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Betrüger machen Onlinehändlern das Leben schwer


In Kürze:

  • Fast jeder Onlinehändler ist bereits mit Betrug oder Betrugsversuchen konfrontiert worden.
  • Identitätsbezogene Delikte gehören zu den häufigsten Betrugsmaschen.
  • Onlinehändler sind daher zu umfangreicheren Kontrollen gezwungen.
  • Einen gewissen Schutz soll die starke Kundenauthentifizierung bieten.

 
Fast jeder Onlinehändler in Deutschland ist laut einer Umfrage bereits mit Betrug oder Betrugsversuchen konfrontiert worden. So haben 93 Prozent der befragten Unternehmen entsprechende Erfahrungen gemacht, teilen der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh) und der Informationsdienstleister CRIF mit. An der Umfrage nahmen etwa 80 Onlineshops teil.

 Mehr als 90 Prozent der Händler betroffen

Damit bleibt der Anteil betroffener Händler weiter auf einem sehr hohen Niveau. Laut einer von CRIF im vergangenen Jahr initiierten Erhebung lag die Quote der betrogenen Händler bei 95 Prozent. An dieser Befragung nahmen seinerzeit etwa 50 Shops teil.
Ein Blick auf die Statistik: Die Schätzungen zur Zahl der Onlineshops hierzulande gehen weit auseinander. Laut der Datenbank Listflix, die eigenen Angaben zufolge die Zahlen täglich aktualisiert, waren es am Mittwoch, 23. September, 190.728 Shops. Die meisten, nämlich 39.346, gibt es in Nordrhein-Westfalen. Die höchste Dichte hat Hamburg mit 6.901 Shops, das entspricht 370,51 je 100.000 Einwohner.
Wesentlich mehr Shops, nämlich rund 325.400, nennt wiederum die Datenbank ShopRank. Die Zahlen stammen vom vergangenen Juni. Der große Unterschied bei der Zahl der Shops in den beiden Datenbanken erklärt sich durch die Methodik: Listflix und ShopRank greifen auf verschiedene Datenquellen zurück und erfassen Onlineshops nach unterschiedlichen Kriterien.

80,4 Milliarden Euro Umsatz

Dabei erzielten allein die 1.000 umsatzstärksten Händler 2024 zusammen einen Nettoumsatz in Höhe von 80,4 Milliarden Euro im Onlinegeschäft. Das entspricht einer preisbereinigten Wachstumsrate von 3 Prozent gegenüber 2023, schreibt das Handelsforschungsinstitut EHI Retail Institute.
Zurück zum eigentlichen Thema: Als häufigste Betrugsform nennen die Unternehmen laut bevh sogenannte identitätsbezogene Delikte, also Straftaten, bei denen die Identität einer Person missbraucht, gefälscht oder unrechtmäßig verwendet wird.
Weitere häufig genannte Muster beträfen den Bestell- und Retourenprozess. Sechs von zehn Unternehmen sehen sich demnach mit Fällen konfrontiert, in denen Kunden den Erhalt der Ware abstreiten. In 40 Prozent der Fälle spielten gestohlene Zahlungsdaten, etwa von Kreditkarten, eine Rolle.
Die Schäden fielen laut den Angaben teils erheblich aus. 45 Prozent der Händler bezifferten ihre jährlichen Verluste durch Betrügereien auf 10.000 bis 100.000 Euro. Bei etwa jedem Siebten (15 Prozent) sind es sogar mehr als 100.000 Euro.

