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Berlin und Mecklenburg-Vorpommern: Wahlen mit möglichen Folgen für Friedrich Merz


In Kürze:

  • In Berlin und Mecklenburg-Vorpommern wird am Sonntag über neue Landesparlamente abgestimmt.
  • Die CDU-Spitze will am Abend die Wahlergebnisse auswerten – im Mittelpunkt steht dabei auch Kanzler Friedrich Merz.
  • Berichte über eine mögliche „indirekte Vertrauensfrage“ im CDU-Präsidium weist die Parteizentrale zurück.
  • Auch das Abschneiden der AfD nach ihrem Wahlsieg in Sachsen-Anhalt wird bundesweit mit Interesse verfolgt.

 
Am Sonntag, 20. September, wird in Berlin ein neues Abgeordnetenhaus und in Mecklenburg-Vorpommern ein neuer Landtag gewählt. Zwar betonen die führenden Parteien und ihre Spitzenkandidaten, dass es sich um Landeswahlen handelt. In beiden Fällen überschattet jedoch die Bundespolitik zumindest teilweise die Willensbildung. Dies gilt insbesondere mit Blick auf das Schicksal von Bundeskanzler Friedrich Merz – und auch auf das Momentum, auf das die AfD nach dem Wahlsieg in Sachsen-Anhalt hofft.

Merz wird Wahlergebnisse am Sonntag mit CDU-Präsidium erörtern

Mit besonderem Interesse blickt die Öffentlichkeit neben den Ergebnissen selbst auch auf die Sitzung des CDU-Präsidiums, die für Sonntag um 17:00 Uhr im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin anberaumt ist. Es erging eine offizielle Einladung, und das Treffen ist als formelle Sitzung einberufen – nicht nur als informelle Runde. Der Zweck dieses Treffen ist die Auswertung der Ergebnisse der Landtagswahlen. Dazu soll es auch noch weitere Sitzungen geben.
Für Spekulationen sorgen bereits im Vorfeld Berichte, wonach Bundeskanzler Friedrich Merz das Treffen für eine „indirekte Vertrauensfrage“ nutzen wolle. Die Rede war von „Stützen oder Stürzen“. Merz wolle informell das Präsidium der CDU um eine geschlossene Rückendeckung für einen „strikten, erweiterten Reformkurs“ bitten.
Diese solle ihm einerseits Sicherheit geben, wenn es darum geht, Druck auf die SPD zur Umsetzung beschlossener Pakete etwa zu Rente oder gesetzlicher Krankenversicherung auszuüben. Unter den Sozialdemokraten gibt es vor allem in Bereichen wie der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren erhebliche Widerstände gegen das Reformpaket. Aber auch CDU-Ministerpräsidenten vor allem aus dem Osten haben sich dazu kritisch geäußert.

„Stützen oder Stürzen“: Ministerpräsidenten sollen sich eindeutig positionieren

Das „Ja“ zu einem solchen Reformkurs würde den Kanzler gleichzeitig auch dazu ermächtigen, dem Koalitionspartner entgegenzukommen, um eine zügige Umsetzung der Reformpolitik zu ermöglichen. Als mögliche Bereiche gelten höhere Steuerentlastungen und Maßnahmen zur Senkung der Energiepreise. Am Freitag einigte sich die Koalition auf einen Tankrabatt bis zum Ende des Jahres und einen Spritpreisdeckel ab Januar 2027.
Sollten Mitglieder des Präsidiums jedoch nicht mehr bereit sein, Merz zu stützen, sollen diese ihm persönlich personelle Alternativen nennen. Dies wäre dann die Option „Stürzen“. Der Kanzler hat eine eigene Stellungnahme zu den Berichten bisher verweigert. Auch aus der CDU-Zentrale heißt es, eine „Vertrauensfrage“ sei „kein Instrument des Präsidiums“. Es gehe lediglich um eine normale Unterstützungssuche des Kanzlers in dem Gremium.
Allerdings soll die Unterstützung auch aus den Ländern kommen. Von dort hatte es nicht nur an mehreren Stellen Kritik an der Politik des Bundes gegeben. Auch als potenzielle Kanzlerreserven für Merz im Fall eines Rücktritts werden mehrheitlich derzeitige Ministerpräsidenten genannt.

