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Sommersonnenwende: Wie die Welt den längsten Tag feiert


In Kürze:

  • Am 21. Juni ist Sommersonnenwende.
  • Menschen in vielen Ländern feiern dieses astronomische Phänomen auf unterschiedliche Weise.
  • Neben traditionellen Festen und Ritualen besitzt dieses Ereignis auch eine spirituelle Dimension.

 
Die Sommersonnenwende markiert auf der Nordhalbkugel den längsten Tag und die kürzeste Nacht des Jahres. Dieses astronomische Ereignis fasziniert die Menschen seit Urzeiten.
Schon lange vor dem Aufkommen moderner Kalender beobachteten die Zivilisationen den Lauf der Sonne, um die Jahreszeiten, die Ernten und die wichtigen Momente des Gemeinschaftslebens zu bestimmen.
Auch heute noch wird dieses Phänomen in vielen Ländern gefeiert. Dabei vermischen sich heidnische Traditionen, Volksfeste und teilweise jahrhundertealtes kulturelles Erbe.

Ein Rendezvous mit der Sonne

Der Begriff „Sonnenwende“ leitet sich vom lateinischen Wort „solstitium“ ab. Es beschreibt den Moment, in dem der scheinbare Lauf der Sonne eine Pause einzulegen scheint, bevor er sich umkehrt.
Für viele alte Zivilisationen symbolisierte dieser Moment Überfluss, Fruchtbarkeit und die Kraft der Natur.
Megalithische Monumente wie Stonehenge in England zeugen von dieser Faszination. Jedes Jahr versammeln sich dort Tausende Besucher, um den Sonnenaufgang zu bewundern, der mit bestimmten Steinen des berühmten Megalithkreises in einer Linie steht.

Menschen feiern die Sommersonnenwende bei Stonehenge in England.

Foto: kellygarciaphoto.com/iStock

Die Johannisfeuer in Europa

In vielen europäischen Ländern wird die Sonnenwende mit den Johannisfeuern in Verbindung gebracht, die um den 24. Juni herum gefeiert werden.
Diese großen Feuer haben ihren Ursprung in vorchristlichen Riten, die der Verehrung der Sonne und dem Schutz der Ernte dienten. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Tradition in den christlichen Kalender integriert, wobei ein Teil ihrer ursprünglichen Symbolik erhalten blieb.
In Frankreich, Spanien, Portugal oder auch in bestimmten Regionen Belgiens versammeln sich die Menschen noch immer um Lagerfeuer, Konzerte und Volksfeste.
In vielen ländlichen Regionen galt das Springen über die Flammen früher als Glücksbringer und soll Wohlstand bringen.

Der Zauber von Midsommar in Skandinavien

In Skandinavien ist die Sommersonnenwende eines der wichtigsten Feste des Jahres.
In Schweden versammelt das Midsommar-Fest Familien und Freunde um einen mit Blumen und Blattwerk geschmückten Maibaum. Die Teilnehmer tragen Blumenkränze, singen traditionelle Lieder und genießen typische Gerichte aus neuen Kartoffeln, eingelegtem Hering und Erdbeeren.
Der Tradition zufolge pflücken junge Mädchen außerdem sieben verschiedene Blumenarten und legen sie unter ihr Kopfkissen, um von ihrem zukünftigen Ehemann zu träumen.
In Finnland, wo die Sonne in einigen nördlichen Regionen fast gar nicht mehr untergeht, werden die Feierlichkeiten oft von Saunagängen, Lagerfeuern und Zusammenkünften am Seeufer begleitet.

Beim schwedischen Midsommar-Fest tragenviele Frauen einen Blumenkranz auf dem Kopf.

Foto: HasseChr/iStock

Eine heilige Nacht im Baltikum

Im Baltikum hat die Sonnenwende nach wie vor eine starke spirituelle und identitätsstiftende Bedeutung.
In Lettland ist das Jāņi-Fest eines der wichtigsten Ereignisse des Jahres. Die Teilnehmer singen die ganze Nacht hindurch, tragen Eichen- oder Blumenkränze und suchen symbolisch nach der mythischen „Farnblume“, die angeblich nur einmal im Jahr erscheint und Glück und Wohlstand bringen soll.
In Litauen verbinden die Feierlichkeiten zu Rasos oder Joninės ebenfalls Gesänge, Tänze und Riten, die mit Wasser und Feuer verbunden sind.

