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„Sie schlagen alles kurz und klein“ – Pariser Ladenbesitzer zu Ausschreitungen

In Kürze:

  • Bei gewalttätigen Protesten in Frankreich seien am Wochenende zahlreiche Geschäfte geplündert und verwüstet worden.
  • Landesweit waren bis zum Abend des 18. Oktober 2.397 Menschen festgenommen worden.
  • 997 Polizisten, Militärpolizisten und Feuerwehrleute seien verletzt worden.
  • Handelsverband: Rund 1.500 Unternehmen waren betroffen und Schäden in Höhe von mehreren Hundert Millionen Euro seien entstanden.
  • Präsident Emmanuel Macron verurteilte die Gewalt und sagte den betroffenen Geschäftsinhabern Unterstützung zu.

Am Sonntag lagen auf der Place de la République, in Paris, noch immer leere Tränengaskartuschen verstreut. Reinigungskräfte kehrten Glasscherben rund um das Marianne-Denkmal zusammen. Dessen steinerner Sockel war durch Wurfgeschosse beschädigt worden.
Die englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times sprach mit Yoni, der lediglich seinen Vornamen nennen wollte. In seinem Marmorgeschäft Pierres Exclusives waren Ausstellungsstücke zertrümmert worden.
„Wir hatten mit etwas Ähnlichem gerechnet und alles getan, um das Geschäft zu schützen. Aber hier gab es nichts zu stehlen, sondern nur Dinge, die man kaputt schlagen konnte“, sagte er.
Ein Marmortisch im Wert von 25.000 Euro lag in Trümmern.
„Als wir heute Morgen hier ankamen, waren immer noch Menschen im Laden“, berichtete Yoni.

Apotheke geplündert – Schäden in sechsstelliger Höhe

Im 3. Arrondissement stand Fabien Carême zwischen den Überresten seiner Apotheke.
„Ich verstehe nicht, warum jemand eine Apotheke plündern sollte. Sie ist schließlich eine der ersten Anlaufstellen für die medizinische Versorgung“, sagte er der Epoch Times. Carême schätzt, dass allein die verlorenen Warenbestände einen Schaden von nahezu 150.000 Euro verursacht haben.
„Damit haben sie meinen kleinen Betrieb für lange Zeit lahmgelegt.“
Auch Camille Michelin, Inhaber des Optikergeschäfts Opti’Shop, bezifferte seine Verluste auf mehr als 50.000 Euro. „Das ist ein gut laufendes Unternehmen. Und sie plündern alles, sie schlagen alles kurz und klein“, sagte er.
Michelin und seine drei Mitarbeiter waren am Abend des 17. Oktober noch im Geschäft, als die Menschenmenge vorbeizog.
„Wir wurden mit Hass konfrontiert und mit Gesten bedroht, die darauf hindeuteten, dass man uns die Kehle durchschneiden wollte“, berichtete er.
Das Denkmal auf der Place de la République in Paris ist am 18. Oktober mit Parolen wie „Tod den Faschisten“ und „Antifa“ beschmiert. Foto: Etienne Fauchaire / Epoch Times

Das Denkmal auf der Place de la République in Paris ist am 18. Oktober mit Parolen wie „Tod den Faschisten“ und „Antifa“ beschmiert.

Foto: Etienne Fauchaire / Epoch Times

Die Plünderungen setzten sich in der Nacht fort. Bis zum Nachmittag des 18. Oktober registrierte die Pariser Polizei drei weitere geplünderte Geschäfte und nahm 25 Menschen fest. Die Festgenommenen seien überwiegend Jugendliche aus den Vororten gewesen, die nach geeigneten Orten für Plünderungen gesucht hätten, teilte die Polizei mit.

Geschäfte in Sekunden ausgeräumt

Ein Geschäft in der Rue Beaurepaire wurde innerhalb weniger Sekunden leer geräumt. Hunderte Demonstranten versammelten sich erneut auf der Place de la République.
Die Polizei setzte Tränengas und einen Wasserwerfer ein und schickte die Bereitschaftspolizeieinheit CRS 8 zum Einsatz. Auf dem Boulevard Voltaire brannten Barrikaden aus Mülltonnen. In angrenzenden Straßen gingen Leihfahrräder in Flammen auf.
Alexandre Bompard, Vorsitzender des französischen Handelsverbands FCD, schätzte, dass rund 1.500 Unternehmen von den Ausschreitungen betroffen waren. Der Gesamtschaden belaufe sich auf mehrere 100 Millionen Euro. Nach Angaben der Pariser Polizei beteiligten sich zwischen 500 und mehr als 1.000 Menschen an den Ausschreitungen in der Hauptstadt.
Am 18. Oktober 2026 liegen Barrikadenreste vor einem verwüsteten McDonald’s in Paris – einen Tag nach gewaltsamen Protesten der extremen Linken. Foto: Etienne Fauchaire/The Epoch Times

Am 18. Oktober 2026 liegen Barrikadenreste vor einem verwüsteten McDonald’s in Paris – einen Tag nach gewaltsamen Protesten der extremen Linken.

