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Das bringt die Frankfurter Buchmesse

Bessere Orientierung auf dem Gelände, maßgeschneiderte Angebote für Fans: Die Frankfurter Buchmesse erfindet sich jedes Jahr ein Stück weit neu. Die 78. Ausgabe ist aus verschiedenen Gründen besonders. Die wichtigsten Fakten:

Früherer Termin mit Folgen

Die Buchmesse findet in diesem Jahr früher als sonst statt: vom 7. bis 11. Oktober. Nach der Eröffnungsfeier am Dienstagabend sind die ersten zwei Tage Fachbesuchern vorbehalten. Ab Freitag ist jeder willkommen, der gern liest.
Der frühere Termin hat zur Folge, dass in Stockholm der Literatur-Nobelpreis verkündet wird, während die Messe läuft (8. Oktober).
Die Zahl der Aussteller bewege sich „auf dem Niveau der Vorjahre“, sagt Buchmessen-Sprecher Torsten Casimir. Zuletzt waren 4.350 Aussteller aus mehr als 100 Ländern und 238.000 Besucher nach Frankfurt gekommen.

Wer kommt?

Zu den prominentesten Gästen gehört der Musiker und Autor Wolf Biermann, der im Oktober den ersten Band seiner Tagebücher, einen neuen Gedichtband und die Neuauflage eines Kinderbuchs herausbringt. Er wird in diesem Jahr 90 Jahre alt, vor 50 Jahren wurde er aus der DDR ausgebürgert. Die Veranstaltung „Ihr löscht das Feuer mit Benzin“ auf der Buchmesse (7. Oktober) ist der Auftakt seiner Tournee.
Parallel tritt am Mittwochabend Gisèle Pelicot auf. Mit den Worten „Die Scham muss die Seite wechseln“ wurde sie im Prozess gegen ihren Ex-Mann und über 50 weitere Täter vom Opfer zur Heldin. Der Satz ist auch der Titel ihres Buches, das sie in der Nationalbibliothek vorstellt.
Ein internationales Schwergewicht ist der US-Autor Colson Whitehead. Für „Underground Railroad“ bekam er 2017 den Pulitzer-Preis. Er ist am Messe-Freitag auf der Bühne von ARD, ZDF und 3sat zu erleben, wo er über seinen neuen Roman „Cool Machine“ spricht.
Bekannte deutsche Autoren sind zum Beispiel Charlotte Link, Sebastian Fitzek, Jenny Erpenbeck oder Cornelia Funke. Auch Politiker wie Robert Habeck oder Filmemacher wie Volker Schlöndorff werden erwartet. Gleich mehrere Astronauten sind dabei und ein japanischer Jodler.

Tschechien sagt Ahoi

Ehrengast ist in diesem Jahr Tschechien. Der Gastland-Auftritt steht unter dem Motto „Ein Land an der Küste“. Wer jetzt an seinen Geografie-Kenntnissen zweifelt: Gemeint ist „eine Küste, an der Sprache, Geschichten und Ideen anlanden“, wie der Direktor des Ehrengastauftritts, Martin Krafl, erklärt.
75 tschechische Autorinnen und Autoren reisen für die Messe nach Frankfurt. 150 Neuerscheinungen tschechischer Autorinnen und Autoren erscheinen in deutschsprachigen Verlagen. 100 Veranstaltungen sind geplant.
Im Ehrengast-Pavillon soll Künstliche Intelligenz (KI) eine große Rolle spielen. Aufblasbare Elemente dienen als Raumteiler, Sitzgelegenheiten und Leinwände zugleich. Aus einem Leuchtturm und Bojen werden mit Hilfe von KI Zitate tschechischer Literatur projiziert.

Gelände neu geordnet

Das Messegelände wurde für die 78. Ausgabe neu geordnet. Hintergrund ist, dass die Halle 6 wegen Baumängeln nicht mehr genutzt werden kann. Die dadurch nötige Umplanung nutzte die Buchmesse, um für mehr Übersichtlichkeit, kürzere Wege und hoffentlich weniger Gedränge zu sorgen, wie Buchmessen-Sprecherin Ines Bachor erklärt.
Alle Publikumsverlage sind diesmal in den Erdgeschoss-Ebenen untergebracht. Während oben Geschäfte gemacht werden, finde unten „ein riesiges Literaturfestival“ statt, sagt Bachor. Auf der Freifläche in der Mitte des Geländes kann man Autoren treffen, Selfies machen und Autogramme sammeln.
Das Event-Programm wurde noch mal erweitert. Auf zehn Bühnen sind mehr als 1.000 Sprecher zu erleben. Neu sind thematische „Erlebniswelten“, etwa für Krimifans (am Publikumswochenende mit realen Polizisten), Podcast-Hörer (mit Podcasts, die in Studios auf dem Messegelände aufgezeichnet werden) oder Comic-Liebhaber (zum Beispiel mit Manga-Zeichen-Kursen).

Flankierend zwei Preise

Vor Beginn der Messe wird der Deutsche Buchpreis für den besten Roman des Jahres bekanntgegeben (5. Oktober). Auf der Shortlist nominiert sind Shida Bazyar („Die Lücken“), Franziska Gänsler („Orca“), Valeria Gordeev („Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle“), Elias Hirschl („Schleifen“), Peggy Mädler („Selbstregulierung des Herzens“) und Dana Vowinckel („Anton und Alma“).
Zum Abschluss wird in der Paulskirche der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen (11. Oktober). Er geht in diesem Jahr an den französisch-britischen Menschenrechtsanwalt Philippe Sands. Der Preisträger setzt sich „für Gerechtigkeit, Frieden und die beharrliche Verteidigung des Völkerrechts ein“, wie Börsenvereins-Vorsteher Sebastian Guggolz die Ehrung begründet.

