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Zeitumstellung: Warum wir die dauerhafte Normalzeit brauchen


In Kürze:

  • Am Morgen des 25. Oktobers werden die Uhren im Rahmen der halbjährlichen Zeitumstellung um 3 Uhr auf 2 Uhr eine Stunde zurückgestellt.
  • Die „Sommerzeit“ wurde 1980 eingeführt, um Energie zu sparen, der tatsächliche Effekt ist bis heute umstritten.
  • Dass Sonnenstand und Uhrzeit ein halbes Jahr voneinander abweichen, hat spürbare Folgen.
  • Unsere innere Uhr orientiert sich vor allem am Licht und nicht daran, was auf dem Zifferblatt steht.
  • Für die Zeit nach der breit und lang diskutierten Abschaffung der Zeitumstellung kommt nur eine in Frage: die dauerhafte, vielfach zur „Winterzeit“ verkommenen, mitteleuropäische Normalzeit.

 
Am 25. Oktober werden die Uhren wieder zurückgestellt. Seit 1980 geht das jetzt so. Die Älteren werden sich noch erinnern: das war unter der Regierung von Helmut Schmidt. Wer jünger als 50 ist, kann sich daran schon nicht mehr erinnern, dass wir mal nur eine Uhrzeit hatten – und das war die Normalzeit, die wir ab dem 25.10. wieder haben.
Dann wird es um drei Uhr wieder zwei Uhr. Eine Stunde mehr Schlaf heißt es dann. Schön wär’s. Wer gewöhnlich um sechs Uhr aufwacht, kann nach der Umstellung bereits um fünf Uhr hellwach sein. Auf dem Wecker mag eine andere Uhrzeit stehen, aber verstanden hat ihr Körper das dann noch nicht.
Seit vielen Jahren setze ich mich dafür ein, diesen Irrsinn zu beenden und dauerhaft bei der mitteleuropäischen Normalzeit (MEZ) zu bleiben. Umgangssprachlich wird daraus oftmals die „Winterzeit“. Auch ARD und ZDF verwenden diesen Begriff, obwohl es sich um die MEZ handelt.
Für mich hat das Züge von Neusprech im Sinne George Orwells. Bereits die Wortwahl lenkt die Vorstellung: Wer will schon dauerhaft Winter? Das klingt nach Dunkelheit, Kälte und Verzicht. „Sommerzeit“ dagegen nach Grillabend und Lebensfreude.

Die Sonne lässt sich nicht umstellen

Das beliebteste Argument der Befürworter: „Ich möchte, dass es abends länger hell ist“. Was dabei übersehen wird: Die Sonne scheint durch das Verstellen der Uhr keine Minute länger. Wir verschieben nur unseren Tagesablauf gegenüber dem Sonnenstand.
Unsere innere Uhr orientiert sich vor allem am Licht und nicht daran, was auf dem Zifferblatt steht. Morgendliches Licht hilft dieser, sich auf den Tag einzustellen. Helligkeit am Abend kann jedoch dafür sorgen, dass wir später müde werden. Hinzu kommen die warmen Sommerabende, an denen man gerne länger draußen sitzt.
Durch die vorgestellte Uhr bleibt es scheinbar noch länger warm. Zusätzliche Wärme erzeugt die Zeitumstellung natürlich ebenso wenig wie zusätzliches Sonnenlicht. Gehen wir später ins Bett (während der Wecker weiterhin früh klingelt), wird die Schlafzeit kürzer. So können sich über die Tage unter der Woche Schlafdefizite aufbauen. Und was Schlafmangel bedeutet sollte eigentlich mittlerweile klar sein.
Für unsere Kinder und Jugendlichen ist es noch schlimmer. Während der Sommerzeit (MESZ) entspricht sieben Uhr morgens erst sechs Uhr Normalzeit. Der Schulbeginn wird gegenüber dem Sonnenstand also um eine Stunde vorgezogen. Dabei wäre gerade für Jugendliche das Gegenteil sinnvoll. In der Pubertät verschiebt sich der natürliche Schlafrhythmus nach hinten. Sie werden später müde und brauchen morgens länger, um wach zu werden. Das ist Biologie.
Untersuchungen zeigen seit Jahren, dass ein späterer Schulbeginn Jugendlichen mehr Schlaf ermöglichen und ihre Tagesmüdigkeit verringern kann. Wir erklären Bildung zu unserem wichtigsten Kapital in Deutschland und organisieren den Unterricht gegen deren biologischen Rhythmus. Mit der Sommerzeit verschärfen wir dieses Problem zusätzlich. Das muss man erst einmal fertigbringen.