Foto: Etienne Fauchaire/The Epoch Times

Nachdem die eigentliche Demonstration beendet war, begannen kleinere, schwarz gekleidete Gruppen, Geschäfte zwischen der Place de la République und der Place de la Bastille aufzubrechen. Weitere Personen schlossen sich an, um zu plündern.
„Ganze Straßenzüge wurden systematisch verwüstet“, sagte der Bürgermeister Emmanuel Grégoire vor Journalisten.

Brandanschlag auf historisches Rathaus in Limoges

Auch aus anderen Teilen Frankreichs wurden schwere Ausschreitungen gemeldet. In Limoges in Zentralfrankreich wurde das historische Rathaus aus dem Jahr 1883, das unter Denkmalschutz steht, in Brand gesetzt. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich nach Angaben der Präfektur noch gewählte Amtsträger und Mitarbeiter im Gebäude.
Der Bürgermeister von Limoges, Guillaume Guérin, erklärte am 18. Oktober vor Journalisten, etwa 700 maskierte und bewaffnete linksextreme Aktivisten hätten sich unter eine Demonstration mit 5.000 Teilnehmern gemischt. Die Polizei sei nicht in der Lage gewesen, sie aufzuhalten.
„Das war vorsätzliche Brandstiftung. Ein versuchter Mord an den gewählten Vertretern der Republik“, sagte Guérin.
Auch aus Bordeaux, Lille und Marseille wurden Angriffe auf Gebäude der örtlichen politischen Verwaltung sowie Plünderungen gemeldet.

Fast 2.400 Festnahmen landesweit

Bis zum Abend des 18. Oktober zählte das französische Innenministerium landesweit 2.397 Festnahmen. Zudem seien 997 Polizisten, Militärpolizisten und Feuerwehrleute verletzt worden, sieben von ihnen schwer.
Innenminister Laurent Nuñez erklärte, Gruppen von Randalierern hätten sich auf Grundlage einer „sehr deutlichen Aufforderung der extremen Linken“ gebildet. Im Laufe des Nachmittags seien Plünderer und weitere Straftäter hinzugekommen, die die Situation ausgenutzt hätten.

Macron verurteilt Gewalt – Streit zwischen Regierung und Opposition

Präsident Emmanuel Macron verurteilte die Gewalt in einer Ansprache am Sonntag. Zugleich sagte er den betroffenen Geschäftsinhabern Unterstützung zu und kündigte an, die Verantwortlichen für die Gewalt und Zerstörung zur Rechenschaft zu ziehen.
Premierminister Sébastien Lecornu kritisierte Jean-Luc Mélenchon, den Vorsitzenden der linken Partei La France insoumise LFI. Mélenchon habe die Gewalt aus Sicht Lecornus gerechtfertigt.
Mélenchon bezeichnete den Brandanschlag auf das Rathaus in Limoges seinerseits als Verbrechen. Eine ausdrückliche Verurteilung der Ausschreitungen insgesamt lehnte er jedoch ab. Stattdessen machte er die Regierung für die Ereignisse verantwortlich.
Die rechte Politikerin Marine Le Pen warf Mélenchons Partei LFI direkt vor, mit den Randalierern in Verbindung zu stehen.
Dieser Artikel erschien im Original auf epochtimes.com unter dem Titel „Macron Vows Rioters ‘Must Pay’ as France Surveys Wreckage of Worst Unrest in Years“. (deutsche Bearbeitung: vm)
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Zwischen KI und Arzneischrank: Wie sich der Apothekerberuf verändert


In Kürze:

  • Fast jeder zweite Arbeitsschritt eines Apothekers könnte heute theoretisch automatisiert werden, bei PTA sind es sogar 77 Prozent.
  • Künstliche Intelligenz übernimmt zunehmend Routineaufgaben – doch Beratung, Erfahrung und menschliches Urteilsvermögen bleiben zentrale Bestandteile des Berufs.
  • Der Beruf verändert sich durch KI und Reformen grundlegend – nicht durch Abschaffung, sondern durch eine neue Aufgabenverteilung.

