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Immer mehr Staaten empfehlen Notvorräte – was dahintersteckt


In Kürze:

  • Das Magazin „Newsweek“ zählt 33 Staaten auf, deren Regierungen zur Krisenvorsorge durch Vorratshaltung aufrufen. Ein Vergleich der Plattform „Phaenyx“ erfasst 62 Länder.
  • Die Empfehlungen reichen von einer dreitägigen Eigenversorgung bis zu Lebensmittelvorräten für 30 Tage.
  • Naturkatastrophen, Stromausfälle, Cyberangriffe und geopolitische Konflikte rücken die private Krisenvorsorge stärker in den Mittelpunkt.

 
Die weltweite Anzahl jener Staaten, deren Regierungen ihre Bürger zum Anlegen von Vorräten für mögliche Krisenfälle auffordern, ist in den vergangenen Jahren angestiegen. Vor allem in der EU haben mehrere Krisenpläne eine Neufassung erlebt, die veränderten Bedingungen Rechnung tragen soll.
Das US-Magazin „Newsweek“ schreibt von 33 Staaten in sechs Weltregionen, in denen die Regierung offiziell zur Bevorratung von Lebensmitteln und Wasser für Krisenfälle rate. Von diesen befänden sich 17 in Europa. Die Übersicht ist wahrscheinlich nicht vollständig. Die Aufzählung von „Newsweek“ ist eine journalistische Zusammenstellung mithilfe des KI-Assistenten „Martyn“. Die Plattform „Phaenyx“ vergleicht die offiziellen Empfehlungen in 62 Staaten.

Pläne zur Krisenvorsorge an Entwicklungen vergangener Jahre angepasst

Als Grund für die Neufassung und Überarbeitung der Empfehlungen gilt eine zunehmende Anzahl an Naturkatastrophen und Extremwetterereignissen. Außerdem verweisen die entsprechenden Handreichungen auf Risiken wie Stromausfälle, Cyberangriffe oder geopolitische Konflikte.
Die Empfehlungen weisen einen Kern an gemeinsamen Inhalten auf. In einigen Punkten gibt es aber auch Unterschiede – beispielsweise mit Blick auf den Zeitraum, für den sich Bürger mit Vorräten ausstatten sollen. In Ländern wie Großbritannien, Frankreich, Kanada, den Niederlanden, aber auch den USA gelten dabei 72 Stunden als Richtwert. Demgegenüber empfiehlt Singapur Lebensmittelvorräte für zwei Wochen, Slowenien sogar für 30 Tage.
Schweden und Norwegen nennen in ihren nationalen Empfehlungen eine Woche als den relevanten Zeitraum, für den Vorräte vorhanden sein sollten. Deutschland empfiehlt zehn Tage. Als EU-Standard gilt die „Preparedness Union Strategy“ vom März 2025. Dort findet sich eine Empfehlung hinsichtlich einer mindestens 72-stündigen Eigenversorgung.

Bundesamt empfiehlt, sich möglichst zehn Tage selbst versorgen zu können

Schweden hatte seine Richtwerte bereits 2024 angepasst. Dort legt die überarbeitete offizielle Broschüre zur Krisenvorsorge den Bürgern nahe, mindestens eine Woche ohne externe Unterstützung auszukommen. In dem Schriftstück wird auch ein militärischer Angriff ausdrücklich als mögliches Szenario genannt.
Das deutsche Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe schreibt, auch ein Vorrat für zumindest drei Tage „hilft schon sehr“. Es hält jedoch an seiner weitreichenderen Empfehlung fest: „Sie sollten sich für möglichst zehn Tage selbst versorgen können.“
Zuletzt hat Großbritannien am 22. Oktober seine Kampagne „Be Ready“ gestartet, die Haushalte daran erinnern soll, Lebensmittel und Wasser für drei Tage bereitzuhalten. Die Empfehlungen selbst sind dabei nicht neu. Allerdings hat die britische Regierung die dazugehörige Öffentlichkeitsarbeit verstärkt. Auch Frankreich hatte zuletzt seine Bürger an die 72-Stunden-Vorsorge erinnert.
In Japan steht am 2. November die Gründung einer neuen Katastrophenschutzbehörde an. Vor diesem Hintergrund hat auch die Regierung in Tokio eine landesweite Aufforderung zur Krisenvorsorge angekündigt. Die Empfehlung lautet auf Vorratshaltung und Krisenvorbereitung für mindestens drei Tage – idealerweise eine Woche.

