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Titel-Dreierpack: Varfolomeev rockt die Heim-WM

Mit der Goldmedaille um den Hals sang Darja Varfolomeev bei der Siegerehrung inbrünstig die deutsche Nationalhymne mit und genoss die Ovationen des begeisterten Publikums. Mit insgesamt drei Gold-Triumphen und einmal Bronze sorgte die 19 Jahre alte Ausnahmeathletin bei der Heim-WM in der Rhythmischen Sportgymnastik einmal mehr für Superlative.
„Ich bin sehr glücklich. Ich habe mich heute sehr sicher auf der Fläche gefühlt. Egal mit welchem Gerät: Ich habe immer gewusst, dass ich es schaffen kann“, sagte Varfolomeev und richtete einen speziellen Gruß an die Fans: „Ich bin dankbar für diese besondere Atmosphäre. Ihr wart immer an meiner Seite und habt mich beflügelt.“
Nach dem Sieg im Mehrkampf am Freitag war sie zum Abschluss der Titelkämpfe in Frankfurt am Main auch mit dem Band und dem Ball die Beste. Zudem gab es Bronze mit dem Reifen. Die Olympiasiegerin avancierte damit zum umjubelten WM-Star in der mit 4.500 Zuschauern ausverkauften Festhalle.

Varfolomeev begeistert das Publikum

Im Trophäenschrank von Varfolomeev, die als Zwölfjährige aus Westsibirien zunächst allein nach Deutschland kam und der Sportart hierzulande mit ihren Erfolgen zu großer Popularität verholfen hat, liegen nun bereits 14 WM-Goldmedaillen und 17 weitere internationale Plaketten. Eine atemraubende Ausbeute in ihrer noch jungen Karriere.
Auch vor heimischer Kulisse in Frankfurt hielt Varfolomeev dem Druck mit beeindruckender Nervenstärke stand. Mit ihren Auftritten brachte die Vorzeigeathletin vom TSV Schmiden die Stimmung auf den Rängen beinahe zum Überkochen. Jede technische Schwierigkeit, von denen Varfolomeev einige im Repertoire hatte, wurde vom euphorischen Publikum mit lauten Jubelschreien gefeiert.
Auch bei der Jury kamen ihre Vorstellungen gut an. Im Band-Finale legte sie als zweite Starterin 30,500 Punkte vor und lag am Ende hauchdünn vor der Bulgarin Stiljana Nikolowa (30,450). Einige Stunden zuvor hatte sie für ihre fehlerfrei vorgetragene Ball-Übung 30,350 Punkte erhalten. Damit verwies Varfolomeev die unter neutraler Flagge startenden Russinnen Sofija Ilterjakowa (29,800) und Maria Borisowa (29,150) deutlich auf die weiteren Medaillenplätze.
Zum Start des Finaltages hatte Varfolomeev mit dem Reifen ebenfalls einen starken Auftritt hingelegt. 30,400 Punkte bedeuteten Rang drei. Zur Goldmedaille, die Taisiia Onofriichuk aus der Ukraine gewann, fehlten nur 0,3 Zähler. Zweite wurde Titelverteidigerin Sofia Raffaeli aus Italien (30,500).

Gruppe geht leer aus

Nur in der Entscheidung mit den Keulen musste die Sportlerin des Jahres von 2024 tatenlos zuschauen, wie sich Nikolowa den WM-Sieg sicherte. Wegen eines kleinen Fehlers hatte Varfolomeev in der Qualifikation nur Rang neun belegt und das Finale knapp verpasst.
Für sie war das ein ärgerlicher Schönheitsfleck. „Natürlich wollte ich in allen vier Gerätefinals dabei sein“, hatte sie nach dem kleinen Fauxpas am Donnerstag eingeräumt. Der war aber spätestens nach dem glanzvollen WM-Abschluss vergessen.
Im Schatten von Varfolomeev ging die deutsche Gruppe leer aus. Nach Platz vier im Mehrkampf am Samstag reichte es für das Quintett mit Alisa Datsenko, Anja Kosan, Alina Ott, Helena Ripken und Anna-Maria Shatokhin auch in den Gerätefinals nicht zur erhofften Medaille. Am Ende standen Platz sechs mit drei Reifen und zwei Paar Keulen sowie Rang acht mit fünf Bällen. Gold ging in beiden Entscheidungen an Brasilien. Den Mehrkampf-Titel hatte sich am Vortag Spanien gesichert. (dpa/red)
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Daumen hoch: Kevric und Frauen-Team in Europas Turn-Spitze