Normalzeit ist keine Winterstrafe

Die Herbstumstellung fällt vielen leichter als das Vorstellen der Uhr im Frühjahr. Für die Frühjahrsumstellung sind auch gesundheitliche Risiken, etwa mehr Herzinfarkte in zeitlicher Nähe zum Wechsel, besser dokumentiert.
Trotzdem bleibt der wiederkehrende Eingriff völlig unnötig. Die amerikanische Fachgesellschaft für Schlafmedizin spricht sich ausdrücklich für eine dauerhafte Normalzeit aus. Sie passt besser zur menschlichen Tagesrhythmik.
Wer lediglich den Wechsel abschaffen und dafür die dauerhaft falsche Zeit (MESZ) festschreiben möchte, übersieht den entscheidenden Punkt, denn dann würde uns die vorgezogene Uhrzeit auch durch den Winter begleiten. Wo die Sonne im Dezember nach Normalzeit ungefähr um 8:30 Uhr aufgeht, erschiene sie bei dauerhafter MESZ erst um 9:30 Uhr.

Was jetzt beim Umgewöhnen hilft

Wer empfindlich auf die Herbstumstellung reagiert, kann Schlafenszeit und Aufstehen schon an den Tagen davor schrittweise um jeweils zehn bis fünfzehn Minuten nach hinten verschieben. Auch Mahlzeiten lassen sich etwas später legen. Nach dem Wechsel hilft ein regelmäßiger Tagesablauf. Der Versuch, die gewonnene Stunde unbedingt schlafend auszunutzen, erzeugt dagegen bei manchen Menschen zusätzlichen Druck.
Und wer ohnehin früh müde und früh wach wird, sollte nicht schon am frühen Abend auf dem Sofa einschlafen. Ein Spaziergang am späteren Nachmittag kann helfen, wach zu bleiben. Tageslicht und Bewegung gehören überhaupt zu den einfachsten Maßnahmen für einen stabilen Rhythmus. Den ganzen Tag im Halbdunkel sitzen und abends unter voller Beleuchtung auf den Bildschirm schauen? Genau das gibt dem Körper ziemlich widersprüchliche Anweisungen.
Für den gewöhnlichen Alltag empfehle ich Tageslicht am Morgen – sobald es verfügbar ist – und Bewegung im Freien. Abends darf die Wohnung dann allmählich dunkler werden. Bildschirmhelligkeit reduzieren, Blaulichtfilter am PC, Handy, etc. aktivieren und grelles Deckenlicht ausschalten.

Gedimmtes Licht und analoge Tätigkeiten am Abend helfen dem Körper herunterzufahren und sich auf den Schlaf vorzubereiten.