CDU-Präsidium sieht gemeinsame Erklärung als Signal der Rückendeckung

Diese hatten ihrerseits am Mittwoch eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht. In dieser betonen sie drei Grundüberzeugungen. Zum einen müsse Stabilität Vorrang vor Personaldebatten haben. Das Land brauche „mehr denn je Stabilität“. Neues Vertrauen entstehe „durch Zuhören und politisches Handeln – nicht durch Personaldiskussionen“.
Die CDU, so heißt es weiter, stehe für das „Erfolgsmodell der deutschen Koalitionsdemokratie“. Angesichts wichtiger Wahlen, die in Deutschland und Europa im kommenden Jahr anstehen, komme es auf ein „starkes und stabiles Deutschland“ an. Das dritte Bekenntnis betrifft Kooperationsbereitschaft und Verlässlichkeit. Die CDU sei „zur Zusammenarbeit mit allen demokratischen Kräften bereit“. Man müsse Vertrauen schaffen, indem man Alltagsprobleme löse. Dabei seien die Länderchefs zur Zusammenarbeit mit dem Kanzler bereit.
Im Präsidium als auch im Umfeld des Kanzlers wertet man die Erklärung als eindeutige Rückendeckung für Merz. Man macht dies fest an der Absage an Personaldebatten, der Betonung des Willens, „gemeinsam mit dem Bundeskanzler“ zu arbeiten, sowie dem Fokus auf Inhalte und Verantwortung für Deutschland.

Friedrich Merz wird in der Erklärung nicht genannt – Hintertür?

Andere Beobachter wie SPD-Bundesvize Alexander Schweitzer sehen hingegen Interpretationsspielraum in der Erklärung. Es falle insbesondere auf, dass Friedrich Merz nicht namentlich genannt ist. Gegenüber dem ZDF erklärte er, „irgendjemandem ist nicht eingefallen, wie der aktuelle Kanzler heißt“, und vergleicht dies mit dem Vertrauensausspruch eines Fußballvereinsvorstandes an einen erfolglosen Trainer.
Die häufig genannten möglichen „Kanzlerreserven“ halten sich unterdessen bedeckt. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst gilt als bundesweit beliebtester CDU-Politiker. Er hat jedoch mehrfach Wechselgerüchte ins Kanzleramt zurückgewiesen. Zudem finden in seinem Bundesland nächstes Jahr Landtagswahlen statt – und es wäre nicht einmal ein potenzieller Nachfolger in Sicht. Auch Daniel Günther muss sich 2027 in Schleswig-Holstein zur Wiederwahl stellen. Von Boris Rhein und Michael Kretschmer kamen bislang ebenfalls keine Signale, als mögliche Merz-Nachfolger zur Verfügung zu stehen.
Auch aus der CSU heißt es, das Thema Kanzlerschaft sei für Ministerpräsident Markus Söder abgeschlossen. Vonseiten der CSU werde es „auf keinen Fall“ einen Kanzlersturz geben, hieß es. Dies dürfte dann auch für Spekulationen gelten, wonach Bundesinnenminister Alexander Dobrindt im äußersten Fall ins Kanzleramt aufrücken könnte.

Kann nur ein katastrophales Ergebnis der Union einen Kanzlersturz herbeiführen?