Helen Kevric reckte erst beide Daumen nach oben und ließ sich dann glücklich die große Goldmedaille umhängen. Der 18 Jahre alte Jungstar hat bei den Turn-Europameisterschaften abgeliefert und mit ihm das gesamte deutsche Team – trotz der Rückkehr der starken Russinnen um Mehrkampf-Europameisterin Angelina Melnikowa.
„Großartig, starke Leistung. Ich bin ein stolzer Cheftrainer“, sagte Bundestrainer Gerben Wiersma in Zagreb nach Abschluss der Finals an den Einzelgeräten.
Vier Jahre nach Elisabeth Seitz holte Kevric wieder EM-Gold am Stufenbarren. Karina Schönmaier war trotz der verpassten Titelverteidigung am Sprung auch mit der Silbermedaille zufrieden. Und die 29-jährige Pauline Schäfer-Betz schrammte am Schwebebalken nur wegen einer zwei Sekunden zu langen Übung hauchdünn an Bronze vorbei.
Johannes Liebmann (M) und Oliver Klemet (r) sind Konkurrenten und Freunde.

Johannes Liebmann (M) und Oliver Klemet (r) sind Konkurrenten und Freunde.

Foto: Emma Da Silva/AP/dpa

Was das Team erreicht hat

Überdies hat das Trio zusammen mit Silja Stöhr und Lea Marie Quaas in der Mannschaft durch Platz vier in der Qualifikation schon die Teilnahme an den Weltmeisterschaften im Oktober in Rotterdam sicher. Bei Halbzeit auf dem Weg zu den nächsten Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles gehört das deutsche Frauen-Turnen zumindest auf europäischer Ebene zu den Top-Nationen.
Für Kevric war bereits im vergangenen Jahr bei den Heim-Europameisterschaften in Leipzig die Hauptrolle am Stufenbarren vorgesehen.
Doch ihre schwere Verletzung am linken Knie machte der Stuttgarterin einen Strich durch die Rechnung – und Schönmaier sprang mit ihren Titeln am Sprung und im Mixed mit Timo Eder (Ludwigsburg) in die Bresche. In Zagreb nun hielt die 18-Jährige den hohen Erwartungen stand und holte ihre erste internationale Einzel-Medaille bei den Frauen.

Preisgeld für Turnerinnen und Sieger-Banane

„Ich bin einfach nur dankbar, dass ich jetzt wieder hier stehe, meine Leistung wiederholen konnte und mit der Goldmedaille hier stehe“, sagte Kevric erleichtert.
Neben dem Titel konnte sie sich auch über 3.000 Euro freuen – erstmals bei EM bekommen die ersten Acht ein Preisgeld. Zudem gab es für die Sieger eine aufblasbare Banane. „Ich wusste am Anfang nicht, ob ich die behalten darf. Aber ich finde die Banane richtig cool“, sagte die Barren-Europameisterin lachend.
Goldgekrönt: Helen Kevric. (Archivbild)

Goldgekrönt: Helen Kevric. (Archivbild)

Foto: Igor Kralj/PIXSELL/dpa

Was der Bundestrainer zur Situation von Kevric sagt

Wesentlich einsilbiger reagierte Kevric, wenn die Sprache auf ihre Situation ohne festen Trainer kam. „Ich würde heute eigentlich gern nur Fragen beantworten zu meiner sportlichen Leistung“ – so moderierte sie das Thema bestimmt ab.
Seit den Missbrauchsvorwürfen am Kunst-Turn-Zentrum Stuttgart ist Kevric mit wechselnden Trainerinnen nicht zurechtgekommen – auch nicht mit Aimee Boorman aus den USA, die Superstar Simone Biles in die Weltspitze geführt hatte, oder deren Landsfrau LaPrise Williams.
Gesprächiger war Bundestrainer Wiersma. In Stuttgart werde Kevric von verschiedenen Trainerinnen betreut. Wenn sie in Italien sei, werde sie vom früheren italienischen Top-Turner Enrico Pozzo trainiert, mit dem er sich wie mit allen Heimtrainern abstimme, verriet der Niederländer.
„Ich bin sehr beschäftigt mit der Situation“, sagte Wiersma. Man plane aktuell Schritt für Schritt, zunächst war es bis zur EM, nun ist es bis zur WM in acht Wochen. „Ich hoffe natürlich, dass es eine stabile Lösung gibt in der Zukunft“, betonte er. (dpa/red)