Wie steht es um den Schutz der Natur? Vier Jahre nach einer internationalen Einigung auf ein Rahmenabkommen ziehen auf der 17. UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt (COP17) fast 200 Länder eine Zwischenbilanz.
Zwei Wochen lang soll es ab Montag (19.10.) in der armenischen Hauptstadt Eriwan darum gehen, wie sich die selbst gesteckten Ziele bis 2030 noch erreichen lassen – trotz Hürden und Rückschläge. Fünf Fragen und Antworten zur Konferenz.
Worauf haben sich die Länder geeinigt?
Mit einem Vertrag haben sich die Staaten im Jahr 2022 unter anderem darauf geeinigt, mindestens 30 Prozent der weltweiten Land- und Meeresflächen unter Schutz zu stellen. Zur Halbzeit geht es nun um die erste Zwischenbilanz.
Wo steht die Welt beim Schutz von Natur und Artenvielfalt?
Vor der Konferenz haben die UN einen Zwischenbericht veröffentlicht, der zeigt, wo die Welt bei der Umsetzung des Abkommens steht. Daraus geht hervor, dass die Ziele bis 2030 nicht erreicht werden, wenn das Tempo nicht anzieht. Es werde zu wenig und zu langsam umgesetzt.
UN-Generalsekretär António Guterres hob positiv hervor, fast 90 Prozent der Vertragsstaaten hätten eigene nationale Ziele zum Schutz der Artenvielfalt eingeführt.
„Aber der Bericht zeigt eine Lücke zwischen Ambitionen und Maßnahmen“, sagte er. „Diese schlechten Nachrichten bedeuten, dass der Krieg gegen die Natur noch nicht beendet ist.“
Ein Knackpunkt ist die Finanzierung. Guterres rief zu stärkerer finanzieller und technischer Unterstützung, insbesondere für Entwicklungsländer, auf sowie zur stärkeren Einbeziehung biologischer Vielfalt in alle Bereiche der Politik und Haushaltsplanung.
Was sagen Naturschützer dazu?
Umweltschützer sehen Fortschritte, beklagen aber, dass es zu langsam geht. Umsetzungslücken müssten geschlossen, die Finanzierung gesichert und ausgebaut, Flächen effektiv geschützt sowie Klima- und Biodiversitätsschutz verzahnt werden, fordert etwa Greenpeace Deutschland.
Der Präsident des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu), Jörg-Andreas Krüger, sagte, Deutschland und Europa müssten bei der Konferenz vorangehen, und zeigen, dass sie Maßnahmen zur Wiederherstellung der biologischen Vielfalt ergreifen.
Der WWF fordert, Natur- und Artenschutz sollten stärker in mehr verschiedene Politikbereiche integriert und auch dort umgesetzt werden.
Wie steht die Bundesregierung dazu?
Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) sagte vor der Konferenz ebenfalls: „Die Weltgemeinschaft hat Fortschritte gemacht, aber bei der Umsetzung gibt es noch große Lücken.“ Es gelte, schneller zu werden, um die gemeinsamen Ziele noch zu erreichen.
Der SPD-Politiker reist in der zweiten Woche zur Konferenz und leitet die deutsche Delegation. „Wir haben in Deutschland noch Hausaufgaben zu machen“, sagte er. „Aber wichtig ist auch die internationale Zusammenarbeit, damit die Natur in anderen Teilen der Welt überleben kann.“
Wie geht es Schutzgebieten in Deutschland?
Nach einer wissenschaftlichen Analyse von Schutzgebieten nach der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) seien nur sechs Prozent der Lebensräume und vier Prozent der Arten in einem günstigen Zustand, heißt es in einem Diskussionspapier der Nationalen Akademie der Wissenschaften in Halle. Die FFH-Schutzgebiete sollen besonders wertvolle oder gefährdete Tier- und Pflanzenarten sowie Lebensräume schützen.
Als zentrale Ursachen für den schlechten Zustand vieler Schutzgebiete nennen die Autoren intensive Landwirtschaft, Entwässerung, forstliche Nutzung und menschliche Störungen. Hinzu kämen Belastungen von außen wie Pflanzenschutzmittel, Nährstoffeinträge, Bebauung und Klimawandel.
Besonderen Handlungsbedarf sehen die Fachleute bei Wäldern und Meeresschutzgebieten. Ziel sollte es demnach sein, 10 Prozent der Wälder im öffentlichen Eigentum und 10 Prozent der Meeresschutzgebiete als streng geschützte Bereiche ohne sogenannte stoffliche Nutzung – vor allem ohne Fischerei und ohne Bauwerke – auszuweisen.
Derzeit sei in deutschen Meeresgebieten nur etwa ein Prozent der Fläche von jeglicher Nutzung ausgenommen. (dpa/red)




