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Panini-Hype zur Fußball-WM: Sammeln und Hoffnung in Tütchen


In Kürze:

  • Die italienische Firma Panini produziert seit 1961 Sammelbilder zum Aufkleben.
  • Bis heute stellen die Fußball-Weltmeisterschaften geschäftliche Höhepunkte dar. Ab 2034 wird sich das ändern.
  • Etwa 1.500 Euro kann ein vollständig geklebtes Sammelheft kosten.
  • Die offizielle 5-Dollar-Münze der USA und der Besuch eines der Spiele liegen in derselben Preisklasse. Andere Sammelobjekte und Erinnerungen sind deutlich günstiger.

 
Von 5.000 Followern auf über 1 Million innerhalb einer Woche? Auch das ist Fußball: Der neuseeländische WM-Spieler Tim Payne, als Verteidiger in seiner Nationalmannschaft eher auf einem hinteren Platz, wird in den sozialen Medien über Nacht berühmt.
Wie die britische Tageszeitung „The Guardian“ kürzlich berichtete, hatte der argentinische Fußballinfluencer „El Scarso“, der auch unter dem Namen „Valen Scarsini“ bekannt ist, den Neuseeländer Payne „aufgrund seiner geringen Followerzahl in den sozialen Medien als den unbekanntesten Spieler bei der Weltmeisterschaft“ ausgemacht. Kurz darauf sei Paynes Followerzahl um 1.000 Nutzer pro Minute gestiegen. Heute hat er mehr als 1 Million Follower – und wundert sich, und alle anderen auch.
Wundern kann man sich auch bei dieser WM wieder über einen völlig anderen Trend: das Sammeln von kleinen, selbstklebenden Bildchen, auf denen die Spieler der teilnehmenden Nationalmannschaften zu sehen sind. Wer es noch nicht wusste: Dieses Sammeln ist Kult. Der Name der Sticker: Panini.

Überraschung für 1.500 Euro

Auch in den USA und Kanada, zwei der drei Gastgeberländer, sind die italienischen Traditionssammelkarten ebenfalls so bekannt wie in Europa oder Lateinamerika, allerdings mit den Porträts von Basketballern und Basketballerinnen und der NASCAR-Rennfahrer.
Allerdings: Man kauft keine Sets, sondern lässt sich von Wundertüten mit sieben Bildern pro Stück überraschen. Es geht dabei um Vorfreude und Spannung – ganz wie beim Fußball auf dem Rasen. Das offizielle Sammelheft hat aufgrund der höheren Teilnehmerzahl von Mannschaften dieses Jahr eine Rekorddicke von 112 Seiten und umfasst vollständig ausgefüllt 980 Klebchen. Etwa ein Drittel der Bilder könnte man mit viel Glück beim Kauf des Sammelheftes erhalten, wenn man keinen einzigen Spieler doppelt hat.
Für Sammler hat die diesjährige Ausgabe zudem historischen Wert: Es ist das vorletzte klassische WM-Sammelheft von Panini. Nach der nächsten WM 2030 verliert die Firma die Exklusivlizenz an den US-Konzern Fanatics. Das Magazin „FOCUS“ hat ausgerechnet, dass eine vollständige Sammlung dieses Jahr mehr als 1.500 Euro kosten kann. Dieses Geld reicht aus, um zu einem der Spiele nach Amerika zu fliegen. Kostengünstiger ist es, die Dubletten, die immer entstehen, auf einer Tauschbörse oder in den sozialen Medien mit anderen Interessierten zu teilen.
Ein Fan zeigt Panini-Bildchen, die sie Anfang Juni in Miami, Florida, USA, erworben hat.

48 teilnehmende Mannschaften führen zu einer Rekordzahl von Panini-Aufklebern: 980 Bilder sind dieses Jahr für ein vollständiges Album nötig. Dopplungen sind dabei praktisch nicht zu vermeiden.

Foto: Joe Raedle/Getty Images

Besonders auf Plattformen wie TikTok oder Reddit kursieren derzeit immer häufiger angebliche Komplettsammlungen oder PDF-Dateien mit sämtlichen WM-Stickern, warnt etwa die „Frankfurter Rundschau“ vor Internetbetrügern. Dann sind auch scheinbar schlappe 15 Dollar schlecht angelegt.

Panini: Wer und was ist das?

Das heute in 150 Ländern vertretene Unternehmen Panini wurde 1961 von mehreren Brüdern der Familie Panini in der italienischen Kleinstadt Modena gegründet. Der Ort ist eher berühmt als Opernstadt; der Tenor Luciano Pavarotti wurde hier geboren und begraben. Modena ist in der Autowelt für Ferrari- und Lamborghini-Sportwagen bekannt, die in der Region gebaut werden. Und nun auch noch Sammelklebebilder von Panini.
Das Unternehmen machte laut italienischen Medienberichten im Jahr 2021 einen Rekordumsatz von 1,3 Milliarden Euro – mit Aufklebern. Am Anfang standen Sammelalben mit Blumenmotiven, hergestellt in Heimarbeit. Der Durchbruch kam nach Firmenangaben mit Aufklebebildern italienischer Fußballmannschaften.
Unvollständiges Sammelalbum zum Thema „Die Welt der Tiere“, Panini,1970.

