Seit einiger Zeit bemüht sich China darum, eine postamerikanische Sicherheitsarchitektur im Nahen Osten zu gestalten. Pekings Ziele könnten durch das kürzlich von Saudi-Arabien, der Türkei und Pakistan unterzeichnete gemeinsame Verteidigungsabkommen von Mekka – auch „Mekka-Abkommen“ genannt – vorangebracht werden.
Im September 2020 vermittelte US-Präsident Donald Trump die Abraham-Abkommen, die eine Chance bieten, mehr Stabilität im Nahen Osten zu fördern, indem sie die regionalen Staaten dazu ermutigen, ihre Feindseligkeit gegenüber Israel in Anerkennung und Zusammenarbeit umzuwandeln.
Das kommunistische Regime in China hat die Stabilität im Nahen Osten, insbesondere den Frieden mit Israel, untergraben, indem es zum Hauptfinanzier des iranischen Regimes (durch den Kauf des Großteils seines Öls) wurde und damit den Stellvertreterkrieg des Iran gegen Israel durch die Finanzierung und Bewaffnung der Hamas, der Hisbollah und der Huthis ermöglichte.
Chinas Käufe iranischen Erdöls ermöglichten es dem Iran, den schrecklichen Krieg der Hamas gegen Israel am 7. Oktober 2023 zu finanzieren, zusätzlich zur Finanzierung des massiven Raketen- und Drohnenarsenals des Iran sowie seines Atomwaffenprogramms.
Alternative zu den USA – ohne Aussöhnung mit Israel
China hat jedoch auch militärisch-technische Beziehungen zu Saudi-Arabien, den Golfstaaten und Ägypten gepflegt, indem es den Saudis ab 1988 Mittelstreckenraketen verkaufte und Pakistan zu einer Atommacht und einer potenziellen zukünftigen Quelle „nuklearer Abschreckung“ oder sogar von Waffen ausbaute.
Durch die Erzeugung des doppelten Drucks eines nahezu atomar bewaffneten Irans und seines Angebots an fortschrittlichen Waffen, hat China eine Alternative zur von den USA geführten strategischen Architektur angeboten – eine, die ausdrücklich nicht auf einer Aussöhnung mit Israel beruht. Tatsächlich bemühte sich Peking Ende 2023, Tel Aviv zu isolieren.
Anfang 2023 versuchte China dann, seine Investitionen auf die Probe zu stellen, indem es eine erste diplomatische Annäherung zwischen Saudi-Arabien und dem Iran vermittelte. Es verlangte vom Iran nicht, seine nukleare Bedrohung zu beenden, beinhaltete aber sehr wahrscheinlich, dass China Saudi-Arabien über Pakistan künftig nukleare Abschreckung anbieten würde.
Doch diese chinesische Agenda wurde durch die wachsende Atomwaffenkapazität des Iran durchkreuzt, sodass Trump und Israel im Juni 2025 kaum eine andere Wahl hatten, als iranische Streitkräfte anzugreifen, was schließlich in den US-Luftangriffen „Midnight Hammer“ gegen iranische Produktionsanlagen für Atomwaffen gipfelte.
Pakistan bietet Saudi-Arabien seine (chinesischen) Atomwaffen an
China stellte jedoch seine militärtechnologische Unterstützung für den Iran nicht ein, insbesondere nicht die Bereitstellung von Raketen- und Drohnentechnologie. Es entschied sich sehr wahrscheinlich dafür, das begrenztere „Strategische Gegenseitige Verteidigungsabkommen“ zu fördern, welches Saudi-Arabien und Pakistan am 17. September 2025 unterzeichneten.
Pakistanische Regierungsvertreter erklärten rasch, dass Saudi-Arabien durch Pakistans Nuklearkapazitäten verteidigt werden würde – sie fügten jedoch nicht hinzu, dass dies durch Chinas jahrzehntelangen Transfer von Atomwaffen- und Raketentechnologie ermöglicht wurde.
Mit Blick auf eine neue Sicherheitsordnung im Nahen Osten erklärte der iranische Präsident Masoud Pezeshkian am 24. September 2025 vor den Vereinten Nationen: „Der Iran begrüßt den Verteidigungspakt zwischen den beiden brüderlichen Ländern, dem Königreich Saudi-Arabien und der Islamischen Republik Pakistan, als Beginn eines umfassenden regionalen Sicherheitssystems, das in Zusammenarbeit mit den muslimischen Staaten Westasiens im Bereich der politischen Sicherheit und Verteidigung entsteht.“
Der Irankrieg durchkreuzte iranische Pläne
Irans Beitritt zu einem solchen „umfassenden regionalen Sicherheitssystem“ wurde jedoch durch das erneute Bestreben des Iran, Atomwaffen zu bauen, verhindert. Das zwang Trump dazu, erneut mit Israel zusammenzuarbeiten, und am 28. Februar 2026 den Krieg zur Zerstörung der iranischen Nuklear- und Raketenstreitkräfte zu beginnen.
