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Explosion in Umspannwerk sorgt für Ampel-Chaos in Berlin


In Kürze:

  • Technischer Defekt wahrscheinlich: Nach einer Explosion brannte in Berlin-Tiergarten ein Umspannwerk. Die Polizei geht derzeit von einem technischen Defekt als Ursache aus.
  • Dutzende Ampeln ausgefallen: Infolge von Spannungsschwankungen nach Netzumschaltungen fielen berlinweit zeitweise etwa 50 bis 60 Ampelanlagen aus, nach anderen Angaben bis zu 90.
  • Sabotage nicht ausgeschlossen: Einen Anschlag halten die Ermittler derzeit für wenig wahrscheinlich. Wegen jüngster Sabotageakte gegen das deutsche Stromnetz wird jedoch weiterhin in alle Richtungen ermittelt.

 
Ein Brand in einem Umspannwerk am Montagmorgen, 7. September, in Berlin könnte weitreichendere Folgen gehabt haben als ursprünglich angenommen. Obwohl die Auswirkungen auf die allgemeine Stromversorgung der Hauptstadt überschaubar blieben, fielen im gesamten Stadtgebiet teilweise gleichzeitig die Ampelanlagen aus.
Ursache könnten Spannungsschwankungen infolge erforderlich gewordener Netzumschaltungen gewesen sein. Wie der rbb berichtet, sprach Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel am Vormittag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses von einem „technischen Defekt“ als wahrscheinlicher Ursache.

„Erheblicher Schaden“ am Umspannwerk – aber keine Verletzten

Dieser Defekt habe in einem Umspannwerk in Berlin-Tiergarten einen Kurzschluss ausgelöst, der zu einer Explosion und in weiterer Folge zu einem Brand geführt habe. Allerdings sei die Untersuchung durch die Experten der Kriminaltechnik im Landeskriminalamt (LKA) noch nicht abgeschlossen. Der erste Alarm ging nach bisherigen Erkenntnissen gegen 02:41 Uhr bei der Berliner Feuerwehr ein. Dabei war die Rede von einem Vorfall auf dem Gelände eines Umspannwerks in der Bissingzeile in Berlin-Tiergarten.
Anschließend seien 54 Feuerwehrleute im Einsatz gewesen. Die Löscharbeiten sollen mehr als fünf Stunden in Anspruch genommen haben. Gegen 08:00 Uhr konnten die Einsatzkräfte sie beenden. Es gab keine Verletzten. Der Betreiber der Anlage, der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, sprach jedoch von einem „erheblichen Schaden“. Auch bei 50Hertz geht man bislang von einem technischen Defekt aus.
Ein Anschlag gilt nach derzeitigem Ermittlungsstand als wenig wahrscheinlich. Allerdings ermittelt die Polizei weiter in alle Richtungen. Die Serie an mutmaßlichen Sabotageakten in den vergangenen Tagen hat die Sicherheitskräfte hellhörig werden lassen. Deshalb sagte Polizeisprecher Florian Nath, frühere Sabotageakte gegen das deutsche Stromnetz würden bei den Ermittlungen „mitgedacht“.

Ermittler seit Sabotageserie zusätzlich hellhörig

Der Sprecher der Gewerkschaft der Polizei Berlin (GdP), Benjamin Jendro, warnte ebenfalls davor, Fremdeinwirkung vorzeitig auszuschließen. Gegenüber dem „Tagesspiegel“ äußerte er: „Wenn es in einem Berliner Umspannwerk brennt, läuten logischerweise sofort alle Alarmglocken.“
Zwar erscheine der technische Defekt als „höchstwahrscheinliche“ Ursache. Um vorsätzliche Brandstiftung definitiv ausschließen zu können, müssten die Ermittlungen vollständig abgeschlossen sein. Es sei „leider zu erwarten“, dass „auch unsere Berliner Versorgung auf kurz oder lang wieder ins Visier von Stromterroristen gerät“.
Anfang des Monats hatte sich eine Serie von Sabotageaktionen gegen das deutsche Stromnetz ereignet. Mutmaßliche Tathandlungen hatten sich unter anderem in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen ereignet. In diesem Zusammenhang läuft derzeit eine intensive Fahndung nach einem 48-jährigen Tatverdächtigen. Bereits zu Beginn des Jahres hatte ein Anschlag auf die Stromversorgung in Berlin zu einem mehrtägigen Stromausfall geführt, der mehrere Bezirke betraf.

