ eine Rede.
Foto: Nadja Wohlleben/Getty Images
Die deutsche Industrie investiert verstärkt im Ausland
Während die Bundesregierung um ausländisches Kapital wirbt, richten viele heimische Industriebetriebe ihre Investitionspläne auf andere Länder aus. Nach einer Sonderauswertung der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) vom April 2026 planen 43 Prozent der befragten Industriebetriebe für 2026 Investitionen im Ausland. Das sind drei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Grundlage ist eine Befragung von rund 1.700 Unternehmen.
Besonders stark hat das Motiv der Kostensenkung zugenommen. Von den Betrieben mit Auslandsinvestitionsplänen nennen 41 Prozent niedrigere Kosten als wesentlichen Grund. Im Vorjahr waren es 35 Prozent. Laut DIHK ist dies der höchste Wert seit Beginn der entsprechenden Erhebung im Jahr 2003.
„Die sinkende Wettbewerbsfähigkeit des heimischen Standorts zwingt Unternehmen zu Verlagerungen ins Ausland“, erklärt DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. Er verweist auf „steigende Kosten, strukturelle Probleme und eine schwache Konjunktur“.
Die Befragung liefert dafür konkrete Hinweise: Von den Unternehmen, die aus Kostengründen im Ausland investieren wollen, planen 47 Prozent einen Beschäftigungsabbau in Deutschland. 44 Prozent wollen ihre inländischen Investitionen reduzieren.
Weltweit investieren Unternehmen wieder mehr Geld im Ausland. Nach dem „World Investment Report 2026“ der Vereinten Nationen vom Juli 2026 stiegen diese Investitionen 2025 um 6 Prozent auf rund 1,6 Billionen US-Dollar (1,4 Billionen Euro). In den Industrieländern betrug der Zuwachs 11 Prozent. Allerdings floss ein großer Teil des zusätzlichen Geldes in wenige milliardenschwere Projekte, vor allem in Rechenzentren und Technik für Künstliche Intelligenz.
Davon kann auch Deutschland profitieren. Der Bau solcher Anlagen bringt Aufträge für Bauunternehmen, Energieversorger und Hersteller technischer Ausrüstung. Allerdings entstehen dabei nicht unbedingt so viele dauerhafte Arbeitsplätze wie in großen Fabriken.
Ferner können solche Investitionen deutschen Unternehmen neue Möglichkeiten eröffnen, ihre Produktion zu modernisieren sowie neue Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln.
Investitionsgipfel weckt Erwartungen
Vor diesem Hintergrund sollen die beim Investitionsgipfel angekündigten Milliardenbeträge zeigen, dass international tätige Konzerne weiterhin auf Deutschland setzen.
Ob daraus ein nachhaltiger Anstieg der Investitionen entsteht, hängt jedoch nicht allein von den Zusagen der Unternehmen ab. Auch die Kosten für Energie, bürokratische Anforderungen und die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte beeinflussen, wo neue Produktionsstätten entstehen.
Der Gipfel kann deshalb zunächst als Ausdruck des Investitionsinteresses großer Unternehmen gelten. Wie stark davon die deutsche Wirtschaft profitiert, wird sich erst mit der Umsetzung der Projekte zeigen.
Ministerin Reiche musste eine gesundheitliche Pause einlegen. (Archivbild) - Foto: Fabian Sommer/dpa
In Kürze:
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche will Deutschland wieder zu einem attraktiven Investitionsstandort machen.
Ihr Ministerium verweist auf mehr als 8,5 Milliarden Euro jährliche Entlastung durch Bürokratieabbau.
Mit dem Deutschlandfonds sollen öffentliche Mittel private Investitionen von bis zu 130 Milliarden Euro mobilisieren.
Um Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche war es in den vergangenen Wochen sehr ruhig geworden. Das lag nicht nur an der allgemeinen parlamentarischen Sommerpause. Reiche war, wie es aus dem Ministerium hieß, aufgrund eines notwendigen medizinischen Eingriffs vorübergehend nicht für öffentliche Termine verfügbar. Nun ist sie wieder zurück und zieht eine erste Bilanz ihrer bisherigen Amtszeit.
Reiche: Deutschland soll wieder Ziel von Investitionen werden
Anlässlich der Veröffentlichung des 12-seitigen Papiers erklärte Reiche, Deutschland solle weg vom „Standort der Bedenken“ – und stattdessen wieder „Standort der Investitionen“ werden. Dafür hat das Ministerium seinen eigenen Angaben zufolge bereits einige Maßnahmen ergriffen. Vor allem im Bereich der Bürokratieentlastungen betrachtet sich das Ressort von Ministerin Reiche als führend innerhalb der gesamten Bundesregierung.
Die Ministerin betont, dass es Deutschland nicht an Ideen fehle. Der Weg von der Innovation zur alltäglichen Umsetzung in der Realwirtschaft scheitere jedoch häufig an Hindernissen. Ein neuer Wachstumsschub sei möglich, so Reiche. Diesen könnten jedoch nicht Subventionen herbeiführen, sondern nur neue Technologien, unternehmerischen Mut und privates Kapital.
Um die dafür erforderlichen Rahmenbedingungen zu schaffen, müsse man „Wachstumsbremsen“ beseitigen. Dazu gehörten insbesondere hohe Energiekosten, Bürokratie und lange Genehmigungsverfahren.
