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Xiaomi startet 2027 mit E-Autos in Deutschland


In Kürze:

  • Xiaomi will seine E-Autos ab der zweiten Jahreshälfte 2027 in Europa verkaufen – Deutschland soll als Einstiegsmarkt dienen.
  • Die Modelle SU7 und YU7 könnten in Europa deutlich teurer werden als in China.
  • Chinesische Autobauer gewinnen in Deutschland und weltweit Marktanteile, während deutsche Marken besonders in China unter Druck geraten.
  • Chinas Vorteile bei Batterien, Lieferketten und Produktionskosten verschärfen den Wettbewerb für Europas Autoindustrie.

 
Die Autosparte des chinesischen Multikonzerns Xiaomi will ihre E-Autos ab 2027 auch auf dem europäischen Markt verkaufen. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei auch Deutschland. Auf der IFA 2026 in Berlin hat Xiaomi Absichtserklärungen zum Aufbau von Vertrieb und Kundendienst unterzeichnet.
Wie es aus dem Konzern heißt, soll die reale Marktpremiere der E-Modelle von Xiaomi voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte von 2027 stattfinden. Dabei nennt der Anbieter Deutschland explizit als Einstiegsland in den europäischen Markt insgesamt. Seit 2024 ist der Xiaomi-Konzern, der zuvor eher für Smartphones und Unterhaltungselektronik bekannt war, auch in den Segmenten E-Mobilität und KI tätig. Seit Ende August 2026 gibt es auch eine globale Website der Autosparte.

Xiaomi äußert sich noch nicht zu Modellen

Genau Angaben darüber, welche Modelle der Konzern in Deutschland verkaufen will, gibt es noch nicht. Die bisherige Stärke chinesischer E-Autos auf dem deutschen Markt lag jedoch im unteren bis mittleren Preissegment – dem zuletzt am stärksten wachsenden Zielmarkt. Die hohen Treibstoffpreise der vergangenen Monate und neue Förderprogramme des Bundes haben den Absatz von reinen E-Autos und Hybridmodellen deutlich ansteigen lassen.
Auf dem chinesischen Markt ist die Elektrolimousine SU7 derzeit die meistverkaufte. Xiaomi spricht von mehr als 700.000 abgesetzten Modellen seit dem Verkaufsstart im Frühjahr 2024. Die Basisversion ist dort ab rund 200.000 Yuan (etwa 24.000 Euro) erhältlich. Für die höhere Preisklasse hat der Konzern mit dem SU7 Ultra ein Vorzeigemodell im Angebot, das in China ab umgerechnet etwa 64.000 Euro gehandelt wird. Das SUV YU7 positioniert sich preislich im mittleren Segment bei umgerechnet rund 30.000 Euro.
Die Strafzölle auf chinesische Importe von E-Autos werden zur Folge haben, dass dieses Preisniveau auf dem europäischen Markt nicht zu halten sein wird. Diese belaufen sich auf bis zu 38 Prozent des Listenpreises. Abhängig von Zoll, Logistik und Zulassungsmodalitäten ist zu erwarten, dass der Einstiegspreis für den SU7 in Europa deutlich über 45.000 Euro liegen könnte. Beim YU7 wird mit einem Einstiegspreis im Bereich von 45.000 bis 55.000 Euro gerechnet.

In welcher Marktlage Xiaomi nach Deutschland strebt

Damit würde sich Xiaomi nicht wie andere chinesische Anbieter schwerpunktmäßig auf das Billigsegment konzentrieren. Das Zielpublikum wäre – ausgehend von den beiden Leitmodellen – eher im Premium- und Technologiesegment mit starkem Ökosystem angesiedelt. Dabei handelt es sich um wohlhabendere Kunden, die Wert auf Vernetzung ihres E-Autos mit Smartphone und Smart-Home-Anwendungen legen.
Chinesische Marken hatten zuletzt auf dem deutschen Automarkt deutlich an Boden gewonnen. Diese Entwicklung vollzog sich parallel zur Krise deutscher Automobilhersteller, die vor zum Teil massiven Sparprogrammen und in einigen Fällen sogar Standortschließungen stehen. Der Marktanteil chinesischer Marken an Pkws aller Antriebsarten lag in Deutschland zuletzt bei etwa 8 Prozent. Im batterieelektrischen Segment (BEV) allein stieg er zuletzt von 10,4 auf 14 Prozent.
Im Bereich der bewilligten Förderanträge liegt der Anteil chinesischer Marken laut Bundesumweltministerium bei weniger als 15 Prozent und damit ebenfalls über dem Gesamtmarktanteil dieser Marken. Dies zeigt, dass Chinas Autoindustrie vor allem im förderfähigen Preissegment eine erhebliche Bedeutung erlangt hat. Weltweit ist die Dominanz Chinas im BEV-Bereich noch massiver: Insgesamt stammen dem „Industrie-Magazin“ zufolge mittlerweile drei Viertel aus chinesischer Produktion.