Getrübte Stimmung

Die Buchbranche kriselt unterdessen. Der Umsatz lag 2025 mit 9,62 Milliarden Euro 2,7 Prozent unter dem von 2024. Im ersten Halbjahr 2026 sank der Umsatz um 4,1 Prozent im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des Vorjahres. Die Zahl der Buchkäuferinnen und Buchkäufer schrumpft – insgesamt von 2024 auf 2025 um knapp fünf Prozent.
Ein Grund: „Jahrzehntelange Versäumnisse in der Bildungspolitik haben zu einer fortschreitenden Verschlechterung der Lesekompetenz geführt“, sagt Börsenvereins-Vorsteher Guggolz. „Aufmerksamkeit ist zunehmend umkämpft“, sagt Buchmessen-Direktor Juergen Boos. Für Boos ist diese Messe nach 21 Jahren die letzte. Er geht in Ruhestand. Neuer Buchmessen-Chef wird Joachim Kaufmann, langjähriger Geschäftsführer des Carlsen Verlags. (dpa/red)
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Kamikaze-Drohnen für Bundeswehr: Lieferung soll bald starten

Der Drohnenhersteller Stark Defence steht bei einer Bundeswehr-Großbestellung von Kampfdrohnen in den Startlöchern. „Wir planen, bald mit der ersten Auslieferung an die Bundeswehr zu beginnen“, sagte der Senior Vice President des Berliner Unternehmens, Josef Kranawetvogl, der dpa bei der Essener Rüstungsmesse Euro Defence Expo (Eudex).
Es gehe um eine Charge im Wert von 275 Millionen Euro, die Stückzahl nannte er nicht. Insgesamt bekam Stark Defence einen Rahmenvertrag über 2,9 Milliarden Euro, für eine Milliarde davon hat der Bundestag bereits grünes Licht gegeben.

75 Minuten für Kamikaze-Drohnen

Die Konkurrenten Helsing und Rheinmetall bekamen ebenfalls milliardenschwere Verträge. Es geht um „Loitering Munition“, auf deutsch herumlungernde Munition. Solche Fluggeräte werden auch Kamikaze-Drohnen genannt.
Die an die Bundeswehr verkaufte Drohne von Stark kann Herstellerangaben zufolge bis zu 75 Minuten in der Luft sein und bis zu 130 Kilometer weit fliegen – spätestens dann soll sie sich auf den Feind stürzen und explodieren.
Ist bis dahin kein feindliches Objekt erkannt, soll die Drohne abstürzen und explodieren, wo niemand ist. Das Drohnen-Modell Virtus ist bis zu 33 Kilo schwer, mit kleinen Propellern an den vier Flügeln hebt es ab und fliegt weg.
Drohnenwaffe «Virtus» von Stark Defence

Drohnenwaffe „Virtus“ von Stark Defence.

Foto: Kay Nietfeld/dpa

Stark Defence wurde 2024 als Start-up gegründet, die Firma hat 750 Beschäftigte. Die Zentrale ist in Berlin, in Großbritannien, Schweden und Griechenland sind Produktionsstandorte. Die Virtus-Drohne ist auch in der Ukraine im Einsatz, im Raum Kiew hat Stark zwei geheime Werke.
Neben der Ukraine und Deutschland sind weitere europäische Staaten Kunden. Angaben zum Umsatz und Gewinn oder Verlust macht die Firma nicht.

Angriff mit Künstlicher Intelligenz

Stark-Manager Kranawetvogl sieht Drohnen als Ergänzung und nicht als Ersatz für schweres Gerät, also Panzer und Artillerie. Die unbemannten Flugobjekte könnten zudem helfen, damit die westlichen Armeen ihren akuten Personalmangel lindern können.
„Ein Operator kann mit softwareunterstützten KI-Mechanismen mehrere Drohnen steuern.“ Der Mensch habe dabei weiterhin die Kontrolle. Die mit zwei Kameras ausgestattete Virtus-Kampfdrohne ist zudem mit Aufklärungsdrohnen verbunden, die ihnen das Ziel zuweisen können.
Der Preis pro Virtus-Drohne liege bei unter 100.000 Euro, sagt Kranawetvogl. „Der Panzer, der damit ausgeschaltet werden kann, kostet mehrere Millionen Euro – der finanzielle Vorteil des Drohnen-Einsatzes ist groß.“

Ein ukrainische Drohne während der 34. Internationalen Verteidigungsindustrieausstellung MSPO im Targi Kielce am 8. September 2026 in Kielce, Polen. Die jährlich stattfindende Fachmesse ist die größte in Mittel- und Osteuropa und präsentiert mehr als 1.000 Aussteller aus 40 Ländern.