Vieles spricht dafür, dass ein einigermaßen glimpfliches Resultat für die CDU die Schonfrist für den Kanzler in den eigenen Reihen verlängern könnte. Die jüngsten Umfragen lassen ein solches erwarten. Die CDU wird in beiden Ländern deutlich an Stimmen verlieren. In Berlin könnte sie hinter die Linke zurückfallen, wird aber voraussichtlich mindestens 20 Prozent halten können und ungefährdet zweitstärkste Kraft bleiben.
In Mecklenburg-Vorpommern dürfte die Stammwählerschaft groß genug sein, um die Partei mit etwa 6 Prozent wenigstens im Landtag zu halten. Erst ein Sturz unter fünf Prozent und ein noch deutlich schlechteres Berlin-Ergebnis als erwartet würden eine eher zwingend erscheinende Rücktrittsdynamik in die Debatte um Merz bringen. Auch im CDU-Präsidium überwiegt die Einschätzung, dass ein Rücktritt des Kanzlers die Akzeptanzprobleme der Partei und der Bundesregierung nicht wesentlich verringern würde. Ein neuer CDU-Chef und Bundeskanzler wäre mit den gleichen Herausforderungen konfrontiert wie Merz.
Übersteht Merz die Wahlen als Kanzler, könnte er voraussichtlich für einen längeren Zeitraum durchatmen. Im nächsten Jahr werden am 18. April die Landtage im Saarland und in Schleswig-Holstein gewählt. An der Waterkant regiert CDU-Ministerpräsident Daniel Günther – und dürfte trotz vorhergesagter deutlicher Verluste zumindest in einer Dreierkoalition mit Grünen und SPD weiterregieren können.
Am 25. April wählen die Bürger im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen. Dort kann die CDU auf einen Amtsbonus für Hendrik Wüst hoffen. Weitere Landtagswahlen stehen in Bremen (30. Mai) und Niedersachsen (26. September) an. Damit finden sämtliche Landtagswahlen des kommenden Jahres auch in westdeutschen Ländern statt, in denen die Ergebnisse der AfD bislang deutlich hinter jenen im Osten zurückgeblieben waren. Einige Landesverbände wie jener in Nordrhein-Westfalen gelten zudem als stark zerstritten, was die Partei vor den Landtagswahlen des Jahres 2027 vor zusätzliche Herausforderungen stellen könnte.

„Rechts ist vorbei“: AfD-Gegner sehen MV-Ergebnis als mögliches Waterloo

Gegner der AfD hoffen deshalb darauf, dass die Partei nach ihrem deutlichen Wahlsieg in Sachsen-Anhalt wieder an Momentum einbüßt. In Berlin sagen Umfragen der AfD ein Ergebnis unter 20 Prozent voraus. Vor allem aber in Mecklenburg-Vorpommern wäre es für die Partei eine herbe Enttäuschung, würde es der SPD und Ministerpräsidentin Manuela Schwesig gelingen, nach drei Jahren eines teilweise erheblichen Rückstandes in Umfragen stärkste Kraft zu werden.
Die SPD hat ihren Wahlkampf vollständig auf die Regierungschefin zugeschnitten und mit dieser als „Frau gegen Blau“ eine gezielte Polarisierung zwischen ihr und der AfD gesucht. Diese ging auch auf Kosten der CDU und der Grünen, deren Wähler zur SPD wechseln, um zu verhindern, dass die AfD als stärkste Kraft im Land aus der Landtagswahl hervorgeht. Mit ähnlichen Strategien hatten bereits Reiner Haseloff 2021 in Sachsen-Anhalt und Dietmar Woidke 2024 in Brandenburg Erfolg. Gleichzeitig könnte es für AfD-Spitzenkandidat eine Belastung darstellen, dass er nicht einmal über einen Platz auf der Landesliste verfügt. Gelingt es ihm nicht, Schwesig den Wahlkreis Schwerin I im Zentrum und Norden der Landeshauptstadt abzunehmen, hätte er nicht einmal ein Landtagsmandat.
Jüngste Umfragen zeigen eine Dynamik, die es als denkbar erscheinen lässt, dass die Sozialdemokraten in letzter Minute an der AfD vorbeiziehen. Dass die Partei ihren Stimmenanteil von 2021 voraussichtlich mehr als verdoppeln kann, stünde in diesem Fall nicht mehr im primären Fokus der Aufmerksamkeit. Auf X meinen einige Nutzer bereits „Rechts ist vorbei“ – und verweisen auf einen von ihnen wahrgenommenen internationalen Trend. Dazu zählen die Abwahl von Viktor Orbán in Ungarn, die jüngste Niederlage der Schwedendemokraten in Schweden und der mögliche Verlust der Kongressmehrheit für die Republikaner in den USA.
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Studie: Parteien verlieren Vertrauen bei Wählern mit Migrationsgeschichte


In Kürze:

  • Neue Studie belegt rückläufiges Vertrauen in Parteien bei Wählern mit Einwanderungsgeschichte
  • Wahlverhalten unterscheidet sich zum Teil deutlich zwischen Herkunftsgruppen
  • Einwanderer sehen wenig Sinn in eigenem parteipolitischem Engagement

 
Wie viele Wähler mit Einwanderungsgeschichte bei den bevorstehenden Landtagswahlen im September zu den Urnen schreiten werden, ist schwer einzuschätzen.
Eine Studie über die Wahlneigungen in diesem Bevölkerungssegment hat jüngst das Deutsche Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung vorgelegt. Diese lässt erkennen, dass es für die Parteien nicht leichter wird, dort Wähler anzusprechen.