„Hase-und-Igel-Spiel“

CRIF-Deutschland-Geschäftsführer Frank Schlein erklärte laut Mitteilung, der Kampf gegen Betrug entwickle sich zunehmend zu einem „Hase-und-Igel-Spiel“ zwischen Händlern und Betrügern. Neue Betrugsmaschen und Gegenmaßnahmen träfen in immer kürzeren Abständen aufeinander und Künstliche Intelligenz werde „die Komplexität des Phänomens und diesen Wettlauf noch weiter verschärfen“.
Diese Problematik und ihre Entwicklung haben für Kunden Konsequenzen. Der zunehmende Betrug zwingt Onlinehändler zu umfangreicheren Kontrollen. Für die Kunden kann das den Einkauf komplizierter machen. Die bereits erwähnte Befragung von CRIF und bevh zeigt, dass 75 Prozent der Händler schon Maßnahmen zur Betrugserkennung einsetzen. Gleichzeitig sehen 69 Prozent die Herausforderung darin, Präventionsmaßnahmen so zu gestalten, dass sie sowohl dem Risiko als auch den Kunden gerecht werden.
Wie schwierig das ist, zeigt der jährlich erscheinende Fraud Report des niederländischen Finanztechnologieunternehmens Adyen, der sich mit Betrug und dessen Bekämpfung im digitalen Handel beschäftigt. Dem Versuch der Unternehmen, Betrug abzuwenden, fallen nämlich mitunter auch ehrliche Kunden zum Opfer. So blockieren laut Report statische Kontrollen bis zu 10 Prozent der potenziellen Käufer. Etwa 50 Prozent der Shops verzeichnen einen Zuwachs an diesen sogenannten False Declines, den fälschlich abgelehnten Transaktionen. Den Shops entsteht so ein zusätzlicher Umsatzverlust.
Das Dilemma ist offensichtlich. Kontrollieren die Unternehmen nicht streng genug, laufen sie Gefahr, Betrügern zum Opfer zu fallen. Sind sie zu rigoros, können sie falsche Entscheidungen treffen. Laut Report erwarten etwa 70 Prozent der Unternehmen, dass sich Betrug negativ auf ihren Umsatz auswirkt.

So können sich Händler vor Betrug schützen

Onlinehändler haben verschiedene Möglichkeiten, um sich vor Betrug zu schützen. Eine wichtige Rolle spielt die starke Kundenauthentifizierung. Dabei muss ein Kunde seine Identität bei bestimmten elektronischen Zahlungen mit zusätzlichen Sicherheitsmerkmalen bestätigen. Die Europäische Union hat diese Vorgabe mit der Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 eingeführt. Bei Fernzahlungen müsse die Authentifizierung außerdem den konkreten Betrag und den Zahlungsempfänger eindeutig mit der Zahlung verbinden, heißt es in Artikel 97 dieser Richtlinie.
Daten der Europäischen Zentralbank und der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde zeigen, dass geringere Betrugsraten die Folge dieser Maßnahme sind. Für ihren gemeinsamen Bericht zum Zahlungsbetrug haben beide Institutionen Daten aus dem Europäischen Wirtschaftsraum für die Jahre 2022 bis 2024 ausgewertet. Demnach weisen Zahlungen mit starker Kundenauthentifizierung im Allgemeinen niedrigere Betrugsraten auf als Zahlungen ohne eine zusätzliche Authentifizierung. Besonders deutlich zeige sich dieser Unterschied bei Kartenzahlungen, heißt es in dem im vergangenen Jahr erschienenen Bericht.

Austausch von Informationen als Mittel zur Prävention

Eine weitere Möglichkeit ist die Überwachung von Zahlungen. Händler und Zahlungsdienstleister können Transaktionen auf ungewöhnliche Muster prüfen. Als Kriterien nennt die Europäische Bankenaufsichtsbehörde unter anderem die Höhe und Häufigkeit von Zahlungen sowie Abweichungen vom bisherigen Zahlungsverhalten eines Kunden. Bei Zahlungen, die sofort ausgeführt werden, empfiehlt die Behörde eine Prüfung in Echtzeit. Diese Maßnahmen beschreibt die Europäische Bankenaufsichtsbehörde in ihrer Stellungnahme zu neuen Formen des Zahlungsbetrugs aus dem Jahr 2024.
Daneben empfiehlt die Europäische Bankenaufsichtsbehörde ein systematisches Management von Betrugsrisiken. Unternehmen sollen Informationen über Betrugsfälle erfassen und auswerten. Die Behörde nennt außerdem den Austausch von Informationen über Betrugsfälle als Möglichkeit, betrügerische Zahlungen besser zu erkennen und zu verhindern.
Die Sicherheitsmaßnahmen können allerdings nicht jede Form des Betrugs verhindern. Die Europäische Zentralbank und die Europäische Bankenaufsichtsbehörde weisen darauf hin, dass Betrüger ihre Methoden verändern. Die starke Kundenauthentifizierung schützt demnach weiterhin vor bestimmten Betrugsformen. Gleichzeitig beobachten die beiden Institutionen eine Zunahme von Betrugsfällen, bei denen Kriminelle Kunden dazu bringen, eine Zahlung selbst zu autorisieren. Für das Jahr 2024 weisen Zentralbank und Bankenaufsichtsbehörde im Europäischen Wirtschaftsraum einen Zahlungsbetrug in Höhe von 4,2 Milliarden Euro aus.

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