Foto: Omar Marques/Getty Images

Drohnen-Schwärme am Himmel

Eine Anti-Panzer-Drohne wiederum enthält einen Gefechtskopf, der explodiert und dann bei enorm hohen Temperaturen einen Stachel als flüssigen Kupferstrahl durch Panzerstahl hindurchstößt und drinnen zerbirst. Wird dieser Strahl wegen des Käfig-Schutzes um Panzer zu früh ausgelöst, kann er nicht mehr wie geplant durch den Panzerstahl hindurchkommen.
Der frühere Bundeswehr-Offizier Kranawetvogl sagt, dass das zwar passieren könne, allerdings finde man Mittel und Wege, die Schwachstelle von Käfigen zu finden und dann eben doch den Panzer zu erreichen.
„Und selbst wenn das nicht gelingt: Drohnen sind normalerweise als Schwärme unterwegs, also zwei, drei oder vier Drohnen zusammen – hat eine von ihnen den Käfig zerstört, kann sich die zweite auf den Panzer stürzen.“
Die erste Drohnen-Charge geht Kranwetvogl zufolge nach Litauen an die dort stationierte deutsche Brigade. Man sei im engen Austausch mit der Bundeswehr.
„Im November haben wir in Litauen eine NATO-Übung, da werden unsere Systeme im Einsatz sein.“ Bei Übungen haben die Drohnen keinen Sprengstoff an Bord und können dank der Propeller wieder landen. (dpa/red)
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11,78 Euro für eine Packung Zigaretten? Tabakbranche warnt vor Folgen

Berliner Steuerpläne machen Deutschlands Tabakfirmen zu schaffen. Sollten die Steuern stark steigen, würden die Preise deutlich anziehen und viele Verbraucher würden in den Schwarzmarkt ausweichen, warnt der Branchenverband BVTE.
„Die erwarteten Steuermehreinnahmen sind reine Luftschlösser und die Steueranhebung wäre ein Konjunkturprogramm für die organisierte Kriminalität“, sagt BVTE-Hauptgeschäftsführer Jan Mücke. Bei der am Dienstag startenden Dortmunder Fachmesse Intertabac sollen die Steuerpläne ein Thema sein.
Auch Gewerkschafter und Zöllner sind besorgt. „Das ist kein seriöser steuerpolitischer Ansatz, sondern der verzweifelte Versuch, Haushaltslöcher zu stopfen“, sagt Thomas Liebel von der Deutschen Zoll- und Finanzgewerkschaft BDZ. Die Bundesregierung rechne sich zusätzliche Einnahmen schön und ignoriere dabei die Realität beim Zoll.

Bundesregierung schlug im Juli Anhebung der Tabaksteuer vor

Die Bundesregierung hatte Anfang Juli eine Anhebung der Tabaksteuer auf Zigaretten und Feinschnitt vorgeschlagen. Wenig später verschärften führende Vertreter der Koalitionsfraktionen aus CDU/CSU und SPD das Vorhaben wesentlich, dies mit Hilfe des Bundesfinanzministeriums. Hintergrund dafür sind Haushaltszwänge: Der Bund braucht in Zeiten klammer Kassen dringend Geld.
Dem Koalitionsvorhaben zufolge könnte eine Zigarettenpackung im kommenden Jahr nach einer Steueranhebung 9,10 Euro kosten und damit 33 Cent mehr als bislang im Regierungsvorhaben angepeilt.
Schrittweise soll es nach oben gehen, nach durchschnittlich 8,05 Euro pro Packung 2026 wird 2030 durchschnittlich mit 11,78 Euro gerechnet. Das wäre ein Preisaufschlag von fast 50 Prozent binnen vier Jahren. Bei Markenzigaretten könnte es noch teurer werden, ihr Preis könnte auf bis zu 14 Euro steigen.

Volkswirtschaftler haben Zweifel an Einnahmenprognose

Wird so eine Steueranhebung wirklich zum Geldregen für den Fiskus? Daran haben Tabakfirmen große Zweifel – sie befürchten, dass viele Raucher in Hinterhöfe gehen und sich dort mit deutlich billigeren illegalen Zigaretten eindecken. Das würde Löcher in die Geschäfte legaler Tabakfirmen reißen und der Fiskus bekäme viel weniger als erwartet.
Der Verband BVTE und „Marlboro“-Hersteller Philip Morris gaben beim Beratungsunternehmen DIW Econ eine Studie in Auftrag, die ihre Befürchtungen bestätigt. Die Wirtschaftswissenschaftler prognostizieren, dass dem Fiskus im Jahr 2027 3,3 Milliarden Euro entgehen werden, sollte das Koalitionsvorhaben umgesetzt werden.
Von diesem Betrag entfallen 2,7 Milliarden Euro auf legale Käufe im Ausland, die nach Deutschland mitgenommen werden, und 0,6 Milliarden auf illegale Verkäufe in Deutschland. Bis 2030 steigt dieser jährliche Gesamtwert der Untersuchung zufolge auf 4,9 Milliarden Euro (3,9 und 1,0 Milliarden Euro).

Schwarzmarkt dürfte stark anwachsen

Kommen auf 100 legale, in Deutschland verkaufte Zigaretten derzeit etwa drei Schwarzmarkt-Kippen, so könnten es 2030 schon acht sein. Rechnet man die aus dem Ausland mitgebrachten Zigaretten hinzu, so könnten 2030 insgesamt etwa 40 nicht in Deutschland versteuerte, aber in Deutschland gerauchte Zigaretten auf 100 legale Inlandszigaretten kommen – die nicht versteuerte Menge würde sich verdoppeln, so die Volkswirte.
Gewissermaßen als Negativbeispiele verweisen sie auf drastische Steueranhebungen in Frankreich (2017 bis 2022) und den Niederlanden (2022 bis 2024), die zu einem deutlichen Rückgang legaler Inlandsverkäufe geführt haben.

Mehreinnahmen von 11,5 Milliarden Euro?