Die Mitternachtssonne in Island

Island bietet eines der spektakulärsten Erlebnisse zur Sonnenwende. Um den 21. Juni herum verschwindet die Sonne kaum hinter dem Horizont. In manchen Regionen bleibt die Nacht in ein fast ununterbrochenes Dämmerlicht getaucht.
Die Isländer nutzen diese Zeit für Wanderungen, Konzerte und Veranstaltungen unter freiem Himmel. Manche entscheiden sich sogar dafür, mitten in der Nacht Golf zu spielen oder lange Spaziergänge zu unternehmen.

Die Harpa Konzerthalle und die Uferpromenade von Reykjavik werden um die Sommersonnenwende herum von der Mitternachtssonne beleuchtet.

Foto: AlbertPego/iStock

Feierlichkeiten bis nach Nordamerika

Auch für viele indigene Völker Nordamerikas ist die Sonnenwende ein wichtiger Moment. Einige Gemeinschaften veranstalten Dankeszeremonien für die Natur und feiern die Erneuerung des Lebenszyklus.

Jugendliche Mädchen nehmen beim „Summer Solstice Aboriginal Arts Festival“ anlässlich des „Aboriginal Day“ am 21. Juni 2014 im Massey Park in Ottawa, Kanada, teil. Dabei werden traditionelle Tänze aufgeführt.

Foto: PaulMcKinnon/iStock

Die spirituelle Dimension der Sonnenwende

Über ihren festlichen Charakter hinaus hat die Sommersonnenwende eine tiefe symbolische Bedeutung. In vielen Traditionen steht sie für den Höhepunkt des Lichts und der Lebensenergie. Seit der Antike wird diese Jahreszeit mit Riten der Dankbarkeit, der Reinigung und der Feier der Natur in Verbindung gebracht.
Die bei den Feierlichkeiten entzündeten Feuer galten oft als Symbole des Schutzes und der Erneuerung, während bestimmten Pflanzen, die zu dieser Zeit gepflückt wurden, besondere Kräfte zugeschrieben wurden.
Über die jeweiligen kulturellen Überzeugungen hinaus zeugen diese Feste von einer aufmerksamen Beobachtung des Himmels und der Jahreszeiten. Lange vor dem Aufkommen der modernen Astronomie ermöglichten sie es den Gemeinschaften, den Lauf der Zeit zu markieren und ein kulturelles Erbe weiterzugeben, das bis heute erhalten geblieben ist.
Ob religiös, spirituell oder einfach nur kulturell – die mit der Sonnenwende verbundenen Zeremonien offenbaren eine gemeinsame Faszination für die großen Zyklen, die das Leben auf der Erde bestimmen.

Ein universelles Fest

Trotz der Vielfalt der Bräuche weisen die Sonnenwendefeiern zahlreiche Gemeinsamkeiten auf. Überall stehen das Licht, die Natur, das Zusammenkommen und die Weitergabe von Traditionen im Mittelpunkt.
In einer Welt, die weitgehend von Technologie und künstlichen Zeitplänen bestimmt wird, erinnern diese Feste daran, dass menschliche Gesellschaften lange Zeit im Rhythmus der Sonne und der Jahreszeiten gelebt haben.
Ob sie nun rund um ein Lagerfeuer, im Licht der Mitternachtssonne in Island oder im Herzen der baltischen Wälder gefeiert wird – die Sommersonnenwende bleibt eines der wenigen Ereignisse, das sehr unterschiedliche Völker um eine gemeinsame Realität vereinen kann: das Staunen über die Rhythmen der Natur.
Dieser Artikel erschien im Original auf epochtimes.fr unter dem Titel Solstice d’été : comment célèbre-t-on le jour le plus long de l’année dans le monde?“ (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: mf)
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Sommersonnenwende – von Ludwig Uhland

Sommersonnenwende

Nun die Sonne soll vollenden
Ihre längste, schönste Bahn,
Wie sie zögert, sich zu wenden
Nach dem stillen Ozean!
Ihrer Göttin Jugendneige
Fühlt die ahnende Natur,
Und mir dünkt, bedeutsam schweige
Rings die abendliche Flur.
Nur die Wachtel, die sonst immer
Frühe schmälend weckt den Tag,
Schlägt dem überwachten Schimmer
Jetzt noch einen Weckeschlag;
Und die Lerche steigt im Singen
Hochauf aus dem duft’gen Tal,
Einen Blick noch zu erschwingen
In den schon versunknen Strahl.
Ludwig Uhland (1787-1862)