Stimmberechtigte mit und ohne Einwanderungsgeschichte befragt

Die Studie „Stabilität und Wandel“ beruht auf Daten aus dem Winter 2023/24 und dem darauffolgenden Winter 2024/25 – jenem vor der Bundestagswahl. Befragt wurden 2.631 Wahlberechtigte aus unterschiedlichen Einwanderergruppen als auch ohne Einwanderungsgeschichte. Und diese lassen eine ähnliche Entwicklung wie innerhalb der Mehrheitsgesellschaft erkennen: Das Vertrauen in Politik und Parteien sinkt.
Im abgefragten Zeitraum gingen in fast allen befragten Gruppen die potenziellen Wähleranteile aller Parteien zurück. Es gab nur wenige Ausnahmen.

SPD verliert bei türkeistämmigen Wählern

Bei allen anderen Parteien und unter allen Gruppen von Befragten sank jeweils das Wählerpotenzial. Allerdings vollzog sich dies nicht in jeder analysierten Wählergruppe im gleichen Ausmaß.
So büßte die SPD bei Befragten ohne Einwanderungsgeschichte leicht an Potenzial ein (von 69 auf 68 Prozent). Ihr Potenzial bei Wahlberechtigten mit Bezug zur früheren Sowjetunion war besonders stark rückläufig (von 64 auf 53 Prozent). Nicht so deutlich war der Rücklauf bei EU-Einwanderern (von 77 auf 71 Prozent) und im MENA/Türkei-Segment (von 71 auf 60 Prozent).
MENA steht für die Region Naher Ost und Nordafrika.
Für die Sozialdemokraten dürfte vor allem der schwindende Rückhalt unter türkei- und MENA-stämmigen Wählern eine herbe Enttäuschung darstellen. In früheren Jahrzehnten hatte sie es geschafft, die Stimmen aus diesem Wählersegment fast geschlossen auf sich zu vereinen.
Allerdings ist das Wählerpotenzial von CDU und CSU in dieser Gruppe noch deutlicher zurückgegangen – nämlich von 67 auf 50 Prozent. Damit hat auch die Union unter Wählern mit MENA- oder Türkei-Bezug nach einem Aufwärtstrend in der Ära Merkel deutlich an Terrain verloren.
Von früheren Sowjetbürgern und deren Nachkommen können sich nur noch 62 Prozent vorstellen, CDU oder CSU zu wählen – zuvor waren es noch 73 Prozent.

FDP stürzte in allen Gruppen deutlich ab

Die Grünen verloren – mit Ausnahme von Einwanderern aus der Türkei und dem MENA-Raum – in allen erhobenen Gruppen zwischen 3 und 6 Prozent.
Ein Potenzial von 45 Prozent haben die FDP und die AfD unter den Wählern mit eigenen oder familiären Wurzeln in der ehemaligen Sowjetunion. Nur maximal 29 Prozent können sich demgegenüber vorstellen, für die Linke zu stimmen. Die FDP hat auch unter befragten Einwanderern aus EU-Staaten nur noch ein Potenzial von 40 Prozent (minus 10) und 32 Prozent unter MENA/Türkei-Einwanderern (minus 14).
Das Potenzial der Linken war unter Wählern mit MENA/Türkei-Bezug mit 45 Prozent am höchsten – allerdings waren es den Ergebnissen zufolge 2023/24 noch 59 Prozent gewesen. Unter Befragten mit EU-Einwanderungsgeschichte waren es 41 Prozent (minus 3).
Für die AfD lag das höchste Wählerpotenzial unter Eingewanderten mit Bezug zur früheren Sowjetunion. Bei solchen mit familiären EU-Wurzeln waren es 21 Prozent (minus 2) und bei solchen mit MENA/Türkei Bezug 16 Prozent (minus 4).

