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Erbrochenes in der Nordsee: Speisereste von Dinosaurier entdeckt


In Kürze:

  • Vor der Küste Norwegens haben Forscher versteinertes Erbrochenes von 150 Millionen Jahre alten Urzeitechsen gefunden.
  • Verursacher waren sogenannte Plesiosaurier, die wie Eulen und Katzen heute, die unverdaulichen Überreste ihrer Nahrung ausspuckten.

 
Tiere übergeben sich nicht nur, wenn ihnen schlecht ist. Eulen, Katzen und andere Tiere werden so auch Gewölle los, also Sammlungen unverdaulicher Reste ihrer Nahrung. Das ist keine Erfindung der Neuzeit, wie der Paläontologe Dirk Knaust berichtet. Auch den Urzeitechsen war demnach wahrscheinlich öfter mal zum Speien. Sie hätten sich so etwa der Schalen gemampfter Muscheln entledigt.
Knaust ist Spezialist für fossile Spuren und analysierte in den vergangenen drei Jahrzehnten mehrere Tausend Meter Bohrkernproben aus der Nordsee. Für die aktuelle Analyse studierte er mehr als 20 Walnuss- bis Mango-große Klumpen aus versteinertem Erbrochenem, auch Regurgitalithe genannt. Über verschiedene Vergleiche schloss er auf ausgestorbene Meeresreptilien als Verursacher.

Ran an die Küste und losgewürgt

„Plesiosaurier könnten sich nach der Jagd zur Erholung oder zum Schlafen der Küste genähert haben, und wahrscheinlich haben sie sich dann erbrochen“, meint Knaust. „Wir beobachten heute bei Robben und Salzwasserkrokodilen ein ähnliches Verhalten, doch während diese an Land gehen, blieben Plesiosaurier aufgrund ihres Gewichts und ihrer Körperform wahrscheinlich unter Wasser.“
Plesiosaurier wurden bis zu zwölf Meter lang, hatten vier paddelförmige Flossen und einen langen Hals. Dieses Konzept erwies sich als sehr erfolgreich. Laut Paläontologen überlebten diese Kreaturen mehr als 140 Millionen Jahre und verschiedene Massenaussterben. Die Brocken von Erbrochenem führt Knaust auf sogenannte Kryptoklididen zurück – diese mittelgroßen Plesiosaurier lebten vor etwa 175 bis 100 Millionen Jahren.
Aus früheren Untersuchungen ist bekannt, dass Plesiosaurier wahrscheinlich mit nach unten geneigtem Kopf Muscheln und andere Dinge vom Meeresboden verschlangen. Mit den Zähnen zerkleinern konnten sie diese vermutlich nicht, sondern schluckten sie ganz. Später spuckten sie die Schalen als komprimierte Ballen aus, so wie Eulen das heute mit Haaren und Knochen ihrer Beute tun.

Bohrkernaufnahme von 160 Millionen Jahre altem Sand, der eine Ansammlung von Muscheln und Pflanzenresten enthält, die als Erbrochenes eines Plesiosauriers interpretiert wird.

„Durchforsten, was ausgestorbene Tiere ausgespuckt haben“

Die Klumpen enthielten zudem Überreste von Röhrenwürmern, Seelilien und Belemniten (tintenfischartige Kopffüßer). Diese Mischung und die Größe der Brocken deute auf Plesiosaurier als Verursacher, so die Forscher.
Das Erbrochene blieb demnach unter anderem deshalb erhalten, weil es stark verdichtet und mit Schleim überzogen war. Zudem seien einige Klumpen schnell von Sedimenten bedeckt worden und andere in von Krebstieren am Meeresboden hinterlassene, schützende Höhlen gelangt und dort versteinert.
„In den letzten zehn Jahren gab es zahlreiche Untersuchungen zu versteinerten Erbrochenen, doch die meisten davon konzentrierten sich auf Wirbeltiere, die andere Wirbeltiere fressen“, erklärte Knaust. „Dies ist das erste Mal, dass Erbrochenes von Plesiosauriern und die darin enthaltenen Schalentiere identifiziert wurden, und diese Lebewesen verraten uns eine Menge.“
Die untersuchten Fossilien stammen aus seichten Gewässern von Flussdeltas etwa 50 Kilometer vor der norwegischen Küste. Skelette von Plesiosauriern wurden aber weltweit gefunden – Knaust nimmt darum an, dass auch an vielen anderen Küsten Erbrochenes der Meeresriesen zu finden wäre. Und auch das sei nur der Anfang. „Wir können noch so viel mehr lernen, wenn wir das durchforsten, was ausgestorbene Tiere nach dem Abendessen wieder ausgespuckt haben.“ (dpa/red)
Die Studie erscheint am 23. September 2026 im Fachmagazin „Geological Magazine“.
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Das Vermächtnis von Dr. Alan Grant


In Kürze:

  • Der im Juli verstorbene Schauspieler Sam Neill ist vor allem für seine Rolle als Dr. Alan Grant in „Jurassic Park“ bekannt.
  • Obwohl Dr. Grant nur ein fiktiver Wissenschaftler ist, prägte er Generationen von Kindern und werdenden Paläontologen.
  • Ursächlich dafür ist gute Verkörperung eines normalen und sympathischen Paläontologen, der beim Publikum echt wirkte.

