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Eine Blacklist des Pentagon zeigt die wahre Rivalität zwischen den USA und China


In Kürze:

  • Die USA haben weitere 65 Unternehmen auf die „Section-1260H-Liste“ mit dem Militär Chinas verbundener Firmen gesetzt, darunter Alibaba, Baidu, BYD und NIO.
  • Laut Pentagon soll damit der chinesischen Strategie der Verschmelzung von zivilen und militärischen Bereichen entgegengewirkt werden.
  • Hart gegen China vorzugehen sei genau das, was nötig sei, um die bilateralen Beziehungen zu verbessern – da Peking nur Stärke respektiere, sagt der Analyst für strategische Risiken, Anders Corr.

 
Während Donald Trump und Xi Jinping einander besonders herzliche Besuche abstatteten, machte ein bedeutender Schritt des Pentagons eines klar: Der Technologiekrieg zwischen Washington und Peking, bei dem viel auf dem Spiel steht, verläuft völlig unabhängig von der Diplomatie auf höchster Ebene.
Im Juni erweiterte das US-Kriegsministerium die „Section-1260H-Liste“ – eine Liste von Unternehmen, die Washington als mit dem Militär Chinas verbunden ansieht.
Durch die Aufnahme von 65 neuen Unternehmen und die Streichung von zehn Unternehmen, die nicht mehr in den USA aktiv sind, stieg die Gesamtzahl auf 188 Einträge.
Diese Erweiterung geht über die traditionellen Verteidigungszulieferer hinaus: Sie betrifft Handelsgiganten wie Alibaba und Baidu, die Elektrofahrzeughersteller BYD und NIO sowie den Pharmakonzern WuXi AppTec.

Handel und Sicherheitspolitik

Dieser Wandel zeigt, dass in den Augen Washingtons die Grenze zwischen ziviler und militärischer Technologie weitgehend verschwunden ist, insbesondere im Umgang mit dem kommunistischen China, wie mehrere Experten gegenüber der Epoch Times erklärten.
Beamte betrachten zunehmend kommerzielle Innovationen in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Cloud-Computing, Batterien für Elektrofahrzeuge und Biotechnologie als duale Verwendungsgegenstände, die Pekings Strategie der militärisch-zivilen Fusion unterstützen.
Der Zeitpunkt – nach Trumps Besuch in China und vor Xis Reise nach Washington – zeigte, dass wirtschaftliche Absprachen und nationale Sicherheitsrichtlinien nun unabhängig voneinander verlaufen.
Während das Weiße Haus eine Stabilisierung des bilateralen Handels anstrebt, verschärfen bestehende Verteidigungsmandate den regulatorischen Druck auf chinesische Technologien.
Carl Schuster, pensionierter US-Marinekapitän und ehemaliger Direktor für Operationen im Joint Intelligence Center des US-Pazifikkommandos, sagte, Trump „möchte die Beziehungen verbessern, ist aber nicht bereit, die nationale Sicherheit dafür zu opfern“.
Zwar belasten sicherheitspolitische Erwägungen die Beziehungen zwischen den USA und China, doch „bilaterale Reibungen sind besser als eine Sicherheitslücke“, sagte er gegenüber der Epoch Times. Washington betrachtet zunehmend nicht nur, was ein Unternehmen heute verkauft, sondern auch, wie dessen Technologie in einem Konflikt eingesetzt werden könnte.

Besucher am Stand von Alibaba während der World Artificial Intelligence Conference im Shanghai World Expo Exhibition and Convention Center in Shanghai am 28. Juli 2025.

Foto: Hector Retamal/AFP via Getty Images

Welche Auswirkungen hat die Listung?

Die Aufnahme in die 1260H-Liste führt nicht zu allgemeinen Handelsverboten oder dem Einfrieren von Verbrauchervermögen, hat jedoch erhebliche Auswirkungen, da sie obligatorische Beschaffungsverbote für das US-Militär auslöst und Verteidigungsauftragnehmer zwingt, ihre globalen Lieferketten zu überprüfen.
Zudem ebnet sie den Weg für umfassendere gesetzgeberische und kapitalmarktliche Einschränkungen.
Diese Einstufung könnte auch gewöhnliche Investoren betreffen. Eine Bestimmung im National Defense Authorization Act von 2026 verlangt vom Präsidenten zu prüfen, ob Unternehmen auf der 1260H-Liste des Pentagons in eine Investment-Blacklist des Finanzministeriums aufgenommen werden sollten.
Die Platzierung auf dieser Liste erfolgt nicht automatisch, aber falls dies geschieht, könnten US-Investoren daran gehindert werden, die öffentlich gehandelten Aktien des Unternehmens zu kaufen oder zu halten.

