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Und wieder trägt der Teufel Prada

Es ist Jahre her, dass sich ein Kinobesuch wirklich gelohnt hat. Aber die Fortsetzung von „Der Teufel trägt Prada“ ist wirklich anders – und jeden Cent wert. Viele Darsteller der Originalbesetzung sind wieder mit am Start in dieser intelligenten und urkomischen Parodie auf die moderne Unternehmenskultur. Erfreulicherweise ist der Film völlig frei von jeglichen Woke-Signalen.
20 Jahre nachdem Andy Sachs (Anne Hathaway) zum ersten Mal die gnadenlosen Büros des „Runway“-Magazins betrat, liefert dieser Film (Regie: David Frankel, Drehbuch: Aline Brosh McKenna) eine witzige und treffende Fortsetzung.
Er verwandelt das Märchen aus der realen Modewelt in eine pointierte Kritik an der heutigen Medienlandschaft: dem Triumph der Personalbürokratie, der Dominanz der Werbeindustrie, der Raubtiermentalität von Private-Equity-Gesellschaften (Kapitalbeteiligungsgesellschaften) und der „Optimierung“ im McKinsey-Stil.
Meryl Streep, Anne Hathaway, Emily Blunt und Stanley Tucci kehren zurück, um die Machthaber unserer Zeit aufs Korn zu nehmen. Der bissige, satirische Ton und die opulente Produktion machen das Ganze zu einem gelungenen Comeback. Insbesondere Tuccis Mode fiel mir als urkomisch kreativ auf, sollte aber mit einer Warnung versehen werden, dies nicht zu Hause nachzumachen.

Über die Handlung

Andrea „Andy“ Sachs ist mittlerweile eine erfahrene Journalistin geworden, die sich eine Karriere im „echten“ Journalismus aufgebaut hat. Im Zuge des Zusammenbruchs der Branche wird sie dennoch – zusammen mit ihren Kollegen – entlassen. Bezeichnenderweise erhält sie zur gleichen Zeit eine renommierte Auszeichnung. Um jedoch ihren Lebensunterhalt weiterhin bestreiten zu können, kehrt sie widerwillig zu „Runway“ zurück. Sie soll als Ressortleiterin für Reportagen bei der Bewältigung einer PR-Krise helfen, in der das Modemagazin feststeckt.
Meryl Streep kehrt in ihrer Rolle als Miranda Priestly, die herrische Chefredakteurin, zurück, die im Lauf der Zeit und dank ihrer Erfahrungen in ihrem Privatleben etwas milder geworden ist.
Auch Emily Charlton (Emily Blunt) ist wieder mit im Boot und mit ihr der alte Groll aus der alten „Runway“-Zeit. Emily ist inzwischen zur Leiterin des Luxuseinzelhandels bei Dior geworden und pflegt ihre alte Sehnsucht nach Rache.
Ebenfalls erneut dabei ist Stanley Tucci in seiner Rolle als Nigel Kipling, Mirandas loyale rechte Hand. Er punktet mit Witz und Weisheit, während er seine Chefin beinahe andächtig verehrt.

Meryl Streep als Miranda Priestly und Stanley Tucci als Nigel Kipling brillieren auch im zweiten Teil von „Der Teufel trägt Prada“.

Foto: Macall Polay © 2026 20th Century Studios. All Rights Reserved.

Der erste „Overlord“

Schon früh wird Andy Sachs mit dem ersten „Overlord“ konfrontiert: der modernen Personalabteilung. Im Original von 2006 holten Assistentinnen noch ohne Klagen Kaffee und hängten Mäntel auf. Nun verbieten Unternehmensrichtlinien solche Bitten, um jeglichen Anschein von Hierarchie oder Ausbeutung zu vermeiden.
Andys harmloser Hinweis, dass ein Nachwuchsmitarbeiter ihr mit dem Mantel behilflich sein könnte, löst eine passiv-aggressive Intervention der Personalabteilung aus, inklusive Broschüren zum Sensibilisierungstraining und indirekter Ermahnungen zur „psychologischen Stabilität“.
Es ist ein rasant komischer Mikrokosmos der heutigen Arbeitswelt, die offene Tyrannei gegen bürokratische Erstickung eingetauscht hat. Miranda verdreht die Augen, doch sie muss sich selbst durch den Formulardschungel kämpfen. Der Grundtenor ist gesetzt: Der Teufel hängt nun ordentlich seine Mäntel selbst auf, trägt Business Casual und zitiert die Richtlinien.

