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„The Death of Robin Hood“: Die Schattenseite einer Legende

Obwohl es sich um eine der am wenigsten bekannten und unterschätzten Unterkategorien des Kinos handelt, gehören Filme, die historische Ereignisse aus einer neuen Perspektive erzählen, zu meinen Favoriten. In diese Unterkategorie fallen Filme, die ein oder mehrere historische Ereignisse im Rahmen einer originellen, fiktiven Geschichte neu interpretieren.
Nach Angaben der Online-Filmdatenbank IMDb gibt es fast 100 solcher Filme, aber nur wenige sind wirklich sehenswert, wie „Forrest Gump“, „Braveheart“, „Inglourious Basterds“, „Argo“ und „Once Upon a Time in … Hollywood“.

Robin Hood (Hugh Jackman) wird in „The Death of Robin Hood“ von Schwester Brigid (Jodie Comer) gepflegt.

Foto: © A24

Gern würde ich auch den gerade angelaufenen Film „The Death of Robin Hood“ als eine Neuinterpretation der bekannten Geschichte bezeichnen, aber das ist er nicht.
Die Figur des Robin Hood, deren Ursprünge bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen, hat in der Literatur, auf der Bühne und auf der Leinwand zahlreiche Varianten durchlaufen – allesamt reine Fiktion. Seit 1908 gab es weit über 100 Spielfilme, Kurzfilme und Fernsehproduktionen, die sich mit dieser Figur befassten. Das Bemerkenswerte ist, dass all diese Versionen Robin Hood als einen kontaktfreudigen, selbstlosen Verfechter des einfachen Volkes darstellen, nach dem Motto „Nimm von den Reichen und gib den Armen“.
Diese Darstellung entspricht jedoch nicht dem Robin Hood Ihrer Eltern oder gar Ihrer Großeltern. In den erfahrenen Händen des Drehbuchautors und Regisseurs Michael Sarnoski („Pig“), der bereits zum dritten Mal ein Drehbuch verfasst und Regie geführt hat, bricht „The Death of Robin Hood“ mit allen bisherigen Interpretationen dieses legendären Helden.
Der Film beginnt im Jahr 1247 an einem nicht näher bezeichneten Ort (wahrscheinlich in England; gedreht wurde jedoch in Nordirland) und erinnert sofort an den Anfang von „Braveheart“. Inmitten von felsigen Bergen, die in eisigen Nebel gehüllt sind, erbarmt sich der ergraute, langhaarige und vom Kampf gezeichnete Robin (Hugh Jackman) einer hungernden und erschöpften Seele. Der Geruch des Lagerfeuers hat ihr Interesse geweckt, und sie bittet um ein Stück von dem, was gerade am Spieß brät – es scheint Kaninchen zu sein.
Robin erfüllt diesen Wunsch – und wird dafür im Gegenzug fast im Schlaf getötet. Doch er kommt der Person zuvor. Der Körpergeruch sowie der auffällige, unsichere Gang hätten sie verraten, sagt Robin. Dann beseitigt er sie auf eine Art, wie die meisten von uns Ungeziefer im Haushalt vernichten würden.

Robin Hood (Hugh Jackman) in „The Death of Robin Hood“.

Foto: © A24

Dies ist das erste Anzeichen dafür, dass der von Jackman gespielte Robin ein Mann ist, der sich ganz auf das Wesentliche konzentriert, ganz ohne Schnickschnack. Wer offen und dankbar ist, bleibt am Leben. Wer ihm vertraut, genießt seine Gastfreundschaft. Wer ihn jedoch nur im Geringsten bedroht, wird von ihm gnadenlos und ohne Zögern erledigt.
Wie sich herausstellt, gibt es noch viele andere, die sich an Robin rächen wollen. Die Angehörigen seiner früheren Opfer sind aktiv und unermüdlich auf der Suche nach ihm. Dessen ist sich Robin nur allzu bewusst, sodass er ständig in Alarmbereitschaft ist.
Nach einer besonders heftigen Begegnung mit einem solchen Clan wird Robin schwer verletzt und fällt in Ohnmacht. Als er erwacht, befindet er sich auf einer scheinbar fernab gelegenen Insel in der Obhut einer Nonne, Schwester Brigid (Jodie Comer).

