Wenn sie die Bühne betritt und Geschichten erzählt, kleben die Zuhörer – ob klein oder groß – regelrecht an ihren Lippen. Durch die britische Pädagogin Natalia Nutting wird die uralte Kunst des Storytellings wieder erlebbar. Im Gespräch mit Epoch Times schildert sie, wie Eltern mit starken Geschichten die oft schwierige Kommunikation mit Jugendlichen verändern und wieder eine echte Verbindung aufbauen können. Damit das Zuhause wieder zu einem Ort wird, an dem sich die Kinder gern aufhalten.
Was ist für dich die „Kunst des Storytellings“ im Kern?
Die Kunst des Storytellings ist eine uralte mündliche Tradition und der effektivste Weg, mit dem wir Wissen, Weisheit und Werte weitergegeben, Impulse gesetzt und Völker vereint haben. Es geht um eine Erfahrung, die jemand gemacht hat und aus der eine Erkenntnis oder Entdeckung hervorgegangen ist. Sowohl die Szene des Geschehens als auch der Weg, den die Figur zurückgelegt hat, werden lebendig. Und genau so haben wir es seit Anbeginn der Zeit getan. Eine gut erzählte Geschichte kann alle Sinne ansprechen.
Kannst du das näher erklären?
Wenn die Umgebung gut beschrieben ist, entstehen Bilder im Kopf des Zuhörers. Ist die Figur, um die es geht, dem Zuhörer ähnlich, entsteht Empathie. Es wird Neugier geweckt, weil wir wissen wollen, was mit dieser Figur geschieht.
Das Geschichtenerzählen weckt die Vorstellungskraft, sodass Zuhörer etwas erleben, ohne es wirklich am eigenen Leib erfahren zu haben. Dadurch können sie eigene Schlussfolgerungen ziehen und lernen, kritisch zu denken, Zusammenhänge herzustellen und komplexe Themen durch die Erfahrungen eines anderen Menschen zu begreifen.
Darin liegt der grundlegende Unterschied zwischen einem Vortrag und der Kunst des Geschichtenerzählens.
Warum funktionieren Geschichten besser als reine Fakten oder Regeln?
Bei einem Vortrag mit reinen Fakten oder Regeln wird der Lehrstoff isoliert präsentiert. Die Zuhörer stimmen entweder aufgrund eigener Erfahrung zu, fügen sich vorübergehend der Darstellung oder hören gar nicht hin. Ein Vortrag bedeutet nicht, dass der Zuhörer etwas lernt.
Welche Elemente braucht eine gute Kurzgeschichte, damit sie wirkt?
Ganz einfach: Eine Figur gerät in Schwierigkeiten und geht als Sieger hervor. Aber die Art und Weise, wie man die Geschichte erzählt, kann über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.
Hier sind einige Tipps, was man tun und was man vermeiden sollte:
✓ Tauche direkt in die Handlung ein, mitten in den Konflikt – das weckt die Neugier!
✓ Nutze Dialoge und Körpersprache für jede Aktion – es wird spannend, wenn die Stimmen der Figuren zum Leben erweckt werden!
✓ Halte Augenkontakt mit deinem Publikum – das zieht es in deinen Bann!
✓ Erzähle nur eine Geschichte, die für die Person vor dir relevant ist.
✓ Nutze Dialoge und Körpersprache für jede Aktion – es wird spannend, wenn die Stimmen der Figuren zum Leben erweckt werden!
✓ Halte Augenkontakt mit deinem Publikum – das zieht es in deinen Bann!
✓ Erzähle nur eine Geschichte, die für die Person vor dir relevant ist.
• Erzähle keine Hintergrundgeschichte zur Geschichte – niemand will das hören, das macht es langweilig!
• Gib keine Interpretationen zu den Fakten ab und halte keine Vorträge mitten in der Geschichte – das macht es zäh! Wir wollen nur wissen, was passiert ist!
