Der Anwalt des unter Spionageverdacht stehenden früheren BND-Präsidenten August Hanning geht einem Bericht zufolge gegen die Untersuchungshaft für seinen Mandanten vor. Rechtsanwalt Leon Kruse legte Haftbeschwerde beim Bundesgerichtshof ein, wie der „Spiegel“ laut Vorabmeldung vom Dienstag berichtete. „Die weiteren Ermittlungen werden zeigen, dass Herr Hanning keine Staatsgeheimnisse verraten hat und auch nie die Absicht dazu hatte“, sagte er dem Magazin.
Hanning war Anfang Oktober festgenommen worden. Die Bundesanwaltschaft verdächtigt ihn, von seinem früheren Büroleiter Manfred D. geheime Erkenntnisse des Bundesnachrichtendienstes (BND) gekauft und teils weitergegeben zu haben. Kruse sagte dem „Spiegel“ nun, dass Hanning D. jahrelang nebenberuflich beschäftigt habe. D. habe zum Beispiel Flüge gebucht oder Vorträge organisiert. „Mit dem Kauf geheimer Unterlagen hatte das nichts zu tun“, sagte der Anwalt.
Er kritisierte, dass die Ermittler die wesentlichen Dokumente als geheim eingestuft hätten. So dürfe er nicht einmal über den Inhalt des Haftbefehls sprechen. Er wolle beantragen, die Geheimhaltung aufzuheben.
Die Festnahme Hannings machte international Schlagzeilen. Der 80-Jährige war während seiner jahrzehntelangen Laufbahn in mehreren wichtigen Positionen tätig, er arbeitete auch im Bundeskanzleramt und im Bundesinnenministerium. Bis Ende 2005 leitete er den Auslandsgeheimdienst BND.
Die Bundesanwaltschaft verdächtigt ihn konkret, mithilfe des gekauften geheimen Materials eine Analyse für einen Mitarbeiter eines fremden Geheimdienstes verfasst haben – wobei unklar ist, ob diese ankam. Den Ermittlern zufolge soll Hanning die gekauften Erkenntnisse auch dazu genutzt haben, um einem Mitarbeiter eines anderen staatlichen Geheimdiensts politische Informationen zukommen zu lassen. Mit diesem soll er sich jahrelang intensiv ausgetauscht haben.
Der ehemalige Chef vom Bundesverfassungsschutz, Dr. Hans-Georg Maaßen, kennt ex-BND-Chef Hanning seit vielen Jahren und äußerte im Epoch Times Interview, dass er sich nicht vorstellen könne, dass sich die Vorwürfe bestätigen. Ihm käme das alles „sehr, sehr merkwürdig“ vor.
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Die mutmaßliche Spionage flog bei einer Razzia bei Hanning im vergangenen Jahr auf. Dabei ging es ursprünglich um ganz andere Vorwürfe im Zusammenhang mit der mutmaßlichen Entführung der Kinder von Steakhauskettenerbin Christina Block. Was bei der Durchsuchung gefunden wurde, rief die Bundesanwaltschaft auf den Plan. Hanning und sein früherer Büroleiter D. wurden festgenommen.
Gegen Hanning wird unter anderem wegen des Verdachts der Spionage und des versuchten Landesverrats ermittelt, gegen seinen mutmaßlichen Komplizen D. wegen des Verdachts der Beihilfe zum versuchten Landesverrat und zu landesverräterischer Ausspähung.
smb/hex
