Ein westlicher Ernährungswissenschaftler wird Ihnen erklären, dass Chilischoten dank Capsaicin wirken, einem Stoff, der Schmerzen lindern und den Stoffwechsel ankurbeln kann. Für einen Praktiker der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) vertreibt die Chili Kälte und bringt stagnierende Energie wieder in Bewegung. Beide beschreiben dasselbe feurige Gefühl, und beide haben auf ihre Weise recht.
Von mexikanischen Salsas bis zu Sichuan-Hotpots, scharfe Zutaten verleihen Gerichten schon seit Jahrhunderten ihren besonderen Charakter. Was sich jedoch verändert hat: Die moderne Wissenschaft erforscht heute mit bemerkenswerter Ernsthaftigkeit die biochemischen Grundlagen von Schärfe, und bestätigt dabei oft genau das, was die TCM seit Jahrhunderten beobachtet.
Drei Wirkstoffe
Die westliche Ernährungswissenschaft konzentriert sich auf drei Wirkstoffe:
- Piperin (schwarzer Pfeffer),
- Capsaicin (Chilischoten) und
- Gingerol (Ingwer).
Diese Moleküle sind für die Schärfe verantwortlich, die diesen Gewürzen ihre charakteristische Note verleiht und sie bieten zudem eine Vielzahl von gesundheitlichen Vorteilen.
Der größte Vorteil von Piperin liegt in seiner Fähigkeit, Krebsstammzellen zu unterdrücken und bestimmte Leber- und Darmenzyme zu blockieren, die normalerweise Nährstoffe abbauen, bevor diese in den Blutkreislauf gelangen.
Capsaicin reduziert Substanz P, einen Neurotransmitter, der Schmerzsignale an das Gehirn weiterleitet. Deshalb ist es ein häufiger Bestandteil von Salben gegen Arthritis und Nervenschmerzen. Zur gezielten Schmerztherapie wird Capsaicin jedoch vorwiegend äußerlich angewendet, da das Essen von Chilis Schmerzsignale in peripheren Nerven nicht auf dieselbe lokale Weise blockieren kann.
Capsaicin regt zudem die Thermogenese an, den körpereigenen Prozess der Wärmeerzeugung, was zu einem erhöhten Kalorienverbrauch führt. Diese Eigenschaft hat scharfe Speisen bei Menschen beliebt gemacht, die nach Lösungen zur Gewichtsregulierung suchen. Der Effekt auf die Gewichtsabnahme ist jedoch gering und kein Ersatz für eine Diät oder sportliche Betätigung.
Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Capsaicin dazu beitragen kann, den Blutdruck und den Cholesterinspiegel zu senken und damit das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verringern, während Ingwer in Laborstudien antimikrobielle Wirkungen gezeigt hat, die die Gesundheit des Immunsystems unterstützen können.
Die entzündungshemmenden Verbindungen des Ingwers können Muskelkater und Gelenkschmerzen lindern. Außerdem ist Ingwer reich an Antioxidantien, die oxidativem Stress entgegenwirken, der zu Alterungsprozessen und chronischen Erkrankungen beiträgt.
Die Vorteile der Schärfe
In der TCM wird Essen nicht von Medizin getrennt. Man geht davon aus, dass alles, was man isst, das innere Gleichgewicht des Körpers beeinflusst – sein Qi (Lebensenergie), das Blut und das Wechselspiel von Yin und Yang – zwei sich ergänzende, gegensätzliche Kräfte, die zusammenwirken, um das dynamische Gleichgewicht des Universums aufrechtzuerhalten.
Scharfe Zutaten werden als „warm“ oder „heiß“ eingestuft. Man sagt ihnen nach, dass sie den Kreislauf anregen und „Kälte“ sowie „Stagnation“ beseitigen; deshalb werden Ingwer, Zimt und Sichuan-Pfeffer traditionell im Winter oder von Menschen verwendet, die leicht frieren.