Laut dem Vorschlag der Berliner Koalitionsfraktionen darf der Bund in den Jahren 2027 bis 2030 mit insgesamt 11,5 Milliarden Euro Mehreinnahmen rechnen.
Die DIW-Experten kommen in ihrer Modellrechnung zu dem Schluss, dass es wohl nur 5,5 Milliarden Euro werden könnten und damit nicht mal die Hälfte des eigentlich prognostizierten Betrags. Reagieren die Verbraucher ähnlich wie bei der letzten drastischen Tabaksteuererhöhung in Deutschland der Jahre 2002 bis 2005, so wären es sogar nur vergleichsweise mickrige Mehreinnahmen von 1,1 Milliarden Euro.
Bloß nicht übertreiben bei der Steuererhöhung, sonst geht der Schuss nach hinten los, lautet das Fazit der DIW-Econ-Studie. „Die Politik sucht an jeder Ecke nach Möglichkeiten, um Einnahmen zu generieren“, sagt Studienautor Maximilian Priem. „Aber das sollte auf Grundlage gefestigter empirischer Erkenntnisse geschehen und kein reines Wunschdenken sein.“
Der Vorschlag zur deutlichen Tabaksteuer-Erhöhung sei kein Beitrag zur Lösung von Haushaltsproblemen, sondern er könnte sie verschärfen: „Wenn nächstes Jahr viel weniger Tabaksteuern eingenommen werden als angenommen, dann entsteht das nächste Haushaltsloch, das hektisch gestopft werden muss.“

Führender CDU-Politiker lehnt Anhebung ab

Krebsforscher bewerten die Steuerpläne hingegen positiv. „Regelmäßige spürbare Preiserhöhungen sind die wirksamste Maßnahme, um zum Nichtrauchen zu motivieren“, sagt Katrin Schaller vom Deutschen Krebsforschungszentrum. „Wenn die Preise für Zigaretten hochgehen, fördert das die Gesundheit der Bevölkerung.“ Steige der Preis für Zigaretten in Industriestaaten um zehn Prozent, so sinke der Konsum um vier Prozent.
Gut möglich, dass sich das Vorhaben der Koalitionsfraktionen gewissermaßen in heiße Luft auflöst. Denn in den Reihen der Koalition regt sich Widerstand.
„Die zusätzliche und drastische Anhebung der Tabaksteuer, die noch über den Regierungsentwurf hinausgeht, geht nicht auf eine Initiative der zuständigen Fachpolitiker der Fraktionen zurück“, sagt der CDU-Bundestagsabgeordnete Carsten Brodesser, der als Berichterstatter der CDU/CSU-Fraktion für die Tabaksteuerreform zuständig ist. „Sie folgt einer Vereinbarung aus dem Koalitionsausschuss, die einen zusätzlichen Finanzierungsbedarf in Höhe von 1,5 Milliarden Euro identifiziert hat.“ Er sei gegen diese Anhebung.
Brodesser warnt, dass durch zu stark steigende Preise die Versuchung der Konsumenten vergrößert werde, auf Schwarzmarkt-Produkte oder Produkte aus dem EU-Ausland auszuweichen. „Im Endeffekt erreicht man weder das gewünschte fiskalische Ergebnis noch die Stabilisierung des legalen Tabakmarktes.“ Die moderate Tabaksteuer-Erhöhung der vergangenen Jahre habe sich hingegen bewährt. (dpa/red)
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IFA-Chef: Messen brauchen auch Entertainment

Nach einem schwierigen ersten Halbjahr für die Hersteller von Haushaltselektronik will die Technikmesse IFA der Branche neuen Schwung verleihen.
Aufgabe der IFA sei es, in diesem schwierigen Umfeld den Fokus auf die Branche zu legen und die Motivation der Menschen zu erhöhen, für Elektronikprodukte Geld auszugeben, sagte IFA-Chef Leif Lindner dpa.

Branche mit Umsatzminus im ersten Halbjahr

Die Branche steht nicht zuletzt aufgrund der angespannten Weltlage unter Druck. Im ersten Halbjahr lag der Umsatz mit sogenannten technischen Konsumgütern in Deutschland bei 20,6 Milliarden Euro – das sind 2,5 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.
„Die Konsumstimmung verharrt, bedingt durch die Weltlage und damit verbundene Sparneigung und allgemeine Verunsicherung der Verbraucher, auf einem niedrigen Niveau“, sagte dazu kürzlich Carine Chardon, Geschäftsführerin der Branchenorganisation GFU Consumer & Home Electronics.
Lindner betonte, dass die Sparneigung in Deutschland überdimensional hoch sei. „Man schützt sich hier eher und hält sein Geld beisammen.“
Zudem sei der stockende Wohnungsneubau ein Problem besonders für die Haushaltsgerätebranche. „Wenn ein Mensch umzieht, hat das statistisch gesehen eine Auswirkung auf sechs weitere Haushalte“, sagte Lindner. Weniger Neubau werde so schnell zu einem „massiven Problem“.

Neue Ausrichtung der IFA wird weiter vorangetrieben

Die IFA gibt es bereits seit mehr als 100 Jahren, unter Lindner hat sie sich zuletzt deutlich verändert. Viel Staub wurde abgekratzt, knalligere Farben prägen das Design. Die drei Buchstaben stehen inzwischen nicht mehr für Internationale Funkausstellung, sondern für den etwas allgemeinen Slogan Innovation for All.
Die Veranstalter sprechen zudem in der Regel von einem Event, nicht von einer Ausstellung oder Messe. Viele Formate zum Mitmachen und Technik ausprobieren werden angeboten, unter anderem wurde für die diesjährige Ausgabe der Bereich Beauty & Wellbeing vergrößert.
„Im Ausland werden Messen wie die IFA in der Regel als Show, punktuell auch als Festivals gesehen“, sagte Lindner. Entertainment neben dem klassischen Messegeschäft sei wichtig, ebenso die Ausrichtung hin zu einem jüngeren Publikum.