Bis zu 90 Berliner Ampeln zeitweise außer Betrieb

Die Stromversorgung selbst blieb in der Hauptstadt stabil. Ein großflächiger Stromausfall trat nicht ein. Allerdings kam es mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Spannungsschwankungen, als Strom im Netz zwischen 02:00 Uhr und 03:00 Uhr morgens umgeleitet werden musste.
Am Montagmorgen fielen dann in Berlin ungewöhnlich viele Lichtsignalanlagen gleichzeitig aus. Die Verkehrsinformationszentrale Berlin (VIZ) und die Senatsverkehrsverwaltung sprachen zunächst von etwa 50 bis 60 Ampelanlagen. Es gab aber auch Angaben über bis zu 90 betroffene Anlagen.
Die Störungen traten dabei nicht allein im engeren räumlichen Umfeld des Stadtteils Tiergarten auf. Sie waren an unterschiedlichen Stellen der Stadt zu beobachten. Ampeln können auf Spannungsschwankungen sensibel reagieren; deshalb liegt ein Zusammenhang mit diesem Effekt der Netzumschaltungen nahe.

Folgewirkungen des Brandes im Umspannwerk noch bis Mittag im Verkehr registriert

Es war möglich, die meisten Ampeln aus der Ferne zu reaktivieren. In einigen Fällen mussten Techniker jedoch ausrücken, um diese vor Ort wieder funktionstüchtig zu machen. Ziel war es, bis Mittag alle Anlagen wieder in Betrieb zu nehmen. Beobachter wie das „Verkehrsstudio Berlin“ meldeten um 11:55 Uhr noch mindestens 35 ausgefallene Anlagen, seither jedoch keine mehr.
Am Montagmorgen sorgte die Situation für teils erhebliche Verkehrsbehinderungen. So fiel unter anderem die Ampelanlage an der Einfahrt Invalidenstraße am Tiergartentunnel (B 96) aus. Dadurch mussten die Ein- und Ausfahrten des Tunnels zeitweise gesperrt werden.
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Bekennerschreiben nach Angriff auf Kraftwerk in Brandenburg aufgetaucht

Nach dem Angriff auf ein Umspannwerk am Kohlekraftwerk Jänschwalde im Süden Brandenburgs ist ein Bekennerschreiben aufgetaucht. Das Brandenburger Polizeipräsidium in Potsdam teilte am Donnerstag, 3. September, mit, über ein Bekennerschreiben im Zusammenhang mit dem Anschlag informiert worden zu sein.
„Die Authentizität des Schreibens ist Gegenstand weiterer Ermittlungen und kann zum jetzigen Zeitpunkt weder bestätigt, noch verneint werden“, hieß es. „Aus ermittlungstaktischen Gründen“ würden keine weiteren Angaben gemacht.
Der „taz“ zufolge bekennt sich im Bekennerschreiben ein Einzeltäter zu der Tat und beschreibt detailliert die verwendeten Selbstbauraketen.
„Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen, das unsägliches Leid nach sich zieht“, zitiert die Zeitung aus dem Schreiben. Dieses Leid wolle er „abwenden oder vermindern“.
Das Schreiben ist demnach handschriftlich verfasst und wurde laut Poststempel in Nordrhein-Westfalen verschickt. Die „taz“ hat nach eigenen Angaben an der Adresse nur ein anderes Familienmitglied angetroffen.
Dieses gab demnach an, keine Kenntnis von der Tat und dem aktuellen Aufenthaltsort des Mannes zu haben, erkannte aber die Handschrift des Angehörigen.
Am Dienstag hatten Unbekannte einen Angriff auf das Umspannwerk verübt. Dabei kamen laut Netzbetreiber 50Hertz „selbstgebaute Flugkörper, die handelsüblichen Silvesterraketen ähneln“, zum Einsatz.
Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) zufolge wurde versucht, eine Verbindung zwischen der Höchstspannungsleitung und dem Erdboden herzustellen und so einen Kurzschluss auszulösen. Die Polizei nahm Ermittlungen unter anderem wegen Terrorverdachts auf. (afp/red)
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Verdreifachung der Stromnachfrage: Hamburg begrenzt Netzanschlüsse


