Die Cyberangriffe auf die Kühlanlagen von Supermärkten machen deutlich, welches Risiko die Anbindung von Geräten ans Internet birgt. Hacker ließen am Montag die Kühl- und Gefrierschränke in Geschäften in Schweden, Belgien, Estland, Finnland, Luxemburg, Italien, Irland, den Niederlanden und Portugal abtauen, sodass die Lebensmittel weggeworfen werden mussten. Auch in Deutschland gab es vereinzelte Fälle. Ähnliche Attacken hatte es Mitte Oktober bereits in Frankreich gegeben.
Warum sind Kühlschränke mit dem Internet verbunden?
Früher wurden Industrieanlagen wie Kühlsysteme vor Ort gesteuert, heute können sie häufig aus der Ferne überwacht und geregelt werden. „Meistens geschieht das über eine webbasierte Benutzeroberfläche. Man meldet sich mit einem Passwort an und kann dann einstellen, welche Temperatur der Kühlschrank haben soll“, sagt Kévin Tellier, Cybersicherheitsexperte beim Unternehmen Synacktiv.
Diese Schnittstellen „befinden sich normalerweise in einem geschlossenen Netzwerk und sollten vom Internet aus nicht zugänglich sein“, sagt Tellier. Doch in einigen Fällen hätten schon „ein paar Grundkenntnisse“ ausgereicht, um sich Zugang zu verschaffen. In Frankreich hatten es die Angreifer auf das weit verbreitete Kühlregelsystem des dänischen Herstellers Danfoss abgesehen, das auch in einem betroffenen deutschen Rewe-Markt im Einsatz ist.
Welche Gefahr birgt die Vernetzung?
Ohne angemessene Schutzmaßnahmen könnte bei „jeder Fabrik und jeder Anlage“, die mit dem Internet verbunden ist, ähnliches passieren, warnt der Cybersicherheitsexperte Olivier Daloy vom Unternehmen Zscaler. Betroffen sein könnten beispielsweise Automobilhersteller sowie die Strom- oder Verkehrsinfrastruktur.
Laut einem anderen Cyberfachmann, der anonym bleiben wollte, ist die industrielle Infrastruktur besonders anfällig, da sie IT-Systeme mit oft veralteten Anlagen verbindet. Durch das Eindringen in diese Systeme können Hacker die Maschinen kapern und Störungen in der realen Welt verursachen. Daloy sieht zwei besondere Risiken: Technischen Schwachstellen sowie gestohlene Zugangsdaten.
Wie können solche Cyberattacken verhindert werden?
Nach den Vorfällen in Frankreich empfahl das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), „aus dem Internet erreichbare Steuerungsanlagen nach dem Stand der Technik abzusichern“. Die Sicherheitsmaßnahmen seien „unkompliziert umzusetzen“, erklärte BSI-Präsidentin Claudia Plattner und riet, den direkten Zugriff aus dem Internet auf Steuerungssysteme zu unterbinden und sogenannte virtuelle private Netzwerke (VPN) und „multifaktorgeschützte Zugriffe“ zu nutzen. Zudem sollten die Systeme mit Sicherheitsupdates auf dem aktuellen Stand gehalten werden.
Wer steckt hinter den Angriffen?
Noch gibt es keine Hinweise auf die Täter und deren Motive zu den Angriffen vom Montag, es bekannte sich niemand dazu. „Es könnte jeder sein, der Angriff war nicht besonders anspruchsvoll“, sagt Tellier. Auch die Verantwortlichen für die Attacken in Frankreich sind noch nicht gefunden. Aus französischen Sicherheitskreisen hieß es, bislang gebe es keine Hinweise auf einen staatlichen Angriff. (afp/red)