 
Fast 50 Prozent der Tätigkeiten eines Apothekers könnten heute grundsätzlich von Computern oder computergesteuerten Maschinen übernommen werden. Bei Pharmazeutisch-Technischen Assistenten (PTA) liegt dieser Wert sogar bei 77 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt die Bundesagentur für Arbeit in ihrer aktuellen Fachkräfteanalyse.
Das sogenannte „Substituierbarkeitspotenzial“ beschreibt laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit, „in welchem Ausmaß Berufe gegenwärtig potenziell durch den Einsatz von Computern oder computergesteuerten Maschinen ersetzbar sind“. Gemeint ist dabei nicht der gesamte Beruf, sondern einzelne Tätigkeiten, die theoretisch bereits heute durch digitale Systeme oder automatisierte Prozesse übernommen werden könnten.
In Apotheken betrifft dies beispielsweise die Lagerhaltung, das Bestellwesen, die Dokumentation, die Inventur oder standardisierte Prüfungen von Wechselwirkungen und Dosierungen. Die Analyse zeigt damit vor allem, welche Aufgaben sich künftig verändern und möglicherweise stärker verlagert werden könnten.
Hinzu kommt eine weitere Entwicklung: Apotheker und PTA gelten in der aktuellen Statistik nicht mehr als Engpassberufe. Der offiziell ausgewiesene Fachkräftemangel besteht in diesen Berufsgruppen damit derzeit nicht mehr.

Routine für die Maschine

Bedeutet das, dass Maschinen den Apotheker bald ersetzen – oder zeigt die Statistik vielmehr, dass sich vor allem Routineaufgaben automatisieren lassen, während der Kern des Berufs menschlich bleibt?
Die Debatte reicht weit über die Apotheke hinaus. Künstliche Intelligenz hält Einzug in nahezu alle Bereiche des Gesundheitswesens. In vielen Bereichen arbeitet KI längst im Hintergrund: Sie erkennt Auffälligkeiten auf Röntgenbildern, formuliert Arztbriefe, prüft Wechselwirkungen und unterstützt Ärzte wie Apotheker bei Routineentscheidungen. Oft merken Patienten gar nicht, dass Künstliche Intelligenz bereits beteiligt ist.
Auch in Apotheken sind digitale Systeme längst Alltag. Kommissionierautomaten übernehmen seit Jahren Teile der Lagerhaltung. Software unterstützt bei Rezepturen, verwaltet Bestände und warnt vor möglichen Risiken bei der Arzneimittelabgabe. Was vor wenigen Jahren noch wie Zukunftsmusik klang, gehört heute vielerorts zur täglichen Praxis.
Doch bedeutet das zwangsläufig, dass der ansprechbare Mensch hinter dem Apotheken-Tresen überflüssig wird?
Wenn Maschinen tatsächlich einen großen Teil der Routinetätigkeiten übernehmen könnten, bliebe Apothekern mehr Zeit für das, was keine Maschine ersetzen kann: die persönliche Beratung. Davon ist Karola H. überzeugt, die eine Apotheke im Südwesten Berlins betreibt. Dennoch sagt sie: „Die Entwicklung lässt sich nicht aufhalten. Künstliche Intelligenz wird unseren Berufsalltag verändern und hat es schon. Aber der Kern unserer Arbeit bleibt menschlich.“
Menschen kämen nicht nur wegen eines Medikaments in die Apotheke. „Sie kommen mit Sorgen, Unsicherheit oder Fragen, deren Lösungen oder auch pharmazeutische Behandlungsmöglichkeiten sich oft erst im Gespräch zeigen.“ Besonders für ältere Menschen sei die Apotheke eine wichtige Anlaufstelle – nicht nur für Beratung und Unterstützung bei gesundheitlichen Problemen, sondern auch als Ort der Begegnung und des sozialen Kontakts.