AfD mit großem Unterschied nach Herkunft

Wie repräsentativ die Zahlen heute noch sind, ist ungewiss. Die politische Stimmung hat sich seit der Bundestagswahl noch einmal deutlich verändert. Es wird jedoch deutlich, dass sich die Wahlneigungen unter Wählern unterschiedlicher Einwanderergruppen zum Teil erheblich unterscheiden.
Die Studie zeigt auch, dass die kategorische Ablehnung bestimmter Parteien variiert. So ist diese gegenüber der AfD unter türkei- oder MENA-stämmigen Deutschen am höchsten, unter jenen mit familiärem Sowjetbezug hingegen deutlich geringer. Gleichzeitig gehen einzelne Wählergruppen mit ambivalenten Einstellungen gegenüber bestimmten Parteien situationsabhängig unterschiedlich um.
Beispielsweise war der Anteil der Linkspartei in stark von Einwanderung aus MENA-Ländern oder der Türkei geprägten Bezirken wie Berlin-Neukölln deutlich gestiegen. Der kurdischstämmige Ferat Koçak wurde dort direkt im vergangenen Jahr in den Bundestag gewählt – offenkundig auch mit Stimmen aus der Türkei oder arabischstämmigen Wählergruppen.
Vor allem in der türkeistämmigen Wählergruppe war dieser aufgrund seiner Nähe zu PKK-nahen Gruppierungen umstritten. Demgegenüber scheinen Teile davon über diesen Umstand hinweggesehen zu haben und ihn für seine Position zum Gazakonflikt gewählt zu haben.

Außenpolitische Konflikte können Wahlverhalten beeinflussen

Generell spielen in bestimmten Wählermilieus mit Einwanderungsgeschichte nicht ausschließlich deutschlandbezogene Themen eine Rolle, sondern auch solche, die mit der Herkunftsregion ihrer Familien zusammenhängen.
So führte die Verabschiedung der Armenien-Resolution durch den Deutschen Bundestag im Juni 2016, bei der die Ereignisse in der Endphase des Osmanischen Reichs offiziell als Völkermord eingestuft wurden, zur Gründung einer Partei, die speziell türkeistämmige Einwanderer ansprechen sollte.
So scheint der Krieg in Gaza Wirkung auf das Wahlverhalten einzelner Wählersegmente mit Einwanderungsgeschichte, insbesondere Muslime, im Jahr 2025 gehabt zu haben. Darüber hinaus spielt jedoch auch eine generelle Entfremdung von den politischen Entscheidungsprozessen in Deutschland eine Rolle.

Junge Menschen mit Einwanderungsgeschichte fühlen sich in deutschen Parteien fremd

Anfang des Vorjahres hatte der Sachverständigenrat für Integration und Migration die Studie „Jung und vielfältig, aber noch nicht politisch beteiligt?“ vorgelegt.
Diese benennt eine Reihe widriger Strukturen und genereller Vorbehalte, die „migrantisch wahrgenommene Menschen“ von politischem Engagement abhalten. Dies betreffe insbesondere auch jüngere Menschen mit Einwanderungsgeschichte.
So bezeichneten 45,1 Prozent der in Deutschland geborene Menschen mit Einwanderungsgeschichte bis 35 Jahre fehlendes Vertrauen in die Politik als hemmenden Faktor für eine Partizipation. 38 Prozent gaben an, sich von keiner der in Deutschland aktiven Parteien vertreten zu fühlen.
Als weitere Hindernisse für ein politisches Engagement nannten Befragte fehlende Ansprache, eine zu sehr auf die Mehrheitsbevölkerung ausgerichtete politische Bildung oder Unnahbarkeit des politischen Betriebes als Faktor für Nichtengagement.
An politischen Parteien kritisieren Eingewanderte häufig „Stammtisch-Strukturen“ und „ausgeprägte Hierarchien“. Diese führten dazu, dass sie sich in diesen nicht heimisch fühlten. Zudem sähen sie ohne eigene Netzwerke keine Möglichkeiten, wirksam zu werden.
Basierend auf den Zahlen des Mikrozensus aus dem Jahr 2023 wird in Berlin davon ausgegangen, dass etwa 40 Prozent der dortigen Bevölkerung eine Einwanderungsgeschichte aufweist. Der Anteil der Wahlberechtigten, auf die dies zutrifft, ist entsprechend am höchsten. Demgegenüber dürfte er sich in Sachsen-Anhalt bei etwa 2 Prozent und in Mecklenburg-Vorpommern nur leicht darüber bewegen. Speziell auf Einwanderercommunitys ausgerichtete Parteien kandidieren bei keiner der bevorstehenden Landtagswahlen.