Lindner: IFA-Besucher sind jünger geworden, deutlich mehr Frauen dabei

Bei der IFA gibt es inzwischen auch viele Angebote für und mit Internetstars, die während der Ausstellung Videoclips drehen oder auch Podcasts aufnehmen können. Im IFA-Sommergarten treten unter anderem die Berliner Rapperin Ikkimel und Luciano auf, auch hier dürften vor allem junge Menschen Tickets gekauft haben.
Die Neuausrichtung zeige bereits Wirkung, sagt Lindner. Vor einigen Jahren sei der Altersschnitt der Besucher noch knapp über 50 Jahren gewesen, mehr als 90 Prozent aller Besucher männlich. Inzwischen sei jeder zweite Endkonsument, der die IFA besucht, unter 35, der Frauenanteil liege bei mehr als 25 Prozent.

Knapp 2.000 Aussteller dieses Jahr

Anschauen können sich die Besucher dieses Jahr Produkte von knapp 2.000 Ausstellern. Es hätten auch mehr sein können, sagte Lindner, aber es gehe nicht nur darum, die Anzahl zu steigern, sondern eine hohe Qualität an Ausstellern zu haben, die einen Mehrwert für Unternehmen und Fachbesucher haben.
Denn die IFA sei für beide Seiten eine enorm wichtige Business-Plattform. Die IFA öffnet für Privatbesucher ab Freitag bis einschließlich Dienstag, 8. September.

Wünsche an die Stadt? Mehr Unterstützung und ein U-Bahnhof als IFA-Station

Bis 2034 wird die IFA noch mindestens in Berlin bleiben, ein entsprechender Vertrag mit der Messe Berlin wurde vergangenes Jahr unterzeichnet. Die Hauptstadt sei der absolut richtige Standort, sagte Lindner, der selbst in Neukölln groß wurde.
„Was ich mir wünschen würde, ist noch etwas mehr Unterstützung der Stadt“, so der Manager. Die IFA sorge jedes Jahr für 380 Millionen Euro Umsatz in Berlin, etwa bei Hotels, Restaurants, Geschäften und Taxen.
„Wenn man in zehn Jahren mehr als drei Milliarden Euro bringt, würde ich mir wünschen, dass man die IFA anders wertschätzt“, sagte Lindner. Als Beispiele nannte er IFA-Werbung am Brandenburger Tor oder im Messezeitraum die Umbenennung einer U-Bahnstation in „IFA-Station“. (dpa/red)
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Dezente Wissensvermittlung: „Serious Games” sind im Kommen

Ein Brandanschlag auf ein Kaufhaus steht bevor, eine Sonderkommission wird gebildet. Die Täter stammen aus einer linksextremistischen Terrorzelle, die Polizei muss sie schnellstmöglich ermitteln und den Anschlag verhindern.
Also ran an den Computer und rein ins Rollenspiel: „Soko 1977“ ist ein Game, das in den 70er Jahren spielt und an den Terror der Roten Armee Fraktion (RAF) vor einem halben Jahrhundert erinnern soll. Nun wurde es auf der Gamescom vorgestellt – als ein Spiel aus der Kategorie „Serious Games“, die in Deutschland im Aufwind ist.
Es handelt sich um Spiele mit einem pädagogischen Mehrwert, sie sollen das Demokratieverständnis und andere Kompetenzen stärken. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier informierte sich bei seinem Gamescom-Besuch auch über solche Spiele und verlieh seinem Wunsch Ausdruck, dass nicht nur Serious Games, sondern auch andere Games Raum böten, um Ideen wie Fürsorge, Ehrenamt und Engagement zu stärken.
400.000 Euro hat „Soko 1977“ gekostet, bezahlt von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Games eigneten sich gut, um über Themen ins Gespräch zu kommen, sagt Felix Zimmermann von der bpb.
Man könne aus verschiedenen Perspektiven etwas über die Vergangenheit und das Thema Terrorismus lernen. „Wir wollen Menschen erreichen, die Games in ihrer Freizeit nutzen: Das Spiel soll unterhalten, aber auch fundiert über ein in Games noch nie bearbeitetes Thema informieren.“

„Wer ist Bilal?“: Gefahren des Islamismus

Entwickelt wurde „Soko 1977“ vom Berliner Studio Paintbucket Games, dessen Chef Jörg Friedrich ein steigendes Interesse der Öffentlichkeit an Serious Games wahrnimmt. „Games werden stärker wahrgenommen als ein Medium, mit dem man politische Inhalte vermitteln kann – das ist gut.“ Vergangenes Jahr präsentierte er auf der Gamescom ein anderes Spiel seiner Firma: „Wer ist Bilal?“ thematisierte die Gefahren des Islamismus. Bezahlt wurde es aus NRW-Landesmitteln.
„Wer Jugendliche ernst nehmen und für Themen wie Desinformation und Extremismus sensibilisieren will, muss sie dort abholen, wo sie sich informieren und orientieren“, sagt NRW-Medienminister Nathanael Liminski (CDU). Deshalb setze das Land auf innovative Formate wie Serious Games.