China expandiert mit E-Autos – Deutsche Konzerne mit Absatzproblemen

Während die chinesischen Anbieter weltweit expandieren, verlieren deutsche Autobauer in China massiv an Boden. Im ersten Halbjahr 2026 büßte die Volkswagen Group auf dem zuletzt mit Sättigungserscheinungen kämpfenden Markt 25,9 Prozent seiner Auslieferungen ein. Bei Porsche waren es sogar 32 Prozent. Aber auch Audi, BMW und Mercedes-Benz hatten zuletzt dort enttäuschende Zahlen zu verzeichnen.
In insgesamt 26 Schwellenländern sieht die Situation ähnlich aus: Chinas E-Auto-Exporte boomen, während deutsche Marken mit Absatzproblemen zu kämpfen haben. Damit hat China mit einer Strategie Erfolg, die zuvor eher die deutschen Anbieter stabilisiert hatte – nämlich drohender Stagnation auf dem Heimatmarkt mit einer Exportoffensive zu begegnen.
Der technologische Vorteil, den europäische Marken lange Zeit auf dem chinesischen Markt hatten, ist über die Zeit geringer geworden. Die zunehmende Umstellung auf E-Mobilität war für China und seine Autobauer die Chance, eigene strategische Vorteile auszuspielen. Mehr als 80 Prozent aller Batteriezellen weltweit werden in China produziert.

Marktbereinigung auch in China zu erwarten

Auch bei dafür erforderlichen Seltenen Erden kann China seine Vorteile beim Zugang und in der Lieferkette voll ausspielen. Der Export chinesischer Autos ist von 2024 auf 2025 nochmals deutlich gewachsen, von rund 6,4 auf 8,3 Millionen Fahrzeuge. Dazu kommen Kostennachteile vor allem in Ländern wie Deutschland, wo nicht nur hohe Kosten für Produktion und Energie durchschlagen, sondern auch die Verbraucher nach multiplen Krisen Konsumzurückhaltung üben.
Mittlerweile entwickeln chinesische Anbieter ihre E-Autos schneller, integrieren digitale Dienste und bieten die Fahrzeuge zu niedrigeren Preisen an. Zudem profitieren sie von großen Stückzahlen in der Produktion, neuen Werken und eingespielten Lieferketten. Faktoren wie Subventionen, künstliche Marktbarrieren und Industriespionage spielen ebenfalls eine Rolle – wobei es häufig schwierig ist, konkrete Fälle nachzuweisen.
Die Gewinnmargen der chinesischen Anbieter sind allerdings nach wie vor gering. Dazu kommen Überkapazitäten und Preiskriege auch auf dem heimischen Markt. Es könnte deshalb auch unter den chinesischen Autokonzernen selbst perspektivisch zu einer Marktbereinigung kommen. Für die selbst mit strukturellen Problemen belasteten deutschen und europäischen Anbieter ist das möglicherweise nur ein schwacher Trost.
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Norwegens E-Auto-Erfolg: Warum Deutschland das Modell kaum kopieren kann


In Kürze:

  • Norwegen erreicht bei Neuwagen einen Elektroauto-Anteil von 98,6 Prozent und gilt als weltweiter Vorreiter der Elektromobilität.
  • Der Erfolg beruht auf jahrzehntelanger Förderung, massiven Investitionen in die Ladeinfrastruktur und hohen Steuern auf Verbrennerfahrzeuge.
  • Die Elektrifizierung hat die CO₂-Emissionen im Straßenverkehr deutlich reduziert, brachte jedoch Herausforderungen für Stromnetze und Versorgungssicherheit mit sich.

 
Norwegen gilt als weltweiter Vorreiter der Elektromobilität. Fast 99 Prozent der Neuwagen fahren dort inzwischen rein elektrisch. Möglich wurde dies durch jahrzehntelange Förderung, hohe Belastungen für Verbrenner und günstigen Strom aus Wasserkraft. Doch der Erfolg hat seinen Preis und bringt neue Herausforderungen mit sich – etwa durch steigende Stromnachfrage und eine stärkere Abhängigkeit von chinesischer Batterietechnik.
Während in Deutschland die Elektrifizierung des Straßenverkehrs stark von Kaufprämien und der Debatte über steigende Treibstoffpreise geprägt ist, gilt Norwegen als Musterland des E-Autos. Dort lag der Anteil der vollelektrischen Neuzulassungen laut der Straßeninformationsbehörde OFV im April 2026 bei 98,6 Prozent aller Neuwagen. Ein gutes Drittel aller zugelassenen Fahrzeuge ist mittlerweile elektrisch – in Deutschland sind es etwas mehr als 4 Prozent.