Der zweite „Overlord“

Als Nächstes kommen die Werbekunden, der zweite „Overlord“. Ein großer Skandal bricht aus, als „Runway“ eine Fast-Fashion-Marke lobt, die später wegen Arbeitsrechtsverletzungen angeprangert wird. Sponsoren drohen mit Rückzug und zwingen Miranda zum Einlenken. So läuft es eben. Alle kennen das Spiel: Wer zahlt, hat das Sagen.
Andy beobachtet entsetzt, wie die redaktionelle Unabhängigkeit schwindet: „Ohne Anzeigenkunden gäbe es uns nicht mehr“, erklärt Miranda mit müdem Pragmatismus. Der Film zeigt klug, wie der Druck, Einnahmen zu generieren, einst unabhängige Publikationen entmachtet.
Reale Entsprechungen gibt es in Hülle und Fülle. Man denke nur an traditionsreiche Magazine wie „Vogue“, die ein Gleichgewicht zwischen anspruchsvollen Inhalten, Partnerschaften mit Luxusmarken und digitalen Kennzahlen finden mussten. Im Übrigen die Inspiration für „Runway“ mit Miranda als eine Art überzeichneter Anna Wintour [Anm. d. Red.: frühere Chefredakteurin der US-amerikanischen Ausgabe der „Vogue“].
Dasselbe gilt für alle großen Medien heutzutage. Denken Sie bei jedem Medienhype um eine Krankheit einmal darüber nach – und wohin dies führt.

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Der dritte „Overlord“

Die ultimative Bedrohung geht von den fremdfinanzierten Private-Equity-Bossen aus.
Irv Ravitz (Tibor Feldman, in seiner Paraderolle), langjähriger Vorstandsvorsitzender der „Runway“-Muttergesellschaft Elias-Clarke, stirbt plötzlich. Das kommt einem bekannt vor! Sein verwöhnter und hochmütiger Sohn Jay Ravitz (B. J. Novak), ein lächerlicher, unkultivierter Versager in Sportkleidung, übernimmt den Medienkonzern.
Niemand mag ihn. Das ist ihm egal. Denn jeder muss ihm gehorchen.

Die beiden Protagonistinnen: Miranda Priestly (Meryl Streep) (links) und Andy Sachs (Anne Hathaway) in 20th Century Studios Film „Der Teufel trägt Prada 2“.

Foto: Macall Polay. © 2025 20th Century Studios. All Rights Reserved.

Jay Ravitz engagiert sofort Berater von McKinsey, um das Unternehmen „umzustrukturieren“. Diese mit Klemmbrettern bewaffneten MBA-Manager – einer von ihnen prahlt selbstgefällig mit seiner Harvard-Ausbildung – schlagen drastische Budgetkürzungen, Personalabbau und eine Neuausrichtung auf „digital first“ vor. Auch das „Biest“ der Kostenoptimierung soll freigesetzt werden. Die Berater bedienen sich modischer Worthülsen, die mit der eigentlichen Realität kaum noch etwas zu tun haben.

Komplott mit dem Tech-Bro

Dass Miranda nun in der Economy Class fliegt, wird zum Running Gag. Unterdessen verkörpern die Berater jene seelenlose Effizienz, die schon ganze Medienimperien ausgehöhlt hat, ganz zu schweigen von Finanzunternehmen, Tierarztpraxen und sogar Bowlingbahnen.
B. J. Novak spielt Jay mit unerträglicher Selbstgerechtigkeit und macht ihn so zum perfekten Sündenbock der Antivetternwirtschaft- und Anticonsulting(berater)-Satire des Films.
Andy, die sich auf ihre journalistischen Ideale besinnt, tut sich mit Emily zusammen, um die Übernahme abzuwehren. Sie holen Emilys milliardenschweren Freund ins Boot, den von Justin Theroux verkörperten Benji Barnes – einen durchtrainierten, aber etwas schrägen Tech-Typen mit einem Bezos-ähnlichen Lachen, eitlen Prestigeprojekten und transhumanistischen Fantasien zur Cocktailstunde, wie wir etwa in Zukunft keine Hälse mehr brauchen würden.
Doch Verrat lauert. Emilys Allianz verbirgt nur ihre Rachegelüste. Miranda hatte sie einst ins Abseits gestellt – „Du bist keine Visionärin; du bist eine Verkäuferin“ – und sie zu Dior gedrängt. Emily will, dass Benji „Runway“ kauft, damit sie selbst auf dem Cover erscheint. Der Plan scheitert während eines hochkarätigen Modeevents in Italien, inklusive Judas-Symbolik und emotionaler Konfrontationen.