Die Reaktion des Iran auf den Angriff von USA und Israels bestand darin, mehr als 6.700 ballistische Raketen und Drohnen gegen Saudi-Arabien, Jordanien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar und Oman abzufeuern. Gleichzeitig sanktionierte das US-Außenministerium am 9. Mai 2026 drei chinesische Unternehmen, weil diese Satellitenaufklärungsdaten bereitgestellt hatten, die bei der Lenkung der iranischen Raketen geholfen hatten.
Doch offenbar haben für Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan ihre Feindseligkeit und ihr Misstrauen gegenüber Israel und den USA dazu beigetragen, ihr anhaltendes Interesse an einer postamerikanischen Sicherheitsarchitektur voranzutreiben. Und das trotz ihrer enormen Opfer an Waffen, Geld und Menschenleben. Hinzu kommt die mangelnde Bereitschaft, ihre militärischen Beziehungen zu China, dem Hauptfinanzier des iranischen Krieges, einzuschränken.
Als neue Ebene des saudisch-pakistanischen Verteidigungsabkommens unterzeichneten Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan am 7. August in der heiligen Stadt Mekka ihr „Mekka-Verteidigungsabkommen“. Zu diesem hieß es in ihrer gemeinsamen Erklärung an jenem Tag:
„Das Abkommen zielt darauf ab, die kollektive Abschreckung gegen jegliche Aggression zu stärken, und sieht vor, dass jeder bewaffnete Angriff gegen einen der drei Staaten als Angriff gegen alle drei Staaten betrachtet wird. Es sieht ferner die Intensivierung aller Aspekte der Verteidigungszusammenarbeit zwischen den drei Staaten vor.“
Chinesische Raketentechnologie – für Pakistan und die Türkei
Obwohl Pakistan keine unmittelbare öffentliche Erklärung abgab, dass seine Atomwaffen Saudi-Arabien und die Türkei verteidigen würden, könnte dies durch den Ausdruck „die kollektive Abschreckung stärken“ in ihrer gemeinsamen Erklärung sowie durch die Tatsache impliziert werden, dass sowohl Pakistan als auch die Türkei Interkontinentalraketen (ICBMs) entwickeln.
Pakistans ICBM-Programm wurde im Dezember 2024 von der ehemaligen US-Regierung unter Biden öffentlich bekannt gegeben. Angesichts der Tatsache, dass chinesische Technologie den Großteil der pakistanischen Programme für ballistische Raketen und Marschflugkörper unterstützt hat, wäre es logisch anzunehmen, dass chinesische Technologie auch Pakistans ICBM-Programm unterstützt oder dass chinesische Technologie auch über nordkoreanische ICBM-Systeme transferiert werden könnte.
Das Feststoffraketenprogramm der Türkei wurde durch ein Abkommen mit der China Aerospace Science and Industry Corporation aus dem Jahr 1998 zur gemeinsamen Produktion der Kurzstreckenrakete B-611 vorangetrieben.
Es ist unklar, ob das türkische Programm für die landgestützte, mit Flüssigtreibstoff betriebene Interkontinentalrakete „Yıldırım“ (Blitz) mit einer Reichweite von 3.700 Meilen, ebenfalls von chinesischer Technologie profitiert. Das Programm wurde Anfang Mai 2026 auf einer türkischen Rüstungsmesse vorgestellt.
Doch Chinas Start von vier elektro-optischen und einem hyperspektralen Überwachungssatelliten für Pakistan in den Jahren 2025 und 2026 dürfte eine weltweite Zielerfassung für Pakistans und möglicherweise auch der türkischen Interkontinentalraketen ermöglichen.
Daher wird es entscheidend sein, den Ausbau der Interkontinentalraketen Pakistans und der Türkei zu beobachten. Es muss festgestellt werden, ob ihr Ziel in einer grundlegenden „Abschreckung“ besteht oder darin, eine nukleare Raketenstreitmacht aufzubauen, die eine neue Bedrohung für Israel und die Vereinigten Staaten darstellt.
