Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat dem russischen Außenminister Sergej Lawrow beim G20-Außenministertreffen in den USA vorgeworfen, dort Lügen über den Ukraine-Krieg verbreitet zu haben.
„Natürlich hat er viele Lügen, viele falsche Darstellungen vorgebracht, die wir anschließend widerlegen konnten“, sagte Kallas am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Lawrow habe keine Bereitschaft Moskaus zu Friedensverhandlungen erkennen lassen. Lawrow selbst berichtete dagegen von einem „angenehmen“ Gespräch mit seinem US-Kollegen Marco Rubio.
Lawrow sei bei den Beratungen „ziemlich provokant“ aufgetreten, sagte ein weiterer europäischer Diplomat vor Journalisten.
Kallas: Taten sprechen eine andere Sprache
Auf die Frage, ob Lawrow Anzeichen für ein Einlenken gezeigt habe, antwortete Kallas mit „Nein“. „Selbst wenn sie dies mit Worten behaupten würden, sprechen ihre Taten eine andere Sprache“, sagte sie über die russische Führung. Die Monate Juli, August und September seien für Zivilisten in der Ukraine die tödlichsten gewesen. Russland müsse „mit Taten zeigen, dass es zu Verhandlungen bereit ist“, fügte sie hinzu. „Aber das ist es ganz eindeutig nicht.“
Forderung nach Waffenruhe im Schwarzen Meer
Kallas forderte weiteren Druck auf Moskau, insbesondere für eine Waffenruhe im Schwarzen Meer. „Für uns ist ganz klar, dass der Druck auf den Aggressor ausgeübt werden muss, um diesen Krieg zu beenden“, sagte sie.
Auch Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) forderte Russland auf, das Angebot der Ukraine für eine Waffenruhe anzunehmen, zunächst im Schwarzen Meer.
Europäer verweigern gemeinsames Gruppenfoto
Die USA, der Gastgeber des G20-Treffens, hatten Lawrow zu den Gesprächen nach Atlanta im US-Bundesstaat Georgia eingeladen. Seine Teilnahme hatte unter europäischen Außenministern für Unmut gesorgt.
Das traditionelle Gruppenfoto wurde abgesagt, weil europäische Vertreter nicht gemeinsam mit Lawrow posieren wollten. Bundesaußenminister Wadephul hatte dazu mit Blick auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine erklärt, es gebe „keine Normalität mit Russland“.
Kallas bekräftigte, die Europäer wollten die Anwesenheit Russlands bei internationalen Treffen nicht zur Normalität werden lassen.
Lawrow kritisierte die europäischen Vertreter seinerseits für ihren „arroganten Boykott“. Zugleich lobte er die Bereitschaft der Regierung von US-Präsident Donald Trump, mit Moskau im Gespräch zu bleiben.
Ein US-Regierungsvertreter erklärte, das Gruppenfoto sei abgesagt worden, um zu verhindern, dass der Fototermin von einem diplomatischen Streit überschattet werde.
Lawrow: „Angenehmes“ Gespräch mit Rubio
„Wir haben ein angenehmes Gespräch geführt, wenn auch ein kurzes, weil er aus verständlichen Gründen als Gastgeber viele Pflichten hat“, sagte Lawrow am Freitag vor Journalisten über sein Treffen mit Rubio.
Hintergrund des Treffens der beiden Außenminister ist die Annäherung von Trump an den russischen Staatschef Wladimir Putin. Für November sind neue Verhandlungen zwischen Russland, der Ukraine und den USA im Gespräch.
Trump lädt Putin zum G20-Gipfel ein
Die USA haben in diesem Jahr den Vorsitz der G20-Gruppe der führenden Industrie- und Schwellenländer. Trump hat Putin zum G20-Gipfel in Miami im Dezember eingeladen.
Der Gipfel soll in einem Golfclub des US-Präsidenten im Bundesstaat Florida stattfinden. Eine Zusage aus Moskau gibt es bisher nicht. Zudem hat Trump einige Sanktionen gegen Moskau gelockert. (afp/red)