Was die Pentagon-Liste bedeutet

Das Pentagon erklärt, dass die Liste dazu gedacht sei, der chinesischen Strategie der Verschmelzung von zivilen und militärischen Bereichen entgegenzuwirken.
Konkret sagen US-Beamte, Peking habe ein System geschaffen, durch das die Volksbefreiungsarmee systematisch von Technologien, Forschungsergebnissen und Fachkenntnissen profitiere, die von privaten Unternehmen, Universitäten und anderen scheinbar zivilen Institutionen entwickelt worden seien.
Das bedeutet jedoch nicht, dass jedes Produkt, das von einer gelisteten Einheit hergestellt wird, ein Militärprodukt ist. Es bedeutet, dass das Pentagon der Ansicht ist, dass die Fähigkeiten, Beziehungen oder Technologien des Unternehmens das chinesische Militär und dessen Modernisierung unterstützen könnten.
„Fortgeschrittene Wissenschaft und Technologie können immer die militärische Produktion und Tödlichkeit unterstützen“, sagte Anders Corr, Analyst für strategische Risiken, Hauptverantwortlicher bei Corr Analytics und Autor der Epoch Times.
Die gelisteten Unternehmen bestreiten diese Einschätzung. Alibaba, Baidu, BYD und WuXi AppTec wiesen jegliche unangemessenen militärischen Verbindungen zurück und kündigten an, auf rechtlichem und administrativem Weg gegen ihre Einstufung vorzugehen. Bislang haben WuXi AppTec und Alibaba Klage eingereicht – am 11. beziehungsweise am 23. Juni.
WuXi AppTec gab auf seiner Website bekannt, dass das US-Bundesbezirksgericht für den District of Columbia am 7. August dem Antrag des Unternehmens auf einstweilige Verfügung stattgegeben habe. Damit sei WuXi AppTec vor den unmittelbaren Auswirkungen der 1260H-Einstufung geschützt.
„Wir sind überzeugt, dass die Fakten, die in unseren Gerichtsdokumenten dargelegt sind, im laufenden Rechtsstreit über die Merkmale der Einstufung nach einer objektiven und fairen gerichtlichen Überprüfung bestehen werden“, schrieb das Unternehmen.

Das Pentagon in Arlington, Virginia, am 25. Mai 2026.

Foto: Madalina Kilroy/Epoch Times

Praktische Auswirkungen werden im Laufe der Zeit zunehmen

Die Einstufung ist von großer Bedeutung, da sie die militärische Lieferkette beeinflusst.
Direkte Verträge mit auf der 1260H-Liste aufgeführten Unternehmen sind seit dem 30. Juni verboten, und ein sekundäres Verbot, das ein Jahr später in Kraft tritt, wird die Beschaffung von Waren oder Dienstleistungen, die von gelisteten Firmen entwickelt wurden, untersagen.
Da große Rüstungsunternehmen auf mehrstufige globale Lieferketten angewiesen sind, zwingt diese zweite Phase die Auftragnehmer dazu, ihre Lieferanten zu überprüfen und gelistete Unternehmen auszuschließen, um zukünftige Compliance-Risiken zu minimieren.
Für an US-Börsen notierte Großkonzerne wie Alibaba, Baidu und NIO sei die Aufnahme in die Liste ein Signal, dass weitergehende Beschränkungen am Kapitalmarkt bevorstehen könnten – verbunden mit wachsenden rechtlichen Risiken und Reputationsrisiken sowie belasteten Geschäftsbeziehungen, sagte Stephen Xia, ehemaliger Ingenieur der chinesischen Volksbefreiungsarmee und Autor der Epoch Times.

Warum Auto-, Cloud- und Medizinunternehmen aufgenommen wurden

Frühere Versionen der Pentagon-Liste konzentrierten sich stärker auf traditionelle Rüstungshersteller und Unternehmen mit direkten Verbindungen zum Militärsektor Chinas. Die neueste Erweiterung reicht viel weiter in die kommerzielle Wirtschaft hinein.
Alibaba und Baidu sind bedeutende Akteure im Bereich KI, Cloud-Computing und autonomes Fahren. BYD und NIO sind führende Hersteller von Elektrofahrzeugen mit Fachwissen in Batterien, Software und fortschrittlicher Fertigung. WuXi AppTec ist ein wichtiger Anbieter von pharmazeutischen Forschungs- und Fertigungsdienstleistungen.
Für die meisten Verbraucher sind dies zivile Industrien, aber nationale Sicherheitsbeamte betrachten sie zunehmend durch eine „Dual-Use“-Linse – Produkte oder Fachwissen, die sowohl zivilen als auch militärischen Zwecken dienen können.