Der pädagogische Mehrwert soll bloß nicht auffallen

Das seit Februar verfügbare Game „Wer ist Bilal?“ wurde laut NRW-Medienministerium rund 50.000-mal aus den App-Stores heruntergeladen und auf seiner Webseite mehr als eine Million Mal angeklickt. Solche Zahlen reichen zwar, dass das zuständige Ministerium „sehr zufrieden“ ist. Im Vergleich zu anderen kommerziellen Spielen sind die Zahlen aber gering.
Ein weiterer kritischer Punkt bei solchen Spielen ist die Frage, ob die pädagogische Stoßrichtung überhaupt diejenigen erreicht, deren Demokratieverständnis nur schwach ausgeprägt ist – oder ob solche Games nur von Menschen gespielt werden, die gar keinen Nachholbedarf haben bei den angesprochenen Problemthemen.
bpb-Gamesreferent Zimmermann betont, dass die Spiele nicht wie Lernspiele wirken sollten – besonders bei Menschen, die politischer Bildung misstrauisch gegenüberstehen. Wie ein Lernspiel zu wirken, sei auf Gamingplattformen „ein absolutes No-Go – dann wird das niemand freiwillig spielen“.
Paintbucket-Chef Friedrich sagt: „Spiele sollen als Spiele funktionieren, bei denen die Leute anfangen zu spielen und sagen, „das ist cool“ – und den pädagogischen Inhalt bekommen sie eher so nebenbei mit.“
„Soko 1977“ werde ganz normal auf der Vertriebsplattform Steam erscheinen. „Die Leute sollen sagen, dieses Spiel reizt mich wegen des Settings oder wegen des Gameplays – und beim Spielen kommen sie dann in Kontakt mit dem Thema.“ Je nach Interesse könne man bei dem Game tiefer in das Thema einsteigen und per Klicks Historisches über die Zeit erfahren. „Oder man kann es einfach nur durchzocken.“

„Grenzgänger“ behandelt Flucht aus der DDR

Bei einer Gamescom-Eröffnungsfeier am Mittwoch, bei der Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) und NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) dabei waren, wurde ein anderes Serious Game vorgestellt: „Grenzgänger“ beschäftigt sich mit der Flucht aus der DDR in die Bundesrepublik in den 80er Jahren.
In dem Point-and-Click-Adventure erleben die Spieler die Konflikte mit dem SED-Staat, die riskante Flucht sowie die Ankunft im West-Notaufnahmelager Gießen in den frühen 1980er-Jahren.
Es gehe nicht nur um die schwierige Situation in der DDR, sondern auch um das schwierige Ankommen in der neuen Heimat BRD, sagt Playing-History-Geschäftsführer Martin Thiele-Schwez. „Das Thema wird in Grautönen vermittelt, wir wollen kein simples Schwarz-Weiß-Denken.“
Er geht davon aus, dass die Spieler von „Grenzgänger“ ins Nachdenken kommen und mehr Verständnis für das Thema Flucht und Vertreibung entwickeln – im besten Falle werde ihr demokratisches Grundverständnis verstärkt.
„Wir bieten ein historisches Set-up und einen Diskursraum, um Verständnis für problematische Themen zu entwickeln.“ In der Schule könnte das Spiel genutzt werden, damit die Schüler leichter Zugang zu dem Thema finden und dann gemeinsam darüber sprechen. „Spiele sind das beste Medium, um Wissen zu vermitteln und Kompetenzen zu schulen.“
Für die Entwicklung von „Grenzgänger“ stellten die Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte und das hessische Digitalministerium Geld bereit. Playing History hat noch weitere Games für andere Bildungseinrichtungen entwickelt, etwa für die Bildungsstätte Anne Frank und das Deutsche Historische Museum. Das Berliner Unternehmen hat 13 Beschäftigte, dieses Jahr kommt es voraussichtlich auf einen Jahresumsatz von 1,3 Millionen Euro.
Thiele-Schwez sieht die Aussichten für Serious Games in Deutschland positiv. „Kulturinstitutionen öffnen sich zunehmend dem Medium Game und betrachten das nicht mehr als reine Spielerei, sondern als Möglichkeit zur nachhaltigen Vermittlung ernsthafter Inhalte.“
Allerdings bemängelt er, dass ihn immer mal wieder Anfragen erreichten, die sehr gering dotiert seien. „Es soll möglichst billig sein – aber um ein richtig gutes Serious Game zu machen, braucht man mindestens ein sechsstelliges Euro-Budget.“

Steinmeier: Games wichtig für die Demokratie

Bei seinem Messerundgang traf Steinmeier eine Figur aus dem Super-Mario-Kosmos: Prinzessin Peach.

Bei seinem Messerundgang traf Steinmeier eine Figur aus dem Super-Mario-Kosmos: Prinzessin Peach.