 
Der plötzliche Tod des Schauspielers Sam Neill löste weltweit Würdigungen von Kollegen und Fans aus. Doch die Nachricht fand auch bei vielen Paläontologen großen Anklang, für die Neills Darbietung in „Jurassic Park“ als Dr. Alan Grant eine entscheidende Inspiration für ihre Berufswahl war.
„Ich bereitete gerade eine Präsentation über Fossilien vor, als ich die Nachricht erhielt, dass Dr. Grant von uns gegangen ist“, sagte Kallie Moore, Paläontologin an der University of Montana. „Als ich den Vortrag – unter Tränen – Sam widmete, bekam ich viele mitfühlende Blicke von den Zuhörern. Es ist unglaublich, welchen Einfluss eine fiktive Figur auf die Paläontologie hatte, denn für uns Kinder der 90er-Jahre war Dr. Grant nicht nur eine Figur – er wurde zu einem Kollegen.“

Dr. Alan Grant bei jeder Ausgrabung

Moore ist nur eine von vielen Paläontologinnen und Paläontologen weltweit, die sich gemeldet haben, als wir fragten, wie Neill – und seine berühmte Filmfigur – sie beeinflusst hatten. Auch Alan Grants Kollegin Dr. Ellie Sattler, die von Laura Dern gespielt wurde, tauchte in ihren Erinnerungen auf.
Die australische Paläontologin Sally Hurst antwortete: „Bei jeder Ausgrabung, an der ich teilgenommen habe – von den Kreidefelsen in Inverloch [Australien], über die Badlands in Kanada bis hin zu den Wüsten der Mongolei –, gab es immer einen Tag, an dem entweder ich oder jemand anderes in die Rolle von Dr. Ellie Sattler und Dr. Alan Grant schlüpften. Für viele von uns, die heute in diesem Beruf tätig sind, waren es diese Figuren, die uns als Erste gezeigt haben, dass Paläontologe ein echter Beruf ist.“
Das wirft eine interessante Frage auf: Kann ein Film wirklich wissenschaftliche Karrieren inspirieren? Dinosaurier mit modernsten Spezialeffekten helfen dabei natürlich immer. Aber in diesem Fall geht es unserer Meinung nach darüber hinaus.

Sympathisch und echt statt exzentrisch und unmoralisch

Als Dr. Grant 1993 erstmals auf den Kinoleinwänden erschien, unterschied er sich von vielen fiktiven Wissenschaftlern vor und nach ihm. Er wurde nicht als exzentrisches Genie, als sozial unbeholfener Akademiker oder als jemand dargestellt, dessen Brillanz auf Kosten seiner Menschlichkeit ging.
Sam Neill verkörperte stattdessen einen authentischen, normalen und sympathischen Mann. Er war neugierig, geduldig und überaus sachkundig – aber auch zugänglich. Er war menschlich. Seine Begeisterung für Dinosaurier wirkte echt. Selbst als der fiktive Dino-Park im Chaos versank, blieb Grant als Paläontologe erkennbar, der versuchte, diese außergewöhnlichen Tiere zu verstehen.
„Sam Neills Darstellung als Dr. Alan Grant war für diejenigen von uns, die wussten, was damals über Dinosaurier bekannt war, ziemlich überzeugend“, sagt der britische Paläozoologe und Autor Darren Naish. „Dr. Grant hatte eindeutig den Finger am Puls der Dinge in der Welt der Dinosaurier, und Sam hat ihn gut gespielt. Er ist weise und geduldig, aber auch leidenschaftlich.“
Sam Neill in „Jurassic Park“

Sam Neill (r.) spielte überzeugend den authentischen, normalen und sympathischen Wissenschaftler.

Foto: © Universal Studios

Dr. Alan Grant: Ein Held ohne Superkräfte

Tatsächlich schrieb Sam Neill in seinen 2024 erschienenen Memoiren „Did I Ever Tell You This?“ über Grants Anziehungskraft: „In den dreißig Jahren seit dem ersten ‚Jurassic Park‘ ist Alan Grant zu einer sehr beliebten Figur geworden. Kein Superheld – keine magischen Kräfte. Ein Mann, der beim ersten Anblick eines Brachiosaurus in Ohnmacht fällt, ist einfach nur ein Mensch. Ein ganz normaler Typ, der unter extremen Umständen sein Bestes gibt.“
Für die vielen Millionen Kinder, die „Jurassic Park“ sahen, war und ist es das erste Mal, dass sie einen Wissenschaftler sahen, dessen Arbeit abenteuerlich und wirklich spannend wirkte. Anstatt den ganzen Tag im Labor zu verbringen, war Dr. Alan Grant draußen im Freien und studierte echte Dinosaurier. Für viele heutige Paläontologen war dies von Bedeutung.
„Vor ‚Jurassic Park‘ wurden Dinosaurier im Film als schwerfällige Ungeheuer dargestellt“, sagt die Kanadierin Kathryn Abbot, ausführende Produzentin der Dokumentation „Why Dinosaurs?“. „Alan Grant hat uns gelehrt, dass es sich um dynamische, intelligente Tiere mit realistischem Verhalten und ökologischen Rollen handelte.“

Fasziniert beobachtete Dr. Alan Grant sogar die gefährlichsten Dinosaurier wie den T. rex.