Norwegen hat keine bedeutende Autoindustrie – aber eine ausgebaute Ladeinfrastruktur

Die Regierung in Oslo hat diese Entwicklung bereits früh unterstützt. Schon 2001 entfielen Mehrwertsteuer und Zulassungssteuer für Elektroautos, zudem gab es Vergünstigungen beim Parken, bei Fährverbindungen und der Maut. E-Auto-Fahrer konnten teilweise Busspuren nutzen. Vor allem aber wurden von Beginn an umfangreiche staatliche und private Investitionen in den Ausbau des Ladenetzes getätigt. Heute gibt es landesweit mehr als 10.000 Schnellladepunkte.
Gleichzeitig wurde das Fahren mit Verbrennungsmotor gezielt unattraktiver gemacht. Die Zulassungssteuer stieg innerhalb von 20 Jahren schrittweise auf das bis zu Vierfache. Je höher der CO₂-Ausstoß, desto höher fiel die Steuer aus. Dadurch erschien der Kauf eines Elektroautos häufig wirtschaftlich vorteilhafter.
Die Vorsitzende des norwegischen E-Auto-Verbandes, Christiana Bu, sieht auch die kontinuierliche politische Rückendeckung als entscheidenden Faktor. Diese habe Regierungswechsel überdauert. Zudem seien die Förderungen stabil und kalkulierbar gewesen, auch ihre Reduzierung sei frühzeitig angekündigt worden.
Gegenüber der WELT räumt Bu ein, dass ein solcher Kurs in Deutschland politisch vermutlich schwerer durchzusetzen wäre: „Aber das ist in einem Land, in dem die Automobilindustrie eine wichtige Rolle spielt, politisch natürlich viel schwieriger.“

Deutlich günstigere Strompreise machen auch E-Mobilität attraktiver

Es liegt jedoch nicht nur an der wenig bedeutenden heimischen Autoindustrie, dass das norwegische Elektrifizierungswunder nicht 1:1 auf Deutschland übertragbar erscheint. Auch der Strompreis ist ein Faktor, der sich im hohen Norden von hiesigen Breiten erheblich unterscheidet.
Im Vorjahr sank der durchschnittliche Strompreis für private Haushalte in Norwegen gegenüber 2024 um rund 2 Prozent auf 15 bis 20 Cent pro Kilowattstunde. Norwegen hat unterschiedliche Strompreiszonen, wobei Regionen mit viel an Erneuerbarer Energie besonders günstigen Strom aufweisen. Die Industriestrompreise lagen gar nur bei etwa 7,4 Cent.
Allerdings verfügt Norwegen auch über günstige und reichhaltige Möglichkeiten, erneuerbaren Strom zu erzeugen. Zu mehr als 93 Prozent erfolgt dies aus Wasserkraft. Gleichzeitig verfügt der Staat über enorme finanzielle Reserven aufgrund heimischer Förderung von Öl und Gas, das zu einem hohen Prozentsatz in den Export geht. Im Jahr 2024 betrugen die Einnahmen des Landes daraus mehr als 60 Milliarden Euro. Dies reichte problemlos, um Steuerausfälle durch die E-Auto-Förderung zu kompensieren. Diese summierten sich immerhin auf etwa 55 Milliarden Euro über 18 Jahre.

Norwegen rechnet mit 60 Prozent mehr Strombedarf bis 2040 – und will zurück in die Kernkraft

Die Elektrifizierung hat zwischen 2015 und 2024 tatsächlich einen Rückgang der CO₂-Emissionen aus dem Straßenverkehr um fast 30 Prozent bewirkt. Auch die Belastung mit Stickoxiden und Feinstaub ging zurück.
Allerdings musste das Land zu Beginn auf Netzengpässe reagieren. Die Antwort darauf waren variable Stromtarife, die nächtliches Laden förderten. Auch die harten Winter stellten ein Problem dar – vor allem für die Reichweite. Norwegen reagierte damit mit einem Ausbau der Ladeinfrastruktur insbesondere in den nördlichen Regionen. Allerdings diskutiert man mittlerweile auch über den Wiedereinstieg in die Kernkraft – denn bis 2040 rechnet man mit einem Anstieg der Stromnachfrage um weitere etwa 60 Prozent.
Außerdem hat die Elektrifizierung die Abhängigkeit von China gestärkt. Was Batterien anbelangt, fehlt es an einer stabilen Lieferkette und auch die Frage des Recyclings ist noch nicht zufriedenstellend gelöst. Dazu kommen Debatten über mögliche Sicherheitslücken – insbesondere bei chinesischer Technik. Im Vorjahr gab es etwa eine Debatte über Möglichkeiten chinesischer Hersteller, in Norwegen verwendete E-Busse aus der Ferne lahmzulegen.