Categories
etplus ticker vital

Zu wenig oder zu viel Testosteron: Beides kann dem Herzen schaden

Mehr Testosteron ist nicht automatisch besser – weniger aber auch nicht.
Eine Anfang September im Fachjournal „Journal of the Endocrine Society“ veröffentlichte Übersichtsarbeit hat Daten früherer Studien ausgewertet. Sie sollte klären, wie sich der Testosteronspiegel auf die Herzgesundheit auswirkt. Das Ergebnis: Sowohl niedrige als auch hohe Werte gehen mit einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern einher.
Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung. Weil sich dabei im Vorhof des Herzens Blutgerinnsel bilden können, steigt mit ihm auch das Risiko für einen Schlaganfall.

Zwei Wege aus dem Takt

Testosteron beeinflusst das elektrische Reizleitungssystem des Herzens. Ist zu wenig oder zu viel davon im Blut, kann der Herzrhythmus aus dem Gleichgewicht geraten.
Studien deuten darauf hin, dass ein hoher Testosteronspiegel die Erholungsphase der Herzmuskelzellen zwischen zwei Schlägen verkürzen kann. Fehlgeleitete elektrische Signale können dann immer wieder durch das Herzgewebe kreisen – der Herzschlag gerät aus dem Takt.
Ein niedriger Testosteronspiegel wiederum kann den Kalziumhaushalt in den Herzzellen stören. Dadurch können zusätzliche elektrische Impulse entstehen, die ebenfalls Rhythmusstörungen auslösen.
„Sowohl zu wenig als auch zu viel Testosteron scheinen das Risiko für Vorhofflimmern zu erhöhen – über jeweils eigene biologische Mechanismen. Das bedeutet, dass die Dosis und der angestrebte Zielwert entscheidend sind“, erklärte der leitende Studienautor Dr. Rajat Barua in einer Pressemitteilung. Barua ist Kardiologe am Veteranenkrankenhaus in Kansas City im US-Bundesstaat Missouri.

Viele Wege zum erhöhten Herzrisiko

Steigt der Testosteronspiegel zu stark an, kann das die Gefahr für Herz und Gefäße auf mehreren Wegen erhöhen:
  • Dickeres Blut: Testosteron regt das Knochenmark an, vermehrt rote Blutkörperchen zu bilden. Das Blut wird dickflüssiger, das Risiko für Blutgerinnsel steigt.
  • Höherer Blutdruck: Testosteron lässt den Körper mehr Natrium zurückhalten. Die Folge sind Wassereinlagerungen, die den Blutdruck erhöhen können. Das Herz muss stärker pumpen und wird auf Dauer stärker belastet.
  • Ungünstige Blutfette: Hohe oder unkontrollierte Testosterondosen können die Cholesterinwerte verschlechtern. Das sogenannte „gute“ HDL-Cholesterin kann sinken, das „schlechte“ LDL-Cholesterin steigen. Das kann Ablagerungen in den Arterien begünstigen.

Behandlung nach Maß

Die TRAVERSE-Studie aus dem Jahr 2023 untersuchte Männer mit niedrigem Testosteronspiegel, die bereits herzkrank waren oder ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko hatten. Sie kam zu dem Ergebnis: Eine Testosteronersatztherapie erhöht das Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall nicht. Vorhofflimmern trat unter der Therapie allerdings häufiger auf – bei 3,5 Prozent der behandelten Männer gegenüber 2,4 Prozent in der Placebogruppe.
Barua empfiehlt deshalb, die Behandlung individuell anzupassen und sorgfältig zu überwachen. Ziel solle dabei sein, den Testosteronspiegel im mittleren Normbereich zu halten – nach Einschätzung der Studienautoren etwa zwischen 350 und 550 Nanogramm pro Deziliter. Das entspricht 3,5 bis 5,5 Nanogramm pro Milliliter oder rund 12 bis 19 Nanomol pro Liter, den in deutschen Laborbefunden üblichen Einheiten.
Präparate, die den Wirkstoff gleichmäßig abgeben, können helfen, den Spiegel stabil zu halten. Während der Behandlung sollten Ärzte zudem regelmäßig Herzrhythmus, Blutwerte, Blutdruck sowie Nieren- und Leberfunktion kontrollieren.
Vor Beginn einer Testosterontherapie sollten Ärzte außerdem Faktoren wie Übergewicht, Schlafapnoe, Bluthochdruck und Alkoholkonsum berücksichtigen, so die Forscher.

Welche Untersuchungen vor einer Testosterontherapie sinnvoll sind

Männer, die eine Testosteronersatztherapie erwägen, sollten ihren allgemeinen Gesundheitszustand gut kennen. Das sagte Dr. Cory Rice gegenüber der englischsprachigen Ausgabe der Epoch Times. Rice ist leitender klinischer Berater und Mitglied des medizinischen Beirats von Biote. Das US-Unternehmen für Hormonoptimierung schult und zertifiziert medizinisches Fachpersonal in der Hormon- und Testosterontherapie. An der Studie war Rice nicht beteiligt.
„Bevor eine Testosteronersatztherapie beginnt, müssen sich Patient und Arzt gemeinsam ein fundiertes Bild von der Stoffwechselgesundheit machen“, sagte Rice. Als Ausgangspunkt nannte er Blutzucker- beziehungsweise Insulinwerte, Blutdruck, Körperzusammensetzung und ein erweitertes Blutfettprofil.
„Je nach den Risikofaktoren des Patienten, etwa Alter und familiärer Vorbelastung“, fügte Rice hinzu, „sollte in diesem Gespräch auch geklärt werden, ob eine vorsorgliche Untersuchung auf Herzerkrankungen sinnvoll ist – etwa eine Computertomografie zur Bestimmung des Koronarkalks oder ein Belastungstest.“
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel „Too Little or Too Much Testosterone Could Jeopardize Heart Health“. (deutsche Bearbeitung: kr)

Leave a Reply

Your email address will not be published.