In Kürze:

  • Hamburg führt mit „Fair Grid“ ein neues Verfahren zur Vergabe großer Stromanschlüsse ein
  • Betroffen sind Anschlüsse über 1,5 MVA Leistung
  • Privathaushalte und bestehende Kunden bleiben ausgenommen
  • Statt „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ gilt künftig eine anteilige Kapazitätsvergabe
  • Hintergrund sind steigender Strombedarf und Verzögerungen beim Netzausbau

 
Hamburg führt neue Regeln für große Stromanschlüsse ein. Am Dienstag, 19.5., haben die Hamburger Energienetze mitgeteilt, zeitnah ihr sogenanntes „Fair Grid“-Projekt umzusetzen. Dieses beschreibt ein sogenanntes Repartierungsverfahren zur Vergabe neuer Netzanschlüsse. Galt bisher das sogenannte Windhundprinzip – auch bekannt als „First come, first served“ oder „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“. Bei diesem erfolgte die Vergabe nach der Reihenfolge des Eingangs einer Anfrage.

„Fair Grid“ gilt nur für etwa ein Prozent der Anschlüsse

Die Änderung gilt vorerst ausschließlich für Anschlüsse im Bereich hoher mittlerer Spannungen mit einem Leistungsbedarf von mehr als 1,5 Megavoltampere (MVA). Dies betreffe etwa ein Prozent aller Anschlussverfahren. Für Privathaushalte, Gewerbebetriebe oder Betreiber von Wärmepumpen oder Wallboxen für E-Autos ändert sich bis auf Weiteres nichts. Insbesondere ist das Fair-Grid-Projekt von der sogenannten Spitzenglättung zu unterscheiden.
Während es sich bei dieser um ein Betriebsinstrument für Engpässe im laufenden Betrieb bestehender Anschlüsse handelt, ist Fair Grid eine vorgelagerte Form der Kapazitätssteuerung. Hier geht es um die Vergabe knapper Anschlusskapazitäten – also darum, wer überhaupt wie viel an Netzleistung zugesagt bekommt. Fair Grid ist eher ein Planungs- und Verteilungsinstrument für neue Anschlüsse.
Die Netzgesellschaft betont, dass die neuen Regeln auch nicht für bestehende Netzkunden gelten – auch nicht solche mit hohem Verbrauch, etwa aus der Industrie. Mit dem neuen Vergabeverfahren wolle man nur auf den „hohen Anstieg von Anschlussanträgen für besonders stromintensive Anlagen“.

Verdreifachung der Stromnachfrage in Hamburg erwartet – auch wegen E-Auto und Wärmepumpe