Rückbau von Bürokratie soll Entlastung von 8,5 Milliarden Euro gebracht haben
Reiche streicht heraus, dass von ihr veranlasste Abbaumaßnahmen im Bereich der Berichts- und Dokumentationspflichten bisher mehr als 8,5 Milliarden Euro jährlich an Erfüllungsaufwand eingespart hätten. Das Ziel für die Zukunft laute 10 Milliarden. Zu Beginn ihrer Amtszeit seien 325.000 zusätzliche Stellen für die jährliche Bürokratiebewältigung erforderlich gewesen.
Statt Geld in die Wirtschaft zu pumpen, solle – so die Überlegung – der Staat die Kosten senken, die er selbst durch Vorgaben verursache. Auch in der Energiepolitik sieht das Ministerium unter Reiche einen Paradigmenwechsel. Bisher habe die Politik lediglich den Ausbau erneuerbarer Energien gefördert, gleichzeitig aber Systemkosten und Netzinfrastruktur zu wenig beachtet. Deshalb wolle man den Ausbau der Erneuerbaren stärker am tatsächlichen Bedarf des Netzes ausrichten. Kritik gibt es dafür insbesondere aus den Reihen der Grünen, die der Ministerin vorwerfen, den Ausbau zu bremsen.
Reiche kündigt ein Monitoring als Faktenbasis an. Ausgehend von dessen Erkenntnissen werde man den Zubau stärker steuern und eine Begrenzung der Kosten für Redispatch-Maßnahmen und das System selbst veranlassen. Am Ziel eines Erneuerbaren-Anteils von 80 Prozent am Bruttostromverbrauch bis 2030 halte man jedoch fest, heißt es im Papier weiter.
Reiche verweist auf Entlastung für Stromkunden – Preisniveau bleibt aber hoch
Die Ministerin erwähnt auch mehrere Maßnahmen zur konkreten Entlastung bei Strom und Energie. So sollen ab 2027 jährlich 6,5 Milliarden Euro als Netzentgeltzuschuss die Übertragungsnetzkosten senken. Schon jetzt profitierten etwa 600.000 Unternehmen aus Industrie sowie Land- und Forstwirtschaft von der Stromsteuersenkung.
Diese bringe eine jährliche Entlastung von bis zu 4 Milliarden Euro. Ursprünglich sollten laut Koalitionsvertrag alle Haushalte und Unternehmen in den Genuss einer Stromsteuersenkung kommen. Von einer vollständigen Umsetzung dieses Ziels nahm das Kabinett jedoch aufgrund haushaltspolitischer Sachzwänge vorerst Abstand.
Die Strompreiskompensation will das Ministerium für 31 Industriesektoren von 75 auf 80 Prozent ausweiten. Dieser sogenannte Industriestrompreis ist für einen Zeitraum von 2026 bis 2030 vorgesehen. Durch die vollständige Abschaffung der Gasspeicherumlage will Reiche ein Entlastungsvolumen von weiteren mehr als 3 Milliarden Euro erschließen. Insgesamt ist die Rede von zweistelligen Milliardenbeträgen an jährlichen Entlastungen für Industrie, Handwerk und Verbraucher. Derzeit sind die Strompreise in Deutschland dennoch nach wie vor im weltweiten Maßstab weit oben angesiedelt.
Internationale Investorenkonferenz für Oktober geplant
Um die angesprochenen Wachstumsziele zu forcieren, will Reiche auch den sogenannten Deutschlandfonds ausbauen. Nach Vorstellung des Ministeriums sollen öffentliche Investitionen im Umfang von etwa 30 Milliarden Euro in Bereiche wie Deep-Tech, KI, Biotech, Defence-Tech, Netze oder Rohstoffe eine Hebelwirkung hervorrufen.
Durch zusätzliches privates Kapital könne man Gesamtinvestitionen von bis zu 130 Milliarden Euro mobilisieren, so die Erwartung. Bereits über die WIN-Initiative sei es gelungen, privates Wagniskapital in einer Höhe von 2,6 Milliarden Euro zu beschaffen. Reiche geht davon aus, dass öffentliche Mittel privates Kapital nicht ersetzen, aber die private Investitionsbereitschaft fördern können.
Große Hoffnungen setzt man in Reiches Ministerium auch auf eine internationale Investorenkonferenz, die für 19. und 20. Oktober in Berlin geplant ist. Dort soll es um Themen wie Infrastruktur, Künstliche Intelligenz, Deep Tech und weitere Schlüsseltechnologien gehen. Im Jahr 2027 soll es eine ähnliche Konferenz geben. Zudem wolle man das Weltwirtschaftsforum in Davos nutzen, um Investitionen einzuwerben.
Vier Handelsabkommen als Teil der Bilanz
Reiche streicht zudem die Rolle Deutschlands als Standort für Start-ups heraus. Allein im ersten Halbjahr habe es 3.053 Neugründungen gegeben – darunter 36 sogenannte Unicorns mit einer Bewertung von mindestens einer Milliarde US-Dollar. Rund 522.000 Jobs seien im Segment der Start-ups entstanden, heißt es im Papier. Im Vorjahr habe das Wagniskapital-Volumen 7,2 Milliarden betragen. Im Rüstungsbereich seien 50 Prozent des gesamten europäischen Wagniskapitals nach Deutschland geflossen.
In der Bilanz des Bundeswirtschaftsministeriums sind auch die vier Handelsabkommen der EU mit den Mercosur-Staaten, Indien, Australien und Chile als Erfolge der bisherigen Anstrengungen aufgeführt. Ab 2032 wolle man auch den Start eines technologieoffenen, marktlichen Kapitalmarktes ermöglichen.