Militärische Nutzung von Produkten

Solomon Yue, Unternehmer sowie stellvertretender Vorsitzender und CEO von Republicans Overseas, führte den Politikwechsel auf die Beschränkungen des chinesischen Regimes bei den Exporten Seltener Erden zurück, die im Rahmen seines Handelskriegs mit den Vereinigten Staaten eingeführt wurden, und sagte gegenüber der Epoch Times:
„Wir haben die Angelegenheit unter dem Gesichtspunkt der nationalen Sicherheit bewertet. Amerika sah sich sowohl einer Bedrohung der kommerziellen Lieferkette als auch einer Bedrohung der militärischen Hochtechnologie-Waffenproduktion gegenüber.“
Jetzt scheint es, dass Washington nicht mehr nur bewertet, was ein Unternehmen heute verkauft, sondern auch, wie seine Fähigkeiten in einem Konflikt oder nationalen Notfall eingesetzt werden könnten.
KI-Systeme, die für selbstfahrende Autos entwickelt wurden, können auch autonome Militärsysteme steuern oder die militärische Logistik verbessern.
Hochleistungsbatterien können Pkw, aber auch militärische Ausrüstung, Stützpunkte und Energiespeichersysteme mit Strom versorgen.
Biotechnologie kann die Medizin und das öffentliche Gesundheitswesen beeinflussen und zugleich die Fähigkeit eines Landes prägen, lebenswichtige Medikamente herzustellen und auf biologische Bedrohungen zu reagieren.
Washington ist nicht allein bei der Durchführung einer solchen Berechnung, wie Schuster sagte: „Alle Länder überprüfen die technologischen Fortschritte der anderen und versuchen zu bestimmen, welche harmlos sind und – in der heutigen Welt der Dual-Use-Technologie – welche eine potenzielle Bedrohung darstellen.“
„China tut dies ebenfalls. Sie sprechen nur nicht darüber.“

Ein Modell des autonomen Fahrsystems von BYD wird am 24. April 2025 während der 21. Internationalen Automobilausstellung in Shanghai im Nationalen Ausstellungs- und Kongresszentrum in Shanghai präsentiert.

Foto: Hector Retamal/AFP via Getty Images

Warum das Timing nach Trumps Besuch in Peking wichtig ist

Die Ankündigung des Pentagons erfolgte weniger als einen Monat nach dem Treffen zwischen Trump und Xi in Peking, bei dem beide Seiten betonten, dass sie die Beziehungen stabilisieren und die wirtschaftliche Zusammenarbeit ausbauen wollen.
Auf den ersten Blick scheinen die beiden Entwicklungen widersprüchlich zu sein. Doch die US-Politik gegenüber China verläuft zunehmend auf zwei Ebenen. Die Section-1260H-Liste ist vom Kongress vorgeschrieben und wird unabhängig vom Stand hochrangiger Gespräche regelmäßig aktualisiert.
Ihre Erweiterung bedeute daher nicht zwangsläufig, dass Trumps diplomatische Bemühungen gescheitert seien, sondern zeige vielmehr, dass bessere Kommunikation und wirtschaftliche Vereinbarungen nicht erwarten ließen, dass der zugrunde liegende Wettbewerb ende, so einige Experten.
„Das zunehmend aggressive Vorgehen Pekings im Süd- und Ostchinesischen Meer hat die USA und ihre Verbündeten in Alarmbereitschaft versetzt“, so Schuster.
„Weder Peking noch Washington wollen die Spannungen verschärfen, doch gleichzeitig wecken Chinas expansionistische militärische und territoriale Ansprüche Bedenken hinsichtlich seiner Absichten.“
Und: „Weder die USA noch ihre Verbündeten können es sich leisten, die Aktionen des chinesischen Regimes zu ignorieren, noch können sie es sich leisten, militärisch oder technologisch ins Hintertreffen zu geraten. Dennoch wollen alle Handel treiben und den Frieden wahren.“

Aktivitäten Chinas eindämmen

Die Begrenzung des Einsatzes chinesischer Technologien diene auch dazu, die schädlichen Aktivitäten Pekings im Ausland einzudämmen, so Solomon Yue: „Präsident Trump sprach von bilateralen Handelsbeziehungen, nicht davon, China zu erlauben, amerikanische Militärtechnologien zu stehlen.“
Wang He, Wissenschaftler, der sich mit den Beziehungen zwischen den USA und China befasst, und Autor der Epoch Times, fügt hinzu, dass Pekings Bemühen, die jüngsten hochrangigen diplomatischen Besuche als Beleg für dauerhafte Stabilität darzustellen, durch die Listung des Pentagons untergraben werde.
„Das ist ein Schlag für das diplomatische Ansehen von Xi Jinping, da es als Zeichen gewertet würde, dass die USA die diplomatische Dynamik, die er zu schaffen versucht hat, nicht ernst nehmen.“

US-Präsident Donald Trump gestikuliert in Richtung des chinesischen Außenministers Wang Yi, während er sich am 15. Mai 2026 am Beijing Capital International Airport in Peking, China, darauf vorbereitet, an Bord der Air Force One zu gehen.