• Weiche nicht zu einer anderen Geschichte ab, ohne die erste zu Ende zu erzählen – das irritiert die Leute!
• Gib keine Interpretationen zu den Fakten ab und halte keine Vorträge mitten in der Geschichte – das macht es zäh! Wir wollen nur wissen, was passiert ist!
• Weiche nicht zu einer anderen Geschichte ab, ohne die erste zu Ende zu erzählen – das irritiert die Leute!
Wie können Eltern das Geschichtenerzählen nutzen, um ihre Kinder zu erziehen, ohne ihnen Anweisungen zu erteilen?
Tolle Frage! Eltern verlieren zunehmend den Kontakt zu ihren Kindern und die Kommunikation mit ihnen im Teenager-Alter. Sie glauben, dass ihre Kinder ihnen einfach folgen, wenn sie ihnen Anweisungen geben. Falsch – Kinder folgen inspirierenden Vorbildern, die ihnen eine Vision vermitteln können. Und genau das bewirkt das Geschichtenerzählen.

Mit spannenden Geschichten werden Eltern zu Vorbildern, denen die Kinder nacheifern.
Foto: BrianAJackson/iStock
Viele Eltern bekommen von ihren Teenagern nur Ein-Wort-Antworten. „Wie war dein Tag?“ „Gut.“ Sie versuchen, ihnen behutsam Ratschläge zu geben, werden dabei aber nur mit Augenrollen, tiefen Seufzern oder sofortiger Abwehrhaltung konfrontiert. Jeder Gesprächsversuch gleicht einem Minenfeld. Eine falsche Frage, und schon verschließen sich die Kinder, ziehen sich in ihr Zimmer zurück und verstecken sich hinter ihren Bildschirmen.
Das tut weh. Eltern spüren, wie die Distanz von Tag zu Tag wächst. Sie haben Angst, dass sich ihnen die Möglichkeit, ihr Kind wirklich kennenzulernen, immer weiter verschließt. Allerdings bringt es nichts, sie zum Reden zu zwingen. Ein Verhör führt ins Leere. Und Vorträge treiben die Kinder nur noch weiter in die Ferne.
Was ist deine Lösung?
Um den digitalen Lärm und die Mauern der Jugendlichen zu durchbrechen, braucht man keine besseren Argumente, sondern bessere Geschichten.
„Das Erzählen von Geschichten ist ein neurologischer Geheimcode. Eine gut erzählte Geschichte umgeht die natürliche Logik und die Abwehrmechanismen eines Jugendlichen.
Wenn Eltern lernen, Geschichten zu erzählen, die ihre Kinder unterhalten, bilden und stärken, überbrücken sie nicht nur die Kluft, sondern gestalten die Dynamik völlig neu – und ihr Zuhause wird wieder zu dem Ort, an dem ihre Kinder sich gern aufhalten.
Wie können Eltern Storytelling im Alltag fördern?
Geschichten prägen die Seele. Darüber müssen sich Eltern und Lehrer im Klaren sein. Schon Platon hat erkannt, dass der menschliche Geist Geschichten aufnimmt, noch bevor er die Vernunft entwickelt. Aus diesem Grund argumentierte er, dass die allerersten Dinge, die Kinder hören, sorgfältig ausgewählte Geschichten sein müssen, um Tugendhaftigkeit zu fördern.

Mit der richtigen Struktur lassen sich Alltagserlebnisse in spannende Geschichten verwandeln.
Foto: JackF/iStock
Die besten Geschichten, die Eltern ihren Kindern erzählen können, um eine tägliche Verbindung aufzubauen, sind Geschichten mit ihren eigenen Lebenserfahrungen, Fehlern aus der Vergangenheit und Anekdoten aus dem Alltag. Das sind die Geschichten, die Kinder am liebsten hören! Der Schlüssel liegt darin, sie fesselnd, unterhaltsam und wirklich inspirierend zu gestalten. Die Kinder werden gespannt zuhören und sie immer wieder hören wollen!


