In Kürze:
- Am 17. Oktober wurden 2.488 Geschäfte und Unternehmen geschädigt, 643 waren zehn Tage später immer noch geschlossen.
- Gerade vor Weihnachten ist der lokale Einzelhandel verwundbar: Das Jahresende macht rund 40 Prozent seines Jahresumsatzes aus.
- Amerikanische Muttergesellschaften und Investoren reagieren besorgt.
Abgesehen von den Sachschäden befürchten Gewerbetreibende in Frankreich nach den Demonstrationen eine länger anhaltende Vertrauenskrise. Die Besucherzahlen in Geschäften, touristische Ausgaben und Investitionsentscheidungen sind durch die wiederkehrenden Spannungen gefährdet.
Der Widerspruch besteht darin, dass sich die Forderungen auf die Kaufkraft und die öffentlichen Dienstleistungen beziehen – während Plünderungen und Ausschreitungen am Rande der Kundgebungen zusätzliche Verluste für eine bereits angeschlagene Wirtschaft verursachen und öffentliche Institutionen ins Visier genommen werden.

Der adidas-Flagshipstore auf den Champs-Élysées mit gesicherten Fenstern nach der Demonstration vom 17. Oktober, fotografiert am 22. Oktober 2026.
Foto: Laurent Caron/Hans Lucas/AFP via Getty Images
Geschäfte leiden kurz vor den Feiertagen
Die erste Bestandsaufnahme von CCI France, dem Dachverband der französischen Industrie- und Handelskammern, verdeutlicht das Ausmaß der Schäden: Am 17. Oktober waren 2.488 Geschäfte und Unternehmen betroffen. Davon waren 1.161 stark beschädigt und 643 zum Zeitpunkt der am 27. Oktober präsentierten Bilanz weiterhin geschlossen.
Etwa 50 weitere Betriebe wurden bei den Protesten am 24. Oktober beschädigt. In Marseille sind 500 Geschäfte beschädigt, in Paris 480, davon etwa die Hälfte schwer.
Die Schätzung von 1,1 Milliarden Euro entspricht der oberen Annahme der Stiftung iFRAP, berichtet „Le Figaro“. Sie umfasst fast 910 Millionen Euro Sachschäden und 190 Millionen Euro für Betriebsausfälle oder entgangene Einnahmen.
Diese Summe ist vorläufig, sie stellt keine endgültige Bilanz aller nationalen wirtschaftlichen Folgen dar. Den größten Teil der Kosten verursachen Schäden im Einzelhandel, gefolgt von den öffentlichen Einrichtungen.
Für verschonte Geschäfte reicht manchmal schon das Ausbleiben der Kunden aus, um den Tag zu ruinieren. „An den Samstagen, an denen demonstriert wird, verlieren die Geschäfte in der Innenstadt bis zu 80 Prozent ihres Umsatzes“, sagte CCI France.
Der Zeitpunkt verstärkt ihre Verwundbarkeit: Das Jahresende macht laut der CCI France 40 Prozent des Jahresumsatzes des lokalen Einzelhandels aus. Die bereits bestellten Weihnachtsprodukte binden Liquidität, die durch Verkäufe wieder erwirtschaftet werden muss.
Tourismus und Konsum: Die Angst vor verpassten Gelegenheiten
In Paris gehen die Auswirkungen über die direkt betroffenen Straßen hinaus. „Le Monde“ beschreibt verbarrikadierte Geschäfte rund um Saint-Lazare, vorzeitige Schließungen und Mitarbeiter, die noch von den Gewalttaten gezeichnet sind.
In der Nähe von Beaugrenelle berichtet ein Sommelier eines Sternerestaurants von rund 40 Stornierungen nach dem 17. Oktober. Er sorgt sich um den Ruf der Hauptstadt bei ausländischen Besuchern.
Diese Schilderungen weisen auf eine Fragilität und einen nationalen Verlust für den Tourismus hin. Die Herausforderung für Gastronomen und Fachleute im Gastgewerbe besteht darin, zu verhindern, dass die Besorgnis punktuelle Stornierungen in eine dauerhafte Abneigung verwandelt.
Bei den Franzosen geht die Sorge um den Arbeitsplatz mit der Sorge um die Kaufkraft einher. Es kommt zu Verschiebungen von Geschäftsaufträgen aufgrund fehlender Liquidität.
Ausländische Investoren sind verunsichert
Im Ausland haben die Szenen der Plünderungen ebenfalls die Aufmerksamkeit der Unternehmen auf sich gezogen. Die Zeitung „Les Échos“ berichtet von erhöhter Vorsicht amerikanischer Muttergesellschaften angesichts der Verschlechterung des französischen Images.
„Die amerikanischen Investoren glauben weiterhin an Frankreich, sind aber verunsichert“, sagte Églé de Richemont, Geschäftsführerin der Amerikanischen Handelskammer in Frankreich (AmCham), die 210 Großunternehmen vertritt.
Diese Feststellung belegt die Besorgnis über Geschäftsbedingungen sowie die Sicherheit von Eigentum und Personen. Zu den politischen und haushaltspolitischen Unsicherheiten kommen soziale Schwierigkeiten hinzu – alles zusammen macht die Aussichten für Konzerne, die über mehrere Jahre hinweg Investitionen tätigen müssen, weniger überschaubar.
Die Regierung betont die wirtschaftliche Stabilität des Landes. Paris verweist darauf, dass die Ratingagentur Moody’s am 23. Oktober die französische Bonitätsnote bestätigt hat, um Vertrauen zu schaffen.
Vor Ort fordern die Industrie- und Handelskammern Entschädigungen und bieten Unterstützung für die Händler an. Ihr dringendes Anliegen ist: eine sichere Wiedereröffnung, die Rückkehr der Kunden und die Sicherung der Weihnachtsumsätze – bevor die Schäden vom Oktober zu endgültigen Schließungen führen.
Germain de Lupiac schreibt für die französische Ausgabe der Epoch Times Analysen zum Geschehen in Frankreich und international.
Dieser Artikel erschien im Original auf epochtimes.fr unter dem Titel „Manifestations contre la vie chère : une lourde facture pour l’économie française“. (deutsche Bearbeitung: ks)


