Europa hat begonnen, in seinen Handelsverhandlungen mit China härter aufzutreten.
Dies ist ein deutlicher Wandel im Vergleich mit den vergangenen Jahren, als große europäische Unternehmen in China profitable Geschäfte betrieben und ihren politischen Einfluss nutzten, um sicherzustellen, dass nichts aus ihrem Teil der Welt Peking beleidigte.
Wichtige Wende in den Verhandlungen
Doch die Umstände haben sich geändert. Neue Konkurrenz durch einheimische chinesische Hersteller hat einst profitable europäische Betriebe in China weit weniger attraktiv gemacht, während eine Flut chinesischer Exporte nach Europa die heimischen Hersteller geschädigt hat.
Gleichzeitig haben die Zölle der Trump-Regierung die Handlungsmöglichkeiten Chinas in den USA eingeschränkt. Die Europäer erkennen, dass China derzeit mehr denn je auf den Absatz in Europa angewiesen ist – sie haben beschlossen, ihren Vorteil in den Verhandlungen mit Peking auszunutzen. Wie sich die Lage entwickeln wird, bleibt abzuwarten, doch es handelt sich um eine bedeutende Wende.
Bis vor ein paar Jahren schien Europa Freude am Handel mit China zu haben. Selbst als US-Präsident Donald Trump sich darüber beschwerte, was chinesische Importe der amerikanischen Wirtschaft antaten, und Zölle verhängte, von denen er hoffte, dass sie diesen Schaden umkehren würden, genossen europäische Verbraucher einen stetigen Fluss chinesischer Waren zu attraktiveren Preisen, als sie bei in Europa produzierten Waren zu finden waren.

Das Außenhandels-Containerterminal des Hafens von Qingdao am 12. April 2026 in Qingdao, China.
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Ein Beispiel: Die europäische Autoindustrie
Gleichzeitig profitierten die großen Unternehmen Europas von äußerst profitablen Geschäften in China, wo es anscheinend eine große Nachfrage nach europäischen Waren gab. Autos sind ein gutes Beispiel.
Zwischen 2003 und 2022 stiegen die Verkaufszahlen von Mercedes in China um 24 Prozent pro Jahr, die Verkaufszahlen von BMW um 20,2 Prozent pro Jahr und die Verkaufszahlen von Audi um 12,6 Prozent pro Jahr. Die Handelsbilanz der EU mit China verschlechterte sich zwar etwas, war aber die meiste Zeit über handhabbar.
In den vergangenen Jahren jedoch änderten sich die Dinge radikal. Pekings Vorstoß durch das Programm „Made in China 2025“, um Vorteile in fortschrittlichen Technologien und hochwertigen Produkten zu erlangen, hat die Verkaufszahlen, die europäische Exporteure einst genossen, stark beeinträchtigt.
Das Schicksal der deutschen Automobilhersteller ist weiterhin ein gutes Beispiel dafür. Im zweiten Quartal dieses Jahres fielen die Verkaufszahlen von Mercedes in China um 30 Prozent gegenüber dem Vorjahresniveau. Der Absatz von BMW ging im dritten Quartal dieses Jahres um rund 25 Prozent zurück, und der Absatz von Audi sank im ersten Quartal dieses Jahres um 12 Prozent.
Mit vergleichbaren Verkaufsrückgängen in China unter europäischen Exporteuren anderer Produkte ist die Geschäftswelt des Kontinents viel weniger geneigt als früher, die offiziellen EU-Haltungen gegenüber dem Handel mit China zu lockern.
China setzt auf den Absatzmarkt Europa
Gleichzeitig hat China auf höhere Umsätze in Europa gedrängt – das Land büßte im Jahr 2025 rund 20 Prozent seiner Exporte in die USA durch Trumps Zölle ein und hat seitdem nur wenig davon zurückgewonnen.
Im Jahr 2025 stiegen die EU-Importe von Waren aus China um 6,4 Prozent. Dieser Trend setzte sich 2026 fort, mit einem Zuwachs von 8 Prozent in den zwölf Monaten bis zur Jahresmitte.
Das Handelsdefizit der EU gegenüber China stieg von 66,14 Milliarden Euro im ersten Quartal 2024 auf 103,34 Milliarden Euro im zweiten Quartal dieses Jahres und ist damit in etwas mehr als zwei Jahren um mehr als die Hälfte gewachsen.
EU fordert energischer Zugeständnisse ein
Da sich die europäische Wirtschaft nicht mehr auf einen reibungslosen Handel mit China festlegen wollte und das wachsende Handelsdefizit den Handlungsdruck auf die europäischen Behörden erhöhte, begannen EU-Vertreter, Peking viel energischer als zuvor zu Zugeständnissen zu drängen.
Besonders bemerkenswert ist, dass Frankreich und Deutschland – die beiden größten Volkswirtschaften der EU – sich zusammengeschlossen haben, um chinesische Zugeständnisse zu fordern.
Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, hat öffentlich geäußert, dass der Handel mit China die „Säule“ der europäischen Wirtschaftskraft untergraben werde: die Industrie im mittleren Technologiesegment.
Paris machte seine Position im Februar mit einem Regierungsbericht deutlich, der den provokanten Titel „Die chinesische Dampfwalze“ trug. In diesem wurden chinesische Importe als Bedrohung für das Wohlergehen Europas charakterisiert. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich diesen Ansichten angeschlossen.

Elektroautos, die für den Export vorgesehen sind und auf die „BYD Explorer No. 1“ verladen werden sollen, einem in China gebauten Schiff für den Export chinesischer Fahrzeuge, im Hafen von Yantai in der ostchinesischen Provinz Shandong, am 10. Januar 2024. (Archivbild)
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Pekings Programm „Made in China 2025“
Als wolle es den Europäern noch mehr Verhandlungsmacht verschaffen, hat China angesichts eines schleppenden Wachstums im Inland seine Wirtschaft noch stärker von Exporten abhängig gemacht.
Das Programm „Made in China 2025“ investiert Milliarden in Elektrofahrzeuge, Luft- und Raumfahrt, Halbleiter, Quantencomputer und biomedizinische Technologien sowie andere fortschrittliche Produkte.
Dadurch wurden Produktionskapazitäten geschaffen, die weit über das hinausgehen, was die wenig robuste inländische Wirtschaft des Landes aufnehmen kann, sodass Exporte die einzige Möglichkeit bleiben, diese enormen Investitionen zu rechtfertigen. Angesichts des begrenzten Wachstumspotenzials beim Absatz in den USA ist Peking besonders auf die europäischen Märkte angewiesen.
China zeigt sich kooperativer
Diese dringende Notwendigkeit hindert Peking daran, Europa so zu schikanieren, wie es das in der Vergangenheit manchmal getan hat. Vor dieser Wende führten europäische Beschwerden über Pekings Subventionen für chinesische Exporteure oder die Beeinträchtigung europäischer Verkäufe in China kaum zu Zugeständnissen – abgesehen von Lippenbekenntnissen, das chinesische Volk und chinesische Unternehmen dazu zu ermutigen, mehr europäische Waren zu kaufen.
Hätte die EU Zölle auf chinesische Elektrofahrzeuge verhängt, wie sie es vor relativ kurzer Zeit getan hat, hätte Peking mit aggressiven Vorwürfen wegen europäischer Rechtsverstöße und Drohungen mit Vergeltungsmaßnahmen reagiert.
Doch jetzt, da die chinesische Wirtschaft stärker von europäischen Verkäufen abhängt, hat Peking eine viel kooperativere Haltung eingenommen. In einem dramatischen Wandel von früherem Verhalten hat Peking kürzlich zugestimmt, die europäischen Verkäufe von Hybrid- und Plug-in-Hybridfahrzeugen auf 350.000 pro Jahr zu begrenzen, wobei das zukünftige Wachstum auf 6 Prozent pro Jahr beschränkt ist.
Die Europäer sind sich bewusst, dass Europa, wie Elvire Fabry, Direktorin des Programms „Handel und wirtschaftliche Sicherheit“ am Institut Jacques Delors in Paris, sagt, nur ein „kleines Zeitfenster“ hat. Diese Erkenntnis wird die EU-Behörden sicherlich dazu anregen, Peking in den kommenden Monaten noch stärker unter Druck zu setzen.
Es wird darüber diskutiert, den Exportdeckel für Hybridfahrzeuge um ähnliche Regelungen für Chemikalien zu erweitern. In diesem Zusammenhang diskutiert die EU ein sogenanntes Diversifizierungsinstrument, um sicherzustellen, dass europäische Unternehmen über Lieferbeziehungen außerhalb Chinas verfügen.
Es scheint, als habe Peking in Europa ebenso wie einst in den USA seine Karten überreizt.
Zur Person: Milton Ezrati ist freier Redakteur bei „The National Interest“, assoziiertes Mitglied des Center for the Study of Human Capital an der University at Buffalo (SUNY) und Chefökonom des New Yorker Kommunikationsunternehmens Vested. Zuvor war er Chefmarktstratege und Ökonom bei Lord, Abbett & Co. Er schreibt häufig für „City Journal“ und bloggt regelmäßig für „Forbes“. Sein jüngstes Buch trägt den Titel „Thirty Tomorrows: The Next Three Decades of Globalization, Demographics, and How We Will Live“.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Europe Sees an Opening to Get Tough With China“. (deutsche Bearbeitung: ks)
Anm. d. Red.: In der deutschen Fassung wurden einzelne Aussagen des Originals anhand offizieller Angaben von Eurostat, der chinesischen Zollbehörde, der EU-Kommission und von BMW korrigiert.