Foto: Pressmaster/iStock

Lange im Bett heißt noch nicht „gut geschlafen“

Mit zunehmendem Alter wird der Schlaf häufig leichter und störanfälliger. Kurzes Erwachen gehört dennoch zu einer normalen Nacht. Wer sich morgens an zwei Wachmomente erinnert, hat deshalb noch keine behandlungsbedürftige Schlafstörung.
Der Schlaf verläuft sowieso in wechselnden Stadien. In der ersten Nachthälfte liegt meist mehr Tiefschlaf, gegen Morgen werden die REM-Phasen länger, in denen lebhafte Träume besonders häufig sind. Es kommt deshalb auch darauf an, wie ungestört diese Abläufe stattfinden.
Und bitte verwechseln Sie Erschöpfung nicht mit Schläfrigkeit. Wer nach einem belastenden Tag völlig erledigt ist, kann trotzdem innerlich auf Hochtouren laufen. Sich dann vorsorglich zwei Stunden früher ins Bett zu legen, verlängert womöglich nur die Wachzeit auf dem Kissen. Entscheidend ist, ob ihre innere Uhr bereits auf Schlaf eingestellt ist.
Ein Klassiker aus der Praxis lautet: „Mit einem Glas Wein schlafe ich besser“. Häufig bedeutet das lediglich: Ich werde schneller schläfrig. Alkohol verändert jedoch die Schlafarchitektur, kann den späteren Schlaf unruhiger machen und Schnarchen sowie Atemaussetzer verstärken. Eine systematische Auswertung von 27 Studien fand Beeinträchtigungen des REM-Schlafs bereits bei niedrigen Alkoholmengen. Der Schlummertrunk hat also wie auch die Sommerzeit eine ziemlich geschickte Werbeabteilung.
Mein Vorschlag: Zwei Wochen keinen Alkohol am Abend und beobachten, wie erholt Sie morgens sind. Bei Einschlafproblemen lohnt außerdem ein Versuch ohne Koffein nach dem Mittagessen. Auch ein langer Sofaschlaf am späten Nachmittag kann die Nacht verkürzen. Dieser baut bereits einen Teil des Schlafdrucks ab, den wir abends brauchen.
Ausschlafen ist gut fürs Herz

Erwachsene sollten in der Regel 7 bis 9 Stunden schlafen.

Foto: oatawa/iStock

Melatonin stellt keine Uhr auf Knopfdruck

Beim Thema Schlaf wird inzwischen schnell nach Melatonin gefragt. Dieses körpereigene Hormon signalisiert die biologische Nacht. Helles Licht am Abend kann dessen Ausschüttung unterdrücken. Bevor ich über eine Einnahme nachdenken würde, frage ich eher nach der „Beleuchtung“ des Alltags, sprich Innenraum, Aufenthalt im Freien, usw.
Melatonin kann manchen Menschen beim Einschlafen helfen. Bei verschobenen Schlafrhythmen hängt seine Wirkung besonders vom Einnahmezeitpunkt ab. Mehr Milligramm bedeuten außerdem keineswegs zuverlässig mehr Erholung. Benommenheit am Morgen ist möglich – bei empfindlichen Menschen auch bei unter drei Milligramm. Deshalb würde ich eher mit einer niedrigen Dosis beginnen und zunächst prüfen, ob Melatonin zum jeweiligen Schlafproblem passt. Wer nach der Herbstumstellung ohnehin zu früh einschläft und zu früh aufwacht, sollte es nicht einfach möglichst früh am Abend nehmen. Das kann den Rhythmus weiter in die unerwünschte Richtung verschieben.

Mit dem zirkadianen Rhythmus sollen wiederkehrende körperliche Tätigkeiten wie Schlaf und Nahrungsaufnahme relativ konstant bleiben.

Foto: ger/Epoch Times; nach Pikovit44/iStock

Wenn nachts das Gedankenkarussell beginnt

„Noch vier Stunden bis zum Wecker.“ Später: „Jetzt nur noch drei.“ Wer nachts so rechnet, macht sich zusätzlichen Stress. Schlaf lässt sich sowieso nicht erzwingen, also drehen Sie die Uhr weg. Werden Sie zunehmend unruhig, stehen Sie vorübergehend auf, lesen bei gedämpftem Licht etwas Ruhiges und gehen zurück, sobald Sie schläfrig werden. Unerledigte Aufgaben lassen sich schon abends aufschreiben. Ich schätze außerdem das autogene Training nach Professor Schultz. Es braucht natürlich Übung und einen Lehrer, der es einem beibringt.
Lautes Schnarchen mit Atemaussetzern, ausgeprägte Tagesmüdigkeit, Schmerzen oder ständiger nächtlicher Harndrang verlangen dagegen eine Untersuchung. Bei anhaltender Schlaflosigkeit ist eine speziell darauf abgestimmte kognitive Verhaltenstherapie eine wirksame Behandlung. Sie geht über allgemeine Schlaftipps hinaus und hilft unter anderem, die Verbindung zwischen Bett, Grübeln und angestrengtem Einschlafen zu lösen.
Hilfreich kann zuvor ein einfaches Schlaftagebuch sein: morgens Schlafenszeit, längere Wachphasen und das Befinden am Tag grob notieren. Dazu Kaffee, Alkohol und Nickerchen festhalten. Keine nächtliche Buchführung, keine Jagd nach perfekten Messwerten. Nach zwei Wochen werden manche Zusammenhänge deutlicher.