Foto: © Universal Studios

Ein Funke, der übersprang

Kinder haben ein bemerkenswert gutes Gespür dafür, wenn Erwachsenen etwas wirklich am Herzen liegt. Neill wirkte nie so, als würde er nur so tun, als sei er Wissenschaftler. Er wirkte wie jemand, der seine Arbeit liebte.
Es besteht kein Zweifel daran, dass „Jurassic Park“ eine außergewöhnliche Welle des Interesses an Dinosauriern, Museen und der Natur im Allgemeinen ausgelöst hat. Und für viele hat Dr. Alan Grant uns gezeigt, dass Paläontologe ein echter Beruf sein kann.
„Sam Neills Darstellung hat meinen Lebensweg geprägt“, sagt Jake Kotevski, Paläontologe an der Monash University in Melbourne. „Solange ich mich erinnern kann, wollte ich Paläontologe werden – Dr. Alan Grant sein. Aber auch seine Werte teilen – stille Intelligenz, Staunen, einen kühlen Kopf und einen beschützenden Vater (oder eine Vaterfigur). ‚Jurassic Park‘ hat mich mein ganzes Leben lang begleitet, in guten wie in schlechten Zeiten. Ohne Dr. Grant gäbe es keinen Dr. Kotevski.“

Dr. Alan Grant: „der einflussreichste Paläontologe aller Zeiten“

Die Paläontologen, die über das Leben von Sam Neill nachdenken, erinnern sich an mehr als nur ihren Lieblingsfilm. Sie erinnern sich an den Moment, als ihnen zum ersten Mal bewusst wurde, dass Wissenschaft etwas ist, womit sie sich beschäftigen können.
„Ich bin damit aufgewachsen und habe ‚Jurassic Park‘ immer und immer wieder gesehen“, sagt der britische Paläontologe Dean Lomax. „Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie oft ich ihn in den letzten 30 Jahren zitiert habe – sogar bis heute.“
Doch das war längst nicht alles. „Zweifellos hat Sam meine Entscheidung, eine Karriere in der Paläontologie einzuschlagen, mitgeprägt, so wie er es auch bei vielen anderen getan hat. Und dafür danke ich ihm. Meiner Meinung nach könnte Dr. Alan Grant als der einflussreichste Paläontologe aller Zeiten gelten“, so Lomax weiter.
Nur wenige Schauspieler können von sich behaupten, einen ganzen Berufsstand geprägt zu haben. Sam Neill hat dies mit ziemlicher Sicherheit getan – und wird es angesichts des Kultstatus des Films auch weiterhin tun. Nicht, weil Dr. Alan Grant den Dinosauriern entkommen ist, sondern weil er das Streben nach Wissen spannend, sinnvoll und realistisch erscheinen ließ.
Sam Neill, alias Dr. Alan Grant, bei den AACTA Awards 2025

Für seine Rolle als Paläontologe Dr. Alan Grant bleibt der neuseeländische Schauspieler Sam Neill für viele Menschen unvergessen.

Foto: Chris Hyde/Getty Images for AFI

Vorbilder für Kinder schaffen

Aus diesem Beispiel können wir lernen und es zum positiven Nutzen. „Wenn man ein Kind für Dinosaurier begeistern kann, kann man es auch für Naturwissenschaften, MINT-Fächer, das eigene Denken und Kreativität begeistern“, sagt Kathryn Abbot.
Lange nachdem „Jurassic Park“ das Kino revolutioniert hat, könnten sich die Generationen von Paläontologen, die neue Entdeckungen machen und so unser Verständnis der prähistorischen Welt prägen, als sein beständigstes Vermächtnis erweisen.
Das letzte Wort hat die amerikanische Paläontologin und Kinderbuchautorin Ashley Hall. „Sam Neills brillante Darstellung hat meine Leidenschaft für eine Karriere in der Paläontologie beflügelt. Aber sie hat mich auch dazu gebracht, meinen heutigen Ehemann kennenzulernen, einen Kollegen aus der Paläontologie, der mir verkleidet als Alan Grant einen Heiratsantrag machte – mit Verlobungsring an einer Raptorklaue und allem Drum und Dran. Danke, Sam.“
Dieser Artikel erschien im Original auf theconversation.com unter dem Titel „How Sam Neill’s Jurassic Park performance inspired a generation of palaeontologists“. (redaktionelle Bearbeitung: kms)The Conversation