Foto: Wolf von Dewitz/dpa

Grundsätzlich wertete Steinmeier Gaming positiv – er selbst ist nach eigener Aussage kein Gamer. Computerspiele seien fester Bestandteil des kulturellen Lebens geworden, sagte er. „Das Klischee des nerdigen Teenagers, der – rund um die Uhr, mit Junkfood und Energy-Drinks – in seiner abgedunkelten Bude zockt, wird der Wirklichkeit nicht gerecht.“
Allein in Deutschland spielten mehr als 40 Millionen Menschen – „manche regelmäßig, einige exzessiv, viele nur gelegentlich“. Es seien Frauen und Männer gleichermaßen, Junge und „nicht mehr ganz so Junge“. „Games sind längst in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen.“ In ihrer Gesamtheit seien Spiele kulturrelevant und damit auch relevant für Demokratie – „das gilt im Guten wie im Schlechten“.
Die beim Gaming eingesetzten Technologien seien zudem wichtig für Wirtschaftsbereiche wie Medizin, Architektur oder Fahrzeugdesign, so der Bundespräsident.
„Wir wollen Ihre Branche hier in Deutschland, wir wollen sie wirtschaftlich stark.“ Das Spielen könnte Menschen wohl helfen, „ihr Leben besser zu bewältigen – als Ventil gegen Stress, als Brücke, um Kontakte zu knüpfen und Einsamkeit zu überwinden, oder indem sie kognitive Fähigkeiten trainieren und das Risiko senken, geistig abzubauen“.(dpa/red)
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Es werden weniger Reisemobile und Wohnwagen verkauft

Nach dem Corona-Boom setzt Deutschlands Caravan-Branche ihre Abwärtsfahrt fort. Wie der Caravaning Industrie Verband (CIVD) im Vorfeld der Düsseldorfer Messe Caravan Salon mitteilte, sank die Anzahl der neu zugelassenen Reisemobile und Wohnwagen (Caravans) in den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 in Deutschland um 3 Prozent auf 63.329.
Im kompletten Vorjahr hatte es ein Minus von 2,3 Prozent gegeben. In den Pandemiejahren wiederum waren die Verkäufe steil nach oben geschnellt, weil sich viele Menschen für Caravaning entschieden, etwa aus Angst vor Ansteckungen oder wegen Einschränkungen bei Flugreisen.
Aktuell wirkt sich die schwache Konjunktur negativ auf die Branche aus: Manche Bürger scheuen hohe Ausgaben für einen Wohnwagen oder ein Reisemobil. Einige Hersteller wiederum sitzen noch auf Altbeständen, die sie als Folge des Corona-Booms produziert haben und seither nicht loswerden.
Der größte Teil des Marktes entfällt auf Wohnmobile, auch Reisemobile genannt: In den ersten sieben Monaten 2026 wurden 50.118 Reisemobile neu zugelassen und damit 3,3 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, bei den Caravans lag das Minus bei 1,9 Prozent auf 13.211.

Branchenverband sieht positive Zukunft

Der Geschäftsführer des Branchenverbandes CIVD, Daniel Onggowinarso, sieht die aktuelle Entwicklung gelassen. Der Markt zeige sich robust, und es sei normal, dass es nach Corona wieder etwas runtergehe.
Hätte es die Pandemie nicht gegeben, wäre man womöglich Jahr für Jahr gewachsen und auf dem jetzigen Niveau angekommen. „Wir machen eine kurze Zwischenpause und atmen durch – und wenn es der Wirtschaft wieder besser geht und der Energieschock vorbei ist, dann wird es wieder besser.“
Der Oberbegriff für Reisemobile und Wohnwagen (Caravans) ist Freizeitfahrzeuge – deren Anzahl hat sich laut CIVD-Angaben von 2015 bis 2025 verdoppelt. Das Wachstum fand allerdings bei Reisemobilen statt, die Anzahl der Caravans stagnierte. Aktuell sind in Deutschland rund 1,8 Millionen Freizeitfahrzeuge zugelassen.
Das Interesse an Caravaning sei weiterhin groß, sagte der Verbandsvertreter. „Wir haben eine emotionale Klientel, die an ihrer Reiseform hängt – wir bauen nur einfach zu gute Produkte, die gehen nicht kaputt, es gibt keinen Bedarf, etwas auszutauschen“, sagte Onggowinarso.

Eine Viertelmillion Menschen werden beim Caravan Salon erwartet

Bei dem am 28. August startenden Caravan Salon präsentieren sich nach Angaben der Veranstalter mehr als 830 Aussteller. Damit sei der letztjährige Rekordwert von 810 übertroffen, sagte Stefan Koschke von der Messe Düsseldorf. Caravaning sei längst keine Nische mehr, das Thema sei vielmehr in der Mitte der Gesellschaft angekommen.
Im vergangenen Jahr strömten 269.000 Menschen in die Messehallen – der Besucher-Höchstwert von 2019 wurde damit knapp verfehlt. Für dieses Jahr gab Koschke das Ziel von mindestens 250.000 Besucherinnen und Besuchern aus.
Es gehe gar nicht so sehr um eine möglichst hohe Anzahl von Besuchern, sondern um das echte Kaufinteresse von Besuchern. „Wir wollen Käuferklientel ansprechen – darauf zielt unser ganzes Marketing, unser ganzes Tun.“ Die Besucher sollten zu Konsumenten werden. (dpa/red)
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Rheinmetall: Kamikaze-Drohnen starten in Salven

Deutschlands größte Waffenschmiede Rheinmetall kommt bei ihren Produktionsplänen zu Kamikaze-Drohnen voran.
Auf der Pariser Rüstungsmesse Eurosatory stellte die Firma einen Container als mobile Abschussbasis vor, in dem 18 Drohnen gelagert werden und nach oben in den Himmel katapultiert werden können. Wie bei einem Schwarm können mehrere gleichzeitig starten – Rheinmetall spricht von möglichen Salven beim Start.