Fazit

Guter Schlaf beginnt lange vor dem Zubettgehen. Mit dem Licht, dem Tagesablauf und der Frage, was uns wach hält. Die Politik könnte wenigstens mal aufhören, uns zweimal jährlich dazwischenzufunken und uns endlich die Normalzeit wiedergeben. Und wer es Abends länger hell möchte, darf seine Uhrzeit gerne alleine umstellen und nicht alle Bürger dazu verdammen das falsche Zeitsignal dauerhaft erdulden zu müssen.
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Verursacht die Sonne Krebs – oder verhindert sie ihn?

In den letzten Jahrzehnten ist das Bewusstsein für die Gefahren durch Sonnenstrahlung stark gewachsen. Die Risiken, vor allem Hautkrebs, vorzeitige Hautalterung und Grauer Star, sind heute vielen Menschen bekannt.
Doch ein angemessenes Maß an Sonnenlicht bringt wichtige Vorteile für unsere Gesundheit und immer mehr wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen einen Zusammenhang zwischen zu wenig Sonne und einem erhöhten Risiko für andere Krebsarten wie beispielsweise Darmkrebs oder Brustkrebs.

Sonnenexposition erhöht das Hautkrebsrisiko – aber was ist mit anderen Krebsarten?

Viele Menschen verbinden Sonnenexposition sofort mit Hautkrebs. Das ist verständlich, da Hautkrebs in Deutschland die häufigste Krebserkrankung ist. Davon entfällt ein Großteil der Diagnosen auf den sogenannten weißen oder hellen Hautkrebs, bei dem die durchschnittliche Sterberate laut Daten des Robert-Koch-Instituts über 10 Jahre unter einem Prozent liegt. Allerdings steht intensive Sonnenexposition mit einem erhöhten Risiko für den gefährlicheren schwarzen Hautkrebs in Verbindung, an dem in Deutschland jährlich etwa 3000 Menschen sterben.
Mittlerweile zeigt die Krebsforschung jedoch ein differenzierteres Bild: Zu wenig Sonnenlicht steht wiederum mit einem erhöhten Risiko für andere Krebsarten in Verbindung.
Bevor wir tiefer in dieses spannende Paradoxon eintauchen, lohnt es sich, erst einmal zu verstehen, wie Sonnenlicht eigentlich in unserem Körper wirkt, vor allem über Vitamin D.
Die Energie der Sonne erreicht die Erde in vielen Formen: als sichtbares Licht, Wärme (Infrarot), ultraviolette Strahlung (UV), aber auch als Radiowellen, Röntgen- und Gammastrahlen.
Von der ultravioletten Strahlung erreichen uns zwei Arten, nämlich UVA und UVB. Die dritte Art, UVC, wird bereits in der Atmosphäre herausgefiltert.
Besonders wichtig ist das UVB-Licht: Es trifft auf die Haut und wandelt dort eine Vorstufe von Cholesterin in Vitamin D3 um. Danach wird es in zwei Schritten aktiviert: Erst baut die Leber es in die Speicherform (Calcidiol) um, und die Nieren machen daraus schließlich das aktive Vitamin D (Calcitriol).
Dieser Zusammenhang zwischen Sonneneinstrahlung und Vitamin-D-Produktion scheint der Kern der krebshemmenden Wirkung des Sonnenlichts zu sein.
Im Jahr 2022 ergab eine in der Fachzeitschrift „Nutrients“ veröffentlichte Studie, dass moderate Sonnenexposition mit einem geringeren Erkrankungs- und Sterberisiko für bis zu 23 Krebsarten, darunter Darmkrebs, Brustkrebs oder Prostatakrebs, in Zusammenhang steht.
Laut einer weiteren Studie in der Fachzeitschrift „Environmental Health Perspectives“ haben Menschen in hohen Breitengraden mit wenig Sonne ein höheres Risiko, an bestimmten Krebsarten zu sterben, als Menschen in sonnenreichen Regionen. Dazu gehörten laut den Studienautoren unter anderem das Hodgkin-Lymphom sowie Darm-, Brust-, Eierstock-, Prostata- und Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Laut einer umfassenden Studie in „Nutrients“ haben Metaanalysen mehrerer Beobachtungsstudien gezeigt, dass ein signifikanter Zusammenhang zwischen höheren 25-Hydroxyvitamin-D-Spiegeln im Blut und einer geringeren Krebsinzidenz besteht.
