In Kürze:
- Der Preis für Erdgas am niederländischen Handelspunkt TTF steigt stark an.
- Neben dem Irankrieg treibt auch eine Entscheidung des Bundeswirtschaftsministeriums den Preis.
- Das wirkt sich direkt auf die Neukundentarife aus.
Mit sinkenden Herbsttemperaturen steigen die Preise an den Gasmärkten immer weiter an. Der Preis liegt in Europa inzwischen bei knapp 100 Euro für die Megawattstunde (MWh).
So teuer wie zuletzt zur Energiekrise 2022
Am Dienstagmittag, 27. Oktober, lag der Preis für eine MWh Erdgas am niederländischen, virtuellen Handelspunkt TTF bei rund 95 Euro. Der TTF in den Niederlanden gilt als wichtigster Handelsplatz für den europäischen Erdgashandel. Zudem dient er als zentraler Preisreferenzpunkt für Erdgasverträge in Europa.
Europa erlebt zurzeit den höchsten Gaspreis seit fast vier Jahren. Zuletzt lag er im Dezember 2022 auf diesem Niveau und wenige Monate nach dem Allzeithoch von rund 321 Euro pro MWh im August 2022.
In den vergangenen Wochen hatte der Gaspreis immer wieder neue Höchststände erreicht. Zu Jahresbeginn befand er sich noch bei rund 30 Euro pro MWh. Mit Kriegsbeginn verdoppelte er sich bis zum 19. März auf rund 60 Euro. Anschließend stabilisierte er sich bis zum 25. Juni wieder auf gut 40 Euro, nur um ab Juli von einem Jahreshöchststand zum nächsten zu klettern. Die 90-Euro-Marke überschritt der TTF am 22. Oktober.
Einen ähnlichen Verlauf und ein ähnliches Preisniveau wie der TTF hat der Großhandelspreis für das deutsche Marktgebiet THE. Hier lag der Preis am Montag, 26. Oktober, bei etwas über 98 Euro pro MWh.

Der Verlauf des THE-Gaspreises von Jahresbeginn bis zum 26. Oktober 2026.
Foto: Bundesnetzagentur
Gründe liegen im Nahen Osten und in Deutschland
Druck auf die Gasmärkte kommt weiterhin aus dem Nahen Osten. Aufgrund des Irankriegs bleibt der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus weiterhin stark eingeschränkt. Neben Erdöl transportieren viele Tankschiffe auch flüssiges Erdgas durch die Meerenge in die Welt. Ebenso attackieren die Huthi-Rebellen immer wieder Schiffe, die die Meerenge Bab al-Mandab passieren wollen. Das verschärft die Lage zusätzlich.
Seit Mitte September gibt es einen weiteren Preistreiber. Das Bundeswirtschaftsministerium hatte sich an den bundeseigenen Gasimporteur SEFE gewandt, um zusätzliches Erdgas vom Markt aufzukaufen.
Grund waren die nur mäßig gefüllten Gasspeicher, die im bundesweiten Schnitt nur zu rund 56 Prozent voll waren. Das war rund 27 Prozentpunkte unter dem Mittel der Jahre 2017 bis 2021 und war zu wenig, um sicher über den Winter zu kommen. Davor hatte auch die Initiative Energien Speichern mehrfach gewarnt.
Bis zum 26. Oktober ist der Füllstand durch die Zusatzbestellungen auf 61,6 Prozent (Stand: 26.10.2026) gestiegen. Ob das vom Ministerium im Rahmen der SEFE-Bestellung erklärte Füllziel von 70 Prozent noch erreicht wird, ist jedoch fraglich.
Mit Blick auf die vergangenen Jahre begann die Nettoentleerung der Speicher stets ab spätestens Anfang November aufgrund höheren Heizbedarfs. Die gesetzlichen Füllstandsvorgaben zum 1. November von 80 Prozent – mit der Ausnahme von sechs Speichern, für die 45 Prozent gelten – dürften ohnehin deutlich verfehlt werden.
Konsequenz für Gaskunden
Am 9. Oktober hat Epoch Times über die Empfehlung eines Energieexperten von Verivox berichtet, den Wechsel in einen neuen Gastarif nicht zu lange hinauszuzögern. Einen Tag zuvor, am 8. Oktober, kostete die Kilowattstunde (kWh) für Neukunden laut dem Portal 1-gasvergleich.com noch durchschnittlich 12,2 Cent. Vor dem Irankrieg lag der Preis bei rund 8 Cent.
Orientiert an der jüngsten Preisentwicklung müssen Neukunden nun 12,6 Cent pro kWh bezahlen. Das ist ein Anstieg um 3,3 Prozent innerhalb von 19 Tagen.

Am 27. Oktober 2026 ist der Gaspreis für private Neukunden auf 12,6 Cent pro Kilowattstunde angestiegen.
Foto: 1-gasvergleich.com
Da ein weiterer Preisanstieg in den dreistelligen Bereich am TTF möglich ist, kann sich ein schneller Wechsel, falls dieser ohnehin ansteht, finanziell lohnen. Gaskunden sollten sich allerdings die Lieferverträge genau anschauen. Wichtig ist laut Verivox der Vergleich der Konditionen des bestehenden Tarifs mit denen eines neuen.
Kunden sollten zudem auf die Dauer der Preisgarantie achten. Hier ist entweder ein festes Datum angegeben oder die Anbieter legen diese auf 12 oder 24 Monate fest. Wenn längerfristig hohe Preise zu erwarten sind, empfiehlt sich eine Preisgarantie möglichst für die nächsten zwei Jahre.


