Nach den abendlichen Krawallen in Frankfurt am Main hat sich die Lage in der Nacht zum Sonntag entspannt. Die Polizei bleibe mit starken Kräften präsent, sagte ein Sprecher.
Im Anschluss an eine Demonstration hatten Randalierer in der Innenstadt der Mainmetropole Polizisten angegriffen und Geschäfte geplündert. Es gab Verletzte, die Polizei nahm mehr als 30 Menschen vorläufig fest. Das Spezialeinsatzkommando (SEK) war im Einsatz. Nachdem die Polizei ein Gebiet in der Innenstadt abgesperrt hatte, beruhigte sich die Lage bis zum frühen Sonntagmorgen.
Nach zunächst weitgehend friedlichen Demonstrationen Zehntausender junger Menschen war es am Samstagabend vor allem in Frankfurt und Köln zu gewalttätigen Szenen und Ausschreitungen gekommen. In Berlin gab es Flaschen- und Böllerwürfe. In einigen Städten setzte die Polizei Wasserwerfer ein.

Ein Feuer brennt bei Ausschreitungen in der Innenstadt von Frankfurt am Main.
Foto: Andreas Arnold/dpa
Diebstahl im Waffenladen
In Frankfurt waren schockierende Szenen am Samstagabend zu beobachten, rohe Gewalt und Plünderungen. Als die Scheibe eines Geschäftes durchbrochen ist, dringen mehrere der dunkel gekleideten und teils vermummten Männer in den Laden ein. Sie nehmen sich Turnschuhe und andere Dinge, die sie auf die Schnelle greifen können, dann verschwinden sie schnell wieder in der Dunkelheit. Auch in einem Waffenladen greifen sie zu – die Polizei stellt später zwei Waffen sicher.
An anderer Stelle in der Frankfurter Innenstadt liegen Absperrgitter für Baustellen auf der Straße, Randalierer zünden Müll an, Böller fliegen gegen einen Wasserwerfer der Polizei.
Reporter des Hessischen Rundfunks (hr) berichteten von fliegenden Böllern, Feuerwerksraketen und Flaschen sowie umgeworfenen Barrikaden. Wasserwerfer, gepanzerte Polizeifahrzeuge, ein Hubschrauber und Drohnen kamen dem Sender zufolge zum Einsatz.
Demnach handelte es sich bei vielen Randalierern um Jugendliche, die die Auseinandersetzung mit der Polizei suchten. Wie der hr weiter berichtete, war unklar, welche Gruppen sich an den Ausschreitungen beteiligten.
Landesregierung kündigt harte Konsequenzen an
„Ich bin schockiert von den Gewaltexzessen in Frankfurt, die nicht ohne Konsequenzen bleiben werden“, sagte Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU).
„Wer sich so verhält wie die Angreifer in der Frankfurter Innenstadt, stellt sich außerhalb unserer Gesellschaft. Wir werden Aggressoren, Tätergruppen und Hergang genau bewerten und unsere Schlüsse ziehen.“
Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) kündigte ein hartes Vorgehen gegen die Randalierer an.
„Hier hat sich eine verheerende Verbindung von Linksextremisten und gewalttätigen jungen Menschen entladen.“
Es gebe ein enormes Aggressionspotential der Randalierer. Für ihn sei klar, dass es so nicht weitergehen könne. „Wir brauchen ein frühzeitiges und hartes Durchgreifen gegen diejenigen, die unsere Regeln missachten und unsere gesamte Gesellschaft angreifen.“
Auch CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann kritisierte die Krawalle nach den Demonstrationen. Sie sagte dpa, es stimme traurig, dass friedlicher Protest teilweise kaum mehr möglich sei.
„Ein wirklich inhaltliches Ziel der Demonstrationen blieb bis zuletzt fraglich – für einige war das der perfekte Deckmantel für Gewalt und Ausschreitungen, die sicher die Mehrheit der Teilnehmer ablehnten. Diese zerstörerische Wut gegen das Land, in dem man lebt, ist mir unerklärlich.“
„Gen Z regelt“ distanziert sich von Gewalt
Ein Sprecher der Initiative „Gen Z regelt“ sagte: „Was nach dem Ende der Kundgebungen passiert ist, darauf hatten wir keinen Einfluss.“
Die Initiative veröffentlichte am Samstagabend auf Instagram eine Stellungnahme, worin sie sich von „jeglicher Form der Gewalt sowie von gewalttätigen Handlungen anderer Gruppen oder Einzelpersonen“ distanziert, die nicht Teil der Demonstrationen waren.
„Wir stehen für friedlichen Protest, demokratische Werte und das Recht, unsere Meinung frei zu äußern. Gewalt war und ist niemals Teil unserer Bewegung.“

Zuvor hatten bundesweit Zehntausende junge Leute ohne größere Zwischenfälle demonstriert.
Foto: Pia Bayer/dpa
Kurz vor 20:00 Uhr nannte der Sprecher vom Presseteam der Initiative „Gen Z regelt“ eine Teilnehmerzahl von mehr als 100.000, die Zahlen von sechs bis acht Städten würden noch fehlen. Bundesweite Zahlen der Polizei lagen zunächst nicht vor.
Nächster Protest geplant
In drei Wochen will die Initiative wieder bundesweit Menschenmassen mobilisieren. Sie bezeichnete die Demonstrationen am Samstag nur als ersten Schritt.
„Wir wollen uns an den europaweiten Protesten am 20. November beteiligen“, sagte der Sprecher des Presseteams, der öffentlich nur unter seinem Vornamen Amadeo auftreten will, dpa.
Für jenen Tag hat ein breites Bündnis zur Teilnahme an einem Internationalen Jugendstreiktag aufgerufen, darunter die Bundesschülerkonferenz, die sich zuvor von den „Gen Z regelt“-Protesten distanziert hatte.
Ihre Begründung: „Unklare“ Organisationsstrukturen der Bewegung: „Man weiß nicht so genau, wer dahintersteht“, hatte Amy Kirchhoff, Generalsekretärin der Bundesschülerkonferenz, vor den Protesten am Reformationstag gesagt. (dpa/afp/red)


