Amazons Lieferdrohnen versprechen, kleine Pakete innerhalb von etwa 30 Minuten zuzustellen. Doch unter den Flugrouten klagen Anwohner über ihr Summen, das sie den ganzen Tag begleitet.
Das Unternehmen hebt hervor, dass die Kunden ihre Bestellungen schneller erhielten, und versichert, den Betrieb an die Rückmeldungen anzupassen. So zeichnen sich im texanischen Richardson, einem Vorort von Dallas, der Pionierarbeit für diese Art der Zustellung leistet, zwei unterschiedliche Sichtweisen auf dieselbe Technologie ab.
Die Überflüge prägen den Tag
In Richardson sind seit Dezember 2025 Lieferungen zwischen 7 und 20 Uhr erlaubt. In den Wohnvierteln in der Nähe des Amazon-Lagers werden laut der „New York Times“ täglich mehrere Dutzend Überflüge verzeichnet, manchmal sogar mehr als hundert.
Einige Anwohner vergleichen den Lärm mit dem fliegender Rasenmäher: Schwer erträglich sei weniger ein einzelnes Gerät als vielmehr die ständige Abfolge der Überflüge.
Nikki Anderson berichtet, dass sie die Drohnen sogar in ihrem Haus höre, selbst wenn der Fernseher läuft. Ihr Garten, den sie früher wegen seiner Ruhe schätzte, biete ihr nicht mehr dieselbe Gelassenheit.
Besonders am Wochenende sei die Aktivität hoch. Sie hat die Stadtverwaltung gebeten, Tage oder Zeiten für Lieferungen einzuschränken. Zu zusätzlichen Beschränkungen sei es nicht gekommen.

Eine Amazon-Lieferdrohne am 10. November 2022 im BOS27 Robotics Innovation Hub von Amazon in Westborough, Massachusetts.
Foto: Joseph Prezioso/AFP via Getty Images
Ein „relativ ruhiger“ Freitag mit 52 Überflügen
Eine andere Anwohnerin, Stephanie Puri, hat ein Gerät zur Erfassung der Flüge installiert. An einem Freitag, den sie als relativ ruhig einschätzte, zählte sie 52 Überflüge, davon drei in Höhen von etwa 46 bis 52 Metern.
Die individuelle Erfassung verdeutlicht die Häufigkeit der Überflüge, stellt jedoch keine akustische Messung dar, die den Lärmpegel im gesamten Stadtteil ermittelt.
Auf X spricht der Nutzer Alex Xplore von einer „Autobahn über Ihrem Haus“ durch die Lieferdrohnen. Und: „Amazon spielt das Problem herunter, indem es den Lärm mit dem eines Autos vergleicht, während die [US-Luftfahrtbehörde] FAA die Umwelt- und Lärmauswirkungen als tolerierbar einstuft.“
Der Dienst breite sich zudem ins Ausland aus, schreibt er. In Frankreich sei ein Start vorerst jedoch unwahrscheinlich, da die französische Zivilluftfahrtbehörde DGAC strenge Lärmschutzauflagen vorgebe. Zum Schluss fragt er: „Möchten Sie, dass Amazon Prime Air nach Frankreich kommt?“ Hier sein Beitrag:
Amazon verteidigt die schnelle Lieferung und passt Flugrouten an
Für die Nutzer bietet Prime Air die Möglichkeit, Artikel des täglichen Bedarfs schnell zu erhalten. Die im Bericht der „New York Times“ beschriebenen Fluggeräte wiegen etwa 38 Kilogramm und transportieren Pakete mit einem Gewicht von bis zu 2,3 Kilogramm.
Sie bedienen einen Umkreis von etwa 12 Kilometern um ihren Startpunkt und senken sich laut „GeekWire“ auf etwa 4 Meter über dem Boden, um ihre Fracht abzuliefern.
Lindsay Hamilton, Sprecherin von Amazon, gibt an, dass sich weniger als 1 Prozent der seit Anfang 2026 eingegangenen Anfragen zum Programm mit Lärmproblemen befassten. Diese Zahl bezieht sich jedoch nur auf die Anfragen, die an das Unternehmen gerichtet wurden, und nicht auf eine Umfrage unter allen betroffenen Anwohnern.
Sie vergleicht den Lärm der Fluggeräte mit dem eines auf niedrige Stufe eingestellten Fensterventilators. Amazon versichert, seinen Betrieb entsprechend den Rückmeldungen anzupassen.

In Deutschland lieferte eine Quadcopter-Drohne am 9. Dezember 2013 eine kleine Sendung an der Zentrale der Deutschen Post in Bonn ab. Die Deutsche Post testete damals die Zustellung von Medikamenten aus einer Apotheke in Bonn.
Foto: Andreas Rentz/Getty Images
Kristi Graham, die sich über Überflüge über ihrem Garten beschwert hatte, berichtet, dass daraufhin eine Flugroute vor ihr Haus verlegt worden sei. Das zeigt, dass Änderungen möglich sind, ohne dass die Belästigung für ein Grundstück oder eine Nachbarschaft zwangsläufig verschwindet.
Trotz der angekündigten Anpassungen ist der Lärm nach wie vor ein Thema
Das Problem dauert an. Laut dem „Boston Globe“ berichtet Brian Rowe, ein Einwohner von Richardson, dass er bis in den Abend hinein immer wieder Lärm höre.
Er weist darauf hin, dass auch Walmart-Drohnen in der Gegend unterwegs seien – eine wichtige Unterscheidung, um nicht automatisch jede Lärmbelästigung Amazon zuzuschreiben.
Seine Erfahrungen finden in Westborough, Massachusetts, Widerhall, wo Amazon einen neuen Drohnenstandort vorbereitet. Am 14. Oktober forderten vier Abgeordnete des Bundesstaates eine Untersuchung der lokalen Auswirkungen des Projekts.
Die Bedenken beziehen sich insbesondere auf Lärm und Überflüge über Wohngebieten. Gleichzeitig setzt das Unternehmen die für seine Ansiedlung notwendigen Schritte fort.
Amazon versichert, den Anwohnern weiterhin Gehör zu schenken.
In Richardson bleibt die Herausforderung, den Vorteil einer schnellen Lieferung zu erhalten und gleichzeitig auf die Belästigung der Anwohner unter den Flugrouten zu reagieren – unabhängig davon, ob sie den Dienst nutzen oder nicht.
Der Erfolg oder Misserfolg der Drohnenlieferung in den USA wird darüber entscheiden, ob Lieferdrohnen weltweit eingesetzt werden.
Dieser Artikel erschien im Original auf epochtimes.fr unter dem Titel „‚Excédés par le bruit‘: Au Texas, les drones de livraison Amazon font vivre un enfer aux habitants“. (deutsche Bearbeitung: ks)