Stärkere Zusammenarbeit und Aufrüstung
Ein Aspekt des Mekka-Abkommens, der für seine Mitglieder besonders wichtig ist, ist die Entwicklung einer vertieften Zusammenarbeit in der Rüstungsindustrie. Dadurch hoffen Pakistan und die Türkei zunächst, sich größere saudische Investitionen in ihre wachsenden Sektoren der Waffenentwicklung und -produktion zu sichern.
Ihr Ziel ist es, sich stärker von amerikanischen Militärsystemen unabhängig zu machen. Doch dies könnte zu einer größeren Abhängigkeit von chinesischer Militärtechnologie führen.
Pakistan ist bereits in großem Umfang auf chinesische Technologie für Raketen, Drohnen, Panzer, Artillerie, Kriegsschiffe, U-Boote und Kampfflugzeuge angewiesen. Dazu gehört auch die gemeinsame Produktion des von der chinesischen Chengdu Aircraft Corporation entworfenen Kampfflugzeugs der 4,5. Generation vom Typ JF-17. Es wird erwartet, dass Pakistan auch das Kampfflugzeug der 5. Generation vom Typ J-35 der Shenyang Aircraft Corporation kaufen wird.
Pakistan wird zudem das chinesische konventionelle U-Boot vom Typ 039B mitproduzieren. Ein Bericht vom 19. Mai in der malaysischen Online-Publikation „Defense Security Asia“ behauptete jedoch, dass Pakistan den Erwerb von U-Booten mit ballistischen Atomraketen aus China anstrebe. Im Gegenzug dazu dürfe China den pakistanischen Luft- und Marinestützpunkt in Gwadar, der mit großzügiger chinesischer Finanzierung errichtet wurde, militärisch nutzen.
Es ist bemerkenswert, dass Pakistan möglicherweise erwog, chinesischen Luft- und Seestreitkräften den Zugang zu Gwadar zu gewähren, und damit das „abschreckende“ Potenzial des Mekka-Abkommens zu verstärken. Das geschah, während die Vereinigten Staaten versuchten, dem Iran die Kontrolle über die Straße von Hormus zu entreißen. Gwadar liegt direkt neben der US-Blockadezone.
„Guancha“: „Werden sie China zum Beitritt einladen?“
Am 13. August berichtete „Reuters“, dass ein Vertreter des türkischen Verteidigungsministeriums darauf hingewiesen habe, das Mekka-Abkommen sehe „gemeinsame Militärübungen unter Einbeziehung von Land-, See- und Luftstreitkräften sowie Luftabwehr- und unbemannten Systemen vor, zusätzlich zu einer vertieften Zusammenarbeit in der Rüstungsindustrie“.
Die Entsendung von Streitkräften der chinesischen Volksbefreiungsarmee zur Teilnahme an im Rahmen des Mekka-Abkommens organisierten Übungen wäre eine logische Folge der Vollmitgliedschaft Pakistans in der von China dominierten Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO), da der Schwerpunkt der Organisation auf groß angelegten multilateralen Militärübungen liegt. In der SCO fungieren auch Saudi-Arabien und die Türkei als „Dialogpartner“.
Die pro-Peking eingestellte „South China Morning Post“ stellte in einem Artikel vom 10. August fest, dass die Partner des Mekka-Abkommens „Schritte unternehmen, um ihre Abhängigkeit von der von den USA dominierten Sicherheitsarchitektur zu verringern und ein eigenes kollektives Verteidigungsgerüst aufzubauen“.
Und dann stellte ein Artikel der chinesischen Nachrichtenagentur „Guancha“ vom 14. August die Frage an die Partner des Mekka-Abkommens: „Werden sie China zum Beitritt einladen?“
In jenem Artikel wurde darauf hingewiesen, dass es nicht Chinas Praxis sei, formell Militärbündnissen beizutreten. Was das Mekka-Abkommen betrifft, ist China jedoch möglicherweise bereits dessen wichtigster Wegbereiter. Insbesondere über Pakistan könnte Peking als wichtige Quelle für chinesische Waffentechnologie und militärische „Abschreckungskraft“ dienen.
Pekings mittelfristige Agenda für das iranische Terrorregime – sollte es überleben – könnte darin bestehen, die Partner des Mekka-Abkommens dazu zu bewegen, den Iran als Mitglied aufzunehmen. Damit würde ein Bündnis entstehen, das für Israel und die Vereinigten Staaten eine weitaus größere Herausforderung darstellt.
Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Mecca Joint Defense Agreement: More Opportunities for Chinese Trouble-Making“. (deutsche Bearbeitung ks)