Welche Güter bereitstehen sollten

Was die Frage anbelangt, wie sich Bürger konkret vorbereiten sollen, stimmen die meisten offiziellen Empfehlungen überein. Von besonderer Bedeutung sind Trinkwasser und haltbare Lebensmittel, die möglichst ohne Kühlung und Zubereitung verwendbar sind – etwa Thunfischbüchsen oder Gemüsekonserven.
Dazu kommen Medikamente und persönliche medizinische Hilfsmittel, Taschenlampen und ausreichend Batterien sowie ein batterie- oder kurbelbetriebenes Radiogerät. Es sollten auch ein hinreichender Bargeldbetrag sowie Kopien wichtiger Dokumente, Hygieneartikel und weitere Gegenstände des persönlichen Bedarfs vorhanden sein.
Was die Wasservorräte anbelangt, gehen die Empfehlungen ebenfalls zum Teil auseinander. Großbritannien und Japan gehen davon aus, dass drei Liter pro Person und Tag vorhanden sein sollten. Das französische Notfallset sieht sechs Liter pro Person für 72 Stunden vor, Deutschland hält zwei Liter pro Tag für hinreichend.
Der praktische Hintergrund der 72-Stunden-Empfehlung ist, dass Rettungsdienste nach größeren Katastrophen nicht sofort überall helfen können. Dies macht bis zu deren Eintreffen Eigenvorsorge besonders bedeutsam.

Kein Hinweis auf international koordiniertes Vorgehen zur Krisenvorsorge

In den USA empfiehlt die Katastrophenschutzbehörde Federal Emergency Management Agency bereits seit längerer Zeit eine Vorratshaltung von Lebensmitteln, Wasser und anderen notwendigen Gütern für mindestens 72 Stunden. Im September 2026 hatten Regierungsbehörden Veranstaltungen zum „National Preparedness Month“ organisiert.
Am 30. September hat US-Kriegsminister Pete Hegseth zudem die Initiative „FORTRESS“ vorgestellt. Diese soll sicherstellen, dass mehr US-Militärstützpunkte im Konfliktfall mindestens 90 Tage unabhängig von externen Versorgungsketten funktionieren können.
Die zeitliche Häufung der Kampagnen sorgt vor allem in sozialen Netzwerken vielfach für Irritationen und Sorge über die mögliche Gefahr militärischer Eskalationen. Tatsächlich wurden die meisten Maßnahmen in den Ländern mit überarbeiteten Empfehlungen bereits über mehrere Jahre vorbereitet. Auch gibt es keinerlei Anhaltspunkte für eine gezielte internationale Abstimmung der Ankündigungen.

Stromausfall in Spanien oder Unterbrechungen von Lieferketten als Warnsignale

Allerdings haben einige Ereignisse Themen wie Krisenvorsorge und Zivilschutz stärker in den Vordergrund öffentlicher Debatte treten lassen. Dazu gehören neben geopolitischen Spannungen auch Vorfälle wie der großflächige Stromausfall im April 2025 in Spanien sowie Extremwetterereignisse oder Cyberangriffe, die Lieferketten unterbrechen können. Dies alles unterstrich die Abhängigkeit moderner Gesellschaften von funktionierenden Versorgungssystemen.
Die Regierungen wollen durch die Vorsorgeempfehlungen auch Hamsterkäufen oder Plünderungen im Krisenfall vorbeugen. Dafür sollen Haushalte schrittweise einen Grundstock an Lebensmitteln und notwendigen Gütern aufbauen, die im Regelfall ohnehin angeschafft werden – und diesen regelmäßig erneuern.

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