US-Forscher haben eine Metaanalyse aus zwei randomisierten klinischen Studien und einer großen Kohortenstudie durchgeführt.
Bei insgesamt 5.038 Frauen zeigte sich folgendes Ergebnis: Frauen mit dem höchsten Vitamin-D-Spiegel (≥ 60 ng/ml) hatten ein um 82 Prozent geringeres Brustkrebsrisiko als Frauen mit dem niedrigsten Spiegel (unter 20 ng/ml).
Nach Bereinigung der Daten um Alter, Body-Mass-Index, Raucherstatus und die Einnahme von Calciumpräparaten wies die gleiche Gruppe immer noch ein um 80 Prozent geringeres Risiko auf, an Brustkrebs zu erkranken, als diejenigen mit der niedrigsten 25-Hydroxyvitamin-D-Konzentration.
Eine weitere Metaanalyse ergab, dass Brustkrebspatientinnen mit der höchsten 25-Hydroxyvitamin-D-Konzentration eine um etwa die Hälfte geringere Sterblichkeitsrate aufwiesen als jene mit der niedrigsten Konzentration.
In einer klinischen Studie nahmen mehr als 2.300 Frauen im Alter von 55 Jahren und älter mit Wohnsitz in Nebraska täglich 2.000 IE Vitamin D3 – das Zwei- bis Vierfache der empfohlenen Tagesdosis – und 1.500 Milligramm Calcium zu sich.
Die Ergebnisse zeigen, dass in den folgenden zwei bis vier Jahren Personen, die eine 25-Hydroxyvitamin-D-Konzentration im Blut von 55 ng/ml erreichten, ein um 35 Prozent geringeres Risiko hatten, an Krebs zu erkranken, als diejenigen mit einer Konzentration von 30 ng/ml.
Eine Metaanalyse von fünf Studien ergab, dass Personen mit einer 25-Hydroxyvitamin-D-Konzentration von 12 ng/ml oder weniger ein um 50 Prozent höheres Risiko für Darmkrebs hatten als diejenigen mit einer Konzentration von 33 ng/ml oder mehr.

Wie beugt Sonneneinstrahlung Krebs vor?

„Wir glauben, dass Vitamin D eine Vielzahl von Rollen spielt, um das Risiko vieler tödlicher Krebsarten zu senken“, sagte Michael F. Holick, Professor für Pharmakologie, Physiologie und Biophysik an der Chobanian & Avedisian School of Medicine der Boston University, gegenüber Epoch Times.
Studien wie die in „Nutrients“ veröffentlichte deuten darauf hin, dass die aktive Form von Vitamin D3 eine Vielzahl von krebshemmenden Wirkungen hat, darunter die Hemmung des Krebszellwachstums, die Induktion der Krebszellreifung und Apoptose, die Verringerung der Angiogenese sowie die Verringerung der Krebszellmetastasierung.
„Die aktive Form von Vitamin D kann verhindern, dass sich Zellen zu Krebszellen entwickeln. Und falls dies doch geschieht, kann sie auch deren Fähigkeit zur Nährstoffaufnahme beeinträchtigen und letztendlich zu ihrem Absterben führen, indem sie die Angiogenese unterbindet“, sagte Holick.
Aktives Vitamin D3 ist ein Hormon, das laut einer 2022 in „Nutrients“ veröffentlichten Übersichtsstudie das Immunsystem regulieren kann, indem es auf verschiedene Immunzellen einwirkt.
Niedrige Vitamin-D-Spiegel werden oft mit einer leichten Entzündung in Verbindung gebracht, was sich in erhöhten C-reaktiven Proteinwerten widerspiegelt, die einen signifikanten Risikofaktor für Krebs darstellen.
Zellversuche haben gezeigt, dass aktives Vitamin D3 die Produktion proinflammatorischer Zytokine hemmen kann, was dazu beitragen könnte, chronische Entzündungen zu reduzieren.

