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Künstliche Intelligenz: Siemens und Nvidia arbeiten in Erlangen an autonomer Fabrik

Der Siemens-Konzern und das US-Unternehmen Nvidia treiben in Erlangen ihre Pläne einer vollständig von Künstlicher Intelligenz getriebenen Fabrik voran. Siemens habe in seinem Elektronikwerk in Erlangen erstmals neue KI-Lösungen für die industrielle Fertigung vorgestellt, die einen „großen Schritt hin zur KI-getriebenen, autonomen Fabrik und ein neuer Meilenstein in der Partnerschaft mit Nvidia“ seien, erklärte das deutsche Unternehmen am Montag.
Das Elektronikwerk in Erlangen diene als „eine Art Labor für industrielle KI und soll zur Blaupause für eine Skalierung in der Industrie werden“, erklärte Siemens weiter. Die beiden Unternehmen wollten KI zum „Betriebssystem der Fertigung“ machen.
„Die Technologien können in Bereichen wie Produktionsplanung oder Produktentwicklung zu bislang unerreichten Verbesserungen führen“, erklärte Siemens. So könne „bei neuen Leiterplatten – dem Herzstück der in Erlangen gefertigten Antriebe und Frequenzumrichter – der Engineering-Aufwand um bis zu 85 Prozent reduziert und die Markteinführungszeit um bis zu 40 Prozent verkürzt werden“.

Schnellere und flexiblere Prozesse

Ziel des Einsatzes ist es, Prozesse schneller und flexibler zu machen. Bisher könne man Fabriken zu 30 oder 40 Prozent automatisieren, mit KI seien 70 oder 80 Prozent möglich, sagt Neike. Ein entscheidender Punkt dabei ist, dass es mit ihr möglich wird, dies auch bei vielfältigen und sich verändernden Prozesse zu tun. „Fabriken müssen mit Veränderungen ebenso gut umgehen können wie mit Wiederholungen“, sagt Rev Lebaredian von Nvidia.
In Erlangen zeigen die Unternehmen das am Beispiel der automatischen optischen Kontrolle von Leiterplatten. Im Werk ändern sich diese immer wieder – je nach genauer Konfiguration. Bisher sei es dann nötig gewesen, dem System von Hand beizubringen, wie eine gute Platte auszusehen hat. Das habe jedesmal mehrere Stunden gedauert und man habe dafür die Produktion anhalten müssen. Jetzt könne man noch vor dem Start der Produktion aus den Daten für das Produkt und die Produktion – Experten sprechen hier von einem digitalen Zwilling – mit Hilfe von Simulationstechnologie von Nvidia ein Bild erzeugen, wie eine fotorealistische gute Leiterplatte aussehen würde – aber auch wie fehlerhafte Platten aussähen.

Produktionsplanung im Dialog mit KI

Eine andere Anwendung ist die Produktionsplanung, bei der ein Mensch letztlich im Dialog mit KI-Agenten festlege, wie sie umgesetzt werde. Auch hier sind digitaler Zwilling und Simulation die entscheidende Grundlage.
Das Interesse an der Technologie, die digitale Zwillinge und Simulation zusammenbringe, sei sehr groß und komme letztlich aus allen Industrien, sagt Neike. Lebaredian hat dafür eine plakative Erklärung: Letzlich sei der digitale Zwilling eine Zeitmaschine, weil er einem durch Simulationen verschiedene Zukunften zeige. „Und wer könnte nicht eine Zeitmaschine brauchen.“
Das Erlanger Siemens-Werk besteht nach Konzernangaben seit 1971. Rund 1000 Mitarbeiter produzieren dort demnach Leistungselektronik und Automatisierungstechnik für Industrie und Infrastruktur wie etwa Werkzeugmaschinen, aber auch Lösungen für die Batterieproduktion sowie für die Prozess- und Fertigungsindustrie. Bis 2030 werde der Standort ausgebaut und dafür 500 Millionen Euro investiert, erklärte Siemens. (dpa/afp/red)

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