Foto: Alex Wong/Getty Images

Peking kontert mit Handelsbeschränkungen

Das chinesische Außenministerium hat Washington vorgeworfen, den Begriff der nationalen Sicherheit zu erweitern, um chinesische Unternehmen zu treffen. Es fordert die Aufhebung dieser Maßnahmen.
Als Vergeltungsmaßnahme setzte das chinesische Handelsministerium kurz darauf zehn US-amerikanische Unternehmen auf eine schwarze Liste, darunter MP Materials Corp. und USA Rare Earth – beide im Bereich der Seltenen Erden tätig – sowie die Drohnenhersteller Teal Drones und Jaia Robotics.
Der Export von Dual-Use-Gütern chinesischer Herkunft an diese Unternehmen wurde verboten.
Darüber hinaus hat das chinesische Finanzministerium 46 US-Unternehmen, größtenteils Rüstungszulieferer, von der Teilnahme an öffentlichen Beschaffungsprojekten ausgeschlossen.
Einige Analysten haben festgestellt, dass die Vergeltungsmaßnahmen des chinesischen Regimes größtenteils symbolisch seien, da die meisten betroffenen Unternehmen nur eine geringe oder gar keine Handelspräsenz in China hätten.

Das Containerterminal für den Außenhandel im Hafen von Qingdao, China, am 12. April 2026. Die erweiterte Liste des Pentagons mit Unternehmen, die als mit dem chinesischen Militär verbunden gelten – viele davon keine klassischen Rüstungszulieferer –, wird sich auf die globalen Lieferketten auswirken.

Foto: Getty Images

Technologie hat Zölle als zentralen Kampfplatz ersetzt

In der ersten Amtszeit von Trump dominierten Zölle und das Handelsdefizit die Debatte zwischen den USA und China. Diese Fragen sind nach wie vor wichtig, doch der Wettbewerb hat sich nun auf Halbleiter, Künstliche Intelligenz, Biotechnologie, Quantencomputing, Elektrofahrzeuge, Investitionen und die Sicherheit von Lieferketten ausgeweitet.
Die schwarze Liste des Pentagons ist nur ein Teil der Maßnahmen der Trump-Regierung. Das Handelsministerium hat Exportkontrollen für fortschrittliche Technologien eingeführt, das Finanzministerium hat einige Investitionen eingeschränkt.
Zudem hat der Kongress Vorschriften zur Beschaffung und zu Lieferketten verabschiedet, um die Abhängigkeit von chinesischen Unternehmen in sensiblen Bereichen zu reduzieren.
Diese Veränderungen stellen amerikanische Unternehmen vor schwierige Entscheidungen. Die US-amerikanische und die chinesische Wirtschaft sind nach wie vor eng miteinander verbunden, und viele Firmen sind auf chinesische Lieferanten, Kunden, Labore oder Produktionsstätten angewiesen. Gleichzeitig nehmen die regulatorischen Risiken dieser Beziehungen zu.

Ein Wafer, der während der Halbleitermesse SEMICON China am 25. März 2026 in Shanghai bearbeitet wird.

Foto: Jade Gao/AFP via Getty Images

Ein langfristiges Merkmal der US-China-Beziehungen

Die Pentagon-Listen allein werden die Beziehung zwischen den USA und China wahrscheinlich nicht grundlegend verändern.
Paradoxerweise ist „hart gegen China vorzugehen genau das, was nötig ist, um die bilateralen Beziehungen zu verbessern, da Peking nur Stärke respektiert“, sagte Corr gegenüber der Epoch Times.
Die Handelsbeziehungen werden auch weiterhin bestehen, selbst wenn beide Seiten strengere Kontrollen über sensible Technologien einführen.
„Es gibt mehr in den sino-amerikanischen Beziehungen als nur sicherheitsbezogene Spannungen“, sagte Schuster. „Unsere Volkswirtschaften sind miteinander verflochten, ebenso wie unsere wissenschaftlichen und akademischen Gemeinschaften.“ Und weiter:
„Wir stehen vor einer Phase von Reibungen und Spannungen, aber nicht vor einem unmittelbar bevorstehenden physischen Konflikt.“
Die Trump-Regierung kann Handelsabkommen und stabilere Kommunikationswege mit Xi anstreben, während die USA sich weiterhin auf eine langfristige strategische Rivalität mit China vorbereiten.
 
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „How the Pentagon’s Blacklist Shows the Real US–China Rivalry“. (deutsche Bearbeitung: ks)