Geringe Mengen an UV-Strahlung sind vorteilhaft bei der Krebsbekämpfung

Neben dem durch UV-Strahlung gebildeten Vitamin D kann auch die Strahlung selbst vorteilhaft sein.
Laut einer Übersichtsarbeit in „Progress in Biophysics and Molecular Biology“ überwiegt die schützende Wirkung von weniger intensiver solarer UV-Strahlung auf den menschlichen Körper die potenziell mutagene Wirkung der Strahlung.
Tierversuche haben zudem gezeigt, dass eine Vitamin-D-Supplementierung und die Exposition gegenüber UV-Strahlung zu einer Verringerung der Größe von Dickdarmtumoren bei Mäusen führen können.

Sonneneinstrahlung reguliert den Tagesrhythmus und erzeugt weitere aktive Substanzen

Regelmäßige Sonneneinstrahlung kann den Tagesrhythmus regulieren und die Ausschüttung verschiedener Hormone im menschlichen Körper beeinflussen.
Einige Untersuchungen legen nahe, dass Melatonin das Tumorwachstum hemmen kann und dass die Lichtexposition am Tag die hemmende Wirkung von nächtlichem Melatonin auf das Wachstum von Prostata-, Leber- und Brustkrebs verstärkt.
Der Vorläufer von Melatonin, Serotonin, wird durch die Exposition gegenüber Tageslicht beeinflusst. Es wird normalerweise tagsüber produziert und erst im Dunkeln in Melatonin umgewandelt.
Die Sonnenexposition am Morgen fördert die Ausschüttung von Serotonin, was wiederum die Produktion von Melatonin in der Nacht beschleunigt, so der Artikel in „Environmental Health Perspectives“.
Das erhöhte Krebsrisiko bei Nachtarbeitern könnte auf ihren gestörten Tagesrhythmus zurückzuführen sein, der die Produktion von Melatonin beeinflusst.
Sonnenlicht führt nicht nur zur Bildung von Vitamin D3 in der Haut, sondern erzeugt auch andere Fotoprodukte aus Prävitamin D3, die zusätzliche einzigartige biologische Wirkungen haben.
„Es erzeugt eine ganze Reihe anderer Stoffe“, sagte Holick.
Eine systematische Übersicht in „Dermatoendocrinology“ wies darauf hin, dass unzureichende Sonnenexposition viele weitere Risiken mit sich bringt, darunter eine erhöhte Gesamtmortalität, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, das metabolische Syndrom, Typ-2-Diabetes, Adipositas und Alzheimer.
Sie steht auch im Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko, an Multipler Sklerose, Typ-1-Diabetes, Psoriasis, rheumatoider Arthritis, nicht alkoholischer Fettlebererkrankung, Makuladegeneration, Statinunverträglichkeit und Kurzsichtigkeit zu erkranken.