Die Rettung naht

Dann kommt die überraschende Rettung in Form von Banjis geschiedener Frau Sasha Barnes (Lucy Liu). Die wohlhabende, idealistische und altruistische Philanthropin überbietet Benji für die Mehrheitsbeteiligung und bewahrt ein Stück redaktionelle Seele unter einem wohlwollenderen Eigentümer. Es ist eine Fantasielösung, aber eine befriedigende, die den Figuren erlaubt, ihre Handlungsfähigkeit zurückzugewinnen.
Auch bringen völlig neue Charaktere Würze ins Geschehen, wie Andys neuer Freund Peter, ein bodenständiger australischer Immobilienentwickler, gespielt von Patrick Brammall. Ihn beschäftigt, dass er in seinem Job bei der Sanierung älterer Wohnhäuser Schönheit und Geschichte zerstören muss. Dagegen kann er nichts tun – so verdient er seinen Lebensunterhalt –, aber zumindest bedauert er es. Dann gibt es noch einige Gastauftritte, unter anderem von Lady Gaga, die sich selbst spielt.

Mehr als eine seichte Komödie

Thematisch brilliert „Der Teufel trägt Prada 2“ als Unternehmenssatire. Er spießt auf, wie die Personalabteilung Arbeitsplätze infantilisiert hat, Werbekunden Inhalte diktieren, Private Equity die Kultur aushöhlt und mit Tabellenkalkulationen bewaffnete Berater tatsächliches Fachwissen zerstören.
Reale Parallelen finden sich überall: die Kämpfe von Condé Nast, „Vogues“ Pakt mit Milliardären, die „Washington Post“ unter der Herrschaft von Technologiekonzernen und mit Finanzierung durch die Pharmaindustrie oder die unzähligen Übernahmen kleiner Familienbetriebe. Denn das gilt ja nicht nur für die Medien, sondern auch für Sport, Medizin, Lebensmittel und jeden anderen Sektor. Wo sind Wahrheit und Schönheit geblieben?
Die aus der Nullzinspolitik geborene Finanzialisierung [Anm. d. Red.: alles in materielle Werte umzumünzen] hat den zivilisierten Handel in ein räuberisches Casino verwandelt, das sich nicht um Prinzipien, Schönheit, Anstand, Lebenserfahrung oder vernünftiges Handeln schert.
Miranda entwickelt sich von der reinen Schurkin zur bedrängten Hüterin der Exzellenz, die durch ihre Ehe und stille Entschuldigungen menschlicher wird. Andy wächst zu einer pragmatischen Idealistin heran.
Es ist kein revolutionäres Kino, aber in einer Ära des schwindenden Printsektors und des KI-Mülls ist seine Verteidigung von Handwerk, Schönheit und Unabhängigkeit hochaktuell. Letztlich hat mich der Film angesprochen und mir viele Momente herzlichen Lachens beschert – mit erfreulich wenigen unnötigen Vulgaritäten und moralischen Verwerfungen.
„Der Teufel trägt Prada 2“ ist ein glänzender Erfolg. Er erinnert daran, warum der erste Teil so gut war, und aktualisiert dessen Gesellschaftskritik für die Realitäten des Jahres 2026. Die Teufel haben neue Anzüge – HR-Lanyards (Schlüsselbänder der Personalabteilung), Präsentationsfolien und Privatjetlisten –, doch der Kampf um Wahrhaftigkeit bleibt. Der Film ist sehenswert wegen der Lacher, der Mode und der überraschend scharfsinnigen Kommentare.
Das, was jeder will.

Foto: © 2026 20th Century Studios. All Rights Reserved.

Der Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Devil Wears Prada, Again“. (Übersetzung und redaktionelle Bearbeitung: sm)