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Spritkrise: Schweiz prüft Tempo 80 auf allen Autobahnen

Die Schweiz prüft Maßnahmen, um sich auf eine mögliche Verschärfung der Treibstoffknappheit vorzubereiten.
Im Gespräch ist eine Senkung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf den Schweizer Autobahnen von aktuell maximal 120 auf 80 km/h. Bei niedrigerer Geschwindigkeit sinkt der Luftwiderstand und entsprechend der Spritverbrauch. Schweizer Medienberichten zufolge hat das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) entsprechende Vorbereitungen bestätigt.
Ein Tempolimit sei demnach eine Option, falls sich die Mangellage weiter verschärfen sollte. Daneben könne die Schweizer Regierung die Bevölkerung zum bewussten Spritsparen aufrufen. Daneben könne die Schweizer Regierung die Bevölkerung zum bewussten Spritsparen aufrufen. Das könne etwa durch verstärkte Bildung von Fahrgemeinschaften, das Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel und eine „Reduktion des Freizeitverkehrs“ geschehen.

Freigabe von Lagerbeständen

„Die Lage bleibt für alle Mineralölprodukte angespannt und fragil“, teilte das BWL am Freitag, 23. Oktober, mit.
Um die Versorgung vorläufig zu stabilisieren, hat der Delegierte für wirtschaftliche Landesversorgung, Roland Pfister, Diesel aus den Mineralöl-Pflichtlagern freigegeben. Auslöser waren laut BWL verzögerte Pipelinelieferungen wegen Starkregens in Südfrankreich.
Demnach dürfen aus diesen Beständen vom 23. Oktober bis zum 22. November 2026 bis zu 45.000 Kubikmeter Dieselöl, also 45 Millionen Liter, bezogen werden. Diese Menge entspricht knapp 4 Prozent der aktuell vorhandenen Pflichtlagermenge an Dieselöl.
Da auch im Flugverkehr Engpässe aufgetreten sind, gab der Schweizer Bund für diesen Sektor bereits bis zu 6,5 Prozent bei Flugpetrol aus den Pflichtlagern frei. Die Versorgung mit Benzin und Heizöl sei hingegen sichergestellt.

Auslöser der Verknappung

Die angespannte Versorgungslage hat weitere Ursachen. Im Nahen Osten ist der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus stark eingeschränkt. Vor Beginn des Irankrieges verließen hier rund 20 Prozent der weltweiten Erdöllieferungen die Region, um andere Länder zu beliefern.
Zudem attackieren die Huthi-Rebellen Schiffe, die die Meerenge Bab al-Mandab passieren, sowie Öl-Einrichtungen in Saudi-Arabien. Das verschärft die Lage zusätzlich.
Hinzu kommen in Mitteleuropa die niedrigen Pegelstände des Rheins, die die Schifffahrt einschränken, sowie Verzögerungen im Bahnverkehr. Auch diese Einschränkungen bremsen geplante Treibstofflieferungen zu den Tankstellen spürbar.

80 km/h gilt auf manchen Abschnitten bereits

Ein Tempolimit von 80 km/h ist auf Schweizer Autobahnen grundsätzlich keine völlig neue Maßnahme. An vielen Stellen existieren bereits digitale und somit flexible Geschwindigkeitsanzeigen.
Das Bundesamt für Straßen kann dort nach Bedarf, etwa bei hohem Verkehrsaufkommen, die Geschwindigkeitsvorgabe anpassen. Diese kann somit kurzfristig von 120 auf 100 oder 80 km/h sinken und bei einer Verkehrsentspannung wieder steigen.
Ziele dieser flexiblen Geschwindigkeitsvorgabe waren bisher die Gewährleistung eines besseren Verkehrsflusses sowie die Vermeidung von Staus. Durch die Treibstoffknappheit kann künftig das Spritsparen einen weiteren Grund einer Absenkung darstellen – zumindest, solange der Engpass besteht.