„Frischer Ingwer, Frühlingszwiebeln und Zimtstangen können oft eingesetzt werden, um Erkältungs- und Grippeviren abzuwehren, bevor sie sich im Körper wirklich festgesetzt haben“, erklärte Sharon Sherman, eine zugelassene Akupunkteurin und Kräuterkundlerin, gegenüber der Epoch Times. Eine weitere traditionelle Anwendung von Ingwer, nämlich die Linderung von Übelkeit, wirke direkter auf die Verdauung, sagte sie.
Bitter, sauer, scharf: Geschmack mit Funktion
„Selbst der Geschmack hat in der TCM eine eigene Bedeutung“, erklärt der TCM-Arzt und Akupunkteur Maz Roginski. Demnach regen scharfe beziehungsweise würzige Aromen das Schwitzen an; bittere Geschmacksrichtungen wirken „absenkend“, was bei Beschwerden wie Sodbrennen oder Verstopfung helfen soll. Saure Geschmacksrichtungen regen die Bildung von Speichel und anderen Körperflüssigkeiten an.
Gewürze werden selten allein verwendet. „Die synergistische Kombination von Kräutern und Gewürzen ist das Herzstück der chinesischen Kräutermedizin“, sagte Sherman. „Wir verlassen uns selten auf einzelne Kräuter, um ein Symptom oder ein Ungleichgewicht zu behandeln.“
Ein klassisches Beispiel ist der Ingwer-Süßholzwurzel-Sud aus dem „Shang Han Lun“, einem medizinischen Text aus der Östlichen Han-Dynastie. „Ingwer regt das Verdauungsfeuer an, während die Süße der Süßholzwurzel die anregende, wärmende Wirkung ausgleicht und Nebenwirkungen wie Schluckauf, Sodbrennen oder sogar Hautausschläge verhindern kann“, erklärte Sherman.
Maßhalten ist das Leitprinzip. „Anzeichen von überschüssiger Hitze, wie Durst, trockener Mund, Reizbarkeit oder ein gelber Zungenbelag, deuten darauf hin, dass wärmende Gewürze reduziert werden müssen“, erklärte Dr. Reuben Chen, ein TCM-Praktiker, gegenüber der Epoch Times.
Wer es mit der Schärfe übertrieben hat, für den hält die TCM laut Chen kühlende Gegenmittel bereit: Mungobohnensuppe soll „Hitze aus dem Blut leiten“, Chrysanthementee beruhigt gerötete Augen und Reizbarkeit, und Pfefferminztee hilft dabei, überschüssige Wärme über die Haut abzuleiten.
Nahrungsergänzungsmittel, Wechselwirkungen und Lagerung
Während die Mengen in Lebensmitteln im Allgemeinen als unbedenklich gelten, sind Nahrungsergänzungsmittel deutlich höher dosiert, gibt die US-Ernährungsexpertin Sophia Deahl zu bedenken.
„Beispielsweise sollten Menschen, die Blutverdünner einnehmen, mit ihrem Arzt sprechen, bevor sie hochdosierte Kurkuma-, Ingwer- oder Knoblauchpräparate einnehmen, da diese das Blutungsrisiko beeinflussen können“, sagte sie.
Menschen mit Lebererkrankungen sollten bei hochkonzentriertem Kurkuma oder Zimt vorsichtig sein“, rät die Expertin. Schwangere sollten vor der Einnahme von Kräuter- oder Gewürzpräparaten grundsätzlich ärztlichen Rat einholen.
Wer auf zertifizierte Bio-Marken setzt, kann zudem die Belastung durch Pestizide und Schwermetalle verringern. Auch die richtige Lagerung spielt eine Rolle: In luftdichten Glasbehältern, geschützt vor Hitze, Feuchtigkeit und direkter Sonneneinstrahlung, behalten Gewürze am längsten ihre Wirksamkeit. Ein Blick auf das Verfallsdatum lohnt sich ebenfalls – verströmt ein Gewürz sein charakteristisches Aroma nicht mehr, ist das ein Zeichen dafür, dass sich die wertvollen Wirkstoffe bereits abgebaut haben.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Gesundheitsfragen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker.
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Benefits of Eating Spicy Foods“. (deutsche Bearbeitung kr)
Zuerst erschienen auf theepochtimes.com unter dem Titel „The Benefits of Eating Spicy Foods“. (deutsche Bearbeitung kr)