Diagnose aus der Hosentasche

Nicht nur Apotheken digitalisieren sich zunehmend, auch die Kunden verändern ihren Umgang mit Gesundheitsthemen. Immer häufiger kämen Menschen in die Apotheke, erzählt die 43-Jährige, „die sich vorher selbst eine Diagnose via ChatGPT gestellt hatten und auch schon das passende Medikament dazu. Dann wollen sie aber doch Beratung. Oft zeigt sich erst im Gespräch und durch gezieltes Nachfragen, wo das eigentliche Problem liegt.“
Karolas Beobachtung passt zu einer breiteren Entwicklung: Künstliche Intelligenz wird zunehmend für medizinische Fragen genutzt. Selbst bei den über 60-Jährigen hat bereits rund jede vierte Person in Deutschland eine KI wie ChatGPT für gesundheitlichen Rat herangezogen. Fast die Hälfte der Deutschen hat sich vor einem Arztbesuch bereits eine Einschätzung zu möglichen Beschwerden von einer KI geben lassen. Das zeigen die Ergebnisse einer repräsentativen Studie der Pronova BKK zur KI-Nutzung im privaten Alltag 2026, die den wachsenden Einsatz von KI im Gesundheitsbereich untersucht.

Ersetzen Maschinen den Apotheker?

Jahrhundertelang beruhte die Autorität des Apothekers auf einem Wissensvorsprung. Heute trägt fast jeder dieses Wissen zumindest scheinbar in der Hosentasche. Suchmaschinen und KI liefern innerhalb von Sekunden Informationen über Wirkstoffe, Dosierungen oder Nebenwirkungen. Was sie jedoch nicht leisten können, ist Erfahrung, Einordnung und verantwortungsvolles Abwägen.
Der eigentliche Wert des Apothekers liegt für Karola deshalb immer weniger im reinen Wissen, sondern in der persönlichen Beratung, der Einordnung und der Rolle als sozialer Anlaufpunkt. Dass Maschinen den Menschen hinter dem Apothekentresen vollständig ersetzen könnten, hält sie derzeit nicht für realistisch.
Für die Apothekerin ist der Einsatz von KI aktuell vor allem eine Arbeitserleichterung – besonders bei Routineaufgaben – und weniger eine Bedrohung für Arbeitsplätze. Viele Verwaltungs- und Standardprozesse lassen sich dadurch effizienter und schneller erledigen. Eine Software kann innerhalb von Sekunden Millionen Daten abgleichen und auf mögliche Risiken hinweisen. Sie erkennt statistische Zusammenhänge oft schneller als ein Mensch, das ist Karola bewusst.
„Doch sie weiß nicht und fragt auch nicht danach, warum die 84-jährige Stammkundin heute ungewöhnlich still ist. Sie sieht nicht, dass ein Patient beim Gehen leicht schwankt. Sie hört nicht den zögernden Unterton in einer Frage, hinter der sich möglicherweise eine viel größere Sorge verbirgt.“

Veränderungen von zwei Seiten

Ob Künstliche Intelligenz den Apotheker eines Tages teilweise ersetzt, wird sich zeigen. Sicher ist jedoch schon heute: Der Beruf verändert sich aus zwei Richtungen – durch den Einsatz von KI und durch politische Reformen.
Mit dem im Mai 2026 beschlossenen Gesetz zur Weiterentwicklung der Apothekenversorgung (ApoVWG) erhalten Apotheken zusätzliche Aufgaben. Künftig können sie unter anderem ihr Impfangebot erweitern; entsprechend geschulte PTA können auch bestimmte Impfungen durchführen. Hinzu kommen neue Möglichkeiten bei Vorsorge- und Präventionsleistungen sowie bestimmte diagnostische Angebote wie venöse Blutentnahmen bei Erwachsenen. Gleichzeitig soll Bürokratie abgebaut und die Organisation der Arbeitsabläufe flexibler gestaltet werden. Vorgesehen sind außerdem höhere Zuschüsse für Nacht- und Notdienste sowie erleichterte Strukturen für die Sicherung der Arzneimittelversorgung im ländlichen Raum.
Dass Künstliche Intelligenz den Apotheker vollständig ersetzen könnte, hält auch die Apothekerschaft selbst für eine falsche Annahme. In ihrem Positionspapier zum KI-Einsatz betont die ABDA, dass KI vor allem Routineaufgaben übernehmen könne. Die Verantwortung für Arzneimittelabgabe und Beratung müsse jedoch beim Apotheker bleiben. Dieser schaffe „die Brücke zwischen Mensch und Technologie“.
Während Computer und Künstliche Intelligenz Routineaufgaben zunehmend schneller erledigen, könnte sich die Apotheke stärker zu einer wohnortnahen Gesundheits- und Beratungsstelle entwickeln. Vielleicht liegt genau darin die Zukunft des Berufs: weniger Logistik, mehr persönliche Versorgung.
Maschinen können Medikamente verwalten, Daten analysieren und Millionen Datensätze in Sekunden auswerten, aber Vertrauen, Erfahrung und das persönliche Gespräch lassen sich bislang nicht automatisieren.