Wie man sich sicher und effizient der Sonne aussetzt

Die medizinische Fachwelt stellt daher eine moderate Sonnenexposition in den Mittelpunkt.
Laut der Studie in „Progress in Biophysics and Molecular Biology“ werden unter normalen Umständen etwa 90 Prozent des für den Körper essenziellen Vitamin D durch Sonnenexposition gewonnen.
Allerdings verbringen die Menschen heute viel weniger Zeit in der Sonne, insbesondere seit der COVID-19-Pandemie.
Laut den National Institutes of Health sollte der 25-Hydroxyvitamin-D-Spiegel im Plasma einer Person nicht unter 20 ng/ml liegen. Schätzungen zufolge steigt der 25-Hydroxyvitamin-D-Spiegel im Blut pro 100 IE eingenommenem Vitamin D nur um 1 ng/ml (2,5 nmol/l).
Für die meisten Erwachsenen kann eine regelmäßige und kurze Sonnenexposition ausreichend Vitamin D liefern, was effektiver ist als die tägliche Einnahme von 1.000 IE Vitamin D3.
Holick sagte, der 25-Hydroxyvitamin-D-Spiegel sollte 75 nmol/l (30 ng/ml) erreichen. Der ideale Bereich liege zwischen 40 und 60 ng/ml.
Im Allgemeinen wird empfohlen, Arme, Beine und andere Körperteile mehrmals pro Woche für 10 bis 15 Minuten der Sonne auszusetzen.
Dies ist jedoch keine absolute Regel, da Faktoren wie Jahreszeit, Breitengrad, Wetter, Tageszeit, Hautpigmentierung, Kleidung, Alter, die Verwendung von Sonnenschutzmitteln und die Frage, ob das Licht durch Glas fällt, die Produktion von Vitamin D3 in der Haut beeinflussen können.
Im Winter beispielsweise trifft das Sonnenlicht in einem schrägeren Winkel auf die Atmosphäre und mehr UVB-Photonen werden von der Ozonschicht absorbiert.
In Gebieten nördlich des 37. Breitengrades auf der Nordhalbkugel kann der Rückgang der Anzahl der UVB-Photonen, die die Erdoberfläche erreichen, von November bis Februar zwischen 80 und 100 Prozent betragen.
 

Im Winter trifft das Sonnenlicht in einem schrägeren Winkel auf die Atmosphäre, sodass mehr UVB-Photonen von der Ozonschicht absorbiert werden.

Foto: choochart choochaikupt/iStock

Am Morgen oder am Abend ist der Winkel des Sonnenlichts so schräg, dass selbst im Sommer die Geschwindigkeit, mit der Vitamin D3 in der Haut von Menschen in diesen Regionen gebildet wird, sehr gering ist.
Menschen mit hellerer Haut benötigen möglicherweise nur kurze Zeit in der Sonne, um ausreichend Vitamin D zu erhalten, während Menschen mit dunklerer Haut möglicherweise mehr Zeit benötigen, um denselben Effekt zu erzielen.
Für die meisten hellhäutigen Menschen kann laut dem zuvor erwähnten Artikel in „Environmental Health Perspectives“ ein halbstündiges Sonnenbad in Badekleidung in der Sommersonne innerhalb der folgenden 24 Stunden die Freisetzung von 50.000 IE (1,25 mg) Vitamin D in den Blutkreislauf auslösen, während die gleiche Sonnenexposition bei Menschen mit gebräunter Haut 20.000 bis 30.000 IE Vitamin D liefert und bei Menschen mit dunkler Haut 8.000 bis 10.000 IE Vitamin D.
Laut einer Studie der Universität Genf können durch eine 10- bis 15-minütige Sonnenexposition im Frühling und im Sommer von 22 Prozent der Haut 1.000 IE Vitamin D gebildet werden.
Im Herbst und im Winter ist es jedoch schwieriger, allein durch Sonneneinstrahlung ausreichend Vitamin D zu erhalten, da Menschen in der Regel nur 8 bis 10 Prozent ihrer Haut der Sonne aussetzen, was eine Sonnenexposition von 6,5 Stunden erfordern kann, um die gleiche Menge an Vitamin D zu erhalten.
Eine Studie mit 2.360 Erwachsenen in den USA aus dem Jahr 2022 zeigt, dass eine tägliche Sonnenexposition von etwa 35 Minuten zwischen 9 und 17 Uhr, ohne bewusst zur Mittagszeit ein Sonnenbad zu nehmen, zu idealen Vitamin-D-Serumspiegeln (unter 50 nmol/l) führen kann.
Holick rät außerdem dazu, das Gesicht, das am anfälligsten für Sonnenbrand ist, beim Sonnenbaden zu schützen. Arme, Beine, Bauch und Rücken für eine angemessene und kurze Dauer ohne Sonnenschutzmittel der Sonne auszusetzen, kann laut dem Forscher eine signifikante Menge Vitamin D erzeugen.

 
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Does the Sun Cause or Prevent Cancer?“. (deutsche Bearbeitung: vm)