Schwester Brigid (Jodie Comer) in „The Death of Robin Hood“.

Foto: © AidanMonaghan

Sich Respekt verdienen

Schnell wird klar, dass Brigid Robin helfen will, wieder zu Kräften zu kommen – allerdings auf schonungslose Weise. Dass sie nicht gerade Samthandschuhe anlegt, trifft auf seine Bewunderung. Wenn Robin also dortbleiben wolle, müsse er sich seinen Platz erst verdienen. Auch das findet er an ihr beeindruckend. So entwickelt sich zwischen den beiden ein gegenseitiger, wenn auch noch etwas zurückhaltender Respekt.
Das relativ idyllische Leben währt jedoch nur kurz. Zunächst taucht ein problembehaftetes Mädchen namens Margaret (Faith Delaney) auf, dann kommt der unheilvolle, verwundete Landstreicher Godwyn (Noah Jupe) dazu. Beide haben bereits in dem historischen Drama „Hamnet“ mitgespielt. Diese neuen Figuren werfen Robin wieder in seine ursprüngliche Achtsamkeit zurück.
Auch die letzte Hauptfigur, lediglich als „der Aussätzige“ (Murray Bartlett) bezeichnet, hat eine Verbindung zu Robin aus der Vergangenheit, wie sich jedoch erst im dritten Abschnitt deutlich herausstellt.

Keine Reue, aber ein Lichtblick

Sarnoski begibt sich während des gesamten Films auf eine Gratwanderung, indem er Robin als einen Mann darstellt, der nicht danach strebt, seine Fehler der Vergangenheit wiedergutzumachen. Seine zahlreichen Sünden sind ihm gleichgültig, er zeigt keinerlei Reue. Zwar gesteht Robin seine Sünden ein, bittet jedoch weder um Vergebung noch um Absolution.

Robin Hood (Hugh Jackman) in „The Death of Robin Hood“.

Foto: © A24

Wer sich für den Film interessiert, sollte beachten: Das Werk ist sehr gewalttätig, jedoch nicht drastischer als das, was in gleichartigen früheren Produktionen wie „Erbarmungslos“, „The Green Knight“, „Braveheart“ und „Gladiator“ gezeigt wurde.
In seinem Wesen und seinem Ansatz ähnelt Jackmans Robin Hood stark seiner Rolle in „Logan: The Wolverine“: Er ist unzufrieden mit dem Mann, zu dem er geworden ist, hinterfragt seine früheren Entscheidungen jedoch nicht. Zwar zeigt er keine Reue, ist sich jedoch durchaus der schwerwiegenden Folgen seiner fragwürdigen Taten aus der Vergangenheit bewusst.
Zu Beginn der zweiten Hälfte scheint Robin einen Neuanfang zu wagen. Er kehrt seinen kriminellen Machenschaften den Rücken zu und wird zum Beschützer von Brigid, dem Aussätzigen, Margaret und mehreren anderen heimatlosen Kindern.
Der einstige Bösewicht beschließt, wenn schon kein guter, zumindest ein ehrenhafter Mensch zu sein – für einen Mann mit einer derart dunklen Vergangenheit ist dies zweifellos ein Schritt in die richtige Richtung.
Seit dem 18. Juni 2026 deutschlandweit im Kino.

Foto: © A24

„The Death of Robin Hood“
Regie und Drehbuch: Michael Sarnoski
Darsteller: Hugh Jackman, Jodie Comer, Bill Skarsgård
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: 2 Stunden, 3 Minuten
Bewertung: 4 von 5 Sternen
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Death of Robin Hood’: A Haunting Deconstruction of the Myth“. (redaktionelle Bearbeitung: sua)