Ungefährlich landen können die Drohnen nicht mehr

Besatzung ist nicht vor Ort, vielmehr werden die Flugkörper aus der Ferne gesteuert. Es wird auch Künstliche Intelligenz genutzt – die Drohnen können bis zu 70 Minuten in der Luft sein, ihre Reichweite beträgt Firmenangaben zufolge 100 Kilometer.
Sie suchen menschengesteuert oder selbstständig ein Ziel, auf das sie sich stürzen und explodieren. Ein Mensch bleibt Firmenangaben zufolge jederzeit in den Entscheidungsprozess eingebunden.
Finden die Flugkörper mit dem Modellkürzel FV-014 kein Ziel in der vorgegebenen Zeit, werden sie kontrolliert zum Absturz gebracht – sie gehen also dort zu Boden, wo niemand ist und der Schaden gering ist. An Bord haben sie eine Sprengladung, die inklusive Zünder vier Kilo wiegt.
Landen können sie nicht mehr, da sie keine Landevorrichtung haben und nach dem Start scharfgeschaltet sind. Die Kamikaze-Drohnen und wohl auch die Container sollen in Neuss hergestellt werden, der Produktionsstart der Loitering Munition soll im dritten Quartal sein.

Flugkörper werden in umgebautem Autozuliefer-Werk gefertigt

In Neuss hatte Rheinmetall früher einen Standort als Autozulieferer, dieser Geschäftsbereich wird aber abgegeben. Daher wird das Werk weitgehend umgebaut, künftig sollen dort Drohnen, Weltraum-Satelliten und Gefechtstürme für Flugabwehr-Panzer gebaut werden.
Neuss hatte vor kurzem noch mehr als 1000 Beschäftigte, inzwischen sind es nur noch mehrere Hundert.
Auf der Rüstungsmesse Eurosatory präsentierte der Chef des Rheinmetall-Konzernbereichs für digitale Systeme, Timo Haas, den „Containerized Missile Launcher“ (CML). Es seien nicht nur Rheinmetall-Flugkörper nutzbar, sondern auch Flugkörper anderer Firmen, sagte der Manager.
Es handelt sich um einen handelsüblichen 20-Fuß-Container, der also etwa sechs Meter lang und jeweils zweieinhalb Meter breit und hoch ist. Er kann auf Schiffe, Züge und Lastwagen gehievt werden oder er wird als Container einfach hingestellt. Vernetzt ist er über die digitale Software-Plattform „Rheinmetall Battlesuite“.

Luftkampf wird wichtiger für Rheinmetall

Das Kerngeschäft von Rheinmetall dreht sich nach wie vor um Stahlkolosse und andere Metallprodukte – ob Panzer, Flugabwehrgeschütze, Artillerie oder Munition.
Allerdings wird die Digitalisierung immer wichtiger, die Gefechtsführung der Zukunft wird eine Vernetzung verschiedener Kampfmittel sein, darin sind sich Militärexperten weitgehend einig: Luft- und Boden-Drohnen agieren abgestimmt mit Artillerie, Panzern, Infanteristen und anderen Militäreinheiten.
Um nicht als „Old Economy“-Panzerfirma abgehängt zu werden, hat Rheinmetall daher neue Geschäftsfelder erschlossen. So wurde ein Schiffsbauer gekauft und eine Satelliten-Tochterfirma gegründet.
Das Drohnenvorhaben ist ein weiterer Schritt, um als militärischer Komplettanbieter für die Zukunft gerüstet zu sein. Wettbewerber bei Kamikaze-Drohnen sind die noch recht jungen Firmen Helsing aus München und Stark Defence aus Berlin. (dpa/red)
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So präsentiert sich Ehrengast Tschechien auf der Buchmesse

Ehrengastland Tschechien will nicht nur seine Literatur während der Frankfurter Buchmesse im Oktober präsentieren: Geplant ist ein ganzes Jahr der tschechischen Kultur, wie die Organisatoren des Gastland-Auftritts in der Deutschen Nationalbibliothek ankündigten.
Rund 100 Veranstaltungen – auch zu anderen Kunstgattungen – sollen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein stattfinden.
Die 78. Frankfurter Buchmesse ist vom 7. bis zum 11. Oktober für das Publikum geöffnet. Rund 75 Autoren aus Tschechien würden dafür anreisen, wie der Programmdirektor des tschechischen Ehrengastauftritts, Martin Krafl, ankündigte. 212 Bücher aus Tschechien seien anlässlich der Messe neu in deutscher Übersetzung erschienen.

„Ein Land an der Küste“

Der Ehrengastauftritt steht unter dem Motto „Tschechien: ein Land an der Küste“ – ein Titel, der absichtlich für Verwirrung sorgen soll, wie die Organisatoren erklärten.
Buchmessen-Direktor Juergen Boos, für den 2026 die letzte Messe sein wird, interpretierte das Shakespeare-Zitat als „eine Küste, an der Sprache, Geschichten und Ideen anlanden“. Krafl sprach von „Wellen der Inspiration“ und „Gedanken, die zu neuen Ufern aufbrechen“.
Dieser poetische Ansatz soll sich auch im Ehrengast-Pavillon spiegeln, wie das verantwortliche Architekturbüro berichtete. Die 2.300 Quadratmeter große Ausstellungshalle werde „in eine verspielte und verträumte Landschaft“ verwandelt.
Runde, aufblasbare Elemente unterschiedlicher Größen dienen als Raumteiler, Sitzgelegenheiten und Leinwände zugleich. Aus einem Leuchtturm und Bojen heraus werden mit Hilfe von KI Zitate tschechischer Literatur projiziert. Ein Roboter soll live Comics zeichnen. (dpa/red)