Unvollständiges Sammelalbum zum Thema „Die Welt der Tiere“, Panini, 1970.

Bildchen mischen im Butterfass

Sammelbilder gibt es schon seit den 1850er-Jahren. „In Deutschland schreibt man den Beginn dieser Art zu werben der Firma Stollwerck zu, die schon um 1840 ihre Waren mit Serienbildern ausstattete“, ist auf einer Sammlerexpertenseite zu lesen. Die Bildchen wurden als kostenlose Werbegeschenke verteilt. Gesammelt werden konnten beispielsweise gezeichnete Bilder von Tieren aus Afrika, geschichtliche Motive oder Szenen aus den Kolonien europäischer Großmächte.
Solcherart Sammelanreize wurden spätestens ab Ende des 19. Jahrhunderts als Beilagen in Lebensmittelpackungen und Zigarrenkistchen sowie von Banken und Versicherungen verteilt. Laut Panini-Firmeninformation waren die italienischen Brüder die Ersten, die Sammelbilder kommerzialisierten. Sie verkauften ihre Bildchen in Tütchen.
Um zu verhindern, dass kein Bildchen doppelt in einer Wundertüte landete, mischten sie ihre Stickerproduktion in einem Butterfass, das der Lottozahlenmischmaschine ähnelte. Seit Jahrzehnten produziert Panini Sticker zwar zu allen möglichen Themen, etwa zu Filmen, Serien und Games, die Fußball-Weltmeisterschaften stellen aber auch für die Stickerfirma stets ein geschäftliches Highlight dar.
Bis heute knüpfen große Lebensmittelketten an die Tradition der „kostenlosen“ Sammelbilder an – solange verfügbar –, auch mit Panini-Sammelbildern zur WM. Pro 15 Euro Einkaufswert gibt es dann ein Tütchen mit zwei oder drei Stickern. Das verrät entweder etwas über die Gewinnmargen der Händler bei den Produkten des täglichen Lebens oder die eigentlichen Kosten der Klebebildchen oder beides. Doch wer Glück hat und beim passenden Händler kauft, kann darin mitunter auch signierte Karten der deutschen Nationalmannschaft finden.

Panini ist nicht allein: Was man noch sammeln kann

Auch Münzen zu Fußball-Weltmeisterschaften sind beliebte Sammlerstücke, sowohl bei Sportfans als auch unter Münzsammlern. Der Marktwert hängt meistens davon ab, ob es sich um Münzen handelt, mit denen man auch bezahlen kann, oder um reine Gedenkprägungen, sogenannte Medaillen. Anlässlich der WM 2026 kann man in den USA seit dem 4. Juni eine 5-Dollar-Münze in Gold für 1.328 Dollar erwerben. Sie wird in der offiziellen staatlichen US-Münzprägestelle hergestellt.
Heute bereits legendär ist die 10-Euro-Silberserie zur WM 2006 in Deutschland. Damals gaben die Deutschen Münzprägeanstalten zum „Sommermärchen“ eine vierteilige Serie von 10-Euro-Silbermünzen (925er Silber) heraus, darunter mit dem Brandenburger Tor als Motiv. Auch ihr Preis liegt heute deutlich über dem Nennwert.
Die weltweit erste Münze mit Fußballmotiv erschien indes schon im Jahr 1973. Sie wurde zur Fußball-WM in Deutschland im Jahr 1974 als Gedenkmünze geprägt – im karibischen Inselstaat Haiti. Grund: Haiti war „aus dem Häuschen“, da dessen Mannschaft damals überraschend lateinamerikanischer Gruppensieger wurde und so zur WM nach Deutschland fahren konnte.
Auch der Deutsche Fußballbund bietet in seinem Onlineshop zahlreiche Fanartikel zum Sammeln an, darunter nicht nur klassische Trikots, sondern etwa auch ein Basecap mit jenen vier Jahreszahlen, in denen die deutsche Nationalmannschaft Weltmeister geworden ist. Und für Kinder bietet die weltbekannte Firma, die Klemmbausteine herstellt, in diesem Jahr eine riesige Auswahl an aktuellen Spielfiguren und Motiven zur Fußball-WM 2026, einschließlich eines goldenen Pokals.

Warum wir sammeln

Die Sammelleidenschaft ist offenbar tief in der menschlichen Psychologie angelegt. Als einige Hauptgründe führt der Münchner Psychologie-Professor Dieter Frey an: „Von allen Motiven, die Menschen im Innersten bewegen und handeln lassen, gibt es kaum eins, das nicht seine Ursache im Sammeln hat. Durch das Anhäufen und Demonstrieren von Dingen unterschiedlichster Art gewinnen Menschen Orientierung“ und würden „ihre Leidenschaft“ ausleben. „Man findet so eine Insel oder Nische, auf die beziehungsweise in die man sich zurückziehen kann“, so der Psychologe.
Allen Sammlern sei viel Freude gewünscht, nicht nur individuell für sich persönlich, sondern auch im Familien- und Freundeskreis, mit dem die Begeisterung über die „Schätze“ geteilt werden kann. Und wer noch eine alte Sammlung von Panini-Stickern oder Münzen „irgendwo im Keller oder auf dem Dachboden“ hat: Vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt, etwas aufzuräumen, einem Sammler eine große Freude zu bereiten und dabei die eigene Urlaubskasse zu füllen.

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