Dazu gehören etwa Batteriespeicher oder Rechenzentren. Darüber hinaus müsse man auf Verzögerungen beim Aus- und Neubau von Netzverknüpfungspunkten durch den Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz Transmission reagieren. Fair Grid solle die „diskriminierungsfreie und faire Vergabe von neuen Netzanschlüssen und flexiblen Anschlussvereinbarungen“ gewährleisten.
Die Hamburger Energienetze rechnen allein in den kommenden 20 Jahren mit einer Verdreifachung der Nachfrage nach Strom – und damit einer erforderlichen Verdreifachung der Leistungskapazitäten. Treiber der Entwicklung sind die Elektrifizierung des Verkehrs, die wachsende Bedeutung von Wärmepumpe sowie neue KI-Rechenzentren und große Batteriespeicher.
Zwar vergrößert sich auch in Hamburg die Stromproduktion aus Windparks und Solaranlagen. Der Netzausbau kann damit jedoch nicht immer schritthalten. Es fehlten etwa Transformatoren, die zum Teil bereits 2017 bestellt, aber noch nicht geliefert worden seien. Gegenüber dem NDR erklärte Gabriele Eggers, die Chefin der Hamburger Energienetze:
„Wir haben teilweise schon 2017 Transformatoren bestellt, damit diese größere Last nach Hamburg kommen kann. Diese sind aktuell aber immer noch nicht eingetroffen, weil das ebenfalls ein knappes Gut ist.“
Auch bedürfe es noch weiterer Netzverknüpfungspunkte, Leitungen und Übertragungskapazitäten.

„Zentrale Herausforderung des steigenden Leistungsbedarfs im Stromnetz gezielt adressieren“

Künftig werde es keine automatische Vollzuteilung von Neuanschlüssen geben. Stattdessen werde es im Rahmen des Repartierungsverfahren eine anteilige Kapazitätsvergabe geben. Diese richte sich nach den jeweils festzustellenden Engpässen. Flexiblere Anschlussmodelle sollen zudem auch eine zeitliche Steuerung des Verbrauchs ermöglichen.
Das Fair-Grid-Projekt soll die Versorgungssicherheit erhalten, Netzüberlastungen vermeiden, knappe Kapazitäten fair verteilen und mehr Transparenz schaffen, heißt es auch aus der Politik. Entsprechende Verfahren praktiziere man bereits in anderen Städten und Regionen in Deutschland, erklärte Alexander von Vogel. Der Staatsrat der Umweltbehörde und Aufsichtsratsvorsitzende der Hamburger Energienetze äußert dazu, man begleite den Prozess aufmerksam:
„Wir sind überzeugt, dass dieses Vorgehen eine zentrale Herausforderung des steigenden Leistungsbedarfs im Stromnetz gezielt adressiert und so die Energiewende in Hamburg wirksam unterstützt.“
Für neue Großverbraucher heißt dies jedoch, sie erhalten nur zugeteilte Anschlussleistungen und eventuell begrenzte Kapazitäten. Dazu kommen möglicherweise zeitlich gesteuerte Lastfenster. Ziel ist es, zu erreichen, dass große Verbraucher ihren Strombedarf stärker verschieben, steuern oder in lastarme Zeiten verlegen. So will man Lastspitzen vermeiden.

Wird „Fair Grid“ zum funktionsfähigen Knappheitsmanagement – oder zum Standortnachteil?

Kapazitätsmanagement, Reservierungsverfahren und priorisierte Anschlussprozesse gebe es auch schon in anderen Städten, so die Hamburger Energienetze. Darunter befinden sich etwa Berlin, Frankfurt am Main, Bremen oder Duisburg. Fair Grid soll nach dem Willen der Netzgesellschaft mehr Planungssicherheit, transparentere Regeln und den Schutz bestehender Kunden gewährleisten. Man verspricht sich auch einen stabileren Netzbetrieb und eine bessere Steuerung von Engpässen. Die Hamburger Energienetze investierten jährlich rund 600 Millionen Euro in den Ausbau des Stromnetzes.
Aus Sicht der Betreiber möglicher Großprojekte schafft das System jedoch Herausforderungen. Investoren haben mögliche Verzögerungen von Projekten, längere Wartezeiten, weniger Flexibilität und bürokratische Hürden zu befürchten. Große Ansiedlungen hängen künftig stärker von verfügbarer Netzkapazität ab. Unklar ist, wie sich dies auf Hamburg als Investitionsstandort auswirken wird.